Warm Winter Nights

GeschichteRomanze, Freundschaft / P18 Slash
Chester McBadbat Timothy Tiberius "Timmy" Turner
09.12.2016
09.12.2016
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Schneeflocken wehten lautlos gegen das Fenster und hinterließen ihre zierlichen Spuren daran, während ich im Wohnzimmer vor dem Kamin saß, mir die Hände wärmte an einer heißen Tasse Holundertee und bis in die Tiefen meiner Seele entspannt ihrem leisen, unregelmäßigen Geflüster lauschte. Ein stilles Lächeln huschte mir über die Lippen, während ich langsam die Füße hochlegte und mich noch fester in die grüne Samtdecke, die ich auf meinem Schoß ausgebreitet hatte, einhüllte.
Tagträumend ließ ich meine Gedanken ihre eigenen Wege gehen und mich entführen auf eine Reise durch unzählig viele, atemberaubend schöne Erinnerungen. Erinnerungen, die so klar und deutlich in mir vorhanden waren, als würde ich sie erst in diesem Augenblick erleben. Erinnerungen, die sich für immer und ewig tief in mich eingebrannt hatten, damit ich niemals wieder vergessen konnte, was ich an ihm hatte und was für ein besonderer Mensch er für mich war.
Er war es, der meine kleine Welt erst dazu gebracht hatte, sich zu drehen und ihn von einem Moment zum nächsten mit ganz anderen Augen zu sehen. Er war es, dessen Anwesenheit diese beschauliche Wohnung erst mit Leben ausgefüllt hatte. Er war derjenige, dessen Nähe mir Herzklopfen verursachte und dessen Küsse mich beinahe betäubten. Derjenige, mit dessen seidiger, brauner Mähne ich stundenlang spielen konnte und dessen weiche Haut zu streicheln ich niemals müde wurde.
Durch ihn war ich so glücklich wie ich es mir in meinem ganzen Leben niemals erträumt, geschweige denn erwartet hätte – und das jeden einzelnen Tag aufs Neue. Erst mit ihm hatte ich gelernt, diese Welt mit klarem Blick zu sehen und den wahren, entscheidenden Dingen im Leben, die ich viel zu lange als selbstverständlich hingenommen hatte, Anerkennung zu schenken. Er hatte mir beigebracht, dass jede Kleinigkeit zählte, wie unbedeutend sie auf den ersten Blick auch scheinen mochte.
Diese Erkenntnis war es gewesen, die schlussendlich dazu geführt hatte, dass ich mich Hals über Kopf in ihn verliebt hatte. Die Erkenntnis, dass er ein ganz besonderer Mensch für mich war und mir noch so viel mehr bedeutete, als ich bis zu jenem Tag, an dem es zwischen uns angefangen hatte, überhaupt für möglich hielt. Er war ein ganz und gar einzigartiger Junge, das war er schon immer gewesen. Und ich wusste auch ganz genau, dass ich einen so aufgeschlossenen, herzensguten und fürsorglichen Menschen niemals wieder finden würde, egal, wo auf der Welt ich auch immer suchte.
Deshalb, das hatte ich mir damals selbst versprochen, durfte ich ihn niemals wieder von mir fortgehen lassen. Ich musste alles in meiner Macht Stehende dafür tun, damit er bei mir blieb und ihm durch meine bedingungslose Liebe zeigen, wie viel er mir und meinem Herzen bedeutete. Dazu brauchte es auch gar nicht viel – nur ein Wort, eine sanfte Berührung oder ein ganz kurzer Blick reichten schon aus, um mehr als deutlich auszudrücken, wie sehr ich ihn liebte.
Und diese hingebungsvolle Liebe, diese vielen kleinen Zärtlichkeiten, schenkte ich ihm nur zu gerne, weil ich sie tausendfach und auf ganz unterschiedliche Arten und Weisen von ihm zurückbekam. Egal, ob durch ein leises Flüstern in mein Ohr, durch einen sachten Streichler oder auch nur durch ein warmes, herzliches Lächeln – es gab unzählige Wege und Möglichkeiten, mit denen er mir deutlich vor Augen führte, was ich für ihn bedeutete.
Auch wenn wir inzwischen seit zwei Jahren ein festes Paar waren und während dieser Zeit schon einiges miteinander erlebt hatten – das Feuer, durch das unsere Liebe einmal entfacht worden war, war immer noch da. Es brannte nach wie vor ganz tief in uns beiden, füllte uns aus mit einem Gefühl, das auszudrücken nicht einmal die stärksten und aussagekräftigsten Worte in der Lage waren.
Natürlich war auch unsere Beziehung nicht makellos und perfekt. Auch zwischen uns flogen hin und wieder aufs Heftigste die Fetzen und wir gerieten in ein lautstarkes und oft auch sehr emotionales Wortgefecht, angehäuft mit einer Prise Wut, Schmerz und Tränen. Doch egal, wie stark wir uns auch verkrachten, wie uneinsichtig und stur wir auch auf unseren Meinungen beharrten – bisher war es uns noch jedes Mal gelungen, zu einer gemeinsamen Einigung zu kommen und den Weg zueinander wiederzufinden.
Sowohl er als auch ich besaßen den nötigen Respekt voreinander, um zu erkennen, wenn wir dem anderen Unrecht getan hatten und unsere Fehler zu verzeihen. Schließlich gehörte das zwischen zwei Menschen, die sich über alles liebten, nun einmal dazu. Jedes glückliche Paar zerstritt sich dann und wann oder führte hitzige Diskussionen miteinander, die bei uns bisher alle zu einem guten Ende gekommen waren.
Und genau das machte den besonderen Reiz in unserer Beziehung aus. Dem anderen offen und ehrlich die Meinung zu sagen, auch wenn sie ihm vielleicht nicht passte oder ihn möglicherweise sogar ein bisschen kränkte. Aber nur, wenn man wirklich hundertprozentig ehrlich zueinander war – daran glaubte ich bis heute – hatte die Liebe einen festen Grund unter sich, auf dem sie wachsen und blühen konnte. Sobald man es geschehen ließ, dass sich eine, wenn auch noch so kleine, Lüge dazwischenschmuggelte, war das Vertrauensverhältnis gestört und die Blüte verwelkte langsam aber sicher.
Um genau das zu verhindern, hatten er und ich uns ganz fest versprochen, uns niemals gegenseitig etwas vorzumachen und dem anderen gegenüber immer mit offenen Karten zu spielen. Und der Erfolg dieser in die Praxis umgesetzten Theorie sprach ganz eindeutig für sich: Nicht eine Meinungsverschiedenheit hatte es bisher zwischen uns gegeben, nach der wir uns nicht ausgesprochen und wieder versöhnt hatten. Nicht eine Sache, die wir dem anderen vorenthielten oder verschwiegen. Wir wussten absolut alles voneinander – von den alltäglichen, typischen Dingen, bis hin zu privaten und intimen Geheimnissen, über die niemand anderes sonst in Kenntnis gesetzt war.
Egal, wie schwierig oder peinlich uns eine Angelegenheit auch erschien, wir wussten ganz genau, dass wir sie dem anderen völlig scham- und zweifellos anvertrauen konnten, ohne dabei das Risiko einzugehen, dafür ausgelacht oder verspottet zu werden. Woran das lag, ließ sich mit einem einzigen, kleinen Wort erklären, das mir bei dem Gedanken daran ein weiteres Mal klar und deutlich vor meinem inneren Auge erschien: Seelenverwandtschaft. Eine endlos tiefe Seelenverwandtschaft.
Zufrieden lächelnd ließ ich meinen Blick Richtung Zimmerdecke wandern und verschränkte kurzerhand die Arme auf dem Bauch, während ich mich in die Wärme des Kamins, sowie in die, die ebendiese Gedanken an ihn in mir auslösten, einhüllte und all meine Sinne entspannte. Währenddessen überlegte ich mir, womit ich uns beiden den Abend versüßen konnte, sobald er von der kleinen Einkaufstour, zu der er vor einer knappen halben Stunde aufgebrochen war, wieder nach Hause kam.
Ein paar schöne Dinge hatte ich bereits im Kopf und war auch ganz fest dazu entschlossen, sie so schnell wie nur möglich in die Tat umzusetzen. Zum einen, so überlegte ich im Stillen, würde ihm ein entspannendes Bad nach diesem vorweihnachtlichen Einkaufsstress mit absoluter Sicherheit guttun und seinen durchgefrorenen Körper wieder aufwärmen. Zum anderen würde es mir, sofern ich es ganz geschickt anstellte, möglicherweise gelingen, ihn mit einer kleinen, beruhigenden Massage in die richtige Stimmung für ein anderes, noch weitaus schöneres Erlebnis zu bringen. Immerhin wusste ich genau, welche Reize ich gezielt ausspielen musste, um ihn meiner geplanten Verführung erlegen zu machen und das zu kriegen, was ich haben wollte.
Ein Grinsen breitete sich auf meinem Gesicht aus, als ich mich rasch wieder aufrichtete und noch einmal einen kurzen Blick aus dem zugeschneiten Fenster warf. Dann nahm ich noch einen letzten Schluck von meinem Tee, ehe ich mich auf den Weg ins Badezimmer machte, um meinen Plan in die Tat umzusetzen und alle mir gebotenen Mittel der Verführungskunst zum Einsatz zu bringen.

Etwa eine halbe Stunde später hatte ich alle notwendigen Vorkehrungen für mein Vorhaben getroffen und mich ein bisschen für ihn zurechtgemacht – und zwar auf eine Art und Weise, die ganz ohne jeden Zweifel meine tatsächliche Absicht erkennen ließ. Mein Körper wurde nun statt von Pullover und Jeans nur noch von einem schwarzen Seidennegligee, sowie einer ebenfalls schwarzen Strumpfhose verdeckt, unter der sich nichts weiter verbarg als das, was auch Adam bei seiner Erschaffung getragen hatte.
Zudem hatte ich meine Haare neu frisiert, da sie vom Liegen auf dem Sofa ein bisschen außer Form geraten waren und mir – sozusagen als ultimative Krönung – sein Lieblingsparfum aufgelegt, ein blumiger Duft aus Kirschblüte, Orchidee und Freesie, dem er, wie ich aus eigener Erfahrung ganz genau wusste, nur in den allerseltensten Fällen Widerstand leisten konnte. Ein bisschen geschickt eingesetzter Reiz reichte meiner Meinung nach aus und meinem Plan würde absolut nichts mehr im Wege stehen, dessen war ich mir sicher.
Ein letztes Mal wagte ich einen prüfenden Blick in den Badezimmerspiegel, ehe ich rasch wieder ins Wohnzimmer hinüberlief und mich auf dem Sofa in eine ausgefallene Pose warf – gerade noch rechtzeitig, um das sanfte Klicken an der Haustür wahrzunehmen und mich mit einem stillen Grinsen auf die reizvolle Rolle vorzubereiten, die ich in den nächsten Augenblicken so überzeugend wie möglich spielen würde.
Einige Male drehte ich mich noch hin und her, bis ich schließlich mit meiner Position zufrieden war, und legte den verspieltesten Blick auf, den ich in diesem Moment zu bieten hatte. „Mistwetter“, hörte ich ihn sich laut beschweren, als er, mit zwei bis obenhin gefüllten Einkaufstaschen in den Händen, das Zimmer betrat. Er schüttelte sich kurz den Schnee aus den Haaren, bevor er sie neben der Tür zum Wandschrank abstellte und im Anschluss daran aus seiner braunen Lederjacke schlüpfte.
„Gary, bin wieder da“, rief er aus, da er scheinbar meine Anwesenheit noch gar nicht registriert hatte, und hängte seine Jacke rasch am Türgriff auf. „Ich weiß“, antwortete ich mit einem Grinsen, woraufhin er einen überraschten Laut von sich gab und seinen Blick zum Sofa herüberschweifen ließ. „Hi Baby“, sagte er und kam auf mich zu. „Ich dachte, du wärst neb...“. Er brach überwältigt ab, als er meinen verführerischen Aufzug, sowie das Grinsen bemerkte, das nach wie vor auf meinem Gesicht lag.
„Hallo Tim-Tim“, sagte ich zu ihm und schwang mit einer gekonnten, reizvollen Bewegung die Beine übereinander. „Ich hab mich schon gefragt, wo du so lange steckst“. „Ich hab nur...“, wollte er erwidern, brachte es jedoch auch dieses Mal nicht fertig, seinen Satz vernünftig zu Ende zu sprechen, sondern fixierte sich stattdessen mit beeindrucktem Blick auf mich.
Eine Weile blieb er regungslos stehen und starrte mich an, sichtlich angetan von dieser Situation und der unmissverständlichen Forderung, die ich mit meiner Aufmachung an ihn stellte. Seine Hormone tanzten, das verriet mir jeder Blick, mit dem er meinen Körper abtastete, sowie das Lächeln, das sich langsam aber sicher über sein Gesicht ausbreitete. „Was ist, Tim-Tim?“, neckte ich ihn spielerisch und machte mit der Hand eine einladende Geste. „Magst du dich nicht zu mir setzen? Du bist doch sicherlich ganz erschöpft von deiner Einkaufstour und willst dich entspannen. Was hältst du davon, wenn ich dir dabei ein bisschen behilflich bin, hm?“.
„Gary...“, erwiderte er in gespielt mahnendem Ton, kam meiner Aufforderung aber schließlich nach und nahm am Rand des Sofas Platz, seine Augen dabei stets tief in den meinen vergraben. Rasch setzte ich mich ein Stückchen auf und legte ihm meine Arme um die Schultern, wies ihn mit dieser wortlosen Geste dazu an, sich neben mich sinken zu lassen und dadurch meiner Verführung voll und ganz zu ergeben.
„Entspann dich, Tim-Tim“, wisperte ich ihm sanft ins Ohr, während ich mit einer Hand über seinen Bauch und mit der anderen durch sein Haar streichelte. „Entspann dich einfach und lass dein Black Baby nur machen, okay?“. Zufrieden mit dieser Bitte ließ er ein kurzes Seufzen verlauten, während er sich voll und ganz auf meine Berührungen einließ und seine Sinne entspannte.
Eine Weile lagen wir so nebeneinander, ich so sanft wie möglich seinen Körper streichelnd und mir den sexuellen Reizen, die ich mit dieser Handlung in ihm weckte, mit einem triumphierenden Grinsen bewusst. Um seine Lust noch ein Stückchen mehr anzuheizen, ließ ich meine Hand rasch in seinen Nacken hinabgleiten und intensivierte meine spielerischen Bewegungen ein bisschen.
Daraufhin gab er ein lautes, glückliches Schnurren von sich und schmiegte sich noch näher an mich heran, presste mich dadurch fester gegen das Sofa, während er mit seinem Arm nach meinem leicht bekleideten Knie tastete und ihn vorsichtig darauf ablegte. Geschickt streichelte er mich einen Moment lang, bevor er sein Gesicht mit einem süßen und teils verruchten Lächeln mir zuwandte und mit seinen Lippen behutsam nach den meinen suchte.
Der Kuss zog sich einige Augenblicke dahin, bevor er schließlich durch mich wieder aufgelöst wurde und ich mit meinen Fingern jede einzelne seiner braunen Strähnen abtastete. Er kicherte leise, zufrieden mit diesem eindeutigen Zeichen meiner innigen Zuneigung, und rappelte sich wieder ein kleines Stückchen hoch.
„So romantisch heute, Black Baby?“, wollte er flüsternd wissen, während er mich an die Hand nahm und dazu aufforderte, mich ebenfalls ein bisschen aufzusetzen. „Ich bin immer romantisch“, erwiderte ich mit einem breiten Grinsen und drückte ihm einen kleinen Kuss auf seine Wange. „Weißt du das denn nicht?“. „Doch“, stimmte er meiner Aussage zu und erhob sich rasch vom Sofa. „Doch, natürlich weiß ich das, Baby“. Mit diesen Worten nahm er mich noch einmal an die Hand und der eindeutige Blick, den er mir dabei zukommen ließ, verriet mir ohne jeden Zweifel, was er als nächstes im Sinn hatte.
„Ins Bad?“, fragte ich ihn neugierig, wenngleich ich die Antwort darauf bereits ganz genau kannte. Ohne etwas darauf zu erwidern, grinste er mich an und zog mich, noch ehe ich irgendeine Form des Widerstands leisten konnte, sanft hinter sich her – offenkundig mit der Absicht, mich in der Badewanne zu verführen und dadurch ihm und seinen sinnlichen Reizen erlegen zu machen. Glücklich über dieses verlockende Angebot kam ich seiner Anweisung nach und begleitete ihn, dabei ganz genau wissend, dass ein neues, aufregendes Abenteuer bereits ungeduldig auf mich wartete.

Nachdem ich Timmys unwiderstehlicher Bitte nachgekommen und mich ihm im Badezimmer hingegeben hatte, saßen wir einige Zeit später zusammen auf dem Sofa und lauschten gegenseitig den gleichmäßigen Rhythmen unserer Herzschläge, sowie den Schneeflocken, die nach wie vor am Fenster entlangtanzten und sich im Reigen dieses ruhigen Winterabends drehten.
Mein Kopf ruhte sanft auf seiner Schulter und mein Blick hing an seinen Fingern, mit denen er sich, beginnend bei meinen Haaren, langsam über meinen Körper hinabtastete. Inzwischen war er in meinem Nacken angekommen und ließ seine Hände eine Zeit lang dort verweilen, sich voll und ganz darüber im Klaren, dass diese zu meinen empfindsamsten Stellen überhaupt zählte.
Ein stilles Lächeln umspielte sein Gesicht, das mir auch ohne Worte verriet, wie zufrieden er in diesem Moment war und wie sehr er es liebte, auf so eine einzigartige Art und Weise meine Nähe zu erleben – besonders an Winterabenden wie diesen. Die Wärme, die sein gesamter Körper ausstrahlte, hüllte mich voll und ganz mit ihrem unvergleichlichen Zauber ein und veranlasste mich kurzerhand dazu, einfach auf seinen Schoß zu hopsen, um ihn noch dichter an mir zu fühlen als es ohnehin bereits der Fall war.
Daraufhin grinste er mich verführerisch an und löste seine Hand aus meinem Nacken, um sie mit ein paar geschickten Bewegungen an der Vorderseite meines Körpers entlangzuführen. Mit einem Zwinkern legte er sie rasch auf meinem Bauch ab, bevor er sie dann vorsichtig unter meinen Pullover schob und mir dadurch ein angenehmes Kitzeln auf der Haut verursachte.
Ein kurzer, unmissverständlicher Blick in seine Augen reichte aus, um eindeutig zu wissen, was er mir durch diese sanfte Geste andeuten wollte und schließlich kam ich, wenn auch mit vorgetäuschtem Zögern, seiner stummen Aufforderung nach. Eilig zog ich mir den Pullover über den Kopf und warf ihn mit einer lässigen Handbewegung neben uns aufs Sofa, während ich Timmy ein breites Grinsen schenkte.
„Das wolltest du doch, oder?“, erkundigte ich mich bewusst neckisch, woraufhin er mich sanft am Hals küsste und seine Finger damit begannen, über meinen jetzt völlig nackten Bauch zu kraulen. Ein leises Schnurren drang aus mir heraus, als ich mich eilig zurücklehnte und ihn in aller Seelenruhe mit seinen Streicheleinheiten fortfahren ließ. „Mhm, Baby“, antwortete er mir schließlich, während er sich über mich beugte und sein rechtes Knie zwischen meine Beine legte, um mir ein Entkommen aus dieser Situation unmöglich zu machen, wenngleich er haargenau wusste, dass Flucht die letzte Sache war, an die ich jetzt einen Gedanken verschwendete. „Genau das wollte ich“.
Kaum hatte er diese Worte ausgesprochen, streichelte er mir langsam mit dem Finger über die Lippen, bevor er sie mit einem süßlichen, atemlosen Kuss beschenkte und dadurch jeglicher weiteren Argumentation beraubte. Noch während der Kuss anhielt, spürte ich ihn sanft gegen meine Brust drücken – eine stille Anweisung dazu, mich zu entspannen und mich seinem Spiel, welche Regeln es auch immer haben mochte, zu ergeben.
Doch so leicht ließ ich ihn dieses Mal nicht davonkommen. Bereits kurze Zeit zuvor, als wir zusammen in die Badewanne verschwunden waren, hatte ich schon einmal nachgegeben und ihn ohne jegliche Bedenken sein Vorhaben durchführen lassen. Wenn er jetzt geplant hatte, mich noch einmal zu verführen, dann musste er sich schon ein bisschen mehr anstrengen. Dann reichten ein paar betäubende Küsse nicht mehr aus.
Immerhin hatte ich mich gerade eben dazu animieren lassen, mich oben frei zu machen und ihm dadurch zu demonstrieren, dass ich gegen eine weitere, reizvolle Versuchung nichts einzuwenden hatte. Und wenn ich mich schon so großzügig meiner Oberbekleidung entledigte, dann konnte ich dasselbe, oder zumindest etwas Vergleichbares, auch von ihm erwarten. Wenn er wollte, dass sein Plan funktionierte, dann musste er schon ein paar zusätzliche Reize in die Runde werfen.
Und genau das machte ich ihm auch sehr deutlich, als ich ihn bei einem weiteren Versuch, mich zu küssen, abrupt stoppte und ihn sanft von mir herunterschob. Verwundert über diese Reaktion zog er einen kurzen Moment eine Augenbraue hoch und setzte sich wieder ein Stückchen auf. „Keine Lust mehr, Gary Baby?“, wollte er wissen und zog eine Schnute, ein humorvoller Versuch, mein Mitleid zu wecken.
„Doch“, erklärte ich ihm und legte ein Grinsen auf. „Doch, Lust hätte ich schon. Aber...“. Rasch ließ ich meine Hände über sein Knie hinuntergleiten und wies ihn dadurch auf dieselbe Art und Weise dazu an, sich auszuziehen, wie er das bei mir gemacht hatte. Jedoch stellte ich mich dabei nicht sonderlich geschickt an, denn er schien meine Bitte entweder falsch zu interpretieren, oder er kapierte sie überhaupt nicht. Statt also meinem Wunsch nachzukommen, starrte er mir nur fragend in die Augen und legte den Kopf ein bisschen zur Seite.
„Was ist?“, erkundigte er sich, verwundert über diese unerwartete Geste meinerseits, woraufhin ich versuchte, ihm ein noch eindeutigeres Zeichen zukommen zu lassen. Also tastete ich mich mit den Händen an seinen Beinen hinunter, bis ich schließlich ganz unten an seinen Füßen ankam. „Wenn ich mich schon frei mache...“, erklärte ich ihm und bemühte mich, dabei eine Spur herausfordernd zu klingen. „...dann solltest du das vielleicht auch tun, Tim-Tim“.
„Ah“, erwiderte er, als er begriffen hatte, was ich von ihm wollte, und bestätigte mein Argument mit einem kurzen Nicken. „Natürlich, Garylein. Wie konnte ich das denn nur vergessen?“. „Also darf ich?“, fragte ich mit einem Kichern und noch ehe er irgendwelche Einwände äußern konnte, setzte ich mein Vorhaben in die Tat um und legte seine Füße kurzerhand in meinen Schoß.
„Du darfst“, stieß er überrumpelt von meiner Handlung hervor und musste lachen. Schnell lehnte er sich zurück und entspannte seinen Körper, in freudiger Erwartung der Dinge, die ich mit ihm gleich anstellen würde. „Darf ich alles?“, wollte ich wissen, während ich ihm das Paar dunkle Socken, das er anhatte, mit einer raschen Handbewegung abstreifte und ihn dabei verlockend angrinste.
„Alles, worauf du Lust hast“, sicherte er mir zu und führte durch eine ganz unscheinbare, aber trotzdem ausgefallene Bewegung seinen rechten Fuß näher an meine Intimzone heran. „Aber nur, wenn ich auch das machen darf“. Kaum hatte er diesen Satz verlauten lassen, begann er damit, mich zu streicheln und zauberte mir dadurch unweigerlich ein überglückliches Lächeln ins Gesicht. „Ja“, antwortete ich dann und nahm mir währenddessen seinen anderen Fuß vor. „Ja, du darfst. Sehr gerne sogar“.
Voll und ganz zufrieden mit dieser erteilten Erlaubnis, verstärkte Timmy seine Bewegungen ein kleines Stück und kostete entspannt das Gefühl aus, das ich ihm in diesem Augenblick schenkte. So machten wir eine Zeit lang weiter – ich kraulte mit den Fingern seinen Fuß und er dafür mit dem Fuß meine private Zone, bis sowohl er als auch ich schließlich nach einigen Momenten mit einer Empfindung konfrontiert wurden, die angesichts der ausgefallenen Reize, die wir uns gegenseitig zuteilwerden ließen, unvermeidbar und darüber hinaus für den jeweils anderen mehr als deutlich erkennbar war.
Sowohl ihm als auch mir huschte ein Grinsen über das Gesicht, als wir einen Blick auf die Intimzone des anderen warfen und wussten, dass wir beide das Spiel gewonnen hatten. Gleichzeitig war uns aber auch klar, dass sich aus diesen sanften Streicheleinheiten noch wesentlich mehr herausholen ließ als nur angeheizte Lust. Wir wussten, dass wir noch wesentlich mehr erreichen und uns gegenseitig noch viel intensiver erregen konnten, wenn wir es nur wollten.
Und eine Sache stand fest: Wir wollten es. Wir wollten es in diesem Moment über alle Maßen. Wir beide wollten uns bis zur obersten Grenze hinaufarbeiten und, sobald diese überschritten war, unseren Höhepunkt ein weiteres Mal zusammen teilen. Timmys eindeutiger Blick verriet mir, dass er auf dieses Erlebnis mindestens genauso wild war wie ich. Und auch ich vermittelte ihm ganz unmissverständlich, dass ich bereit war, mich auf das aufregende Abenteuer einzulassen und mit ihm zu spielen.
Auf dieses zustimmende Zeichen meinerseits hin beschleunigte Timmy sein Tempo erneut und streichelte mich noch eine Spur fester als bisher. Darüber hinaus ließ er eine seiner Hände rasch in seiner Jeans verschwinden und warf mir ein verspieltes und gleichzeitig verruchtes Zwinkern zu, das auch mich dazu anspornte, meine Bewegungen noch ein Stück zu intensivieren.
Meine Fingernägel, die ich aus gutem Grund immer ein bisschen länger und spitzer trug, wanderten kraulend über seine Fußfläche und entlockten ihm dadurch ein mehr als zufriedenes Seufzen, das die Streichler unter seiner Jeans, die er sich selbst in diesem Moment schenkte, noch heftiger und rhythmischer werden ließ. Seine Lust baute sich mit jedem neuen Ruck auf, das war ihm überdeutlich anzusehen.
Auch meine eigene war bereits sehr stark fortgeschritten und erhoffte sich sehnlichst die große Explosion, mit der sie endlich nach draußen geschleudert und von ihrem ungeduldigen Warten erlöst wurde. Intuitiv schien Timmy das ganz genau zu spüren, denn seine rhythmischen Streichler an meiner Privatzone steigerten sich ein weiteres Mal und machten es mir beinahe unmöglich, mich noch länger auf das Kraulen seiner Fußfläche zu konzentrieren.
„Gary...“, stieß er beinahe außer Atem hervor, als meine Finger ein weiteres Mal darüber hinwegglitten und er schließlich dem Druck, der sich in ihm aufgebaut hatte, nicht mehr standhalten konnte. Ohne jegliche Vorwarnung begann sein Fuß zu zucken und löste dadurch, wenngleich vielleicht nicht in bewusster Absicht, meinen eigenen Orgasmus aus. Während es ihm jedoch noch rechtzeitig gelang, sich aus seiner Jeans zu befreien, ehe er davon überwältigt wurde, konnte ich nichts weiter tun als laut aufzustöhnen und meinen Höhepunkt einfach gewähren zu lassen.
Zwar versuchte ich mein Möglichstes, um ebenfalls noch eine Befreiung zu veranlassen und Timmys Fuß von mir herunterzuschieben, doch dazu war es in diesem Augenblick bereits zu spät. Mit einem weiteren, tiefen Seufzen musste ich schließlich abspritzen und fühlte das Desaster, das sich während dieses Vorgangs unter meiner schwarzen Leggings ausbreitete.
Timmy atmete unterdessen heftig und laut, versuchte, sich selbst wieder unter Kontrolle zu bekommen und gab einen teils überwältigten, teils zufriedenen Laut von sich, der mir zweifelsfrei erzählte, wie sehr ihm dieses kleine Abenteuer Spaß gemacht hatte. Nachdem auch ich mich wieder ein bisschen beruhigt und richtig realisiert hatte, was gerade passiert war, wandte ich mich, ebenfalls laut atmend, Timmy zu und schenkte ihm ein glückliches Grinsen.
