Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Mission Failed

Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Freundschaft / P12 / Gen
Otacon Solid Snake
29.11.2016
02.11.2017
2
2.069
 
Alle Kapitel
1 Review
Dieses Kapitel
1 Review
 
 
29.11.2016 1.028
 
Der Regen war nichts, die Kälte nur ein leises Streicheln des Windes.

Es war die regentrübe Sicht, die ihn benebelte.

Und die Angst.

Die Angst, die in ihm herum kroch, brütete und sich wie Fieber ausbreitete.

Die Angst, Snake könnte bei diesem Einsatz etwas zustoßen....


Otacons Körper reagierte auf den hohen Stresspegel mit Übelkeit und Zittern. Es handelte sich nicht mal um Angst um sich selbst.

Er hatte Angst um Solid.


Durch den dichten Regenschleier konnte er von der Verrazanobrücke nur schlecht den näher kommenden Tanker erkennen.
Hier war ihr erster Checkpoint. Hier würde er Solid aufgabeln und mit ihm und den hoffentlich gesammelten Daten wieder verschwinden.

Otacon wartete.

Sein Codec war jederzeit bereit.

Otacon wartete.


Am liebsten hätte er ein wenig Diazepam geschluckt. Doch das würde ihm nicht bekommen. Abgesehen davon erinnerte es ihn zu stark an Wolf. Und das musste nun wirklich nicht sein.

Er musste, wie Solid, wortwörtlich mit Leib und Seele bei der Sache bleiben.


Otacon wartete.

Nichts. Seit viel zu langen Minuten war keine Statusmeldung seines Partners mehr gekommen.

Otacon versuchte sich mit allen Mitteln zu beruhigen, das Schiff war noch lange nicht am Checkpoint angekommen, und dennoch... Dennoch verursachte irgendetwas in Otacons Magengrube höllische Aufregung.

Vielleicht lag es an der ominösen Quelle, aus der sie dieses Mal ihre Informationen bezogen hatten.

Vielleicht war es das schlechte Gewissen, dass er Solid immer allein vor schickte und sich selbst und seinen feigen Hintern im Sicheren wog.

Er wusste es nicht.


Otacon wartete.

Das Schiff war mittlerweile gut sichtbar. Unter diesen Umständen hätte Snake sich längst melden müssen.

Die Rede des Kapitäns war alsbald zu Ende, wenn alles nach dem gegebenen Zeitplan lief.

Ihm bereiteten die Anwesenheit der russischen Soldaten Sorgen. Wie viele Leute wussten außer ihnen noch von dem Anti Metal Gear?

Wenn Otacon die Zeit gehabt hätte, wäre er wieder in Selbsthass versunken. Nur dank ihm waren sie überhaupt hier.

Nur dank ihm waren auf dem Schwarzmarkt nun Pläne einer Massenvernichtungswaffe verfügbar.


Wegen ihm-

Ein bekanntes Rauschen unterbrach seine Gedankenspirale.

„Otacon, alles verzögert sich. Ich brauche länger als erwartet.“ Snake knurrte und Otacon ahnte nichts Gutes. „Wir sind an der Verrazano Brücke längst vorbei.“
„Wir müssen dann einen anderen Checkpoint wählen“, versuchte Otacon die Situation im Auge zu behalten und nichts unnötig zu dramatisieren.
Snake klang hektisch, als er erwiderte: „Ja, aber womöglich planen sie auch das eigentliche Ziel zu ändern.“
„Was?“ Er konnte die aufbrodelnde Panik nicht mehr aus seiner Stimme fern halten.

„Die Ausgänge zum Deck sind alle versiegelt.“ In Snakes Stimme lag eine schwere Endgültigkeit.

„Was geht da vor sich?!“, fragte er erzürnt, wohl wissend, dass Snake kaum die Antwort kannte, die sie so dringend brauchten.

„Wenn sie Metal Gear bekommen, stecken wir in beschissenen Schwierigkeiten. Die Männer hier sind definitiv Marines. Wenn das Deck tatsächlich versiegelt ist, dann haben die Leute da unten auf keinen Fall mitbekommen, dass das Schiff gekapert wurde. Ich habe kein Interesse daran, mich mit denen anzulegen. Meine Waffen bringen mich hier nicht weit und die Kerle da unten sind bis zum Anschlag bewaffnet.“

Otacon schluckte. Snake war immer sehr ehrlich und kam direkt zum Punkt. In seinem Job konnte großes drum Herumreden auch ganz schnell das Ende bedeuten.

