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Der Kult des Bösen

GeschichteFreundschaft, Suspense / P12 / Gen
OC (Own Character)
29.11.2016
29.11.2016
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Am nächsten Tag

Fabian war wieder auf der Arbeit. Als Schüler musste er leider auch das eine oder andere Praktikum machen. Er hatte das Pech, bei einem Fliesenleger sein Praktikum machen zu müssen. Zusammen mit einem anderen Arbeiter legte er die Fliesen über den Boden. Ein wenig erschöpft lehnte er sich zurück. Neuer Mörtel musste über den Boden gestrichen werden. Doch der Eimer mit Mörtel stand im anderen Raum.
„Tom, wir brauchen neuen Mörtel.“ sagte er zu dem Arbeiter, „Der Eimer steht im nächsten Raum. Warum holst du ihn nicht?“
„Fabian, du bist hier bloß ein Praktikant! Wenn überhaupt, dann ist er es, der dir sagen kann, was zu tun ist!“ brüllte Olaf aus dem Nebenraum und trat wütend durch die Tür.
„Was ist falsch daran, wenn ich ihn um etwas bitte?“ fragte der Junge verwundert, doch plötzlich legte sich ein Schatten von Wut über ihn, und er fuhr fort: „Seit ich hier bin, heißt es immer, Fabian, tu dies, tu das, tu jenes. Hier ist was zu tun, da musst du was machen, dort ist eine Aufgabe. Aber wenn ich auch nur einmal etwas sage… Das war´s, ich habe keine Lust mehr, mich ausnutzen zu lassen.“
Fabian stand auf und ging aus dem Raum.
„Wo willst du denn hin?“ fragte Olaf, der sein Vorgesetzter war, aufgebracht.
„Nachhause.“ meinte der Junge nur.
„Wenn du jetzt gehst, brauchst du morgen nicht zurückzukommen!“ drohte der Vorgesetzte.
„Das hatte ich auch nicht vor. Und übermorgen komme ich auch nicht. Das Praktikum ist vorbei.“ redete er.
„Ich werde deine Schule informieren! Dieses Verhalten wird in deiner Akte vermerkt werden!“ fuhr Olaf fort.
„Eine schlimmere Drohung fällt dir nicht ein?“ fragte Fabian, der ihn absichtlich duzte, „Das ist wohl ein bisschen schlecht für meine berufliche Zukunft, oder?“
Der Junge ging hinaus und trat auf die Straße. Auch wenn er sich jetzt vielleicht Ärger eingehandelt hatte, so hatte es doch einfach gut getan, einmal das zu tun, was man selbst für richtig hielt. Bei seinen Eltern war Fabian nur selten glücklich. Im Gegensatz zu den meisten Jugendlichen hatte er praktisch keine Freizeit. Er sollte immer nur lernen, lernen und lernen. Andere Jugendliche gingen auf Partys, oder unternahmen etwas, er jedoch sollte nur Schulbücher wälzen. Offenbar sahen seine Eltern ihn als eine Art Geschäftsmann in spe. Unabhängig von dem, was er selber wollte.
Ohne auf die Umgebung zu achten, rannte er in eine andere Gestalt hinein.
„Tut mir leid, ich habe nicht aufgepasst.“ entschuldigte er sich, „Oh, du bist es nur, Caiside.“
„Ich bin es also nur? Bin ich denn so eine Enttäuschung?“ fragte dieser gespielt entrüstet, doch Fabian wusste, dass er nur Spaß machte.
„Was führt dich denn hierher?“ fragte er.
„Ich habe mein Praktikum geschmissen. Und das war nun wirklich mehr als überfällig.“ gab Fabian zu, „Und du?“
„Hier in der Stadt ist eine Gruppe, die mir nicht gefällt. Sie treffen sich in einem der Gebäude hier.“ antwortete Caiside mit düsterer Miene.
Fabian musterte seinen Freund. Wie immer hatte Caiside etwas an sich, das so spitz, so fein, so schelmisch, so… feenhaft war. Die Mädchen in der Schule rannten ihm haufenweise nach, doch er schien kein Interesse an ihnen zu haben.
„Bist du neuerdings bei der Antifa, dass du Gruppen nachstellst, die dir nicht gefallen, und dann Pläne zum Angriff schmiedest?“ fragte Fabian amüsiert.
„Ach, wenn das doch bloß ein paar Braune wären. Aber die Steinmetze sind schlimmer, viel schlimmer.“ redete Caiside.