„Puh“, rief ich aus und spürte mein Herz noch immer heftig gegen meine Brust klopfen, als ich mich schließlich von meinem Platz erhob und ins Badezimmer verschwinden wollte, um den kleinen Unfall so schnell wie möglich zu beseitigen. Bevor ich dazu jedoch die Gelegenheit erhielt, griff Timmy nach meiner Hand und bat mich dadurch, noch einen Augenblick stehenzubleiben.
Mit einem breiten Grinsen wandte ich mich wieder zu ihm um und warf ihm einen flüchtigen Kuss zu, durch den ich mehr als nur deutlich zum Ausdruck brachte, wie sehr mir unsere gegenseitige Verführung gefallen hatte. „Wohin denn so eilig, Gary Baby?“, erkundigte er sich und zwinkerte mir kurz zu. „Hast du nicht vielleicht noch Lust auf einen kleinen, aber feinen Nachtisch, hm?“.
„Grundsätzlich hab ich nichts dagegen“, erklärte ich ihm schulterzuckend. „Und ich bin auch sehr geschmeichelt von diesem Vorschlag. Allerdings würde ich sehr gerne vorher das Missgeschick beseitigen, das mir gerade eben passiert ist“. Mit diesen Worten wies ich zu meiner Leggings hinunter, auf dessen Frontseite sich mittlerweile überdeutlich ein großer Fleck abzeichnete. „Und ich würde dir wirklich raten, dasselbe zu tun. Sonst macht der Nachtisch nämlich nur halb so viel Spaß, wenn du verstehst, was ich damit sagen will“.
„Du hast Recht“, stimmte er mir zu und schwang sich rasch vom Sofa hoch. „Vielleicht sollten wir uns vorher wirklich umziehen. Schließlich wollen wir uns doch das Dessert nicht verderben, nicht wahr?“.
Mit diesen Worten nahm er mich an die Hand und bedeutete mir, ihm rüber ins Badezimmer zu folgen. „Sag mal“, flüsterte er mir währenddessen ins Ohr und ich spürte sein braunes Haar auf meinem Gesicht kitzeln. „An welche Art von Nachtisch hattest du denn gedacht?“. „Keine Sorge, Tim-Tim“, erwiderte ich und schenkte ihm ein breites Lächeln. „Es wird dir garantiert schmecken. Da bin ich mir absolut sicher“.

Am Abend darauf durchwühlte ich im Schlafzimmer gerade sämtliche Schränke, auf der Suche nach meinem schwarzen Wintermantel, den ich in diesem Jahr erstaunlicherweise erst ziemlich spät hervorholen musste. Nachdem Timmy mich den lieben, langen Tag über bequatscht und zugetextet hatte, hatte ich mich nach langem Bitten und Flehen schließlich dazu überreden lassen, den örtlichen Weihnachtsmarkt mit ihm zu besuchen und ein bisschen zwischen den verschiedenen Ständen hin- und herzubummeln.
Sonderliche Lust darauf hatte ich zwar bei weitem nicht, da ich es stets vorzog, mich hier drin in der warmen Wohnung aufzuhalten, anstatt auch nur einen einzigen Fuß nach draußen in die klirrende Kälte zu setzen, doch er hatte mich so herzerweichend darum angebettelt, war sogar vor mir auf die Knie gefallen, sodass ich mich einfach nicht dazu durchringen konnte, ihm diese Bitte abzuschlagen.
Darüber hinaus hatte er mir fest versprochen, mich warm zu halten und es überhaupt gar nicht erst zuzulassen, dass mich auch nur der kleinste Hauch eines Fröstelns überkam. Außerdem hätte ich mich nur selbst belogen, hätte ich behauptet, dass ich nicht ein bisschen neugierig darauf war, welches breitgefächerte Repertoire an Angeboten der Weihnachtsmarkt in Dimmsdale dieses Jahr zu bieten hatte.
Wenn ich nur etwas Glück hatte, so überlegte ich für mich, würde ich in diesem Jahr vielleicht endlich die lang ersehnte Spieluhr finden, die mein Lieblingsweihnachtslied 'Little Drummer Boy' erklingen ließ, sobald man sie aufzog. Bereits seit einer Ewigkeit suchte ich schon nach so einem Exemplar, war bisher jedoch noch nicht ein einziges Mal fündig geworden. Aber vielleicht würde sich das ja in diesem Jahr endlich ändern.
Ein Grund mehr, auf Timmys Vorschlag einzugehen, überlegte ich mit einem optimistischen Lächeln und nach schier endloser Suche fiel mir endlich besagter Mantel in die Hände, der wohl vom Haken gerutscht sein musste und sich, ganz unscheinbar und schüchtern, zwischen einem Stapel Pullover und ein paar Hemden sein eigenes, gegen jeden unerlaubten Eindringling gerüstetes Versteck gesucht hatte.
Rasch hob ich ihn auf und hängte ihn über die Bettkante, ehe ich mich der obersten der insgesamt vier Schubladen zuwandte und einen ebenfalls schwarzen, dazu passenden Schal heraussuchte. Als ich auch hier gefunden hatte, was ich suchte, schloss ich die Schranktür wieder ab und machte mich im Anschluss daran auf den Weg zu Timmy, der, mit Sicherheit bereits ein bisschen ungeduldig, nebenan auf mich wartete.
Während ich lief, schlüpfte ich rasch in meinen Mantel hinein und schwang mir den Schal um den Hals, bevor ich schließlich die Tür zum Wohnzimmer aufschwang, auf dessen Sofa es sich Timmy gemütlich gemacht hatte und mir beim Eintreten ein kurzes Lächeln zukommen ließ. „Bin gleich fertig“, informierte ich ihn, sein Lächeln erwidernd, während ich die Knöpfe meines Mantels bis obenhin zumachte und den Schals noch ein Stückchen zurechtrückte.
„Zauberhaft wie immer“, kommentierte er meine Aufmachung, als er sich erhob und zu mir herüberkam. Auch er hatte sich rasch umgezogen und war dann in seine braune Lieblingsjacke geschlüpft, die er bereits so lange ich denken konnte in seinem Besitz hatte. Infolgedessen wirkte das Ding schon ziemlich abgetragen und drohte sich langsam aber sicher im Nichts aufzulösen. Doch trotz ihres drohenden, meiner persönlichen Ansicht nach bald eintretenden, Zerfalls liebte er sie über alles, weil sie ihn, laut seinem eigenen Bekunden, so warm hielt wie nichts anderes – mich selbstverständlich ausgenommen.
Über dieses Kompliment hatte ich mich damals sehr gefreut und einen regelrechten Kicheranfall bekommen, da er, wie ich fand, mit dieser Aussage maßlos übertrieb. Aber so war er eben schon immer gewesen. Er hatte ein ausgesprochenes Talent dafür, zur richtigen Zeit die richtigen Worte zu finden und wenn ich ehrlich war, war das einer der unzählig vielen Gründe, wegen derer ich ihn über alles liebte.
„Gut, dann können wir ja los, oder?“, unterbrach er plötzlich meine Gedanken und blickte mich mit einem erwartungsvollen Lächeln an. „Es sei denn, du brauchst noch irgendetwas“. „Nein“, erwiderte ich kopfschüttelnd. „Müsste alles haben. Obwohl... wenn ich so darüber nachdenke... eine Sache gäbe es da tatsächlich noch, die ich unbedingt haben muss“. „Welche denn?“, erkundigte er sich und sah mich gespannt an, woraufhin ein breites Grinsen über mein Gesicht huschte. Langsam beugte ich mich an sein Ohr heran, ehe ich ihm schließlich seine Frage beantwortete. „Ich brauche ganz dringend...“, hauchte ich ihm zu und unterbrach mich, um den Spannungseffekt noch ein bisschen zu steigern. „Ja?“, erwiderte er, jetzt ebenfalls im Flüsterton und spitzte gespannt die Ohren. „...einen Kuss von dir“, erklärte ich ihm und kicherte leise. „Ohne den kann ich dich nämlich unter keinen Umständen begleiten“.
„Ist das so, ja?“, wollte er wissen und legte einen gespielt skeptischen Blick auf, was ich durch ein kurzes Nicken bejahte. „Nun, das kann ich natürlich auf keinen Fall riskieren“, gab er bekannt, während er mich mit einer schwungvollen Bewegung an sich heranpresste und seine Nasenspitze die meine berührte. Wieder grinste er ganz verführerisch, bevor er mir schließlich gab, wonach ich verlangte und seine Lippen den meinen unaufhaltsam näherte.
Ein paar Momente lang tasteten sie sich gegenseitig ab, spielten hingebungsvoll ihr Spiel miteinander, bevor sie durch Timmy wieder auseinandergerissen wurden und er seinen Arm bei mir einhakte. „Hast du denn jetzt alles, was du brauchst?“, erkundigte er sich noch einmal und musste lachen. „Ja, Tim-Tim“, bestätigte ich ihm zufrieden, während wir uns auf den Weg zur Tür machten. „Absolut alles“.

Sanfte Schneeflocken rieselten unnachgiebig auf uns herab, während Timmy und ich die verschneiten Straßen hinunter zum Stadtplatz wanderten, der – wie seit ewigen Zeiten – den Veranstaltungsort für den jährlichen Weihnachtsmarkt in Dimmsdale darstellte. So wie immer, wenn wir spazieren gingen, hatte er seinen Arm unter meinem eingehakt und schenkte mir bei jedem flüchtigen Blick in seine Richtung ein herzliches, wärmendes Lächeln, das ohne den geringsten Zweifel erkennen ließ, wie sehr er sich über unseren kleinen Ausflug in die malerische Winterlandschaft freute.
In seinem Haar hatten sich bereits die ersten Spuren vom frischen Schnee niedergelassen, die ihm durch das flackernde Licht der Straßenlaternen einen hellen Silberschimmer verliehen und es funkeln ließen wie Diamanten. Irgendwie hatte es beinahe schon etwas Märchenhaftes an sich, wie seine schokoladenbraunen Haarsträhnen in diesem Licht glitzerten und mir wurde zum ersten Mal richtig bewusst, wie schön sie eigentlich waren.
Wie schön er eigentlich war. Unglaublich schön. Eine Schönheit, die sich mit nichts und niemandem auf dieser Welt vergleichen ließ. Eine, die es in dieser Form auf dem gesamten Planeten nur ein einziges Mal gab. Dabei war es noch nicht einmal so sehr das Äußere, das mich in diesem Augenblick so stark an ihm faszinierte. Vielmehr hatte ich das Gefühl, das erste Mal in unseren zwei Jahren Beziehung einen Blick auf seine Seele werfen zu können – auf die Reinheit und kindliche Unschuld, die ganz tief im Grunde seines Herzens schlummerte.
Es war eine Art Zauber, den ich so vorher noch niemals erlebt hatte. Ein überwältigender und vor allen Dingen kostbarer Moment, der mich innerlich voll und ganz mit seiner Wärme ausfüllte und mir einmal mehr klarmachte, was für ein besonderer Mensch Timmy doch für mich war.
Gepackt von diesem Schimmer seiner Haarsträhnen und von der unbeschreiblichen Magie dieses Augenblicks, blieb ich kurz stehen und umschloss Timmys Hand ein bisschen fester. „Huch?“, wunderte er sich daraufhin, ein wenig überrascht von meiner plötzlichen Reaktion, und warf mir einen Blick zu. „Alles okay, Gary Baby?“, erkundigte er sich und streichelte sanft über meine Finger, während er mich kurz musterte. „Mhm“, antwortete ich, über alle Maßen zufrieden, und lächelte ihn an, ehe ich meine Arme um seine Hüfte legte und ihn näher an mich heranschob.
„Was wird das denn?“, wollte er überrascht wissen und stieß ein leises Kichern aus, machte jedoch keinerlei Anstalten dazu, meine eindeutige Geste der Zuneigung zu unterbrechen oder abzuwehren. „Bitte küss mich, Tim-Tim“, flüsterte ich ihm sanft ins Ohr und schmiegte mein Gesicht dicht an seines heran. „Jetzt und hier“. „Du willst mich doch wohl nicht hier draußen verführen, oder?“, neckte er mich und stupste mich sacht mit seiner Nasenspitze an. „Das wäre nämlich ganz und gar nicht die feine englische Art, Gary Baby“.
„Bitte tu's einfach“, bat ich ihn ein weiteres Mal und schwang meine Arme um seinen Nacken. „Frag nicht, warum ich es jetzt will, sondern tu's bitte einfach nur, okay?“.
„Wenn mein Prinz das möchte“, erwiderte er mit einem Grinsen und presste im nächsten Moment seine Lippen ganz fest auf die meinen. Beinahe automatisch begann ich, mit der Hand durch seinen Haarschopf zu gleiten und spürte dabei die geschmolzenen Schneeflocken an meinen Fingern. Timmy schnurrte als Antwort auf diese überraschende Geste meinerseits und verstärkte seinen Kuss noch ein Stück.
Als er ihn schließlich nach einiger Zeit wieder auflöste, grinste er mich bis über beide Ohren an und hakte seinen Arm wieder fest unter meinem ein. „War das jetzt so eine Art Überraschung für mich?“, wollte er dann wissen und kicherte. „Mhm, schon möglich“, antwortete ich mit einem Schulterzucken und grinste ihn an. „Du weißt doch, dass ich immer für eine Überraschung gut bin, oder nicht?“. „Nicht nur du“, meinte er und begann, mein breites Grinsen zu erwidern. „Wer weiß, vielleicht erlebst du heute Abend auch noch eine kleine Überraschung“. „So?“, erkundigte ich mich gespannt, was er durch ein kurzes Nicken bestätigte. „Vielleicht“, wiederholte er dann und zwinkerte mir zu, bevor wir schließlich unseren Weg zum Weihnachtsmarkt fortsetzten.

Eine halbe Stunde später, nachdem wir den Weihnachtsmarkt einmal komplett umrundet und uns die zahlreichen Angebote ausführlich betrachtet hatten, hatten wir uns kurzerhand dazu entschlossen, am Glühweinstand eine kleine Pause einzulegen und uns wieder ein bisschen aufzuwärmen. Ein paar Souvenirs hatte unser kleiner Bummel mir bereits beschert, darunter unter anderem eine Schneekugel mit Tannenbaummotiv, einen Satz elegant verzierter Christbaumkugeln, sowie zwei Postkarten mit Aufdrucken einer Winterlandschaft. Die heiß begehrte Spieluhr mit der 'Little Drummer Boy'-Melodie hatte ich zwar auch in diesem Jahr nicht entdecken können, doch das empfand ich nicht weiter als tragisch – im Gegenteil: Ich war mehr als froh, dass ich mich von Timmy zu diesem Ausflug hatte überreden lassen und wusste, dass ich es mit absoluter Sicherheit bereut hätte, hätte ich mich seiner herzerweichenden Bitte verweigert.
„Alles okay?“, unterbrach Timmy schließlich meine Gedanken, als er seine Hand auf die meine legte und mir ein kurzes Lächeln zuwarf. „Ja, natürlich“, antwortete ich, als ich mich ihm zuwandte. „Ich hab nur grade nachgedacht“. „So?“, wollte er interessiert wissen. „Worüber denn?“. „Nichts Bestimmtes“, erklärte ich ihm schulterzuckend, während ich meine Arme auf dem kleinen Tischchen vor mir verschränkte. „Ich hab mir nur gerade gedacht, wie schade es gewesen wäre, wenn du mich nicht dazu überredet hättest, hierher zu kommen“.
„Ja, nicht wahr?“, erwiderte er und grinste mich ein bisschen neckisch an, ehe er mit der Hand hinüber zum Glühweinstand wies und sich umwandte. „Soll ich dir auch was holen?“, bot er mir an, woraufhin ich rasch nach seiner Hand griff und ihm dadurch bedeutete, dass ich vorhatte, ihn zu begleiten. „Nein, ich komme mit“, erklärte ich ihm dann. „Denn wenn du mich nur eine einzige Sekunde lang allein lässt, dann friere ich“.
„Du willst dich doch bloß wieder einschleimen“, entgegnete er und lachte, legte gegen mein Argument jedoch keinerlei Widerspruch ein, sondern schwang seinen Arm um mich und wies mich dazu an, ihm zu folgen. „Anscheinend klappt das mit dem Schleimen ganz gut“, meinte ich dazu und grinste, woraufhin er mir kurz zuzwinkerte und wir uns schließlich daran machten, das Angebot des Glühweinstandes in aller Ruhe zu studieren. „Hm, der Spezial Weihnachtspunsch klingt nicht schlecht“, äußerte ich nach kurzem Überlegen und deutete mit dem Finger auf den entsprechenden Absatz in der Angebotskarte. „Ich glaube, den nehm ich“. „Ja?“, erwiderte Timmy mit einem Lächeln, was ich durch ein kurzes Nicken bestätigte. „Gut, dann nehm ich den auch“, gab er bekannt und musste kichern, während er die Karte beiseite legte und sich dem Inhaber des kleinen Standes, einem dunkelblonden, mittelgroßen Jungen mit weinroter Winterjacke, der so ungefähr unser Alter haben musste, zuwandte. „Zweimal Weihnachtspunsch Spezial bitte“, bestellte er schließlich und legte mir währenddessen seinen Arm um den Körper. „Kommt sofort“, erklärte der Junge und nickte uns flüchtig zu, während wir zurück zu unserem Tisch liefen, vorbei an ein paar Mädchen, die allem Anschein nach ebenfalls vorhatten, sich etwas zu kaufen.
Als wir wieder bei unserem Platz ankamen, bemerkte ich, dass Timmy eine Hand in der Tasche seiner Jacke vergraben hatte und offensichtlich nach irgendetwas zu suchen schien. „Das gibt's doch nicht“, meinte er leise, woraufhin ich verwundert eine Augenbraue hochzog und ihn kurz anschaute. „Suchst du den Wohnungsschlüssel?“, erkundigte ich mich und wies hinunter zur Tasche meines schwarzen Mantels. „Den hab ich dabei“.
„Nein, nein, ich such was anderes“, erwiderte er kopfschüttelnd und fing damit an, auch seine andere Tasche zu durchwühlen. „Ich bin mir hundertprozentig sicher, dass ich ihn eingesteck... oh, Gott sei Dank, da ist er“. Erleichtert atmete er auf, als er die Hand wieder aus seiner Jackentasche herauszog und ich ließ ihm daraufhin abermals einen leicht irritierten Blick zukommen. „Was ist wo?“, wollte ich von ihm wissen, was er durch ein unsicheres, beinahe schon verlegenes Räuspern zu beantworten versuchte. „Ähm, nichts“, erwiderte er schließlich und legte beide Hände wieder auf dem hölzernen Tischchen vor uns ab. „Überhaupt nichts, wirklich. Ich hab nur gerade was nachgesehen“.
„Und was?“, fragte ich ihn mit nach und nach zunehmender Neugier. „Das sag ich dir nicht“, erklärte er mir mit einem leisen Kichern und zuckte kurz die Schultern. „Sonst würde ich dir nämlich die schöne Überraschung kaputtmachen“.
„Welche Überraschung?“, wollte ich gespannt wissen, gerade in dem Moment, als der Junge vom Stand zu uns an den Tisch kam und uns ein Lächeln schenkte. „Bitte sehr“, sagte er, als er uns die zwei bestellten Tassen Punsch hinstellte. „Lasst es euch schmecken“. „Danke“, erwiderte ich flüchtig und wandte mich danach wieder zu Timmy um, darauf versessen, schnellstmöglich herauszufinden, welche Art von Überraschung er für mich geplant hatte.
„Also?“, fragte ich ihn noch einmal und legte einen flehentlichen Gesichtsausdruck auf. „Also was?“, antwortete er und gab sich vollkommen ahnungslos, so als hätte er keinen Schimmer, was ich von ihm wollte. „Welche Überraschung?“, wiederholte ich meine Frage noch einmal, was er durch ein sanftes Zwinkern beantwortete und im Anschluss daran einen kleinen Schluck von seinem Weihnachtspunsch nahm.
„Ah, heiß“, rief er aus und fasste sich an die Lippen, was mich unweigerlich dazu brachte, leise zu kichern. „Armer Tim-Tim“, meinte ich so mitleiderregend wie möglich und zog eine Schnute. „Soll ich dir was geben, damit dein Wehwehchen wieder besser wird, hm?“. „Das kommt darauf an“, sagte er kichernd und näherte sein Gesicht ein kleines Stückchen dem meinen. „Woran hattest du denn dabei gedacht?“.
„Nun...“, erklärte ich ihm und schob mich noch etwas dichter an ihn heran. „An so etwas zum Beispiel“. Mit diesen Worten presste ich meine Lippen fest auf seine, doch selbstverständlich nicht ganz so selbstlos und uneigennützig wie ich es ihm gerade weiszumachen versucht hatte. Dieser kleine Kuss diente mir lediglich als Ablenkungsmanöver, um meine Hand so unauffällig wie möglich seiner Jackentasche zu nähern und zu erfühlen, welche Überraschung er wohl darin versteckt haben mochte.
Einen kurzen Augenblick lang schien mein Plan zu funktionieren und es gelang mir sogar, meine Hand flüchtig über seine Jackentasche hinwegstreifen zu lassen, allerdings wurde sie beim Versuch, ins Innere der Tasche zu gleiten, abrupt von Timmys eigener gestoppt und auch das wärmende Zusammenspiel unserer Lippen fand damit ein zügiges Ende. „Na, na, na“, mahnte er mich und schüttelte kurz den Kopf, um mir klarzumachen, dass er mich durchschaut hatte. „Nicht frech werden, Gary Baby“.
„Sorry, Tim-Tim“, entschuldigte ich mich und kicherte. „Ich bin einfach neugierig, das ist alles. Aber wenn du schon so ein Geheimnis darum machst, dann muss es ja wohl etwas ganz Außergewöhnliches sein, oder nicht?“. „Gut erkannt“, stimmte er mir zu und legte ein breites Grinsen auf. „Etwas Außergewöhnliches ist es auf jeden Fall. Und natürlich kann ich verstehen, dass du schon ziemlich neugierig bist. Allerdings musst du dich noch ein kleines bisschen gedulden, zumindest so lange, bis wir wieder zu Hause sind. Das hier erscheint mir nicht der geeignete Ort, um dir meine Überraschung zu geben“.
Er unterbrach sich, schien einen Moment lang nachzudenken, ehe er schließlich noch einmal in seine Jackentasche griff und mich dann breit angrinste. „Obwohl...“, fügte er laut hinzu, während er den Blick einmal kurz über die vielen Menschen schweifen ließ, die sich auf dem Weihnachtsmarkt tummelten. „Wenn ich es mir recht überlege... warum eigentlich nicht?“.
„Warum was nicht?“, erwiderte ich seine Frage, doch noch ehe ich eine Antwort darauf bekam, holte er eine kleine Schachtel aus seiner Jacke hervor und ging ein paar Schritte auf Abstand zu mir. „Eigentlich hatte ich ja vorgehabt, es später zu tun, wenn wir beide ganz ungestört sind“, setzte er fort, nach wie vor mit einem Lächeln im Gesicht. „Aber wenn ich so darüber nachdenke, wäre das ziemlich schade, weil es dann niemanden gäbe, der diesen Moment miterleben kann. Deswegen tue ich es gleich. Jetzt und hier“.
Kaum hatte er diese Worte ausgesprochen, nahm er ganz sanft meine Hand und ließ sich im Anschluss daran vor mir auf die Knie fallen. „Gary, mein Baby“, begann er und blickte mit einem Lächeln zu mir hoch. „Schon lange habe ich mir das hier jetzt vorgenommen, aber bisher hat mir irgendwie immer der Mut dazu gefehlt, diesen entscheidenden Schritt zu machen, weil ich immer wollte, dass das ein ganz besonderer Augenblick für dich wird. Doch heute Abend möchte ich es endlich tun“.
So langsam er konnte öffnete er schließlich die Schachtel in seiner Hand, aus der mir ein kleiner, goldener Ring entgegenfunkelte. „Mein süßer Gary“, setzte er fort, woraufhin ich mir überwältigt eine Hand vor den Mund schlug. „Du und ich – wir sind jetzt zwei Jahre zusammen. Zwei wundervolle, lange Jahre, in denen ich dank dir so viele neue und aufregende Erfahrungen gemacht habe, die ich niemals für möglich gehalten hätte. Dabei kommt es mir so vor, als wäre es erst gestern gewesen, dass du mich zum allerersten Mal mit einem süßen, atemberaubenden Kuss verzaubert und mein Herz zum Klopfen gebracht hast. Als hätte ich dich gestern erst gestreichelt und mich in deinen klaren, tiefblauen Augen verloren. Aber es war nicht gestern. Es war vor zwei Jahren, an einem heißen Nachmittag im August, an dem ich das erste Mal gespürt habe, was es bedeutet, mit Leib und Seele verliebt zu sein. Das mit dir, Gary – das ist so etwas unglaublich Schönes für mich, etwas so Großes, dass ich gar nicht in der Lage dazu bin, es richtig in Worte zu fassen. Durch dich habe ich so viele Dinge erfahren und gelernt, diese Welt mit ganz anderen Augen zu sehen. Durch dich spüre ich, wie sie sich anfühlt, die eine, ganz große Liebe. Und das seit nunmehr zwei Jahren. Zwei wunderschöne, einzigartige Jahre, auf die hoffentlich noch unzählig viele folgen werden“.
Er hielt kurz inne und lächelte mich an, als er bemerkte, wie tief bewegt ich von seiner Ansprache war. Behutsam streichelte er mir über die Hand, bevor er schließlich fortfuhr und den Ring aus der kleinen Schachtel herausholte. „Ich liebe dich, mein Prinz“, fügte er hinzu. „Und ich verspreche dir, dich für alle Zeiten so zu lieben wie heute. Ich verspreche dir, alles in meiner Macht Stehende dafür zu tun, um jeden einzelnen Tag ein Lächeln auf deine Lippen zu zaubern und dich glücklich zu machen. Und weil ich ganz genau spüre, dass du mein Seelenverwandter bist, dass unsere beiden Herzen fest zusammengehören und ich keinen einzigen Augenblick mehr ohne dich sein möchte, frage ich dich hier und jetzt...“. Rasch zog er mir den kleinen Ring über den Finger und drückte ganz fest meine Hand. „Gary, mein Engel“, setzte er hinzu und blickte mit funkelnden Augen zu mir auf. „Möchtest du mein Mann werden?“.
Ein gerührtes, tiefes Schluchzen drang aus mir heraus, während ich damit anfing, heftig mit dem Kopf zu nicken und Timmy sich langsam wieder erhob, um mich in die Arme zu nehmen. „Tim-Tim“, stieß ich laut hervor, von Euphorie und Rührung überschwemmt, während viele der anderen Weihnachtsmarktbesucher aufgeregt jubelten und uns einen kurzen, aber dafür herzlichen Applaus schenkten. „Tim-Tim... ich weiß überhaupt nicht, was ich sagen soll. Ich...“.
„Du musst nur auf meine Frage antworten“, entgegnete er mit einem sanften Lächeln. „Möchtest du mein Mann werden, Gary?“. „Oh Tim-Tim...“, erwiderte ich, noch immer emotional ergriffen, und drückte ihm einen überglücklichen Kuss auf den Mund. „Natürlich will ich. Mehr als alles andere auf der Welt“.
Kaum hatte ich diese Worte ausgesprochen, erklang noch einmal heftiger Jubel und Beifall von allen Seiten des Weihnachtsmarktes. Timmy presste mich daraufhin so eng wie möglich an sich heran und ließ seine Hand einige Male sanft durch meine Haare gleiten, ehe er mir ein zufriedenes Lächeln schenkte und mir über den Finger streichelte, an den er mir gerade den Ring gesteckt hatte. „Ja?“, wollte er dann noch einmal wissen, während er die kleine Schachtel wieder in seiner Jackentasche verschwinden ließ. „Ja, Tim-Tim“, rief ich so laut aus, dass man es vermutlich bis zur gegenüberliegenden Seite des Weihnachtsmarktes vernehmen konnte. „Ja, ja, ja. Tausendmal ja“.
In meiner ganzen Euphorie bemerkte ich gar nicht, dass der Junge vom Glühweinstand noch einmal zu uns herüberkam und uns zwei weitere Tassen auf den Tisch stellte. Erst, als Timmy sich zu ihm umwandte, nahm auch ich ihn richtig wahr und hob kurz abweisend eine Hand. „Das haben wir nicht bestellt“, erklärte ich ihm und schüttelte unterstreichend zu meiner Aussage den Kopf, woraufhin er mir nur kurz zuzwinkerte und mit dem Finger auf die beiden Tassen zeigte, die er uns gerade gebracht hatte. „Verlobungspunsch Spezial“, erklärte er und grinste uns an. „Geht aufs Haus“. „Oh... ähm... danke“, antwortete ich und versuchte, sein Lächeln zu erwidern. „Keine Ursache“, entgegnete er zuvorkommend und reichte mir seine Hand, die von einem schwarzen Wollhandschuh verhüllt wurde. „Ich bin übrigens Brad“. „Gary“, stellte ich mich vor, als ich mit einem Lächeln im Gesicht einschlug. „Freut mich, Gary“, sagte er und blickte dann zu Timmy hinüber, ehe er ihm ebenfalls seine Hand reichte.
