Milk & Honey

von Die Meg
GeschichteRomanze / P18
Draco Malfoy Hermine Granger
11.12.2016
11.12.2016
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Kapitel 2

Sie hatte länger gebraucht, um von der Arbeit zu fliehen, denn unten vor dem Haupteingang hatten sich Harry und Ron tatsächlich einen Streit geliefert. Ron wollte eingesetzt werden, damit er nicht ständig im Ministerium sein musste, aber Harry hatte ihm, als sein Vorgesetzter, erklärt, dass er absolut nutzlos war, wenn er nicht zaubern konnte.

Das ging eine Weile im Kreis, bis Ron irgendwann wutentbrannt raus gestürmt war. Sie nahm an, er ging jetzt nach Hause zu seiner Mutter, um von ihr getröstet und bekocht zu werden.

Ihre Mutter war sonst wo. Nein, sie war auf einer Kreuzfahrt mit ihrem Vater. Hermine hatte das Geld weise angelegt, das das Ministerium ihr nach dem Fall Voldemorts als Ehrendankeschön gezahlt hatte. Sie hatte ihre Eltern immerhin nach Australien verschifft, ihr Gedächtnis gelöscht und belogen.

Das einzige, was sie hatte tun können, war, ihnen jedes Jahr einen bombastischen Urlaub zu bezahlen, nach dem sie sich bis zum Sankt Nimmerleinstag entschuldigen würde.

Endlich war sie auf dem Weg zu Lunas Laden und zu ihrer großen Enttäuschung spürte sie gar keinen rechten Hunger auf die Schokolade.

Sie beendete dennoch den Weg.

Sie konnte schon die kleinen Männer rühren sehen. Und sie glaubte sogar, dass sie die Augen verdrehten, als sie erkannten. Gerade verließ eine Familie den Laden, vollgepackt mit Tüten und schokoladenverklebten Fingern.

Luna nagte also nicht am Hungertuch mit einer Confiserie, nahm sie an und betrat den Laden. Die Glocke läutete laut. Sie winkte den Kakaorührern, aber diese starrten demonstrativ in eine andere Richtung.

„Hey, es tut mir leid“, sagte sie leise, obwohl sie sicher war, dass diese kleine  Männer nur schokoladenbezogene Themen verstanden.

„Hallo?“, rief sie wieder in den Laden, denn sie konnte niemanden zwischen den Ständern und bunten Schachteln voller Pralinen ausmachen. „Ist die Vertretung für Luna da?“ Sie wusste ja den Namen der Vertretung nicht. Sie wusste nicht mal, ob es ein Mann oder eine Frau war, die Luna vertrat. Aber, nachdem sie den Film mit Johny Depp gesehen hatte, nahm sie an, dass nur Frauen die Kunst der Schokoladenküche gut verstanden.

Sie hatte schon überlegt, Luna diesen Film zu schenken. Aber dann musste sie ihr auch einen DVD-Player schenken. Und einen Fernseher. Und Strom. Also war dieses Geschenk viel zu kostspielig.

„Wir haben geschlossen!“, hörte sie eine Stimme aus dem kleinen Hinterzimmer rufen. Sie wandte sich um. Tatsächlich war der Laden jetzt völlig leer. An der Scheibe konnte sie spiegelverkehrt erkennen, dass sie genau zwei Minuten zu spät gekommen war.

„Oh“, erwiderte sie nur. Anscheinend war es also ein Mann, der Luna vertrat. „Könnte ich nicht vielleicht nur eine ganz kleine Schachtel Vollmilchpralinen bekommen? Ich will Luna nicht enttäuschen, wenn ich nie zeitig genug komme, um etwas zu kaufen!“, rief sie und kam sich albern vor, nicht mit einer Person zu sprechen, sondern nur mit einer Stimme.

„Vollmilch?“, wiederholte die Stimme ungläubig und der Mann, der zu der Stimme gehörte kam endlich aus dem Lager nach vorne. „Das ist wahrscheinlich das Langweiligste, was…“ Er hörte auf zu sprechen.

Vielleicht lag es an der Tatsache, dass sie ihn mit offenem Mund anstarrte und er sich unwohl fühlte, oder es lag an der verdammten Tatsache, dass ihr Draco Malfoy in Lunas schokoladenbeschmierter Schürze gegenüber stand.

„So sieht man sich wieder“, sagte er, nachdem er sich wesentlich schneller gefangen hatte als sie.

„Malfoy?“, flüsterte sie völlig fassungslos. „Draco Malfoy?“, wiederholte sie, weil sie nicht sicher war, ob sie jetzt verrückt geworden war.

