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The Flying Doctors - Solitariness

Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Familie / P16 / Gen
Dr. Chris Randall Dr. David Ratcliffe Dr. Geoff Standish Dr. Tom Callaghan Kate Wellings/Standish OC (Own Character)
07.12.2016
23.02.2017
11
36.009
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03.02.2017 3.669
 
Solitariness - Einsamkeit





7. KapitelDer neue am Ruder

Coopers Crossing

Er trat aus dem Zelt und sah sich um. Die Reaktion der anderen zeigte ihm eindeutig, das die meisten bereits wussten, dass er Daniel dabei hatte. Er lächelte in die Menge, sah sich nach hinten um und wartete das Daniel, wie auch Cassi bei ihm ankamen.
„Hallo und Guten Morgen auf Riverrun, zur neuen Visite. Ich freue mich wieder hier draußen zu sein und ich danke für alle Ihre Grüße und die Anteilnahme, nach meinem Unfall.“
David spürte wie er rot wurde, als die Leute applaudierten und die Kinder jubelten. Er lächelte und fühlte sich mit mal so unsicher wie lange nicht mehr. Eine der Frauen trat vor. „Es ist schön sie wieder hier bei uns zu haben Doc und noch erfreulicher, sollte stimmen was wir gehört haben?“
„Das wäre?“, fragte er.
„Das Sie nun doch bleiben werden?“
Er nickte: „So ist es.“
Der Jubel brandete erneut auf und er lächelte. Und wie es die richtige Entscheidung war. David wartete einen Augenblick und deutete dann auf die Schwesternschülerin. „Einige von Ihnen kennen Cassi ja schon, da sie aus der Gegend kommt und inzwischen fast ein Jahr bei uns ist. Nun... sie wird nach Abschluss der Prüfungen in der nächsten Woche bei uns bleiben und die Lücke, welche Annie hinterlässt füllen. Machen Sie es ihr nicht so schwer.“, grinste er und wartete wieder einen Moment ehe er weitersprach: „Dies ist Dr. Daniel Reet, die neueste Verstärkung in unserem Team. Ich weiß aus eigener Erfahrung wie es ist, jung und entschlossen hier her zu kommen und ich sehe in einigen Mienen die Gleiche Skepsis die damals mit galt. Doch ich bitte Sie alle, geben Sie auch ihm eine Chance.“

Daniel ging an ihm vorbei. „Hi. Ich will Ihnen jetzt gar nicht groß irgendetwas versprechen. Doch ich möchte, dass sie wissen, wer dieser junge Hüpfer ist, der Ihnen als Arzt vor die Nase gesetzt wurde.“
„Ich bin der Enkel von Jon Reet, bin hier in der Region geboren und die ersten Jahre aufgewachsen, später in Charlesville und dann ja, in der Großstadt, wo ich es gehasst habe. Aber ich wollte nun einmal Arzt werden. Und so stehe ich jetzt wieder vor Ihnen. Danke.“
Er sah zu David, der nickte und sah nach vorne. „Familie Dawson und Heather McLean, sind die ersten.“

Zusammen mit Heather kam ein Mann, der vermutlich ihr Vater war und er schob das Mädchen direkt auf David zu, der bereits die Familie am begrüßen war. Daniel wollte ihnen zuerst nach erinnerte sich dann jedoch an Geoffs Ermahnungen zwei Tage zuvor und wartete.

„Doc! Doc, Sie machen das mit meiner Haether und....“
„Mister McLean ich versichere Ihnen...“
„Ich will...“
„Schon gut, Doc. Ich bin sicher, wir kriegen das hin mit ihrem Kollegen.“
Skeptisch schaute David von Mrs. Dawson auf ihren Jüngsten, doch sie nahm den Jungen entschieden hoch und nickte. „Schau mal Nicki, das da ist Doc Daniel, der ist ganz, ganz lieb, Momy und du gehen jetzt zu Doc Daniel, ja?“
„Nein!“