„Ja... natürlich...“, meinte ich daraufhin und kicherte ein bisschen verlegen. Rasch legte ich ihm meinen Arm um die Schultern und presste ihn etwas fester gegen meinen Körper. „Wie unhöflich von mir“, fügte ich schnell hinzu, ehe ich ihn schließlich vorstellte. „Das ist Tim-Tim, mein Freu... ähm... ich meine... Verlobter“. Mein Herz klopfte laut, als ich zum allerersten Mal dieses Wort aussprach, weil mir erst in diesem Augenblick richtig bewusst wurde, welchen entscheidenden Schritt wir beide gerade eben zusammen gemacht hatten.
„Tim-Tim?“, wunderte sich Brad und zog lächelnd eine Augenbraue hoch, woraufhin Timmy sich verlegen räusperte. „Eigentlich heißt er Timothy“, erklärte ich ihm rasch und blickte mit einem Zwinkern zu ihm hinüber. „Aber seine Freunde nennen ihn Timmy. Und für mich ist er einfach nur Tim-Tim“. „Gary, bitte...“, schaltete er sich daraufhin unangenehm berührt ein und stupste mich sanft mit seinem Arm in die Seite.
„Freut mich, Timmy“, sagte Brad schnell, um ihn von seiner Verlegenheit abzulenken und schüttelte ihm kurz die Hand. „Und natürlich meinen herzlichen Glückwunsch“. „Danke“, erwiderte er und versuchte ein Lächeln. „Dir natürlich auch, Gary“, setzte Brad hinzu, als er sich wieder zu mir herumwandte und mich verzückt dabei beobachtete, wie ich meinen Arm unter Timmys einhakte.
„Vielen Dank“, erwiderte ich, während ich die Tasse mit dem Punsch hochnahm und einen kleinen Schluck davon probierte. „Gut“, erklärte ich Brad dann mit einem Lächeln und wärmte mir kurz die Hand daran auf. „Vielen Dank nochmal dafür“. „Kein Ding“, meinte er freundlich und zwinkerte mir noch einmal zu. „Ihr beide seid das allererste Pärchen, das sich hier an meinem Stand verlobt hat. Da musste ich mir doch etwas ganz Besonderes für euch einfallen lassen“.
„Das ist lieb, danke“, erklärte ich ihm, als ich meine Tasse noch einmal hob und Timmy kurz bedeutete, dass ich mit ihm anstoßen wollte. „Auf dich, Tim-Tim“, sagte ich und warf ihm einen schnellen Kuss zu. „Und auf deine ergreifende Ansprache. Damit hast du mich wirklich unendlich tief berührt“. „Nein, Gary Baby“, erwiderte er und schenkte mir ein Lächeln. „Wenn, dann auf uns. Auf unsere Beziehung, unsere Verlobung und hoffentlich noch ganz, ganz viele schöne Augenblicke, die wir zusammen teilen können“.
„Cheers, Tim-Tim“, sagte ich, als wir schließlich zusammen anstießen und schmiegte mich so nah wie möglich an ihn heran. „Cheers, Gary Baby“, antwortete er, bevor auch er einen kleinen Schluck von dem Punsch probierte und sich abermals die Zunge daran verbrannte.
Daraufhin mussten sowohl Brad als auch ich laut kichern und Timmy stimmte kurzerhand einfach mit ein. „Wie ungeschickt von mir“, sagte er und schüttelte kurz den Kopf, was mich dazu veranlasste, ihn mit beiden Armen zu umschlingen und mein Gesicht so dicht ich nur konnte dem seinen zu nähern. „Ganz und gar nicht, Tim-Tim“, erklärte ich und blickte ihm überglücklich in die Augen. „Wirklich, ganz und gar nicht“.

Als ich am nächsten Morgen von den Strahlen der glitzernden Wintersonne geweckt wurde, nachdem ich in der Nacht zuvor erst ziemlich spät einen halbwegs ruhigen Schlaf gefunden hatte, stieß ich ein schläfriges Gähnen aus und rappelte mich ein kleines Stückchen im Bett hoch.
Timmy war, soweit ich das richtig zu beurteilen vermochte, bereits auf den Beinen, denn er lag nicht wie üblich neben mir und ich konnte ihn auch sonst nirgendwo im Schlafzimmer entdecken. Mit einem weiteren Gähnen streckte ich mich schließlich ganz ausgiebig und warf im Anschluss daran einen raschen Blick hinüber zu meinem Digitalwecker, der auf dem Nachtkästchen neben mir stand.
„Huch“, sagte ich zu mir selbst, als ich realisierte, dass es bereits kurz vor halb elf Uhr vormittags war und wollte mich eilig aus dem Bett schwingen, hielt mit dieser Handlung jedoch inne, als sich die Schlafzimmertür sanft öffnete und Timmy, mit einem Lächeln auf den Lippen und einem vollgepackten Tablett auf den Armen, den Raum betrat. Mit langsamen Schritten kam er zu mir herüber ans Bett und setzte sich dann vorsichtig hin, sorgsam darauf bedacht, nichts von dem Frühstück, das er allem Anschein nach für mich gemacht hatte, zu verkleckern oder verschütten.
„Guten Morgen, mein Verlobter“, sagte er zu mir und grinste mich dabei über alle Maßen zufrieden an. Auf diese Worte hin atmete ich ganz deutlich hörbar auf und warf einen raschen Blick hinunter zu meiner Hand, an dessen Finger noch immer der Ring steckte, den er mir am Abend zuvor überreicht hatte. Ein weiteres Mal registrierte ich, was gestern zwischen uns beiden passiert war und welch großen Schritt Timmy durch seinen Antrag gewagt hatte. Glücksgefühle schwemmten meinen Körper und brachten mein Herz abermals zum Hüpfen, während das kleine Wort, das Timmy gerade eben benutzt hatte, in meinen Ohren nachklang.
„Hast du gut geschlafen?“, erkundigte er sich zuvorkommend, während er das Tablett auf seinem Schoß abstellte und mich mit einer kurzen Handgeste dazu anwies, mir sein breitgefächertes Angebot in aller Ruhe zu betrachten. „Mhm“, antwortete ich überglücklich lächelnd, als ich nach einer Scheibe Toast mit Butter, sowie einem Becher heißer Schokolade mit Sahne griff.
„Gibt's was zu feiern?“, erkundigte ich mich in gespielt neckendem Tonfall und schenkte ihm ein kurzes Zwinkern, das er durch ein leises Glucksen erwiderte. „Na, das will ich doch wohl meinen“, antwortete er dann und drückte mir einen kleinen Kuss auf die Wange. „Schließlich bist du jetzt nicht mehr einfach nur mein Prinz, sondern ganz offiziell mein Verlobter“.
„Ah“, rief ich euphorisch aus und grinste, als er erneut dieses kurze Wörtchen gebrauchte, das meinen gesamten Körper kribbeln ließ, als stünde ich unter Hochspannung. „Wie das klingt. Unglaublich“. „Ja, unglaublich, aber wahr“, bestätigte Timmy mein Argument und lachte, ehe er das Tablett auf dem Nachttischchen neben uns abstellte und seine Arme fest um mich legte. „Weißt du, Garylein“, fügte er dann hinzu und strich mir sanft eine Haarsträhne aus dem Gesicht. „Wenn ich ganz ehrlich bin, dann hätte ich niemals geglaubt, dass ausgerechnet ich eines Tages über das Heiraten nachdenken, geschweige denn, tatsächlich jemandem einen Antrag machen würde. Aber seit du in meinem Leben bist, hat sich meine Meinung dazu grundlegend geändert. Weil ich endlich den einen gefunden habe, mit dem ich glücklich werden möchte. Und dieser eine bist du, Gary Baby. Du ganz allein. Wegen dir schlägt mein Herz so laut wie noch niemals zuvor in meinem gesamten Leben. Nur wegen dir allein habe ich Schmetterlinge und noch ganz viele andere, unglaublich schöne Dinge im Bauch, durch die meine Liebe zu dir mit jedem einzelnen Tag stärker und stärker wird. Du bist alles für mich, Garylein. Meine ganze Welt. Und deswegen will ich auch mein gesamtes Leben mit dir teilen. Heute, morgen und bis in alle Ewigkeit“.
„Tim-Tim...“, erwiderte ich ehrlich bewegt und stellte rasch den Becher heiße Schokolade beiseite, bevor ich ihn ganz fest in die Arme schloss und tief den süßlich-milden Duft seiner braunen Haarsträhnen in mich aufsog. „Das hast du wunderschön gesagt“, flüsterte ich ihm ins Ohr, während sich ein Lächeln auf meinem Gesicht ausbreitete und ich ihm tief in seine funkelnden Augen schaute. „Und ich hoffe, du weißt, dass ich dasselbe auch für dich empfinde. Das – und noch so viel mehr, als ich es mit Worten je zum Ausdruck bringen könnte“.
„Das weiß ich doch, Gary Baby“, entgegnete er, was mich dazu veranlasste, für einen kurzen Moment eine Schnute zu ziehen und ihn mit flehendem Gesichtsausdruck anzusehen. „Kannst du das Wort noch einmal wiederholen?“, bat ich ihn und spürte, dass meine Knie dabei anfingen, vor Aufregung zu zittern. „Welches Wort?“, wollte er verwundert wissen, offensichtlich nicht ganz klar darüber, was ich jetzt von ihm erwartete.
„Du weißt schon“, flüsterte ich und stupste ihn mit meiner Nasenspitze an. „Das Wort, das du gerade eben benutzt hast“. „Du meinst... Verlobter?“, erkundigte er sich gespannt, was ich durch euphorisches Nicken bejahte. „Genau!“, rief ich freudestrahlend aus. „Genau das! Sag es noch einmal“. „Mein Verlobter“, wiederholte er und grinste, ganz und gar verzückt von meiner kindlichen Verspieltheit.
„Noch einmal“, bat ich ihn erneut. „Mein Verlobter“, erwiderte er, während er mich mit der Hand ganz sanft nach unten aufs Bett drückte. „Nochmal“, erklang es wieder von mir, als er sich langsam neben mich sinken ließ und seine Arme um mich legte. „Mein Verlobter“, flüsterte er, dieses Mal ganz dicht in mein Ohr, und kicherte. „Was bin ich?“, erkundigte ich mich grinsend. „Ich hab dich nicht verstanden. Kannst du es noch einmal sagen?“. „Mein Verlobter“, erklärte er mir wieder, sichtlich angetan von dem Spiel, das ich ihm durch diese kleinen Bitten offerierte. „Was?“, fragte ich ihn, als er damit anfing, mich sanft am Hals zu küssen. „Verlobter“, wisperte er und vergrub eine Hand in meinem schwarzen Haarschopf. „Mein Verlobter. Verlobter, Verlobter, Verlobter“.
Kichernd spürte ich seine andere Hand über meinen Bauch gleiten und drehte mich kurzerhand auf die andere Seite, um ihm genau ins Gesicht blicken zu können. „Einmal noch, Tim-Tim“, bat ich ihn, während ich ihn dichter an mich heranschob. „Sag es bitte noch ein letztes Mal, ja?“. „Gary, mein Verlobter“, wisperte er mir leise ins Ohr und ließ seine Hand unter das Oberteil meines Schlafanzugs gleiten. „Gary, mein einzigartiger, wunderbarer Verlobter“.
„Wenn du wüsstest, wie gut das tut“, erklärte ich ihm kichernd und ließ meine Finger über seine Wange streifen. „Das kann ich mir schon vorstellen“, meinte er lachend und forderte mich durch eine unmissverständliche Handbewegung dazu auf, mich meines Oberteils zu entledigen. „Am besten, ich nehm es dir auf CD auf, dann kannst du es dir anhören, so oft du willst“.
Wir lachten beide über diesen kleinen Spaß und ich presste ihm so fest es mir möglich war die Lippen auf den Mund. „Hm, keine schlechte Idee“, erklärte ich ihm dann und zwinkerte zärtlich. „Ich kann es nämlich gar nicht oft genug hören“. „Vielleicht sollte ich es dir dann noch einmal sagen?“, schlug er breit grinsend vor, was ich durch ein schnelles Nicken bestätigte. „Ja bitte“, erwiderte ich glücklich. „Bitte sag's mir noch einmal“. „Aber dafür bekomme ich dann auch was von dir, einverstanden?“, entgegnete er und ich spürte seine Hand ein Stück nach unten wandern.
„Einverstanden“, gab ich seiner Bitte rasch nach, in freudiger Erwartung des Wortes, das jeden Augenblick über seine Lippen kommen würde. „Mein
V-e-r-l-o-b-t-e-r“, sagte er schließlich erneut und betonte dabei sorgfältig jeden einzelnen Buchstaben, damit ich es voll und ganz auskosten konnte. Ein zufriedenes Seufzen drang aus mir heraus, als er sich mit der Hand an meiner Hüfte entlangarbeitete und sie schnell in meiner dunkelblauen Schlafanzughose verschwinden ließ. „Mein Verlobter“, flüsterte er dann ein letztes Mal, während er meinen Körper mit Streichlern und Küssen beschenkte. „Mein unglaublich hinreißender Verlobter“.

Nach dem Frühstück, welches wir aus gutem Grund ein bisschen nach hinten verschoben hatten, verschwand ich rasch unter die Dusche und suchte mir im Anschluss daran ein paar frische Klamotten heraus. Genauer gesagt handelte es sich dabei um einen weißen Rollkragenpullover, sowie eine dazu passende Leggings – nichts wirklich Ausgefallenes oder gar Exklusives, aber da ich heute ohnehin nicht vorhatte, außer Haus zu gehen, erschien mir diese Art von Kleidung absolut treffend.
Als ich mich fertig angezogen und mein morgendliches Pflegeritual im Badezimmer beendete hatte – wobei hier das Kämmen meiner Haare wie immer die meiste Zeit in Anspruch nahm – lief ich hinüber zu Timmy, der es sich am Esstisch bequem gemacht hatte und routinemäßig die Morgenzeitung durchblätterte, wofür er, aufgrund unseres kleinen Abenteuers vorhin, erst jetzt die nötige Zeit fand.
„Irgendwelche Neuigkeiten?“, erkundigte ich mich, mehr beiläufig als mit wirklichem Interesse, während ich mich auf den Stuhl neben ihn sinken ließ und an meinem Pullover herumzupfte. „Unfassbar“, antwortete er, allerdings schien er das mehr zu sich selbst als an mich gewandt zu sagen. „Einfach nur unfassbar. Wie kommen die eigentlich dazu...?“. Er unterbrach sich mit einem kurzen Kopfschütteln, während er langsam die Zeitung sinken ließ und einen lauten Seufzer ausstieß.
„Alles in Ordnung?“, wollte ich wissen und warf ihm einen verwunderten Blick zu. „Das kann ich nicht behaupten“, erwiderte er und deutete mit dem Finger zu einem Absatz der aufgeschlagenen Zeitungsseite hinunter. „Ich glaube, du solltest das hier mal lesen“, fügte er hinzu, während er mir den Artikel reichte und unruhig mit den Fingern gegen die Tischplatte trommelte. „Ich finde, das ist wirklich der absolute Gipfel der Unverschämtheit“.
„Was denn?“, fragte ich und wandte meine Aufmerksamkeit dann dem Stückchen Papier zu, das Timmy vor mir ausgebreitet hatte. „Genau hier“, erklärte er und wies mit seinem Zeigefinger auf einen kleinen Abschnitt in der rechten Spalte der Seite, woraufhin ich neugierig anfing zu lesen:
>VERLOBUNG AM GLÜHWEINSTAND< lautete die Schlagzeile, die ich ein paar Momente lang sorgfältig betrachten musste, ehe ich langsam aber sicher begriff, aus welchem Grund Timmy plötzlich so aufgeregt war.
„>Neunzehnjähriger Schwuler macht seinem Lebensgefährten romantischen Heiratsantrag<“, las ich die Unterüberschrift vor und stützte, beinahe reflexartig, meinen Kopf mit einer Hand ab, ehe ich mich dem eigentlichen Artikel widmete und auch diesen Wort für Wort laut aussprach:
„>Dimmsdale. Dass der jährliche Weihnachtsmarkt immer für eine Überraschung gut ist, wurde auch in diesem Jahr noch einmal ganz deutlich unter Beweis gestellt. Am beliebten Glühweinstand des jungen Bradley T. machte gestern ein neunzehn Jahre alter Schwuler seinem Lebensgefährten einen romantischen, herzergreifenden Heiratsantrag. Unzählige Menschen stürmten herbei, um diesen einzigartigen Moment miterleben zu können. Unter ihnen befand sich auch Katie C., die diesen kostbaren Augenblick festgehalten und sämtliche Informationen an uns weitergeleitet hat, damit wir ihn mit allen Mitbürgern Dimmsdales, die leider das Pech hatten, nicht live vor Ort gewesen zu sein, teilen können. Selbstverständlich möchten wir es nicht versäumen, dem jungen Paar auf das Herzlichste zu gratulieren und ihnen auch im Namen unseres gesamten Redaktionsteams nur das Allerbeste für ihren weiteren gemeinsamen Lebensweg wünschen. Wie schön es doch ist, verliebt zu sein!<“.
„Ja, leck mich...“, rief ich überwältigt aus, als ich den Artikel zu Ende gelesen hatte, und schlug mir reflexartig eine Hand vor den Mund, weil ich noch immer nicht richtig fassen konnte, was da geschrieben stand. „Verdammter Mist!“, entgegnete Timmy sauer und schmetterte seine Faust hart gegen die unschuldige Tischplatte. „So eine Frechheit! Was zur Hölle fällt denen eigentlich ein? Sind die jetzt komplett meschugge geworden?! Was bilden die sich ein, über unsere Verlobung zu schreiben?! Wie kommen die dazu?!“. Wütend sprang er von seinem Platz hoch und fegte die gesamte Zeitung mit einer Handbewegung vom Tisch.
„Wenn ich die blöde Kuh erwische, die das der Presse erzählt hat...“, schimpfte er weiter und stampfte mit seinem Fuß auf den Boden. „Ich schwör dir, Gary, wenn ich mit der fertig bin, dann weiß sie nicht mehr, wo oben und unten ist. Das ist ja wohl mehr als geschmacklos. Was bildet diese dumme Pute sich eigentlich ein? Ich...“. „Tim-Tim...“, unterbrach ich ihn, als ich nach seiner Hand griff und sie streichelte. „Bitte reg dich doch nicht so auf“.
„Doch, Gary“, protestierte er zornig. „Doch, ich rege mich sehr wohl darüber auf. Die haben verdammt noch einmal kein Recht dazu, unsere Verlobung in diesem dreckigen Drecks-Klatschblatt abzudrucken und sie als besondere Überraschung hinzustellen!“. „Aber das war es doch“, erwiderte ich, ein bisschen ratlos, warum er wegen diesem Artikel so einen Aufstand machte. Immerhin war es doch schön, dass ganz Dimmsdale jetzt wusste, wie glücklich wir zusammen waren. Was störte ihn denn nur so daran?
„Ja, eine Überraschung für dich“, entgegnete er und stieß ein ärgerliches Brummen aus. „Aber doch nicht für die Zeitung! Die sind ja wohl nicht mehr ganz dicht. Unsere Verlobung zu einer von ihren Stories zu machen. Was sollen denn jetzt bitte die Leute von uns denken?!“. „Hey Tim-Tim“, erwiderte ich und streichelte ihm durch sein Haar. „Warum bist du denn jetzt so sauer? Lass die doch schreiben, was sie wollen. Außerdem wissen jetzt alle über unsere Verlobung Bescheid. Das ist doch schön, oder nicht?“.
„Schön?“, erwiderte er verständnislos. „Du findest das schön? Die machen uns den wahrscheinlich kostbarsten Moment unseres Lebens kaputt – und du findest das auch noch schön?!“. „Mensch, Timmy“, sagte ich und versuchte ein aufmunterndes Lächeln. „Jetzt mach doch nicht so eine Szene nur wegen diesem Artikel. Immerhin steht doch da nichts drin, wofür wir uns schämen müssten. Es ist nur die absolute Wahrheit. Und ich für meinen Teil fühle mich sehr geehrt, dass unsere Verlobung nennenswert genug ist, um sie in der Zeitung zu bringen. Du dich nicht auch?“.
„Kein Stück!“, entgegnete er barsch. „WENN die schon von unserer Verlobung berichten, dann hätten sie zumindest mal den Anstand haben können, uns vorher zu fragen, Herrgott noch einmal!“. „Das tun doch Journalisten nie“, erwiderte ich schulterzuckend und lächelte. „Weder bei den ganz großen Stars – und erst recht nicht bei zwei kleinen Lichtern wie uns. Die schreiben immer das, was ihnen unter die Finger kommt“.
„Toll“, brummte er aufgebracht. „Und wer hat jetzt bitte den Schlamassel? Wir natürlich! Und alles wegen diesem verfluchten Antrag“. Mein Lächeln verschwand, als Timmy diese Worte ausgesprochen hatte und ich biss mir kurz auf die Lippe. „Schlamassel?“, wollte ich wissen, ein bisschen gekränkt von dieser harten Bezeichnung. „Du empfindest unsere Verlobung als Schlamassel?“.
„Was?“, rief er verwundert, anscheinend völlig überrumpelt von meiner Frage. „Nein. Nein, natürlich nicht. Wie kommst du denn jetzt darauf?“. „Du hast es doch gerade selbst gesagt“, antwortete ich, noch immer etwas getroffen von seiner, wenn auch unbeabsichtigten, Aussage.
„Ach, Mensch, Gary“, erwiderte er rasch und schüttelte seinen Kopf. „So habe ich das doch jetzt gar nicht gemeint. Natürlich ist unsere Verlobung kein Schlamassel für mich. Sie ist das Beste und Schönste, was mir in meinem Leben passieren konnte“. „Warum sagst du dann so etwas?“, wollte ich wissen und stieß ein Seufzen aus. „Tut mir Leid, Gary Baby“, entschuldigte er sich und streichelte meine Wange. „Das liegt an diesem bescheuerten Artikel. Der regt mich einfach auf. Ich finde, dass die kein Recht dazu haben, so etwas ohne unsere Zustimmung zu veröffentlichen, das ist alles. Keineswegs wollte ich dadurch andeuten, dass ich es bereue, dir einen Antrag gemacht zu haben. Ganz im Gegenteil: Ich bin endlos glücklich darüber, dass du ihn angenommen hast. Und es tut mir ehrlich Leid, wenn ich dir gerade eben einen falschen Eindruck vermittelt habe. Das wollte ich nicht, okay?“.
„Also bereust du es nicht?“, wollte ich wissen und legte wieder ein Lächeln auf. „Aber Black Baby, natürlich nicht“, erwiderte er, als er seine Arme um mich schwang und mich einmal kurz durch die Luft wirbelte. „Bitte glaub mir, Garylein, ich bereue es keineswegs. Ich finde es nur unverschämt, was die sich da erlauben. Aber das heißt deshalb noch lange nicht, dass es mir Leid tut, was ich gestern getan habe. Überhaupt nicht, Baby. Es war endlich an der Zeit, dass ich mich traue, diesen Schritt zu machen. Und ich kann es gar nicht in Worte fassen, wie unendlich gerührt ich darüber bin, dass du Ja gesagt hast. Damit hast du mich zum allerglücklichsten Menschen auf der Welt gemacht“.
„Du mich auch, Tim-Tim“, erwiderte ich bewegt und presste ihn so fest wie möglich an mich heran, während ich meine Hand sacht durch seine Haare streifen ließ. „Sorry, wenn ich dich gekränkt habe“, entschuldigte er sich noch einmal, als er sich wieder von mir löste und mir ein verlegenes Lächeln schenkte. „Ich hab das wirklich nicht so gemeint, okay? Da war mein Mundwerk wohl mal wieder schneller als mein Verstand“.
„Schon vergessen, Tim-Tim“, erklärte ich ihm und drückte ihm einen kleinen Kuss auf die Wange. „Ich weiß doch, dass dir das nur aus Verärgerung herausgerutscht ist. Und ich kann es sehr gut verstehen. Denn offen gestanden finde ich auch, dass die Presse mit der Veröffentlichung dieses Artikels über uns deutlich zu weit gegangen ist. Aber was passiert ist, ist eben passiert. Die Zeitung wurde ohnehin schon gedruckt und ausgetragen. Daran können wir jetzt sowieso nichts mehr ändern. Deswegen schlage ich vor, dass wir diesen blöden Wisch jetzt einfach vergessen und uns lieber um die Organisation unserer Verlobungsfeier kümmern. Was hältst du davon?“.
„Klar“, stimmte er mir schnell zu und schenkte mir ein dankbares Lächeln. „Nichts lieber als das, Gary Baby“.

Etwa eine halbe Stunde später saßen Timmy und ich zusammen auf dem Sofa im Wohnzimmer und waren eifrig mit den Vorbereitungsarbeiten für die bald anstehende Verlobungsfeier beschäftigt. Relativ weit waren wir damit allerdings noch nicht gekommen, da so gut wie alle fünf Minuten entweder das Telefon oder eines unserer Handys klingelte und unser Vorhaben störte.
Zahlreiche Anrufe hatten wir mittlerweile erhalten – die meisten von unseren Freunden und Bekannten, die sich allesamt nach dem Artikel in der Zeitung erkundigten und nachfragten, ob es sich bei dem Paar, das dort beschrieben wurde, tatsächlich um uns beide handelte. Sobald entweder Timmy oder ich dies bestätigten, folgten beinahe wie aufs Stichwort unzählige Glückwünsche und Beteuerungen darüber, wie sehr man sich für uns beide freute.
Während ich jedoch diese Anrufe als ein schmeichelndes Kompliment auffasste, gingen sie Timmy unterdessen gehörig auf die Nerven, wenngleich es sich dabei um ein sehr lieb gemeintes Zeichen der Begeisterung seitens unserer Freunde handelte. Allerdings waren es auch gar nicht so sehr die Glückwünsche, die ihn störten und seine Nerven arg strapazierten. Nicht die Tatsache, dass sie von unserer Verlobung erfahren hatten ärgerte ihn, sondern vielmehr die Art und Weise, wie sie es erfahren hatten.
Der Artikel in der Zeitung ließ ihm einfach keine Ruhe, das konnte ich ihm mehr als nur deutlich ansehen. Schließlich hatte ganz bestimmt er derjenige sein wollen, der unsere Verlobung bekanntgab – und nicht irgendein Journalist von der Presse. Er hatte unsere Freunde einladen und ihnen die freudige Mitteilung machen wollen. Von ihm persönlich hatten sie es erfahren sollen, nicht durch die Zeitung. Kein Wunder also, dass er nicht gerade Begeisterungsanfälle bekam, wenn jemand ihm per Telefon mitteilte, dass er bereits über alles in Kenntnis gesetzt war und uns nur das Beste für unsere gemeinsame Zukunft wünschte.
Es war eine Spur von gekränkter Männlichkeit, die hier eine kleine, aber dafür sehr entscheidende Rolle spielte. Denn seinem Empfinden nach gehörte es sich nun einmal, dass das Paar selbst diese Neuigkeit verkündete und diese Aufgabe nicht von einem unbeteiligten Dritten, in diesem Falle von der Presse, übernommen wurde. Nichtsdestotrotz tat ich wirklich alles dafür, um seine Stimmung, die im Augenblick ein bisschen hin- und herschwankte, wieder zu heben und seine Aufmerksamkeit auf die Vorbereitungsarbeiten unserer Verlobungsparty, wie etwa zum Beispiel die Anfertigung einer Gästeliste, zu konzentrieren.
„Hier, schau doch bitte noch einmal drüber“, sagte ich mit einem Lächeln zu ihm, als ich alle Leute aufgeschrieben hatte, die mir in den Sinn gekommen waren, und überreichte ihm das kleine Blatt Papier, sowie den Stift, den ich in den Händen hielt. „Das müssten so ziemlich alle gewesen sein. Oder habe ich noch jemanden vergessen?“.
„Hm? Was?“, erwiderte er und schüttelte kurz den Kopf, hatte allem Anschein nach nicht das Geringste von dem mitbekommen, was ich gerade von mir gegeben hatte. „Die Gästeliste“, antwortete ich mit einem leisen Seufzen, als er den weißen Zettel schließlich an sich nahm und einen flüchtigen Blick darauf warf. „Passt das so oder habe ich jemanden vergessen?“.