„Ich… kenne meinen Namen“, sagte er schließlich und wischte sich die Finger an der Schürze ab.

„Weiß Luna, dass du hier bist?“, fragte sie sofort und stemmte die Hände eher in die Hüften, als das sie sich hätte aufhalten können.

„Ja?“, erwiderte er. „Du hast mich doch gerade schon als ihre Vertretung bezeichnet.“ Er hob ungeduldig die Hände. „Also, was ist? Willst du noch was kaufen, oder willst du mich lieber anstarren, bis ich abschließe?“, erkundigte er sich jetzt etwas gereizt.

„Sie weiß, dass du – du – hier bist?“, wiederholte sie die Frage.

„Ja oder nein, Granger?“, fragte er und war dabei die Schürze aufzubinden.

„Du weißt, wer ich bin?“, fragte sie fassungslos und er atmete langsam aus.

„Ich weiß, wer ich bin, ich weiß, wer Luna ist und ja, ich weiß wer du bist“, erklärte er mit hochgezogener Augenbraue. „Und Granger, vielleicht kippst du gleich aus deinen alte-Damen-Latschen, aber ich weiß sogar, wer Harry Potter ist!“ Sie verzog genervt den Mund. „Unglaublich, oder?“ Er sah sie spöttisch an.

„Nein, ich meine-“

„Du meinst, auf deine immer so höfliche Art und Weise, ob Luna Lovegood-Longbottom weiß, dass sie mir, Draco Malfoy, ihren Laden überlassen hat, solange sie in Mutterschaftsurlaub ist?“ Seine Stirn lag jetzt in übertrieben genervten Falten und sie schloss den Mund wieder.

„Du arbeitest hier?“, sagte sie jetzt und er warf die Schürze über einen Garderobenhaken an der Wand.

„Hör zu, das wird zu albern. Ich schließe ab, und ich würde dich nur ungerne hier drin lassen, denn…“ Er warf ihr einen abschätzenden Blick zu, „du siehst so aus, als würdest du den ganzen Laden nur zu schnell vernichtet haben.“

Was war das? Eine Beleidigung? Sie war jetzt also dick? Wie einfallsreich von ihm.

„Ich meine, du arbeitest hier?“, wiederholte sie und folgte ihm zur Tür. „Im Sinne von, Draco Malfoy arbeitet hier in einer Confiserie, während dein Vater Galleone um Galleone aus Spaß zu Hause verbrennt?“ Er ignorierte sie tatsächlich.

„Jungs, ihr könnt einpacken. Wir sehen uns morgen“, rief er den Rührern zu, die die Hand zum Gruße hoben, die kleinen Stäbe an winzigen Tüchern sauber wischten und dann in ein kleines Lebkuchenhaus kletterten, was neben der Tür hing. Sie beobachtete dies völlig verstört. Die Männer schliefen im Laden? Sie mussten überhaupt schlafen?

„Ich glaube, dass B-Elfe-Kakaorührer-R nicht auf einen Anstecker passt, Granger“, erklärte er spöttisch, als er in ihr Gesicht blickte.

„Ha ha“, würgte sie hervor und war noch nicht über den Anblick der kleinen Männer hinweggekommen, die mit einem letzten bösen Blick auf sie, die kleine Lebkuchentür in das kleine Lebkuchenschloss warfen.

„Was machen sie jetzt da drin? Sind da… Betten, oder…?“ Er lachte und irritierte sie damit völlig.

„Das sind Kakaorührer. Sobald es dunkel wird, werden sie zu Schokolade. Sie… haben keinen Organismus. Wenn es hell wird, dann erwachen sie wieder“, erklärte er, als hätte er gerade einem Muggel erklärt, dass man bei Grün über die Ampel ging und bei Rot warten musste.

„Woher…“ Sie unterbrach sich selbst. „Nein, wieso bist du hier?“

„Granger, dieses Spiel ist mir ein wenig zu dumm“, sagte er jetzt offen, schenkte ihr ein Kaufmannslächeln und öffnete die Tür, die melodisch klingelte. „Einen schönen Abend, wünsche ich dir.“

Sie sah ihn an. Entweder wollte er nicht sagen, weshalb er hier arbeitete, oder er wollte es eben nicht sagen, weil sie es war, die fragte.

„Luna weiß das wirklich?“, fragte sie noch einmal.

„Raus“, sagte er betont freundlich und gleichzeitig so kühl, dass sie keine Wahl hatte, als die Confiserie zu verlassen. Kaum war sie draußen, verschloss er die Tür, ließ das Rollo runter und schien weiter aufzuräumen.

