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Entscheidung unter der Sonne

GeschichteAllgemein / P6 / Gen
Megamind Metro Man Minion Roxanne Ritchi
25.11.2016
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Entscheidung unter der Sonne

„Du hast gewonnen.“
„Was willst du damit sagen, 'ich habe gewonnen'?“ Megamind war perplex.
Wie erwartend war Metro Man seinem Todesstrahl in letzter Sekunde entkommen. Doch nun stand dieser vor seinem jahrelangen Rivalen, bat ihn die Kameraübertragung zu unterbrechen und erklärte ihm nun, dass der Böse gewonnen hatte.
„Wir haben mit unserem epischen Kampf noch gar nicht angefangen.“ Er zeigte mit ausgestreckter Hand hinter den Helden. „Miss Ritchi sitzt immer noch da und wartet darauf, dass du sie hier raus bringst.“
„Ich meinte generell.“ sagte der Superheld. „Ich kann nicht mehr. Ich gebe auf. Du hast gewonnen.“

Es war Schweigen im Raum.

„Wie noch mal?“ „Was bitte?“ „Wie meinen?“ kam den Helden gleichzeitig entgegen.
„Ich meine, ich habe nachgedacht,“ antwortete Metro Man. „Und wir machen das hier schon unser ganzes Leben. Ich finde ich sollte mich vom Heldendasein zurück ziehen, solange ich noch kann.“
„Ich kann nicht glauben was ich da höre.“ schrie Roxanne. „Die Leute in der Stadt vertrauen dir und du lässt sie einfach im Stich?“ Wäre sie nicht gefesselt gewesen, hätte sie bestimmt etwas nach ihm geworfen. Vorzugsweise etwas Schweres.
„Und du lässt uns in der Hand von... von... IHM?!“ Sie richtete ihren Kopf gen Megamind.
„Ich weiß es ist nicht der beste Plan, Roxy.“ versicherte der Held. „Aber es ist das Beste, was mir eingefallen ist.“
Megamind stritt zu Metro Man nach vorne. „Und beinhaltet dein Plan zumindest einen Nachfolger zu ernennen? Ich meine, du kannst uns... sie...“ er zeigte auf Roxanne. „Die Stadt nicht alleine lassen.“
Das Gesicht seines Gegenübers zuckte zusammen. „Es gibt da schon einen Kandidaten.“
„Würdest du bitte so freundlich sein ihn zu nennen?“ sagte Megamind ungeduldig.
„Tja,“ Metro Man strich sich nervös über den Nacken. „Da gibt es ein Problem. Ich muss ihn erst überzeugen.“
„Das war's?!“ schrie der Superschurke. „Du gehst einfach, keine Vorkehrungen, kein richtiger Nachfolger?!“
„Ich glaube ich muss ihn erst dazu drängen.“
„Dann dränge ihn und hör dann auf! Hast du eine Ahnung was so ein Ungleichgewicht der Kräfte auslöst? Du musst kein Physiker sein um zu wissen; das wird nicht lustig!“
Der ausgestreckte Zeigefinger kam jetzt dem Superhelden entgegen.
„Ich dränge ihn indem ich aufhöre.“
Megamind ging ein paar Schritte weg und warf die Hände über den Kopf. „Großartige Idee! Du drängst ihm indem du aufhörst. Was für ein Geniestreich. Ich hätte auf keinen besseren Plan kommen können.“ Er fing hysterisch an zu lachen und hörte abrupt wieder auf.
„BIST DU WAHNSINNIG?!“
Allen weiteren Anwesenden klingelten die Ohren. Megamind hatte tatsächlich ein gewaltiges Stimmvolumen.
„Ich glaube ich sollte jetzt verschwinden.“
Metro Man ging an den Schurken vorbei in Richtung Ausgang.
„Warte! Was ist mit mir?“ rief Roxanne ihm hinterher.
„Ja! Was ist mit Miss Ritchi?“ Megamind zeigte auf seine immer noch gefesselte Geisel.
Metro Man drehte sich um, machte aber keine Anstalten zu ihr rüber zu gehen. Er verschränkte nur die Arme über seine Brust und seufzte.
Megamind wartete einen Moment ab. Dann warf er mit einem frustrierten Knurren die Arme in die Luft.
Er ging zu einem Brainbot der beim Eingang des Geheimversteckes stand und sagte: „Hol mir das LM3.“
Nur wenige Sekunden später lies der Brainbot eine kleine metallene Stange, die an einem drittel der Länge dünner war, in die offene Hand seines Meisters fallen.
Dieser drehte sich um und aktivierte das Gerät. Das dünnere Drittel leuchtete rot auf. Es war wie ummantelt.
Nun ging er gezielt auf Roxanne zu. Diese starrte mit einem kaum versteckten Anflug von Panik den bedrohlich leuchtenden Gegenstand an.
Nun stand der Schurke vor ihr. Zorn in seinen Augen, den Stab zur Seite erhoben und mit flacher Atmung.
Drei Sekunden und zwei zischende Geräusche später stand er nicht nur hinter ihr, sondern sie war auch noch von ihren Fesseln befreit.
Roxanne stellte sich zwei Fragen: „Wie konnte ich nur so klischeehaft denken?“ und „Wie schnell kann der Typ sich bewegen?“

