[PoetrySlam] Nur ein Gedanke

von Raininmay
GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P12
04.12.2016
04.12.2016
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Es ist später Abend und ich fange an zu schreiben. Ich fasse mir ans Herz und fange an. Seit einem Jahr nichts geschrieben, seit einem Jahr keinen Stift gehalten um Kreativität aus mir fließen zu lassen. Nein, nur um Mathe zu rechnen und Physik zu verstehen, um Englisch zu machen und Schulaufgabenstoff zu pauken um mir meine Zukunft nicht ganz zu verbauen. Aber dazu halte ich meinen Stift nicht, ich halte ihn um mir vor Augen zu führen, dass ich immer noch nicht über dich hinweg bin und deswegen schon wieder versuche etwas zu schreiben. Und ich dachte mir „Komm, schreib mal was Schönes. Was kreatives und etwas das dich auf schöne Gedanken bringt.“
Aber das einzige was mich auf andere Gedanken bringt ist der „ohne dich ist alles doof“-Aufkleber auf meinem Bleistift aus der 3. Klasse.
Ich wollte etwas innovatives, geniales und besonderes schreiben. Etwas worüber Hörer und Leser sich Gedanken machen können! Aber ich kann's nicht. Wie alles in meinem Leben, alles was ich versuche wird anders als ich es erwarte.
Es tut mir leid, ich wollt das wirklich nicht. Aber der Stift, der mich durch sein Tun von dir ablenken sollte, wird von meiner Hand gelenkt und jede Faser meines Körpers denkt an dich.
So handelt der Text doch von dir.

Denn immer wenn ich schreibe, handelt es von dir. Ja, sogar wenn andere etwas schreiben, komponieren oder zeichnen. In den Liedern aus dem Radio, in Zeichnungen auf verschiedenen Internetseiten, in Liebesromanen auf meinem Nachttisch, In Texten, die ich analysieren muss und auf rhetorische Mittel untersuchen muss, in Werbungen, in Zeitungen, In Beschreibungen, In Übungen. Und am wichtigsten – in meinem Kopf.
Denn du bist mein ewiger Begleiter, ohne da zu sein und die Person, die keine Person mehr ist.
Du bist nur ein Gedanke, aber ein Gedanke, der meinen Kopf seit Sekunden, Minuten, Stunden, Tagen, Monaten nicht verlässt. Ich bilde mir nur ein, dass du da bist. Hier am späten Abend, wenn ich an meinem Schreibtisch sitze und meinen Kopf mal machen lasse.

Es ist nicht das, was du gerade mit mir machst. Es geht darum, dass du dich in meinem Kopf eingenistet hast und volle Kontrolle über mich hast. Über mein Tun, über mein Denken und über meine Gefühle. Denn wenn es nach mir ginge, dann hätte ich mich nie in dich verknallt und mir nie unsere 0815 Zukunft mit Kindern und Haus und Arbeit vorgestellt. Ich hätte dich schon vor Jahren gehen lassen, den Mietvertrag verbrannt und dich aus meinem Kopf verbannt. Ich hätte es nie so weit kommen lassen, denn wie steht es in jedem Status eines 14-jährigen Mädchens, welches denkt sie hätte schon alles gesehen, alles erlebt und alles ist scheiße:
„Du kannst nicht verletzt werden, wenn du niemanden an dich ranlässt.“ Yolo und so'ne Scheiße.

Wenn es nach mir ginge, dann wärst du schon lange aus meinem Kopf raus und ich hätte nicht schon über die letzten Jahre 273846 Wörter über dich, über mich und über uns verfasst.

Und ich verstehe nicht, warum ich dich eigentlich vermisse. Was ich an dir vermisse, wie ich dich vermisse und warum ich dich vermisse. Oder ob ich dich vermisse. Ich weiß nur, dass ich dich vermisse. Ohne Grund, ohne Wenn und Aber und ohne Absicht. Denn vielleicht vermisse ich gar nicht dich... Denn vielleicht vermisse ich es einfach nur einmal jemanden nicht zu vermissen.


Danke, dass du das hier gelesen hast.
Ich hab tatsächlich schon viel zu lang nicht mehr richtig geschrieben, ich bin wohl etwas eingerostet.
Trotzdem hoffe ich, man kann das irgendwie als Poetryslam bezeichnen und erkennen, auch wenn es mein erster ist.
Liebe Grüße, Sophia
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