No Regrets

von raiya
KurzgeschichteRomanze / P12 Slash
Christian Vorländer Stephan Lucas
03.12.2016
03.12.2016
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Vermutlich hatte alles vor wenigen Wochen begonnen, als sie zusammen mit einem Team  von Polizisten eine Hütte in einem Wäldchen in der Nähe von München aufgesucht hatten.
Christian Vorländer war von Anfang an überzeugt, dass seine Mandantin viel mehr Opfer als Täterin war. Zum Glück war einem Privatermittler, den er engagiert hatte, aufgefallen, dass etwas an dem ganzen Fall nicht zusammen passte und schließlich hatte ihn seine Spur zu dieser Hütte geführt, in der sich der wahre Täter noch bis vor kurzem aufgehalten haben musste.  Zumindest wurden in der Hütte Kleidungsstücke und Blut des Opfers gefunden.
Herr Vorländer stand gerade mit Herrn Lukas vor dem Hütteneingang und hatte seinen Rücken der Tür zugewandt. Beide warteten, zusammen mit drei anderen Polizisten auf das Eintreffen seiner Mandantin, die von weiteren Polizisten gebracht werden sollte, um zu bestätigen, ob die Dinge in der Hütte ihre waren und ob sie schon einmal dort war und unterhielten sich über das bisherige Verfahren.

Gerade als Christian auffiel, dass etwas auf dem kurzen gepflasterten Weg zu der Hütte nicht stimmte, wurde die Türe aufgestoßen und er von hinten gepackt.
Offensichtlich war der wahre Täter noch einmal zur Hütte zurück gekehrt und was Herr Vorländer auf dem Boden komisch vorkam war dessen Autoschlüssel, der ihm aus der Tasche gefallen sein musste.
Aber genau das war der Moment, an dem sich einiges verändert hatte. Der Moment, in dem ein psychopatischer Killer ein Messer an Christians Kehle drückte und er sich beinahe sicher war, dass er sehr bald das Zeitliche segnen würde und trotzdem nur daran denken konnte, wie sehr es bereute, seinen Kollegen, der hilflos vor ihm stand nicht einmal um ein Date gefragt hatte.
So abwegig es auch klingen mag, bis auf die Bewegung der Lippen Stefans und dessen besorgten Ausdruck in den Augen bekam er kaum noch etwas mit. Der Staatsanwalt redete so ruhig wie möglich auf den Verrückten, der ihm fest umklammert hielt ein, während dieser mit vorsichtigen Schritten rückwärts an der Hütte vorbei schlich, ohne dabei seinen Griff auch nur ein bisschen zu lockern.

Christian hörte wie gesagt nichts von dem Gespräch, er sah seinem Kollegen an, wie sehr er gerne loslaufen und dem Kerl hinter ihm das Messer aus der Hand reißen würde, wusste aber genau so gut wie er, dass er niemals schnell genug wäre. Stattdessen bereute er, dass er bisher nie die Courage aufbringen konnte, diese Lippen, wegen denen er auch oft genug während Verhandlungen kurz abgedriftet war zu küssen.

Mittlerweile war der mutmaßliche Täter am Ende der Hütte angekommen und hielt inne, er drückte das Messer nun etwas fester gegen Christians Hals. Dieser spürte, wie die Klinge durch seine Haut schnitt. Er war sich sicher, dass er innerhalb der nächsten Minuten auf dem Waldboden verbluten würde, als das Messer abrupt weggezogen wurde und der Täter ihn mit voller Wucht gegen die Hütte schupste. Sein Kopf kollidierte dabei unschön mit der Holzwand.

Nur nebenbei hörte er, wie der Täter so schnell wie möglich tiefer in den Wald rannte  und die Polizisten, die ihn verfolgten, hinter ihm her jagten.

Sein Kopf pochte schmerzhaft und er musste sich langsam hinsetzen, da er ziemliche Probleme mit seinem Gleichgewicht hatte. Wie durch eine dicke Wand hörte er Stefans Stimme, die einen Notarzt anforderte und fühlte kurz darauf eine Hand an seinem Kinn, die ihn zwang den Kopf zu heben. Blinzelnd öffnete er die Augen, die er vor Schmerz geschlossen hatte und sah, erst leicht verschwommen dann klarer, das Gesicht des Staatsanwaltes vor sich. Dieser legte seine Handy zur Seite und fischte umständlich ein Taschentuch aus einer Packung in seiner Jackentasche.
Er betrachtete stirnrunzelnd die Wunde an Christians Stirn und drückte dann das Taschentuch vorsichtig dagegen.
„Wie fühlst du dich?“
Während er fragte, warf er auch kurz einen Blick auf den zum Glück nicht sehr tiefen Schnitt an dem Hals des Rechtsanwaltes.
„Wie nach einer ziemlich übel ausgearteten Weihnachtsfeier.“
Stefan wirkte erleichtert.
„Wenn du noch Witze reißen kannst, scheint ja alles gut zu sein.“
Christian erwiderte das Lächeln.
„Ich habe den Polizisten, die deine Mandantin bringen sollten Bescheid gesagt, dass sie sie zurück bringen und einen Notarzt für dich gerufen.“

Herr Vorländer bekam kaum noch den ganzen Satz mit, da er wieder von den Lippen des anderen abgelenkt wurden, die ihm im Moment näher waren als je zuvor, da sich der Andere noch näher zu ihm gebeugt hat, um die Platzwunde an seiner Stirn genauer zu betrachten.

„Weißt du, an was ich die ganze Zeit denken musste?“
Christian war zunächst verwirrt über die Worte, bis er merkte, dass er derjenige war der
gerade redete. Der Staatsanwalt stoppte, die Wunde zu begutachten und sah in fragend an.
„Deine Lippen.“
Der Braunhaarige zog die Augenbraue nach oben und musste Lachen.
„Dich hat es wohl doch ziemlich übel erwischt.“
Christian schüttelte leicht den Kopf.
„Nein wirklich, ich hab die ganze Zeit bereut, dass ich bisher noch nicht den Mut aufgebracht habe, dich um ein Date zu fragen oder dich zumindest zu küssen.“
Langsam dämmerte ihm was er da gerade von sich gab und wäre er nicht halb im Delirium aufgrund seiner Verletzung wäre er schon längst geflohen.
Herr Lukas dagegen, legte das Taschentuch zur Seite und streichelte sanft über seine Wange.
„Na zum Glück hast du dafür jetzt noch genug Möglichkeiten.“
Keine Sekunde später fühlte er endlich die weichen Lippen, an die er die ganze Zeit denken musste, auf seinen.
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