Sie stand noch einen Augenblick völlig verwirrt vor der Tür, aber er kam nicht wieder, um sich zu erklären. Draco Malfoy arbeitete für Luna Lovegood-Longbottom in ihrer Confiserie.

Entweder war dieser Satz korrekt, oder sie war so eben völlig verrückt geworden.


~*~


Sie kam nicht über die Tatsache hinweg, dass er in Lunas Laden war. Aber sie hatte entweder die Möglichkeit, zu Luna zugehen und sie selber noch einmal zu fragen, oder heute pünktlich Schluss zu machen, um ihn selber zu fragen. Er musste ja heute wieder da sein, oder nicht?

Und wieso hatte ihr Luna das nicht gesagt? Es war doch nicht so, als ob Mia Mausezahn ihre Vertretung war. Hermine konnte verstehen, weshalb Luna ihr so jemanden nicht vorstellte. Aber zu sagen, weißt du, nächste Woche arbeitet Draco Malfoy in meinem Schokoladenladen, das war etwas, was der ganze Hogwartsjahrgang hätte hören wollen!

Prinz Malfoy arbeitete in einem Schokoladenladen? Sie schüttelte schon wieder den Kopf. Es war unmöglich!

Und vielleicht log er. Vielleicht war er wirklich da, um Vandalismus zu betreiben! Es war schließlich nicht so, dass sein Vater ein netter Mann war, der damals nicht davor zurückgeschreckt war, Luna zu entführen, damit ihr Vater Harry an die Todesser ausliefern konnte!

Sie waren keine alten Canasta-Freunde, nein! Das waren sie eben nicht.

Luna würde doch niemals einen Malfoy für sich arbeiten lassen! Na ja, Luna ließ auch kleine Schokoladenmonster für sich arbeiten. Wie hießen sie doch gleich? Umpa-Lumpas? Waren das nicht auch kleine Schokoladenmonster?

Hermine atmete langsam aus. Man war doch nicht einfach nach so einer Sache befreundet? Vor allem doch nicht Malfoy und Luna! Sie kannten sich doch überhaupt nicht. War Luna so ein vergebungsfreudiger Mensch, dass sie Malfoy nicht einmal die Entführung übel nahm? Hieß das, sie musste Ron auch vergeben?

Nein, das hieß es nicht. Das hieß höchstens, dass Luna komplett verrückt war und sie eben nicht.

Sie schüttelte wieder den Kopf. War es wirklich Malfoy gewesen? Hatte er sich Luna vielleicht mit dem Vielsafttrank vorgestellt, damit er… heimlich in ihrem Laden arbeiten konnte?

Nichts davon machte überhaupt einen Sinn. Vor allem war sie sich fast sicher, dass Malfoy auch im Ministerium angestellt war. Da konnte er doch nicht einfach zwei Jobs haben! Das ging nicht. Er konnte sich nicht teilen. Und nach ihrer Zeit mit dem Zeitenumkehrer in Hogwarts, wusste sie auch, wie anstrengend ein solches Leben war.

Das würde Malfoy nicht machen. Erstens war es anstrengend und zweitens… war er Draco Malfoy!

Es musste ein Trick sein. Es war nicht anders möglich!

Sie arbeitete schnell einen Fall durch, entfluchte eine verwunschene Halskette, die sofort einen grünen Ausschlag verursachte, wenn Muggel oder Halbblüter sie anlegten, legte den Fall zu den Akten, packte die entfluchte Kette wieder ein und nahm sich für morgen den nießenden Toaster vor.

Er würde die Erkältung schon noch eine Nacht überstehen, sagte sie sich. Sie schnappte sich den Mantel, schloss ihr Büro ab und fuhr sogar Fahrstuhl.
Im zweiten Stock stoppte der Fahrstuhl. Sie hielt die Luft an. Hier war das Stockwerk der Auroren.

Und es hatte nichts mit Karma zu tun, mit Glück oder Pech. Nein, es lag einfach daran, dass sie sie war. Und dass die Welt sie nicht leiden konnte. Ron quetschte sich wütend durch die Türen, anscheinend hatte er es eilig. Dann sah er sie.
Er blockierte die Türen, also standen sie jetzt völlig sinnlos voreinander.

Sie senkte den Blick und überlegte schon, ob sie nicht vielleicht aussteigen und die Treppen nehmen sollte, aber das war auch ihr Ministerium, verflucht! Sie durfte genauso gut Aufzug fahren, wie Ron. Sie streckte also den Rücken durch und sah ihn einfach an.

