Rabennacht

GeschichteFantasy / P12
OC (Own Character) Robin "Puck" Goodfellow
10.12.2016
10.12.2016
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Kupferhaar

Als sie wieder aufwachte, lag sie im Krankenhaus. Man erzählte ihr, sie hatte einen schweren Fahrradunfall und eine Gehirnerschütterung erlitten. Als sie sich an die wilde Verfolgungsjagd erinnerte und anfing zu erklären, was wirklich passiert war, schüttelten die Ärzte den Kopf und wiederholten: „Du hast eine starke Gehirnerschütterung. Dein Verstand spielt dir einen Streich.“
Lana sank müde in meinem Kissen zurück. Gehirnerschütterung. Na ja, das war zumindest eine glaubwürdige Erklärung für ihre Erlebnisse. Gehirnerschütterung. Ja, das musste es sein.

Eine Woche später war sie wieder zu Hause und kam in ihren Alltag zurück. Anfangs traute ihr Vater ihr nicht viel Belastung zu, doch nach einer weiteren Woche schien ihr Leben in sein ewiges Muster zurückgekehrt zu sein. Schule, Hausaufgaben, Hausarbeiten,...Das Übliche. Nur eine Sache war anders.
Lanas Träume. Denn in ihren Träumen sah sie jedes Mal, wie Kupferhaar angeschossen wurde und zu Boden fiel.
Sie bemühte sich, alles zu vergessen und als Einbildung abzutun, doch es gelang ihr nicht. Kupferhaars Anblick war ihr überdeutlich in Erinnerung geblieben. Jedes Mal, wenn sie die Augen schloss, sah sie ihn stolpern und schließlich auf dem Asphalt aufschlagen.
„Wenn ich mir alles nur eingebildet habe“, fing Lana eines Abends beim Essen mit ihrem Vater wieder an. Er saß ihr am Tisch gegenüber und löffelte seine Cornflakes. „Woher hatte ich dann plötzlich das Fahrrad? Wieso weiß niemand mehr, wie ich es vom Straßenrand gestohlen habe? Oder wofür. Wieso erinnert sich überhaupt niemand daran, meinen Unfall mitbekommen zu haben?“
„Aber Schätzchen“, meinte ihr Dad beschwichtigend. „Natürlich erinnern die Leute sich, wie sie dich gefunden haben.“
„Gefunden!“, wiederholte sie und hielt mit dem nächsten Löffeln inne. „Aber warum hat niemand gesehen, wie ich gefallen bin?“
Ihr Dad zog die Stirn in Falten. Er war müde vom Arbeitstag im Büro, seine Krawatte lag wie eine lockere Leine um seinen Hals. Seit dem Unfall hatte auch ihr Vater selten ein Auge zu bekommen, denn jedes Mal, wenn sie schweißgebadet und schreiend aus meinem Traum hoch fuhr, sprang ihr Dad aus dem Bett, um nach ihr zu sehen.
Das Verhältnis zwischen ihrem Vater und ihr war innig. Lana wusste, er wollte ihr glauben, aber er konnte es nicht. Er vertraute den Ärzten. Sie versicherten ihm immer wieder, dass es nur noch ein paar Tage dauern konnte, bis es ihr besser gehen würde. Lana hingegen war vom Gegenteil überzeugt. Ihre Vorstellungskraft war nicht wahnsinnig genug, um solch schreckliche Bilder abzurufen. Sie hatte gesehen, wie jemand angeschossen wurde. Und jeden Tag quälte sie dieselbe Frage: Hatte Kupferhaar überlebt?
Und dabei hatte sie nicht einmal Gewissheit, ob die Ärzte nicht doch recht hatten. Vielleicht, nur vielleicht, hatte sie bloß eine wirklich seltsame Gehirnerschütterung.
„Mit der Zeit wird sich alles klären“, meinte ihr Dad unsicher. Brummend presste Lana ihre Lippen aufeinander und nickte steif.
„Was hast du heute Abend noch vor?“, erkundigte sich ihr Vater. Lana war wohl bewusst, dass er das Thema wechseln wollte. Obwohl sie sich ärgerte, ging sie auf sein Ablenkungsmanöver ein.
