Dornen

von Suiren
KurzgeschichteRomanze, Schmerz/Trost / P18 Slash
Klaus von Wolfstadt Taki Reizen
06.12.2016
06.12.2016
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Was ich wollte...
...und was ich sollte...
Das waren zwei völlig unterschiedliche Dinge.

Vermutlich war es das, was Klaus und mich am meisten von einander unterschied.
Während er einfach das tat, was er wollte, tat ich das, was ich sollte.
Einerseits ersehnte ich mir dieselbe Freiheit, sich trotz adeliger Herkunft einfach von allem loszureißen und wegzulaufen, weit weg von alledem, doch andererseits wusste ich, dass ich es niemals übers Herz bringen würde, meine Männer, die sich auf mich verließen, im Stich zu lassen...
Mein Gewissen ihnen gegenüber, weil ich schon lange nicht mehr das heilige Wesen, das sie in mir sahen, war, wog ohnehin schon so schwer, dass es kaum noch zu ertragen war...

»Taki-sama!«
Aus meinen Gedanken gerissen hob ich den Kopf und blickte zu dem Offizier, der mich gerade gerufen hatte – unsicher, als überlegte er erst, wie er mir beibringen sollte, was er mir sagen wollte, sah er mich an, ehe er schließlich schwer schluckte, »Da ist ein Junge auf dem Schlachtfeld.«
»Ein Junge?!«, wiederholte ich ungläubig, schließlich hatten die Kinder der Offiziere, die bei uns im Hauptquartier untergebracht waren, die strikte Anordnung, auch dort zu bleiben, wenn wir in den Kampf zogen.
»Er trägt nicht unsere Uniform...«
»Lass mich sehen.«

Obwohl der Panzer träge über die unebene, harte Erde holperte, gelang es mir irgendwie, ohne jemanden allzu grob anzurempeln, mich an meinem Untergebenen, der mir Platz gemacht hatte, vorbei zu bewegen. Ich kletterte die wenigen schmalen Metallstreben hoch und öffnete den Einstieg im Dach des Kriegsfahrzeugs, um meinen Oberkörper hinaus zu beugen und mich selbst von dieser schockierenden Entdeckung überzeugen zu können.
Wie dichte Wolken hing der beißende Rauch der Bombenexplosionen in der Luft, um uns herum nur verbrannte Erde, Krater, kein Grün mehr... sondern nur rot von unschuldigem Blut... Tote und Verletzte... das Land bebend unter dem Gewicht der Panzer und des ohrenbetäubenden Lärms...

Und mitten in all der Zerstörung und des Grauens erblickte ich nun tatsächlich die kleine Gestalt, die zitternd eine Waffe in der Hand hielt und den Kopf gesenkt hatte.
Ohne lange nachdenken, setzte ich mich einfach in Bewegung, die letzten Metallstreben noch hochzusteigen – dass mich jemand meiner Einheit zurückrief ignorierte ich, bis ich am Knöchel gepackt wurde.
»Taki-sama, was gedenken Sie gerade –«
»Lassen Sie mich auf der Stelle los«, zischte ich, worauf der Elite-Soldat nur nach kurzem Überlegen von mir abließ und mich aus dem tonnenschweren Gefährt klettern ließ.

Unmittelbar neben uns schlug gerade eine feindliche Kanonenkugel ein, doch die tapferen Männer der Einheit ließen sich dadurch ebenso wenig vom Kurs abbringen, wie ich von meinem Vorhaben, von dem fahrenden Panzer zu springen und etwas unsanft auf dem Boden zu landen, dessen Staub mich sofort in eine kleine Wolke hüllte. Mein Herz raste vor Aufregung, mein Atem ging schnell – die Angst, Schmerz und Tod, die diesen Ort in eine dunkle Atmosphäre eingehüllt hatten, waren deutlich spürbar, meine Sinne mit einem Mal scharf wie die eines Raubtieres.

Hastig und mein Schwert ziehend rannte ich die wenigen Schritte, bis ich endlich den Jungen erreichte, der sich plötzlich abrupt zu mir umdrehte und reflexartig mit der Mündung seiner Schusswaffe auf mich zielte. Sein Gesicht war kalkweiß, Angst hatte den letzten Rest Farbe daraus vertrieben und in seinen großen dunklen Augen glaubte ich Tränen erkennen zu können...
Wer zum Teufel hatte dem armen Kleinen überhaupt die Waffe in die Hand gedrückt?
Was dachte sich der Feind dabei, Kinder in die Schlacht zu schicken?

