Whatever Lets You Cope

GeschichteRomanze, Schmerz/Trost / P18 Slash
10.12.2016
21.04.2019
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Ihr Lieben,

Nach einer unendlich langen Pause und unzähligen Versuchen, diese Geschichte weiterzuschreiben (was mir allerdings durch meine Schreibblockade nicht so wirklich gelungen ist), melde ich mich zurück aus dem Orbit, mit einem brandneuen Kapitel, in der Hoffnung, dass es da draußen noch immer ein paar von euch gibt, die Whatever Lets You Cope noch nicht aufgegeben haben.

Willkommen zurück! LG,
Skye

Der Fels


Alles was ich sagen will ist:
ich bau auf dich
ich glaub an dich
ich brauche dich, wie sonst nichts auf dieser Welt




Ich gehe nicht zurück in die Klinik. Das kann ich nicht. Ich will einen Augenblick alleine sein. Meine Gedanken kreisen um Jared. Jared ist mein bester Freund. Zumindest war er das eine verdammt lange Zeit.
Jared hat sich umgebracht.

Einatmen. Ausatmen. „Josh?! Ich bin da, hörst du? Ich bin da. Ich lass dich nicht allein.“ Jareds Hand, die meine umklammert hält, fühlt sich eiskalt ein. Ich liege da, unfähig mich aus eigener Kraft zu bewegen, und in meinem Kopf tobt ein Feuersturm.
„Hey, alles wird gut.“, höre ich ihn sagen, aber seine Stimme klingt seltsam dumpf. Ich fühle mich wie in Watte gepackt. Zusammen mit meinem Schmerz. Und ich weiß, es hört erst auf, wenn vor meinen Augen die Sicht verschwimmt und alles schwarz wird.
Ich sehe nach oben ins tiefe Blau. Blau, wie Jareds Augen. Ich will nicht schwach sein. Nicht vor Jared.
„Ich will nicht sterben.“, flüstere ich. „Du stirbst nicht, Josh.“ Er lächelt, aber in seinem Blick liegt Besorgnis. „Versprich mir, dass du nicht stirbst.“, sagt er und drückt meine Hand.


Was für eine unmögliche Bitte. Heute weiß ich, dass sie der Grund war, warum ich weitergekämpft habe. Warum es sich immer lohnt, zu kämpfen.
Jared war mein Fels in der Brandung. Mein Anker.
Menschen brauchen etwas, woran sie festhalten können, wenn es ihnen schlecht geht. Etwas, für das es sich lohnt zu kämpfen. Wer mutterseelenalleine ist, ohne Familie, ohne Freunde, ohne einen triftigen Grund, weiterzumachen, der kämpft nicht. Der verliert. Das ist eine Tatsache.

Der kalte Wind treibt mir die Schneeflocken ins Gesicht. Sie stechen wie Nadeln auf meiner Haut. Tyler. Mein Herz verkrampft sich. Ich muss mit ihm reden. Ich bin ihm eine Erklärung schuldig, das weiß ich.
Mein Finger schwebt einige Sekunden lang unschlüssig über Tylers Nummer.
Ich komme mir dumm vor, ihn jetzt zurückzurufen, nachdem ich ihn vor weniger als einer halben Stunde aus meinem Leben verbannen wollte. Aber die eigentliche Frage, die ich mir wohl stellen sollte, ist, ob ich überhaupt die Zeit habe, dieses Problem tagelang vor mir herzuschieben. Ich weiß, dass ich Tyler nicht einfach vergessen und so tun kann, als ob wir uns nie begegnet wären.

Meine Hand zittert, als ich das Handy an mein Ohr hebe.
„Ja?“, meldet sich die Stimme am anderen Ende der Leitung. Jetzt gibt es kein Zurück mehr.
„Tyler, ich bin’s.“, sage ich. Stille. „Können wir reden?“, frage ich. Die Luft ist so kalt, dass mein Atem helle Dampfwolken bildet.
„Ich glaube, ich schulde dir eine Erklärung.“, sage ich und dann ist es am anderen Ende wieder eine Weile still. „Okay.“, sagt er irgendwann. „Wo sollen wir uns treffen?“
Ich kann nicht anders, als zu lächeln. „Kennst du das Edward Francis Hospital? Gegenüber dem Eingang, auf der anderen Straßenseite, gibt es ein kleines Café, die haben wahnsinnig guten Kuchen. Ich war früher oft dort.“, sage ich.
„Ja, das kenne ich.", höre ich ihn sagen. "Ich bin in zwanzig Minuten da."

Das Café ist noch immer so klein und gemütlich, wie ich es in Erinnerung hatte. Alles daran ist mir so vertraut wie eh und je und das macht mir ein wenig Angst.
Mum und ich haben hier zusammen gelacht und zusammen geweint und alle Phasen meiner Erkrankung gemeinsam durchgestanden. Jetzt sitze ich hier und mir gegenüber sitzt Tyler und rührt in seinem Kaffee. Meine Hände sind vor Nervosität schon wieder nassgeschwitzt.
„Es…tut mir leid, dass ich dich vorhin so angefahren habe.“, beginne ich und weiche seinem Blick aus, als er den Kopf hebt und mich abwartend ansieht.
„Ich war zu impulsiv und habe überreagiert. Tut mir wirklich leid.“, sage ich. Tyler hebt die Tasse an seine Lippen. „Schon okay.“, sagt er und nimmt einen Schluck.
„Nein…“, sage ich und schüttle den Kopf. „Das ist nicht okay. Nichts ist okay. Bei mir ist im Moment gar nichts so, wie es sein soll.“, gestehe ich. Ich wische meine nassen Hände an meinen Hosenbeinen trocken. Tyler lässt die Tasse sinken. Blau trifft auf Braun. „Was soll das heißen?“, fragt er und auf seiner Stirn bildet sich eine steile Sorgenfalte. „Was meinst du damit?“, hakt er nach. Einatmen. Ausatmen.
Einatmen.
Du tust das Richtige, Josh. Du tust das einzig Richtige.
„Ich habe Krebs.“, sage ich leise.
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