Kiss Me Again

von Jumi Kuya
OneshotRomanze / P12
28.11.2016
28.11.2016
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"Was hältst du eigentlich von Vollstrecker Togane..?" Kunizuka-San ging natürlich von einem anderen Grund, einem rein beruflichem Grund für diese Frage aus. Verständlich. Wer würde schon einfach so erraten können, was diese Frage in meinem Kopf auslöste, wenn ich es selbst nicht verstand. "Ich denke..." hörte ich ihre sanfte, tiefe Stimme ansätzen. "...er ist ein ausgezeichneter Vollstrecker."
"...ya, das denke ich auch."

-

"Was ist, hast du jetzt Angst vor mir?" In jeder anderen Situation hätte ich mich wohl darüber aufgeregt, dass er mich nicht siezte, doch in diesem Moment ließ mich die tiefe Stimme des Vollstreckers einfrieren. Angst... dieses Wort beschrieb nicht einmal ansatzweise, wie sehr ich mich vor diesem Mann fürchtete. Und trotzdem unterwarf ich mich ihm, gehorchte ihm. Hatte ich denn eine andere Wahl..?
"Du solltest nicht so empfinden." Aus den Augenwinkeln bemerkte ich, wie er sich zu mir umdrehte, doch ich wagte es nicht, meinen Blick zu heben. "Immerhin bin ich immer noch... das Kind meiner Mutter. Und damit Sibyl's Kind." Nun setzte er Schritte auf mich zu. "Meine Augen sind die Augen der Gesellschaft. Mein Wille ist der Wille der Gesellschaft." Direkt vor mir blieb er stehen, sodass mein Blick starr auf seine Weste fiel, doch ich ließ den Blick sturr gesenkt. "Du kannst dich mir nicht widersetzen, ganz gleich, wie sehr du latente Verbrecher auch verabscheuen magst."
Einen Moment lang biss ich mir auf die Unterlippe. Nein... ich hatte keine Wahl. Ich konnte mich ihm nicht widersetzen. "In Ordnung... also, was willst du von mir..?" murmelte ich mit einem möglichst sicheren Ton, während ich ihn immer noch nicht ansah. "Ich möchte, dass du für mich einen Blick auf etwas wirfst. Finde heraus, wo Akane Tsunemori's Großmutter lebt." Erst jetzt hebte ich den Blick an, mit einer gänzlichen Verwirrung in diesem, wo ich auf einen finsteren Blick, gepaart mit einem schäbigen Grinsen traf. "Wir werden die Inspektorin an einen Punkt bringen, an dem sie sich wirklich Kamui stellen kann."
Langsam begann ich zu verstehen. Nach Allem, was ich über diesen Mann heraus gefunden hatte, verstand ich nun endlich, was dahinter steckte; Er wollte Akane Tsunemori schwarz färben. Sie trüben und dann wie einen Hund vollstrecken, so, wie er es zuvor schon mit so vielen Inspektoren getan hatte. Auch wenn meine Kollegin einen unglaublich starken Psycho Pass besaß, welcher beinahe untrübbar war, würde auch ihre Psyche langsam brechen, wenn ein wichtiges Familienmitglied brutal ermordet wird.
Doch gerade mich, die hinter sein Geheimnis, sowie das Geheimnis seiner Mutter, seiner Familie, des Sibyl Systems, gekommen war, verschonte er. Er hatte mich tatsächlich vor seiner Mutter in Schutz genommen, gesagt, er könne mich noch benutzen. Doch es ergab keinen Sinn. Er hätte genau so gut über seine Mutter durch Leichtigkeit an die Informationen kommen können. Während mein Verstand mit diesen Gedanken ab schweifte, wendete er sich erneut ab. "Erledige das für mich." brummte die dunkle Stimme Sakuya's noch, ehe er sich zu der Tür abwendete. Erst jetzt kam mein Verstand wieder in die Realität zurück. Er konnte doch nicht...
"Warte..!" japste ich dem Größeren hinterher. Sogleich blieb er stehen und sah kühl über die Schulter zu mir. "Warum... ich?" Ich wollte irgendetwas sagen. Dass es nun gerade das sein musste..?
"Warum du?" wiederholte er gepresst, mit dieser tiefen Stimme die einen bis ins Mark erschüttern konnte, zugleich aber auch jegliche Sinne stimulieren und einem den Verstand rauben konnte. In dieser Sekunde war ich mir nicht ganz sicher, welchen dieser Effekte sie auf mich hatte.