Daniel beobachtete mit einiger Sorge das Gesicht des Familienvaters dem gar nicht wohl bei der Entscheidung seiner Frau zu sein schien. Aus den Augenwinkeln sah er, wie David Cassi zu ihm schickte, er bedeutete ihr zu warten. Wie ihm schien, wusste Mrs. Dawson sehr genau wie sie ihren Kleinen ablenken konnte.
„...na und da schau mal, was hat denn der Doc da hängen, ist das... oh das ist ja ein Hund!“
„Neii-iiin!“, rief das Kind und tippte der Mutter an die Stirn, „kein uh-nd. Ka- aatze, mau!“
„Oh ja, du hast Recht, du hast aber auch eine dumme Momy Nicki.“
„Jaa!“, lachte der Knirps, er mochte vielleicht drei sein und schaute interessiert auf die Katze die sich um sein Stethoskop klammerte. Dann aber sah der Junge über aus beunruhigt zu ihm. Daniel lächelte ihm zu, das Kind drehte den Kopf, versteckte ihn an der Schulter der Mutter, die flüsternd mit ihm weitersprach, der Vater seufzte bereits und sah nach hinten, wo David mit Vater und Tochter hinter der Aufstellwand verschwunden war.
Daniel hatte jedoch während der Ausbildung lange genug auf der Kinderstation gearbeitet, um zu wissen, wie man die Kleinen vielleicht bekam und fasste in seine Tasche. Er holte die kleine Tüte getrockneten Obstes heraus und klemmte die Katze daran. „Schau mal Nicki, Mietze, die Katze hat hier was für brave Jungs.“
„Nein!“
„Mmh, dann... bist du keine braver Junge?“
„Doch!“
„Na, dann hat sie was für dich, sieh mal, ist was ganz leckeres.“
Der Junge sah skeptisch auf die Tüte, dann zu seiner Mutter. „Wollen wir das aufmachen?“ Der Junge nickte. „Momy macht auf und du zeigst dem Doc die große Narbe.“
„Nei-...“

„Du hast eine große Narbe? Schau mal... ich auch. Dann... bist du ja schon ein ganz Großer!“
Das Kind sah staunend auf seinen Unterarm, den Daniel ihm präsentierte und zog schüchtern sein T-Shirt hoch. „Pass auf, du musst dir jetzt meine Narbe genau ansehen und anfassen, ob sie okay ist und dann... schau ich nach deiner. Du bist zuerst der Doc.“ Er hängte dem kleinen, völlig verdatterten Jungen sein Stehoskop um und er begann zu strahlen. Neugierig betrachtete und tastete er über die Narbe, welche Daniels kompletten Unterarm bis zum Oberarm entlang lief. Danach setzte sich Mrs. Dawson auf die Liege, legte die Hände an die Hüften ihres Kleinen. Der Junge hielt die Tüte mit dem getrockneten Obst in der Hand und suchte sich die Beeren heraus. In aller Ruhe konnte er die Narbe an der Seite des Jungen nun abtasten und begutachten. „Was ist genau gewesen?“
Der Vater starrte ihn an, schien sich dann eines besseren zu entsinnen und antwortete überraschenderweise noch vor seiner Frau. „Mein Bruder hatte einen Autounfall. Er starb, Nicki wurde... von einem Baum...“, er deutete auf seinen Sohn und legte dann beide Hände auf die Schultern eines kleinen Mädchens. „unsere Nichte Susie hatte schwere Blutungen, sie hat eine Niere eingebüßt und die Milz, ihr Arm... sie kann ihn trotz der Übungen noch immer nicht richtig bewegen.“
Daniel nickte, machte sich auf einem Zettel seines Klemmbrettes Notizen, mit Namen versehen und zog den Jungen wieder an, ehe er sich zu Susie herunter beugte, fragte er noch einmal nach dem Zeitpunkt des Unfalls, er lag inzwischen drei Monate zurück und der Gips war seit knapp fünf Wochen ab. „Zeigst du mir mal die Narben und den Arm?“ fragte er. Nach der Untersuchung reichte er auch dem Mädchen eine Tüte Obst, winkte Cassi zu sich und bat die beiden Erwachsenen noch um ein Wort. „Ich werde beiden noch Blut abnehmen, nur zur Kontrolle, aber ich denke sie haben es gut weggesteckt. Susies Arm aber macht mir Sorgen. Wurde geröngt ehe der Gips abkam?“
„Ja, wir durften sie erst danach aus Broken Hill mitnehmen, erst zwei Tage danach hat das Gericht für uns entschieden. Doc, ich habe Recht nicht? Da ist was nicht in Ordnung?“
Er seufzte. „Ich bin mir allerdings nicht sicher was es ist, ich würde mich gleich sehr gerne mit Dr. Ratcliffe beraten.“
„In Ordnung, danke.“, der Mann schien plötzlich wesentlich zufriedener und während er den Kindern noch Blut abnahm, was beide weniger lustig fanden, erfuhr er von Mrs. Dawson, dass ihr Mann schon bei der letzten Untersuchung in Broken Hill, vor jetzt drei Wochen gesagt hatte, es würde etwas nicht stimmen und ihnen niemand hatte zuhören wollen.