„Ich gebe dir bis heute Abend Zeit.“ drohte Megamind. „Entweder bist du bis dahin zur Besinnung gekommen oder ich nehme das Rathaus ein.“
Metro Man nickte nur kurz und war darauf hin sofort verschwunden.

Roxanne fühlte eine Hand auf ihrer Schulter unwissend, dass sie nur zögernd dort gelandet ist.
Ohne seine Hand zu entfernen ging er zu ihr nach vorne und kniete sich hin um ihr direkt in die Augen zu sehen.
„Es tut mir Leid, dass Sie Ihr Freund... ähm... Exfreund einfach sitzen gelassen hat. Das haben Sie wirklich nicht verdient.“
Roxanne starrte ihn an. Kein Anzeichen von Schadenfreude oder Häme, wie es sich für einen richtigen Superschurken gebührt. Er schien wirklich besorgt zu sein.
„Was für eine Ironie!“ dachte sie sich. „Der Held verschwindet einfach und macht was er will und der Schurke zeigt Sympathie!“

Sie umfasste ihr Handgelenk, das nur leichte Abdrücke aufwies als würde es schmerzen, um ihm nicht in die Augen zu sehen.
„Mit diesem Verräter war ich nie zusammen.“ grummelte sie. Sie wusste, er war der Letzte dem sie das erzählen sollte, aber ihre Wut ließ es einfach raus.
„Waren...“ stotterte Megamind. „Waren Sie nicht?!“
„Es war nur so 'ne dämliche Alibibeziehung. Und natürlich kriegt er alle Vorteile.“ nun sah sie ihm wieder in die Augen. „Ich habe im letzten halben Jahr mehr mit dir geredet als mit ihm.“


Es war ein gewaltiges Schauspiel.
Die Straßen waren leergefegt. Eine Armee von Brainbots erleuchtete den Frost am Boden und zwei Figuren gingen vorne weg.
Megamind befahl die Lasershow anzuschalten und „For Whom The Bell Tolls“ abzuspielen.
Er hatte für diese Gelegenheit „Highway to Hell“ bereitgelegt aber ihm war nicht nach feiern zu mute.

Vor dem Rathaus löste sich ein Schuss und Megamind wich der Kugel aus. Das Energiefeld der Spikes hätte sie sowieso abgefangen, aber auszuweichen hinterließ mehr Eindruck.
„Fallen lassen!“ befahl der Schurke und sofort war keine einzige Waffe mehr in den Händen der Polizeibarrikade.
Auf der obersten Stufe vom Rathaus stehend begutachtete er erst die Reihe der Reporter.
Er gab Minion das Zeichen die Musik auszuschalten... und es spielte Minnie Ripertons „Loving You“.
„Scheiße, ich hab das Mix-Tape drin gelassen.“ dachte er sich.