Der Junge schien zu überlegen, ob er mich nun töten sollte, doch ich wusste bereits vor ihm, dass er die Waffe erst sinken und anschließend achtlos in den Dreck fallen lassen würde, denn falls er überhaupt noch auf der Seite seiner Leute, die ihn einfach in den Krieg geschickt und dem Tod überlassen hatten, war, so musste ihm immerhin klar sein, dass, wenn er mich auch nur verletzte, meine Männer ihn grausam foltern und töten würden.
»Verzeiht mir...«, bat er, sich mit einem leisen Seufzen vor mir auf die Knie fallen lassend und  betroffen den Kopf senkend, als würde er darauf warten, dass ich ihm mit meinem Schwert den Kopf abschlug, doch ich bückte mich lediglich hinab und packte das Handgelenk des Kleinen, um ihn wieder auf seine zitternden Beine zu ziehen. Schützend über den Jungen gebeugt drängte ich ihn immer weiter, zurück zu dem Panzer, der uns entgegen kam und in welchem er hoffentlich vor den feindlichen Angriffen –

Der ohrenbetäubende Lärm einer Explosion erschütterte uns bis ins Mark, während uns eine übermächtige Druckwelle von den Füßen riss und ich mich nur noch über den Jungen beugen konnte, um zumindest ihn vor Schlimmerem zu bewahren. Schon im nächsten Augenblick beantwortete meine Einheit diese Attacke auf mich mit Schüssen und Bombardierungen. Dichter Rauch und Staub hüllten uns ein, brannte in unseren Augen und den Atemwegen, sodass wir husten mussten, unsere Augen tränten und ich nicht wusste, in welche Richtung wir laufen sollten, nachdem ich mich und den jungen Kadetten zögernd wieder aufgerichtet hatte.

Eine Hand, die plötzlich auf meiner Schulter lag, ließ mich den Kopf herumreißen und schon im nächsten Moment lächeln – Klaus war mit seinem Motorrad dicht an mich und den Jungen herangefahren und musterte trotz seines triumphierenden Lächelns besorgt meinen ganzen Körper, als suchte er nach Verletzungen. Hastig steckte ich mein Schwert in seine Scheide zurück, um die Hände freizuhaben, damit ich den Jungen sanft an der Taille nehmen, ihn hochheben und hinter dem muskulösen Knight auf den ledrigen Sitz des motorisierten Zweirades setzen konnte, ehe ich mich dahinter noch dazu zwängte und die Hände zögernd vor Klaus‘ Bauch verschränkte. Er drückte kurz liebevoll meine Hände, während sich der Kleine an meinem langen grünen Mantel klammerte, bevor sich das Motorrad unter uns ruckartig in Bewegung setzte und sich mir vor Schreck kurz der Magen hob.

Ich hatte keine Ahnung, wie sich Klaus trotz der eingeschränkten Sicht durch den Staub zurecht finden konnte, doch ich vertraute ihm und darauf, dass er uns in Sicherheit bringen würde. An meinem Armen, mit denen ich an seinem Körper Halt fand, fühlte ich seinen regelmäßigen Atem, doch trotz meines eindringlichen Blickes konnte ich nur die Konturen seines breiten Rückens erkennen.
Natürlich war meine Angst, meinen über alles geliebten Knight zu verlieren, groß, doch ich versuchte, mich stets darauf zu verlassen, dass er wieder wie ein treuer Hund zu mir zurückkommen würde.

Glücklicherweise nahm die holprige, unbequeme Fahrt schnell ein Ende, als der blonde Elite-Soldat endlich die Panzer erreicht hatte, von denen einer augenblicklich stehen blieb und seinen Einstieg öffnete. Klaus hielt an und ich löste zögernd den Griff, mit dem ich mich an ihm festgehalten hatte, um als erster von dem Motorrad abzusteigen, ehe der Junge neben mir absprang.
»Danke«, nuschelte er verlegen vor schlechtem Gewissen, doch mit einem bewunderten Blick auf den Kämpfer, der schon im nächsten Augenblick umdrehte, wieder in die Schlacht zurückfuhr und mich mit dem Kleinen zurückließ.
»Sir...«, setzte er leise an, doch ich lächelte ihm nur kurz zu, bevor ich ihn mit einem sanften Schupps in Richtung des tonnenschweren Kriegsgefährt dazu animierte, an diesem hoch in sein Inneres zu klettern und ihm anschließend folgte.
Als wir uns endlich im Panzer befanden, war ich irgendwie erleichtert, denn auch wenn es hier drin heiß und dunkel war, war der Junge nun in Sicherheit.

