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Beyond [the] Graves

GeschichteFantasy / P16 / Gen
Gellert Grindelwald Newt Scamander Percival Graves Porpentina "Tina" Goldstein Queenie Goldstein Seraphina Picquery
10.12.2016
03.03.2020
37
95.109
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11.12.2016 1.835
 
Hallöchen hallöchen und willkommen zu einem weiteren Kapitel!
Ich hoffe sehr, Euch hat das letzte Kapitel gefallen, so kurz es auch war.
Ich muss zugeben: Es ist wirklich eine kleine Herausforderung, mit Figuren zu schreiben, über die man - im Gegensatz zu anderen Figuren aus dem Potter-Universum - so wenig weiß wie Newt Scamander, Percival Graves, Jacob Kowalksi und all die anderen Neuschöpfungen, die es erst letztens auf die Kinoleinwand geschafft haben.
Deswegen wäre es mir sehr wichtig, wenn Ihr mich helfen könntet bei der Charakterisierung Newts: Ist das, was Ihr im folgenden zu lesen habt, ihm entsprechend? Spricht er so? Verhält er sich so?
Ich bin gespannt auf Eure Meinungen und wünsche noch einen schönen Sonntag!

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Newt Scamander versuchte, seine Fassung zu bewahren, während der Muggel weiter heiter vor sich hinquatschte.
„Es ist im Wald, aber nur nachts“, sagte er gerade. Es war ein älterer Herr mit Pfeife im Mundwinkel, die er bei jedem Satz in seine dicklichen Fingerchen nahm. Er hatte sich zu Beginn als Harold Snider vorgestellt.
„Zuerst haben es nur die Kinder gehört, diese Rumtreiber. Wir sagten Ihnen, dass das nur blödes Gerede ist, Sie wissen schon.“
Er suchte im Gesicht Newts nach Unterstützung – bekam aber keine zu sehen und verschluckte sich fast am eingeatmeten Qualm.
„Kinder neigen ja dazu, in jedem Schatten ein Gespenst zu sehen.“
„Und Sie meinten, sie haben auch Schatten gehört, hm?“, fragte Newt und zwang sich zu einem Lächeln. In Gedanken seufzte er. Würden Muggel ihren Kindern nur einmal zuhören. Kinder waren seiner Erfahrung nach diejenigen, die am ehesten die Wahrheit sagten. Wie oft hatte er schon Berichte gelesen, dass das Amt für Desinformation schon wieder hatte eingreifen müssen, weil das vermutete Gespenst im Schrank ein Leitfold war. Dort, wo die schwarzen, schattenähnlichen Wesen auftauchten, also in den Tropen, glaubte man noch eher an Zauberei und war vorbereitet. Aber wenn sich einer der Wesen hin und wieder einmal in das Schlafzimmer eines Muggelkindes verirrt, war höchste Vorsicht geboten – da die Muggeleltern keine hatten.
„Nun ja“, wehrte sich Snider und hob Newt aus seinen Gedanken, „wir dachten, es sei der Wind. Sie wissen schon.“
Newt beschloss, dem Muggel jetzt nichts vorzuhalten, und lächelte.
„Natürlich. Und Sie sind dann irgendwann auf die Idee gekommen, dass es kein … Wind ist?“
„Nun… ja! Weil wir es auch gehört haben!“
„Natürlich“, sagte Newt und nickte, „und da war es kein Wind mehr?“
Harold kniff die Augen zusammen und schob mit seinem Pfeifenstiel seine Brille nach oben.
„Hören Sie, Mister. Sie sind nicht von hier, aber ich wohne hier schon seit meiner Geburt, und der Wind heult nun manchmal. Aber nicht so. Meine Frau ist sowieso schon skeptisch, weil wir einen wie Sie engagiert haben.“
„Einen wie mich?“, fragte Newt etwas nervös. Ein Blick nach unten zu seinem Koffer zeigte ihm, dass nichts ausgebrochen war. Oder hatte sich der Niffler wieder aus dem Staub gemacht? Hatte der Mann seinen Zauberstab gesehen? Hatte er…
„Na, einen von den Inseln!“, antwortete er brüskiert, „glauben Sie etwa, ich sei taub? Ihren Akzent hört man gleich beim ersten Wort!“
Newt blinzelte und schloss den Mund. Snider schaute ihn an, als wisse er nicht recht, ob er sich nicht doch selbst darum kümmern sollte.
„Können Sie mir helfen oder nicht?“
Newt öffnete den Mund, schloss ihn wieder – und nickte.