Nach einer peinlichen, gefühlten Ewigkeit, zerdepperte Minion einfach den Rekorder und Megamind nahm so schnell wie möglich das Mikrofon in die Hand.
„Also, ich sehe ihr habt das Memo bekommen.“ leitete er ein.
„Diese wunderschöne, überwältigende, florierende Metropole, euer nettes Metrocity, einfach von eurem ach so tollen Helden verlassen. Jetzt seid ihr wohl tatsächlich hilflos.“
Da war sie nun. Die Schadenfreude, die man von ihm erwartet hatte. Unwissend von allen Anwesenden, insbesondere Roxanne, das diese eine Nachricht an den Helden gerichtet war.
„Ja, bitte?“ er deutete auf einen Arm, der sich über der Menge erhob. Er gehörte der Starreporterin Miss Ritchi. Sie trug noch das selbe Kleid, wie am Morgen, doch er konnte, als er genauer hinsah erkennen, dass ihr Make-Up und ihre Haare nicht mehr ganz ordentlich waren. „Da du den lokalen Helden nur durch Aufgabe besiegt hast, konntest du der Stadt keine Stärke beweisen. Würdest du sagen, dass dieser Sieg... bedeutungslos ist?“
„Meine verehrte Miss Ritchi,“ er setzte eine selbstsichere Haltung samt Gesicht auf. „Metro Man war der einzige, der mich hatte aufhalten konnte. Ich kann machen was ich will.“
„Und was willst du?“
„Ist das nicht offensichtlich?“
Es war tatsächlich nicht offensichtlich. Dafür hatte er vor Jahren gesorgt. Aber die Stadt einzunehmen, Vandalismus und schweren Diebstahl zu begehen, sollte erst mal reichen.


Es ist nur eine weitere Person im Museum gewesen und diese nahm nun missmutig, soweit man das an der geradezu bewegungslosen Mine erkennen mochte, ein Taxi.
Es war nicht so, dass es nach Metro Mans Verschwinden noch eine gute Verwendung für das Gebäude gegeben hätte.

Roxanne war allerdings in der Nähe für einen Report und sah sich mit dem selbsternannten Pyromanen das Feuerwerk an.
„Die ganze Stadt steht eh schon gegen ihn. Warum musstest du sein Museum zerstören?“
Es war keine Wut in ihrer Stimme. Eher so als würde sie ihn für kleinlich halten. Aber was fragte sie schon? So waren Superschurken halt.
„Weil ich es kann!“
In dieser Stimme lag Wut und Roxanne dachte sich, dass sie es hätte wissen müssen. Er war doch genau so enttäuscht vom Superhelden, wie der Rest der Stadt. Er drückte es nur... theatralischer aus.

„Miss Ritchi?“ kam nach einem tiefen einatmen.
„Ja?“
„Sie hatten erwähnt, wir hätten während der Entführungen geredet. Können... können wir das fortsetzen? Das Reden?“
Roxanne sah noch ein mal zu den flammenden Ruinen der Heldenstatue hinauf. „Warum nicht.“
Sie drehte dem Museum dem Rücken zu und ging die Straße runter. Megamind folgte ihr.
„Irgendeine Ahnung wo wir hingehen können?“
Megamind überlegte kurz. „Also, die Straße runter ist ein kleiner Imbiss, der nicht sofort die Polizei gerufen hat wenn ich dort gegessen habe. Da wäre es möglich.“
„Okay.“


„Und jetzt zurück zu unserer Reihe 'Und wer rettet mich?'. Neben mir, von einem unbekannten Ort aus, sitzt Wayne Scott. Den meisten bekannt als Metro Man. Guten Tag Wayne.“
„Guten Tag Lorane.“