»Willkommen«, begrüßte uns Lieutenant Suguri freundlich, worauf ich ihn dankbar anlächelte.
Ich wusste, dass der Soldat und Arzt sicherlich einer der wenigen war, die es wirklich gut mit mir meinten, doch immer, wenn er mich lange ansah, verspürte ich diese große Sorge, er könnte merken, wie schnell mein Herz schlug, wenn Klaus in meiner Nähe war... oder sehen, dass ich nicht wirklich der Taki Reizen war, den alle in mir sehen wollten, nicht die Maiden Rose, nicht der Sohn des Himmels, nicht der Spross einer Adelsfamilie, die unter dem Schutz altertümlicher Götter stünde und dem Volk daher in Kriegszeiten Glück brächte, sondern einfach ein junger Soldat, der abseits der Schlacht heimlich Dinge tat und mit sich tun ließ, die die meisten hier absolut widerwärtig finden würden.
Möglicherweise könnte ich mein schmutziges Geheimnis, diesen Skandal, diese Todsünde, diesen Grund für eine Todesstrafe, munter vor der ganzen Einheit ausplaudern, weil es ohnehin niemand glauben würde... so unvorstellbar müsste es für sie sein, dass ausgerechnet ich ausgerechnet diese Dinge ausgerechnet mit diesem Mann tun würde...

»Seid Ihr verletzt?«, fragte der ältere Mann besorgt.
»Nein«, tat ich ab, ehe ich zu dem Jungen sah.
»Geht es dir gut?«, fragte ich ihn, worauf er eifrig nickte.
»Ja. Danke. Für alles... Aber warum...«
Leicht geduckt, als würde er sich bereits gegen etwas Schlimmes wappnen, starrte er dennoch voll aufrichtiger Bewunderung zu mir auf.
»Keine Angst... Im Hauptquartier wird man sich gut um dich kümmern...«, versprach ich leise.

»Was habt Ihr euch dabei gedacht, Taki-sama?«, begann mich ein älterer Offizier zu kritisieren, »Ihr hättet dabei sterben können! Warum bringt Ihr nur immer wieder diese Ausländer in unsere Truppe? Außerdem ist das der Feind, was –«
»Er ist ein unschuldiger kleiner Junge!«, warf ich mit scharfer Stimme ein, »Abgesehen davon muss ich mich vor Ihnen nicht für meine Entscheidungen rechtfertigen.«
Tatsächlich schwieg der Soldat daraufhin,  als hätte er nur für einen Augenblick vergessen, dass ich der Kommandant unserer Einheit war und nicht er. Dem Kleinen, der ängstlich zu mir aufblickte, streichelte ich aufmunternd übers Haar – ich ahnte, dass er es nicht leicht haben würde, denn leider waren die Kinder der Offiziere nicht freundlicher gegenüber Fremden gesinnt als die Erwachsenen – was schon Klaus am eigenen Leib erfahren hatte müssen. Sie duldeten ihn nicht einmal im Schloss, weswegen er in der kleinen Gärtnerhütte mitten im Park leben musste...



Die Sonne war schon am Untergehen, als wir endlich vom Schlachtfeld zurückkehrten – zwar hatten wir unser Territorium erneut verteidigen können, doch natürlich hatte es auf beiden Seiten Verluste gegeben, zahlreiche Tote und Verletzte.
Klaus‘ Worte von damals, an dem Tag, als man mir sagte, ich sollte von der Militärakademie wieder zurück nachhause deportiert werden, kamen mir jäh wieder in den Sinn: Der Bauer, der dir bis gestern lächelnd Milch gebracht hat, wird heute nicht mehr in einem Stück zurück kommen. Wenn der Krieg beginnt, sind sie die ersten, die sterben. Du wirst derjenige sein, der über diesen Krieg befiehlt. So wird es weiter gehen, Tag für Tag, bis der Krieg zu Ende ist. Kannst du das ertragen?«

Ich blickte in den Himmel, der müde vom Blaurot der Abendsonne getränkt war, die wie sterbend zwischen den Bergen am Horizont zu Boden sank und lange Schatten auf die Welt aus staubigem Grau warf. Den ganzen Tag hätte ich es betrachten können und gleichzeitig fragte ich mich, warum traurige Menschen Sonnenuntergänge so schätzten...
...oder den Regen...
...und Blumen...

Nachdenklich hob ich das edle Glas, in dem der Wein fast schwarz mit rötlichem Schimmer durch die Bewegung schwappte, an meine Lippen und goss ein wenig der kühlen, bitteren Flüssigkeit in meinen Mund, wo sich ihr intensiver Geschmack und das leicht brennende Gefühl sofort ausbreitete.
Es war nicht so, dass mir Wein besonders schmecken würde, doch brachte er mit seiner leicht berauschenden Wirkung meine rasenden Gedanken zum Schweigen und half mir, einen der trügerischen Frieden zu finden, der mir ermöglichte, einzuschlafen...
Vermutlich würde ich ihn nicht trinken, wenn ich nicht immer so unglücklich –
Augenblicklich hielt ich inne, als mir ein beunruhigender Gedanke kam.
Würde ich auch nicht mehr die Sonnenuntergänge und Regenschauer beobachten wollen?
Würde Klaus nicht mehr von Blumen und deren Duft reden?
Würde er vielleicht sogar gar nichts mehr von ihnen wissen wollen, wenn er glücklich wäre, weil es ihn traurig mäche, sich an das zu erinnern, was ihn immer getröstet hatte, wenn sein Herz sich so schwer anfühlte?
Würde er einfach alles vergessen wollen, dass ihm diese traurigen Erinnerungen zurückbrächte?