Er drehte sich wieder ganz zu mir um und kam erneut näher, blieb erneut vor mit stehen, schien mich mit seinem eisigen Blick aus den grauen Augen zu durchbohren wollen, während das finstere Grinsen nicht von seinen schmalen Lippen weichen wollte.
Mein Herz hämmerte stärker, als er sich zu mir runter beugt, so nah, dass ich selbst seinen Atem spüren konnte, welcher warm meine Wange und meine Lippen streifte.
"Weil es mein Wille ist." Er kam noch näher. Nun strich sein Atem nicht mehr nur, sondern hauchte direkt gegen meine Lippen, während ich nicht anders konnte, als ihm in die Augen zu sehen. "Und ich weiß, dass du mir gehorchen wirst." Ich spürte, wie meine Knie schwach wurden und ich mich nur noch knapp auf den nun wackeligen Beinen halten konnte, welche zusätzlich auch noch auf Stöckelschuhen standen. Seine Stimme löste ein Kribbeln, zugleich aber auch ein untergebenes Zittern in meinem ganzen Körper aus. Es fühlt sich an, als würden seine Lippen jeden Moment meine berühren, dass Gefühl seines Atems verschwinden lassen und ein anderes, noch viel wärmeres, intensiveres Gefühl hervorrufen und mich wohl gänzlich zusammenbrechen lassen. Bevor es dazu kam, verschwand jedoch sein Atem wieder von meinen Lippen, als er sich wieder gerade hinstellte und mit einem Grinsen, welches aussah, als wüsste er genau, was er in mit auslöste, zu mir hinunter sah.
Ich weiß nicht genau, wie ich selbst ihn ansah. Vielleicht verwirrt. Vielleicht ängstlich. Vielleicht auch verlangend. Doch das Zittern in meinen Beinen, meinem ganzen Körper, wollte unter seinem Blick nicht vergehen.
"Also... erledige es für mich." Er wendete sich ab. Und ging. Einfach so.
Das war zu viel für mich. Nachdem er durch die Tür ins Innere des Gebäudes verschwunden war, gaben meine Knie endgültig nach und ich sackte auf den Boden. Mein Herz hämmerte, während ich ein Schwindelgefühl spürte und in meinem Kopf hunderte, nein tausende Gedanken und Gefühle rasten. Aber fast alle hatten eine Sache gemeinsam; Ich wollte ihn.
Vollkommen egal, was er nur einige Minuten zuvor von mir verlangt hatte. In mir stieg das Verlangen, ihm nachzugehen, festzuhalten, ihn einfach zu mir runter zu ziehen und zu küssen. Denn letztendlich... konnte er sich mir in vielen Dingen auch nicht widersetzen, nicht wahr?
Nein. Diese Denkweise ist falsch..!
Ich fuhr mir mit einer Hand durch den, vollkommen zerzottelten Pony. Was dachte ich da überhaupt..?! War die Situation nicht schon schlimm genug? Ich sollte einem latenten Verbrecher, einem Mörder, helfen, eine Kollegin schwarz zu färben, und eventuell dann auch noch zu vollstrecken, und ausgerechnet zu diesem Mann fühlte ich mich hingezogen?
Welche Farbe... ich jetzt wohl hab'...
Und plötzlich schlug ich die Augen auf. Was denn nun? Ich war doch gerade noch auf dem Balkon des Amtes für öffentliche Sicherheit! Hier war es etwas dunkler, ein gedimtes Licht erleuchtete den etwas dunkleren Raum eher sanft. Außerdem war es wärmer. Einen Moment lang spielte mein Gleichgewichtssinn noch verrückt, bis er sich eingeordnet hatte und ich merkte, dass ich nicht mehr saß, sondern lag. Weich.
Ich musterte meine Umgebung. Ich lag in einem Bett. Und zwar nicht in meinem Eigenen. Ich kannte diesen Raum nicht. Wobei...
Das stimmte gar nicht. Irgendwo her kannte ich diese Gestaltung, diese Ordnung, die-
"Du bist wach." Ich fuhr stark zusammen und mein Blick suchte nach dem Ursprung der Stimme. Sakuya, welcher nicht einmal zu mir sah, saß einige Meter von mir entfernt an seinem, sogar recht alten, Computer. Natürlich! Ich war hier schon mal!
Als du bei ihm eingebrochen bist, Blitzbirne.
  Ich konnte ein leises Seufzen von ihm wahrnehmen, ehe er aufstand und auf mich zu kam, wobei er mich nun ansah. Ich setzte an, um zu fragen.
"Du bist auf dem Dach zusammen gebrochen." murrte er, während er neben dem Bett stehen blieb und mich mit seinen grauen Augen musterte.