Bis er Zeit fand mit David zu reden, nahm er sich noch vier weiteren Patienten an, dann verabschiedeten sie beide zugleich ihre Patienten und er bat ihn um ein Wort. David nickte, bedeutete den nächsten zu warten und er zog die herausgesuchte Akte von Susie Dawson hervor. „Ich weiß, du hast von dem ganzen Unfall ebenso wenig mitbekommen wie ich, aber womöglich... ist das ja ganz gut. Die kleine kann den Arm nicht bewegen, kaum. Ich dachte erst... es könnte eine Nervenschädigung sein, aber...“
„Das glaubst du nicht mehr? Wieso?“
„Ich bin mir ziemlich sicher, dass an der Stelle des zweiten Bruches eine Erhebung zu spüren ist und sobald der Arm ein wenig nach außen, oder mehr wie eine viertel Drehung nach innen geht hat sie Schmerzen.“
„Du denkst der Bruch ist nicht richtig geheilt.“
„Ja und ich denke, das die Kollegen nicht sorgfältig genug waren. Die Dawsons sagen, nach dem anlegen des Gipsverbandes, als die Schwellung zurückgegangen war hat niemand mehr ein Röntgenbild gemacht.“
„Was?“, David blätterte weiter zurück in der Akte und seufzte. „Das wäre nicht nur ein Problem für Broken Hill, sondern auch uns, wir haben sie jedesmal hin und her geflogen.“
„Nein nicht immer und laut den Arztbriefen an uns, wollte Broken Hill die Behandlung aufgrund des mehrfach Bruches und der Blutwerte selber überwachen. Hier.“, er suchte David den passenden Arztbrief heraus. David seufzte und nickte. „Wir nehmen sie mit, ich rede mit ihnen, geh rein und ruf Geoff an, bitte aber Henry, oder einen der Jungen um das Satelitentelefon, nicht über Funk.“
„Okay.“

Als sie am Abend zusammen räumten, verließen gerade die letzten Besucher die Keagon Farm. Ein einzelnes Auto fuhr die Hofzufahrt hinunter, während sie die letzten Taschen und Geräte verstauten.
Daniel und Cassi drehten sich herum. Mrs. Dawson stieg aus dem Wagen aus und kam zusammen mit ihrer Nichte und ihrem Mann zu ihnen. „Ich werde meine Nichte begleiten, sie kennt mich besser und mein Vorarbeiter kommt alleine klar.“
Daniel nickte und strich der neugierig aufsehenden sechsjährigen entgegen. „Alles okay?“
„Nein, will nicht mit.“
„Kann ich verstehen. Ich mag auch keine Ärzte.“
„Aber... du bist doch Arzt.“
„Stimmt.“, er grinste und tippte sie auf die Nase, „aber selber mag ich nicht zum Doc gehen, wenn ich krank bin.“
„Aber... du musst! Du musst doch gesund sein und helfen!“, sagte sie bestimmt. Er nickte lächelnd und seufzte tief. „Stimmt wohl, ich fürchte du hast Recht und jetzt? Kommst du mit deinem Onkel mit uns?“
„Ja, aber ich will nicht.“
„Okay.“, sagte er und hob sie zu Cassi auf die Ladefläche. „Du bist noch nicht groß.“, beschied die Kleine und sah von einer überaus überraschten Cassi weiter zu Daniel. „Du schon.“