„Ja, sicher, klingt gut“, entgegnete er, immer noch völlig abwesend und starrte mit ausdruckslosem Blick auf das kleine Wohnzimmertischchen vor uns. Daraufhin verdrehte ich die Augen und nahm ihm den Zettel wieder aus der Hand. „Ich könnte mich natürlich auch nackt ausziehen und dann aus dem Fenster springen“, fügte ich hinzu, was er nur durch ein flüchtiges Nicken bestätigte. „Klar, klingt gut“, wiederholte er gedankenversunken, woraufhin ich meine Hand an seine Stirn legte und ein paar Male darauf herumtippte.
„Tim-Tim... hallo... jemand zu Hause?“, wollte ich wissen und stieß erneut einen leisen Seufzer aus. „Hm? Wie bitte?“, erwiderte er und schüttelte einen Moment lang seinen Kopf. „Oh, entschuldige, Gary. Ich war gerade woanders, tut mir Leid“. „Ach was“, meinte ich sarkastisch und schwang dann meinen Arm um seine Schultern.
„Was ist los, Tim-Tim?“, erkundigte ich mich, wenngleich ich die Antwort auf diese Frage eigentlich ganz genau kannte. „Was beschäftigt dich?“. „Journalisten...“, murmelte er zur Antwort und stieß ein kurzes Brummen aus. „Glauben auch, denen gehört die Welt, nur wegen der vermaledeiten Pressefreiheit“. „Mann, Timmy“, erwiderte ich unbeholfen und hopste kurzerhand auf seinen Schoß, um mir seiner vollständigen Aufmerksamkeit sicher zu sein.
„Jetzt mach doch nicht so ein Gesicht“, bat ich ihn inständig und schenkte ihm ein Lächeln. „An diesem Artikel kannst du jetzt sowieso nichts mehr ändern. Also hör bitte damit auf, dir darüber dein hübsches Köpfchen zu zerbrechen, okay? Ich weiß ja, dass du gerne derjenige sein wolltest, der unseren Freunden von der Verlobung erzählt, aber was passiert ist, ist nun einmal passiert. Auch wenn du jetzt einen Handstand machst – deswegen wird sich dieser Zeitungsartikel auch nicht in Luft auflösen. Deshalb vergiss ihn doch bitte einfach und lass uns lieber zusammen die Party fertig organisieren, in Ordnung? Wir wollen unsere Verlobung schließlich ganz ausgiebig feiern. Da lassen wir uns doch die Freude daran nicht von ein paar voreiligen Journalisten kaputtmachen, oder?“.
„Ja, hast ja Recht“, musste er mir zustimmen und legte ein Lächeln auf. „Sorry, Gary Baby. Ich hab mich wohl mal wieder viel zu stark in die Sache reingesteigert“. „Du hast eben Temperament“, erwiderte ich und grinste ihn verspielt an. „Aber genau das reizt mich ja so an dir“. „So? Nur das?“, wollte er wissen und kicherte leise, woraufhin ich ihm rasch einen Kuss auf die Wange drückte und mich dicht an sein Ohr heranbeugte. „Nein“, flüsterte ich ihm dann sanft zu. „Noch ganz, ganz viele andere Dinge“.
Kaum hatte ich diese Worte gesagt, traf ein intensiver Kuss meine Lippen und verweigerte ihnen dadurch jegliche weitere Argumentation, wenngleich sie ausschließlich zu Timmys Gunsten gewesen wäre. Seine Hand vergrub sich zwischen meinen Haaren und zerstörte mit dieser Geste ihr bis gerade eben noch völlig makelloses Erscheinungsbild, für dessen Gestaltung ich am Morgen wie üblich sehr lange gebraucht hatte.
Doch wenn es eine Person auf dieser Welt gab, die meine Frisur ungestraft durcheinanderbringen durfte, dann war das ausschließlich mein Tim-Tim. Er war der einzige Mensch, der die Erlaubnis hatte, beinahe alles Mögliche mit mir anzustellen, ohne dass ich dazu fähig war, deswegen auch nur eine einzige Sekunde lang wütend auf ihn zu sein. Für ihn gab es in dieser Hinsicht so gut wie kein Tabu. Er durfte mich so oft und lange er wollte an jeder einzelnen Stelle meines Körpers berühren, egal, wie intim sie auch war. Aber er war eben mein Verlobter und – was für mich persönlich die weitaus freudigere Aussicht darstellte – in gar nicht so weit entfernt liegender Zukunft mein mir angetrauter Gatte.
Lautes Herzklopfen überkam mich, als mir dieses Wort durch den Sinn ging und ich mir in vollem Ausmaß darüber klar wurde, was das für uns beide bedeutete. Wenngleich ich mir noch niemals zuvor in meinem Leben ernsthafte Gedanken über ein Eheversprechen gemacht hatte, bekam ich jetzt bei der bloßen Vorstellung, gemeinsam mit Timmy vor den Traualtar zu treten und ihm für immer und ewig mein Ja-Wort zu geben ein heftiges, mit nichts auf der Welt zu vergleichendes Kribbeln in meinem Bauch.
„Mmh“, sagte ich laut, als ich für einen Moment meine Augen schloss und mir ebendiese Situation so realitätsnah wie nur möglich in meinem Kopf ausmalte. „Hm?“, erwiderte Timmy daraufhin und holte mich aus meiner einmaligen Fantasie ziemlich schnell zurück in die Wirklichkeit. „Hast du was gesagt, Gary Baby?“. „Bitte? Was?“, fragte ich und schüttelte kurz den Kopf, ehe ich mich mit einem verlegenen Lächeln zu ihm umwandte und ein Kichern verlauten ließ. „Tschuldige, Tim-Tim. Jetzt war ich gerade ganz woanders“.
„Hast du an was Bestimmtes gedacht?“, fragte er mich und blickte mir erwartungsvoll in die Augen, was ich ihm durch ein kurzes Nicken bestätigte. „Schon möglich“, sagte ich dann und kicherte wieder, während ich mich langsam von ihm löste und im Anschluss daran meinen Kopf auf seiner Schulter ablegte.
„Woran denn?“, erkundigte er sich gespannt und begierig darauf, in meine Überlegungen eingeweiht zu werden. „Hochzeit“, antwortete ich und spürte mein Herz bei diesem kurzen Wörtchen ganz laut klopfen. „Hochzeit?“, erwiderte er, allem Anschein nach ein bisschen überrascht von dieser Aussage. „Doch wohl hoffentlich mit mir, oder?“. Wir mussten beide über diesen Witz lachen und ich presste ihm einen euphorischen Kuss auf seine Wange. „Natürlich mit dir, Tim-Tim“, versicherte ich ihm flüsternd und legte meine Hand in seine. „Nur mit dir ganz allein“.
Kaum hatte ich diesen Satz verlauten lassen, fühlte ich erneut seine Finger durch mein Haar gleiten und stieß als Antwort auf diese Geste ein zufriedenes Schnurren aus, dessen sich ein ausgewachsener Kater nicht hätte zu schämen brauchen. „Ja, brav“, sagte Timmy daraufhin zum Spaß und legte seine Hand unter mein Kinn, bevor er damit anfing, mich sehr langsam und intensiv zu kraulen. „Braver Gary. Ganz brav“.
Wieder schnurrte ich, dieses Mal noch viel lauter und intensiver als zuvor und spürte unterdessen sehr deutlich, wie unheimlich gut mir diese Situation gefiel. Timmy lachte, sichtlich amüsiert von meiner kleinen Darbietung, während er seine andere Hand auf meinem Knie ablegte und begann, dort dieselbe Bewegung auszuführen. Ein weiteres Mal ließ ich ein Schnurren verlauten und versuchte, dabei so nah wie möglich an sein Ohr heranzukommen.
„Sag mal, Gary Baby“, wollte er flüsternd wissen und grinste mich rundum zufrieden an. „Bist du jetzt eigentlich ein Hauskater oder eine Wildkatze, hm?“. „Ich bin alles für dich“, antwortete ich mit einem Zwinkern und lehnte mich bei ihm an, damit ich seine Streichler noch eine Spur intensiver genießen konnte. „Absolut alles, was du willst“.

Gegen Abend dieses Tages, nachdem wir uns noch um einige Vorbereitungen für die Party gekümmert hatten und darüber hinaus zusammen unter die Dusche verschwunden waren, saßen Timmy und ich auf dem Sofa und lauschten entspannt dem Soundtrack meiner Lieblings-TV-Serie 'Storm Of Love', den ich durch reinen Zufall einmal auf einem Flohmarkt entdeckt hatte und seitdem mit Leib und Leben beschützte wie das innerste Heiligtum eines ägyptischen Tempels.
Timmy für seinen Teil konnte mit der Serie, in der die unterschiedlichsten Liebesbeziehungen, sowie Irrungen und Wirrungen des alltäglichen Lebens thematisiert wurden, nicht wirklich etwas anfangen, da sie ihm, wie er mir einmal ganz charmant gesagt hatte, zu kompliziert und wirklichkeitsfremd erschien, den Soundtrack dazu jedoch fand er ebenso gut gelungen wie ich selbst. Zum Großteil lag das allerdings daran, dass auf diesem Album der Titel 'Stand By Me' von Ben E. King vertreten war, welcher damals vor zwei Jahren, als er und ich das erste Mal miteinander tanzen gingen, in einer Discothek gespielt worden war und seit diesem Tag das Privileg besaß, als unser gemeinsamer Song zu gelten.
Oft hatten wir seitdem zusammen dazu getanzt und wurden dieser Handlung, die beinahe schon an ein Ritual grenzte, auch nicht müde. Wann immer wir dieses Lied hörten, egal ob im Radio, oder wie in diesem Fall zu Hause auf CD, konnten wir dem Zauber, der von der Melodie und dem Text dieses Musikstücks ausging, nicht widerstehen – auch nicht nach zwei Jahren. Sowohl Timmy als auch ich wussten, dass wir es heute Abend wieder tun würden, sobald die CD bei der entsprechenden Titelnummer angelangt war. Wir würden uns einmal mehr der Magie dieses wunderschönen Stücks ergeben und ein kleines Tänzchen dazu wagen.
Denn schließlich war dieser Song nicht bloß irgendeine Melodie für mich, sondern mein ganz persönliches und unvergängliches Liebeslied. Er war ein Spiegelbild von dem, was ich ganz tief in mir für Timmy empfand und ein Ausdruck dessen, wie unglaublich tief unsere Beziehung mir unter die Haut ging. Und ich würde ihn für alle Zeit in meinem Herzen tragen, da war ich mit hundertprozentig sicher.
„Tim-Tim...“. Leise flüsternd strich ich sanft über seine Wange und lenkte dadurch seine Aufmerksamkeit, die bis eben noch der dezenten Musik, die das Zimmer ausfüllte, gegolten hatte, voll und ganz auf mich. „Ja, Baby?“, erwiderte er mit funkelnden Augen und wandte sich dann lächelnd mir zu. „Kannst du bitte vorspulen?“, bat ich ihn und umschloss einen Moment lang fest seine Hand. „Ich will unser Lied hören“.
„Klar, Baby“, erwiderte er und erhob sich rasch vom Sofa, während sich sein sanftes Lächeln in ein süßes Grinsen verwandelte, weil er ganz genau wusste, was folgen würde, sobald er unseren Song auflegte. Dann drehte er sich zum CD-Player um und spulte einige Nummern nach vorn, bis er schließlich den gewünschten Titel erreichte und kurz auf Pause drückte, damit ich in aller Ruhe Zeit dazu hatte, mich auf das kleine Tänzchen mit ihm vorzubereiten.
Eilig schwang ich mich vom Sofa hoch und ging in Position, bevor ich ihm mit einem kurzen Nicken zu verstehen gab, dass ich so weit war. Timmy betätigte wieder die Play-Taste und kam dann rasch zu mir herüber, während die Melodie unseres Liedes durch den Raum zu schweben begann – und mit ihr auch wir. Ganz der Gentleman, legte Timmy seine Hand sanft in meine, bevor er mich so eng wie möglich zu sich heranzog und mir durch ein breites Grinsen vermittelte, wie sehr er sich auf diesen Augenblick gefreut hatte. Mindestens genauso sehr wie ich.
Als der Song nach knapp drei Minuten Spielzeit schließlich zu Ende ging, drehte er mich mit einer eleganten Bewegung einmal im Kreis herum und presste mich dann ganz fest gegen seinen Körper, wodurch ich mehr als eindeutig zu spüren bekam, wie unglaublich gut ihm dieser Tanz tatsächlich gefallen hatte. Über beide Ohren grinsend schnappte er sich rasch meine Hand, noch ehe ich auch nur den Hauch einer Chance dazu hatte, mich gegen ihn zu wehren, und führte sie dann so unscheinbar wie möglich über seinen Bauch hinab zwischen seine Beine.
„Tim-Tim...“, mahnte ich ihn in gespielt vorwurfsvollem Tonfall und schüttelte demonstrativ dazu meinen Kopf. „Wie unanständig“. „Mit dir bin ich sehr gern unanständig, Gary Baby“, erwiderte er mit einem Kichern und ließ meine Hand durch seine eigene ein bisschen fester zugreifen. „Das weißt du doch, oder etwa nicht?“. „Soso“, meinte ich in gespielt skeptischem Ton. „Bist du das, ja?“. „Ja, das bin ich“, stimmte er mir zu und beugte sich dann so dicht wie möglich an mein Ohr heran. „Aber kein Wunder – bei so einem sexy Verlobten“.
Geschmeichelt von diesem Kompliment vergrub ich meine Finger in seinem Nacken und brachte ihn durch diese kleine, aber dafür sehr geschickte Geste dazu, ganz laut zu schnurren. Daraufhin musste ich kichern und presste ihm einen glücklichen Kuss auf die Wange. „Dieses Mal bist du das Kätzchen, Tim-Tim“, flüsterte ich ihm zu, woraufhin er sich so nah wie möglich an mich heranschob, damit ich ganz eindeutig fühlen konnte, was er als Nächstes im Sinn hatte. „Ich bin kein Kätzchen“, raunte er mir verführerisch zu und zwinkerte dabei. „Ich bin eine Raubkatze. Und du, mein Hübscher, wirst heute Abend mein erster Fang sein“.
„So?“, fragte ich und gab mich misstrauisch. „Werde ich das?“. „Unbedingt“, erwiderte er leise und leckte mit seiner Zungenspitze langsam über meinen Hals. „Also denk besser überhaupt nicht daran, zu fliehen. Das wird dir ohnehin nicht gelingen“. Kaum hatte er mir diesen Satz zugeflüstert, schlang er beide Arme um meinen Körper und hob mich rasch vom Boden hoch. „Widerstand ist zwecklos“, erklärte er mir mit siegessicherem Lächeln, während er mich quer durch den Raum ins Schlafzimmer hinübertrug. Dabei war ihm selbstverständlich ganz genau bewusst, dass ich nicht einmal im Traum daran dachte, mich seinem Vorhaben zu widersetzen, sondern mich stattdessen wie verrückt auf das Erlebnis freute, das ich in wenigen Augenblicken zusammen mit ihm teilen würde. Er spürte, dass längst dabei war, in seinen Armen dahinzuschmelzen wie eine Tafel Schokolade in der heißen Sommersonne.
Aber ich konnte in dieser Situation auch überhaupt nicht anders als mich seiner reizvollen Versuchung zu ergeben und mich voll und ganz auf das Spiel einzulassen, das er jetzt für uns beide geplant hatte. Dazu war meine Lust auf ihn viel zu groß. Dazu waren die Versprechungen, die sein funkelnder Blick mir machte, viel zu verlockend. Also spielte ich den Wehrlosen und ließ mich einfach von seiner einzigartigen Verführungskunst verzaubern. Denn eine Sache wusste ich bereits zu diesem Zeitpunkt ganz genau: Ich würde es nicht bereuen.
Keine einzige Sekunde lang.

Vier Tage danach kehrten Timmy und ich am späten Nachmittag nach Hause zurück, nachdem wir noch einmal den örtlichen Weihnachtsmarkt besucht und dort einige Dinge eingekauft hatten, unter anderem ein paar Dekoartikel, sowie zwei Bögen Briefpapier in winterlichem Design, das sich perfekt für die Danksagungen zu all den Verlobungsglückwünschen eignete, die wir mittlerweile erhalten hatten.
Darüber hinaus waren wir noch einmal am Glühweinstand gewesen und hatten Brad, welcher mir bereits bei der ersten Begegnung sehr sympathisch gewesen war, herzlich zu unserer Verlobungsfeier am kommenden Wochenende eingeladen. Natürlich hatte er uns sofort seine feste Zusage dazu gegeben und sich unsere Adresse, sowie alle weiteren Informationen zu der Party notiert, da er sich dieses Ereignis, wie er selbst gesagt hatte, unter keinen Umständen entgehen lassen wollte.
Ein euphorisches Lächeln legte sich über mein Gesicht, als ich daran dachte. Ein Lächeln, das ohne den geringsten Zweifel erkennen ließ, wie sehr ich mich jetzt schon darauf freute, zusammen mit all unseren Freunden und Bekannten diesen nächsten, großen Schritt, den wir in unserer zweijährigen Beziehung gemacht hatten, ganz ausgiebig zu feiern. Sicherlich gab es bis dahin noch eine Menge zu erledigen und auch zu organisieren, aber gemeinsam mit Timmy würde ich das bis zum kommenden Samstag schon hinkriegen, da war ich mir sicher.
Beinahe wie aus einem Reflex heraus griff ich nach Timmys Hand und hielt sie fest, während wir zusammen den verschneiten Gehweg entlang zu unserer Wohnung wanderten. „Huch“, rief er daraufhin aus, da auch er scheinbar bis gerade eben in Gedanken versunken gewesen war, und warf mir einen wärmenden Blick zu. „Alles okay?“. „Sicher“, antwortete ich und nickte zur Bestätigung. „Alles gut. Ich möchte nur ein bisschen Händchen mit dir halten“. „Sind wir dafür nicht schon ein bisschen zu alt, Gary Baby?“, wollte er wissen und kicherte leise. „Keineswegs“, antwortete ich und bedeutete ihm, einen Moment lang stehenzubleiben. „Für Zeichen der Zuneigung ist man niemals zu alt. Und auch wenn du das jetzt albern findest, aber ich halte gerne Händchen mit dir. Das gibt mir immer so ein sicheres Gefühl“.
„Süß“, erwiderte er verzückt und drückte mir einen schnellen Kuss auf die Wange. „Und auch keineswegs albern. Vielleicht ein bisschen kitschig. Aber daran habe ich mich ja mittlerweile gewöhnt“. „Was soll das denn heißen?“, entgegnete ich und tat so, als wäre ich von dieser Aussage tief getroffen. „Gar nichts“, antwortete er abweisend und lächelte mich an. „Mir gefällt diese niedliche, weiche Seite an dir. Du bist eben ein Mensch, der die alten Traditionen der Romantik schätzt und bevorzugt. Aber genau deswegen liebe ich dich so sehr. Vielleicht ist es ja auch gerade dieser ausgeprägte Sinn für Kitsch, der mich so an dir begeistert“.
„Tz, Kitsch“, erwiderte ich und spielte einen Moment lang den Gekränkten. „Ich geb dir gleich Kitsch. Da versucht man mal, die Atmosphäre besonders romantisch zu gestalten, aber nein... dem gnädigen Herrn ist das natürlich viel zu kitschig“. Auf dieses kleine Schauspiel hin musste Timmy herzlich lachen und schwang mir mit einer schnellen Bewegung seinen Arm um die Schultern. „Ach komm, Gary Baby“, flüsterte er mir sanft ins Ohr. „Nicht eingeschnappt sein, okay? Ich finde es wirklich ausgesprochen süß, wie du dich um romantische Stimmung bemühst. Darüber hinaus ist es gerade das, was ich an dir so besonders finde“.
„Ich bin gar nicht eingeschnappt“, erwiderte ich und mein ernster Gesichtsausdruck wich schnell einem verspielten Grinsen. „Ganz im Gegenteil: Ich finde, dass du absolut Recht mit dem hast, was du sagst. Vielleicht bin ich ja wirklich ein furchtbar kitschiger und hoffnungslos romantischer Mensch. Vielleicht sind meine Vorlieben für Händchen halten, Kuscheln und Schmusen durch und durch rosarot und ekelhaft süß. Aber so bin ich eben. Ich brauche das. Für mich gehört das zur Romantik einfach dazu. Das verstehst du doch, Tim-Tim, oder?“.
„Natürlich, Gary Baby“, antwortete er verzückt und fuhr mit seinen Fingern durch mein Haar. „Ich habe das doch auch überhaupt nicht böse gemeint. Im Gegenteil: Gerade deine Vorliebe für all diese Dinge macht dich noch tausendmal liebenswerter für mich. Ich finde es wahnsinnig süß, wie sehr du dich für romantische Gesten, wie zum Beispiel Händchen halten oder Streicheleinheiten begeistern kannst. Du bist einfach ein Mann mit sehr viel Emotion. Und gerade deswegen habe ich mich ja so in dich verliebt“.
„Danke, Tim-Tim“, erwiderte ich und legte ein beruhigtes Lächeln auf. „Tut gut, dass du das sagst. Für einen Moment lang hatte ich schon befürchtet, dass ich dir mit meiner Schwärmerei und meinem Geturtel ziemlich auf den Geist gehe“. „Überhaupt nicht, Gary“, versicherte er mir, als wir unseren Weg schließlich fortsetzten. „Wirklich, überhaupt nicht. Es macht mich unsagbar glücklich, zu sehen, mit wie viel Feuer und Leidenschaft du bei der Sache bist. Darüber hinaus merke ich dir doch ganz genau an, wie wichtig all diese Dinge für dich sind. Ich sehe doch, wie hell deine Augen jedes Mal funkeln, wenn ich dich streichle oder wie gerührt du bist, wenn wir gemeinsam zu unserem Lied tanzen. Und genau das sind die besonderen Augenblicke, für die ich mehr als nur gerne bereit bin, absolut jede Art von Kitsch auf mich zu nehmen. Denn du weißt ja, Gary: Was dich glücklich macht, das macht mich auch glücklich“.
„Ist das wahr, Tim-Tim?“, fragte ich ehrlich bewegt und blickte ihm einen Moment lang tief in seine Augen. „Natürlich ist das wahr“, antwortete er mit einem herzlichen Lächeln und streichelte mit der Hand über meine Wange. „Glaub mir, ich liebe dich ganz genau so, wie du bist. Und wenn du nicht diesen niedlichen Hang zu romantischen Dingen hättest, dann wärst du einfach nicht mein Gary“.
„Und du findest nicht, dass ich damit manchmal übertreibe?“, wollte ich wissen und versuchte, meine Gefühle trotz Timmys ergreifenden Worten in Zaum zu halten. „Findest du es nicht unangenehm, ganz öffentlich Hand in Hand mit mir zu laufen? Ist es dir nicht peinlich, wenn ich in Cocktailkleid, Strumpfhose und Ohrringen mit dir tanzen gehe? Schämst du dich nicht manchmal für meinen lächerlichen Aufzug? Hältst du mich nicht für eine aufgedrehte Tunte?“.
„Mensch, Baby“, antwortete er und schüttelte verneinend seinen Kopf, bevor er mir beide Hände ans Gesicht legte und mir lächelnd in die Augen sah. „Wie kommst du denn jetzt bloß auf diese verrückte Idee? Was bringt dich denn nur auf so merkwürdige Gedanken? Ich schäme mich doch nicht für dich. Warum sollte ich das denn tun, Gary? Du hast nun einmal einen sehr stark ausgeprägten femininen Charakter. Das ist doch nichts, weswegen ich mich für dich schämen müsste. Ganz im Gegenteil: Ich bin unglaublich stolz auf dich, dass du deine Persönlichkeit so auslebst, wie du das möchtest und wie es dir guttut. Aber deswegen bist du doch keine Tunte oder sonst irgendetwas. Du tust das alles ja nicht, um aus der Masse hervorzustechen, sondern weil du dich gut dabei fühlst und es für dich der richtige Weg ist. Deswegen ist es doch wohl ganz klar, dass ich dich so liebe, wie du bist. Ob du nun einen Smoking trägst oder ein Kleid, ob Sneakers oder High Heels – für mich bist und bleibst du ein einzigartiger, wundervoller Mensch“.
Er küsste mich sanft, als er seine kleine Ansprache beendet hatte und streichelte mir eine Haarsträhne aus dem Gesicht. „Und wenn du mir immer noch nicht glaubst...“, fügte er flüsternd hinzu und zwinkerte. „Dann denk doch an unsere Verlobung. Denn warum hätte ich dir bitte einen Antrag machen sollen, wenn ich mir nicht absolut sicher wäre, dass du der Mann für mein Leben bist? Und außerdem: Wenn ich mich wirklich für dich schämen würde, dann hätte ich dich doch sicherlich nicht in aller Öffentlichkeit gefragt, oder?“.
„Tim-Tim...“, erwiderte ich tief bewegt und spürte, dass sich ein paar kleine Freudentränen über meine Wangen hinunterschlichen. „Gary, ich liebe dich“, machte er mir noch einmal deutlich. „Ich liebe dich über alles. Und zwar ganz genau so, wie du bist. Deswegen vergiss bitte deine Überlegungen, weil sie allesamt kompletter Quatsch sind. Denn weder schäme ich mich für dich, noch für deine romantische Ader oder deinen eleganten Kleidungsstil. Vielmehr bin ich unglaublich stolz darauf, dich als meinen Verlobten bezeichnen und an deiner Seite gehen zu dürfen. Und weißt du auch, warum das so ist, Baby?“.
Unter Tränen schüttelte ich den Kopf, woraufhin er mich zärtlich auf die Stirn küsste und sie behutsam mit seinen Fingern fortwischte. „Weil du einzigartig bist“, antwortete er dann und schloss mich so fest er konnte in die Arme. „Tim-Tim...“, wiederholte ich leise, während er mich wieder an die Hand nahm und mich glücklich anlächelte. „Siehst du, Baby, da ist sie wieder“, sagte er flüsternd. „Deine emotionale Seite, die ich so an dir liebe und schätze“. „Entschuldige“, erwiderte ich und versuchte, mich rasch wieder zu fangen. „Ich bin mal wieder die totale Heulsuse. Tut mir Leid“.
„Hey Baby, deswegen musst du dich doch nicht entschuldigen“, entgegnete er verständnisvoll, als wir schließlich die Wohnungstür erreichten und er in seiner Jacke nach dem Schlüssel kramte. „Auch Mann darf mal Freudentränen weinen“. Mit diesen Worten sperrte er schließlich auf und hakte seinen Arm dann fest unter meinem ein. „Komm, Garylein“, flüsterte er mir zu, als er das Licht im Flur anknipste. „Lass uns schnell reingehen. Ich hab nämlich noch eine ganz besondere Überraschung für dich“. „Eine Überraschung?“, wollte ich wissen und musste lächeln. „Schon wieder? Was hast du denn dieses Mal mit mir vor, hm?“.
„Wart's ab“, antwortete er und grinste mich an. „Das wirst du dann schon sehen“.

„Tim-Tim, jetzt sag schon“. Ein weiteres Mal startete ich einen Versuch, ihm sein Vorhaben zu entlocken, während wir – nach wie vor Hand in Hand – den Flur entlang zum Wohnzimmer liefen. Doch anstatt mir eine Antwort zu geben und endlich genauere Details zu seiner Überraschung zu verraten, grinste er mich nur schelmisch an und schenkte mir ein selbstzufriedenes Zwinkern. „Geduld, Gary Baby“, antwortete er, während er die Wohnzimmertür aufschwang und mich mit einer kurzen Handgeste dazu anwies, einzutreten. „Nur Geduld, okay? Wir sind ja ohnehin gleich da. So lange wirst du es schon noch aushalten“.
„Nein“, antwortete ich kopfschüttelnd und stieß ein neugieriges Kichern aus. „Nein, werde ich nicht. Also sag doch endlich – welche Überraschung hast du dir denn heute für mich ausgedacht, hm?“. „Das wirst du gleich sehen“, erwiderte er und schwang seinen Arm um meine Schultern, drängelte mich sanft vorwärts zum Sofa hinüber. „Bitte setz dich“, bat er mich, als er bemerkte, dass ich mich vor Spannung leicht gegen ihn sträubte. „Setz dich, Baby. Dann zeige ich dir, was ich schönes für dich habe“.
Gehorsam kam ich seiner Aufforderung schließlich nach und nahm Platz, begierig darauf, endlich einen Blick auf seine Überraschung werfen zu können. „So ist es brav“, meinte er spaßeshalber und lachte, ehe er sich schließlich umdrehte und hinüber ins Schlafzimmer verschwand. „Kann gleich losgehen“, informierte er mich mit einem breiten Grinsen im Gesicht. „Ich muss nur kurz etwas vorbereiten. Nicht weglaufen, ja?“.
