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The Flying Doctors - Solitariness

Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Familie / P16 / Gen
Dr. Chris Randall Dr. David Ratcliffe Dr. Geoff Standish Dr. Tom Callaghan Kate Wellings/Standish OC (Own Character)
07.12.2016
23.02.2017
11
36.009
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19.02.2017 4.177
 
Solitariness - Einsamkeit





9. KapitelEin Notfall kommt selten allein


Im Auto hörte er, wie Daniel sich mit deutlicher Hast in der Stimme einen Ratschlag von Geoff einforderte. Offenbar rutschte der Junge in den Schock ab, obgleich die dritte Ringer lief und die Blutung gestillt war, auch die Lunge schien laut Daniel wieder zu arbeiten, doch statt einen stabilen Patienten hatte er einen Jungen, dessen Zustand sich zusehends verschlechterte.
David starrte finster auf den Funk im Wagen.
Von Geoff war gerade nichts zu hören, doch ihm fiel plötzlich etwas ein. Er griff hastig nach dem Funk zwischen sich und Peter. „Dr. Ratcliffe ruft Kilo Foxtrot Hotel“

>Hier Kilo Foxtrot Hotel. Wir hören dich David.<

„Daniel? Taste seine rechte Seite ab, die Flanke bis in den Rücken, Wärme, gespannte Muskeln? Klopf die Flanke und den Rücken auf Nierenhöhe ab.“
Er konnte sich regelrecht vorstellen wie seinem Kollegen das Adrenalin durchschoss und wie Geoff, aber auch Tom an ihren Funkgeräten sich anspannten. Er hoffte wirklich er irrte sich. Mit mulmigen Gefühl hielt er selbst die Luft an.

>Daniel an Geoff und David. Die Flanken sind o.B. Ich habe den Thorax zu Ende zugenäht, Drainage liegt, Patient weiter instabil, Schockzustand, er.... Mist!....<

>Daniel!?<

>Kilo Foxtrot Hotel?!<, erklang nun auch Toms Stimme, wo die Verbindung mitten im Satz abgebrochen war.
David lauschte sorgenvoll.“

xxx


Daniel schüttelte den Kopf und begann ein weiteres mal, dieses mal noch gründlicher den Bauch abzutasten. Er kniff die Augen zusammen. „Volumenmangel, aber Blutungen im Thorax gestoppt. Abdomen o.B., wo blutet er also noch derart stark? Cassi?“
Sie sah ihn hilflos an, er schaute an die Decke, atmete tief durch und ließ den Kopf ruckartig wieder hinunter zucken, sein Blick glitt seinen Patienten hinab und blieb an seinen Beinen hängen. Das linke Knie war gebrochen, offener Bruch der Tibia, Cassi hatte ihn verbunden, noch drau...
Er griff nach dem linken Oberschenkel. „Verdammter Mist!“, fluchte er, „Sam! Schneide die Hose auf, mach den Oberschenkel frei und desinfizieren! Cassi, ich brauche frische Handschuhe!“

Er sah hinter sich zu Sam, er war mit der Hose fertig und kippte das eingefärbte Desinfektionsmittel großzügig über den Oberschenkel. „Johnno? Funk!“
Während er die neuen Handschuhe von Cassi angezogen bekam, die anschließend Sam frische Handschuhe anreichte betastete er den Schenkel des Jungen genauer. „Geoff? Oberschenkel gespannt und hart, besonders im Bereich des geraden Muskels auch warm. Ich schneide.“
>Vorsichtig, achte darauf, ob es womöglich auch noch muskuläre Blutungen gibt.<
Er nickte.
Johnno antwortete statt ihm: „Er hat verstanden.“