Zusammen ging sie zu dem Treffen der Steinmetze. Es war ein großer Saal, in welchem viele Leute saßen. Die meisten von ihnen waren einfache Leute die wohl in der näheren Umgebung wohnten, und eben eines der Treffen besuchen wollten. Allerdings erkannte man auch sofort die Vollmitglieder. Sie trugen Gewänder, die stark an den Ku-Klux-Klan erinnerten, nur dass sie schwarz und nicht weiß waren. Jede von ihnen trug einen elektrisch geladenen Hammer in seinen Händen, und hatte eine Schusswaffe an der Hüfte. Außerdem trug auch jeder ein stilvolles „Q“ auf seiner Kleidung.
Fabian und Caiside hatten sich ein wenig verspätet. Momentan standen zwei Jugendliche auf der Bühne. Einer von ihnen hatte er sehr vernarbtes Gesicht, sodass von seinem eigentlichen Gesicht kaum noch etwas zu sehen war. Der andere hatte nur einen Arm. Fabian kamen sie vage bekannt vor. Jedenfalls sprachen sie abwechselnd darüber, was ihnen von einem Gargoyle angetan worden sein soll.
„Müssen wir uns soetwas gefallen lassen?“ fragte schließlich der Anführer der Steinmetze.
Zumindest hielt Fabian ihn für den Anführer. Er war einer der wenigen die keine Kapuze trugen, und stand nun auf der Bühne.
„Du kannst gerne gehen.“ sagte Caiside, „Mehr als speziesistische Parolen wird er nicht bringen.“
„Was?“ fragte Fabian verwundert.
„Rassismus ist die Ablehnung und Herabsetzung von Individuen aufgrund ihrer Rasse. Speziesismus ist die Ablehnung und Herabsetzung von Individuen aufgrund ihrer Spezies.“ erklärte der Junge.
„Wenn du hierbleibst, tue ich das auch. Dann bist du nicht so alleine hier.“ sagte Fabian nur.

Ein halbes Jahr zuvor

Langsam ging die Sonne unter. Die Steinstatue bekam Risse, und brach auseinander. Unter ihr kam der Gargoyle zum Vorschein. Fabian wich zuerst erschrocken zurück, weil der Gargoyle für einen Moment angriffslustig aussah, und seine Augen weiß aufleuchteten. Doch einige Momente später sprach er ganz höflich: „Guten Morgen, Mensch.“
„Eigentlich ist es für mich schon Abend.“ sagte Fabian.
„Nun ja, für mich ist es eben Morgen.“ meinte der Gargoyle nur.
„Ich hätte nie gedacht, dass ich mal einen echten Gargoyle treffen würde.“ redete der Junge.
„Unser Clan hält sich von den Menschen fern.“ antwortete er.
Eine weibliche Gargoyle landete neben ihnen und sagte sofort: „Endlich habe ich dich gefunden, Jarek. Wir haben uns schon alle Sorgen um dich gemacht. Da ist ja ein Mensch.“
„Er hat mich während des Tages versteckt, Kavelia.“ sagte Jarek.
„Wirklich? Das war aber mutig. Nun denn, wir sollten gehen.“ redete sie.
„Warum geht ihr denn schon? Ich kenne euch praktisch noch gar nicht.“ fuhr Fabian plötzlich auf.
„Unser Clan meidet die Menschen.“ erklärte die weibliche Gargoyle.
„Das finde ich nicht gut. Dieser Mensch hat mich versteckt. Er hätte mich auch ausliefern oder mir etwas antun können, doch er hat sich für das Gute entschieden.“ wandte Jarek ein, „Irgendwann muss jemand den ersten Schritt gehen. Wir können uns doch nicht immer und immer wieder verstecken.“
„Das hast nicht du zu entscheiden. Und ich auch nicht. Ich danke dir, Mensch. Aber nun müssen wir los.“ meinte Kavelia.
Jarek sah ihn entschuldigend an, doch dann ging er der anderen Gargoyle mit. Sie verließen den Park und hielten auf ein hohes Gebäude zu.

Die Zeit der Handlung

Zu diesem Zeitpunkt wusste der Junge noch nicht, dass es nur wenige Tage dauern würde, bis Jarek ihn wieder besuchte. Nach einer Weile kam er zusammen mit Kavelia, und nach einiger Zeit lernte Fabian auch die restlichen Mitglieder des Clans kennen.
Die beiden Freunde hatten die Versammlung verlassen, als diese beendet wurde. Sie gingen an einem Laden vorbei, der Fernseher verkaufte. Im Schaufenster standen mehrere Fernseher, die wohl gerade die Nachrichten zeigten.
„Ich hätte nicht gedacht, dass die Gargoyles so schlecht dastehen. Dabei haben sie doch in den letzten Jahren soviele Menschen gerettet.“ redete Fabian.
„Du hältst die Aussagen der Steinmetze für wahr?“ fragte Caiside.
„Natürlich nicht! Aber da waren soviele Leute, die ihnen praktisch aus der Hand gefressen haben. Wenn die Gargoyles doch nur einen besseren Ruf hätten.“ sagte Fabian.
„Die Gargoyles in dieser Stadt gehen den Menschen aus dem Weg. Die Menschen wissen nicht, woran sie bei ihnen sind, und sind meistens misstrauisch. Und wenn dann obendrein ein paar Prediger kommen, die in den Gargoyles eine Gefahr sehen… das ist einfach keine gute Mischung. Die Sache würde ein wenig anders liegen, wenn die Gargoyles mit einer guten Tat in Verbindung gebracht werden würden, die wirklich durch die Medien geht.“ erklärte Caiside.
Fabian sah auf den Fernseher und sagte: „Siehst du auch die Nachrichten? Mehrere Jungs sind nacheinander über ein junges Mädchen hergefallen. Und das Gericht hat sie freigesprochen, weil sie noch nicht alt genug sind, um bestraft werden zu können.“
Tatsächlich zeigten die Bilder das Mädchen und ihre Eltern, die so aussahen, als hätten sie den sprichwörtlichen Schlag ins Gesicht bekommen; während die angeklagten Jungen laut lachten und jubelten, zusammen mit ihren Familien.
„Das ist eine schlimme Sache.“ sagte Caiside, doch er wirkte plötzlich erfreut, als sei ihm gerade ein guter Plan eingefallen.

