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Shattered

von Aniron
KurzgeschichteFreundschaft, Schmerz/Trost / P16 / Het
Commander Shepard James Vega
25.11.2016
06.05.2018
2
4.859
9
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Dieses Kapitel
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25.11.2016 2.060
 
Hallöchen und willkommen zu einem neuen Projekt von mir, an dem ich, doch recht lange rumgekrittelt habe, doch ich wollte unbedingt noch eine FF zu Vega und FemShep schreiben. Erst war sie nur als One-Shot gedacht, doch dann wäre das Ding wieder zu lange geworden.
Ah ja, evtl. Spoiler für den Citadel DLC enthalten, für diejenigen die ihn noch nicht gespielt haben.
Viel Spass beim Lesen

Fall to pieces

Normalerweise konnte sich Jenny Shepard etwas Schöneres vorstellen, als ganz alleine an dieser Bar im Silversun Strip zu sitzen und trübsinnig in ihr Glas zu starren, welches etwa noch zu einem Drittel mit einer pinkfarbenen Flüssigkeit gefüllt war. Jenny wusste nicht, was genau da drin war, aber laut Barkeeper war es irgendwas aus Thessia, der Heimatwelt der Asari.
Und es interessierte sie auch nicht sonderlich, was sie da trank, Hauptsache es machte schnell betrunken und betäubte den Schmerz in ihrem Inneren.
Vor ihr standen bereits zwei geleerte Gläser auf dem Bartresen, es könnten aber schon mehr gewesen sein, sie war sich nicht mehr sicher. Es gab inzwischen nichts mehr, dessen sie sich sicher war, ausser vielleicht, dass sie diese Bar heute Abend nicht nüchtern verlassen würde.
Wozu auch, im Moment war ihr alles egal, sie wollte vergessen, einfach nur vergessen.
Wer sie war, den Krieg gegen die Reaper und dass sie sich heute von demjenigen verabschiedet hatte, dem ihr Herz gehört hatte: Thane Krios. Der Attentäter mit dem großen Herzen, der immer vorbehaltlos an sie geglaubt hatte und sie auf seine ganz eigene Weise gerettet hatte.
Jenny schlug wütend mit der Faust auf ihren linken Oberschenkel, den Schmerz jedoch, spürte sie kaum. Ihr Inneres war hohl und leer, so gut wie tot und sie bezweifelte, dass sich das so schnell ändern würde. Dafür hatte sie zu viele Leute verloren, die ihr nahe gestanden hatten. Kaidan, Ashley, einen Teil ihrer Crew, als die erste Normandy zerstört worden war, Mordin und nun auch noch mit Thane, denjenigen, den sie geliebt hatte.
Obwohl sein Tod schon einige Zeit zurück lag, war ihr Schmerz über seinen Verlust nicht geringer geworden. Er verfolgte sei in ihren Träumen, hielt sie davon ab, überhaupt Schlaf zu finden. Kein Wunder, dass sie sich seit Tagen müde und ausgelaugt fühlte, ausser wenn sie mit ihrem Squad, welches meist aus James und Garrus bestand, auf einer Mission war. Dann war sie zu 100% konzentriert, doch kaum war sie oben in ihrer Kabine, ohne Rüstung und Waffen, sowie der Rückendeckung ihrer Kameraden, kehrten die düsteren Gedanken wieder zu ihr zurück.
Mit einem Seufzen ergriff Jenny das Glas und leerte den Rest in einem Zug, ehe sie sich an den Barkeeper wandte und mit einer eindeutigen Handbewegung einen neuen Drink bestellte, der auch wenige Augenblicke später da war. Dieses Mal in einem leuchtenden Blau.
Jenny setzte das Glas wieder an die Lippen und als der harte Alkohol ihre Kehle hinab floss, seufzte sie wieder leise auf. Jetzt fehlte nicht mehr viel und alles würde hinter einer höchst willkommenen Taubheit verschwinden.

„Hey Lola, ich dachte nicht, dass ich Sie jetzt noch hier antreffe.“
Jenny verzog nur das Gesicht zu einer Grimasse, als sie die Stimme sofort wiedererkannte. Es gab in dieser Galaxie nur eine einzige Person, die sie Lola nannte. Doch bevor sie antwortete, griff sie wieder nach ihrem Glas und trank den Rest der blauen Flüssigkeit. Es schüttelte sie innerlich, dennoch reichte es noch nicht. Zu viele Gedanken wirbelten noch in ihrem Kopf, nicht zuletzt, wie sie den Lieutenant wieder loswerden könnte, bevor sie endlich auf die Begrüssung reagierte.
„Und warum sollte ich nicht hier sein, James?“, war ihre mürrische Antwort, der eine weitere Handbewegung in Richtung Barkeeper folgte.