Kaum hatte er diese Worte gesagt, schloss er die Tür hinter sich und ließ mich, vor Aufregung und Spannung innerlich platzend, allein im Zimmer zurück. Ich stieß ein unbeschwertes Seufzen aus, während ich mich langsam auf dem Sofa zurücklehnte, die Füße hochlegte und meine Arme vor der Brust verschränkte. Mit so viel Geduld wie aufzubringen ich in der Lage war, begann ich schließlich damit, Richtung Zimmerdecke zu starren und mir dabei gedanklich auszumalen, was Timmy wohl geplant haben mochte.
Sicherlich war es etwas Schönes, daran bestand für mich überhaupt kein Zweifel. Allerdings machte mich die Tatsache, dass ich nicht einmal den klitzekleinsten Hauch einer Idee hatte, in welche Richtung sie gehen würde, geradezu verrückt und erschwerte mir die Wartezeit dadurch noch zusätzlich. Doch ich zügelte meine von Augenblick zu Augenblick wachsende Neugier, indem ich einige Male ganz tief durchatmete und versuchte, mich auf irgendetwas anderes zu konzentrieren.
Zugegeben, Geduld gehörte nicht gerade zu meinen größten Stärken. Schon seit ich denken konnte war ich ein Mensch gewesen, der sich daraus nicht gerade viel machte und es über alle Maßen hasste, auf irgendetwas oder -jemanden lange warten zu müssen. Wenig verwunderlich also, dass ich nach einer Weile nicht mehr länger stillsitzen konnte und damit anfing, neben dem Sofa auf- und abzulaufen. Immer wieder schielte ich dabei hinüber zur Schlafzimmertür, stets mit der Hoffnung, dass sie aufschwingen und meinem Leid damit ein Ende machen würde.
Doch bedauerlicherweise musste ich noch eine weitere Viertelstunde lang – die sich für mich persönlich wie eine ganze Woche anfühlte –, Eier legen, bis mein stilles Gebet endlich erhört und die Türklinke beinahe zeitlupengleich nach unten gedrückt wurde. „Gary Baby“, hörte ich Timmy durch den kleinen, geöffneten Spalt hindurch flüstern und im Anschluss daran leise kichern. „Komm doch bitte mal rein zu mir. Und mach deine Augen zu“.
Das kannst du aber so was von vergessen, Tim-Tim, dachte ich für mich, während ich seiner Aufforderung Folge leistete und mich schnellen, zielstrebigen Schrittes dem Schlafzimmer näherte. Ich schließe meine Augen unter Garantie nicht. Ich will sehen können, was du dir für mich überlegt hast. Und zwar auf der Stelle.
Mit diesen Gedanken im Kopf wollte ich die Tür aufstoßen, doch er machte mir geschickt einen Strich durch die Rechnung, indem er von innen sanft dagegenhielt. „Na, na, na“, mahnte er mich in gespielt vorwurfsvollem Tonfall. „Erst Augen zu. Dann lasse ich dich rein“. Auf diese Worte hin brummte ich ungeduldig, tat aber schließlich, was von mir verlangt wurde und machte rasch die Augen zu.
„Braves Baby“, hörte ich Timmy zufrieden sagen und der zwar geringe, aber dennoch deutliche Widerstand an der Tür fand damit ein rasches Ende. In Gnade ermöglichte er mir kurzerhand den Eintritt in das Zimmer und stieß ein selbstsicheres Kichern aus, scheinbar voll und ganz überzeugt von seinem Vorhaben, welcher Ursprung diesem auch immer zugrunde liegen mochte.
„So, Gary“, flüsterte er ganz nah in mein Ohr und ich fühlte etwas Festes, beinahe schon Raues, durch meine Haare gleiten. „Wenn ich dir jetzt erlaube, deine Augen wieder aufzumachen, dann drehst du dich nicht um, sondern schaust erst einmal hinüber zu deinem Nachttischchen. Dort steht nämlich eine kleine Aufmerksamkeit für dich. Pack sie bitte in aller Ruhe aus und schau sie dir an. Ich hole in der Zwischenzeit noch kurz etwas aus dem Bad, ja? Wenn ich wieder da bin, kannst du mir ja sagen, ob sie dir gefällt. Aber so wie ich das einschätze, besteht daran überhaupt kein Zweifel“.
Mit diesen Worten ließ er noch einmal dieses raue Ding, was auch immer es sein mochte, durch mein Haar streifen und wandte sich im Anschluss zur Tür um. „Ich komme sofort wieder“, erklärte er mir und ich konnte dabei förmlich das Grinsen sehen, das sich in diesem Moment über sein Gesicht zog. „Leg dich doch schon mal ins Bett, okay? Und bitte versprich mir eine Sache, Gary: Wenn ich wieder zurück bin, dann drehst du dich nicht um, sondern wartest, bis ich es dir erlaube. Ansonsten mache ich nämlich niemals wieder so eine Überraschung für dich. Hast du verstanden?“.
Gekonnt hauchte er mir kurz seinen Atem in den Nacken, woraufhin mir unweigerlich eine angenehme Gänsehaut über den gesamten Körper kroch. Im Anschluss daran wandte er sich ab und verschwand aus dem Zimmer, ließ mich mit einer deutlichen Spur angeheizter Lust und gefühlten zehntausend Spekulationen rundum sein Vorhaben im Zimmer zurück. Leise seufzend und voller Vorfreude auf das, was mich womöglich gleich erwarten würde, ging ich schließlich zu meinem Nachttischchen hinüber und betrachtete mir kurz das kleine Päckchen, das er darauf deponiert hatte. Vorsichtig nahm ich es in die Hand und drehte es nach allen Seiten um, ehe ich behutsam die Schleife entfernte, die darumgewickelt war und das kleine Kärtchen, das darunter zum Vorschein kam, auseinanderklappte.
>Für meinen süßen Weihnachtsengel< stand dort geschrieben, was mich unweigerlich zum Lächeln brachte. Dann legte ich die Karte beiseite und widmete meine Aufmerksamkeit voll und ganz dem Paket in meinem Schoß. Ohne mich lange um Sorgfalt zu bemühen, riss ich es eilig auf und holte im Anschluss daran den Inhalt heraus, bei dem es sich, wie ich jetzt unschwer erkennen konnte, um eine weihnachtliche Spieluhr handelte, an dessen Frontseite ein kleines, gelbes Zettelchen klebte. >Alles Liebe, mein kleiner Trommler< war darauf zu lesen und ich atmete ganz deutlich hörbar auf.
„Nein!“, rief ich begeistert aus, als ich die Spieluhr vollständig auspackte und sie mir ausgiebig von allen Seiten betrachtete. „Oh nein, Tim-Tim... sag jetzt nicht...“. Meine Worte verstummten, als ich sie vorsichtig aufzog und die Melodie von 'Little Drummer Boy' kurzzeitig das Zimmer ausfüllte. Überwältigt von diesem einzigartigen Geschenk, mit dem endlich ein lang ersehnter Herzenswunsch von mir in Erfüllung gegangen war, schlug ich mir eine Hand vor den Mund und stieß ein teils euphorisches, teils tief gerührtes Lachen aus.
„Und, Gary?“, hörte ich Timmy sich hinter mir erkundigen und wollte mich rasch zu ihm umdrehen, was er jedoch durch einen lauten Ausruf verhinderte. „Noch nicht“, sagte er bestimmt, während er näher kam und sich schließlich hinter mich aufs Bett kniete. „Einen ganz kleinen Moment noch. Erst möchte ich wissen, wie dir mein vorweihnachtliches Geschenk gefällt“.
„Tim-Tim...“, erwiderte ich beinahe sprachlos und ließ meine Hand ganz vorsichtig über die Spieluhr gleiten. „Ich weiß überhaupt nicht, was ich dazu sagen soll. Wo um alles in der Welt hast du die nur herbekommen?“. „Wenn man die nötigen Kontakte hat, ist alles möglich“, flüsterte er mir verführerisch ins Ohr und ich spürte erneut etwas in meinen Haaren. „Was hast du da?“, wollte ich neugierig wissen, woraufhin er leise kicherte und sich noch dichter über meine Schulter beugte. „Meine Hand“, antwortete er und ließ sie über meinen Kopf hinweggleiten, damit ich einen Blick darauf werfen konnte.
„Handschuhe?“, erkundigte ich mich gespannt und kicherte, so begierig wie nie darauf, zu erfahren, was er jetzt vorhatte. „Ich dachte mir, wir versuchen mal etwas ganz Neues“, ließ er mich mit einem sexy Flüstern wissen und führte seine Hand hinunter zu meinem Bauch. „Dreh dich jetzt ganz langsam um“, fügte er hinzu und leckte dabei sanft mit der Zungenspitze über mein Ohr. „Aber stell besser vorher noch die Spieluhr beiseite. Die brauchen wir dazu nämlich nicht“.
Mein Herz klopfte laut, als er das gesagt hatte und langsam aber sicher bekam ich eine Vermutung, in welche Richtung seine Überraschung gehen würde. Rasch stellte ich die Spieluhr auf dem Nachtkästchen ab, ehe ich, beinahe schon in Zeitlupe, seine Anweisung befolgte und mich zu ihm herumdrehte. „Oh mein...“, stieß ich verblüfft hervor, als meine Augen den Anblick erfassten, der sich ihnen in diesem Moment bot.
„Na Garylein“, flüsterte Timmy mit sexy Stimme und legte eine Hand auf seine Brust. „Gefällt dir, was du siehst?“. „Oh mein... Gott“, wiederholte ich und fühlte ganz deutlich das Kribbeln, das sich auf meinem Körper ausbreitete, während ich ihn mir gründlich von oben bis unten betrachtete.
Seine Hände wurden, wie ich bereits festgestellt hatte, von einem Paar langer, schwarzer Lederhandschuhe verhüllt, die ihm fast bis hinauf zu seinen Ellenbogen reichten. Um seinen Hals hatte er sich ein strass- und nietenbesetztes Halsband gelegt, dessen Zweck mir unmissverständlich bewusst wurde, als ich die Leine bemerkte, die daran herunterbaumelte. Sein Oberkörper lag völlig frei, mal abgesehen von dem Ledergürtel, den er um seine Hüfte trug, und verlieh der ohnehin schon sehr reizvollen Situation noch eine zusätzliche, aphrodisierende Wirkung.
Mehr als eindeutig spürte ich, was mit mir geschah, während ich meinen Blick langsam unterhalb seine Hüfte schweifen ließ und mir der für seine Verhältnisse viel zu knappe String ins Auge fiel, mit dem er seine Männlichkeit zu verhüllen versuchte. Abgerundet wurde diese Aufmachung von einem Paar ebenfalls schwarzer Lederstiefel, die er sich allem Anschein nach – ebenso wie auch den String – aus meinem Schrank gemopst haben musste. Meine Atmung ging schnell und mein Herz klopfte laut, während ich ganz genau fühlen konnte, wie meine eigene Männlichkeit immer weiter anstieg – und das im wahrsten Sinne des Wortes.
„Na, was ist, Baby?“, neckte er mich und zwinkerte verspielt, während er lässig seine Beine übereinanderschlug. „Hast du keine Lust, dich ein bisschen zu mir zu legen, hm? Oder möchtest du lieber etwas anderes mit mir machen?“. „Ich... ich...“, brachte ich hervor und legte mir eine Hand zwischen die Beine, weil ich dem Drang nicht mehr widerstehen konnte, mich selbst anzufassen.
„Aber Garylein“, mahnte er mich grinsend und schwang sich ein Stückchen hoch, als er bemerkte, was ich gerade tat. „Lass mich das doch für dich machen“. Mit diesen Worten bedeutete er mir, zu ihm ins Bett zu kommen und mich den ausgefallenen und in jeglicher Hinsicht sinnlichen Reizen, die er im Moment auf mich ausübte, zu ergeben. Mit laut klopfendem Herzen kam ich seinem Wunsch schließlich nach und legte mich neben ihn, dabei pausenlos, beinahe schon wie in Hypnose, auf ihn fixiert und noch immer damit beschäftigt, mir selbst das zu geben, was ich jetzt ganz dringend brauchte.
„Na, na“, sagte Timmy und hielt meine Hand auf, als sie sich unter meine Jeans zu schieben versuchte. „Langsam, Gary. Immer schön langsam, ja? Wir wollen doch nichts überstürzen. Schließlich haben wir mehr als nur genügend Zeit dafür. Außerdem möchte ich schon, dass du mich miteinbeziehst. Immerhin habe mich nicht umsonst in dieses Outfit geworfen“. Er grinste mir zu und schnappte sich dann meine Hände, bevor ich noch einmal in die Versuchung kam, ohne ihn zu spielen.
„Was würdest du gerne tun, Baby?“, erkundigte er sich im Anschluss und blickte mir erwartungsvoll in die Augen. „Ich mache heute alles, wozu immer du Lust hast und lasse mich ganz auf deine Wünsche ein. Du kannst absolut alles mit mir anstellen, was du möchtest und auch gerne so lange du möchtest. Eine Stunde, zwei Stunden oder von mir aus auch die ganze Nacht“.
„Die... die ganze Nacht?“, fragte ich überrascht, was er durch ein kurzes Nicken bejahte. „Wie ich eben sagte, alles was du möchtest und so lange du es möchtest“, erklärte er dann noch einmal. „Wirklich alles?“, fragte ich mit einem Grinsen, da ich schon eine ganz genaue Vorstellung davon hatte, was ich mir als allererstes von ihm wünschte. „Wirklich alles“, bestätigte er und nickte zustimmend. „Ich stelle mich voll und ganz auf dich ein. Jeder Wunsch, den du hast, sei mir Befehl“. Rasch wies er mit der Hand auf das Nachttischchen neben sich und erst jetzt bemerkte ich das breite Repertoire an Hilfsmitteln und Spielzeugen, das sich darauf türmte.
„Wow“, rief ich aus, als ich mit der Hand über ihn hinweggriff und den kleinen Stapel ausführlich durchwühlte. „Du hast ja echt an alles gedacht. Wahnsinn“. „Natürlich habe ich das, Herr“, antwortete er mir, was mich unweigerlich zum Lachen brachte. „Herr?“, fragte ich glucksend nach, was er durch ein bestätigendes Nicken beantwortete. „Ohwei“, erwiderte ich und schüttelte kurz meinen Kopf. „Bitte sag das nicht, Tim-Tim. Da komme ich mir ja vor wie eine Domina. Sag einfach nur Gary, okay?“. „Sehr wohl, Gary“, meinte er und legte sich dann flach hin, dazu bereit, auf all meine Wünsche und Forderungen sorgfältig einzugehen.
„Hm“, überlegte ich laut, während ich ihn mit einem breiten Grinsen noch einmal musterte. „Lass mich nachdenken. Was könnte ich von dir verlangen?“. „Was immer du willst“, erklärte er mir und setzte sich wieder ein Stückchen auf. „Du darfst alles mit mir machen, was du schon immer mal machen wolltest. Ich bin offen für jeden deiner Wünsche. Du kannst sanft mit mir umgehen, wenn du magst, darfst dich aber auch gerne an mir austoben. Ich bin für jedes Spiel bereit“.
„Nun, einige Sachen wüsste ich da schon“, erklärte ich ihm kichernd. „Doch als allererstes: Zieh bitte deine Stiefel aus. Aber ganz langsam“. „Dein Wunsch sei mir Befehl“, wiederholte er, als er sich hochrappelte und mit ein paar gekonnten und ausgefallenen Bewegungen der beiden Schuhe entledigte. „Sehr gut“, meinte ich leise. „So gefällst du mir gleich viel besser“.
Mit diesen Worten erhob ich mich kurz, um aus der Ansammlung von Hilfsmitteln ein paar herauszusuchen, mit denen ich uns den kleinen Spaß noch ein bisschen versüßen wollte. Doch wenn ich ganz ehrlich war, wusste ich überhaupt nicht, womit ich eigentlich anfangen sollte. Zu groß war dafür das Angebot, das auf dem Nachttischchen thronte und mir die unterschiedlichsten Verführungs- und Befriedigungsmöglichkeiten unterbreitete.
Sorgfältig wühlte ich alles mehrfach durch und legte die Dinge, an denen ich wenig bis nicht interessiert war beiseite, bis mir unter den ganzen Spielzeugen schließlich ein großes, dunkelblaues Badetuch in die Hände fiel, von dem ich zunächst ein kleines bisschen irritiert war. „Wozu soll das denn gut sein?“, erkundigte ich mich bei Timmy und lachte, während ich es langsam auseinanderfaltete und vor meinen Körper hielt. „Auch ein Hilfsmittel“, erklärte er mir grinsend. „Falls du Lust auf Wassersportarten hast“.
„Oh“, rief ich überrascht aus und verzog einen Moment lang das Gesicht, während ich darüber nachdachte. Dann wollte ich es wieder zusammenfalten und beiseite packen, überlegte es mir allerdings anders, als ich mir über den interessanten Reiz, der von dieser Art der Verführung ausging, bewusst wurde. „Naja... vielleicht...“, sagte ich schließlich laut und zuckte die Schultern, während ich die anderen Dinge, die ich ausgewählt hatte, an mich nahm und mich dann wieder neben Timmy ins Bett legte.
„So, Tim-Tim“, flüsterte ich ihm zu. „Nun müsste ich so ziemlich alles haben, was ich brauche. Zieh jetzt bitte mal deinen – oder soll ich sagen: meinen – String aus. Und auch sehr langsam, wenn's geht“. „Dein Wunsch sei mir Befehl“, sagte er wieder, während er meiner Anweisung Folge leistete und sich stripteaseähnlich dem letzten Stück Körperbekleidung, das er noch an sich hatte, entledigte.
Im Anschluss daran warf er mir ein kurzes Grinsen zu und schlug die Beine übereinander, während er eine seiner Hände mit kreisenden Bewegungen über seinen Bauch tanzen ließ. „War das langsam genug?“, fragte er erwartungsvoll, woraufhin ich mich dicht neben an ihn heranschmiegte und durch seine Haare zu streifen begann. „Perfekt, Tim-Tim“, ließ ich ihn zufrieden wissen. „Absolut perfekt“. Kaum hatte ich diesen Satz beendet, legte ich eine Hand auf seinem Knie ab und beugte mich ein kleines Stückchen über ihn. „Jetzt würde ich dich gerne ein bisschen streicheln“, informierte ich ihn und lächelte ihn an. „Sofern du nichts dagegen hast“.
„Wie könnte ich denn?“, erwiderte er zuvorkommend und schüttelte kurz den Kopf. „Ich sagte doch, dass ich für alles bereit bin, was du machen möchtest“. „Sehr gut, Tim-Tim“, flüsterte ich, als ich meine Hand an seinem Bein entlang und im Anschluss über seinen Bauch wandern ließ. „Wirklich sehr gut“.
Eine Weile lang glitten meine Finger über seine Haut und entlockten ihm dabei hier und da den ein oder anderen entspannten Seufzer, der mir verriet, wie sehr ihm diese Streicheleinheit gefiel. Mehr als glücklich konnte ich währenddessen beobachten, dass seine private Zone sehr empfindlich auf jede einzelne Berührung von mir reagierte und mich geradezu darum anbettelte, meine Aufmerksamkeit endlich voll und ganz auf sie zu richten. Gnädig gab ich dieser wortlosen Bitte schließlich nach, nachdem ich seinen Körper einige Male umrundet hatte, und ließ meine Hand direkt zwischen seine Beine greifen, wodurch ich ihn dazu brachte, kurz aufzustöhnen.
„Gary...“, stieß er erregt hervor, als ich noch ein bisschen weiter ging und damit begann, ihn an genau dieser Stelle mit meinen Fingerspitzen zu kraulen. Allerdings musste ich diese Handlung nicht sehr lange ausführen, denn bereits nach wenigen Augenblicken hatte ich erreicht, was ich wollte. Seine Männlichkeit trat jetzt ganz unzensiert zum Vorschein, was mich dazu veranlasste, den nächsten Schritt meines Vorhabens einzuleiten und noch eine Stufe höher zu schalten.
Eilig griff ich neben mich und schnappte mir eines der vorher ausgesuchten Spielzeuge, mit dem ich vorhatte, ihm seine erste Befriedigung zu verschaffen. Benutzt wurde dieses kleine Hilfsmittel zwar eher von der Damenwelt, jedoch bedeutete das deshalb noch lange nicht, dass nicht auch wir beide damit unseren Spaß haben konnten. „Dreh dich bitte zur Seite, Tim-Tim“, wies ich ihn an, während ich mich auf meinen Rolle in diesem Spiel vorbereite. „Aber nur ein bisschen. Ich will auch vorne noch an dich rankommen“. „Ja, Gary“, antwortete er gehorsam und tat dann, was ich ich ihm gerade aufgetragen hatte. Langsam drehte er sich, ganz nach meinen Anweisungen, ein Stück hin und her, bis ich schließlich mit seiner Position zufrieden war und meinem Vorhaben absolut nichts mehr im Wege stand.
„Gut, jetzt entspann dich“, sagte ich zu ihm, während ich mit einer Hand zwischen seinen Beinen hindurchgriff und die andere auf seiner Kehrseite in die richtige Stellung für meinen eigenen Part bei der ganzen Sache brachte. „Bereit, Tim-Tim?“, wollte ich grinsend wissen und noch ehe er mir etwas auf diese Frage antworten konnte, drang ich ein kleines Stückchen in ihn ein.
Daraufhin entkam ihm ein leises Stöhnen, das zunehmend lauter wurde, je fester ich zustieß. Meine andere Hand kraulte unterdessen erneut sein Allerheiligstes, verlieh der ganzen Geschichte noch eine zusätzliche Spannung, die sich durch ein schnelles Hecheln seitens Timmy deutlich bemerkbar machte. „Gary...“, keuchte er atemlos, was mich dazu veranlasste, auf beiden Seiten noch eine Spur intensiver zu werden.
Rhythmisch glitt ich einige Male vor und zurück und steigerte dabei die Lust in seinem Körper erheblich, was ich relativ zeitnah auch sehr deutlich zu spüren bekam. Doch anstatt dieses Spiel schnell zu einem Ende zu bringen, kombinierte ich meine Bewegungen so kunstvoll wie möglich, zögerte seinen Höhepunkt dadurch geschickt hinaus, damit er diese Situation so lange wie nur irgendwie möglich auskosten konnte.
Ganze zehn Minuten lang schaffte ich es auf diese Weise, ihn wechselseitig anzuheizen und wieder abzukühlen, bevor er schließlich durch eine zu rasche Bewegung meinerseits die Kontrolle verlor und sich das erste Mal an diesem Abend seine vollständige Lust entlud. „Gary!“, rief er laut aus, genau einen Moment, bevor sein Orgasmus ihn überwältigte und er abspritzen musste. Sein Körper zitterte dabei heftig und ich presste mich so nah wie möglich an ihn heran, versuchte, jeden einzelnen Augenblick dieses Erlebnisses mit ihm zu teilen und ihm dadurch ein Gefühl zu geben, das er auf diese Weise in unserer gesamten, zweijährigen Beziehung noch niemals erlebt hatte.
„Oh Gary“, rief er noch einmal, nachdem er wieder ein kleines bisschen runtergekommen war und bemühte sich, seine Atmung einigermaßen zu normalisieren, während ich meine Hand in seinem Haar vergrub und ihn mit einem mehr als zufriedenen Grinsen betrachtete. „Braver Tim-Tim“, flüsterte ich ihm ins Ohr und beugte mich ein Stück über seine Schulter. „Ganz brav“.
Auf diese Worte hin huschte ihm ein etwas verlegenes Lächeln über das Gesicht und er wandte seinen Kopf kurzerhand zu mir um, damit er mir direkt in die Augen schauen konnte. „Sorry, Gary Baby“, entschuldigte er sich bei mir und zuckte kurz mit den Schultern. „Meine Ausdauer scheint auch nicht mehr das zu sein, was sie einmal war“. Ein verzücktes Kichern entkam mir, als er diesen Satz ausgesprochen hatte und ich küsste ihn vorsichtig am Hals.
„Aber Tim-Tim“, entgegnete ich dann und streichelte seine Hand. „Es gibt überhaupt keinen Grund dazu, dich zu entschuldigen. Du warst fantastisch und hast dich wirklich sehr gut gehalten. Außerdem war das doch noch längst nicht alles. Ich habe heute Nacht noch ganz viele andere Dinge mit dir vor, von denen du mit Sicherheit begeistert sein wirst. Aber bevor wir zur Erfüllung meines nächsten Wunsches übergehen, schlage ich vor, dass wir eine kleine Pause einlegen, damit du dich ein bisschen erholen kannst. Was hältst du davon?“. „Wenn mein Baby das möchte“, antwortete er lächelnd und küsste mich kurz, bevor er sich vollständig zu mir herumdrehte und seine Arme fest um mich schlang. „Braver Tim-Tim“, wiederholte ich glücklich, ehe ich mir rasch die Leine schnappte, die von seinem Halsband herunterbaumelte und ihn so fest ich konnte zu mir heranzog.
„Weißt du“, fügte ich hinzu, als ich meinen Finger über seinen nackten Bauch tanzen ließ und mein Gesicht an seines heranschmuste. „An solche Überraschungen könnte ich mich glatt gewöhnen“. „Ich mich auch, Baby“, erwiderte er leise, während er sich verlangend die Lippen leckte und erwartungsvoll einem Kuss von mir entgegenfieberte. Schmunzelnd beobachtete ich ihn dabei und vergrub meine Finger in seiner braunen Mähne, spielte eine Weile damit herum, wodurch ich ihm einmal mehr ein entspanntes Schnurren entlocken konnte.
„Möchte mein Tim-Tim eine Belohnung?“, erkundigte ich mich kichernd, woraufhin sein Schnurren um einiges lauter wurde. „Ich schätze mal, das heißt Ja“, fügte ich hinzu und presste ihm im Anschluss daran ganz fest meine Lippen auf den Mund. Dankbar für diese eindeutige Geste, erwiderte er meinen Kuss so hingebungsvoll er konnte und ließ mich dabei ganz genau zu spüren bekommen, wie sehr ihm dieser Moment gefiel.
Grinsend und vollstens zufrieden mit meiner erfolgreichen Verführungstaktik, beugte ich mich mit einem Ruck über ihn und nagelte ihn mit beiden Händen auf dem Bett fest, ohne ihm auch nur die geringste Möglichkeit zur Flucht zu lassen, wenngleich ich haargenau wusste, dass dies das Letzte war, worüber er sich jetzt Gedanken machte. Dann wanderte ich sehr langsam von seinem Oberkörper an abwärts, streichelte mich immer tiefer, bis ich schließlich ganz unten bei seinen Füßen ankam und ihm ein flüchtiges Zwinkern zuwarf. „Mein nächster Wunsch“, informierte ich ihn lachend und drehte mich ein bisschen zur Seite, um mich völlig uneingeschränkt der nächsten Stelle seines Körpers widmen zu können, die ich zur Bearbeitung vorgesehen hatte.
„Na, Tim-Tim“, erkundigte ich mich währenddessen und grinste ihn verführerisch an. „Möchtest du dir vielleicht noch eine zweite Belohnung verdienen?“. „Oh ja, Gary Baby“, antwortete er begeistert und sich voll und ganz darüber im Klaren, welcher Part seines Körpers als nächstes an der Reihe war. „Das möchte ich. Unbedingt“.

Ein paar Wintersonnenstrahlen schmuggelten sich bereits ganz leise durch das Fenster herein, als ich am nächsten Morgen in Timmys Armen wach wurde und mich mit einem verschlafenen Gähnen ein kleines Stückchen aufrappelte, dabei allerdings sorgsam darauf bedacht, ihn unter keinen Umständen aufzuwecken, damit ich noch eine Weile liegen bleiben und ihn einfach nur ansehen konnte.
Noch immer trug er das sexy Outfit aus Leder, in das er sich am Abend zuvor ganz speziell für mich geworfen hatte, um mir ein einzigartiges und darüber hinaus unvergessliches Erlebnis zu schenken. Ein Geschenk, gegen das selbst die von mir so heiß ersehnte Spieluhr, die er mir vor Beginn unseres gemeinsamen Abenteuers überreicht hatte, vollkommen banal und unbedeutend wirkte.
Mit einem stillen Lächeln auf den Lippen betrachtete ich ihn mir eine Weile, ließ meinen Blick mehrmals an seinem Körper auf- und abwandern, der oben nach wie vor frei lag und lediglich von der Hüfte an abwärts von unserer Bettdecke verhüllt wurde. Seinen Kopf hatte er mir zugewandt, sodass ich ohne große Schwierigkeiten das Schmunzeln bemerken konnte, das sein Gesicht umspielte und aus welchem sich erkennen ließ, dass er im Augenblick einen sehr angenehmen Traum haben musste.