Vor dem Fernseher saßen nun tausende von Bürgern von Metro City bei einer Talkshow. Das einzige offizielle Interview von Metro Man nach seinem Verschwinden.
„Lorane Listens“ war einige der wenigen Talkshows, wo man die Gäste ausreden ließ.
„Letzte Woche,“ leitete Lorane ein, „gestand uns „Der Rächer von Rino“, dass er häufiger unter depressiven Phasen leidet. Sie haben, wie sie mir sagten, auch eine Ankündigung zu machen.“
„Ja.“ sagte Wayne und atmete Tief ein. „Ich habe ein Burn Out.“
„Viele können sich nicht vorstellen, dass jemand mit enormen Kräften, einer beträchtlichen Ansammlung von Fans und einer sicheren Position genau die selben Probleme haben kann, wie jede andere Person. Dabei ist es sogar so, dass gerade solche Leute sehr unter stressbedingten Krankheiten leiden könnten. Können Sie uns dazu was sagen?“
„Ja, gerne.“
Nichts von Metro Mans typischen Glamour war noch zu sehen. Kein Zahnpastatubenlächeln, er wirkte sehr nervös. Seine Haare waren lang und zerzaust und sein markantes Kinn verdeckte ein Bart. Die meisten haben ihn gar nicht wiedererkannt.
„Ich meine ich habe den Job inoffiziell ausgeführt seit ich sechs war. Seit dem stand ich unter ständiger Beobachtung. Dass meine Eltern die einflussreichsten Menschen einer Metropole sind hatte die Aufmerksamkeit verzehnfacht. All die Fans sind eine aufregende Sache, aber auf Dauer ermüdend.“
„Würden Sie sagen, dass eine Geheimidentität in Ihrer Situation hilfreich gewesen wäre?“
„Hilfreich ja, aber selbst wenn ich mir eine hätte zulegen können, wenn ich von Eltern aus dem Mittelstand gefunden worden wäre, hätte es alles nur herausgezögert. Ich bin froh von so liebenswerten Menschen, wie meinen Eltern, aufgezogen worden zu sein. Auch wenn diese mich mit besten Wünschen und gutem Willen ins Rampenlicht geworfen haben. So ist es wirklich das Beste.“
„Sagen, so ist es das Beste,“ meinte Lorane, „Aber nun müssen Sie mit dem Unmut Ihrer Heimatstadt zurechtkommen.“
„Unmut ist gut.“ lachte er. „Es wird eine Weile dauern, bis die Leute meine Situation verstehen können.“
„Was halten Sie von der Zerstörung ihres Museums?“
„Um ehrlich zu sein, Lorane. Ich bin nicht sauer. Megamind hatte in all den Jahren bestimmt eine Menge Aggressionen aufgebaut. Es war mir klar, dass er sich so etwas leistet.“
„Wo wir gerade von Megamind reden,“ warf Lorane ein, „Einer der größten Probleme seit Ihrer Kündigung ist die Übernahme der Metropole durch Ihren Rivalen. Die Bürger werfen Ihnen vor, keine Vorbereitungen getroffen zu haben.“
„Da muss ich widersprechen. Ich habe Vorbereitungen getroffen, doch sie sind leider nicht so zeitnah in Kraft getreten, wie ich es mir gewünscht habe.“
„Wie zum Beispiel die Ausbildung eines Nachfolgers?“ fragte die Moderatorin.
„Er ist schon fertig ausgebildet, es ist nur so, dass er sich an den Job nicht ran traut. Was ich traurig finde, seit ich weiß, dass er nicht nur nichts lieber tun würde, sondern auch noch besser geeignet ist als ich.“
„Erklären Sie doch bitte unseren Zuschauern, in wie weit Sie ihn als besser geeignet bezeichnen. So weit wir wissen, sind sie auf der Erde, derjenige mit den meisten Superkräften.“
„Trauriger weise liegt gerade darin das Problem. Die Menschen haben sich über die Jahre zu sehr auf mich verlassen. Ich kann es ihnen noch nicht ein mal übel nehmen. Man stützt sich halt auf das was an effektivsten ist. Doch jetzt stehen die Bürger kaum mehr für sich selber ein und das muss auf jeden Fall geändert werden. Was die Leute brauchen, ist kein Halbgott, der alle ihre Unannehmlichkeiten regelt. Was sie brauchen ist eine Inspiration. Jemand, der so ist wie sie. Jemand der menschlich ist. Jemand der nicht aus Mitleid handelt, weil die anderen schwächer sind, sondern aus Sympathie, weil man genau das selbe durchgemacht hat. Deshalb muss mein Nachfolger auch jemand sein, der nicht viel mehr zur Verfügung hat als seine Willenskraft und ein gutes Herz.“
„Hoffen Sie, dass Ihr möglicher Nachfolger es mit Megamind aufnehmen kann?“ fragte Lorane.
„Er ist der einzige, der einen Strich unter diese Geschichte setzten kann.“