„Ich denke, ich weiß, worum es geht. Ich kann Ihnen helfen.“
„Na fein! Ich bin froh, wenn dieses Dings weg ist. Kommen Sie. Im Haus ist es warm und wir können weiterreden.“
Newt folgte dem Mann ins Haus. Es war sehr aufgeräumt und schön warm – der Winter hatte Einzug gehalten hier im Norden früher als in New York, und der Raureif klammerte sich an die Fenster. Sie gingen ins Wohnzimmer, einem heimeligen kleinen Raum mit großem Bücherregal und einem kleinen Sofa, neben dem ein Radio auf einem Beistelltisch stand. Newt sah sich staunend um. So klein und gedrückt dieser Raum wirkte, so warm und gemütlich wirkte er. Wäre er nicht gerade in der Muggelwelt, hätte er auf einen Zauber getippt, der in kleinen Räumen seine Entsprechung fand und sie größer machen konnte – auch bei seinem Koffer hatte er ihn angewandt. Doch hier, in diesem Wohnzimmer, war keine Magie im Spiel – außer vielleicht Muggelsche.
„Setzen Sie sich bitte“, sagte Snider und wies auf einen Sessel in der Ecke. Newt ließ sich ins weiche Polster fallen und massierte seine Oberschenkel, die vom langen Marsch von der Eisenbahn klamm und kalt waren.
„Peggy, Schätzchen, machst du unserem Gast einen Kaffee?“
„Tee, wenn es recht ist, Sir“, unterbrach Newt und erntete einen etwas verwirrten Blick von Harold, bevor der mit den Schultern zuckte.
„Natürlich, ich hätt’s ja wissen müssen. Peggy, einen Tee bitte und für mich einen Kaffee. Und hol Lucy her!“
Er selbst setzte sich Newt gegenüber und rieb die wulstigen Hände aneinander.
„Entschuldigen Sie, dass ich Sie nicht eher hereingebeten habe. Die Situation…“, er machte eine unbestimmte Handbewegung, „die Krisen. Es treiben sich viele Bettler herum, viele Hochstapler. Aber Sie scheinen mir in Ordnung zu sein.“
Newt lächelte etwas verwirrt. Warum sollte er nicht in Ordnung sein?
„Dieses Problem mit dem…Geist. Wie lange geht es schon so?“
„Seit einer Woche ungefähr. Eines Morgens ist es den Kindern aufgefallen, aber wie ich bereits sagte, habe ich es als Unfug abgetan. Irgendwann, so nach zwei Nächten, wurde es so laut, dass selbst Peggy und ich es im Schlafzimmer hören konnten.“
„Wie hat es sich angehört?“, fragte Newt und holte ein abgegriffenes, grünes Notizbuch und eine Feder hervor. Den wundersamen Blick von Snider quittierte er mit einem Lächeln.
„Also?“, fragte er nach und schwenkte die Feder, „wie hat es sich angehört?“
„Wie… wie ein Gemurmel. Wir dachten erst, Jonathan hat wieder mit den Holzfiguren gespielt und dabei geredet – das macht er öfter – doch es war nicht Jonathans Stimme. Sie klang wie die von einem alten Mann. Nur verwirrt.“
„Inwiefern?“
„Naja, es klang unzusammenhängend. Die Sätze… man hat nicht wirklich verstanden, worum es geht, wissen Sie. Es war, als wüsste er selbst nicht, was er redet.“
„Aha“, sagte Newt und kritzelte Stimme: alter Mann ; Gebrauch: falsch, unzusammenhängend. In diesem Moment kam Peggy herein, in der Hand ein Tablett mit Tee und Kaffee.
Newt stand auf, und mit einem scheuen Lächeln stellte sie die Tasse vor ihn hin, drehte sich um und ging wieder. Mit einiger Verwunderung setzte sich Newt wieder.
„Sie ist etwas schüchtern, besonders gegenüber Ausländern“, erklärte Snider und errötete ein bisschen, „Sie dürfen ihr das nicht übelnehmen.“
Newt lächelte ungebunden und probierte den Tee. Er war grauenhaft bitter, aber er ließ sich nichts anmerken.
„Hat die Stimme schnell oder langsam geredet?“
„Schnell“, antwortete eine fiepsige Stimme aus dem Durchgang zum Flur. Dort stand ein kleines Mädchen mit schmutzig-blonden Haaren und wusste nicht, wo es hinsehen sollte.
Als keiner der Männer antwortete, sah sie kurz ihren Papa an.
„Er hat geredet wie ein Fluss. Ich habe die Hälfte nicht verstanden, nur manche Wörter.“
„Schätzchen, komm her“, sagte Harold mit sanfter Stimme, und zögerlich näherte sich das Mädchen, betrachtete Newt dabei aus großen, blauen Augen. Newt hatte die Kleine sofort ins Herz geschlossen. Er stand auf und ging vor ihr in die Hocke – sie mochte vielleicht fünf oder sechs sein. Er streckte ihr die Hand hin.
„Du musst Lucy sein. Schön, dich kennenzulernen, ich bin Newt.“
Das Mädchen schien ihn abzuschätzen, musterte seinen blauen Mantel, die wirren Haare und seinen zerbeulten Lederkoffer, der neben dem Sessel stand.