Sicher, dass von Glück und Lebensfreude verblendete Augen blind für die stillen, zarten und alltäglichen Schönheiten waren, wollte ich über diese Frage nicht länger nachdenken, sodass ich abrupt den Rest des Weines austrank, um mich davon abzulenken.
Während ich wartete... insgeheim...
... bis sich endlich die Tür öffnete und daran, dass nicht vorher geklopft und auf meine Aufforderung, einzutreten gewartet wurde, erkannte ich Klaus bereits, bevor er tatsächlich in meinem Zimmer stand und die Tür bemüht lautlos hinter sich schloss.
Ich lächelte, denn ich hatte es einfach gewusst, dass er sich heute in mein Zimmer schleichen würde – denn immer, wenn ich traurig aussah, sorgte er dafür, dass wir alleine sein konnten, um zumindest für ein paar Stunden nicht mehr alleine sein zu müssen.

»Taki...«
Schluckend stellte ich das leere Glas zurück neben die halbvolle Weinflasche auf mein weißes Nachttischchen.
»Hat dich jemand gesehen?«, war aber nicht, das, was ich eigentlich fragen wollte.
»Natürlich nicht«, antwortete er mit gedämpfter Stimme, als er mit schweren, gemächlichen Schritten auf mich zukam und sich bereits beim Gehen seiner Uniformjacke entledigte, um sie achtlos auf meinen großen Teppich fallen zu lassen. Mehr als das zog er sich meistens nicht aus, wenn wir uns einander hingaben, im Gegensatz zu mir, der meist von dem dominanten Liebhaber vollends entblößt wurde, behielt er seine Uniform zumindest teilweise an...

Ich sah nicht zu ihm auf, ehe der Knight grob mein Handgelenk packte und mich mit seinem Körper sanft nach hinten drängte, bis ich mit dem Rücken auf dem Bett lag und er über mir kniete, sodass seine goldenen Bernsteinaugen hungrig meinen Blick suchten, als versuchten sie darin die Antworten auf die Fragen, die er mir nicht stellen wollte, finden. Als würde er nicht wissen, dass ich sie in seinem Blick lesen konnte.
Seine freie Hand streichelte durch mein Haar, über meine Wange, die Fingerspitzen streiften meine Lippen, schoben die untere hinab, als wollte er einen Blick auf meine Zähne werfen, doch letztendlich  fielen sie schließlich auf den Kragen meines immer noch perfekt gebügelten Hemdes.

Eilig und äußerst geschickt öffneten die geübten Finger Knopf für Knopf, während der Kräftigere sein Gesicht in mein schwarzes Haar tauchte, rastlos seine Nase an meinen Strähnen und meiner Haut rieb, um meinen Geruch, den er immer so zu lieben behauptete, möglichst intensiv wahrnehmen zu können. Er küsste mich leidenschaftlich, während er mich von meinem Hemd befreite, drängte seine Lippen gegen die meinigen, schob sie auseinander und drang schließlich mit der Zunge in meinen Mund ein. Nur allzu willig erwiderte ich den stürmischen Kuss des anderen Mannes, den ich schon von dem Moment an geliebt hatte, seit ich ihn als kleiner Junge zum ersten Mal gesehen und in seine goldenden Augen geblickt hatte.

Seine große Hand auf meiner nackten Brust ließ meinen Herzschlag und Atem beschleunigen, doch erst, als er von meinem Mund abließ, damit sich seine Lippen und Zunge meinen freigelegten Brustwarzen widmen konnten, keuchte ich zum ersten Mal leise »Nein...«
Meinen schwachen Widerstand ignorierend küsste und leckte der Soldat über meine Haut, deren jedes noch so kleine Fleckchen niemals jemand außer ihm je gesehen oder gar berührt hatte. Doch auch wenn er nicht sollte, wollte er es – wollte er mich – immer wieder...
»Hör auf...«, hauchte ich, als ich mit meiner freien Hand halbherzig versuchte, ihn an seiner mächtigen Brust von mir hinfort zu schieben, doch er natürlich kein Stückchen nachgab, sondern mir lediglich den Arm, den er bereits gefangen genommen hatte, verdrehte, bis ich mir auf die Lippe beißen musste, um kein verräterisches Geräusch von mir zu geben.