„Einen Helden erschaffen?!“ Minion war perplex. „Sind Sie sich da sicher?“
„Ich bin mit Minion einer Meinung.“ warf Roxanne ein. „Das ist nicht was ich damit meinte, Helden werden gemacht.“
Roxanne war trotz Minions Widerspruch mit im Geheimversteck. Es hatte ihn ein wenig beruhigt, dass sein Schützling nicht voreilig gehandelt hatte, da sie den Unterschlupf sowieso gefunden hätte. Sie hatte darauf hingewiesen, dass die beiden vergessen haben, die Sternenwartenattrappe abzubauen.
„Ich kann eifach nicht mehr darauf warten, dass Metro Mans Nachfolger endlich Verantwortung übernimmt, Miss Ritchi. Ich habe schon seit über einen Monat keine Herausforderung mehr.“
„Wie willst du das überhaupt anstellen?“
„Vielleicht etwas DNA.“ Megamind zuckte mit den Schultern. „Wenn ich das in einen Menschen injiziere, kann jeder ein Held werden.“
„Erstens: Nein! Zweitens: Du kannst doch nicht einfach mit einem Menschenleben herumzupfuschen nur weil dir langweilig ist!“
„Es geht hier nicht um Langeweile, Miss Ritchi. Mir können eine Menge Sachen einfallen, die ich machen könnte, wenn mir langweilig ist. Ein Superschurke ohne Superheld ist einfach,“ Megamind sackte in sich zusammen. „Zwecklos.“
„Dann sei halt kein Superschurke mehr.“
„Das ist das Einzige, was ich kann.“ schrie er.
Minion war froh, dass Miss Ritchi dabei war. Sie war wesentlich eloquenter als der Gehilfe. Er selbst hätte nicht viel mehr sagen können, als dass es eine schlechte Idee war, aber sich nicht gut ausdrücken können warum.

„Okay, okay.“ Roxanne nahm in einer friedlichen Geste die Hände hoch. „Gehen wir mal einen Schritt zurück. Mal abgesehen von Stärke, nur die Persönlichkeit. Was meinst du denn, was einen Helden ausmacht.“
Megamind zählte an seinen Fingern ab. „Großes Herz, wacher Verstand und stellt das Wohlbefinden seiner Mitmenschen über sein eigenes.“
Roxanne war erstaunt, dass dem Schurken, dem Superschurken, auf diese Frage so schnell eine sinnige Antwort einfiel.
Nach einem, hoffentlich nicht zu langem Schweigen fragte sie: „Und fällt dir da jemand ein?“
„Schon.“ Megamind kniff die Augen zusammen, „Aber ich will nicht wirklich gegen Sie kämpfen.“
„Wow.“ hauchte Roxanne.
„Was?“
„Es ist nur,“ Roxanne biss sich auf die Lippe. „Mir hat noch nie jemand so ein schönes Kompliment gemacht.“
„Nicht?“
Sie schüttelte den Kopf und Megamind wurde leicht lila.
Minion sah zwischen den beiden hin und her. Das Ganze nahm eine Entwicklung, die er nicht vorhergesehen hatte.

Roxanne atmete tief ein. „Ich finde du solltest mit Metro Man reden.“
„Warum jetzt das?!“
„Ganz einfach. Er ist jemand der mit seinem Leben nicht zufrieden war und deshalb nach einer neuen Situation gesucht hat. Du bist jemand, der nach einer neuen Situation such und nichts mit sich anzufangen weiß. Ich finde ihr habt da genug Gemeinsamkeiten, um zusammen eine Lösung zu finden. Und wenn du auch nur nach dem Namen seines Nachfolgers fragst, um ihn selber zu überreden.“
„Das klingt ja nach einem sehr logischen Plan, Miss Ritchi. Aber dürfte ich Sie darauf hinweisen, dass ich keine Ahnung habe, wo er ist oder wie ich ihn erreichen kann?“
Die Reporterin malträtierte wieder ihre Unterlippe.
„Ich wüsste da einen Ort, an dem du Hinweise bekommen könntest.“