Daniel der vor dem Wagen stand streckte seine Hand aus und strich dem Mädchen über das Haar. „Cassi ist auch erwachsen und groß. Sie ist nur... jünger.“
„Nein.“, sagte das Mädchen und setzte sich neben Cassi. „Spielst du mit mir?“, fragte sie und hielt der jungen Schwester ein Kartenspiel entgegen. „Im Flugzeug okay, Süße?“
„Mmh, ja. Okay.“
Eine halbe Stunde später stiegen sie in die Nomad und mitten im Kartenspiel, wenige Minuten später schlief ihre kleine Patientin ein. David kam zu ihm und setzte sich neben ihn. „Was hat Geoff gesagt?“
„Das er ihnen ein Zimmer im Majestic besorgt und sich mit Broken Hill in Verbindung setzt. Er schien... schwer begeistert.“, flüsterte Daniel zurück.
„Kann ich mir vorstellen.“

xxx

Munter und mit frischer Energie betrat er das Büro und war sich irgendwie direkt sicher, besser nicht angekommen zu sein. Seine Miene wurde ernst und er legte seine Sachen ab. „O-kay... wo brennt es?“
Geoff stöhnte und bedeutete ihm die Tür zu schließen. „Daniel war doch mit auf Riverrun...“
„Oh, nein. Sag nicht, das er jetzt schon...“
„Nein. Es ist eher... was er entdeckt hat.“
„Das wäre?“, fragte Tom, goss sich seinen zweiten Becher Kaffee diesen Morgen ein und stellte sich mit dem Rücken zur Kaffeemaschine hin, seinem Boss und Freund zugewandt. Geoff seufzte und rieb sich die Nasenwurzel. Beides zwei sehr eindeutige Zeichen dafür wie unwohl er sich fühlte. „Erinnerst du dich an den Unfall mit den Dawson Kindern?“
„Susie und Nicki? Klar, das vergisst man dich nicht, wir waren beide dort.“
Geoff nickte. „Nun, Nicki geht es Prima, seine Blutwerte sind klasse, die Zyste an der Narbe auch nicht wieder gekommen.“
„Aber?“
„Susie. Sie kann den Arm kaum drehen, ohne das es ihr wirklich weh tut und beugen geht seit kurzem auch fast nicht mehr.“
„Der Arm versteift? Aber wie...“
„Nein. Schlimmer.“

Verständnislos schaute Tom seinen Kollegen an. Geoff stand auf, nahm zwei Röntgenbilder mit und klemmte das erste vor den Lichtkasten im Raum. „Hier, zwei Tage nach der Op und eine Woche vor dem eingipsen.“
„Sieht alles sehr gut aus.“
Geoff nickte. „Jetzt das aktuelle.“
„Warte, was ist mit dem Kontrollbild.“
Geoff ignorierte ihn und klemmte das neueste Bild ein.
„Scheiße, wie ist denn das...“
„Es gibt kein Kontrollbild.“
Was?! Bei dem Bruch? Geoff da wird ein Bild gemacht nach dem eingipsen, und davor! Da kann sich doch...“
Er schüttelte den Kopf und deutete auf seinen Schreibtisch, ich habe alle Arztbriefe durchgesehen und jedes Funkprotokoll. „Wir waren nicht zuständig, erst für die Nachsorge. Sie war bei der Physio und hatte Übungen für zu Hause. Die Rechtsabteilung kümmert sich jetzt darum.“
„Verdammt! Die kleine ist sechs! Sechs!“
Geoff nickte. Er nahm die Bilder und ging zurück zu seinem Schreibtisch.
„Was hast du den Dawsons geraten?“
„Was schon, es schnellst möglich brechen zu lassen, die Kalkablagerungen zu entfernen, den Bruch mit einer kleinen Platte zu richten, die wieder entfernt wird und zu hoffen, das der eingeklemmte Nerv keinen Dauerschaden nimmt.“