Anstatt mir zu gehorchen, wie sonst, wenn wir unsere Uniformen trugen, packte er nun meine andere freie Hand, zwang sie ebenfalls über meinen Kopf neben die andere, hielt nun mit seiner linken beide fest und griff mit seiner soeben freigewordenen rechten nach dem Bund meiner olivgrünen Uniformhose, um sie mir von den Hüften zu ziehen. Die Proteste, die ich ihm deswegen im Flüsterton an den Kopf werfen wollte, verloren sich irgendwo auf seinen Lippen, als er sie den meinigen abermals grob aufdrängte. Seine harte Zungenspitze tastete grob meine Zähne ab, da ich die beiden Reihen fest zusammen gepresst hatte, wie auch meine Beine, welche er nun grob auseinander drückte.

»Sag, dass es weh tut«, hörte ich ihn wie meistens, wenn wir miteinander schliefen, gegen meinen Mund flüstern, »Bettle darum, dass ich aufhöre, dann lasse ich los...«
Doch anstatt genau das zu tun, drehte ich einfach den Kopf zur Seite und presste die Lippen fest aufeinander – denn es gab zwei Gründe, warum ich genau das nicht tun konnte.
Zum einen war da natürlich mein Stolz, den ich mir nicht nehmen lassen wollte, von niemandem, nicht einmal von meiner großen Liebe, immerhin war er es, der mich aufrecht hielt.

Schließlich ließen Klaus‘ goldene Augen den Blickkontakt mit den meinigen schwarzblauen abreißen, um stattdessen meinen deutlich zierlicheren Körper so eingehend zu mustern, dass ich seine lüsternen Blicke auf meiner nackten Haut geradezu spüren konnte, als ob sie mich wirklich berührten und verlegen mein glühendes Gesicht in mein Kopfkissen presste.
»Versteck dein Gesicht nicht«, verlangte er ruhig, doch in herrschendem Tonfall, als er meinen Penis ergriff und zu massieren begann, so jäh, dass ich mir ein tiefes Stöhnen nicht mehr verkneifen konnte.

»Ah!«
Schockiert schnappte ich nach Luft, begann gegen die Situation und meine Lust, die mich langsam aber sicher meiner Kontrolle beraubte, anzukämpfen, während diese forschen Finger unbehelligt weiter meinen halbharten Schaft auf und ab rieben.
»Klaus... Hör auf...«, forderte ich zwischen fest zusammen gepressten Zähnen angestrengt, schließlich wusste ich jedes Mal aufs Neue nicht, ob meine Beherrschung ausreichen würde, still oder wenigstens leise zu bleiben, während der blonde Soldat Stück für Stück Besitz von mir ergriff und mich sich so entschlossen zu eigen machte, bis da nur noch er war und alles andere in den Hintergrund rückte, bis ich mich wieder unter ihm finden würde...

Denn da war noch die Tatsache, dass niemand wissen durfte, dass ich meine Unschuld bereits vor langer Zeit verloren und damit sicherlich die Gunst der Götter, an die sie mit ganzem Herzen glaubten und auf die sie bauten, verspielt hatte. Die Konsequenzen für meinen Knight, für mich, meine ganze Familie, die Truppen, den Kriegsverlauf und das gesamte Land wären zu ernst, als dass ich sie mir exakt ausmalen wollte, doch bereits der kleinste Gedanke daran so einschüchternd, dass dies auch gar nicht nötig war, um mich daran zu erinnern, dass man auf keinen Fall von unserer Liebe erfahren durfte...

»Nnngh...«
Schon jetzt fiel es mir schwer, die starke Begierde zu unterdrücken, so wenig, wie mein Glied die ersten Tropfen meines Samens noch länger halten konnte, schafften es auch meine Lippen kaum noch, nicht auseinander zu springen und meinen gehetzten Atem und das Stöhnen zurückzuhalten.
Ich konnte mich nirgendwo festhalten, ich konnte mit nichts die Lustlaute, die mir in der Kehle steckten und nach draußen wollten, dämpfen, es wurde so schwer, mich zu beherrschen und meine Gelüste zu unterdrücken, dass ich bereits das Gefühl hatte, zu zerreißen, als mein Geliebter plötzlich von mir abließ und ich mich erschöpft auf die Matratze fallen ließ. Meine Hüften, die bereits immer wieder unkontrolliert von meinem Partner hinfort gezuckt waren, nur, um sich ihm gleich darauf abermals anzunähern, blieben nun ruhig, wenn auch angespannt.
Angestrengt keuchte ich, doch entspannte mich, trotz meines Herzschlags, der geradezu schmerzhaft in meiner Männlichkeit pochte und blickte erschöpft zu dem Blonden auf, der sich genüssliche über seine meinetwegen ohnehin schon  von meiner Feuchtigkeit benetzten Finger leckte, worauf ich sofort beschämt die Augen schloss.