Augen wie flüssiges Silber...
"Ich konnte dich schlecht dort liegen lassen." Gut, da hatte er wohl recht. Spätestens dann hätten sie meinen Kriminalcoeffizienten überprüft, sobald sie mich gefunden hätten. Und das, gerade nach solchen Gedankengängen...
Nun setzte er sich neben mich auf das Bett. "Wie... lange war ich weg..? murmelte ich, als wäre ich noch schlaftrunken. Dabei war ich einfach nur vollkommen fertig.
"Gut eine Stunde, vielleicht ein einhalb, schätze ich."
Na wundervoll. Ich fuhr mit einer Hand über mein Gesicht. Was konnte denn jetzt noch schief gehen?
Ich verkniff es mir, zusammen zu zucken, als er mit seinen Fingerspitzen über meinen Arm strich und eine warme Gänsehaut auslöste.
"Tut mir leid." hauchte er schon fast. "Ich wusste nicht, dass ich... soetwas auslöse." Seine Stimme klang schon fast etwas belustigt. Ich verengte die Augen. Das konnte doch nicht sein ernst sein. Ich gab mir mühe, wütend zu gucken, doch die sanfte Berührung seiner Fingerspitzen reichte, um meinen Körper gefühlt zu lähmen. Zudem ließ er mir unter seinem funkelnden Blick gar keine andere Wahl, als mich ihm hin zu geben. Warum konnte er mich so schwach machen? Er wusste ganz genau, was für eine Wirkung er auf mich hatte! Ich biss mir leicht auf die Unterlippe, ehe ich nach seinem Arm griff.
"Sakuya." zischte ich schon fast, trotzdem blieb sein Blick kühl. Ich wartete darauf, dass sein Blick sich zu diesem schäbigen Grinsen änderte, doch das tat es nicht.
Nein, er fing an zu lächeln. Er lächelte.
Er. Lächelte.
Ich wurde erneut schwach. Meine Finger lösten sich von seinem Arm und ich lag da Wie gelähmt. Nun formte sich das Lächeln doch erneut zu einem Grinsen. Doch nicht zu einem grausigen Grinsen.
Nein, dieses Grinsen löste vielleicht eine gewisse Angst aus, doch viel mehr ein unbeschreibliches Verlangen. Hätte ich in diesem Moment gestanden, wäre ich wohl gänzlich zusammengebrochen. Er beugte sich langsam über mich, stützte seine Arme links und rechts von mir, bis er über mir war, bedacht darauf, mich mit diesem Grinsen zu quälen.
Mein Körper war sowieso gelähmt, und nun war mein Verstand auch willig genug, dass er alles mit mir hätte machen können.
"Mika..." raunte er leise, während er mir näher kam. Mit einer Hand griff er in meine Haare, welche zu diesem Zeitpunkt sogar geöffnet waren, und kontrollierte damit nun selbst meinen Kopf. Ich war ihm ganz und gar untergeben. Und ich fand es nicht einmal schlimm. Es gefiel mir sogar, auch, wenn ich nicht wusste, was genau er überhaupt vor hatte.
Mein Atem wurde unterbrochen, sowie der Blickkontakt zu ihm, als er seine kühlen Lippen auf meine drückte und mein Herz für einen Moment lang gefühlt aussetzte. Mein ganzer Körper begann zu Kribbeln, während ich spürte, wie seine Zunge sich in meinen Mund stahl und meine umspielte. Dieses Gefühl... war berauschender als jede Droge. Trotz des Kribbelns und meines enorm schnellen Herzschlages, kam langsam wieder leben in meinen Körper zurück, vorsichtig hob ich die Arme und legte sie um ihn, und ich konnte spüren, wie sich ein lächeln auf seinen Lippen formte. Erst nach einer ganzen Weile löste er sich langsam wieder und ich löste widerwillig den Kuss. Als ich die Augen öffnete, traf mein Blick auf das wohl wunderschönste Lächeln der Welt. Mein Herz schien sich nicht mehr zu beruhigen, aber das war mir egal. Er beugte sich wieder mehr zu mir runter, lehnte seine Stirn nun aber leicht gegen meine. Wie konnte ein einziger Kuss einen Menschen so fertig machen. Ich seufzte leise, dafür nun aber wohliger und schloss die Augen wieder leicht.
Es war mir egal, was zuvor passiert war. Ich wollte das hier, ich wollte ihn. Und das konnte mir nichts und niemand verderben. Eine ganze Zeit lang verweilten wir so.
"Sakuya..."
"Hmm..?"
"...küss mich nochmal."