Daniel arbeitete fieberhaft. Cassi, längst ruhig und aufmerksam dabei reichte ihm Tupfer und Klemmen unter knappsten Ansagen von ihm und teils auch ungefragt. Als er die Blutung durch die Arterie gestoppt hatte, betrachtete er das umliegende Gewebe genauer und sah dann zu Sam. „Meine Stirn.“
Seine Sorge der Pilot könnte nicht verstanden haben verschwand sofort, Sam griff sich eine Kompresse und wischte ihm über die Stirn. „Danke. Mmh...“, sorgenvoll betrachtete er den Muskel und sah zu Johnno. „Geoff?“
„Geoff? Daniel braucht dich.“, gab Johnno weiter und Momente später meldete sich der Chefarzt.

xxx


David riss die Tür der Klinik auf und sah sich suchend um, doch statt Aurelia die er erwartet hatte, oder sonst einem bekannten Gesicht, trat ihm ein gänzlich unbekanntes und dann ein unerwartetes gegenüber. „David!“, Emma kam auf ihn zu und deutete auf die ihm Fremde in Schwesternkluft. „David? Das ist Veronika Katharina Evans, eure neue Schwester. Veronika? Dr. David Ratcliffe, der dritte Arzt im Bunde.“
„Ähm... hi?“
„Sie sind... alleine?“
„Aurelia ist zu den Bartons gegangen. Zwei der Kinder haben hohes Fieber. Sie wollte die anderen drei nicht stören und meinte sie kann sich immer noch über Funk melden, ist es nötig.“
„Emma? Du weißt noch wo das Telefonbuch ist?“
„Klar, willst du die Nummer der Bartons?“
„Ja, such sie mir raus und ruf mich, wenn du Aurelia dran hast. Veronika? Kommen sie mit, wir bereiten den Op vor.“
„Wofür?“
„Mein Gefühl sagt mir, wir werden ihn noch mal für den Jungen brauchen.“

„Ähm okay?“
„Keine Sorge, ich zeige Ihnen wo sie alles finden.“
Sie nickte, folgte ihm stumm und half ihm den Op, wie auch eines der Überwachungszimmer vorzubereiten. Irgendwann rief Emma nach ihm und nachdem er mit Aurelia die Therapie der Barton- Kinder abgestimmt hatte ging er hinüber in die Zentrale und setzte sich an den Funk.
Daniel setzte sie gerade über den Verlauf der Op in Kenntnis und gab die aktuellen Werte durch. Er war sich unsicher, was einen Flug anbetraf. Doch Geoff war sehr deutlich, in seiner Anweisung, sie sollten fliegen und das Gleich, ehe doch noch etwas hinzu kam. >... und ich werde euch Kate zurück schicken, sie...<

„Viktor Charlie Charlie an die anderen Ärzte: Das wirst du nicht Geoff, bleib wo du bist, mit Kate. Und du Tom, warte in Ruhe darauf das Johnno oder Sam dich später mit Patient abholen, ich bin in der Klinik. Ich wiederhole: Ich bin jetzt hier.“

>Danke David.<
Geoff klang erleichtert.
>Ich kann auch vorher zurück kommen, dich ab... gegen Mittag ablösen David. Mein Patient braucht mich... uns nicht mehr.<
>Tom?<
>Der alte Ian ist friedlich eingeschlafen.<
„Lass dir Zeit Tom.“, wiederholte David und stand dann auf. Sams Stimme meldete sich, der Pilot erklärte sie kämen wohl voraussichtlich gegen zwanzig Uhr an. Es folgte noch ein kurzer Austausch zwischen Geoff und Daniel.

