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Beyond [the] Graves

GeschichteFantasy / P16 / Gen
Gellert Grindelwald Newt Scamander Percival Graves Porpentina "Tina" Goldstein Queenie Goldstein Seraphina Picquery
10.12.2016
03.03.2020
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95.109
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13.08.2017 2.928
 
Nach diesem Ausbruch wirkte Percival kraftlos, und Tina schlug vor, sie beide sollten das Haus verlassen. Sie half ihm beim Anziehen – die Wunde war wieder aufgegangen, doch er weigerte sich, zum Arzt zu gehen – und sie gingen die Straße hinunter, bis sie nahe des Stadtkerns waren.
„Wir beide wurden aus dieser Sache ausgeladen“, sagte Tina über einer heißen Schokolade gebeugt, als sie wenig später Platz in einem kleinen Café gefunden hatten. Die Kellnerin kam und brachte ihr einen Kuchen, den sie dankend entgegennahm, bevor sie sich wieder Percival zuwandte.
„Doch das heißt noch lange nicht, dass wir nicht nach Grindelwald suchen dürfen.“
„Doch, genau das heißt es“, antwortete er nüchtern. Mit Erleichterung konnte Tina feststellen, dass sich nichts mehr von der Dunkelheit in seinen Augen fand, wie zuvor in seiner Wohnung. Sie wirkten zwar unendlich müde, doch nicht kalt.
„Wir haben keine Befugnis, Grindelwald zu fassen.“
„Und was ist, wenn wir aus Versehen darüber stolpern?“, gab Tina keck zurück. Graves jedoch blieb realistisch – er drehte seine Tasse mit schwarzem Kaffee grübelnd im Kreis vor sich. Tina hatte vorgeschlagen, ihm ebenfalls eine heiße Schokolade zu bestellen – Schokolade half gegen alles. Doch er hatte dankend und mit verwirrtem Blick abgelehnt.
„Das können wir nicht, weil wir mit keinem anderen Fall betraut worden sind. Ich bin gerade eben nicht einmal Teil der MACUSA.“
„Hast du niemanden, der dir noch einen guten alten Gefallen schuldet? Der uns über neueste Entwicklungen berichten könnte?“
„Kleine, unbedeutende Gefallen schon, aber jetzt bin ich nicht mehr in der Position, Gefallen einzufordern“, antwortete Graves und schob seinen Kaffee hin und her. Er schien froh darüber, nicht über Credence reden zu müssen, glaubte Tina. Das hier war Geschäftliches, und Percival war immer jemand gewesen, der sich mit Arbeit zugedeckt hatte.
„Hm“, machte Tina. Darauf hätte sie gesetzt. „Ich kenne nur Queenie, aber die hat keinen Zugriff darauf.“
„War sie auch bei all dem dabei?“, fragte Percival, und Tina nickte.
„Bei allem. Bis auf die Suche.“
„Da wart nur du und Newt dabei“, ergänzte er, und der Gedanke an Newt stimmte Tina sofort traurig.
„Ja, er war von Anfang an da. Er hat geholfen, dein Zimmer zu finden, wo der Mistelzweig lag.“
Sie versuchte, Erkennen in seinem Blick zu finden, und wurde nicht enttäuscht, als ein kleines Lächeln endlich wieder seine Lippen umspielte.
„Ein letzter Versuch, den ich unternommen hatte.“
„Er hat gefruchtet.“
„Nur durch dich.“
Die peinliche Stille, die danach kam, versuchte Percival mit einem Räuspern zu überbrücken.
„Ich... ich habe dir noch nicht gedankt dafür.“
„Nicht der Rede wert“, sagte Tina schnell, obwohl sie am liebsten still gewesen wäre. Doch Percival nahm das mit einem Nicken hin. Tina hätte am liebsten aufgestöhnt. Mit beinahe kindlicher Enttäuschung blickte sie auf seine unruhigen Hände. Wie gern hätte sie sie jetzt genommen. Seitdem sie ihn beruhigt hatte, als er Albträume gehabt hatte, hatte sich etwas verändert, und die Umarmung hatte diese Veränderung noch einmal verstärkt.
Er betrachtete sie mit einem Ausdruck, als wüsste er ganz genau, was sie dachte. Doch bevor es ihr richtig unangenehm werden konnte, spielte er wieder mit seiner Tasse herum.
„Wie konntet ihr Grindelwald fassen?“
„Mit der Hilfe von den Auroren und Newt“, antwortete Tina.
„Newt hat den Reveliozauber auf Grindelwald gewirkt und so seine wahre Identität gezeigt.“
„Hm“, machte Graves und nahm einen Schluck Kaffee.
