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Der Kult des Bösen

GeschichteFreundschaft, Suspense / P12 / Gen
OC (Own Character)
29.11.2016
29.11.2016
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Es war ein schöner Tag in München. Die Nacht war gerade angebrochen, und zwei Jungs waren im Park unterwegs. Dieser war als englischer Garten bekannt, und einer der größeren Parks in München. Sie hatten gerade den chinesischen Turm verlassen, und waren mitten im Park. Die beiden Jungs hießen Björn und Stefan und sahen sich aufmerksam um. Denn vor gar nicht so langer Zeit soll jemand hier im Park Gargoyles gesehen haben. Und nach ihnen suchten sie.
Vor zwanzig Jahren zeigte sich ein Clan Gargoyles in New York erstmals der Öffentlichkeit. Dadurch wurde klar, dass diese Wesen, die man zuvor für Mythen und Legenden hielt, tatsächlich existierten. Sie gaben sich als gutartig, und als Beschützer der Menschen. Doch natürlich war den beiden Jungs klar, dass sie Monster waren, die um jeden Preis bekämpft werden mussten.
Zuerst hatten sie nach ihnen gesucht, doch dann hatten sie etwas gefunden, was ihre Aufmerksamkeit auf sich gezogen hatte. Ein seltsames Tier. Es erinnerte noch am ehesten an ein Reptil, doch es war eine seltsame Art von Reptil. Björn und Stefan hatten es zur Hälfte in den Boden eingegraben, sodass nur sein Oberkörper und sein Kopf aus dem Boden herausragten. Und beide Jungs warfen nacheinander Steine auf das Tier.
Es war die Art Spiel, welche die Jungs am liebsten mochten. Meistens fingen sie einen Hund oder eine Katze ein, gruben das Tier ein, und bewarfen es mit Steinen. Wer zum Ende die meisten Treffer hatte, hatte das Spiel gewonnen.
„Ich habe ihn dreimal erwischt.“ sagte Björn.
„Ich auch. Damit haben wir also Gleichstand.“ meinte Stefan.
„Ich erledige es mal eben. Das Spiel ist langweilig.“ sagte Björn und zog ein Messer hervor.
Ein Junge sprang aus dem Gebüsch. Als er das eingegrabene Tier sah, rannte er sofort zu ihm hin und grub es aus. Das Tier winselte leise. Und nun erkannten die beiden Jungs ihn auch. Es war Fabian, der auf dieselbe Schule ging wie sie.
„Was seid ihr denn für welche, einfach ein unschuldiges Tier zu quälen?“ fragte er entrüstet.
„Was für ein Weichei.“ lachte Björn, „Er hat nicht einmal eine Ahnung, wie man sich amüsiert.“
Auch Stefan lachte.
Fabian setzte das Tier vorsichtig ab, und stürzte sich dann auf Björn. Eine Faust krachte in das Gesicht des Jungen. Björn schlug zurück, und ehe man es sich versah, rangelten beide Jungs über den Boden. Jeder schlug auf den jeweils anderen ein. Schließlich stieß Fabian seinen Angreifer weg.
Der Junge sah das Messer auf der Wiese liegen. Fabian griff danach und ging wieder auf Björn zu. Dieser spuckte Blut und drohte: „Das hast du nicht umsonst getan.“
„Oh, doch, ich verlange keinen Cent dafür.“ erwiderte Fabian, „Aber zuerst gebe ich dir dein Messer zurück.“
Er sprang vor, und rammte die Klinge in Björns Herz.
Fabian ließ das Messer los und ging einige Schritte zurück. Er fühlte sich schlecht. Er hatte einen Menschen getötet. Doch dann sah er wieder das kleine Gargoyle-Biest, und entschied, wegen einem miesen Tierquäler nicht weiter traurig zu sein. Außerdem hatte er ihn auch im Gewühl des Kampfes getötet, und nicht mit der Absicht, jemanden umzubringen.
Stefan sah entsetzt aus. Er wandte sich um und rannte los. Doch dann sprang plötzlich ein großes Gargoyle-Biest aus dem Gebüsch und stürzte sich auf ihn. Mit seinen scharfen Krallen zerfetzte er auch diesen Tierquäler.
„Ich habe ihn gefunden, Colida.“ sagte Fabian zu dem großen Gargoyle-Biest, „Aber jetzt sollten wir verschwinden.“