David stand auf, er ging hinüber in die Klinik und setzte sich zu den beiden Schwestern. Emma hatte sich vor gut fünfzehn Minuten ins Majestic verabschiedet. Er nahm wortlos die Kaffeetasse entgegen die Aurelia ihm reichte. Nachdem er einen Schluck getrunken hatte warf er einen Blick auf die Akte, welche die Schwester vor sich hatte. Sie setzte gerade ihre Unterschrift, dann klappte sie zu und hielt sie ihm hin. „Die Barton Kinder, du oder einer der anderen drei?“
„Die haben längst Feierabend bis sie Morgen ankommen und Daniel sollte auch erst schlafen sobald der Junge versorgt ist.“
„Also du.“, grinste die Schwester und reichte ihm die Akte. Er legte sie vor sich auf den Tisch und seufzte. Er schüttelte den Kopf. „An Tagen wie diesem frage ich mich, wie wir das ernsthaft zu dritt oder sogar zu zweit geschafft haben, früher.“
„Wenn es nicht anders ging?“, fragte Aurelia und schüttelte den Kopf. „Du kennst das, sie hätten abwägen müssen.“
„Heute hätten sie dann womöglich ein Baby und einen Jugendlichen verloren.“
„Vielleicht. Oder auch nicht, die Geburt hätte Kate womöglich doch alleine geschafft, wissen wir es?“
Er seufzte und nickte schließlich, ehe er auf die andere Tischseite zu der Neuen sah. „Also... es geht hier nicht immer so... chaotisch und... aber naja, es kommt vor.“
„Ich denke... der Vorteil ist, da ich direkt im Wasser gelandet bin, muss ich mich jetzt nicht mehr zwei Tage verrückt machen wie der erste Tag sein wird.“, sie zuckte mit einem leichten Lächeln im Gesicht die Achseln als er zu ihr sah.

Veronika bemerkte genau wie der Arzt sie musterte und sie zuckte die Achseln. „Ich wollte später einmal zu einer fliegenden Einheit, es ging jetzt etwas schneller wie geplant und... mehr ins Outback wie gedacht aber... das die Arbeit hier nicht immer so ganz nach Plan laufen wird wusste ich vorher, richtig?“
„Also... bei manchen Kollegen, die aus der Stadt, oder auch dem Ausland kamen war ich mir da nicht immer sicher, dass... das klar ist und sie sich dessen bewusst waren meine ich.“, stellte der Arzt vor ihr fest, „und nicht gerade wenige waren auch rasch wieder weg.“

„Mr. Brooks meinte dies sei einer der Stützpunkte mit der größten Fluktuation, aber auch mit der größten Rückkehr- Quote? So ganz verstanden habe ich das ehrlich gesagt nicht.“ Sie bemerkte wie Schwester und Arzt sich schmunzelende und belustigte Blicke zu warfen.
„Nun... viele sind früher oder später mal gegangen, aus unterschiedlichen Gründen.“, erklärte ihr Aurelia und fügte hinzu, „nehmen wir Dr. Callaghan. Er ging nach Afrika, um dort zu helfen, nachdem er beim Ausbruch von Cholera unter anderem ein liebgewonnenes Kind verlor kam er zurück. Erst ins Outback, dann zu uns. Viele von den Schwestern gingen der Liebe wegen, zogen auf Farmen in der Gegend, aber zu weit draußen um weiter zu arbeiten, oder fielen nur einige Zeit aus, bis die Kinder groß genug waren.“
„Die beiden Standish sind gegangen um in der Stadt zu leben, sie kamen nach einem Besuch hier schließlich ganz hier her zurück. Ihnen ist klar geworden das sie die Menschen, das viel ruhigere Leben, die Natur, eben alles hier der Schnelllebigkeit, aber auch der Bequemlichkeit der Stadt vorziehen. Dr. Randall kam aus ähnlichen Gründen wieder, zur Zeit ist sie zu Hause bei ihrem Baby.“
Neugierig geworden musterte sie die beiden Personen vor sich. „Was ist... mit Ihnen beiden?“
„Du, bitte, das machen hier alle, ich bin David“
„Okay.“, sagte sie, und kehrte grinsend zu ihrer Frage zurück, „Also?“