„Und davor? Ist es niemandem aufgefallen? Niemand bemerkte, dass ich nicht ich war?“
Tina senkte den Blick schuldbewusst, und er quittierte das mit einem unwilligen Geräusch.
Tina konnte sich nur vorstellen, wie schlimm es für ihn tatsächlich sein musste. Niemand hatte ihn und den größten, dunkelsten Zauberer der Welt auseinanderhalten können. Sie hatten sich durch einen billigen Verwandlungstrick gerettet. Und durch die Durchstöberung seiner Erinnerungen.
„Hast du mitbekommen, was geschah?“, fragte sie vorsichtig, „als du... dort unten warst?“
Percival schüttelte den Kopf, doch er blieb nachdenklich.
„Ich glaube nicht. Manchmal tauchen Szenen in meinem Kopf auf, doch ich weiß nicht, ob er sie mir eingepflanzt hat oder nicht.“
Er ging auf keine Szene genauer ein, und Tina wagte es nicht, ihn zu fragen. Was, wenn er sich dunkel daran erinnerte, dass jemand mit seiner Gestalt sie zum Tode verurteilt hatte und diese Strafe beinahe sogar durchgebracht hätte? Sie hoffte, niemand würde ihm jemals alle Details erzählen.
Er schien ihre Gedanken zu erraten.
„Vielleicht möchte ich es auch gar nicht wissen.“
Er winkelte seinen Ellenbogen ab und strich wieder über seine Narbe. Dann sagte er:
„Wie wollen sie ihn finden? Ratherwell und die anderen? Er hat jetzt kein Interesse mehr an New York, wenn Credence… wenn der Obskurus weg ist.“
„Ich weiß es nicht“, gab Tina ehrlich zu, „vielleicht möchten sie nur sicher sein, dass er nicht mehr im Land ist.“
„Das wird die Zauberer in England freuen“, sagte Graves ironisch, „immerhin haben sie jetzt einen Grund, uns Schluderei vorzuwerfen.“
„Oh!“, machte Tina und stieß beinahe ihre Tasse um, „da fällt mir ein! Wir haben einen Freund in den Kreisen der MACUSA!“
Graves schien ehrlich überrascht, was Tina zum grinsen brachte.
„In der Sitzung, aus der wir so taktvoll rausgeworfen wurden, gab es einen stummen Zuhörer, der mir danach seine Unterstützung anbot. Er ist vom englischen Zaubereiministerium.“
„Du hast Verbindungen zu den Briten?“, fragte Graves mit gerunzelter Stirn nach, und Tina schüttelte grinsend den Kopf.
„Nicht ich. Du. Und wir treffen ihn in…“, sie warf einen Blick auf die Uhr des Cafés, „oh. In vor einer Viertelstunde. Ich zahle.“

Wenig später apparierten beide auf einer kleinen Insel vor der Küste New Jerseys.
„Wow“, sagte Tina, „da hat er sich aber einen trostlosen Ort für ein Treffen ausgesucht.“
„Das ist Black Tom Island“, sagte Graves, „hier haben die deutschen No-Majs eine Munitionsfabrik in die Luft gesprengt. 50 No-Majs sind gestorben.“
„Ein wüster Ort“, sagte Tina, „ich erinnere mich. Bei uns sind alle Fenster zersprungen, sogar bei einer Schulfreundin aus Philadelphia hat man die Erschütterungen gespürt.“
In den letzten Jahren schien die Insel zwar aufgeräumt worden zu sein, doch noch immer war der Boden schwarz, und die ganze Insel, die durch einen kleinen Steg mit dem Festland verbunden war, wirkte leblos und weltfremd. Kleine Hütten waren entlang der Seeseite aufgebaut worden, doch sie schienen unbewohnt. Sogar Strommasten verliefen hier, doch sie waren schief und schwarz. Eine einzelne Eisenbahnroute führte einsam hindurch.
„Ich kenne nur einen Engländer, der sich so einen Ort für einen Treffpunkt aussuchen würde“, sagte Percival leise und schaute sich um. Sein scharfer Blick blieb an einem Fenster des nächstgelegenen Hauses hängen. Tina spähte in die Dunkelheit des Hauses – da sah sie, wie Percival seinen Zauberstab hob, doch nicht in diese Richtung, sondern rechts von ihr. Sie hörte, wie der Zauber wirkte, schaute sich um – und erkannte Theseus, der mit breitem Grinsen hinter einem achtlosen, doch mannshohen Stapel Mettalstreben hervorkam.
„Du warst schon immer der bessere Aufpasser, Percy“, sagte er und breitete die Hände aus. Tina sah, dass Percival seinen Zauberstab in der Hand hielt.