Ein halbes Jahr zuvor

Fabian war unterwegs. Er strich sich seine schwarzen Haare glatt, und sah sich dann um. Endlich hatte er eine freie Wiese gefunden. Es war sehr früh am Morgen, und Fabian wollte noch die Vögel hören, die frühmorgens sangen. Für einen 15-jährigen Jungen war dieses Hobby vielleicht ein wenig ungewöhnlich, aber ihm gefiel es.
Doch plötzlich sah er einen seltsamen Schatten durch die Luft fliegen. Der Junge wunderte sich, was es sein konnte. Für einen Vogel war es zu groß gewesen. Viel zu groß. Und plötzlich fiel ihm ein, dass man sich immer wieder Geschichten über sogenannte Gargoyles erzählte. Kreaturen, wie man sie zuvor für Mythen und Legenden hielt, sollten angeblich tatsächlich existieren. Als die Bilder um die Welt gingen, war Fabian noch ein kleines Kind gewesen, und schon da waren die Bilder nicht mehr aktuell.
Gargoyles sahen sehr humanoid aus, einige hatten sogar menschenähnliche Gesichter, doch ihre Haut war dieselbe wie die von Reptilien, an ihren Fingern und Zehen hatten sie Krallen, viele von ihnen hatten Hörner, ihre auffälligsten Merkmale waren jedoch die riesigen Flügel auf dem Rücken, die fast wie die Flügel von Fledermäusen aussahen. Sie waren meistens auch so groß wie Menschen, viele von ihnen waren sogar noch größer.
Fabian beruhigte sich wieder. Vielleicht war es bloß eine Einbildung gewesen. Was wollten Gargoyles auch schon in Bayern? Das Bundesland war selbst nach deutschen Maßstäben rückständig und altmodisch. Bayern war das deutsche Gegenstück zum amerikanischen Texas, wie die Linksradikalen in Bayern es gerne zu sagen pflegten. Und obwohl die Gargoyles von sich behaupteten, dass sie gutartig waren, und den Menschen nur helfen wollten, misstrauten ihnen noch immer viele Leute.
Plötzlich hörte Fabian etwas. Schritte näherten sich. Zwei Jungs, die er nicht kannte, und die deutlich älter waren als er, kamen auf ihn zu. Und sie sahen nicht gerade nett aus. Fabian wollte sich unauffällig entfernen, doch sie waren schon zu nahe.
„Hey, Junge, du hast doch bestimmt ein bisschen Geld für uns.“ meinte einer von ihnen hämisch grinsend.
„Bleibt weg von mir!“ sagte Fabian.
„Genau. Bleibt weg von ihm oder kämpft gegen den großen Jarek.“ sagte plötzlich eine neue Stimme.
Die beiden Jungs drehten sich um. Hinter ihnen stand ein Gargoyle. Scheinbar war er ein Junge. Seine Haut war dunkelgrün, und zwei Hörner wuchsen ihm aus der Stirn. Er musste noch recht jung sein, denn er war kaum so groß wie einer der beiden Jungs.
„Verschwinde hier!“ fauchte einer der Jungs und zog ein Messer hervor.
Der Gargoyle sprang vor und riss den Arm des Jungen aus. Er drehte sich um die eigene Achse und schlug ihn mit seinem Schwanz bewusstlos. Dann sprang er auf den anderen Jungen und fuhr mit seinen Krallen über sein Gesicht. Er schrie vor Schmerzen auf und schlug sich die Hände vor sein Gesicht. Auch ihn schlug der Gargoyle bewusstlos. Dann wandte er sich Fabian zu und fragte: „Ist alles in Ordnung mit dir?“
„Ja.“ sagte der Junge, „Danke, dass du mir geholfen hast.“
Im Osten wurde der Himmel plötzlich heller. Der Gargoyle sah entsetzt dorthin und sagte: „Oh, nein, ich bin zu spät dran!“
Einen Moment später verwandelte er sich in eine Statue aus Stein.