Seine Arme waren auf der Bettdecke abgelegt und ein kleines Stück zur Seite hin angewinkelt,was ihm, dank der vom Fenster her einfallenden Wintersonne, einen zusätzlichen und in jeglicher Hinsicht reizvollen Touch verlieh, da seine Muskeln in dieser Position besonders gut zur Geltung kamen. Mit all meiner Kraft musste ich aus diesem Grund gegen das Bedürfnis ankämpfen, ihn einfach mit einem Kuss aufzuwecken und seinen Träumen dadurch ein schnelles Ende zu bereiten, wenngleich ich wusste, dass er gegen diese zarte Geste meinerseits mit Sicherheit nichts einzuwenden hatte.
Allerdings wollte ich mir selbst diesen einzigartigen Moment nicht durch eine schnelle, unüberlegte Handlung zerstören, um den Anblick, der sich mir gerade bot, so lange es nur irgendwie möglich war auskosten zu können. Denn wann würde ich schon noch einmal die Möglichkeit erhalten, ihn in so einem knappen, eleganten und darüber hinaus auch sexy Aufzug zu sehen? Mit Sicherheit nicht so schnell.
Deshalb entschied ich mich dazu, ihn noch ein bisschen im Land der Träume verweilen zu lassen, mich so nah es ging an ihn zu kuscheln und dadurch dieses kostbare Gefühl noch eine Spur näher und intensiver mit ihm zu teilen. Ganz langsam streichelte ich ihm eine Haarsträhne aus dem Gesicht und lächelte, durch und durch erfüllt von dieser einmaligen Ruhe, die sich währenddessen in mir ausbreitete.
Im Anschluss daran warf ich einen raschen Blick hinüber zu meinem Wecker und legte meinen Kopf dann ganz dicht neben seiner Schulter ab, während ich zufrieden meine Augen schloss und versuchte, meine Atmung voll und ganz mit seiner in Einklang zu bringen. Mein hinreißender Verlobter, ging es mir dabei durch den Sinn und ich musste ein glückliches Kichern unterdrücken, das sich bei dieser Überlegung aus mir herauszudrängen versuchte.
Eine Zeit lang lag ich einfach nur da und musterte ihn, ließ meine Gedanken abschweifen und die atemberaubenden Bilder und Erlebnisse der vorangegangenen Nacht noch einmal vor meinem inneren Auge Revue passieren, wurde während dieser geistigen Handlung allerdings unterbrochen, als es draußen an der Wohnungstür laut schellte.
Verdammt, dachte ich für mich, rappelte mich blitzschnell hoch und sah noch einmal flüchtig zu meinem Wecker, bevor ich rasch in meine Hausschuhe schlüpfte und dabei inständig hoffte, dass es mir gelingen würde, den ungebetenen Besuch schnellstmöglich wieder loszuwerden, ehe Timmy von dem Geklingel oder dem Geplapper unseres Überraschungsgastes wach werden konnte.
Eilig legte ich mir meinen Bademantel um, den ich am Abend zuvor über das Bettende gehängt hatte und lief dann schnellen Schrittes aus dem Zimmer, um dem Besucher, um wen auch immer es sich dabei handeln mochte, die Tür zu öffnen und ihn auf direktem Wege wieder abzuwimmeln. Eigentlich kam ja nur eine einzige Person in Frage, die sich in dieser Herrgottsfrühe dazu entschlossen hatte, bei uns vorbeizuschauen, allerdings betete ich leise für mich, dass ich mit meiner Vermutung falsch liegen würde. Denn falls es sich bei unserem Gast wirklich um denjenigen handelte, den ich im Verdacht hatte, würde das mit dem Abwimmeln bestimmt alles andere als einfach werden.
„Komme schon“, rief ich so dezent wie möglich, als ein weiteres Klingeln meine Gedanken unterbrach und mich mein Tempo ein Stückchen beschleunigen ließ. Schnell hastete ich den Flur entlang und warf dann durch den Türspion einen flüchtigen Blick nach draußen, um mir die Bestätigung für meine eben angestellte Vermutung zu holen.
Chester. Natürlich. Wie hatte ich auch nur einen Augenblick lang annehmen können, dass es sich um jemand anderen handelte? Schließlich war er schon immer derjenige gewesen, der zu den unpassendsten und unmöglichsten Zeiten und Gelegenheiten bei uns hereinschneite als wäre das eine vollkommene Selbstverständlichkeit. Irgendwie hatte er aber auch ein Talent dafür, immer dann unangemeldet vorbeizukommen, wenn es Timmy und mir gerade am wenigsten passte.
Und da ich aus eigener Erfahrung wusste, wie schwierig es war, ihn wieder loszuwerden, spielte ich kurzzeitig mit der Idee, einfach so zu tun, als wäre niemand zu Hause, verwarf diesen Gedanken jedoch ziemlich schnell, aus Angst, dass Timmy von erneutem Geklingel doch noch aufwachen und so meine Chance, ihn noch weiter beim Schlafen zu beobachten, zunichte machen würde.
Also atmete ich einmal ganz tief durch, legte das freundlichste Lächeln auf, das ich zu bieten hatte und öffnete im Anschluss daran mit gespielter Verwunderung rasch die Tür. „Chester, hi“, sagte ich zur Begrüßung und gab mich möglichst erfreut, wenngleich ich ihm am liebsten für diese unpassendste aller unpassenden Störungen den Hals umgedreht hätte. Aber um hier keinen falschen Eindruck zu vermitteln: Ich mochte ihn. Ich mochte ihn sogar wirklich gern. Nicht nur deswegen, weil er seit Grundschulzeiten Timmys allerbester Freund und engster Vertrauter war, sondern auch, weil man mit ihm über jedes noch so heikel erscheinende Thema sprechen konnte und er sogar für die ausgefallensten und kompliziertesten Situationen einen guten Rat wusste. Dies änderte jedoch nichts an seiner gewöhnungsbedürftigen Eigenart für Spontanbesuche, mit der ich mich in den ganzen zwei Jahren, die ich ihn jetzt kannte, noch immer nicht richtig abgefunden hatte.
„Hallo Gary“, erwiderte er lächelnd meinen Gruß und stieß ein anerkennendes Pfeifen aus, als er meinen knappen und reizvollen Aufzug bemerkte. „Ich komme doch nicht etwa ungelegen, oder?“. „Aber nein“, antwortete ich kopfschüttelnd und spielte den zuvorkommenden, höflichen Gastgeber, wenngleich ich diese Aussage am liebsten bejaht und ihn wieder weggeschickt hätte. „Selbstverständlich nicht. Es ist nur so: Timmy ist noch gar nicht wach“.
„Oh, schade“, entgegnete er und streckte mir seine rechte Hand entgegen, in der er eine kleine, weiße Papiertüte hielt. „Ich war extra für euch beim Bäcker und hab frische Buttercroissants geholt. Habe mir gedacht, wir könnten mal wieder zusammen frühstücken und auf diesem Weg gleich ausgiebig eure Verlobung feiern“. „Ach, du hast davon gehört?“, erkundigte ich mich, auch wenn ich selbstverständlich wusste, wie bescheuert diese Frage eigentlich klang.
„Klar“, antwortete er und grinste mich an. „Die ganze Stadt spricht von nichts anderem mehr. Aber ist ja auch kein Wunder. Schließlich seid ihr zwei die ersten, deren Verlobung groß und breit in der Zeitung erwähnt wird“. „Ähm, ja...“, erwiderte ich und räusperte mich leicht verlegen. „Also, du, Chester, wegen dem Frühstück... ansonsten wirklich herzlich gerne. Aber ausgerechnet heute passt es mir leider überhaupt nicht. Timmy und ich wollen gleich rüber zu seinen Eltern fahren und...“.
„Moment, ich dachte, er schläft noch“, unterbrach er mich verwundert und zog eine Augenbraue hoch. „Achso, ja... nein... also...“. Es gelang mir beim besten Willen nicht, einen halbwegs anständigen Satz zu formulieren und zu allem Überfluss konnte ich auch noch ganz genau fühlen, dass ich rot wurde. „Was ist denn los, Gary?“, wollte Chester daraufhin wissen und musterte mich einen Augenblick. „Komme ich etwa doch ungelegen?“.
„Ach was, nein“, wehrte ich schnell ab, da ich auf keinen Fall seine Gefühle verletzen wollte, und legte ein einladendes Lächeln auf. „Was soll's“, fügte ich dann hinzu, weil ich ohnehin wusste, dass jeglicher weitere Protestversuch gegen sein Vorhaben erfolglos bleiben würde. „Ein bisschen Zeit habe ich schon noch. Komm doch rein“. „Danke“, meinte er, mein Lächeln erwidernd und überreichte mir beim Eintreten die kleine Tüte mit den Croissants. Danach folgte er mir den Flur entlang ins Wohnzimmer und begann währenddessen den üblichen Small Talk mit mir zu führen.
„Und? Wie geht es euch?“, wollte er wissen, als wir zusammen ins Zimmer traten und ich ihn mit einer raschen Handbewegung dazu aufforderte, sich zwanglos am Esstisch zu platzieren. „Ganz gut, danke“, antwortete ich und setzte mich ihm gegenüber. Dann warf ich einen kurzen Blick hinüber zur Schlafzimmertür, um mich zu vergewissern, dass Timmy noch nichts von unserem Besuch mitbekommen hatte.
„Willst du ihn nicht wecken?“, fragte Chester, als er das bemerkte, und grinste mich an. „Weißt du, besser nicht“, lehnte ich ab und schüttelte den Kopf. „Wir sind gestern Abend erst sehr spät ins Bett gekommen. Da soll er sich heute ruhig mal ausschlafen“. „Achso“, erwiderte er schulterzuckend und schlüpfte im Anschluss daran aus seiner dunkelblauen Winterjacke heraus. „Na, macht ja nichts. Dann frühstücken wir zwei eben zusammen, oder?“.
„Klar“, stimmte ich ihm zu, als ich mich wieder erhob und auf den Weg zur Küche machte. „Was möchtest du denn? Ich kann dir Kaffee, Cappuccino, Tee oder Kakao anbieten“. „Einen Cappuccino, bitte“, antwortete er, was ich durch ein kurzes Nicken bestätigte. „Kommt sofort“, ließ ich ihn wissen und verschwand dann ein paar Minuten lang in der Küche.
Nachdem ich alles vorbereitet hatte, ging ich wieder zu ihm ins Wohnzimmer hinüber und stellte ihm seinen Cappuccino, sowie einen Teller mit zwei der von ihm mitgebrachten Buttercroissants hin. „Hier bitte“, sagte ich und holte im Anschluss daran die Tasse heißen Pfefferminztee, die ich für mich selbst gemacht hatte.
„Danke“, entgegnete er, als er einen kleinen Schluck probierte und sich ein bisschen die Zunge daran verbrannte. „Heiß“, ließ er mich wissen und schüttelte sich, woraufhin ich unweigerlich leise kichern musste. „Du Armer“, meinte ich und nahm mir dann ebenfalls ein Buttercroissant.
„Du, sag mal“, wechselte ich dann das Thema und musterte ihn einen Moment lang. „Woher hast du eigentlich gewusst, dass es sich bei dem Pärchen aus der Zeitung um Timmy und mich handelt?“. „Das war einfach“, antwortete er und grinste. „So viele neunzehnjährige Schwule gibt es in Dimmsdale jetzt auch nicht“. „Da hast du vermutlich Recht“, musste ich ihm zustimmen und erwiderte sein breites Grinsen. „Und? Wie war's?“, wollte er neugierig von mir wissen und blickte mich erwartungsvoll an. „Wie war was?“, entgegnete ich seine Frage, da ich ihm nicht ganz folgen konnte.
„Der Antrag, Gary“, antwortete und trommelte sanft mit seinen Fingern gegen die Tischplatte. „Wie war das für dich, als Timmy dich gefragt hat? Was hast du dabei gefühlt? Und viel wichtiger noch: Wo ist der Ring?“. „Der liegt drüben im Schlafzimmer“, erwiderte ich und wies mit der Hand in die Richtung hinüber. „Ich hab ihn gestern Abend abgenommen. Hat ein bisschen gestört, wenn du weißt, was ich meine“. „Verstehe schon“, entgegnete Chester und gluckste leise.
„Ja, wie war es?“, wiederholte ich rasch seine Frage, um nicht näher auf dieses Thema eingehen zu müssen. „Um es mit einem Wort zu sagen: Überwältigend. Absolut überwältigend. Ich hätte mir niemals gedacht, dass Timmy mich eines Tages fragt, ob ich ihn heiraten will – und schon gar nicht in aller Öffentlichkeit“. „Das kann ich mir vorstellen“, meinte Chester und nickte grinsend. „War bestimmt ein sehr emotionaler Moment für dich, oder?“.
„Ja, das kann man wohl sagen“, stimmte ich ihm zu. „Ich weiß, das hört sich bestimmt furchtbar kitschig an, aber in dem Augenblick, als Timmy vor mir auf die Knie gegangen ist und mir den Ring an den Finger gesteckt hat, da habe ich angefangen zu heulen wie ein kleines Kind. Ich war wirklich total überwältigt von diesem Schritt, den er durch seine Frage mit mir gemacht hat. Und wenn ich ehrlich bin, dann habe ich gar nicht gewusst, was ich ihm darauf antworten soll“. „Das glaube ich dir“, erwiderte Chester mit verständnisvollem Lächeln. „Aber ich schätze mal, du hast Ja gesagt, oder nicht?“. „Klar hab ich das!“, rief ich euphorisch aus und kicherte. „Was hätte ich denn auch bitte sonst sagen sollen? Ich liebe meinen Tim-Tim schließlich über alles“.
Auf diese Worte hin stand Chester kurz auf und schloss mich fest in die Arme. „Alles Gute, Gary“, flüsterte er mir zu und klopfte mir ein paar Male auf den Rücken. „Ich freue mich wirklich sehr für euch beide“. „Danke“, meinte ich, seine Umarmung erwidernd. „Vielen Dank, Chester. Es bedeutet mir wirklich viel, dass du das sagst. Und natürlich möchte ich es an dieser Stelle nicht versäumen, dich zu unserer Verlobungsfeier am kommenden Samstag einzuladen. Eigentlich wollte ich das schon längst erledigen, aber in dem ganzen Vorbereitungstrubel für die Feier habe ich es leider noch nicht geschafft“. „Macht doch nichts“, erwiderte er verständnisvoll, als er sich wieder auf seinen Platz setzte und noch einen Schluck von seinem Cappuccino nahm. „Ich kann doch verstehen, dass du in den letzten Tagen viel zu aufgeregt warst. Trotzdem vielen Dank für die Einladung, die ich natürlich herzlich gerne annehmen möchte“.
Gerade als ich etwas darauf antworten wollte, drang Timmys Stimme aus dem Schlafzimmer zu uns herüber und unterbrach auf diese Weise mein Vorhaben. „Gary Baby?“, hörte ich ihn rufen und im Anschluss daran das laute Klicken der sich öffnenden Schlafzimmertür. Sowohl Chester als auch ich drehten uns zu ihm herum, als er mit einem herzhaften Gähnen den Raum betrat und mir ein verschlafenes Lächeln schenkte. „Guten Morgen, Baby“, sagte er und streckte sich ausgiebig. „Ich hab gerade...“.
Blitzschnell hielt er mitten im Satz inne, als er klar und deutlich registrierte, dass wir spontan Besuch erhalten hatten, und stieß einen überraschten Aufschrei aus. „Ach, du heiliger...“, würgte er hervor und erstarrte zur Salzsäule, während sein ganzes Gesicht vor Scham buchstäblich Feuer fing. Au weia, dachte ich, ebenfalls verlegen und warf Chester einen Blick zu, der sich mit großen Augen auf Timmy fixiert hatte und sich in einer Reflexhandlung eine Hand vor den Mund hielt.
Sein verblüffter Gesichtsausdruck ließ mehr als deutlich erkennen, welche Gedanken ihm in diesem Moment durch den Kopf schossen und ich wandte mich rasch wieder zu Timmy, um ihm zu signalisieren, dass er so schnell wie möglich wieder zurück ins Schlafzimmer verschwinden sollte. Doch noch immer war er wie aus Stein und starrte Chester mit mindestens genauso verlegenem Blick an wie er ihn.
Uns dreien war die Situation denkbar unangenehm, doch besonders Timmy schien den dringenden Wunsch zu verspüren, auf der Stelle im Erdboden versinken zu können. Aber kein Wunder – schließlich war er derjenige, der die meiste Scham zu tragen hatte. Nicht nur, dass von seinem Hals noch immer die Leine baumelte, die mehr als deutlich erkennen ließ, für welchen Zweck sie gedacht war, auch der String, den er am Abend zuvor für mich angezogen hatte, war ein Stück zur Seite verrutscht und gewährte dadurch jedem vollkommen freie Sicht auf sein Allerheiligstes.
Allerdings schien er so sehr unter Schock zu stehen, dass er von dieser Tatsache noch gar nichts mitbekommen hatte. Deswegen entschied ich mich dazu, ihn aus seiner Starre zu erlösen und zurück ins Schlafzimmer zu befördern, ehe Chester, der ohnehin bereits große Augen machte, noch auf dumme Gedanken kam oder damit anfing, ihn auszulachen. Eilig schwang ich mich von meinem Platz hoch und stellte mich dann direkt vor Timmy, um ihm Schutz vor Chesters neugierigen Blicken zu bieten. Schnell schubste ich ihn sanft gegen die Tür, woraufhin er ein verlegenes Räuspern ausstieß und schließlich wieder nach nebenan verschwand.
Im Anschluss setzte ich mich zurück zu Chester an den Tisch und legte einen ernsten Gesichtsausdruck auf. „Kein Wort zu niemandem, kapiert?“, forderte ich von ihm und packte ihn kurz an seinem Kragen, um ihm die Konsequenzen für ein Nichtbefolgen dieser Forderung vor Augen zu führen. „Ich hab gar nichts gesehen“, erklärte er kopfschüttelnd und mit gespielter Angst, woraufhin ich ihn wieder losließ und zurück auf meinen Stuhl sank. „Gut“, sagte ich dann und wandte mich wieder meinem Frühstück zu. „Sehr gut“.
„Naja, sagen wir fast nichts“, fügte er daraufhin hinzu und kicherte leise, was ich durch ein finsteres Brummen beantwortete. „Schon gut, ich mach doch bloß Spaß“, verteidigte er sich und hob abweisend beide Hände. „Ich werde niemandem etwas erzählen, Gary. Versprochen. Das ist ohnehin viel mehr als ich je von meinem besten Freund wissen wollte“. „Es ist auch besser für dich, wenn du schweigst“, erklärte ich ihm und nickte ernst. „Du willst doch nicht auf der Liste der ungeklärten Mordfälle landen, oder?“.
„Oh weia“, meinte Chester in gespielter Panik und biss sich auf die Lippe. „Da krieg ich ja direkt Angst“. „Solltest du auch“, erklärte ich ihm mit finsterem Blick. „Glaub mir, wenn es um meinen Tim-Tim geht, dann kann ich sehr, sehr ungemütlich werden. Und das willst du doch wohl nicht, oder?“. „Nein“, erwiderte er mit gespielt ängstlicher Stimme. „Nein, Gary. Ich werde ganz, ganz brav sein und keinem was sagen. Aber bitte, bitte tu mir nichts“.
„Guter Junge“, erklärte ich grinsend und streichelte ihm kurz durch sein strohblondes Haar. Im Anschluss daran legte ich eine Hand unter sein Kinn und fing an, ihn sanft dort zu kraulen, genau, wie ich es sonst immer bei Timmy machte. Auf diese Geste hin fing er an, ganz laut zu hecheln und stieß ein glückliches Bellen aus. „Ja, braver Junge“, sagte ich noch einmal und kicherte, während ich mit der anderen Hand seinen Haarschopf zerzauste. „Ganz braver Junge, Chester“.
Er bellte noch einmal zur Antwort und hechelte lauter, womit er mich unweigerlich zum Lachen veranlasste. „Braver Junge“, wiederholte ich und ließ wieder von ihm ab, doch er griff eilig nach meinem Arm und zog dann eine mitleidige Schnute. Leise winselte er vor sich hin und stupste mich mit seiner Nase an, forderte mich ganz offensichtlich dazu auf, ihn noch ein bisschen weiterzustreicheln.
„Du machst das so gut“, meinte er und führte meine Finger zurück unter sein Kinn, während er ein paar mitleiderregende Augenaufschläge machte. „Bitte, bitte, Gary“, bettelte er mich an und winselte noch einmal, woraufhin ich mich in Gnade seiner Forderung beugte. „Also schön“, meinte ich und fing noch einmal damit an, ihn langsam zu kraulen. „Aber dafür hältst du hundertprozentig dicht, klar?“.
„Großes Ehrenwort“, erwiderte er und fing wieder an zu hecheln, als meine spitzen Fingernägel an seinem Kinn entlangstreifen. „Braver Junge“, wiederholte ich daraufhin erneut, zugegeben ein kleines bisschen angetan von dem Spiel, das sich aus dieser Situation entwickelt hatte. „Ja, fein. Ganz fein“. „Wuff“, erwiderte er und brachte mich erneut zum Lachen.
„So ein lieber Junge“, setzte ich fort und ließ meine andere Hand durch seine Haare wandern. „Ein ganz braver, lieber Junge“. „Wuff, wuff“, sagte er noch einmal, bevor er meine Bewegungen abrupt stoppte und mir ein breites Grinsen zuwarf. „Nanu?“, wunderte ich mich überrascht und legte den Kopf ein bisschen zur Seite. „Hast du etwa schon genug?“. „Von dir kann ich nie genug kriegen, Garylein“, antwortete er und zwinkerte mir zu, was meine Überraschung noch größer werden ließ. „Garylein?“, wiederholte ich und räusperte mich aufgeregt, was er mir durch ein kurzes Nicken bestätigte.
„Mhm“, sagte er dann und streichelte vorsichtig meine Hand, bevor er mir eindringlich in die Augen schaute und mir ein flüchtiges, aber dennoch ganz eindeutiges Küsschen zuwarf. „Du bist sehr hübsch, Garylein“, setzte er leise hinzu und küsste meinen Handrücken, noch ehe ich die Gelegenheit bekam, mich aus seinem Griff zu befreien. „Viel zu hübsch für einen einzigen Mann“.
Langsam aber sicher wurde mir die Situation doch ein bisschen unangenehm. Was wollte er mir denn bitteschön durch diese komische Aussage andeuten? Und warum grinste er plötzlich auf eine so seltsame Art und Weise? „Gary“, fuhr er zwinkernd fort und legte rasch seine andere Hand an meine Wange. „Da ich jetzt endlich einmal die Möglichkeit habe, ganz allein mit dir zu sein, muss ich dir dringend etwas Wichtiges sagen“.
Vorsichtig beugte er sich über den Tisch zu mir heran und ließ seine Finger über mein Gesicht gleiten. Eigentlich wollte ich ihn ja abwehren, konnte mich jedoch vor Überraschung nicht einen Millimeter bewegen. „Was... was meinst du, Chester?“, stotterte ich nervös und spürte, dass mein Herz anfing, aufgeregt zu klopfen. „Was soll das alles hier? Warum tust du das?“.
„Weil ich dir etwas sagen muss“, wiederholte er ganz leise und beugte sich so dicht an mein Ohr heran, dass sein Haar auf meinem Gesicht kitzelte. „Je t'aime“, hauchte er mir zu und presste mir ein Küsschen auf die Wange, ehe er wieder von mir abließ und zurück auf seinen Stuhl sank. Fassungslos von diesen Worten, klappte mir der Mund auf und ich starrte ihn einen Moment lang eindringlich an, als hätte ich ihn noch nie zuvor in meinem Leben gesehen.
„Bitte... bitte was?“, fragte ich perplex und fühlte mich wie eingefroren, wagte es noch nicht einmal, ganz kurz zu blinzeln. „Du hast schon verstanden“, antwortete er mir und formte seine Lippen noch einmal zu einem Kuss. „Je t'aime, Gary. Ich hab mich in dich verliebt“. „Du... du hast... WAS?“, rief ich vor Schreck laut aus und schlug mir überwältigt eine Hand vor den Mund. „Ich hab mich in dich verliebt, Gary“, wiederholte Chester lächelnd. „Ich weiß, dass das jetzt bestimmt ganz unerwartet kommt, aber ich konnte es einfach nicht mehr länger für mich behalten. Ich bin in dich verschossen, Gary. Bis über über beide Ohren“.
„Ja, aber... aber... was... und wie... und warum... und...“. Auch unter größter Anstrengung brachte ich keinen vernünftigen Satz zustande, konnte einfach nur regungslos dasitzen und ihn anstarren als wäre er ein Wesen von einem anderen Planeten. „Ich weiß nicht, warum“, erklärte er daraufhin mit einem Schulterzucken und grinste. „Irgendwie ist es einfach passiert. Weißt du, seit längerer Zeit willst du mir einfach nicht mehr aus dem Kopf gehen. Ich muss Tag und Nacht an dich denken. Natürlich hab ich versucht, es abzustellen. Das habe ich wirklich. Aber egal wo ich bin und egal was ich tue, überall sehe ich nur dich. Du bist so wunderschön. Viel zu schade, um dein Leben nur an einen einzigen Mann zu verschwenden“.
„Nein“, rief ich kopfschüttelnd aus. „Nein, das ist doch jetzt nicht wahr. Du verarscht mich doch bloß, oder? Du willst mir nur Angst machen, hab ich Recht?“. „Nein“, lehnte er konsequent ab. „Nein, Garylein, das will ich ganz und gar nicht. Ich sage dir bloß die Wahrheit. Ich bin in dich verschossen. Und zwar total. Freust du dich darüber denn gar nicht?“.
„Pah!“, rief ich aus und sprang unruhig von meinem Platz hoch. „Ob ich mich freue? Fragst du mich gerade allen Ernstes, ob ich mich darüber freue, dass du dich in mich verknallt hast? Hast du sie eigentlich noch alle? Ich bin mit Timmy zusammen, schon vergessen?!“.
„Das lässt sich doch ganz leicht ändern“, erwiderte er schulterzuckend, scheinbar ganz und gar unbeeindruckt von meinem Einwand. „Lass ihn doch einfach sausen und komm zu mir. Ich verspreche dir, dass du es nicht bereuen wirst“. „Sag mal!“, rief ich aus, inzwischen mehr wütend als fassungslos. „Hackt's bei dir oder was?! Bist du noch ganz sauber?! Wie kommst du eigentlich dazu, mir so etwas vorzuschlagen? Bist du vollkommen meschugge geworden?!“.
Wütend über diese Frechheit schlug ich mit meiner Faust auf die Tischplatte, gerade in dem Moment, als Timmy frisch bekleidet das Zimmer betrat. „Was ist hier denn für ein Trubel?“, erkundigte er sich überrascht und blickte verwirrt zwischen Chester und mir hin und her. „Tim-Tim, Gott sei Dank!“, rief ich aus, den Tränen nahe, und rannte zu ihm hinüber. „Du musst mir helfen! Chester spinnt! Er hat seinen Verstand verloren!“.
„Gary, ruhig“, erwiderte Timmy fürsorglich und begann damit, mich zu streicheln. „Ganz ruhig, mein Prinz. Was ist denn passiert, hm?“. „Frag doch Chester!“, schrie ich außer mir und wies mit der Hand in seine Richtung. „Der hat sich in mich verknallt!“. „Bitte... was?“, wollte Timmy wissen, ebenfalls völlig perplex, und ließ seinen Blick noch einmal zwischen uns beiden hin- und herschweifen. „Er sagt, dass er in mich verliebt ist!“, wiederholte ich aufgeregt. „Kannst du das glauben, Timmy?! Obwohl er weiß, dass ich mit dir zusammen bin, gesteht er mir einfach seine Liebe und küsst mich auch noch! Das ist doch nicht normal! Das ist...“.
Verwundert unterbrach ich mich, als ich bemerkte, dass sich ein Schmunzeln auf Timmys Gesicht ausbreitete und er einen kurzen Blick mit Chester tauschte. „Soso“, sagte er dann und schien darum bemüht, nicht lauthals loszulachen. „Chester hat sich also in dich verliebt, was?“. „Ja!“, bestätigte ich ihm aufgewühlt. „Er hat mich sogar geküsst! Er hat mich geküsst, Timmy! Verstehst du?! Hast du überhaupt eine Ahnung, wie widerlich das war?!“.
„Na, dankeschön“, schaltete sich Chester plötzlich ein und stieß ein lautes Glucksen aus. „Also, ich hab diesen Streich ja mittlerweile schon vielen Leuten gespielt, aber dass ich widerlich bin hat mir noch keiner gesagt“. „Doch, das bist du!“, protestierte ich lautstark. „Und ich sage dir nur eines... halt, Moment mal – Streich?“. „Ganz recht“, stimmte Timmy ihm zu, der inzwischen auch bis über beide Ohren grinste und Chester ein kurzes Zwinkern zuwarf.