»Gib doch zu, dass es dir gefällt...«, flüsterte der Blonde.
»Niemals...«
Es war mir peinlich von ihm so willig gesehen, so verzweifelt flehen gehört und so schamlos gekostet zu werden – ich mochte es nicht besonders, wenn er schmutzige Dinge zu mir sagte, oder grob mit mir umging, an meinen Haaren riss oder mich so hart gegen die Wand presste, dass es mir den Atem raubte, doch gleichzeitig war ich froh, dass er mutiger und eigenwilliger als ich war, denn tief in meinem Inneren sehnte ich mich nach seiner Nähe und danach, mit ihm zu verschmelzen... Genauso hatte ich mir tief in meinem zerbrechlichen Herzen schon als kleiner Junge jemanden gewünscht, der auf mich aufpasste, der alles aus dem Weg räumte, das mich blockierte, nach jemanden, der mich einfach an sich riss und mir all die Entscheidungen abnahm, von deren Konsequenzen ich mich fürchtete.
Nur durfte ich es ihm niemals erlauben... schon es zuzulassen war Sünde genug...
...zumindest zu widersprechen war meine Pflicht...

»Du bist wirklich stur~«
»Nicht...«, seufzte ich, als ich fühlte, wie sich zwei seiner Finger zwischen meine Backen drängten und geradezu quälend langsam in dem Spalt hinunter rutschten, bis er endlich fand, wonach er gesucht hatte und die verbotene Pforte zu meinem Inneren mit Streicheln und wiederholten leichten Eindringen auf das Kommende vorzubereiten begann.
Wenn ich es doch nur so genießen könnte, wie ich gerne wollte...
...und mich nicht immer wehren müsste, wie ich es sollte...

Nie war ich glücklicher... und mehr freier sgewesen... als in der Nacht, als wir beide zum ersten Mal miteinander geschlafen hatten, obwohl der Akt den bittersüßen Nachgeschmack hatte, dass ich den jungen Mann, der mir damals vor Jahren geholfen hatte, die wunderschönen blühenden Trauben des Blauregens zu pflücken und den ich über die Jahre niemals vergessen konnte, am nächsten Tag verlassen müsste... Doch obwohl unsere aufrichtige und verzweifelte Liebe schon damals striktest verboten war, so bestand wenigstens nicht so sehr die Gefahr, entdeckt zu werden und war Klaus viel liebevoller mit mir umgegangen...

Andererseits hatte ich ihn auch schon geschlagen, wenn er etwas sehr Schmutziges zu mir gesagt hatte oder ihn fest gebissen, als er mir seine Finger in den Mund gesteckt hatte, doch all das schien ihm nicht allzu viel ausgemacht zu haben... als wüsste er, dass man sich schnell an den Dornen schnitt, wenn man versuchte, sich an eine Rose zu klammern, vollkommen gleich, wenn sie noch so wunderschön und lieblich aussehen mochte oder ihr Duft so süß und zart die Luft schmückte...

Wie, als hätte der Knight meine Gedanken gehört, entzog er mir seine Finger jäh und ich nutzte seinen kurzen Moment der Unaufmerksamkeit, als er sein Glied zwischen meinen gespreizten Beinen in Position brachte, um zumindest meine rechte Hand aus seinem festen Griff zu befreien. Erschrocken, als erwartete er wieder einmal eine feste Ohrfeige von mir, blickte der Blonde jäh zu mir, um  mit unwillig gerunzelter Stirn festzustellen, dass ich meine Hand nur als eine Art provisorischen Knebel benutzen wollte, in dem ich in meine Haut biss, um meine Laute zu dämpfen.

Irgendwie schien es ihn zu ernüchtern, wenn nicht geradezu zu verärgern, sodass ich mich einmal mehr fragte, wie sich Klaus wohl meine eiserne Diskretion erklärte, da er natürlich nicht wusste, was ich als Mitglied meiner Familie für meine Landsleute verkörperte. Schließlich war er tausende Meilen von meiner Heimat und Kultur entfernt geboren und aufgewachsen und obwohl er bereits in wenigen Monaten unsere Sprache gelernt hatte, konnte ich mir nicht vorstellen, dass er ansonsten viel über mein Volk wusste, geschweige denn Verständnis für ihren Aberglauben aufbringen konnte...

Und ich hatte niemals mit ihm darüber gesprochen, weil mir nicht klar war, wie Klaus mit solch einem Wissen umgehen würde und ich es selbst nicht glaubte, an mir auch nur ansatzweise etwas Göttliches zu haben. Doch ich hielt es auch nicht für sinnvoll, den Glauben, der den Leuten Hoffnung, Mut und den Willen, nicht aufzugeben, schenkte, mit meiner Offenheit und Zweifeln zu zerschlagen, weswegen ich beschlossen hatte, mich stillschweigend meinem Schicksal hinzugeben und anderen meinen Leben zu opfern, wie andere auch mir ihr Leben opferten...