Er zwinkerte Tina zu. Percival warf ihm seinen Zauberstab zu, und elegant fing Theseus ihn auf.
„Doch ich war immer der schnellere von uns beiden.“
„Du warst schneller darin, blind auf den Feind loszulaufen, wenn du das meinst“, gab Percival zurück.
Theseus blieb vor ihm stehen und gab ihm die Hand.
„Du siehst alt aus.“
„Du siehst verloren aus.“
Theseus biss sich lächelnd auf die Lippe. Dann legte er Percival die Hand auf die Schulter.
„Es ist gut, dich zu sehen, alter Freund.“
„Es ist auch gut, dich zu sehen. Du bist weit weg von deiner Heimat.“
„Die Umstände verlangen es.“
Er wandte sich Tina zu.
„Ich dachte schon, Sie hätten unseren Termin vergessen, Miss Goldstein.“
Tina spürte, wie sie rot wurde. Der Charme von Newts Bruder war erstaunlich.
„Wir hatten ein paar Probleme.“
„Nun, gut, dass ihr beide sie lösen konntet! Kommt. Auf dem Herd steht Tee.“
Tatsächlich stand in der kleinen Holzhütte eine dampfende Kanne auf dem Herd, die bereits zu pfeifen anfing, und elegant schenkte Theseus Tina eine Tasse ein.
„Warum dieser Ort?“, fragte Percival, der sich setzte. Tina sah besorgt, wie steif er sich bewegte. Die Wunde schien ihm doch mehr zu schaffen zu machen, als er sagte.
„Ach, ich dachte, es würde passen, dass zwei Kriegskameraden sich an einem Ort des Krieges wiedersehen würden“, sagte Theseus leicht hin, zog aus einem Schrank zwei kleine Gläser und eine Flasche mit einer goldbraunen Flüssigkeit hervor. Als Graves das sah, lächelte er.
„Ich sehe, du erinnerst dich.“
„Das Hervorzaubern von gutem Whiskey war das einzige, was mir dort in der Kälte das Leben gerettet hat“, erklärte Theseus und schenkte ein. Verwirrt ließ Tina den Blick vom einen zum anderen schweifen. Sie hatte noch nie gesehen, wie Percival Graves Alkohol trank. Andererseits erinnerte sie sich dunkel an ebensolche Flaschen im Glasschrank seines Wohnzimmers. Neugierig sah sie zu, wie Theseus das Glas hinüber zu Graves schob. Er bemerkte ihren Blick.
„Möchte Mylady etwa auch einen?“
„Nein danke“, sagte sie schneller, als sie wollte, und handelte sich ein Grinsen von Theseus ein.
„Vielleicht später“, sagte er und stellte die Flasche zur Seite. Dann setzte auch er sich und hob sein Glas. Plötzlich war er ernst.
„Auf vergangene Zeiten. Auf das sie in dieser Gestalt nie wieder kommen mögen.“
„Auf schweigende Gewehre und ruhige Nächte.“
Sie stießen an, und in ihren ausgetauschten Blicken sah Tina die Vergangenheit aufblitzen. Sie wusste, dass sie nicht fragen würde. Beide waren im Krieg gewesen, beide hatten überlebt – doch eine solche Situation schweißt zwei Menschen enger zusammen als alles andere jemals könnte. Vielleicht nicht auf die selbe Art und Weise wie eine Liebschaft es tat. Auf einer speziellere, dunklere, tiefere Weise. Mit einer gewissen Ehrfurcht beobachtete Tina, wie beide tranken. Dann war die Feierlichkeit vorbei – der Ernst blieb.
„Ich hörte, du bewegst dich in Kreisen der MACUSA“, begann Graves, und Tina hörte den bitteren Unterton in seiner Stimme. Theseus tat so, als hätte er ihn nicht bemerkt.
„Korrekt. Ich bin mit besten Empfehlungen von Professor Dumbledore hierhergereist. Immerhin hieß es bei meinem Aufbruch noch, Gellert Grindelwald sei in eurem Gewahrsam. Ich kam wohl etwas zu spät.“
„Ist dir Picquery nicht skeptisch gegenüber eingestellt?“, fragte Percival, und Theseus zuckte mit den Schultern.
„Die Vorteile, mich hier zu haben, überwiegen. Ich bin der beste Auror in England, und obwohl der Krieg vorbei ist, eilt mir noch immer mein Ruf voraus. Niemand würde es ablehnen, einen Kriegshelden bei sich zu Gast zu haben.“ Er grinste ironisch.