Verwirrt wandte ich mich von ihm ab und blickte zurück zu Chester, der mir daraufhin ein unschuldiges Schulterzucken schenkte und leise kicherte. „Sorry, Gary“, entschuldigte er sich glucksend. „Aber du warst einfach das perfekte Opfer. Da konnte ich nicht anders“. „Wie jetzt?“, rief ich verdattert aus und schüttelte heftig den Kopf. „Du... du bist gar nicht in mich verschossen?“.
„Quatsch“, wehrte er ab und lachte. „Natürlich bin ich das nicht, Gary. Ich meine, klar bist du ein hübscher Junge, keine Frage. Und ich würde auch lügen, wenn ich nicht sagte, dass du ein sehr interessanter Mensch für mich bist. Aber mehr ist da nicht. So Leid es mir für dich tut, aber ich bin bedauerlicherweise hetero“.
„Ja, aber... aber... aber...“, stotterte ich völlig perplex und konnte es nicht verhindern, dass ich blutrot anlief. „Sorry, Gary“, entschuldigte sich Chester unterdessen noch einmal bei mir. „Ich wollte dich nicht in Verlegenheit bringen. Aber du warst das perfekte Opfer. Da konnte ich mich einfach nicht beherrschen“. „Ich... ich...“, brachte ich mit Mühe hervor und schüttelte heftig meinen Kopf, woraufhin Timmy anfing zu lachen. „Tz, tz, tz“, mahnte er Chester in gespielt vorwurfsvollem Tonfall. „Jetzt schau mal, was du angerichtet hast. Also wirklich“.
Beide stießen daraufhin ein lautes Lachen aus, während ich mir still und heimlich wünschte, auf der Stelle im Erdboden versinken zu können. „So bin ich eben“, ließ Chester mich wissen und zwinkerte mir kurz zu. „Einfach unverbesserlich. Ich hab es schon immer geliebt, meinen Freunden diesen kleinen Streich zu spielen und zu sehen, wie sie darauf reagieren. Aber das mit dir gerade eben war zweifelsohne der absolute Höhepunkt. Du hättest mal dein Gesicht sehen sollen, als ich gesagt habe, dass ich auf dich stehe. Einfach nur unbezahlbar“.
Auf diese Worte hin brachen sowohl er als auch Timmy noch einmal in lautes Gelächter aus, einzig ich war noch immer wie benebelt und musste erst einmal richtig realisieren, dass Chester mir lediglich einen Streich gespielt hatte. Einen hinterhältigen, beinahe schon grausamen Streich.
„Du Arsch!“, stieß ich hervor und stampfte teils aufgeregt, teils erleichtert mit meinem Fuß auf den Boden. „Du verdammter Arsch!“. „Herzlichen Dank auch“, erwiderte Chester glucksend, voll und ganz begeistert von der Tatsache, dass er mich wieder einmal ohne große Schwierigkeiten aufs Glatteis hatte führen können. „Erst bin ich übergeschnappt, dann widerlich und jetzt auch noch ein Arsch. Ich muss schon sagen, das ist ja ein Feuerwerk an Komplimenten hier“.
„Oh, ich könnte dich...“, rief ich aus, als ich auf ihn zulief und ihm heftig die Haare zerzauste. „Mach dir nichts draus, Gary Baby“, versuchte Timmy mich zu besänftigen und schenkte mir ein aufmunterndes Lächeln. „Vor Jahren hat er dieselbe Masche auch mit mir abgezogen. Hat auch plötzlich von einem Moment zum nächsten behauptet, er hätte sich in mich verknallt. Und ich war glaube ich ebenso perplex wie du gerade eben“. „Du mieser, kleiner...“, sagte ich zu Chester, als ich ihm einen spielerischen Klaps auf die Schulter verpasste und ein erleichtertes Lachen verlauten ließ.
Daraufhin griff er rasch nach meiner Hand und zog eine mitleiderregende Schnute, mit dem er sich ganz offenkundig meine großzügige Vergebung erhoffte. „Es tut mir Leid“, wiederholte er noch einmal und streichelte über meine Finger. „Ich wollte dir wirklich nicht so einen Schrecken einjagen. Aber als wir gerade eben ganz unter uns waren, habe ich gedacht, ich nutze einfach mal die Möglichkeit und schaue, wie du darauf reagierst“.
„Du Frechdachs“, sagte ich kopfschüttelnd und kniff ihn sanft in die Wange. „Du kleiner Frechdachs“. „Nicht böse sein, Gary“, erwiderte er mit einem Lächeln und streichelte mich kurz. „Es war wirklich nur ein blöder Witz von mir. Ich wollte dich damit nicht beunruhigen. Allerdings, wenn ich schon einmal so ehrlich bin, dann sollst du eine Sache unbedingt wissen“.
„Ja?“, fragte ich gespannt, als er sich unterbrach und mich frech angrinste. „Welche denn?“. „Ich sag's dir“, setzte er fort und zwinkerte mir zu. „Aber du musst mir versprechen, mich nicht dafür zu hauen, in Ordnung?“. „Versprochen“, erklärte ich ihm und hob wie zum Schwur meine Hand. „Naja...“, gab er schließlich bekannt und grinste. „Wie gesagt, ich bin nicht schwul. Aber wenn ich es wäre, dann wärst du mit absoluter Sicherheit der Letzte, den ich von der Bettkante schubsen würde“.
„So?“, fragte ich kichernd, ein bisschen geschmeichelt von dieser Aussage. „Würdest du das nicht?“. „Ein hübsches Kerlchen wie dich?“, entgegnete er und stieß ein anerkennendes Pfeifen aus. „Auf keinen Fall. Timmy hat echt ein Glück mit dir. Da könnte ich ja glatt neidisch werden“. „Aber, aber, Chester“, hielt ich dagegen und grinste ihn an. „Dazu hast du doch gar keinen Grund. Irgendwann kommt schon noch die Richtige für dich. Und bis dahin hast du ja mich“.
Mit diesen Worten presste ich ihm genauso überraschend ein Küsschen auf die Wange wie er das bei mir gemacht hatte und hopste kurzerhand auf seinen Schoß. Im Anschluss daran fing ich noch einmal damit an, ihn sanft unterm Kinn zu kraulen, wodurch er erneut leise hechelte. „Genieß es“, sagte ich dabei und zwinkerte ihm zu. „Das hast du dir jetzt mehr als verdient“.
Kaum hatte ich diesen Satz ausgesprochen, machte Timmy sich durch ein lautes und deutlich ungeduldiges Räuspern bemerkbar. „Entschuldigung“, sagte er und winkte mir kurz mit seiner Hand zu. „Aber ich bin auch noch da“. Chester und ich mussten auf diese Worte hin kichern und ich drehte mich kurz zu ihm herum, um ihm einen Kuss zuzuwerfen. „Einen Augenblick noch, Tim-Tim“, erklärte ich ihm, während ich Chester durch seine Haare fuhr. „Erst muss ich mich um dieses kleine Hundchen hier kümmern. Danach bin ich voll und ganz für dich da“.
„Tz, tz“, erwiderte Timmy kopfschüttelnd und gab sich gespielt skeptisch. „Ihr zwei flirtet ja ganz schön heftig miteinander. Muss ich mir etwa Sorgen machen, Gary Baby?“. „Aber Tim-Tim...“, wehrte ich ab und schwang mich rasch von Chester herunter, ehe ich zu ihm hinüberging und beide Arme um ihn legte. „Natürlich nicht. Chester und ich flirten doch nur ein bisschen. Lass uns doch den kleinen Spaß“. „Naja...“, erwiderte er und tat so, als würde er darüber nachdenken.
„Jetzt komm schon“, bat ich ihn noch einmal und legte meine Hand an seine Wange, um ihm direkt in die Augen schauen zu können. „Ein bisschen flirten wird doch wohl erlaubt sein. Mehr wird daraus sowieso nicht und das weißt du auch ganz genau. Chester will nichts von mir und ich nichts von ihm. Glaub mir, Tim-Tim, du musst nicht eifersüchtig sein. Überhaupt nicht, okay? Ich liebe nur dich. Das weißt du doch, oder?“.
„Sicher, Gary Baby“, stimmte er mir zu und sein skeptischer Blick verwandelte sich in ein Grinsen. „Sicher weiß ich das. Trotzdem ist es ein bisschen komisch für mich, wenn du ausgerechnet mit meinem besten Freund herumflirtest und ihm den Kopf verdrehst“. „Tue ich das?“, wollte ich wissen und schmiegte mein Gesicht dicht an seines heran. „Tue ich das wirklich, Tim-Tim?“.
Noch ehe ich ein weiteres Gegenargument vorbringen konnte, traf ein heißer Kuss meine Lippen und verwehrte ihnen damit jegliches Recht auf Verteidigung gegen diesen, wenn auch nur im Spaß ausgesprochenen Vorwurf. Einige Momente lang zog er sich dahin, bis schließlich Chester derjenige war, der uns durch ein Räuspern seine Anwesenheit ins Gedächtnis rief. „Soll ich gehen?“, fragte er und kicherte, was ich durch eine abweisende Handgeste verneinte.
„Quatsch“, meinte ich dann und schüttelte meinen Kopf. „Selbstverständlich nicht. Ich will nur sicherstellen, dass es nicht zu unerwarteten Eifersuchtsdramen kommt“. Mit diesen Worten drehte ich mich wieder zu Timmy um und legte meine Hand erneut an seine Wange. „Du bist doch nicht wirklich eifersüchtig, oder, mein Hübscher?“, erkundigte ich mich erwartungsvoll und musterte ihn einen Augenblick. „Unsinn“, versicherte er mir noch einmal ganz deutlich und zwinkerte. „Wie du schon richtig gesagt hast, Gary Baby: Ein bisschen flirten ist erlaubt, solange es nicht zu weit geht“.
„Das ist gut“, flüsterte ich ihm kichernd zu. „Denn wie ich dir bereits erklärt habe, hast du zur Eifersucht nicht einmal den Hauch eines Grundes. Du bist der Mann, den ich über alles liebe und für den ich bereit bin, nahezu alles zu tun. Du bist derjenige, der sich in mein Herz geschlichen und sich einen festen Platz darin gesichert hat. Und diesen Platz, Tim-Tim, den kann dir absolut niemand wegnehmen. Niemand, okay?“. „Das ist süß von dir, Baby“, meinte er mit einem Lächeln, bevor er mich noch einmal kurz küsste und danach grinsend zu Chester hinüberschaute.
„Möglicherweise ist es gar nicht so schlecht, wenn Gary dir ein bisschen den Kopf verdreht“, erklärte er ihm und gluckste leise. „Vielleicht vergisst du dann ja, was du vorhin gesehen hast“. „Gesehen?“, hakte Chester mit gespielter Unschuldsmiene nach und gab sich ahnungslos. „Was soll ich denn bitte gesehen haben?“.
„Braver Junge“, sagte ich daraufhin und ging noch einmal zu ihm hinüber, um die Streicheleinheiten, die ich kurz zuvor unterbrochen hatte, noch eine Weile fortzusetzen. „Ganz braver Junge“. Schnell hopste ich wieder auf seinen Schoß und kraulte ihn als Belohnung für sein Stillschweigen noch einmal unter seinem Kinn. Als Reaktion darauf begann er wieder zu hecheln und Timmy ließ ein amüsiertes Lachen verlauten.
„In der Tat“, bestätigte er meine Aussage mit einem schnellen Nicken, bevor er sich abwandte und mir durch einen kurzen Wink verständlich machte, dass er ins Badezimmer verschwinden wollte. „Komme gleich wieder“, gab er bekannt und fixierte sich dann kurz auf Chester. „Stell mir ja keinen Unsinn mehr mit Gary an, hörst du? Denn falls du ihn noch einmal so hinters Licht führst, bekommst du es mit mir zu tun. Ach, und denk daran, was du mir gerade eben versprochen hast: Kein Wort zu niemandem, verstanden?“.
„Keine Angst, Timmy“, versicherte Chester ihm, während er sich voll und ganz auf meine kleinen Streicheleinheiten einließ. „Ich bin ganz brav, das verspreche ich. Und sei dir bitte sicher, dass ich bei solch kompetenter Betreuung überhaupt nicht auf die Idee kommen würde, irgendwelchen Blödsinn zu machen. Ach, und was die andere Angelegenheit betrifft: Ich habe nichts gesehen. Nicht das Geringste“.
„Feiner Junge“, erwiderte ich, bevor Timmy die Möglichkeit dazu hatte, sich irgendwie dazu zu äußern, und setzte mit einem Lächeln meine kleinen Streicheleinheiten fort. „Ganz feiner Junge“. „Wuff“, sagte Chester wieder und veranlasste mich damit ein weiteres Mal zum Lachen. „Süß“, erklärte ich ehrlich verzückt und wuschelte noch einmal seinen blonden Haarschopf durcheinander. Im Anschluss daran wandte ich mich rasch wieder Timmy zu und zog eine mitleiderregende Schnute.
„Wir müssen ihn behalten“, erklärte ich ihm mit einem Kichern. „So ein liebes Kerlchen können wir auf keinen Fall wieder hergeben“. „Wuff“, bestätigte Chester mein Argument und nickte kurz, woraufhin Timmy lachend den Kopf schüttelte und uns beide kurz musterte. „Na, meinetwegen“, gab er nach ein bisschen gespieltem Überlegen nach und zuckte die Schultern. „Behalt ihn ruhig. Aber dass er mir ja nicht auf den Teppich macht, verstanden?“.
„Keine Bange, Tim-Tim“, lehnte ich ab und warf Chester ein Grinsen zu. „Er ist stubenrein. Stimmt doch, Chester, oder?“. „Wuff, wuff“, erwiderte er und nickte noch einmal, bevor er mir vorsichtig über die Hand leckte und mir zuzwinkerte. „Pfui“, entgegnete ich in gespielt mahnendem Tonfall und schüttelte abweisend den Kopf. „Aus. Böser Junge“. Auf diese Worte hin begann er kurz zu winseln und senkte einen Moment lang seinen Blick.
„Tut mir Leid, aber das ist sehr unhygienisch“, erklärte ich und lachte. „Zeig mir doch lieber mal, ob du auch ein paar Kunststückchen kannst. Kannst du mir zum Beispiel deine Pfote geben?“. „Wuff“, rief er laut aus und nickte einige Male hintereinander. „Wuff, wuff, wuff“. „Okay“, meinte ich mit einem Schmunzeln und hielt ihm meine Hand hin. „Dann komm. Gib Pfötchen. Gib Pfötchen, Chester“.
Grinsend legte er seine Hand in meine und blickte mir dann in die Augen, erwartete ganz offensichtlich eine Belohnung für diese anspruchsvolle und in jeglicher Hinsicht einzigartige Darbietung, die er mir gerade gezeigt hatte. „Braver Junge“, sagte ich und streichelte seine blonde Mähne. „Ganz braver Junge“. Damit schien er sich allerdings nicht zufriedenzugeben, denn er grinste mich verspielt an und legte sich einen Finger an die Wange, machte mir ganz unmissverständlich klar, welche Art von Belohnung er sich für diesen spektakulären Trick von mir wünschte.
Mit einem leisen Seufzen gab ich seinem Willen schließlich nach und presste ihm ein kurzes Küsschen auf seine Wange, das er durch ein weiteres, glückliches Bellen in Empfang nahm. „Aber dass mir das nicht zur Gewohnheit wird, klar?“, erklärte ich ihm bestimmt und schwang meinen Arm um ihn. „Sonst kann es nämlich sein, dass du doch noch Probleme mit Timmy bekommst“.
„Wieso?“, entgegnete er und gab sich völlig unschuldig. „Wir flirten doch nur ein bisschen. Flirten ist doch erlaubt, hab ich Recht?“. „Hast Recht“, stimmte ich ihm kichernd zu und zuckte mit den Schultern. Dann nahm ich mir seine andere Wange vor und gab ihm auch dort einen kleinen Kuss, den er durch ein verspieltes Schmunzeln erwiderte. „Wenn schon, denn schon“, erklärte ich meine Handlung rasch und zuckte noch einmal mit den Schultern. „Außerdem würde ich lügen, wenn ich nicht sagte, dass mir das auf eine gewisse Art und Weise sehr gefällt“.
„Mir auch“, antwortete er zufrieden und ließ seine rechte Hand in meinen Nacken wandern. „Mir auch, Gary. Und ich hoffe, du bist mir nicht böse, wenn ich dir sage, dass du der erste und einzige Junge bist, mit dem mir das Flirten richtig Spaß macht“. „Wirklich?“, fragte ich und lachte verzückt. „Mhm“, antwortete er bestätigend. „Ganz ehrlich, Gary. Vielleicht liegt das aber auch daran, dass du es so gut kannst. Nun, entweder das – oder ich bin einfach komplett verrückt“.
„Beides, wenn du mich fragst“, erklärte ich ihm, woraufhin wir beide herzlich lachen mussten. Dann wandten wir uns noch einmal zu Timmy um, der sich, entgegen seiner Ankündigung, nach wie vor im Zimmer befand und uns ganz fasziniert bei unserem kleinen Spielchen beobachtete. „Ist was?“, fragte ich ihn mit einem Kichern, während ich meinen Kopf gegen Chesters Schulter lehnte und eine Hand in seinen Nacken wandern ließ. „Nein“, antwortete er lächelnd und schüttelte zur Bestätigung dieser Aussage seinen Kopf. „Nein, überhaupt nichts. Es macht mir nur Spaß, euch beiden zuzusehen. Hat irgendwie was, euer kleiner Flirt“.
„Bedeutet das, dass du mitmachen möchtest?“, erkundigte ich mich und lachte. „Oder wie darf ich das jetzt verstehen?“. „Hey, wieso eigentlich nicht“, erwiderte er schulterzuckend und kam dann zu uns herüber an den Tisch. Er zwinkerte uns kurz zu, ehe er sich auf den Stuhl direkt gegenüber sinken ließ und seine Arme auf der Tischplatte verschränkte. „Vorausgesetzt, ihr habt nichts dagegen“, fügte er hinzu und schlug kurzerhand die Beine übereinander.
„Aber nicht doch, Tim-Tim“, versicherte ich ihm und schwang mich schnell von Chesters Schoß herunter. „Zu dritt macht es ohnehin viel mehr Spaß. Stimmt's, Chester?“. „Wuff, wuff“, sagte er wieder und nickte zur Bestätigung meines Arguments. „Fein“, meinte ich daraufhin zu ihm und kraulte ihn kurz im Nacken. „Ganz feiner Junge“. Timmy kommentierte diese Aussage mit einem Räuspern und klopfte sanft mit seinen Fingern auf den Tisch.
„Also, wenn du darauf Lust hast, Garylein“, erklärte er und grinste mich bis über beide Ohren an. „Ich kann natürlich auch dein kleines Hundchen spielen“. Mit diesen Worten nahm er schnell seine Mütze ab und stieß dann ein kurzes, mitleiderregendes Winseln aus. Danach streckte er seine Hand nach mir aus und warf mir einen flehenden, herzerweichenden Blick zu, der mir mehr als verständlich machte, dass er jetzt an der Reihe sein wollte.
„Armer Tim-Tim“, erklärte ich ihm, als ich mich vollständig von Chester herunterschwang und ein paar Schritte zu ihm hinübertrat. „Habe ich dich vernachlässigt, hm?“. Zur Antwort winselte er noch einmal und nickte kurz, woraufhin ich mich schnell auf seinen Schoß schwang und ihm ein herzliches Lächeln schenkte. „Keine Angst“, sagte ich und ließ meine Finger durch seinen braunen Haarschopf wandern. „Das holen wir alles jetzt nach, okay?“.
„Wuff“, erwiderte er glücklich und begann, ganz aufgeregt zu hecheln. „Wuff, wuff, wuff“. Unweigerlich musste ich kichern und schüttelte unbeholfen meinen Kopf. „Ihr seid schon zwei Spinner“, erklärte ich den beiden und ließ meinen Blick einen Moment lang zwischen ihnen hin- und herwandern. „Hey, was Chester kann, das kann ich schon lange“, verteidigte sich Timmy und zwinkerte mir zu. „Außerdem sind wir nicht umsonst schon seit Ewigkeiten beste Freunde“.
„Ja, da haben sich die zwei Richtigen gefunden“, bestätigte ich sein Argument, während meine Hand ganz sanft an seinen Haarsträhnen herumspielte. „Das mag sein“, gab er schulterzuckend zu und fixierte seinen Blick dabei voll und ganz auf mich. „Aber weißt du, worüber ich noch tausendmal glücklicher bin?“. „Nein“, erwiderte ich ahnungslos. „Worüber denn?“. „Dass wir zwei uns gefunden haben“, erklärte er mit einem sexy Flüstern und begann im Anschluss damit, heftig mit mir zu schmusen.
„Bah“, rief Chester aus und unterbrach damit unsere spontane Kuschelrunde. Für ein paar Augenblicke verzog er das Gesicht, um uns verständlich zu machen, was er von unserem ausgiebigen Süßholzgeraspel hielt und tat dann so, als müsse er sich übergeben. „Von so viel Zucker kriegt man ja Karies“, informierte er uns und schüttelte seinen Kopf. „Meine armen Zähne“.
Timmy und ich lachten, ließen uns von seinem Einwand allerdings herzlich wenig beeindrucken und schmiegten uns nur noch dichter aneinander. „Sorry, Chester“, erklärte Timmy ihm grinsend und drückte mir einen Kuss auf die Wange. „Hin und wieder kann ich einfach nicht anders. Mein kleiner Gary ist eben alles für mich“. „Verliebte“, erwiderte Chester kopfschüttelnd und grinste. „Die werde ich wahrscheinlich niemals verstehen“.
„Ach was“, lehnte ich ab und lächelte ihn aufmunternd an. „Du wirst sehen – eines Tages triffst auch du die eine, die dein Herz zum Schmelzen bringt. Und wie ich dir gesagt habe: Bis dieser Tag da ist, hast du ja mich, sofern du mich willst“. „Also wollen würde ich dich schon“, erklärte er mir und gluckste. „Die Frage ist nur, ob ich auch darf. Ich glaube nicht, dass es Timmy so Recht wäre, wenn du und ich ständig vor seiner Nase rummachen“.
„Das kommt ganz darauf an, wie weit du gehst“, antwortete Timmy an meiner Stelle und legte einen neutralen Gesichtsausdruck auf. „Gegen einen kleinen Flirt hier und da habe ich, wie bereits erwähnt, überhaupt nichts einzuwenden. Solange es nur aus Spaß ist, könnt ihr meinetwegen gerne ein bisschen herumturteln. Damit kann ich leben. Wenn du es allerdings übertreibst, dann könnte das sehr ungemütlich für dich werden. Ich denke, wir verstehen uns, oder?“.
„Sicher“, bestätigte Chester und ließ ein kurzes Seufzen verlauten. „Sicher verstehen wir uns. Deshalb möchte ich auch noch einmal ganz ausdrücklich betonen, dass es mir niemals in den Sinn kommen würde, mich zwischen euch beide zu drängen oder gar irgendetwas mit Gary anzufangen. So skrupellos könnte ich nie sein. Dafür ist mir die Freundschaft mit dir viel zu wichtig, Timmy. Das setze ich doch nicht wegen einer flüchtigen Hals-über-Kopf-Affäre aufs Spiel“.
„So ist es gut“, erwiderte Timmy und lächelte ihn an, hielt jedoch inne, als er seinen unsicheren, beinahe schon leicht betrübten Blick bemerkte. „Alles in Ordnung?“, wollte ich daraufhin wissen und legte den Kopf ein bisschen zur Seite, während ich meinen Blick auf ihn fixierte. „So ziemlich“, antwortete Chester und seufzte noch einmal, dieses Mal deutlich betroffener als zuvor.
„Was ist los?“, wollte ich wissen und griff über den Tisch hinweg nach seiner Hand, die er jedoch augenblicklich vor mir zurückschrecken ließ und danach zu der anderen in seinen Schoß legte. „Ich muss da noch etwas loswerden“, erklärte er schließlich nach kurzem Zögern und nagte angespannt auf seiner Unterlippe herum. „Aber ich glaube, dass es besser ist, wenn ich es für mich behalte. Womöglich macht das alles zwischen uns kaputt“.
„Aber Chester, das ist doch Quatsch“, versuchte ich zu widersprechen, was er jedoch mit einem Kopfschütteln ablehnte und sich im Anschluss daran von seinem Platz erhob. „Besser, ich gehe jetzt“, erklärte er und schob seinen Stuhl zurück. „Bevor ich euch beiden doch noch ungewollt wehtue“. Mit diesen Worten griff er nach seiner dunkelblauen Jacke und schwang sie sich über die Schultern. „Seid mir nicht böse“, fügte er hinzu. „Aber ich muss jetzt einfach gehen. Vergesst bitte, was ich gesagt habe. Ist nicht so wichtig, okay?“.
„Chester, warte doch“, entgegnete ich, als er sich von uns abwenden wollte, und ging ein Stück auf ihn zu. „Du kannst doch jetzt nicht gehen“, erklärte ich ihm fürsorglich. „Nicht, nachdem du uns jetzt schon so neugierig gemacht hast. Also sag schon, was hast du auf dem Herzen, Süßer?“. „Gary, bitte sag das nicht zu mir“, wehrte er ab und wies mich mit der Hand dazu an, auf Abstand zu gehen. „Das macht es mir nur noch viel schwerer, dir nicht die Wahrheit zu sagen“.
„Wahrheit?“, fragte ich verwundert und blickte ihn gespannt an. „Welche Wahrheit denn?“. „Gar nichts“, entgegnete er und ich bemerkte, dass sich eine klitzekleine Träne über seine rechte Wange hinabschlich. „Überhaupt nichts, okay? Vergiss es einfach. Und vielen Dank noch einmal, dass ihr euch die Zeit für ein Frühstück mit mir genommen habt. Ich würde mich sehr freuen, wenn wir das bald mal wiederholen könnten“.
„Chester...“, hielt ich dagegen, als er sich umwandte, und legte ihm meine Hand auf die Schulter. „Ich bin ein braver Junge, Gary“, erwiderte er leise. „Und brave Jungs wissen, was sich gehört und was nicht“. Eine weitere Träne kroch ihm langsam die Wange hinunter, als er das gesagt hatte, und veranlasste mich dazu, ihn kurz in die Arme zu nehmen. „Mensch, Chester“, antwortete ich, inzwischen ein bisschen besorgt und streichelte sein blondes Haar. „Was ist denn plötzlich los mit dir, hm? Warum benimmst du dich auf einmal so merkwürdig? Und von welcher Wahrheit sprichst du?“.
„Ich kann es nicht sagen“, beharrte er eisern und schüttelte seinen Kopf. „Bitte versteht das doch. Es geht einfach nicht. Wenn ich euch das sage, dann wollt ihr garantiert nie wieder etwas von mir wissen. Und das möchte ich verhindern. Ich will euch nicht verlieren, Jungs. Ihr seid doch meine besten Freunde“.
„Aber Chester...“, schaltete sich Timmy plötzlich ein und erhob sich rasch von seinem Platz. „Was redest du denn da? Warum solltest du uns denn verlieren? Das ist doch Unsinn“. „Glaub mir, Timmy, ich weiß, was ich sage“, erwiderte er betrübt und biss sich auf die Lippe. „Wenn ich es euch sage, dann wollt ihr bestimmt nichts mehr mit mir zu tun haben. Das weiß ich. Das weiß ich ganz genau“.
Seine Stimme zitterte regelrecht bei diesen Worten und ich nahm ihn behutsam an die Hand, ehe ich ihn zum Sofa hinüberführte und darum bat, noch einmal Platz zu nehmen. „Ganz ruhig“, sagte ich zu ihm, wenngleich ich mir keinen Reim auf dieses rätselhafte Verhalten machen konnte. „Ganz ruhig, okay? Also, was beschäftigt dich? Was war es, das du uns vorhin unbedingt sagen wolltest? Und warum sollte das irgendetwas kaputtmachen?“.
„Weil es mein Geheimnis ist“, erklärte er und stieß einen Seufzer aus. „Mein kleines, wunderschönes Geheimnis“. „Was meinst du damit?“, erkundigte sich Timmy, als er sich ebenfalls zu uns setzte und Chester einen Blick zuwarf. „Ihr schmeißt mich raus“, erwiderte er, ohne auf Timmys Frage auch nur ansatzweise einzugehen. „Ihr verspottet mich für alle Zeit, wenn ich es euch sage“.
„So ein Blödsinn“, lehnte ich ab und schwang einen Arm um seine Schultern. „Wieso sollten wir das denn tun? So schlimm kann es doch gar nicht sein. Glaub mir, egal, worum auch immer es geht, du kannst es uns erzählen. Dafür sind Freunde doch schließlich da“. „Oh Gary...“, erwiderte er mit einem erneuten Seufzen und wischte sich eine weitere Träne aus dem Gesicht. „Wenn du nur wüsstest, wie verdammt schwer es ist“.