Tom nickte und schüttelte den Kopf, über die Unfähigkeit der Kollegen in der nächstgrößeren Klinik. „Wo? Hast du ihnen etwas geraten?“
„Du meinst... außer Broken Hill? Klar.“
„Und?“
„Sie wollen nicht. Adelaide hat damals die Infektion seiner Schwägerin viel zu spät als solche erkannt und sie ist nach einem tagelangen Kampf gestorben. Broken Hill hat den Zustand seines Bruders, seiner Meinung nach falsch eingeschätzt und er ist gestorben, daran hätten wir auch nichts ändern können aber jetzt mit dem Mist mit Susies Arm verstehe ich, dass sie es nicht anders sehen wollen. Was soll ich Ihnen da schon sagen? Sie haben kein Vertrauen mehr.“
„So viel Pech ist echt nicht normal. Und jetzt? Sie können doch nicht wollen das die Kleine weiterleidet? Hast du ihnen gesagt, das der Nerv und das eingeklemmte Gewebe absterben...“
„Sie wollen das wir es hier machen, auch wenn die Kleine den Arm dann womöglich nicht mehr bewegen kann, weil uns hier die Mittel, oder Erfahrung die Nerven betreffend fehlen.“

Tom fuhr sich durch das Haar. „Was... hast du gesagt?“
„Das ich mit dir spreche. Du bist in so was erfahrener.“
„Eigentlich... ist das Chris ihr Ding.“
„Du weißt, dass sie nicht helfen kann.“
„Sie könnte uns anleiten, aber ja. Du hast Recht, es ist... sie ist noch nicht soweit.“
Geoff nickte und sah ihn fragend an. „Du hast Ihnen deutlich gemacht, dass sie in Adelaide, oder Sydney bessere Chancen hat, das alles richtig wieder abheilt?“
„Ja.“
„Was sagt Oben?“
„Unsere Entscheidung, wir sollen es nur verschriftlichen. Wir beide.“
„Na dann... setzen wir es auf.“
Geoff reichte ihm ein Klemmbrett und Tom nickte mit einem matten Lächeln. Klar, er wusste, dass ich so entscheide.

xxx

Daniel blieb mit seinem Aktenstapel in der Hand unschlüssig stehen. Gehören diese Akten nun erst zu Geoff, zu Kate oder in die Ablage? Aber in welche? Hier? Oder in der Klinik?
Er sah sich suchend um, doch natürlich war gerade keiner da, der ihm hätte weiterhelfen können. Er seufzte und ging entschieden auf den Durchgang zur Klinik zu. Dann... werde ich wohl fragen müssen.
Er stieß gerade mit dem Fuß die Türe auf, als hinter ihm scheppernd die Metalltür der Zentrale aufsprang.

BE- STANDEN!“

Er hielt inne, drehte sich herum und sah der jungen Frau ehrlich erfreut entgegen. „Glückwunsch Cassi. Ich habe nichts anderes erwartet, du weißt genau worauf es ankommt. Ähm... also... gratulieren dann später ja?“
„Wo sind denn die anderen?“, Cassi sah sich um und nahm ihm wortlos den halben Aktenstapel ab. „Ähm, danke. Also... Geoff bei einem Notfall kurz vor der Stadt, er hat den Wagen genommen und Kate, ungefähr vor fünfzehn Minuten. Die Nomad mit Tom und Kendra im Busch, sie dürften noch nicht angekommen sein.“
„Wer hat hier Dienst?“
„Ich?“
Sie grinste. „Ich meine die Schwestern.“
Er hielt erneut inne und ließ die Tür vor sich zurück schwenken. „Keiner.“, stellte er fest. „Da will ich vor und fragen, wohin hier mit und bin alleine. Blöd, mmh?“
„Und die... Patienten?“
„Kendras Tochter ruft mich, wenn was ist. Aber die Alte Mrs. Gregory schläft, Gina Grace strickt und der alte Tommen sitzt auf der Veranda und qualmt.“