„Ich bin erst vor knapp einer Woche wieder angefangen.“
„Aber eigentlich... warst du nicht weg.“, bemerkte Aurelia und nahm einen Schluck Kaffee. Er sah sie merkwürdig an, schüttelte den Kopf, sie aber nickte. „Du warst nicht arbeitsfähig.“
„Davor hatte ich gekündigt.“
„Du hast nie einen neuen Vertrag unterschrieben, weil die Kündigung nie vollzogen wurde.“
Der Arzt grinste: „Okay du hast gewonnen. Also Kurzfassung: Ich wollte gehen, hatte dann aber einen Einsatz während dem ich um ein Haar an einer Felswand hängend aus dem Seil gefallen wäre. Ich habe mich halten können, bin jedoch böse mit dem Kopf und dem Rücken, der Seite angeschlagen. Zunächst ging es mir prima und auf dem Rückflug... sagen wir einfach ich habe meinen Kollegen einiges an Sorge und Mühe bereitet. Danach bin ich etwas mehr wie drei Monate ausgefallen und vor sieben, nein acht Tagen wieder angefangen. Im Moment... habe ich Stützpunktdienst, Ausnahme bilden die kleineren Visiten.“
„Und ich bin bei jedem meiner ersten fünf Kinder für einige Zeit zu Hause gewesen und danach nur Stundenweise zurück gekommen. Inzwischen gibt es die ersten Enkel und da ich dort gefordert bin, arbeite ich noch immer nur Stundenweise.“

Veronika nickte, wenn sie das ganze so richtig betrachtete, dann schien es als wären alle Schwestern und Ärzte im Großen und Ganzen wieder zurück gekommen, früher oder später. So fern sie selbst und Kollegen nicht festgestellt hatten, dass die Arbeit hier für sie nichts war.
„Veronika?“
Eine Hand auf ihrem Arm ließ sie zusammen zucken und erschrocken sprang sie auf. Sie blickte sich hektisch um, bekam ihre Atmung wieder unter Kontrolle und blickte den Arzt entschuldigend an. Sein Blick jedoch blieb sichtlich beunruhigt. „Alles gut?“
Sie nickte hastig. „Ich... ähm... ja. Ich muss mal... wohin.“

David und Aurelia tauschten einen besorgten Blick und warteten das die Neue außer Hörweite war. „Sie macht einen kompetenten ersten Eindruck, sie kann gut auch mit unseren beiden speziellen Fällen. Aber... das eben...“
„Sie hatte Angst. Warn die anderen vor, aber... dezent. Wir wissen nicht was passiert ist.“
„Wenn du mich fragst, dann... ist... sie vor etwas davon gelaufen.“
„Vielleicht... brauchte sie nach dem was immer ihr passiert ist aber auch einfach eine neue Umgebung? Wir wissen es nicht.“
„Ach komm! Wir kennen das doch, sie kommen hier her, erkennen das der Ortswechsel nicht hilft, oder das sie nur sich selbst ändern müssen und sind weg. Veronika ist weggelaufen, wie die anderen. Die Frage ist nur... vor sich, oder jemandem.“

„Der Doc hat Recht.“

Sie hoben verwundert die Köpfe. Am Tresen stand ein junger Mann, vermutlich in seinem Alter und er schaute sie beide ernst an. „Sie hat schreckliches erlebt und kam zu mir. Aber nicht alles legt man ab wie eine Akte. Einiges verfolgt einen. Sie läuft nicht weg, sie haben Recht Doc. Ähm... wo ist sie?“
„Und... ähm... Sie sind?“, fragte David und stand auf. Wachsam trat er auf den Mann zu, der ihm so gar nicht bekannt vorkam. „Ich kann mich nicht erinnern Sie schon einmal gesehen zu haben.“
„Ich habe den Funk im Majestic repariert, letzte Woche. Sie und die anderen Ärzte, einige Schwestern haben etwas gefeiert wie es mir schien. Rikard Evans.“, er reichte ihm die Hand.
„Ich wusste nicht, dass Veronika verheiratet ist!“, rief Aurelia lächelnd aus und kam zu ihnen.