„Teil dein Geheimnis mit uns“, flüsterte ich ihm tröstend zu und strich über seine Haare. „Es wird bestimmt leichter, wenn du es erst einmal ausgesprochen hast“. „Mann, verdammt!“, erwiderte er und schüttelte heftig seinen Kopf. „Warum musste ich Vollidiot auch davon anfangen? Klar, dass ihr jetzt neugierig seid. Verdammt!“. „Beruhig dich“, forderte ich ihn sanft auf und streichelte seine Wange. „Bitte beruhig dich, Chester. Es wird ganz sicher alles gut. Also komm. Erzähl uns, was du auf dem Herzen hast. Wir sind dir auch ganz sicher nicht böse, okay?“.
„Ehrenwort?“, fragte er unsicher, woraufhin Timmy und ich zum Schwur unsere Hand hoben. „Ehrenwort“, antworteten wir synchron, woraufhin er wieder seufzte und schließlich unserer Forderung nachgab. „Okay“, erklärte er aufgeregt. „Okay, ich erzähle es euch. Aber bevor ich das tue, sollt ihr wissen, dass ich euch mit allem, was ich gleich sagen werde, nicht kränken oder gar verletzen möchte. Weder dich, Gary – und schon gar nicht Timmy. Ihr zwei seid die besten Freunde, die ich mir wünschen kann. Und deshalb tut es mir so unendlich Leid, dass ich nicht in der Lage war, meine Gefühle richtig zu kontrollieren“.
„Was?“, erwiderte ich verwundert, woraufhin er meine Hand von sich herunterschob und seinen Blick dann zwischen uns hin- und hergleiten ließ. „Seit zwei Jahren hüte ich dieses Geheimnis jetzt schon“, erzählte er weiter. „Zwei Jahre ist es jetzt her, dass ausgerechnet mir diese Sache passiert ist, für die ich bis heute keine vernünftige Erklärung habe finden können“.
„Welche Sache?“, fragte ich erwartungsvoll und rutschte ein Stück näher zu Timmy, als Chester mich erneut dazu anwies, ein bisschen auf Abstand zu gehen. „Wisst ihr“, fuhr er dann fort und konnte es nicht verhindern, dass er rot wurde. „Ich habe euch angelogen vorhin. Ich... ich bin eigentlich gar nicht hetero“. „Was?“, fragte ich erstaunt nach, doch er nickte nur, um seine Aussage zu unterstreichen. „Du hast richtig gehört, Gary“, erklärte er und errötete noch stärker. „Ich... naja... ich bin eigentlich bisexuell“.
„Ähm... okay“, brachte ich hervor und atmete einmal kurz durch, bevor ich ihm ein ehrliches Lächeln schenkte. „Und deswegen hast du so herumgedruckst?“. „Auch“, antwortete er knapp und klopfte aufgeregt mit den Fingern gegen sein Knie. „Auch deswegen, ja. Ich... ich hab einfach nicht gewusst, wie ich euch das sagen soll“. Verlegen heftete er seinen Blick zu Boden und wippte mit seinem Fuß auf und ab.
Timmy und ich tauschten ein paar kurze Blicke aus, ehe er über mich hinweg nach Chesters Hand griff und ihn mit einem verständnisvollen Lächeln anschaute. „Hey“, sagte er zu ihm, als er ihn streichelte, um ihm die Aufregung zu nehmen. „Das braucht dir doch nun wirklich nicht peinlich zu sein. Schon gar nicht vor uns, okay?“. „Doch“, erwiderte Chester leise und wehrte Timmys Berührung sanft ab. „Doch, es ist mir unangenehm. Und besonders vor euch beiden“.
„Aber wieso denn?“, fragte ich verwundert und nahm dann ebenfalls seine Hand. „Dazu gibt es doch überhaupt keinen Anlass. Gerade vor Timmy und mir musst du dich doch nicht schämen. Und du musst dir auch keine Sorgen machen, dass das in irgendeiner Weise unsere Freundschaft beeinflusst. Ganz im Gegenteil: Ich finde es sehr mutig von dir, dass du uns die Wahrheit gesagt hast. Und natürlich ist es mehr als klar, dass wir dich so mögen, wie du nun einmal bist. Deshalb sei dir bitte sicher, dass es nichts gibt, wofür du dich schämen musst. Absolut nichts, Chester, okay?“.
„Doch, Gary“, widersprach er mir erneut. „Doch, ich schäme mich. Ich schäme mich so sehr“. „Aber warum denn?“, wollte ich noch einmal wissen. „Weil das noch nicht die ganze Wahrheit war“, antwortete er nach kurzem Zögern und wies meine Hand sanft zurück. „Ich muss noch etwas beichten. Und ich weiß nicht, wie ihr zwei darauf reagieren werdet“. „Sag es uns einfach“, ermutigte ich ihn und lächelte zuversichtlich. „Wir sind offen für absolut alles, das weißt du doch“.
Einen Augenblick lang ließ er sich meine Worte durch den Kopf gehen, bevor er schließlich zustimmend nickte und seinen Blick wieder in unsere Richtung wandte. „Okay“, stimmte er mir zu. „Okay, ich sag es euch. Aber vorher möchte ich noch einmal ganz klar festhalten, dass ihr zwei die besten Freunde seid, die man sich nur wünschen kann und ich euch durch das, was ich gleich sage, nicht wehtun will“.
„Das wissen wir doch“, versicherte ich ihm aufmunternd. „Also, nun sag schon. Was möchtest du noch loswerden?“. „Es gibt einen Grund...“, begann er schließlich seine Erklärung und tippte dabei unablässig mit dem Finger auf sein Knie. „Einen Grund dafür, warum ich so empfinde. Es gibt einen Grund, warum ich seit zwei Jahren weiß, dass ich bisexuell bin. Und dieser Grund bist du, Gary“.
„Was? Ich?“, fragte ich völlig überrascht und musterte ihn. „Ja“, antwortete er knapp und nagte erneut auf seiner Lippe. „Du, Gary. Ich weiß, dass sich das bestimmt blöd anhört, deshalb will ich es euch gerne erklären. Auch wenn das bedeutet, dass ich euch beide verliere“. „Mmh“, erwiderte ich und schüttelte demonstrativ den Kopf. „Das wirst du nicht, Chester. Das wirst du garantiert nicht. Auch wenn ich bereits eine Vermutung habe, worauf du hinauswillst, kann ich dir fest versprechen, dass du uns nicht verlieren wirst. Niemals, okay?“.
„Eine... eine Vermutung?“, fragte er und lief dabei so blutrot an wie wahrscheinlich noch nie zuvor in seinem Leben. „Ja“, stimmte ich ihm zu. „Ich hab schon so eine Idee, was du uns sagen möchtest. Deshalb stelle ich dir jetzt einfach mal eine Frage. Dann wird sich zeigen, ob ich richtig liege“. „Okay“, meinte er mit leiser Stimme und konzentrierte sich dann gespannt auf mich.
Schnell nahm ich Timmy Hand, um seine Reaktionen besser kontrollieren zu können und zu verhindern, dass er sich unnötig aufregte, falls meine Vermutung sich tatsächlich bestätigte. „Chester“, fing ich dann an und hielt dabei jede einzelne seiner Körperbewegungen unter Beobachtung. „Ist es möglich, dass dein Scherz von vorhin überhaupt kein Scherz war?“.
Schuldbewusst und sich voll und ganz im Klaren darüber, dass ich ihn durchschaut hatte, ließ er den Kopf hängen und stieß ein betroffenes Jammern aus. „Ich hab Recht, nicht wahr?“, mutmaßte ich und bemühte mich, dabei ganz fürsorglich zu klingen. „Du hast überhaupt keinen Witz gemacht. Alles, was du gesagt hast, war die absolute Wahrheit, stimmt's?“.
„Mmh“, klagte er leise und wandte seinen Kopf zur Seite, um zu verhindern, dass ich seine Tränen sah. Doch ich rutschte wieder ein Stück auf ihn zu und legte ihm die Hand an die Wange, sodass ihm überhaupt keine andere Wahl blieb als mich anzusehen. „Gary...“, stieß er leise hervor, doch ich bedeutete ihm, ganz einfach nichts zu sagen, sondern nur seinen Gefühlen freien Lauf zu lassen.
„Entschuldigung, könnte mich mal jemand aufklären?“, schaltete sich Timmy ein, der, im Gegensatz zu mir, nicht den geringsten Schimmer davon hatte, worum es überhaupt ging. Doch anstatt ihm zu antworten, schenkte ich Chester ein Lächeln und wischte ihm seine Tränen aus dem Gesicht. „Kannst du es mir sagen?“, bat ich ihn beinahe flüsternd, um ihn nicht noch mehr aufzuwühlen. „Kannst du mir sagen, was du empfindest?“.
„Ich...“, erwiderte er zögernd und schluchzte auf. „Ich... ich hab mich in dich verliebt“. Mit diesen Worten ließ er ein erneutes Klagen verlauten und machte Anstalten dazu, aufzuspringen und wegzurennen, doch ich hielt ihn vorsichtig zurück. „Bitte?“, hakte Timmy ungläubig nach, doch ich hob rasch meine Hand, um ihn zum Schweigen zu bringen, und konzentrierte mich dann voll und ganz auf Chester.
„Sagst du es mir noch einmal?“, bat ich ihn und hätte am liebsten vor Verzückung gekichert, beherrschte mich aber, um ihm nicht das Gefühl zu geben, dass ich mich über ihn lustig machte. „Ich hab mich in dich verliebt, Gary“, wiederholte er betroffen und voller Erwartung der Vorwürfe, die ich jeden Augenblick über ihm ausschüttete. Doch das konnte ich nicht. Das konnte ich beim besten Willen nicht.
Auch wenn es mir einen kleinen Schrecken versetzt hatte, dass Chester so für mich empfand und mir eigentlich bewusst war, dass ich darüber hätte zutiefst entsetzt sein müssen, brachte ich es einfach nicht fertig. Viel zu süß war dafür die Verlegenheit, in der er sich jetzt befand und viel zu groß mein Mitleid mit ihm. Der arme Kerl quälte sich jetzt bestimmt schon eine Ewigkeit damit herum. Und ich Volldödel hatte bis heute noch nicht einmal das klitzekleinste Bisschen davon mitbekommen. Wie oft waren wir – so wie auch gerade eben – schon zusammengesessen und hatten herumgealbert wie zwei kleine Kinder? Wie oft hatte ich Timmy in seiner Anwesenheit niedergeknutscht, ohne mir darüber bewusst zu sein, wie sehr ihn das verletzte? Wie oft hatte ich ihm von meiner glücklichen Beziehung vorgeschwärmt und ihm mein Herz ausgeschüttet, ohne zu wissen, was ich dabei in ihm auslöste? Und wozu hatte all das schlussendlich geführt?
Der Ärmste musste sich ja jetzt wie ein totaler Hornochse vorkommen. Nicht nur, dass er die ganze Zeit über heimlich in den Freund seines besten Freundes verliebt war – zu allem Überfluss hatte er jetzt auch noch ein schlechtes Gewissen, weil er Timmy ständig angelogen und ihm etwas vorgespielt hatte. Und wenn ich mir das ganz deutlich vor Augen hielt: Konnte ich da allen Ernstes noch wütend auf ihn sein, weil er mir seine Liebe gestanden hatte?
Nein, entschied ich schnell. Nein, das konnte ich ihm nicht antun. Denn wenn es unter uns dreien einen Hornochsen gab, dann war das ohne jeden Zweifel ich. Schließlich hatte ich die ganze Zeit über nicht bemerkt, wie verliebt Chester in mich war und dass ihm die Gespräche und Unternehmungen mit mir viel wichtiger waren als er zugab. Umso mehr schuldete ich ihm jetzt den Versuch, mit seinem Geständnis umzugehen und seine Gefühle zu akzeptieren. Gleichzeitig musste ich ihm aber auch klarmachen, dass es für ihn und mich als Paar keine Zukunft gab. Denn mehr als einen guten Freund sah ich in ihm einfach nicht. Mein Herz schlug allein für Timmy. Und daran konnte ich auch nichts ändern, selbst wenn das bedeutete, Chesters zu brechen. So sehr ich es bedauerte und so groß mein Mitleid auch war, aber ich hatte keine andere Wahl. Er musste wissen, woran er bei mir war. Dass ich ihn als Freund zwar schätzte, mich aber niemals auf eine Beziehung mit ihm einlassen wollte und auch nicht konnte. Es ging nicht. So Leid es mir auch tat.
„Du... du bist in Gary verliebt?“, fragte Timmy und unterbrach damit meine Gedanken. „Ja“, brachte Chester heulend hervor und sah ihm beschämt ins Gesicht. „Ja, okay? Ja, verdammt, ich hab mich in ihn verliebt“.
„Wie... wie kannst du?“, flüsterte Timmy fassungslos und sprang rasch auf. „WIE ZUM TEUFEL KANNST DU NUR?!“. Rasend vor Wut ging er auf Chester los, noch ehe ich die Möglichkeit bekam, ihn aufzuhalten, und schubste ihn unsanft vom Sofa herunter. „Was fällt dir ein?!“, zeterte er weiter und verpasste ihm mit der Faust einen Schlag in die Magengrube. „Was zum Teufel glaubst du, wer du bist?! Mir meinen Freund ausspannen, ja? Das ist es also, was du willst! Du Schwein. Du verfluchtes Schwein!“.
Zu schwach, um sich gegen ihn zur Wehr zu setzen, musste Chester noch einige Schläge von Timmy einstecken, von denen einer ihn direkt ins Gesicht traf. „Timmy!“, rief ich entsetzt aus, als ich ihn dabei beobachtete, wie er mit seinem Fuß so heftig in Chesters Allerheiligstes trat, dass dieser sich vor Schmerzen wand und ihm heiße Tränen kamen. „Schwein!“, brüllte Timmy wieder und wollte noch einmal zuschlagen, wurde dabei allerdings von mir aufgehalten. „STOPP!“, schrie ich ihn an und stellte mich schützend vor Chester auf. „Hör auf damit! Sofort!“.
Erst in diesem Moment schien er richtig zu realisieren, was er gerade getan hatte und ließ seine zum Schlag bereite Faust abrupt sinken. Chester unterdessen heulte noch einmal vor Schmerz auf und wand sich hin und her, hielt sich mit beiden Händen sein Allerheiligstes und schien noch gar nicht registriert zu haben, dass seine Lippe leicht angefangen hatte zu bluten.
„Bist du verrückt?!“, brüllte ich Timmy an und ging neben Chester auf die Knie. „Was zum Teufel ist denn in dich gefahren?! Hast du sie nicht mehr alle oder was?!“. „Chester...“, brachte er piepsend hervor, offenbar selbst geschockt über das hohe Gewaltpotenzial, das er gerade eben zutage gefördert hatte. „Chester, mein Gott! Nein!“. „Fass ihn bloß nicht an!“, keifte ich, als er Anstalten dazu machte, ihm wieder aufzuhelfen. „Du hast doch wohl nicht mehr alle Latten am Zaun! Wie kommst du dazu, deinen besten Freund zu schlagen?!“.
„Ich... ich...“, erwiderte Timmy schuldbewusst und schüttelte sich, war sich offensichtlich selbst nicht ganz klar darüber, was er angerichtet hatte. „Chester“, sagte ich unterdessen leise und ebenfalls aufgelöst. „Meine Güte, Chester. Du Armer“. Vorsichtig streichelte ich seine Wange und besah mir kurz seine Lippe, um sicherzugehen, dass es sich um keine ernsthafte Verletzung handelte.
Dann hakte ich meinen Arm bei ihm ein und half ihm behutsam dabei, wieder auf die Beine zu kommen. „Au“, heulte er währenddessen noch einmal und warf Timmy einen tränenblinden Blick zu. „Chester...“, sagte dieser daraufhin, ebenfalls nahe am Weinen, und biss sich heftig auf die Lippe. „Wie konnte ich nur? Wie konnte ich das nur tun?“. „Hol zwei Decken und eine Wärmflasche“, wies ich ihn an, als ich mich neben Chester aufs Sofa setzte. „Schnell“.
„Ja...“, antwortete Timmy, noch immer wie benebelt, und flitzte so schnell es ihm möglich war in die Küche hinüber. Unterdessen drückte ich Chester vorsichtig nach unten und legte ihm ein Kissen unter den Kopf, noch immer in großer Sorge und mit kaum zu haltender Wut auf Timmy. „Armer Chester“, sagte ich ihm noch einmal und spürte ebenfalls Tränen in meinen Augen. „Wie kann Timmy das bloß mit dir machen? Und alles nur wegen mir“.
„Es... es geht schon wieder“, behauptete er, nachdem er sich selbst ein bisschen beruhigt hatte, und tastete seine Lippe ab. „Es ist... überhaupt... nicht so schlimm. Schließlich bin ich doch selber Schuld“. „So ein Blödsinn!“, protestierte ich und streichelte ihm über die Wange. „Du hast überhaupt keine Schuld. Timmy hätte niemals so ausrasten dürfen. Wenn hier jemand Schuld hat, dann ausschließlich er“.
„Ich hab es gewusst“, erwiderte er schluchzend. „Ich hab gewusst, dass ich ihn verlieren werde, wenn ich es dir sage. Er ist völlig zu Recht sauer auf mich. Was muss ich auch so dumm sein und mich ausgerechnet in seinen Lebensgefährten verlieben? Etwas Blöderes kann man ja wirklich nicht anstellen. Er hasst mich nach dieser Geschichte bestimmt über alles. Und ich kann es ihm nicht mal übel nehmen. Schließlich war ich ja der Depp, der sich verliebt hat“.
„Das stimmt nicht“, antwortete Timmy, als er, mit einem Heizkissen und zwei großen Wolldecken auf dem Arm, zurück ins Wohnzimmer kam. „Das stimmt nicht, Chester. Wirklich nicht. Wenn hier jemand ein Recht dazu hat, wütend zu sein, dann du. Ich hätte niemals so grob auf dich losgehen dürfen. Egal, was du für Gary empfindest oder nicht. Aber das hast du nicht verdient. Ich bin so ein Trottel. So ein dämlicher Trottel bin ich“.
„Schön, dass du es einsiehst“, kommentierte ich spöttisch seine Erkenntnis, hielt jedoch inne, als Chester mich vorsichtig an die Hand nahm. „Bitte streitet euch nicht meinetwegen“, sagte er und probierte trotz seiner Schmerzen ein Lächeln. „Das bin ich doch überhaupt nicht wert. Ihr zwei seid so ein wunderbares Pärchen. Verkracht euch bitte nicht, nur weil ich nicht in der Lage bin, mich zu beherrschen und meine Gefühle zu kontrollieren“.
„Chester“, antwortete Timmy als er sich neben ihm auf die Knie fallen ließ und kurz sein Gesicht streichelte. „Chester, ich bin ein Idiot. Der dümmste, den es auf dieser Welt nur geben kann. Wie konnte ich denn bloß dermaßen ausflippen und dir so etwas antun? Du bist doch mein bester Freund. Und ich richte dich so zu. Was bin ich denn nur für ein Mensch?“.
„Timmy, bitte“, erwiderte er und umschloss fest seine Hand. „Bitte sag doch so etwas nicht. Mach dir nicht unnötig Selbstvorwürfe, das bringt sowieso nichts. Lass uns bitte diese Sache vergessen, okay? Nun, das heißt, sofern du mir verzeihen kannst“. „Chester...“, schluchzte Timmy berührt und ließ die Hand über sein blondes Haar gleiten. „Bitte verzeih mir, Timmy“, wiederholte Chester aufrichtig. „Verzeih mir, dass ich so unbeherrscht bin und meine Gefühle verrückt spielen. Verzeih mir, wenn ich dir durch mein Geständnis das Vertrauen in mich genommen habe“.
„Oh Chester...“, erwiderte Timmy und versuchte, trotz seines emotionalen Ausbruchs zu lächeln. „Natürlich verzeihe ich dir. Du bist doch mein allerbester Freund. Und ich habe dich lieb. Ich habe dich unendlich lieb“. „Ich dich auch, Timmy“, erklärte Chester, sein Lächeln erwidernd, bevor er sich wieder an mich wandte. „Und dich auch, Gary“, fügte er hinzu, mit einem Mal wieder ganz verlegen. „Du musst mir glauben: Ich wollte mich nicht in dich verlieben. Das wollte ich wirklich nicht. Ich weiß ja, dass du zu Timmy gehörst und nichts von mir willst. Aber weißt du, damals, als er dich mir vorgestellt hat, da ist es einfach passiert. Ich hab nur einmal kurz in deine Augen sehen müssen – und schon war es geschehen. Ich hatte überhaupt nicht die Chance dazu, mich dagegen zu wehren. Es tut mir Leid“.
„Dir muss nichts Leid tun“, erklärte ich ihm, verständnisvoll und verzückt zugleich. „Gegen die Liebe kann man sich nicht einmal mit der stärksten Waffe wehren. Das weiß ich aus eigener Erfahrung nur zu gut. Deshalb musst du dich für rein gar nichts bei mir entschuldigen, wirklich nicht. Weißt du, irgendwie finde ich es sogar richtig süß, dass du so für mich empfindest. Und jetzt verstehe ich auch, warum du so heftig mit mir geflirtet hast“.
Ein leises Kichern entkam mir, das Chester abrupt wieder rot werden ließ. „Hey“, sagte ich daraufhin und fuhr noch einmal über seine Wange. „Keine Angst. Das muss dir nicht unangenehm sein. Glaub mir, ich weiß, wie das ist, wenn man sich bis über beide Ohren verliebt. Und deswegen sollst du auch wissen, dass es völlig okay für mich ist, solange wir es eben nur bei solch harmlosen Flirts belassen. Denn auch wenn ich dich wirklich gern habe und ehrlich finde, dass du ein hübscher und süßer Junge bist, ändert das nichts daran, dass wir nur gute Freunde sind. Mein Herz gehört ganz allein zu Timmy. Das weißt du doch, oder?“.
„Sicher“, bestätigte er und stieß ein erleichtertes Seufzen aus. „Sicher weiß ich das, Gary. Und ich kann dir gar nicht sagen, wie endlos glücklich ich bin, dass du trotzdem noch mein Freund sein willst. Das werde ich dir nie vergessen“. „Hey Chester, das ist doch klar“, erwiderte ich verständnisvoll. „Du kannst schließlich auch nichts für deine Gefühle. Genauso wenig wie Timmy oder ich. Deshalb sollst du wissen, dass ich dich immer gern haben werde, egal, was auch passiert. Aber eben nur als guten Freund, okay?“.
„Dasselbe gilt auch für mich“, schaltete sich Timmy wieder ein und schenkte ihm ein aufmunterndes Lächeln. „Auch für mich wirst du immer mein allerbester Freund bleiben, Chester. Denn auch mir ist klar, dass du nichts dafür kannst. Es ist nun einmal so, wie es ist. Und es tut mir unendlich Leid, dass ich so ausgerastet bin. Das wollte ich nicht, Chester. Ich schäme mich ja so dafür“.
„Bitte nicht, Timmy“, erwiderte er und setzte sich ganz langsam wieder hoch. „Bitte lass die Selbstvorwürfe gut sein. Ich bin nicht böse auf dich. Ehrlich nicht. Darum schlage ich vor, dass wir die Sache jetzt einfach vergessen, okay?“. „Klar“, bestätigte Timmy ihm und nickte. „Allerdings wäre da noch eine Sache, die ich dich unbedingt fragen muss“. „Oh“, entgegnete Chester überrascht, woraufhin Timmy mich bat, ein Stück zur Seite zu rutschen, und im Anschluss vor im auf die Knie ging.
„Chester McBadbat“, sagte er und nahm seine Hand. „Möchtest du mein Trauzeuge sein?“. „Bitte... bitte was?“, erwiderte Chester baff und konnte es nicht vermeiden, dass ihm dabei der Mund aufklappte. „Du hast schon richtig gehört“, erklärte Timmy ihm mit einem Grinsen. „Ich weiß, dass ich vielleicht mal wieder ein bisschen vorschnell handle, schließlich haben Gary und ich bezüglich der Hochzeit noch überhaupt nichts beschlossen. Aber für den Fall der Fälle möchte ich unbedingt meinen besten Freund an meiner Seite wissen, wenn ich diesen großen Schritt mache. Deswegen, Chester: Willst du?“.
„Oh Timmy...“, antwortete er, immer noch völlig perplex, und schlug sich eine Hand vor den Mund. „Klar will ich! Was denkst du denn?“. „Super“, entgegnete Timmy begeistert und wandte sich dann mit einem Lächeln mir zu. „Hast du das gehört, Gary Baby? Der Hochzeit steht nichts mehr im Wege“.

Als ich mich am Abend dieses Tages neben Timmy ins Bett fallen ließ, nachdem ich zuvor noch eine lange, heiße Dusche genommen hatte, schwirrten mir noch immer die aufregendsten und verrücktesten Dinge durch den Kopf. Völlig zweifelsfrei war es ein aufschlussreicher und emotionaler Tag für uns alle gewesen, das musste man ganz klar festhalten.
Denn nicht nur, dass Chester mir seine wahren Gefühle für mich gestanden und damit viel Mut bewiesen hatte, auch Timmy hatte mich mit den ersten Plänen für unsere gemeinsame Hochzeit sehr positiv überrascht. Und dass er ausgerechnet Chester darum gebeten hatte, sein Trauzeuge zu werden, machte mir einmal mehr ganz klar deutlich, was für ein großes und reines Herz er in sich trug. Ein Herz, für das absolut alles zu tun ich jederzeit und überall bereit war.
„Hey, mein Verlobter“, sagte Timmy leise zu mir, als ich zu ihm unter die Decke kroch. „Ich hab mich schon gefragt, wo du so lange steckst“. „Glaubst du, meine Haare sehen von allein so aus?“, erwiderte ich und deutete mit dem Finger nach oben zu meiner Frisur, was Timmy herzlich zum Lachen brachte. „Ins Bett gehen und sich vorher die Haare machen“, stellte er fest und grinste mich an. „Klar, macht Sinn“.
„Hey, für dich muss ich doch immer gut aussehen“, verteidigte ich mich und zwinkerte ihm verspielt zu. „Das tust du doch ohnehin schon, Garylein“, versicherte er mir und atmete demonstrativ hörbar auf. „Und zwar immer“. „Soll ich einen Putzlappen holen?“, neckte ich ihn kichernd. „Oder willst du auf deiner Schleimspur ausrutschen, Tim-Tim?“. „Hey, ich schleime nicht“, behauptete er und schüttelte heftig seinen Kopf. „Ich lege nur Tatsachen auf den Tisch“.
„Sicher doch“, erwiderte ich und wuschelte ihm einmal kurz durch die Haare. „Genauso tatsächlich wie du heute auf Chester losgegangen bist?“. Augenblicklich bereute ich meine Worte, als Timmy deprimiert den Blick senkte und auf seiner Unterlippe herumnagte. „Hey Tim-Tim“, sagte ich und streichelte seine Wange. „Tut mir Leid. Das war blöd von mir. Ich mal wieder mit meiner großen Klappe“.
„Schon okay, Garylein“, antwortete er und seufzte. „Ich wollte mich ohnehin noch einmal ganz ausdrücklich bei dir dafür entschuldigen. Außerdem hast du ja Recht. Mein Verhalten heute war wirklich unterste Schublade. Natürlich ist mir klar, dass Chester nichts für seine Gefühle kann. Aber weißt du, als er das so direkt gesagt hat, bin ich einfach eifersüchtig geworden“.
„Oh Tim-Tim“, entgegnete ich und lächelte ihn an. „Mein Süßer, dazu hast du doch gar keinen Grund. Auch wenn Chester sich in mich verliebt hat, ändert das doch nichts an meinen Gefühlen für dich. Ich will dich, Timmy. Nur dich, okay? Darum mach dir bitte keine Sorgen, wenn du uns in Zukunft hier und da ein bisschen rumflirten siehst. Das machen wir nur aus Spaß und es hat nicht das Geringste zu bedeuten. Du bist der Mann, den ich liebe, Timmy. Und es wird auch immer nur dich für mich geben. Vergiss das bitte nicht, okay?“.
„Okay“, bestätigte er mir und gab mir ein Küsschen auf die Wange. „Danke, Gary Baby“.
„Lass uns jetzt lieber über etwas anderes sprechen, ja?“, schlug ich ihm vor und grinste verführerisch. „Denn ich glaube, ich wüsste da etwas, mit dem wir uns die Nacht noch ein bisschen versüßen können“. „So?“, erkundigte er sich gespielt skeptisch. „Woran hattest du denn dabei genau gedacht?“.
„Keine Sorge, Tim-Tim“, erklärte ich ihm, während ich mich ein Stück über ihn beugte. „Es wird dir ganz bestimmt gefallen. Da bin ich mir absolut sicher“.
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