„Ich kann nicht fassen, dass er alles aufgehoben hat.“
Megamind stand nun in einem Bunker unter seinem Alten Schulhaus. Alles war mit Erinnerungsstücken von Metro Man ausgekleidet. Er begutachtete mit einem Lächeln einen weißen Umhang mit Fellbesatz als er plötzlich eine bekannte Stimme hinter sich hörte.
„Suchst du was Bestimmtes, Kumpel?“
Megamind schrie auf und nahm erst ein mal mehrere Schritte Abstand.
„SCHLEICH DICH NIE WIEDER SO AN MICH HERAN!“
Wayne lachte. „Sagt der Typ mit dem unsichtbarem Auto.“
„Hey, ich darf das! Das wird sogar von mir verlangt.“
Megaminds Blick fiel auf zwei gekühlte Erfrischungsgetränke auf einem nahestehenden Tisch.
„Du hast mich erwartet.“ sagte er erstaunt.
„Ich dachte mir schon, dass du nach dem Interview hier her kommen würdest. Also,“ Wayne legte eine Hand auf Megaminds Rücken und richtete die andere zum Tisch. „Erzähl mal, wie geht es Roxanne?“
„W-wo...“ Megamind stotterte. „Woher weißt du das wir noch Kontakt haben?“
Die beiden Männer setzten sich.
„Ich bin vielleicht kein Supergenie wie du, aber ich weiß, dass du nur durch sie von diesem Ort wissen kannst. Und egal wie sauer sie auf mich ist, sie würde ihn dir nie verraten, wenn sie nicht mindestens ein bisschen vertrauen würde.“
„Sie vertraut mir?“ flüsterte er leise, schüttelte sich dann aber schnell.
„Miss Ritchi hat mich hier her geschickt, weil sie nicht will, dass ich mit Genmanipulation einen Helden erschaffe. Es war ihr lieber,dass ich dich nach dem Namen deines Nachfolgers frage.“
„Typisch.“
„Was ist typisch?“ fragte Megamind.
„Na ja, das ganze 'Warum einfach wenn's auch kompliziert geht?'. Das war irgendwie von dir zu erwarten.“
Megamind wurde wütend. „Willst du mich beleidigen?!“
Wayne nahm entschuldigend seine Hände hoch. „Ich sag' nur, dass ich nach so vielen Jahren deine Gewohnheiten kenne.“
„Ich habe keine Angewohnheiten.“ Megamind schwang seinen Zeigefinger in die Luft. „Ich bin UNBERECHENBAR!“
„Ja, klar.“ sagte Wayne. „Und das ist auch nicht deine Lieblingslimo auf dem Tisch.“
Megamind starrte auf das Glas. Er war wirklich etwas durstig. Aber er konnte Metro Man nicht einfach so den Streit gewinnen lassen.
„Jetzt nimm schon. Dafür steht es da.“
Wie zu einem Friedensangebot trank Wayne zuerst. Zum Glück hatte Megamind die Geste verstanden.
„So,“ meinte Wayne und starrte in sein eigenes Glas, „Einen neuen Helden erschaffen. Das sagt schon eine Menge aus.“
„Was soll das bitteschön aussagen?“ Megamind fühlte sich ausgeliefert, aber wollte es auf keinen Fall zeigen.
„Dass du das Gleichgewicht wieder herstellen wolltest.“ Der ehemalige Held nahm noch einen weiteren Schluck.
Megamind zischte. „Irgendeiner muss es ja machen. Du bist ja nicht da.“ kam zum Vorwurf.
„Darauf will ich hinaus.“
„Ach, du willst auf etwas hinaus.“ kam es aus dem Mund des Schurken geschossen. „Ich hatte langsam das Gefühl du wolltest nur ein kleines Stelldichein mit jemanden halten, der dir nicht sofort an die Gurgel geht.“
„Du willst doch wissen, wen ich als Nachfolger ausgesucht habe?“ Wayne nahm einen genüsslichen Schluck von seiner Limo. Sein Gegenüber lehnte sich erwartend nach vorne.
„Du kommst echt nicht drauf?“ fragte Wayne.
Megamind warf ihm einen skeptischen Blick zu und nahm dann selber einen Schluck. Das war ein Fehler.
Wayne richtete seine Hand auf Megamind. Dieser spuckte seine Limo über die teure weiße Couch, recht so, und fing an heftig zu husten.