Cassi sah auf die Akten und zurück zu ihm. „Sind die von unserer Visite?“
Er nickte. „Dann bleiben die hier in der Zentrale und gehören nach dem Häckchen von Geoff hier in die Schränke.“
„Geoff hat sie noch nicht gesehen?“
„Dann vorne auf seinem Schreibtisch.“
„Aber... der ist nicht abgeschlossen.“
„Der Raum schon.“, sagte sie und ging voran.

Zehn Minuten später tauchte sie im Schwesternzimmer hinter ihm wieder auf und er öffnete den Mund um sie fort zu schicken. Doch die frischgebackene Schwester schüttelte den Kopf. „Keine Widerrede, du bist hier alleine. Ich bin jetzt voll ausgebildet und damit braucht mich keiner zu überwachen. Geh du nach neben an, ich bleibe hier.“
„Bist du sicher? Du solltest... feiern und....“
„Ach, das kann ich auch später. Wann kommt jetzt eigentlich die Neue Schwester?“
„Sobald das St. Barbara sie gehen lässt, die hatten wohl auch gerade Notstand.“
„Ach und das hier ist keiner?“, Cassi schüttelte den Kopf und tippte sich an die Schläfe. „Die spinnen doch.“

Sie sah dem braunhaarigen, jungen Arzt kichernd nach und ging auf das Zimmer zu, wo eben die Klingel angesprungen war. Daniel mochte eben gesagt haben, dass sie besser ginge, aber im Grunde war er sehr froh das sie blieb. Sie hatte es deutlich seinem Gesicht angesehen.
Sie schüttelte den Kopf und zog den Vorhang des Zimmers auf. „Mrs. Gregory. Wie kann ich Ihnen helfen?“
„Kenne ich Sie Kindchen? Wer sind Sie? Wo ist Kate? Wo ist mein kleines Mädchen, Kate?“
Sie schmunzelte, trat bis ans Bett vor und ergriff eine der Hände der neunundachtzigjährigen. „Mrs. Gregory natürlich kennen sie mich. Ich bin Cassi, Biancas Tochter, erinnern Sie sich?“
„Oh jaa...ja. Himmel, du bist groß Mädchen, so...“
„Was ist passiert?“
„Pass-passiert?“
„Sie haben geklingelt Mrs. Gregory.“
„Maria, ich bin doch die Alte Maria, geklingelt? Ich habe nicht geklingelt. Müde, so müde. Lass mich doch schlafen, Mädchen, ja?“
Sie nickte und trat vom Bett weg. Sie war fast an der Tür, als die alte Dame rief: „Lass mich doch nicht hier so liegen! Ich bin nass! Oh je... oh je... ich habe das Bett nass gemacht, ich...“
Cassi sah hinter sich, denn immerhin wusste sie, dass die Dame einen Blasenkatheter hatte. Sie zog dennoch die Handschuhe aus ihrer Tasche und ging zurück zum Bett. Nach Vorwarnung schlug sie die Decke zurück und seufzte. Autscht, das muss doch weh tun, den geblockt zu ziehen? Sie schüttelte den Kopf, sie hatte es inzwischen oft erlebt und fragte es sich immer wieder. Beruhigend sprach sie auf die Dame ein und versprach nur rasch neues Bettzeug zu holen.

