Mittelerde-Adventskalender 2016 - Tag 6 - "Eisblumen"

GeschichteHumor, Familie / P6
Frodo Peregrin / Pippin Tuk Samweis / Sam Gamdschie
06.12.2016
06.12.2016
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Verliebter Hobbit … oder … „Wo bekomme ich nur Eisblumen her?“



Disclaimer: Alle Figuren gehören J.R.R. Tolkien und seinen Angehörigen. Ich verdiene damit kein Geld und will euch nur eine Freude bringen. Die Phantasie ist von mir gestiftet und es gehört zum Mittelerde-Adventskalender 2016 :)

Ort: Auenland, Hobbingen
Zeit: Post-HdR, Sam hat Rosie geheiratet und seine erste Tochter ist schon auf der Welt


*****



Samweis Gamdschie trat gerade lautlos durch die Tür seines gemütlichen Smial, froh aus der Kälte heraus zu sein und den herrlichen Duft nach mit Zimt versetztem Tee und frischen Rosinenbrötchen einzuatmen, als er die Stimme seiner liebreizenden Frau vernahm. Leise und bedächtig sprach sie Rosie mit Elanor, die glücklich vor sich hin brabbelnd und quietschend in ihrer Wiege lag und mit strahlend blauen Äuglein zu ihrer Mutter sah.

„Wer ist mein großes Kind? Ja, du bist es!“, meinte Rosie liebevoll und hob ihre Tochter auf den Arm. „Weißt du, wie kalt es langsam wird? Sehr kalt. Es dauert nicht mehr lang, bis es friert und dann wachsen sie wieder, meine Lieblingsblumen. Dann kann man sie erspähen, die wunderschönen Eisblumen. Wie gemalt werden sie aussehen und so wundervoll funkeln, dass mir das Herz übergeht.“
Summend und tanzend bewegte sie sich nun durch den Raum und Sam verliebte sich gleich noch einmal in seine Frau und sein Kind.

'Ich werde ihr einen Strauß dieser Blumen bringen! Wenn es nicht mehr lange dauert, bis sie bei uns erblühen, weil sie die Kälte mögen, dann muss es sie schon in den Gletschern der blauen Berge geben. Dorthin will ich wandern und ihr sieben Blumen pflücken! Noch in dieser Nacht werde ich mich auf den Weg wagen', überlegte der Hobbit derweil und schlich sich in die Küche, um genügend Proviant zusammen zu legen.

Gerade, als Rosie den Säugling in ihr Bettchen brachte, meinte sie, aus dem Augenwinkel eine Bewegung wahrzunehmen. War das nicht ein Stock, an dem ein zusammengeknotetes Stück Tuch hing? Doch als sie sich wieder aufgerichtet hatte, war nichts mehr davon zu erkennen. Die Hobbitdame war sicher, dass sie sich getäuscht hatte, zuckte mit den Schultern und kümmerte sich nun um das Abendbrot, denn Rosie wusste, dass ihr geliebter Sam bald von seinem Besuch bei Merry zurück sein müsste.


Samweis aber war schon dabei, ein kleines Liedchen anzustimmen und seinen Weg hin zu den fernen Bergen zu suchen. Peregrin Tuk traf auf ihn, als er sich zu einem Bier in den 'Grünen Drachen' begeben wollte. Neugierig blieb er stehen und betrachtete seinen Freund.
„Wohin des Wegs zu solch später Stunde, Sam?“, fragte er und lachte dabei. „Solltest du nicht längst in deinem Bett liegen und von saftigem Braten träumen?“
„Herr Peregrin, ich bin wohl keineswegs auf der Suche nach meinem Bette. Viel mehr will ich meiner liebsten Rosie eine wahre Freude bereiten und ihr einen Strauß der seltensten Blumen in ganz Mittelerde pflücken“, präsentierte Sam stolz seine Brust.
Pipp aber kratzte sich verlegen am Kopf, als er die Entschlusskraft sah, mit der Sam schon wieder den Weg entlang wollte. Nun rannte ihm der junge Tuk hinterher und lief mit neugierigem Blick neben Sam her.
„Was für Blumen sollen das denn sein, die deine liebste Rosie so sehr begehrt?“, fragte er nach.
„Es sind Eisblumen, alter Freund. Ich hörte, wie meine Frau darüber sprach. Nun will ich ihr eine Freude bereiten und ihr einige davon schenken. Sie hat es verdient, nachdem sie so lange in Sorge um und beide, Merry und Herrn Frodo lebte.“
„Und weißt du denn auch, wo du diese Wunderblume finden wirst?“, fragte Peregrin nach, noch immer neben Sam herwandernd.
„Sie wachsen nur dort, wo es kalt ist. Darum will ich in die Berge, hin zu den Gletschern der Ered Luin. Wenn es dort keine Eisblumen für meine Rosie gibt, dann werde ich sie niemals finden.“

Der kleinere Hobbit sah, wie Samweis seine Schritte beschleunigte und überlegte noch einmal einen kurzen Moment, bevor er erneut hinter dem Blonden her sprintete und ihm nachrief.
„So warte doch einen Augenblick!“, meinte Pipp schon etwas außer Puste.
„Nein, das kann ich nicht. Ich will zurück sein, bevor unser großes Fest begangen wird.“
„Aber … das ist doch schon in 12 Tagen!“
„Ja, ganz genau. Mit bleiben sechs Tage, um auf diesen Gletscher zu gelangen, die Blumen zu pflücken und dann noch einmal sechs Tage, um wieder hier herunter zu gelangen.“
„Dann wirst du scheitern. Ohne ein Pony bist niemals rechtzeitig hin und wieder zurück von diesem Ort. Wie gut, dass ich zwei in meinem Stall stehen habe.“
„Würdest du mir eines leihen?“, fragte Sam hoffnungsvoll nach.
„Nein, das werde ich nicht. Es ist ein Paar und darf nicht getrennt werden.“
Schon lies Sam seine Schultern hängen. Der andere Hobbit aber klatschte in die Hände.
„Deswegen werde ich dich auch begleiten!“, meinte er mit einem Grinsen im Gesicht.