„Bist du sicher, dass dich mein Todesstrahler nicht getroffen hat?! Das klinkt nämlich total hirnverbrannt!“
„Warum?“ forderte Wayne heraus.
„Ich bin der Böse. Bin es ein Leben lang gewesen. Es ist meine Bestimmung. Du kannst doch nicht einfach so über mein Schicksal entscheiden!“
„Anscheinend konnte ich das doch.“ warf der alte Rivale ein. „Und ich versuche es wieder gut zu machen.“
„Du maßt dir einfach an...“
„Ich meinte es ernst,“ unterbrach ihn Wayne, „als ich sagte, dass du ein besserer Held wärst.“
„Du hattest gesagt, dein Nachfolger sollte ein Mensch sein!“
„Menschlich, Megamind! Ich habe nie davon geredet, dass es ein tatsächlicher Mensch sein muss.“
„SIEH MICH DOCH AN!“ schrie Megamind. „Was siehst du denn menschliches?! Ich bin ein Krimineller, der noch fünfundachtzig mal Lebenslänglich absitzen sollte mit einem abnormalen Erscheinungsbild!“
„Das werde ich dir gerne sagen. Ich sehe einen Mann, der ein schweres Leben hatte, es immer allen Recht machen wollte und trotzdem nie das bekommen hat was er wollte.“
„Bist du jetzt mit deiner Mitleidsbekundungen fertig?“
„Lass mich ausreden! Einer der trotz allem immer dafür gesorgt hat, dass kein Unbeteiligter verletzt wird. Einer der sich erst nur verteidigt hat. Der immer dafür gesorgt hat, dass seiner Geisel nichts geschieht. Guck mich nicht so an! Roxanne hat's auch bemerkt. Warum glaubst du hatte sie keine Panik? Worauf ich hinaus will ist; jeden anderen hätten deine Erfahrungen zum Monster gemacht, aber sie und ich wissen: dich nicht!
Das meinte ich mit menschlich. Du wirst beide Seiten verstehen und deshalb deinen Mitmenschen helfen anstatt nur den Schaden zu begrenzen. Darum solltest du den Posten übernehmen. Ich weiß, dass du das willst.“
Dazu konnte Megamind nichts sagen, dafür war er zu überrascht. Es stimmte, dass er immer auf Metro Man eifersüchtig war. Die Jubelrufe und der Respekt der Bürger, das Lob wenn er jemanden geholfen hat, bei Tageslicht auf der Straße sein und mit anderen reden, verhindern, dass jemand verletzt wird, gefragt zu sein, gebraucht zu werden.
Megamind schüttelte den Kopf. „Nehmen wir mal an ich hätte Interesse,“ sagte er viel zu ruhig, „du wirst die Leute nie davon überzeugen können mich anzunehmen.“
„Na ja, nicht ich.“ lachte Wayne. „Besonders nicht nach meinem Stunt. Aber Roxanne schafft das bestimmt.“
Megamind sah zur Seite und lächelte sanft.
„Wie läuft es eigentlich zwischen euch beiden?“ fragte Wayne.
Megamind lachte und hoffte das es nicht zu bitter klang. „Wenn du denkst, was ich glaube was du denkst, alter Freund, dann hast du eine blühende Fantasie. Miss Ritchi und ich reden ab und an. Wir brauchten beide jemanden zum Reden.“
„Wirklich? Ich dachte ihr beiden hättet schon so ein zwei Dates gehabt. Vielleicht heimliche, aber immer hin.“
Megamind lachte noch mal. Dies mal war er sich sicher, dass man seine Bitterkeit hören konnte.
„Okay, ich glaube dir, dass Miss Ritchi gescheit genug ist mich in der Öffentlichkeit zu rehabilitieren, aber ich und eine Chance bei ihr? Dir geht gerade alles mit dir durch.“
„Warum eigentlich nicht?“ fragte Wayne.
Sein ehemaliger Rivale sah ihn genervt an. „Brauchst du eine Liste?“
„Ich weiß wie sie dich angesehen hat. Du hast definitiv eine Chance.“
„Findest du?“ kam kleinlaut.
„Na klar. Hey, wir sollten uns mit ihr reden.“
„Was?“ fragte Megamind panisch.
„Wegen deiner Rehabilitation.“
„Oh. Ja.“ sagte Megamind. „Das sollten wir.“
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