Sie seufzte und senkte den Löffel. „Es ist Freitag. Ich wollte raus.“
Dad suchte ihren Blick und musterte sie abschätzig. „Bist du dir sicher, dass du bereits dafür bist, wieder auszugehen?“
Lana lachte abgedroschen. „Dad, ich bin vom Fahrrad gefallen, nicht von LKW überfahren worden. Außerdem“, sagte sie und schob sich Cornflakes in den Mund. „Wolke isch nu schpazieren.“
Dad lächelte schwach. „Na gut“, antwortete er. Konsequenz gehörte nicht zu seinen Stärken. Das trug zur Folge, dass Lana sich mehr oder weniger selbst erzogen hatte. Aus diesem Grund war ihr Vater oft wie ein bester Freund. Es war äußerst selten, dass er Regeln vorschrieb oder Strafen verhängte.
Nach dem Abendessen räumten sie in vertrauter Partnerarbeit den Tisch ab und erledigten spielerisch den Abwasch, während sie Witze machten und das Leben verspotteten. Beim Abtrocknen zog Dad das Tuch aus ihren Fingern und nickte ihr lächelnd zu. „Nun geh' schon. Die frische Luft wird dir gut tun.“
Sie zog eine Grimasse, umarmte ihren Vater flüchtig und drückte ihm einen Kuss auf die Bartstoppeln. „Danke.“
Dad nickte. Bevor sie das Haus verließ, steckte sie ihre Kopfhörer und ihr Handy ein. Sie schlüpfte geschickt in ihre Schuhe und verschwand winkend im Treppenhaus. „Bis dann“, sagte Lana.
Im Wohnungsflur war es stockdunkel, doch Lichter von der Straße drangen durch die großen Fenster in der Hausfassade, sodass sie mit der Hand das Treppengeländer fand und nach unten laufen konnte. Sie schaltete Musik an und trat auf die Straßen. Menschenmengen flossen wie Ströme durch die Gassen der Stadt. Lana schloss mich einer Gangrichtung an und ließ sich treiben, während sich ihre Lungen mit frischer Abendluft füllten und sie ihren verstrickten Gedanken nachhing.
Lange Zeit spazierte sie ziellos durch die Straßen. Sterne und Straßenlaternen erhellten den dunklen Abendhimmel über ihr. Sie stellte die Musik so laut, dass sie die Menschen um sie herum nicht hörte. Sie wünschte, sie könnte sich auf irgendetwas konzentrieren. Auf Schule, Klavierstücke, die Leute und Lichter der Stadt. Doch ihre Gedanken waren verklebt wie Honig, eine süße Falle. Alles drehte sich um ihren Unfall und um das, was zuvor geschehen war. Je länger Lana darüber nachdachte, desto sicherer wurde sie sich, dass sie es sich nicht eingebildet hatte. Sie wusste nicht wie, aber irgendwie war eine grüne Frau dazu in der Lage gewesen, zu fliegen und das Gehirn der Menschen zu kontrollieren. Lana hatte das vermisste Mädchen Meghan und ihre Freunde gesehen. Sie wurden verfolgt und dabei wurde Kupferhaar angeschossen. Tödlich.
Es machte keinen Sinn, sich weiterhin mit dem Thema zu befassen, denn es stand fest, dass Kupferhaar tot sein musste. Außerdem war Meghan bekanntlich Meisterin im Verschwinden. Lana würde sie und ihren düsteren Freund nie wieder sehen, selbst wenn die beiden es geschafft haben sollten zu fliehen.
Und dennoch konnte sie das Kapitel nicht einfach abschließen. Viel wichtiger als Kupferhaars Tod und das Verschwinden von Meghan sollte eigentlich sein, dass irgendwo da draußen in den Straßen eine fliegende Medusa war, die jeder Zeit den menschlichen Verstand für ihre Zwecke an sich reißen konnte. Doch wie sollte irgendjemand Lana das glauben?
Bald begann ihr Kopf fürchterlich zu schwirren. Irgendwo, irgendwie, irgendwer; Alles war viel zu wage, verschwommen, nicht greifbar. Die Gefahr lauerte vor Lana wie ein Schatten, dunkel und sichtbar, und doch konnte sie ihn nicht greifen. Sie konnte den Schatten nicht besiegen.
Lana fuhr erschrocken zusammen, als der Seitenausgang eines Clubs in einer Gasse sich plötzlich öffnete und die schwere Tür krachend aufflog. Eine große Person flog auf die Straße und stolperte einige Schritte, um sich abzufangen und nicht zu fallen. Lanas Kinnlade klappte herunter. Ungläubig schnappte sie nach Atem.