Mit den beiden Ponys – Mondampfer und Pustekuchen – waren die beiden Freunde deutlich schneller unterwegs. So war es ihnen vergönnt, schon nach drei Tagen am Fuße des Gletschers zu stehen und sich über dessen Ausmaße zu wundern. Dort ließen sie ihre beiden vierbeinigen Freunde zurück, auf einer saftigen Wiese und in der Nähe des Sees, den sie dem geschmolzenen Eis zu verdanken hatten. Mühsam und lang war der Aufstieg, an den sich Sam und Pipp wagten. Einzig die Liebe zu Rosie und der Wunsch, den Glanz in ihren Augen zu sehen, sobald Sam mit den wundersamen Pflanzen bei ihr in der Tür stehen würde, trieben sie beide an.


Vier Tage suchten sie schon und hatten doch kein Glück. Durchgefroren versuchten sie, in ihren Elbenmänteln zumindest ein wenig Wärme zu finden, wenn sich die beiden Hobbits an einander schmiegten und in das winzige Feuer starrten, das sie hatten entzünden können. Immer wieder seufzte Sam schwer und selbst seinem Freund war das Lachen aus dem Gesicht gewichen. Was sollten sie nur tun, wenn sie doch keine Blumen fanden?
„Wir haben an jeder erdenklichen Ecke gesucht, Pipp. Was tun wir?“
„Ich weiß es nicht, Sam. Wir haben jede Höhle durchforstet, die wir finden konnten. Jede eisig kalte Stelle abgesucht und unter jedem noch so winzigen Klümpchen Eis nachgesehen. Ich befürchte, wir müssen unverrichteter Dinge zurückkehren zu deiner Frau“, schüttelte er betrübt den Kopf.
Sam nickte zustimmend, pustete die kleine Flamme aus und erhob sich, um zurück zu den Ponys zu kommen.


Leise trat Sam durch die Tür zu seinem Heim. Er schüttelte sich den Schnee aus dem Haar und klopfte den Frost von seinen Schultern, als er aufgeregte Stimmen in seinem Wohnzimmer ausmachte.
„Wisst Ihr denn wirklich nicht, wo mein Mann sein kann, Herr Frodo?“
„Nein, meine Teuerste. Ich befürchte, er hat mir nicht verraten, wohin ihn seine Füße tragen werden. Nur eine weitere Suche kann ich organisieren, in der Hoffnung, man möge ihn finden. Zudem ist auch Peregrin Tuk verschwunden. Womöglich hängen diese Dinge zusammen….“

„Ich bin hier, Herr Frodo“, meinte Sam kratzig, denn der Winter forderte seinen Tribut und in dem Hobbit begann sich eine Erkältung auszubreiten.
Sofort war Rosie am Eingang zu ihrem Flur, Elanor auf dem Arm, die vergnügt quietschte, als sie ihren Vater sah. Die Erleichterung war der jungen Hobbitdame auf ihr Gesicht geschrieben.
„Bei allen Äckern und Bierfässern, wo bist du nur gewesen?“, keuchte Rosie, nachdem sie ihrem Sam einen langen Kuss gegeben hatte, auch wenn es ungewöhnlich war, solche Zärtlichkeiten im Beisein anderer Halblinge auszutauschen.
„Ich wollte dir ein Geschenk bringen, einen Strauß der schönsten Eisblumen, die du je gesehen hast. Doch es ist mir nicht gelungen. Ich hoffe, du kannst mir verzeihen, dass ich ohne Sinn und Verstand in dieses Wagnis gegangen bin“, sah Sam seine Frau an, ihr die Tochter vom Arm nehmend und sie ein bisschen am Bauch kitzelnd.

Zuerst betrachtete Rosie ihren Mann einen Augenblick reichlich verwirrt, bis sie ein lautes, herzliches Lachen ausstieß, welches die Herren Hobbits über die Maßen erschrak. Sie bedachten sich gegenseitig mit Blicken, die verrieten, dass sie der Meinung waren, Rosie habe ihren Verstand eingebüßt. Doch dann zog sie Sam mit sich hinein in die gerade dunkle und kühle Küche, ein Unding, wie es ein größeres kaum geben konnte. Doch wer war Sam, dass er dies bemängeln konnte?
„Hier, sieh!“, gab Rosie bekannt und zeigte an die Scheibe, an der der Frost schöne Bilder gemalt hatte. „Das sind Eisblumen. Die kannst du auf keinem Berg und in keinem Tal finden, mein Liebster. Sie erblühen nur, wenn der Frost sie uns an den Fenstern schenkt. Aus diesem Grund finde ich sie so wunderschön.“
Es war dieser Moment, in dem Sam sich und Pipp Esel und Narren scholt, bevor er dankbar für das gut überstandene, kleine Abenteuer ebenfalls herzhaft lachte und nun Herr Frodo den Kopf über sie beide schütteln konnte. Was mochte bei solchen Halblingen nur geschehen, wenn man ein Fest ausrichtete?
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