„Außerdem bin ich offiziell nicht aus zauberstrafrechtlichen Gründen hier, sondern aus familiären. Ich wollte meinen kleinen Bruder besuchen. Schade, dass genau dann, wenn ich ihn sehe, er so eine unsportliche Entscheidung trifft.“
Plötzlich hätte Tina doch gerne etwas vom Whiskey gehabt. Newt machte ihr zu schaffen – die Entscheidung, die er getroffen hatte. Er hatte nicht nur gegen Percival gehandelt – den er nicht einmal richtig kannte! – sondern auch gegen Tina, und das hätte sie niemals von ihm erwartet. Er hatte sie betrogen – und sie hatte verloren.
Percival ließ den Seitenhieb auf Newt jedoch unkommentiert in der kalten Luft verwischen und schob stattdessen sein Whiskeyglas hin und her, bevor er Theseus ansah.
„Wir sind von der MACUSA abgeschnitten, aber ich kann mit meinem Gewissen nicht verantworten, dass ich meine Kollegen in eine Falle nach der anderen tappen lasse. Ich möchte nicht untätig herumstehen, während irgendwo in Amerika Gellert Grindelwald sein Unwesen treibt.“
Er beugte sich nach vorne und legte die Ellenbogen auf den Tisch.
„Ich brauche deine Hilfe Theseus. Wir brauchen deine Hilfe.“
Theseus begutachtete sein Gegenüber kurz. Dann grinste er spitzbübisch.
„Du möchtest also, dass ich alle Regeln breche und dir Informationen zuspiele, die der Geheimhaltung unterliegen? Ich soll für dich spionieren und meinen Ruf und meine Karriere dafür auf’s Spiel setzen?“
Tina glaubte, die Hoffnung verlieren zu müssen. Doch Percival nickte einfach nur.
Theseus legte seine Hand flach auf den Tisch und schien jeden Finger einzeln zu untersuchen. Er lächelte nicht mehr, sondern hatte die Brauen zusammengezogen. Die Stille spannte sich aus, und Tina glaubte, sie müsse sie brechen, doch sie hielt sich zurück und ließ die Stille herumschleichen, lauernd, wartend. Theseus hob die Hand, beugte die Finger. Dann drehte er sie mit dem Handrücken zu Tina und Graves. Die hereinfallende Wintersonne beschien die blasse Haut – und eine noch blassere Narbe, hässlich, wie eine Pocke prangte sie vierteldollargroß auf der ansonsten so reinen Haut.
„Erinnerst du dich an den Tag im Wald der Argonnen?“
„Ja“, sagte Graves, doch Theseus sprach bereits weiter.
„Es war so wahnsinnig ruhig, so wahnsinnig heiß, so wahnsinnig feucht. Ich wusste gar nicht, ob ich vom Schweiß oder von der Feuchtigkeit der Luft so nass war, oder von beidem.“
Er schaute Tina mit seinen scharfen, grünen Augen an, als wolle er sie hineinziehen in diesen Wald.
„Überall Bäume und Laub und Lehm und Erde. Wir mussten die Deutschen zurückschlagen, die im Sturm immer näher kamen. Ich weiß noch: ich hatte einen Engländer mit im Bunker, Hardy hieß der. Er sah aus wie ein Welpe. Und dann zwei Amerikaner. Wie hieß der eine doch gleich? Der hübsche junge, der noch nicht mal achtzehn war?“
„Lake“, antwortete Graves, „Jackson Lake.“
„Ja, genau. Lake. Der Junge hatte bei seinem Alter geschwindelt, und jetzt hatte er den Salat. Wir hatten ein MG zur Verfügung, und Hardy, der hielt das Monstrum. Zielte durch das Guckloch durch, als würde er Vögel beobachten wollen.“
Theseus grinste kurz, doch es war nur ein Blitz eines Ausdrucks.
„Und dann hörten wir die Gewehrschüsse. Wir beide, wir waren erprobte Kämpfer. Wir hatten unser erstes Mal hinter uns. Wenn du das erste Mal die Gewehrschüsse hörst, das erste Mal die Flüche zischen hörst, da entscheidet sich, ob du ein Kämpfer bist oder ein Feigling. Percy und ich, wir waren beide furchtlos.“
„Oder wussten, unsere Angst für die paar Minuten abzuschalten“, ergänzte Percival, ohne aufzuschauen.
„Oder so, genau. Doch unsere zwei Kumpanen, die hatten das noch nie erlebt, und die drehten vollkommen durch. Hardy schoss, was das MG hergab, obwohl weit und breit noch kein Deutscher zu sehen war, und Lake jammerte los, schrie, bis ich glaubte, kein Deutscher, sondern ein Brite würde ihn umbringen.“
Theseus lächelte wehmütig.