Ein zweiter, bulliger Mann stemmte sich in den Türrahmen. Tätowierungen schmückten seine Haut. Seine Arme waren dicker als manch Baumstämme, seine Haut hatte einen seltsamen Gelbstich und er besaß fürchterlich krumme Zähne. Seine raue Stimme klang wie ein Donnern: „Wenn du hier noch einmal auftauchst, reiße ich dir den Kopf von den Schultern! Deine Anwesenheit ist hier nicht gestattet, Sommerfee!“
Er funkelte die rausgeworfene Person noch einmal wütend an. Ein unheimliches Blitzen zeigte sich in seinen orangen Augen. Ohne eine Antwort abzuwarten, schlug der bullige Mann die Tür wieder zu.
Kupferhaar fuhr sich mit der Hand durch das helle Haar und murmelte etwas Unverständliches. Ein schiefes Grinsen umspielte seine Lippen.
Einen Augenblick lang konnte Lana nichts weiter tun, als ungläubig zu starren. Er war da. Tatsächlich. Kupferhaar war wieder hier und er lebte. Wie konnte das wahr sein?
Kupferhaar strich sich Staub von den Klamotten, drehte sich herum, hob den Kopf und machte Anstalten, zu gehen, als er auf einmal erstarrte und Lanas Blick direkt erwiderte. Erst jetzt merkte sie, wie intensiv das Grün seiner leuchtenden Augen war. Eine helle Aura schien ihn zu umgeben, obwohl er die Statur eines Ritters hatte. Er presste seine Lippen dich aufeinander und zog seine Augenbrauen zusammen, während er Lana musterte. Langsam kam wieder Bewegung ihn ihn. Wie in Zeitlupe schritt er auf sie zu. Vor ihr blieb er stehen, die Augen immer noch auf Lana gerichtet, betrachtete sie wie ein Kunststück im Museum. Sie war schön, aber er verstand nicht.
Unsicher ging er mehrere Male um Lana herum. Sie spürte seinen Blick über ihren Körper wandern. Hitzewellen brachen in ihr aus und sie spannte sich an. Ihre Kehle war vor Schreck und Überraschung trocken geworden, doch sie zwang sich mit möglichst ruhiger Stimme zu fragen: „Stimmt etwas nicht?“
Kupferhaar blieb abrupt vor ihr stehen. Seine Augen funkelten gefährlich auf und seine Mundwinkel zuckten belustigt. „Allerdings“, erklärte er. Lana konnte beim besten Willen nicht sagen, ob er froh oder ärgerlich klang. „Scheint, als wärst du mal jemand anderes.“
Seine Worte ließen Lana humorlos auflachen, ehe sie es verhindern konnte. Hastig verschränkte sie die Arme vor der Brust. Gänsehaut schlich sich über ihre Arme. Ein Teil von ihr war erleichtert, dass Kupferhaar lebte. Es grenzte an ein Wunder, dass sie ihn wieder sah. Aber andererseits hatte er etwas...Bedrohliches. Er verströmte eine ungeheure Macht.
„Ich?“, echote Lana. „Du bist doch derjenige, der spitze Ohren hat, Leuchtkugeln erschaffen und angeschossen werden kann, ohne zu sterben!“
Kupferhaar vereiste. Seine Augen wurden ausdruckslos. Lana biss sich auf die Zunge, hob jedoch trotzig das Kinn. Womöglich klang sie irre, aber er war irre. Jetzt, wo er wieder vor ihr stand, hatte sie vollstes Vertrauen in das, was sie gesehen hatte. Er war ein Freund von Meghan, dem verschwundenen Mädchen aus dem nächsten Sumpf. Er konnte Licht erzeugen. Er hatte mit einer fliegenden Frau gesprochen. Er wurde tödlich angeschossen. Und er lebte.
Plötzlich wurde ihr eines bewusst. Er war stark. Unglaublich stark. Und Lana war ihm vollkommen ausgeliefert.
„Du hast das gesehen?“, fragte Kupferhaar. Entgeisterung ließ ihn stocken. „Du warst dabei?“
Lana drückte ihre Kiefer aufeinander. All die Male, die ihr Vater und die Ärzte ihr erzählt hatten, sie habe eine bloße Gehirnerschütterung erlebt. Das war eine Lüge. Lana hatte die ganze Zeit die Wahrheit gesprochen. Niemand hatte ihr geglaubt.