„Sind wir auch nicht. Rik ist mein Bruder.“
Veronika trat von hinten an besagten Mann heran und legte ihm eine Hand auf die Schulter. „Was tust du hier?“
„Ich war in Sorge, du kamst nicht wieder zurück. Aber... wie mir scheint bist du schon voll dabei?“
„Ja geh nach Hause, ich komme...“, sie zuckte die Achseln, „wenn ich nicht mehr gebraucht werde.“
Florian, küsste ihre Stirn, verabschiedete sich und verschwand. Sie seufzte. Sie wusste nicht, wie es für die anderen war, das ihr Bruder ihr offensichtlich nachlief, doch sie selbst fühlte sich durch seine kurze Anwesenheit gleich viel, viel besser. Sie atmete tief durch und schaute hinüber zu Aurelia. „Du hast Morgen wieder Dienst, nicht wahr?“
„Ja theoretisch, aber ich rufe Morgen früh einfach bei Ruth oder Nelly an, im Notfall helfen sie aus. „Oder du gehst jetzt Heim und kommst zum Dienst wieder.“
„Nein. David hat Recht vermutlich muss der Junge direkt zur Nachsorge nochmal in den Op.“
„Ich habe in England als EMT-P gearbeitet und nur nebenbei in einer Klinik. In Deutschland habe ich eine Fortbildung zur OP- Schwester gemacht. Ich denke... ich bin qualifiziert genug und eine der Schwestern kommt ja mit dem Patienten wieder.“

Aurelia und er wechselten einen kurzen Blick. Er hatte vorhin in ihre Unterlagen geschaut und wusste um die Qualifikationen, dennoch hätte er sie nicht einfach schon für den OP eingeteilt. Er stand auf. „Aurelia? Schalt draußen schon mal die Lichter an und mach deine Runde.“
„Okay.“

Veronika war sich ziemlich sicher, dass der Arzt die Schwester einfach nur fortgeschickt hatte, um zu reden. Sie seufzte und sah ihn abwartend an. Doch hinsetzen tat sie sich nicht, auch nicht als er ihr bedeutete Platz zu nehmen, sie schüttelte den Kopf.
„Ich weiß, das du die Qualifikationen hast, aber... wenn dich im OP jemand anrempelt? Ich kann eine Reaktion wie eben dort drinnen nicht gebrauchen.“
„Ich war nicht... auf eine Berührung vorbereitet, es kam... zu plötzlich, ich will nicht darüber reden.“
„Müssen wir nicht. Aber wird es im OP auch passieren?“
„Nein, ich weiß, dass es dort passieren kann und schon um sich gegenseitig nicht im Weg zu sein, hat man dort die anderen und den Patienten im Auge.“
Er nickte. „Also gut.“, der Arzt stand auf. „Ich sehe nach, wann sie ankommen?“
„Danke.“
Er drehte sich scheinbar irritiert zu ihr herum. „Wofür denn?“
„Das es keine weiteren Fragen gibt. Kein Verhör.“
„Ich hoffe, dass Sie... du kommst wenn du reden willst, zu wem auch immer und solange es die Arbeit nicht beeinflusst....“, er zuckte mit den Achseln.
„Wird es nicht, nur... vielleicht... Ansprache ist immer besser als plötzliche Berührung, tut... tut mir Leid.“

David nickte und als er Aurelia sah schickte er sie kurzerhand nach Hause. An der Funkstation rief er Daniel und Johnno in der Nomad und ging wieder in die Klinik hinüber als er seine Antwort hatte. Die neue Schwester aber musste er erst einmal suchen. Er fand sie im leeren Monitorzimmer, sie war dabei es vorzubereiten. Das Bett war bereits bezogen und sie stellte eben Wasserbecher und Flasche auf die Kommode.
„Wie ich sehe, findest du bereits alles?“
„Und wenn nicht werde ich fragen, keine Sorge.“
Er nickte und wandte sich ab. „Sie sind in circa zwanzig Minuten hier, sie landen gleich.“
„Der Patient?“
„Stabil. Aber wir brauchen Blutkonserven, ist gut das Aurelia sie vorhin schon geholt hat. Ich gehe nach vorne und warte auf die anderen.“
„Bin auch gleich da.“, rief sie ihm halblaut nach und er lächelte. Er sollte die anderen wirklich bald warnen sie unerwartet zu packen, aber immerhin haderte sie nicht damit selbstständig zu agieren. Wir werden sehen wohin uns das führt. Wie sie sich weiterhin verhält.