„Kannst du Metal Gear sehen?“, fragte er stattdessen, um von Snakes ungemütlicher Position abzulenken.

„Nein“, kam nach einiger Zeit zurück. „Ich muss um den Bug herum. Die haben sich hier eine verdammt gute Verteidigung aufgebaut. Ich bezweifle ebenfalls, dass die Neuankömmlinge sich ihren Weg durch die Marines bomben wollen.“

„Ich frage mich, wo sie hin wollen...“, formulierte Otacon seinen Gedanken laut aus. Normalerweise unterband er das, denn es nervte Snake und seine Überlegungen kamen oft zu falscher Zeit. Doch im Moment war es von höchster Wichtigkeit, endlich einen Ausweg zu finden.

Er hörte Snake grimmig lächeln, als er die letzte Antwort vernahm. „Ich weiß nicht... aber nicht zum Strand, so viel ist sicher.“

Danach legte er auf.
Otacon hasste es, wenn seine dunklen Vorahnungen sich bewahrheiteten.

Mit Sack und Pack fuhr er so schnell er konnte zum nächst gelegenen Treffpunkt, an dem er Snake einsammeln konnte.
Dieser bot kaum eine so gute Lage wie die Verrazano Brücke, doch die Mission zwang sie zur Flexibilität.

Otacon wartete wieder. Er verabscheute es.
Zwar würde er dort unten noch von weniger Nutzen sein, aber...

Alsbald bekam er von Snake die Meldung, dass er sich im Computer eingeloggt hatte. Otacon startete schnellstmöglich das selbstgeschriebene Programm und besah sich die Fotos.

„Okay, jetzt haben wir alle“, sagte er möglichst professionell. „Snake, die Rede ist so gut wie vorbei. Sieh zu, dass du da raus kommst.“

Er hörte seinen Partner bestätigen und dann wurde die Verbindung wieder gekappt.

Obwohl der Hacker theoretisch gesehen im Sicheren war, war er womöglich aufgeregter als Snake.

Er beobachtete die Route des Tankers genau, als plötzlich ein riesiger Ruck durch das Schiff ging. Keine Sekunde später kam eine kurze Meldung von Snake.

„Otacon, wir haben ein ziemliches Problem.“

Mehr kam nicht.
Otacon wurde schlecht.

Er versuchte ihn zu kontaktieren, doch sein Codec gab keine Rückmeldung.

„Snake!! Snaaaaake!“

Lautes Donnern knallte über den Fluss.

Otacon spürte nicht mal mehr Kälte.

Nur ein dumpfes Ziepen, tief in sich. Er rief nach Snake, über Codec, er rief aus Angst und Verzweiflung.


„Snaaaaaaaaaaaaaaaaaake!“


Der Tanker zerbarst und brach dann in viele kleine Stücke. Selbst bis zu seinem Stützpunkt konnte er die Schreie der fallenden und verletzten Männer hören.


Er hatte keine Wahl.


Er zischte runter, nahm dabei einen Passanten mit, doch für Entschuldigungen blieb keine Zeit.

Er warf so schnell er konnte das präparierte Boot an und fuhr über den Hudson River, immer weiter rufend.

Die Wellen warfen ihn mehrmals fast um, doch Otacon biss die Zähne zusammen und fuhr weiterhin zur Unglücksstelle.

Es war ihm egal, dass andere ihn hören würden.
Es war ihm egal, dass ihre Anwesenheit nicht mehr wirklich geheim war.  

Er wollte einfach nur Snake finden.

Er musste.


* * * TBC * * *


Sooo, das war Teil eins. Auf den zweiten freue ich mich schon. Ich sollte das dringend wieder mal zocken. Auch wenn Raiden jetzt nicht gerade zu meinen Lieblingen gehört -.- Noch jemand hier, der Otacon mehr liebt als er es verdient hat? :'D

Liebe Grüße,

die Angel
Review schreiben
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast