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Der Kult des Bösen

GeschichteFreundschaft, Suspense / P12 / Gen
OC (Own Character)
29.11.2016
29.11.2016
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Am nächsten Tag

„Herr Maier, hören Sie mich nicht? Ich habe Sie schon dreimal angesprochen.“ sagte Fabian, nun leicht verärgert.
„Doch, ich höre dich. Aber ich hatte keine Lust, dir zu antworten.“ erwiderte der Lehrer gemein lächelnd.
Mehrere in der Klasse lachten verhalten.
„Bei mir oder bei anderen Schülern traut er sich das. Aber wenn die Direktorin etwas sagt, ist er nur noch so groß mit Hut.“ redete Florian und hielt seine Hand auf Höhe der Tischkante.
Jetzt lachte die ganze Klasse laut auf.
„Was ist los mit dir, Junge? Was ziehst du hier für Sachen ab?“ redete der Lehrer aufgebracht, und baute sich drohend vor Fabian auf, doch den Jungen beeindruckte das nicht, „Du schmeißt dein Praktikum, du hast keinen Respekt vor mir. Hältst du dich für so eine Art Robin Hood? Deine Aktionen bringen dir nur ein paar Einträge in deine Akte, und wenn du genug von diesen Einträgen hast, wirst du keine Ausbildung bekommen. Bei keinem Chef.“
„Haben Sie auch etwas sinnvolles zu sagen?“ fragte Fabian und sah relativ gelangweilt aus.
Der Lehrer marschierte zu seinem Pult und trug wütend etwas ins Klassenbuch ein. Doch Fabian störte das nicht weiter.
Der Junge merkte, dass die Zeit die er mit den Gargoyles verbrachte, die zuvor verborgenen Seiten in ihm zum Vorschein brachte. Es war keine rebellische Phase, er schien wirklich mutiger zu werden.
Als der Unterricht zuende war, trat Caiside zu Fabian und grinste breit, als er sagte: „Scheinbar war der Lehrer es nicht gewohnt, dass jemand ihm Paroli bietet. Es gefällt mir, wie sehr du dich in letzter Zeit verändert hast.“
Fabian grinste zurück und erwiderte: „Es wundert mich selbst, wie mutig ich geworden bin.“
Caiside und Fabian gingen davon.

Sie waren zusammen unterwegs und wieder beim Geschäft mit dem Fernseher. Doch diesmal hatte sich eine Menschentraube vor dem Laden gebildet. Die beiden Jungen drängelten sich vor, um zu sehen, was die Leute so spannend fanden. Und auf den Bildschirmen lief ein Video, auf welchem ein hellroter Gargoyle mehrere Jugendliche mit einem Schwert tötete. Die Jungs und Mädchen lieferten sich teilweise einen heftigen Kampf, doch der Gargoyle war einfach deutlich stärker. Fabian wunderte sich. Dieser Gargoyle gehört nicht zu dem hier ansässigen Clan. Zumindest hatte er ihn noch nie gesehen.
„Seht ihr!“ sagte Caiside erfreut und wandte sich an die anderen Menschen, „Seht ihr nun, dass die Gargoyles unsere Beschützer sind. Einer von ihnen hat diejenigen umgebracht, die über das arme Mädchen hergefallen sind, und danach unschuldige Hunde töten wollten. Die Justiz hat sie ja einfach laufen gelassen.
„Das ist einfach abartig. Er hat nicht bloß die Schuldigen getötet, sondern alle die dort waren.“ sagte ein junger Mann.
„Wir wollen hier keine Vigilanten, die meinen, das Gesetz in die eigene Hand nehmen zu müssen. Wir sind hier doch nicht in Amerika.“ sagte eine junge Frau.
„Er musste sie alle töten, weil er nicht wusste, wer schuldig war, und wer nicht… glaube ich. Und die können immerhin niemandem mehr etwas antun.“ wandte Caiside ein.
„Parteien wie die NPD und die AFD haben ähnliche Argumente, und wollen die Todesstrafe wieder einführen.“ sagte ein junges Mädchen, deren Kleidung sie eindeutig als Antifa-Mitglied auszeichnete.
„Bisher hielt ich die Steinmetze für einen Haufen gefährlicher Verrückter. Aber vielleicht sind die Gargoyles doch gefährlicher, als ich annahm.“ redete ein weiterer Mann.
„Ich muss kurz mal los.“ sagte Fabian zu Caiside.
Eilig lief der Junge davon.

Es war wieder gegen Abend, als Fabian den Kirchturm erreichte. Er musste nicht lange warten, bis Kavelia neben ihm landete um ihn abzuholen. Er kletterte auf ihren Rücken, und sie kletterte den Kirchturm hoch.
„Habt ihr schon davon gehört?“ fragte Fabian, kaum dass er oben angekommen war. „Ein Gargoyle hat mehrere Jugendliche Getötet, und man macht euren Clan dafür verantwortlich.“
„Das kann doch nicht möglich sein.“ fuhr Kavelia auf, „Warum sollten wir denn einen Haufen Menschen töten?“
In diesem Moment kam ein Gargoyle angeflogen. Er hatte eine hellrote Haut. Er landete vor den anderen Gargoyles.
„Mein Name ist Caiside.“ stellte er sich vor, „Und ich muss mich bei euch entschuldigen. Ich bin dafür verantwortlich, dass die Stadt euch nun negativ gegenübersteht. Ich dachte, ich würde euch einen Gefallen tun, wenn ich diejenigen töte, die ein Verbrechen begangen haben, und dafür nicht bestraft wurden.“
Fabian glaubte zuerst, dass es ein seltsamer Zufall war, dass dieser Gargoyle den gleichen Namen wie sein Freund hatte. Doch dann verwandelte er sich, und plötzlich stand ein Junge vor ihm. Es war sein Freund Caiside, den er kannte.
„Caiside?“ fragte er verwundert, „Warum bist du hier? Und warum kannst du dich überhaupt verwandeln?“
„Mein Vater ist eines von Oberons Kindern, eine Fee. Und ich habe als besondere Fähigkeit die Gestaltwandlung. Wenn ich Mädchen erschrecken will, nehme ich einfach die Gestalt eines kleinen Tieres an.“ erklärte der Junge.
„Jetzt gibt es nur noch eines, was wir tun können.“ sagte Usaria, „Wir fliegen zu einer Kundgebung der Steinmetzte, und zeigen den Menschen, dass wir gute Leute sind.“
„Ich glaube nicht, dass das eine gute Idee ist.“ wandte Caiside ein, „Die Steinmetze sind ziemlich fanatisch, und lassen nicht mit sich reden.“
„Ich glaube, es ist unsere beste Chance.“ meinte Kavelia.
„Wir sollten es versuchen.“ stimmte Tenavor zu.