Manchmal war es am einfachsten so... wie auch jetzt, als ich meine Zähne in meinen Handrücken grub, um keinen verräterischen Laut von mir zu geben, während der harte Penis meines kräftigeren Partners langsam, doch gnadenlos immer tiefer in mir versank. Selbst der sonst so disziplinierte Elite-Soldat musste mehrmals leise stöhnen, als er immer tiefer in fremdes Gebiet eindrang und es schenkte mir zusätzlich Lust, ihn so zu hören, als ob es mich bisher nicht schon so viel meiner nach dem anstrengenden, nervenaufreibenden Einsatz verbliebenen Energie gekostet hätte, gegen die Begierde anzukämpfen.
»Ich würde dich gerne hören...«, ließ der Ältere mich wissen, mich mit seiner eben wieder frei gewordenen Hand an der Hüfte in festhaltend, als er bereits sein kräftiges Becken von meinem Unterleib fort zog, um lediglich ein wenig Schwung zu holen und anschließend wieder meinen Körper einzunehmen. Ich verdrehte die Augen, begann den salzigen und rostigen Geschmack meines eigenen Blutes zu schmecken, während mich jeder leidenschaftliche Stoß wieder und wieder tiefer in die Matratze presste und seine goldenen Augen wachsam jede meiner Reaktion beobachteten.

Ich wusste nicht, ob es die grauenvollen Schrecken des Krieges waren, die Klaus manchmal so verbissen agieren ließen, oder die Ernüchterung über das Verhalten der anderen Männer, die in ihm nur einen Ausländer mit schlechten Manieren und fadenscheinigen Intensionen sahen und ihn nicht nur ausgrenzten, sondern am liebsten loswerden würden.
Und sicherlich fühlte er sich auch betrogen von mir, der ich seit unserer Ankunft hier auf Abstand ging und ihn wie einen normalen Soldaten zu behandeln versuchte, da ich einerseits nicht ohne ihn sein konnte, aber andererseits befürchtete, dass unsere Affäre auffliegen könnte, wenn wir uns zu innig zeigten. Schließlich hatte Klaus alles dafür aufgeben, mit mir kommen und in meiner Nähe bleiben zu können, seine Heimat, seine Familie, selbst seine Staatsbürgerschaft... doch ich ahnte, dass ich eines Tages die Quittung für dieses selbstsüchtige Unrecht präsentiert bekommen würde...

»Taki...«
Verwundert hielt ich inne, öffnete meine Augen und blickte in das männliche Gesicht meines Geliebten, dessen Wangen rot gefärbt und die Stirn von feinen Schweißperlen bedeckt war, sah ihn lächeln und hörte ihn erneut leise meinen Namen stöhnen.
Er wiederholte es immer wieder, während er sein Glied unermüdlich in meinem Körper versinken ließ und gleichzeitig im selben Rhythmus das meinige massierte, hingegen ich über seine muskulösen Arme streichelte und seinen starken Oberkörper küsste. Die Zeit schien still zu stehen, das Bett unter uns zu verschwinden, ebenso wie mein Schlafgemach und überhaupt alles um mich herum, selbst meine Gedanken, das Wissen um den Krieg und unsere Verantwortung, die sonst so schwer auf unseren Schultern lastete, die Lüge, die Sorge... Gerade schien alles so einfach zu sein und ich wünschte, es könnte immer so bleiben... als Klaus plötzlich dunkel und ungehalten aufstöhnte und tief in meinem Inneren Erlösung fand, worauf mir für einen Moment der Atem weg blieb, ehe ich ebenfalls meinen Höhepunkt erlebte.

Während die Luft wie ein Blitz durch meinen Körper strömte, in meinen Adern glühte und ich meinte, in der Dunkelheit helle Flecken tanzen zu sehen, wie... wie einzelne, vom Wind davon getragene Blüten des Blauregens, unter dessen dichten Blütenhain Klaus und ich uns das erste Mal begegnet waren...

Dieser sank nun erschöpft auf mir zusammen, keuchte mir seinen heißen Atem in die Halsbeuge, als er schließlich nach meiner Hand griff und sie aus meinem Mund zog, um mit bedauerndem Gesichtsausdruck meine selbstzugefügte Bisswunde zu betrachten, ehe er leise seufzend meine Fingerknöchelnd küsste. Ich starrte ihn dabei aus halbgeschlossen Augen an.
»Taki... Du sollst wissen, dass dir nichts geschehen wird, solange es mich gibt... Doch das heute war nicht ungefährlich«, begann der Blonde leise, nicht um mich und meine Entscheidungen zu kritisieren, doch um mich wissen zu lassen, dass er sich Sorgen um mich gemacht hatte.