Veronika!“

Sie lief eilig den Flur entlang, machte dann aber kehrt als sie sah, dass er die Außentür aufhielt. Mit einigen raschen Schritten war sie an der OP- Tür und öffnete die Doppeltüren, ließ sie am Boden einhaken und trat rasch zur Seite. Hinter David, der den anderen gefolgt war schloss sie die Türen wieder und lief den Kollegen nach. Es ging alles recht schnell und bedachte sie die Tatsache, dass die beiden Ärzte sich kaum kannten und einer von ihnen vor nicht mal zwei Wochen erst hier begonnen hatte erstaunlich wortlos. Die doch noch um einiges jüngere Cassi, welche sie früher am Tag schon kennengelernt hatte verstand es ebenso wortlos Instrumente und Medikamente herbei zu holen, wie sich die zwei Ärzte verständigten. Staunend und interessiert beobachtete sie und reichte an, was immer verlangt wurde.
Nach nicht mal fünfzehn Minuten waren sie mit Röntgen und Ultraschall fertig. David Ratcliffe kontrollierte im Anschluss die Arbeit seines Kollegen, entschied einen Teil der Naht am Brustkorb zu öffnen und eine zweite Drainage einzubringen. Die beiden waren in kürzester Zeit damit fertig, es folgte die Versorgung des Beinbruchs und des umliegenden Gewebes, was Dr. Reet am Unfallort nur notdürftig versorgt und steril abgedeckt hatte. Der ältere Arzt fragte fast schon beiläufig welche Therapie und weitere Wundversorgung der jüngere ansetzen würde, nickte die Antwort ab und lächelte Reet zu. „Dann... kommen Sie hier klar?“

Daniel nickte und sah auf: „Cassi? Hilfst du mir?“
„Klar.“
„Veronika?“
„Ich bin hier.“
David nickte ihnen zu und ging hinaus.

Nach der Behandlung des Jungen war er noch sicherer, dass Veronika wusste was sie in Bezug auf ihre Arbeit tat. Sie schien routiniert und konzentriert bei der Sache gewesen zu sein, viel weniger nervös wie Daniel, oder Cassi. Ihr fehlte lediglich noch der komplette Überblick über die Räumlichkeiten. Gähnend verließ er den OP- Bereich, er streckte sich ausgiebig und rieb sich den unteren Rücken. Ich muss mich gleich unbedingt mal hinlegen und dann...
„Wusste ich doch das du mich gebrauchen kannst.“
Er sah überrascht auf und fand sich trotz der nächtlichen Stunde einer feixenden Tara Green gegenüber. Die Physiotherapeutin kam auf ihn zu und drückte mitten in seinem Protest, er bräuchte sie nicht auf seinen Rücken. Er fuhr zusammen.
„Stimmt, gar nicht verspannt. Gar kein Schmerzreiz. Wo wir das dann jetzt geklärt haben, kommst du mit? Oder erkläre ich dich für arbeitsunfähig, ab Morgen?“
„Unterstehe dich.“
Sie sah ihn vielsagend an. David seufzte und änderte die Richtung, statt zu den Büros hielt er nun auf die Räume der Physiotherapeutin zu. Auf halben Weg aber blieb er stehen und sah zu Sam und Johnno. „Wenn mich jemand sucht, ich bin bei Tara, ehe Geoff wieder einen Arzt weniger hat.“
Sam hob besorgt die Brauen, doch Johnno nickte und beugte sich bereits zu seinem neuen, alten Kollegen vor. Minuten später lag David bäuchlings auf der Behandlungsliege, während Tara seinen Rücken traktierte und danach einige Übungen mit ihm durchging.