Später am Abend hatten sich die Jugendlichen und ihre Freunde in einer großen Tanzhalle versammelt. Die Stimmung war ausgelassen. Immerhin waren sie den Mühlen der Justiz entkommen, obwohl sie ganz eindeutig schuldig waren.
„Wahrscheinlich hat der Richter erkannt, dass diese blöde Schlampe selber schuld war. Wer ist denn in einem so kurzen Rock abends unterwegs?“ sagte einer der Jungen und lachte.
„Wollen wir später noch zur Hundepension fahren und die Viecher dort erledigen?“ fragte eines der Mädchen und spielte mit einem Kampfmesser, „Schließlich kommen wir ja mit allem davon, was wir tun.“
Einige andere Mädchen und Jungen lachten laut auf und stimmten zu. Einer der Jungs sagte: „Hat jemand ihre Handynummer? Ich rufe sie an, und frage sie, ob es Spaß gemacht hat, etwas Hartes zu spüren.“
Jetzt lachten fast alle der Versammelten. Plötzlich landete ein großer Schatten hinter dem Jungen und rammte ihm ein Schwert in den Rücken, sodass die Spitze aus der Brust herausragte.
„Und macht es nun Spaß, etwas Hartes zu fühlen?“ fragte der Gargoyle, der hinter ihm stand.
Mit einem Ruck zog er das Schwert wieder aus der Wunde und sah herausfordernd in die Runde. Es war ein Gargoyle der eine imposante, kräftige Gestalt hatte, und seine Haut war hellrot.
Und schon brach der Tumult los. Das Mädchen mit dem Kampfmesser stürmte auf ihn zu, doch der Gargoyle enthauptete sie mit einem Schlag. Ein weiterer Junge griff ihn auch mit einem Messer an, doch der Gargoyle schlug ihm die Hand ab, und stieß ihm die Klinge dann ins Herz. Ein Mädchen wandte sich zur Flucht, doch der Gargoyle zog einen Dolch hervor und warf diesen auf das fliehende Mädchen. Die Klinge traf sie genau zwischen die Schulterblätter, und die Wucht des Treffers warf sie nach vorne.
Ein Junge schlug eine Flasche gegen den Tisch, sodass der Flaschenboden zerbrach, und er eine Waffe aus Glas in der Hand hielt. Brüllend rannte er auf ihn zu. Doch der Gargoyle schlug ihm die Hand mit dem Schwert ab, und stieß ihm dann einen anderen Dolch in den Oberschenkel. Mit einem Schlag schmetterte der Gargoyle seinen Gegner gegen die Wand, an der er herabrutschte. Dann ließ er sein Schwert kreisen, und schnitt einem Mädchen eine klaffende Wunde von der linken Schulter zur rechten Hüfte.
Zwei weitere Mädchen wollten fliehen. Sie rannten zur Tür und hatten diese beinahe erreicht. Der Gargoyle warf einen Dolch auf den Stromkasten, der sich auf ihrem Weg befand. Eine krachende Explosion ertönte, begleitet von zwei Todesschreien. Nur noch zwei Jungs waren übrig. Einer von ihnen zerschmetterte einen Stuhl über den Gargoyle. Dieser fing eines der abgebrochenen Stuhlbeine, warf den Jungen auf den Tisch, und rammte ihm das Stuhlbein wie einen Holzpflock ins Herz.
Der letzte Junge rannte los. Auch er wollte fliehen. Doch der Gargoyle fing ihn, drückte ihn gegen die Wand, und spießte ihn mit seinem Schwert auf, sodass er regelrecht an die Wand genagelt wurde.
Der Gargoyle sah sich um. Alle Gegner waren besiegt worden. Und so verließ er die Partyhalle wieder.
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