„Bist wohl nicht so leicht tot zu kriegen, hm?“, wollte sie wissen. Ihre Stimme zitterte und Tränen traten ihr in die Augen, doch sie hielt sie zurück. „Was bist du?“, presste Lana hervor. „Ich habe gesehen, wie du das Licht gemacht hast. Und wie du angeschossen wurdest...Wie du gefallen bist. Du, du müsstest doch tot sein.“
Ein leises Lächeln trat auf sein markantes Gesicht. „Tut mir leid, dich enttäuschen zu müssen“, sprach er beinahe arrogant.
Lana wartete darauf, dass er es erklärte. Das Licht, die Verfolgung, seinen Tod. Sie wollte, dass er es abstritt. Sie wollte, dass er ihr sagte, sie war verrückt geworden, doch das tat er nicht. Stattdessen betrachtete er sie weiterhin eindringlich. Lana wich seinem Blick aus und holte tief Luft.
Was tat sie hier überhaupt? Sie sollte gehen. Egal, was er war, sie wollte es doch gar nicht wissen, oder? Sie wollte einfach nur noch zurück in ihren gewöhnlichen Alltag, zurück in den ewigen Kreis, den sie im Laufe ihres Lebens lief.
Als Kupferhaar nicht mehr erwiderte, nickte sie steif und drehte sich um. Doch sie konnte nicht gehen. Auf diese eine Frage brauchte sie eine Antwort. „Wer war diese fliegende Frau?“, flüsterte sie und runzelte die Stirn, als sie hörte, wie dämlich sie sich anhörte.
Lana hatte gesehen, wozu Medusa imstande gewesen war. Wer garantiere ihr, dass sie nicht wieder kommen würde? Sie hatte gesehen, wie ihretwegen ein Mann gestorben war. Lana musste wissen, wer Medusa war und was sie sollte. Wie sollte sie jemals wieder ruhig schlafen, wenn sie wusste, dass sich jeder Zeit etwas so grausames ereignen konnte?
„Ich glaube“, sagte Kupferhaar. „Das erzähle ich dir lieber unterwegs.“
Lanas Herz setzte einen Schlag aus. „Unterwegs?“, hackte sie nach und wandte sich ihm wieder zu. Wollte er sie entführen? Vielleicht hatte er das ja auch mit Meghan gemacht...
„Es ist ziemlich gefährlich, das wahre Auge zu haben“, meinte Kupferhaar schulterzuckend. „Aber noch gefährlicher ist es, zu sehen, ohne zu verstehen.“
Entrüstet richtete Lana sich zu ihrer vollen Größe auf. „Oh, ich glaube, ich verstehe ziemlich gut.“
Kupferhaar zog eine Augenbraue hoch und lächelte sie schief an. „Tatsächlich?“
„Ja!“, behaarte Lana. „Hier ist etwas total seltsames vorgefallen. Menschen wurden ihres Bewusstseins beraubt, ein Mann wurde umgebracht und du...du! Du müsstest auch tot sein. Ich habe gesehen, wie du angeschossen wurdest!“
Augenblicklich machte Kupferhaar einen Schritt auf Lana zu. Erschrocken hielt sie den Atem an, als er raunte: „Hast du die Kutsche danach weiterverfolgt?“
Lana schüttelte hastig den Kopf. „Nein. Ich, ich wurde selbst getroffen.“
Seine grünen Augen fixierten sie. Sah er besorgt aus? Verwundert? „Was ist passiert?“, fragte er.
„Ich bin ihn Ohnmacht gefallen“, sagte Lana ehrlich. „Als ich aufgewacht bin, hat mir niemand geglaubt. Sie dachten ich bin verrückt geworden.“
Eine der Tränen, die sich in ihren Augenwinkeln gesammelt hatten, rollte über ihre Wange. Kupferhaar verfolgte ihre Spur, bis sie auf den Boden fiel. Dann hob er langsam den Kopf und grinste wieder dieses schiefe Grinsen, doch seine Augen hatten einen bitteren Ausdruck.
„Sie haben recht. Du bist verrückt“, flüsterte er.
Schniefend lachte Lana auf. Sie strich sich verstohlen mit dem Handrücken über die Wange und versuchte ein träges Lächeln.
„Was bist dann du?“, fragte sie mit ironischem Tonfall.
Jetzt lächelte Kupferhaar breit, als würde er ihr etwas unglaublich Wunderbares verraten. Vielleicht war es ja so. Denn seinen Namen würde Lana nie wieder vergessen.