Sie suchte sich im Nu alles zusammen, entdeckte im Korridor eine Fremde Frau und bat diese zu warten, während sie zum Telefon lief und Daniel rüber bat. Während sie ihn kommen hörte bat sie sie Frau doch hinten Platz zu nehmen und winkte den jungen Arzt zu sich. „Mrs. Gregory hat sich den Katheter gezogen, hilfst du mir, sie frisch zu machen? Sie hat immer fürchterliche Angst aus dem Bett zu fallen wenn keiner vor ihr steht, auch wenn ich das Gitter holen würde.“
„Kriegen wir hin.“
Er folgte ihr und griff sich Handschuhe im Vorbeigehen aus dem Spender. „Wer ist die Frau vorne?“
Sie zuckte die Achseln. „Hab sie freundlich gebeten Verständnis zu haben und zu warten.“
Er nickte und legte den Funk auf die Kommode, während er die alte Dame begrüßte und zu sich holte.

Cassi warf dem jungen Arzt immer wieder einen aufmerksamen Blick zu. Sie war es von den Ärzten hier gewöhnt, dass sie auch mal Artfremde Arbeit den Schwestern abnahmen, dass er es aber breitwillig mitmachte ohne die Augen zu verdrehen, ohne irgendeinen bissigen Kommentar. Womöglich hatte sie sich ja doch geirrt und er passte hier her. Bisher jedenfalls hatte er sie immer wieder überrascht. Selbst gestern als er erst mitten im Kuhfladen gestanden und später mitten im Morast gelandet war hatte er das Ganze lediglich hingenommen, hatte sogar gelacht und gefragt, ob sie und Kendra nicht auch eine gesunde Schlammpackung wollten, Natur Pur.
Sie verschloss die Schutzhose, welche sie Mrs. Gregory angelegt hatte und sah nachdenklich auf die Frau hinunter. „Jetzt ist alles wieder schön trocken und Sie können wieder schlafen.“
Sie gingen leise hinaus und Cassi ging die Wäsche entsorgen.

Als sie neben ihn ans Waschbecken im Pflegeraum trat sah sie ihn nachdenklich an. „Ich denke... ein Suprapubischer wäre besser. Die Magensonde vor einem Jahr durch die Bauchdecke hat sie auch toleriert.“
„Hast du es einem der anderen schon gesagt?“
„Nein.“
„Wieso nicht? Das war doch schon Nummer drei, oder?“
„Vier.“, antwortete sie und desinfizierte.
„Also? Wieso nicht?“
„Weil ich da eben erst drüber nachgedacht habe.“
„Ich sehe mir die Akte an. Wer behandelt sie?“
„David. Im Moment.“
„Okay, siehst du nach, wer die Besucherin ist? Ich gehe nachlesen.“
Sie nickte und ging nach rechts, während er auf die Schwesternstation und die Arztzimmer zu ging.

„Hallo. Ich bin Schwester Cassi. Wie kann ich Ihnen helfen? Suchen Sie jemanden?“
„Ähm... ich hatte gehofft Dr. Standish anzutreffen?“
„Tut mir Leid, er ist bei einem Notfall und vor Morgen erwarten wir ihn nicht zurück. Kann ich Ihnen vielleicht helfen?“
„Und... ähm... Dr. Callaghan?“
„Nein. Er ist bei einem anderen Notfall, ich kann nicht sagen wann er zurück sein wird. Um was geht es denn? Dr. Reet kann es sich sicherlich auch ansehen und ich kann dabei bleiben, wenn...“
„Oh ähm... nein.“ Die junge Frau mit dem nussbraunen Haar schüttelte den Kopf. Sie lächelte schüchtern. Cassi schätzte sie auf einige Jahre älter wie sich selbst, womöglich Mitte Zwanzig. „Ich... brauche keinen Arzt, ich bin... Veronika Katharina Evans, Ihre...“
„Neue Schwester. Hallo. Dr. Reet.“
„Hallo.“
Cassi erwiederte die Geste der Frau, nahm ihre Hand und trat dann zur Seite, damit sich die beiden anderen begrüßen konnten.
„Ich ähm... ich dachte es sind... vier Ärzte?“
„Dr. Ratcliffe hat frei. Wenn Sie möchten dann kann Cassi sie ein wenig herum führen, im Moment ist es ruhig. Hier weiß man nie wie lange.“



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