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Beyond [the] Graves

GeschichteFantasy / P16 / Gen
Gellert Grindelwald Newt Scamander Percival Graves Porpentina "Tina" Goldstein Queenie Goldstein Seraphina Picquery
10.12.2016
03.03.2020
37
95.109
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10.12.2016 471
 
Irgendetwas war geschehen.
Er wagte es nicht, die Augen zu öffnen, auch nur mit den Lidern zu zucken.
Doch er machte einen anderen Fehler.
Im Schreck des plötzlich aufkommenden Gefühls hatte er Luft geholt, einen Hauch mehr als üblich.
Der Schmerz durchfuhr seine Brust wie ein langes, brennendes Messer, scharf, wütend, anklagend.
Hätte es etwas genützt, so hätte er aufgeschrien, doch seine ganze Willenskraft zwang diesen Drang nieder, und so entrang sich seinen fest aufeinandergepressten Lippen nicht mehr als ein leises Stöhnen. Es verhallte ungehört in der Schwärze um ihn herum.
Einmal, gleich zu Beginn, hatte er geschrien. Er hatte den Fehler begangen, die Hand heben zu wollen im mühseligen Instinkt, seine Verletzung zu verdecken. Der darauffolgende Schrei hatte keine Erleichterung bedeutet. Er hatte nur noch mehr Schmerz bedeutet, und er in seiner naiven Dummheit hatte noch mehr geschrien – der Schmerz, dann der Schrei. Der Schrei, dann der Schmerz… ein verdammtes Teufelsrad war es, aus dem er damals nur noch mithilfe einer Ohnmacht entfliehen hatte können.
Jetzt verfluchte er seinen Ausbruch. Seinen Geist durch körperliche Schmerzen zu verklären half nichts. Er konzentrierte sich.
Ja, etwas war geschehen. Ein unbestimmtes Gefühl fand sich, weniger als eine Ahnung, mehr als eine Hoffnung. Er forschte in dieser Ahnung, versuchte, sie zu fassen. Es war schwer. In der letzten, langen Zeit – Wochen? Monate? Jahre? – hatte er eine Vorsicht entwickelt, eher sogar eine Furcht vor allem, was sich außerhalb seines Kopfes abspielte. Nichts, was ihn in irgendeiner Weise beunruhigen könnte, ließ er an sich heran, und als er nun diesem Gefühl nachforschte, da schrillten in seinem Kopf nicht wenige Alarmglocken los. Doch er wusste, dass etwas anders war, also nahm er das Risiko auf sich.
Er fand die Ahnung, nach langer Suche und elendigem Versteckspiel. Sie öffnete sich vor ihm wie eine Schlucht, doch er stand am Abgrund und sah hinunter, und plötzlich wusste er es.
Der Schatten, der sich über ihn gelegt hatte und dort verharrt war, am anderen Ende der Schlucht, so lange und mit so bedrückender Intensität, der war verschwunden. Es war, als hätte jemand eine Brücke über die Schlucht gebaut. Sie war wackelig und instabil, aber es war eine Brücke.
Er war wieder allein mit sich selbst. Niemand hatte mehr Zugriff auf seine Erinnerungen, auf seine Wünsche, auf sein Ich. Er hätte gelächelt, hätte er es gewagt.
Er kehrte zurück in die Gegenwart, schloss die Tür zu seinem Ich fest hinter sich. Sie war der einzige Zufluchtsort in einem Dasein, das von Schwärze und Enge und Schmerz beherrscht war. Sein Körper war ihm genommen worden, in zweifacher Hinsicht.
Das Einzige, was Percival Graves noch übrighatte, war sein Verstand. Und er würde ihn nicht verlieren, nicht jetzt, wo die Brücke geschlagen war.


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willkommen, willkommen zu meiner kleinen Fanfiction - nun, noch ist sie klein, doch wer weiß, was sich noch alles entfalten wird!
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