Er entschied sich auch dafür, stur zu sein, drückte zornig auf den Knopf für das Erdgeschoss und so standen sie nebeneinander und zählten die Sekunden, bis sie endlich fliehen konnte. Wenn man im Fahrstuhl mit jemandem war, den man nicht leiden konnte, schien die Fahrt umso länger zu dauern.

Endlich, nach endlosen zehn Sekunden waren sie da. Die Türen öffneten sich quälend langsam und sie hechtete nach draußen.

„Ja! Du kannst wohl nicht schnell genug wegkommen, oder?“, schrie er tatsächlich. Anscheinend hatte er es nicht geschafft, den Überlegenen zu markieren, aber sie hatte keine Lust, zu antworten.

Sie musste Lunas Laden retten, der wahrscheinlich schon abgebrannt war, weil sie gestern dumm genug war, Malfoy nicht sofort zu verfluchen!

Sie rannte fast über die Straße, weil ihre Angst so lächerlich ernst wurde, dass ihr schon ganz schlecht war.

Aber der Laden stand noch, als sie ihn außer Atem erreichte. Und er war vollgepackt. Sie hatte Glück, überhaupt die Türen öffnen zu können.
So viele Kinder und Mütter und Familien waren hier und sie plauderten, während Malfoy Schokoladenwürfel wog, Pralinen abfüllte und auf die Kakaorührer wartete, die gerade den Kakao für die Kunden, je nach Geschmack, herstellten.

Für sie hatte er eine erhobene Augenbraue übrig. Vielleicht bildete sie es sich auch nur ein, denn er bedachte sie mit keinem weiteren Blick oder irgendeinem Wort.

„Es ist ja so angenehm, wenn ein Mann sich auskennt“, erklärte gerade ein Mädchen, die gefährlich so aussah, wie eine Schülerin. Musste die nicht in Hogwarts sein? Durfte die überhaupt in die Winkelgasse? Hermine nahm an, dass dies nicht erlaubt war.

Der Laden stand. Sie sah sich um. Es duftete herrlich und sie brauchte einen Moment, ehe sie wieder normal atmen konnte.
Sie war also doch vielleicht verrückt. Sie setzte sich auf die Stufen, die anscheinend nach oben führten, aber ab der dritten Stufe mit Schokolade und buntem Papier dekortiert waren. Anscheinend war es nicht geplant, dass man nach oben ging.

Die Kunden beachteten sie gar nicht, so besessen waren sie von der Schokolade, die Malfoy verpackte oder stampfte oder ab kostete, irgendwelche Gewürze hinzugab und Applaus von den Kunden erntete.
Sie schüttelte ab und an den Kopf und beobachtete dann die kleinen Männer, die nichts Wichtigeres in ihrem Leben zu tun hatten, als die Schokolade zu rühren.

Sie spürte, wie ihr Handy vibrierte. Anscheinend hatte sie auch in der Winkelgasse Empfang. Während sie Malfoy beobachtete, zog sie ihr Handy aus der Tasche. Harry. Sie nahm ab.

„Hi“, sagte sie leise, damit nicht alle zu ihr sahen. Sie nahm an, dass hier nur Zauberer zugegen waren.

„Hey, sag mal, ist irgendwas passiert?“, fragte er, als ob er wollte, dass sie zugab, etwas angestellt zu haben.

„Nein?“, erwiderte sie und drehte sich zur Seite, was auf der Treppenstufe ein wenig komplizierter war.

„Wo bist du?“, fragte Harry, denn gerade jauchzte ein Kind fröhlich auf, als es seinen Kakao bekam.

„In… Lunas Confiserie“, sagte sie schnell.

„Oh“, erwiderte Harry, der wohl etwas anderes erwartet hatte.

„Wieso rufst du an?“, fragte sie jetzt und war sich sicher, es konnte nur einen einzigen wirklichen Grund gegeben, weshalb sie Harry anrief.

„Hast du mit Ron gesprochen?“, stellte er jetzt also die entscheidende Frage und sie seufzte laut.

„Nein, wenn du so fragst…“, entgegnete sie.

„Nicht? Er hat sich nämlich bei mir für heute abgemeldet, um Trinken zu gehen“, bemerkte Harry bitter. „Du hast also nichts damit zu tun?“ Sie verdrehte die Augen, auch wenn Harry es nicht sehen konnte.

„Nein, ich hatte nichts damit zu tun. Wir sind zusammen Aufzug gefahren. Ich meine, ich gehe ich auch nicht trinken, und habe diese zehn Sekunden überlebt.“ Sie hörte Harry Stöhnen.