xxxxXxxxx


Tom trat auf die Veranda und hob den Blick gen Sternenhimmel. Nach einer Weile hörte er, dass ihm jemand gefolgt war, doch er sah sich nicht um, sondern wartete.
„Ist alles... okay?“
Tom zuckte die Achseln. „Ich weiß nicht.“
„Es war besser so, Tom.“, Kendra lehnte sich einen Meter neben ihm an einen der Verandapfeiler und sah ihn ernst an, „ja, mit der Nomad hätten wir ihn wohl noch in die Klinik bekommen und er würde noch leben, doch... wie? Welches Leben wäre es gewesen, dass er geführt hätte?“
Er schwieg, sah von ihr zurück zu den Sternen.
„Wir beide wissen es doch besser, oder?“, fragte sie leise, „ein Leben auf das Haus beschränkt, auf Unterstützung angewiesen, das hätte I.B. nicht gewollt.“
„Ich weiß und doch ist da dieses: Wenn....“
„Manchmal ist es besser nicht mehr helfen zu können, als die Menschen zu einem fremdbestimmten Leben zwingen zu müssen, weil wir schnell genug waren, weil wir alles getan haben.“
Er schwieg weiterhin, aber er nickte. Er wusste genau im Grunde hatte sie Recht, aber er war nicht nur Mensch, er war auch Arzt und als dieser hatte er jemanden verloren, der mit dem Flugzeug noch zu retten gewesen wäre, ohne Notfall.
„Ich denke... ich gehe noch einige Meter und dann... ruft mich ein Bett.“
Kendra gähnte und schüttelte den Kopf. „Also mich ruft das schon jetzt. Gute Nacht.“
„Nacht.“, antwortete er und verließ langsamen Schrittes die Terrasse.

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Kate drehte sich mit dem Schreienden Bündel im Arm herum und reichte es in eine Decke gewickelt an den nun dreifachen Vater weiter. „Herzlichen Glückwunsch, Pat. Ein Junge.“
„Alex. Alexander Newton, nach... ihrem Vater. Kate? Sie....“
„Alles gut. Geoff näht noch zu, dann kannst du mit dem Kleinen zu ihr, sie wird bald aufwachen und euren Prachtjungen sehen wollen.“
Patrick Newton nickte ihr mit einem deutlich erleichterten Blick zu, doch plötzlich rief Geoff nach ihr und sein Ruf, aus dem Nebenraum klang nicht gut. „Hier geblieben!“, warnte sie Patrick und lief eilig zu ihrem Mann. „Blutsturz!“, rief Geoff ihr entgegen und Kate schimpfte, während sie sie sich rasch notfallmäßig desinfizierte und ihr Mann sich bereits alles zurecht legte. „Nein, ehe du hilfst, funk David an! Ich brauche Blutkonserven und wenn er die hier her fliegt!“

Kate schluckte, griff nach dem Funk und rief die Zentrale. Sam meldete sich, bat sie um einen Moment und sie wusste genau was er tat, er überprüfte Entfernung, Lage und Wetter, um eine ungefähre Zeit zu erhalten. Innerlich fluchte sie bereits, da sie die Antwort zu kennen glaubte.
„Kate!“
„Ich....“

>Kate? Hier David, ich fliege mit Sam, wir nehmen meine Maschine, im Notfall fliege ich dann zurück.<

„Er soll die Nomad nehmen, über den Rückflug kümmern wir uns dann wenn es soweit ist.“
Sie gab es eilig weiter und jagte zurück zu ihrem Mann. Erneut desinfizierte sie sich und während sie ihre Handschuhe anzog, schüttelte er bereits frustriert und besorgt den Kopf. „Ich kriege die Blutung nicht, ich... nein.“, entschieden sah er auf.
„Was soll ich tun?“, fragte sie ruhig.
„Total.“, war alles was er sagte und sie nickte, reichte ihm eine weitere Dosis des Narkosemittels, dann legte sie eine Ringer an, während ihr Mann eilig begann die Blutgefäße abzuklemmen und den Uterus zu entfernen. Sie sah ihm an, wie unzufrieden er mit dieser Entscheidung war und warf ihm einen beruhigenden Blick zu. „Sie haben drei wunderbare Kinder, sie werden dir dankbar sein, das die drei noch ihre Mutter haben.“
Er nickte und arbeitete weiter, doch seine Mimik blieb. Sie veränderte sich kaum merklich, während sie nach der OP alles wegräumten, und das Laken, wie die Gummiunterlagen unter ihrer Patienten wechselten. „Bleibst du hier? Ich gehe zu....“