„Ich heiße Robin Goodfellow. Aber du darfst mich Puck nennen.“

Es hatte zwei Sekunde gedauert, bis sie seine Worte realisiert hatte. Noch einmal zwei Sekunden und Lana lachte trocken. „Du meinst, wie in Shakespeares Sommernachtstraum? Der Puck?“
Und dann begannen die Räder in ihrem Kopf sich zu drehen. Die spitzen Ohren, das grüne Leuchten seiner Augen, seine mysteriöse Machtaura, die Tatsache, dass er noch lebte...
Lanas Augen weiteten sich und sie stolperte einen Schritt nach hinten, weg von ihm. Ihr Lächeln zitterte. „Du willst mir doch nicht sagen, dass du...dass du...“
Kupferhaar verneigte sich lächelnd. „Der einzig Wahre“, verkündete er stolz. Im nächsten Moment war er erschreckend ernst und fuhr sich mit der Hand durch die Haare, als wäre er nervös. „Ich schätze, ich bin nicht die erste Fee, der du begegnest“, meinte er nachdenklich. „Aber vielleicht haben die meisten sich nichts dabei gedacht, dass sie von einer Sterblichen gesehen werden können. Es wird andere Feen geben. Feen, die diese Gabe ausnutzen werden wollen.“
Lanas Worte kamen wie aus der Pistole geschossen. „So wie du? Das hast du mit mir vor?“
„Ich?“ Puck lächelte finster. „Oh, ich habe gar nichts vor. Allerdings nehme ich an, dass es weitere Feen geben könnte wie die, die mich hat anschießen lassen. Sollte jemand mitbekommen, dass du das Wahre Auge hast, werden sie dich gefangen nehmen, dich foltern,...Das Übliche.“
Wie er das sagte, klang er ziemlich unbekümmert. Ein Schauder jagte über ihren Rücken.
„Sie werden dich gegen ihre Feinde benutzen“, wollte Puck fortfahren, doch sie unterbrach ihn.
„Und wie würdest du das verhindern lassen?“, fragte Lana unsicher.
Puck schloss den Mund und nickte. „Du musste lernen, Feen von Menschen zu unterscheiden und so zu tun, als würdest du sie nicht sehen. Ich schlage vor, wir üben das. Kommst du mit?“
Lana begann, auf ihn zuzugehen, doch dann hielt sie inne. „Warum habe ich das Gefühl, dass das keine gute Idee ist?“, fragte sie.
„Was? Mit einer fremden Person, die behauptet, eine Fee zu sein, in einen Club zu gehen, um ein bisschen zu reden? Ich persönlich denke, das könnte interessant werden.“
Lana biss sich auf die Wange und zweifelte. „Ich bin nicht volljährig. Da komme ich nie im Leben rein“, erwiderte sie und deutete auf die Tür. „Und außerdem bist du gerade aus dem Club rausgeworfen worden.“
Puck grinste verschlagen. „Ach ja... Wie gut, dass ich ein Meister des Scheins bin. Also, was ist? Kommst du mit?“
Natürlich kam Lana mit. Kupferhaar lebte. Es gab Feen. Und ihr Wissen hatte sie unweigerlich in Gefahr gebracht. Es war durchaus angebracht, die Chance, einige Fragen stellen zu können, zu ergreifen.
„Warum sollte ich dir trauen?“, fragte sie dennoch zögerlich.
Puck zuckte mit den Schultern. „Musst du nicht. Aber es wäre durchaus ratsam, wenn dein Leben dir lieb ist.“
Lana verschränkte zornig die Arme vor der Brust. „Versuchst du, mir Angst zu machen?“
Ehe sie sich versah, stand Puck direkt vor ihr. Seine großen, grünen Augen funkelten gefährlich, als er mit gekräuselten Lippen flüsterte: „Ja. Denn Furcht wird dir das Leben retten.“
Lanas Hals wurde trocken, doch sie räusperte sich verlegen und murmelte leise: „Warum hilfst du mir?“
Pucks Atem streifte ihre Lippen. Er lachte in sich hinein. „Nun, wer mich kennt, weiß, dass ich immer offen für Neues bin. Ich liebe Abenteuer.“
Lanas Herz begann schneller zu schlagen. Ein Abenteuer. War es das? Wenn sie jetzt mit ihm ging, würde ihr Leben dann jemals wieder dasselbe sein? Und wollte sie das überhaupt? War das nicht die Veränderung, auf die sie die ganze Zeit gewartet hatte?
Sie atmete tief aus und lächelte mutig. „Das beruht auf Gegenseitigkeit. Bewegst du dich heute noch?“
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