Er überraschte mich völlig damit, dass er nach unserem Liebesakt noch ein Gespräch begann, denn ich war mir ziemlich sicher, dass er sonst immer wartete, bis ich eingeschlafen war, um mich sorgfältig zuzudecken, seine Hose, die er auch dieses Mal nicht ausgezogen, sondern nur geöffnet hatte, zu schließen, ehe er sich eine Zigarette anzündete und diese heimlich in meinem Gemach rauchte. Doch schließlich ließ mich die Bedeutung seiner Worte den schuldbewusst den Kopf senken, immerhin hatte ich auch meinen Knight durch diese Aktion in Gefahr gebracht, als er uns zu Hilfe geeilt war.

»Du hast das gemacht, weil er dich an dich selbst erinnert hat, nicht wahr?«, wollte Klaus leise wissen und auch, wenn ich Wert darauf legte, nie ein dummes Gesicht zu machen und stattdessen stets Contenance zu bewahren, konnte ich gerade nicht verhindern, dass mein Mund vor Verwunderung einen Spalt aufklappte.
»Ja...«, gab ich schließlich ertappt zu, worauf mir der Ältere eine Hand auf den Kopf legte und kurz durch mein Haar wuschelte, »Woher wusstest du das?«
»Ich musste auch sofort an dich denken, als ich ihn gesehen habe. Zwischen den Trümmern und Verletzten wirkte er so verloren... und unschuldig... Er hat traurig in den Himmel gestarrt...«, erzählte der Blonde nachdenklich, »Da sah ich dich wieder vor mir wie du damals... in deinem weiten, edlen Gewand unter diesem Dach aus Blüten standest und ich... einfach nicht anders konnte, als zu dir zu laufen...«

»...Es war das Beste, was mir je passiert ist«, antwortete ich ihm plötzlich auf Deutsch, worauf er jäh den Kopf hob, um mich erschrocken anzusehen, als könnte er nicht glauben, gerade seine Muttersprache gehört zu haben oder als hätte ich gerade etwas Merkwürdiges gesagt, sodass ich schon zu zweifeln begann, ob es eine gute Idee gewesen war, das zu tun. Aber schließlich schmunzelte er liebevoll und begann, mit seinem Daumen sanft das bereits angetrocknete Blut von meiner Lippe zu wischen.
»Dankeschön«, antwortete er lächelnd.
Für einen Sekundenbruchteil zog ich in Erwägung, ihm zu sagen, dass ich ihn liebte, mehr als Sonnenuntergänge, mehr als mich selbst und mein Land, mein Volk, doch dann beschloss ich, zu schweigen. Wir hatten uns noch nie unsere Liebe gestanden, aber irgendwie war das auch gar nicht nötig – denn wir wussten es ohnehin.

Sanft streichelte ich über sein blondes, vom Schweiß leicht feuchtes Haar und seufzte leise, befürchtend, ihn mit dem Satz in seiner Muttersprache vielleicht an seine einstige Heimat erinnert und damit seine alten Wunden wieder aufgerissen zu haben, doch das Lächeln, das seine Lippen nun trugen, war keinesfalls betrübt, sondern selig, als hätte er gerade von einem Engel einen wohltuenden Kuss erhalten.
Ob er an die Dinge, die ihm etwas bedeuteten, niemals mit Wehmut zurückdachte, wie ich, sondern mit... Dankbarkeit?

»Meine Blume...«, hauchte er schließlich leise, ehe er seinen Kopf wieder auf meine Brust bettete, in der mein Herz so schnell flatterte wie die Flügeln eines kleinen Vogels.

Meiner Meinung nach waren die einsamsten Blumen immer Rosen, denn ihre scharfen Dornen, die sie schützten, hielten sie von allem fern.

»Deine Worte von damals... habe ich nie vergessen, auch wenn ich sie nicht verstanden habe...«, erzählte er leise – und sofort wusste ich, wovon er sprach – er meinte meine Antwort auf seinen Vorschlag, statt in mein Land in seines zu reisen, um dort ein friedliches, glückliches Leben zu führen – und zwar nicht die, die ich ihm gegeben hatte, sondern die, die ich ihm hatte geben wollen und deswegen nur leise auf Japanisch ausgesprochen hatte, wissend, dass er sie nicht verstehen konnte...
Ich konnte kaum glauben, dass er inzwischen wusste, was mein leiser Wunsch damals bedeutet hatte, doch Fakt war, mein Knight wiederholte ihn originalgetreu und selbst in demselben traurigen, sehnsüchtigen Ton, den meine Stimme damals angenommen hatte: »Wenn du und ich... nur für immer auf die andere Seite des Horizonts gehen könnten...«