„Hallo“, sagte sie, dann, nach kurzem Zögern,
„Was ist in dem Koffer drin?“
Newt warf kurz einen Blick auf ihren Vater, dem jetzt, wo sie es erwähnt hatte, die selbe Neugierde ins Gesicht geschrieben stand. Dann sagte er in leiserem Tonfall.
„Das sind meine Mitbringsel aus aller Welt. Ich bin ein Abenteurer, weißt du?“
„Wirklich?“, sagte sie und ihre blauen Augen leuchteten etwas auf. Newt grinste.
„Ja wirklich. Ich reise herum und helfe allerlei Menschen. Und jetzt bin ich bei euch.“
„Hilfst du, ihn wegzumachen?“, sagte sie, „das Frettchen?“
„Das Frettchen?“, fragte Newt und sah hinauf zu Harold Snider. Der wiederum sah seine Tochter mit einiger Missbilligung an.
„Sie glauben, es sei ein Frettchen, dass da redet. Wie in dem einen Märchen.“
Newt sah, dass alle Hoffnung auf dem Gesicht von Lucy erstarb, und er lächelte aufmunternd.
„Du hast also gesehen, wer jede Nacht so redet?“
Erst schien sie nicht antworten zu wollen. Dann sagte sie jedoch:
„Wir wollten sehen, wer das ist. Also Mami und Papa.“
„Ich bin mit einem Nachbarn da raus. Wir glaubten nicht an einen Geist oder so etwas. Peggy schlug vor, es könnte sich um einen jemanden handeln, der sich verlaufen hat. Der nicht ganz richtig im Kopf ist. Die Straße runter ist die städtische Irrenanstalt, habe ich mir dann gedacht. Nicht, dass wir einen toten Irren irgendwann in unserem Garten liegen haben.“
Die Motive der Suche waren Newt ungeheuerlich, aber er hörte trotzdem weiter zu.
„Wir sind dann also dort in den Wald. Und die Kinder sind uns einfach gefolgt. Das war nicht unsere Absicht! Wir hatten ihnen gesagt, dass sie im Haus bleiben sollen, aber sie wissen ja: Kinder hören selten.“
Er sah seine Tochter an, und in ihrem angstvollen Blick erahnte Newt, dass nach diesem Gespräch eine Strafe folgen würde. Plötzlich hatte er großes Mitleid mit der Kleinen. Aufmunternd grinste er sie an.
„Das heißt, ihr seid euren Eltern dann gefolgt.“
„Ja“, sagte sie, beinahe trotzig, „wir kennen ja den Wald. Wir sind dort immer beim Spielen, wenn Johnny aus der Schule wieder da ist. Wir sind ihnen hinterher. Ich wollte wissen, wer da so redet.“
„Und dann habt ihr… das Frettchen gesehen?“, fragte Newt.
„Ja“, sagte Lucy.
„Nein“, sagte Harold.
In der darauffolgenden Stille ergriff der Vater das Wort.
„Wir haben nichts gesehen. Da, wo die Stimme herkam, gab es nichts. Wir haben nicht einmal herausgefunden, wo genau sie herkam.“
„Aber du hast sie gesehen?“, fragte Newt Lucy, und die, nach kurzem Zögern, nickte.
„Ich dachte, Papa und Mama hätten das Ding auch gesehen. Es saß direkt vor ihnen und hat sie angemeckert. Es hat… es hat schlimme Worte benutzt. Ganz viele.“
„Verständlich, wenn man nicht gesehen wird“, sagte Newt und kritzelte Eingeschränkte Unsichtbarkeit – Erwachsene? In sein Büchlein, das er auf seinem Knie aufgeschlagen hielt. Lucy schien im Gegensatz zu ihrem Vater entzückt von der Feder.
„Also“, sagte er, „ein riesengroßes Frettchen. Das sprach. Auch Unflätige Dinge, wie ich hörte.“
„Ja“, sagte das Mädchen.
„Nein“, sagte ihr Vater.
Newt grinste beide an – es musste sich wahrlich um ein weiteres Tier handeln, dessen Untersuchung ihn weiterbringen würde. Seine Aufregung verlieh seiner Motivation Flügel.
Er kritzelte ein Wort auf die Seite und es kratzte, als er es zwei Mal unterstrich. Dann stand er auf, nahm seinen Koffer und rauschte aus dem Zimmer. Als er bereits einige Meter entfernt vom Haus war und schnurstracks in Richtung des Waldes ging, da rief ihm Harold nach:
„Werden Sie machen, dass es aufhört?“
„Das werde ich“, rief Newt zurück. Er holte sein Notizbuch heraus und starrte grinsend auf seinen Schluss. Dick in Tinte geschrieben und zwei Mal unterstrichen stand dort:
Jarvey.
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