„Dabei hatte der Junge nur Schiss.“
Er schien kurz in Gedanken versunken zu sein, dann sah er Tinas Blick und fuhr fort.
„Wir wussten, dass wir den Ort nicht würden halten können. Ein Bunker, in dem die Hälfte der Besatzung verrückt spielt, ist nutzlos. Also verließen wir die Stellung und verteilten uns – naja, wie man es nimmt. Hardy blieb bei uns – du, Percy, hast ihn wieder in die Welt zurückgeholt – doch bei Lake waren alle Sicherungen durchgebrannt. Er suchte das Weite, fiel zurück, ohne dass der Leutnant irgendwas in der Art gesagt hätte. Wir sahen ihn nie wieder, doch wir hatten auch keine Zeit, denn jetzt waren die Deutschen da, und die schossen, was das Zeug hielt.“
Er hob wieder seine Hand, sodass Tina die Narbe sehen konnte.
„Ich wollte den Graben wechseln, und hab mir von Hardy Feuerschutz geben lassen. Blöd, dass diese MGs immer mal wieder blockieren, und mein Pech, dass das genau in dem Moment passierte, als ich über die Todeszone hüpfte. Ein Scharfschütze erwischte die Hand – Merlin sei Dank nur die Hand. Doch die Wucht kannst du dir nicht vorstellen. Ich bin einfach umgefallen, mitten in der Todeszone, ohne Deckung. Ich habe wirklich gedacht, ich sterbe. Ich hatte solche Schmerzen, ich konnte nicht einmal mehr richtig sehen.“
Theseus schwieg. Dann sah er Tina an und lächelte.
„Und dann hör ich einen Selbstlader feuern, und ich denke noch ‚Hey, das klingt wie die 1916er von Percy!‘ Und tatsächlich taucht dieser Verrückte über mir auf. Mit der Rechten schießt er, mit der Linken zieht er mich weg. Bei jedem Schritt dachte ich, dass ihn jemand sehen müsse, anlegen müsse, schießen müsse. Doch der lief immer weiter, und nach einer halben Ewigkeit polterte ich mit ihm zusammen in den Graben zurück. Hardy hat uns nur angestarrt und geglotzt wie ein Blöder, und ich konnte nicht mehr. Doch Percy machte weiter, verband meine Hand und kümmerte sich wenig um die Schüsse, die um ihn herum knallten.“
Tina sah Percival an. Der hatte Theseus kommentarlos gelauscht, zwischen seinen Händen den Whiskey. Wie viele Menschen hatte er gerettet in diesem Krieg? Wie viele wären gestorben, wenn er nicht gewesen wäre? Ehrfurcht packte Tina, und sie musterte Percival eindringlich. Der schwieg. Theseus übernahm wieder das Ruder.
„Um auf deine Frage zurückzukommen, Percy: Ja. Ja, ich mache es.“
„Gut“, sagte Percival, nahm einen Schluck Whiskey und sah Theseus an.
„Hättest du dich nicht jeden zweiten Tag in irgendeine ähnliche Situation wie diese gebracht, hätte ich niemanden retten müssen.“
Theseus grinste – die Freude war in seine Züge zurückgekehrt.
„Dann bin ich froh – andernfalls wäre dir im Krieg ja sicher langweilig geworden.“


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Liebe Leser!
Entschuldigt die lange Zeit, die seit dem letzten Update vergangen ist, doch die Uni fordert einmal pro Semester dann doch ihre Berechtigung ein - und dieses Semester sind es 5 Hausarbeiten mit je 40 Seiten, die ich bis Ende August zu schreiben habe. Zwar finde ich alle Themen interessant (ich habe sie ja selbst gewählt!), doch Ihr kennt das: irgendwann ist die Motivation auch bei interessanten Themen am Ende. Deswegen brauche ich meine Zeit gerade für das Schreiben - leider nicht für dieses. Doch die Sonntage sind ganz der Freizeit gewidmet, und somit kann ich Euch hier ein kleines Kapitelchen präsentieren, das ich sehr lieb gewonnen habe!
Als Inspiration galt hierbei sowohl diese wunderschöne AU, die eine eigene fic wert wäre: http://whocarloto.tumblr.com/post/156478149386/valliamerie-wwi-manip-au-percival-graves-and
als auch - ehrlich gesagt - Battlefield 1, das in Sachen Kriegsrealität (Und Waffentypen!) einiges bot.
Lasst mich wissen, wie es Euch gefallen hat! :)
Schönen Sonntag wünscht Euch
Whocarloto
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