„Was machst du überhaupt in der Confiserie? Ich dachte, Luna ist auf Mutterschaft?“ Und genau ab dem Punkt, wurde ihr das Gespräch zu unangenehm.

„Ich glaube, die Verbindung ist hier schlecht, Harry“, log sie jetzt eilig.

„Was? Ich verstehe dich ausgezeichnet. Du hast also keine Lust, nach Ron zu sehen und zu gucken, dass er sich nicht völlig betrinkt? Ich nehme an, er sitzt im Tropfenden Kessel und-“

„Tut mir leid, Harry, ich verstehe kein Wort mehr. Ich leg auf, bis morgen, bye bye!“, rief sie laut und klappte ihr Handy wieder zu. Als ob Harry wirklich glaubte, dass sie auf die Suche nach dem betrunkenen Ron gehen würde. Wahrscheinlich war es gerade das, was Ron wollte, nahm sie an. Oder wenigstens das, was Harry wollte. Denn Harry sah sich beauftragt, sie und Ron wieder zu vereinen.

Aber da machte sie nicht mit. Absolut nicht. Sollte Harry sich selber um seinen besten Freund kümmern. Sie hatte diese Stelle aufgegeben.

Sie betrachtete die verschiedenen Menschen, die sich alle nur aus dem einen Grund zusammen fanden. Und eigentlich konnte sie jetzt gehen, denn vielleicht hatte sie sich geirrt und Malfoy würde den Laden doch nicht abbrennen.

Er stand plötzlich vor ihr, mit tropfend warmen Schokoladenflecken an den Händen, die er an der Schürze abwischte.

„Also entweder du zeigst mir den Ausweis der Schokoladenbehörde oder du kaufst etwas. Wenn du dich ausruhen möchtest, kannst du dich an den Bahnhof setzen“, fügte er hinzu. Sie erhob sich schließlich.

„Fein“, sagte sie und war sich noch nicht sicher, ob sie gehen sollte, weil sie beleidigt war und ihn nicht mochte, oder ob sie etwas kaufen sollte. Langsam atmete sie aus. „Es gibt keinen Kakao mit Alkohol, oder?“, fragte sie betrübt. Kurz legte er den Kopf schräg.

„Bin gleich wieder da“, sagte er und es klang förmlich wie eine Drohung.

Es war doch absolut unfair, überlegte sie. Wenn sie sich irgendwo betrank, telefonierte Harry nicht hinter Ron her und überredete ihn, dass er nach ihr suchte.

Sie sah rüber zum Fenster, wo Malfoy mit einem der Schokoladenmänner sprach. Sie glaubte, selbst aus dieser Entfernung sehen zu können, dass die kleine Kreatur sie böse ansah. Aber er rührte fleißig weiter.
Wie konnte sie sich bei einem Kakaorührer entschuldigen? Sie wusste es noch nicht genau.

Aus dem Nichts stand er wieder vor ihr, gerade als sie sich entschieden hatte, ihr Handy auszuschalten, ehe Ron betrunken auf irgendwelche dämliche Ideen kam, bei denen er es für eine großartige Idee hielt, sie anzurufen und anzuschreien.
Sie steckte es wieder zurück und beäugte die dickwandige Tasse. Es sah aus wie Kakao.

„Probier es einfach“, sagte er gereizt. Sie nahm ihm die Tasse ab und er bediente weiter die anderen Kunden. Sie nippte an dem warmen Getränke. Und sie wollte es zuerst ausspucken, aber sie sah, wie der kleine Kakaorührer heimlich über die Schulter blickte. Also schluckte sie es tapfer runter und leckte sich über die Lippen. Ehe sie noch ein falsches Lächeln aufsetzen konnte, hatte der kleine Mann den Kopf wieder nach vorne gedreht.

Aber… auf den zweiten Schluck schmeckte es doch nicht völlig furchtbar. Es schmeckte sogar… fast interessant. So… exotisch. Und – alkoholisch, stellte sie fest. Oder bildete sie sich das ein? Die nächste Viertelstunde verbrachte sie damit, auf der Treppenstufe zu sitzen und das heiße Schokoladengetränk zu trinken, das sie von Minute zu Minute glücklicher machte.

Sie hatte gelesen, Schokolade machte glücklich, aber sie hatte noch nicht davon gehört, dass Schokolade auch betrunken machen konnte.

Jedenfalls schien das Schokoladengeschäft zu boomen, denn selbst, wenn sie aufstehen und gehen wollte, musste sie erst mal hundert Kunden zur Seite schubsen. Sie beschloss, einfach sitzen zu bleiben und zu warten.
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