Abschied

von Koalaty
OneshotDrama, Humor / P12
Shifu
07.12.2016
07.12.2016
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Mit gesenktem Blick und hängenden Schultern brachte Shifu die letzten Stufen der mächtigen Treppe hinter sich, die zum Jade-Palast führte. In diesem Moment fühlte er sich schlichtweg leer. So leer, wie in seinem ganzen Leben noch nicht.
Seit jeher hatte er niemals das Gefühl eines absoluten Nichts in sich gespürt, niemals daran gezweifelt, dass es ein Morgen geben würde. Doch nun war es anders.
Nun zweifelte er an allem. War nicht alles kurzweilig? War nicht alles vergänglich? Gab es überhaupt etwas, das ewig währte? Sicher nicht, außer vielleicht die Hoffnungslosigkeit, die er nun schweren Herzens mit sich herumtrug und nicht zu lindern vermochte. Es waren Schuldgefühle, die ihn plagten. Er war leichtfertig mit einem wichtigen Gut umgegangen und nun musste er die Konsequenzen erdulden...
Ein letztes Mal, ein allerletztes Mal würde er nun durch die riesigen Tore treten. Ein letztes Mal in seinem Leben: Es war Zeit Abschied zu nehmen. Für sie alle.
Hätte jemand am Morgen zu ihm gesagt, dass er den Jade-Palast verlassen und hinter sich lassen musste, dann hätte er wohl einfach nur gelacht. Doch nun war es bittere Realität geworden und in ihm brannte das grässliche Gefühl, dass an der gesamten Entwicklung niemand anderes Schuld hatte als er selbst.
...und zum Lachen war ihm aufgrund dieser Tatsache nun wirklich nicht zumute.
Er wusste inzwischen selbst nicht mehr genau, was er sich dabei gedacht hatte, als er am Vormittag in die Stadt hinuntergegangen war, um sich seine Zeit zu vertreiben.
Dort war ihm schlagartig bewusst geworden, dass er nicht länger im Jade-Palast bleiben konnte. Dass er ihn nun unweigerlich und für immer verlassen musste und dass er dort dann nicht mehr willkommen sein würde. Nie wieder.
Es war hart einer derartigen Realität ins Auge blicken zu müssen, doch blieb ihm nichts anderes übrig, als seinem Schicksal und seinem Gefühl folge zu leisten.
Und der Jade-Palast...
Fast sein gesamtes Leben hatte er im Jade-Palast verbracht, er hatte dort das Kung Fu erlernt, war zum Meister geworden, hatte selbst Schüler unterrichtet und diesen seine Techniken und Künste gelehrt und letztendlich sogar Po, den legendären Drachenkrieger, ausgebildet. Am Anfang war es ihm nahezu unmöglich vorgekommen, aus dem fetten Panda einen guten Kämpfer zu formen, doch am Ende war es ihm doch gelungen.
Wenn er jetzt an diese Geschehnisse zurückdachte... vielleicht wäre es besser gewesen er hätte Po niemals getroffen. Dann müsste er nun vielleicht nicht sein Heim verlassen und könnte weiterhin gemeinsam mit den Furiosen Fünf den alltäglichen Trainingseinheiten nachgehen. Doch wenn er ehrlich war, würde er die Trainingszeit mit Po niemals missen wollen. Sie bedeutete ihm viel, denn eben jener dicke Panda hatte ihm seinen inneren Frieden wiedergegeben, in dem er einen Fehler seiner Vergangenheit korrigierte: Tai Lung.
Doch vielleicht war es sinnlos überhaupt über derartige Dinge nachzudenken, denn an den Tatsachen änderte es nichts. Er erinnerte sich noch zu gut an Oogways Worte: „Das Gestern ist Geschichte, das Morgen nur Gerüchte. Doch das Heute ist die Gegenwart und die zu erleben ist ein Geschenk.
Als er einst noch ein junger Katzenbär gewesen war, ein heißblütiger Schüler Oogways, hatte er diesen Spruch in seinem Training oft zu hören bekommen. Ebenso wie den ihm lange verhassten Satz: „Es gibt keine Zufälle.
Und auch nun... Vielleicht hatte alles seine Gründe. Er würde sich wohl seinem Schicksal fügen.
Nachdem er nun schon etliche Zeit einfach nur dagestanden und das Eingangstor angestarrt hatte, setzte er sich fast mühsam und nur äußerst langsam wieder in Bewegung, um letztendlich durch das Tor hindurch zuschreiten. Kaum hatte er den Hof des Jade-Palastes betreten, unterbrachen die Furiosen Fünf ihr Training und verneigten sich vor ihm. „Meister.“ Shifu tat ihnen den Gruß nach und blickte sie dann alle der Reihe nach finster und besorgt an.
Wie sollte er ihnen nur klar machen, dass sie den Jade-Palast verlassen mussten?
Wie sollte er ihnen klar machen, dass sie kein Recht mehr hatten, hier zu bleiben?
Wie, verdammt noch mal, wie sollte er ihnen klar machen, dass er den Jade-Palast beim Mah-Jongg verspielt hatte?

~*~

Das kommt davon, wenn Meister Shifu unter anderem gegen Pos Vater Mah-Jongg spielt. Aber keine Sorge, es ging am Ende doch noch gut aus:
Shifu und die Furiosen Fünf erhielten den Jade-Palast zurück, da es dem neuen Nudelsuppengeschäft - wohl ob der vielen Treppen - an Kundschaft fehlte und der Inhaber lieber wieder seinen kleinen Laden in der Stadt eröffnete.
Die Furiosen Fünf haben Shifu allerdings ein Spiel-Verbot erteilt.

~*~
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