Die Tür öffnete und unterbrach ihn, es war David der hereinkam und ihnen die Blutkonserve reichte. „Ich habe noch eine zweite, wenn ihr braucht. Kate, der Bedside-Test.“ Er reichte ihr die kleine Karte und hängte die Blutkonserve auf, während Kate mit dem Test begann. Es passte alles und er legte die Konserve an. „Wir sind gut in der Zeit. Nehmen wir sie mit? Sam kann noch fliegen, wenn es gleich zurück geht, er überzieht dann zwar, doch innerhalb der Vorschriften für Notfälle.“
Geoff nickte. „Sobald ich sicher bin, dass sie stabil ist. Ich muss mir aber auch noch das Baby...“
„Bleib hier, ich seh nach dem Kind. Kate? Redest du mit Mr. Newton?“
„Ja.“

Sie ging aus dem Raum, gefolgt von David. Sie fanden Patrick im Wohnzimmer. Er stand am Fenster, den Neugeborenen fest im Arm und wiegte ihn.
„Pat?“
„Kate, bitte sag mir was... ist sie...“
„Nein. Sie lebt. Sie wird gesund.“
„Wirklich?“
„Ja. Pat? Komm, lass uns kurz reden und gib David den Kleinen, er untersucht ihn.“
Widerwillig nickte der Mittdreißiger, gab seinen Sohn ab und folgte ihr in die Küche, waren im Wohnzimmer doch noch seine Mutter und die älteren Kinder. „Was ist passiert?“

„Es gab Komplikationen, sie hatte starke Blutungen und... Geoff hat wirklich alles versucht Pat, aber... er musste Amber die Gebärmutter entfernen. Ihr werdet... keine Kinder mehr bekommen können.“ Trotz der Nachricht sah sie wie im Gesicht ihres Gegenübers Erleichterung erschien. „Das mag unseren Plan von einer Großfamilie eindeutig schmälern, aber... sie lebt und du sagst sie wird wieder ganz gesund?“
Kate nickte.
Er schloss die Augen und nickte ebenfalls: „Das kriegen wir hin. Wir haben drei wundervolle Kinder, haben einen gut laufenden Krämerladen, die Tankstelle und die kleine Schafherde auf dem Land von Royce, was will man mehr?“ Er lächelte und ging auf sie zu. „Ich danke euch. Euch beiden und auch Eurem Teamzuwachs, wegen dem ihr beide hier bleiben konntet.“ Er nickte und ging weiter bis zum Schrank, er holte Gläser heraus und einen Selbstgebrannten. „Ich brauche jetzt einen Schluck. Wasser?“, fragte er. Kate schüttelte den Kopf und klopfte ihm die Schulter. „Wir nehmen die beiden gleich mit Pat, es ist besser wenn wir Amber noch ein wenig im Auge haben. Kannst du mitkommen?“
„Ich fürchte...“

„Klar kann er das. Der Laden kann mal zu bleiben, Nachbarn und Freunde werden es verstehen und die Tankstelle, na ich rufe Lou an, der macht das. Du gehörst jetzt zu deiner Frau!“
„Sicher Goergiana?“
„Na hör mal, ich mag ja alt sein, aber senil bin ich nicht und recht fitt auch noch. Da werde ich wohl noch vierundzwanzig Stunden alleine mit zwei Kleinkindern klar kommen. Ab jetzt!“
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