Die Zeit der Handlung

Fabian hatte die alte Kirche erreicht. Die Sonne ging gerade unter, und der Junge wusste, dass er nicht mehr lange würde warten müssen. Und tatsächlich, eine Gestalt landete neben ihm. Fabian drehte sich um und sah seinen Freund Jarek.
„Diesmal kommst du mich also abholen?“ fragte er.
„Meine Schwester wartet oben schon.“ erwiderte er, „Warum besuchst du meine Schwester eigentlich so häufig? Hast du keine eigene Schwester?“
Fabian lief rot an und antwortete: „Das wird sie dir schon erklären.“
Es war klar, dass Jarek wohl geradeerst dem Kindesalter entwachsen war, und nicht verstand, warum ein Junge gerne ein Mädchen besuchte.
Er klappte seine Flügel ein, und stellte sich mit dem Rücken zu Fabian. Fabian umarmte ihn von hinten, und Jarek kletterte die Kirchenwand hoch. Seine Krallen rissen tiefe Furchen in die Mauer. Denn obwohl Gargoyles riesige Schwingen hatten, konnten sie auf ihnen nur gleiten, und nicht fliegen. Das schien zuerst kein großer Unterschied zu sein, doch wenn sie auf ein Gebäude wollten, mussten sie die Wand hochklettern.
Als Fabian sah, dass sich der Boden immer weiter von ihm entfernte, wurde ihm ein wenig mulmig zumute. Doch er vertraute seinem Freund. Jarek mochte ein noch eher junger Gargoyle sein, doch er war noch immer sehr viel stärker als ein Mensch. Fabian hatte schon gesehen, wie Jarek ein Auto geworfen hatte, und er selber war nun wirklich deutlich leichter als ein Auto.
Es dauerte nicht lange, bis sie oben angekommen waren. Die Gargoyles waren schon wach, und bereits keine Statuen mehr. Tagsüber verwandelten sie sich in Statuen während sie schliefen. Leider war das eine große Schwäche, denn in diesem Zustand waren sie ziemlich verwundbar. Es gab viele Menschen die Gargoyles hassten, und sie waren meistens auch ziemlich feige, denn sie griffen nur bei Tag an, wenn die Gargoyles sich nicht verteidigen konnten.
Usaria, eine weibliche Gargoyle, hatte ihm einmal erklärt, dass Gargoyles zwar viel stärker, schneller und widerstandfähiger als Menschen waren, aber dennoch weit entfernt von unbesiegbar und unverwundbar. Wenn eine Gruppe von Menschen sie mit Schwertern und Äxten angriff, würden sie zwar zwei Drittel ihrer Leute verlieren, die Gargoyle aber letztendlich dennoch besiegen.
Tenavor, ein männlicher Gargoyle und Anführer des Clans kam auf ihn zu. Er war eine beeindruckende Gestalt, mindestens einen Kopf größer als jeder Mensch. Seine Haut war dunkelviolett, und sein Gesicht sah eher wie das eines Papageis aus. Er strahlte Kraft und Führung aus, aber letzteres in einem der seltenen, positiven Fälle. Er war eben der Anführer, und er brachte seinen Clan durch eine für Gargoyles gefährliche Welt. Er hatte auch den Plan ersonnen, um seinen Clan vor den Menschen zu schützen.
Fabian sah sich um und sah überall Statuen von Gargoyles, die sich nicht verwandelt hatten. Weil sie keine echten Gargoyles waren, sondern Statuen. Wenn Menschen jemals diesen Ort entdecken würden, und den Gargoyles etwas antun wollten, wüssten sie nicht, welche Statue ein schlafender Gargoyle war und welche eine echte Statue. Und weil auf dieser Kirche sowieso schon solche Statuen standen, fand es niemand ungewöhnlich, wenn es noch sechs weitere Statuen gab. Das Gargoyle-Biest Colida und ihr Kind, Usaria, Tenavor, Jarek und Kavelia.
„Die Sache mit den Tierquälern im Park könnte eine schlechte Publicity für uns sein.“ brachte Tenavor seine Bedenken zum Ausdruck, nachdem er den Menschenjungen begrüßt hatte, „Colida wollte ihr Junges einfach in den schönen Park bringen, und jetzt habt ihr beide die Jungs getötet.“
Fabian hatte das Gefühl, sich verteidigen zu müssen und erklärte: „Ich bin nicht losgezogen, um ihn zu töten. Es hat sich einfach in der Hitze des Kampfes so ergeben. Und so habt ihr es mich auch so gelehrt! Wäre es besser gewesen, wenn die beiden dem jungen Gargoyle-Biest etwas angetan hätten?“
Tenavor legte Fabian eine mächtige Pranke auf die Schulter und sagte mit Stolz: „Als ich dich zuerst sah, dachte ich, dass du bloß ein Mensch seist. Doch nun weiß ich, dass du innerlich das Zeug zu einem wahren Gargoyle hast. Ich habe nur selten Menschen getroffen, die so ehrenwert waren wie du.“
Fabian errötete voller Stolz, als er das hörte. Nun trat Kavelia vor. Beide fielen sich in die Arme. Sie war eine Gargoyle, die auch ein Mensch hübsch gefunden hätte, denn ihr Gesicht sah nahezu menschlich aus. Sie hatte lange, türkisfarbene Haare und eine orangefarbene Haut.
„Fliegen wir los?“ fragte sie.
„Klar doch.“ antwortete Fabian.
Sie umarmte ihn von hinten, und Fabian lief rot an, als er ihre Brüste in seinem Rücken spürte.
„Du hältst mich ein wenig zu fest an deinen Körper gepresst.“ sagte er.
„Wenn ich dich lockerer halte, fällst du vielleicht herunter. Also los!“ gab sie zurück.
Sie trug ihn, nahm Anlauf, und sprang vom Dach. Noch im Sprung breitete sie ihre Schwingen aus, und ließ sich vom Wind über die Dächer tragen.
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