Die Steinmetze hatten eine große Versammlung im Freien, im Grüneburgpark. Doch plötzlich sahen sie, wie sich mehrere fliegende Gestalten näherten. Es waren Gargoyles. Unter ihnen waren auch zwei Gargoyle-Biester, und sogar ein menschlicher Junge. Der Junge schien sich freiwillig bei ihnen aufzuhalten. Welcher Verräter wandte sich denn bloß gegen die Menschen, um sich den Gargoyles anzuschließen?
Die Steinmetze zogen ihre Waffen und richteten diese auf die Gargoyles. Doch die Gargoyles griffen nicht an. Sie standen ruhig da, und sahen sie nur an.
„Da sind sie! Da sind diese Monster!“ rief jemand.
„Da ist ein Junge unter ihnen. Wir müssen ihn retten.“ meinte einer der Steinmetze.
„Von wegen. Das ist ein Verräter. Ihn müssen wir auch töten!“ sagte eine junge Frau.
„Nein, wartet!“ rief Fabian aus, „Die Gargoyles sind nicht böse. Legt eure Waffen nieder und lernt sie kennen. Es kann eine gemeinsame Zukunft für Menschen und Gargoyles geben.“
„Nein, kann es nicht!“ rief einer der Steinmetze.
„Wir müssen sie alle vernichten!“ stimmte ein weiterer Steinmetz zu.
„Unter ihnen ist auch dieser rote Gargoyle, der die vielen Jugendlichen getötet hat.“ erwähnte noch ein Steinmetz.
Es waren etwa vierzig Steinmetze, die langsam einen Kreis um die Gargoyles und Fabian bildeten. Doch plötzlich flog ein Stein heran und schlug einem der Steinmetze die Waffe aus der Hand. Diese sahen sich um. Und so wie sie die Gargoyles eingekreist hatten, waren sie ihrerseits eingekreist worden. Mindestens zehnmal soviele unkostümierte Menschen wie Steinmetze standen um sie herum.
„Lasst eure Pfoten von den Gargoyles!“ rief jemand.
„Sie sind die Beschützer unserer Stadt!“ stimmte ein anderer zu.
Es waren Menschen aus verschiedenen Gesellschaftsschichten, von beiden Geschlechtern und unterschiedlichen Alters. Sie alle standen Seite an Seite, und wollten die Gargoyles vor den Steinmetzen beschützen.
„Die Gargoyles haben mich aus dem Wagen gezogen als ich einen Unfall hatte.“ sagte einer von ihnen.
„Die Gargoyles haben meine Tochter auf ihrem nächtlichen Heimweg beschützt.“ rief ein anderer.
„Stürzt euch auf sie!“ meinte noch jemand.
Und schon rannten die Leute alle auf die Steinmetze zu, und verwickelten sie in eine Straßenschlacht. Fäuste und Füße trafen die Gegner. Den Steinmetzen wurden die Masken von den Gesichtern gezogen, und jeder von ihnen musste sich gegen mehrere aufgebrachte Bürger verteidigen.
„Ich glaube, dass wir hier nichts mehr tun müssen.“ stellte Fabian fest.

Einige Tage später

Fabian und Caiside waren wieder auf dem Weg von der Schule. Und wie üblich gingen sie durch die Einkaufspassage.
„Für die Gargoyles ist es letztendlich doch gut gelaufen, oder?“ fragte Caiside.
„Ja, das ist es. Sie gelten nun, ganz offiziell, als die Helden der Stadt. Und für die Steinmetze ist es nicht so gut gelaufen. Sie mussten die Stadt verlassen, oder werde es bald, und zwar nahezu alle.“ redete Fabian.
Er fand es noch immer ein wenig seltsam, dass Caiside kein Mensch war. Oder vielmehr, nur zur Hälfte ein Mensch. Andererseits war er immer noch der Freund, den er schon seit Jahren hatte. Und die Gargoyles hatte er auch akzeptiert.
„Die Steinmetzte haben die Stadt doch schon längst verlassen.“ meinte Caiside verwundert.
„Die die hergekommen sind, schon. Aber die anderen noch nicht.“ erklärte Fabian, „Die Steinmetze wurden nach der Straßenschlacht fotografiert. Und die Fotos wurden ins Internet gestellt. So ähnlich wie Antifa-Mitglieder es mit Neonazis machen. Außerdem wird nun nach allen gesucht, die Unterstützer der Steinmetze waren, und sie werden dann zu unerwünschten Personen in der Stadt. Sie verlieren ihre Jobs, manchmal sogar ihre Wohnungen, und werden von den anderen geächtet. Unter denen die in dieser Stadt wohnten, und sie schon verlassen mussten, war mein Vorgesetzter im Praktikum. Und ich glaube, es dauert auch nicht mehr lange, bis Herr Maier die Stadt verlassen muss. Es geht das Gerücht um, dass die Direktorin ihn bereits rausgeworfen hat, und er nur noch einen Job in einer anderen Stadt sucht, bevor er wegzieht.“
„Schon ein bisschen hart. Andererseits, solche intoleranten Menschen sind wahrscheinlich der Grund dafür, warum es eine Gruppe wie die Steinmetze überhaupt geben konnte.“ meinte Caiside.
„Heute Abend wollen Kavelia und ich wieder etwas unternehmen. Möchtest du mitkommen?“ fragte Fabian.
„Wollt ihr wirklich nicht ungestört sein?“ fragte Caiside ein wenig spitzbübisch.
Fabian knuffte ihn und erwiderte: „Wir sind nur Freunde.“
„Dann lasst uns diesen Abend zu dritt genießen.“ meinte Caiside.

ENDE
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