James zog nur die Augenbrauen zusammen, als er sich neben den Commander auf einen Barhocker setzte und mit lauter Stimme ebenfalls einen Drink bestellte. Einige Momente später stand ein Glas, gefüllt mit einer ähnlich blauen Flüssigkeit vor seiner Nase auf dem Bartresen. James nickte dem Barkeeper kurz zu, bevor er das Glas in seine Hand nahm und sich dann Shepard zu wandte. Sie sah nicht gut aus, ihre kurzen, blonden Haare wirkten ungekämmt und unter ihren blauen Augen lagen dunkle Schatten, die man selbst in dieser stroboskopartigen Atmosphäre gut sehen konnte. Und mit jedem Atemzug, stieß sie eine Alkoholfahne zwischen den Zähnen hervor, die James nur allzu klar sagte, dass Shepard wohl schon lange nicht mehr nüchtern war. Dass hieß für ihn, dass er auf der Hut sein sollte. Jedes falsche, jedes Wort Zuviel könnte Konsequenzen für ihn haben.
„Nun, um auf ihre Frage zurück zu kommen, Commander“, gab er mit betont ruhiger Stimme zur Antwort, „normalerweise sind Sie doch gar der Typ der sich Abends in der Bar volllaufen lässt. Und vor allem nicht alleine. Zumindest Scars, oder Joker hätte ich hier noch erwartet, aber nicht, dass Sie hier ganz alleine sitzen.“
Er bekam erst mal keine Antwort, da Shepard ihre ganze Aufmerksamkeit wieder auf das Glas vor sich gerichtet hatte, bevor sie dieses in einem Zug bis zur Hälfte leerte.
James wusste nicht, wie viele Gläser sie schon intus hatte, aber ihre Bewegungen sprachen davon, dass die beiden, die er noch mitbekommen hatte, nicht die Ersten gewesen waren. Wenn er ehrlich war, machte er sich Sorgen um den Commander. Seit einiger Zeit benahm sie sich sehr seltsam. Sie wirkte ständig müde, leicht verwirrt und ging auch nur noch selten auf Scherze, oder dumme Sprüche ein.
Ausser sie befanden sich auf einer Mission. Dann war sie tödlich und präzise wie eh und je.
James war mit seinem Latein am Ende. Ihm fiel einfach nichts ein, wie er Shepard helfen könnte und selbst wenn, würde sie es überhaupt zulassen? So wie er den Commander kannte, vermutlich nicht, dazu war sie viel zu stolz und zu eigensinnig. Ein Charakterzug, den er zwar an ihr mochte, der sich jetzt aber als hinderlich herzustellen könnte.
Dennoch, es musste doch eine Möglichkeit geben, wie er Shepard helfen konnte, egal wie. Doch zuerst sollte er dafür sorgen, dass sie mit dem Trinken aufhören würde. James biss sich auf die Unterlippe. Er hatte keine Ahnung, wie er das bewerkstelligen sollte, ohne dass Shepard ihre Selbstbeherrschung verlor.
"Nun Lola", begann er mit fester Stimme und versuchte sie so bestimmt anzusehen, wie er es vermochte, als sie gerade den Arm hob, wohl um einen neuen Drink zu bestellen, "denken Sie nicht, dass Sie für heute genug hatten? Sie sehen nicht so aus, als ob sie auch nur einen Meter alleine gehen könnten."


Jenny traute ihren Ohren nicht, als wie durch einen Nebel hindurch die Worte des Lieutenants  an ihr Gehör drangen.  Sie schnaubte entrüstet und zog die Augenbrauen zusammen. Was erlaubte sich der Kerl eigentlich, so mit ihr zu reden? Sie wusste selbst gut genug, wie viel sie getragen konnte. Und dieses Limit war noch nicht erreicht. Noch lange nicht.
Etwas ungelenk stieg Jenny von dem Barhocker hinunter, drehte sich dann langsam zu dem Lieutenant um und funkelte ihn wütend an.
"Lieutenant! Ich bin Ihre Vorgesetzte, schon vergessen? Es geht Sie absolut nichts an, wie viel ich trinke. Haben Sie das verstanden?!"
Es war Jenny so ziemlich egal, dass James gar nichts für ihren Schmerz und Trauer konnte, doch wenn er schon so wagemutig war sie in ihrem Zustand anzusprechen, dann musste er eben mit den Konsequenzen leben.
Entschlossen den Lieutenant für den Rests des Abends zu ignorieren, machte Jenny vorsichtig einen Schritt in die andere Richtung, als sie auch schon das Gleichgewicht verlor und hingefallen wäre, wenn sich nicht zwei starke Arme um sie geschlungen hätten. In ihrem Kopf drehte sich alles und ein gequälter Laut entwich ihrer Kohle, als sie sich zu befreien versuchte.
"James!", schrie sie und fuchtelte mit ihren Armen, "lassen Sie mich sofort los, oder Sie werden das bereuen, das schwöre ich Ihnen!"
"Kein Chance, Lola!", war die kurz angebundene Antwort und gleich darauf spürte Jenny wie sich der Griff noch verstärkte. Nüchtern hätte sie vielleicht eine Chance gehabt, wenn sie ihren Körper und ihre Biotik unter Kontrolle gehabt hätte, doch in diesem Zustand war es aussichtslos.
Dennoch dachte sie nicht daran mit ihrer Gegenwehr aufzuhören, da müsste der Lieutenant sie zuerst außer Gefecht setzen und das traute sie ihm einfach nicht zu. Sie kannte ihn mittlerweile gut genug und ihm würde diese Unverschämtheit noch leid tun.
Doch alles Fluchen, Kratzen und Treten nützte nichts, James liess nicht locker, bis Jenny plötzlich merkte, ihre Arme und Beine erschlafften. Ihre Kraft war verbraucht.
Schwer atmend und James innerlich verfluchend, lehnte sie sich trotz allem gegen den muskulösen Körper hinter ihr und schloss die Augen, als ihr Sichtfeld verschwamm.

James lockerte etwas seinen Griff, als er sicher war, dass der Commander keine Dummheiten mehr anstellen würde, sodass er sich ihren Arm um die Schultern legen konnte und sich so langsam in Richtung Ausgang bewegte. Er spürte von Jennys Seite her keinerlei Widerstand mehr, bis auf einige leise gemurmelte Drohungen an seinem Ohr, die er mit stoischem Schweigen beantwortete. Es war wohl besser, wenn er nicht darauf einging, bis sie wieder einigermaßen bei Sinnen war und das konnte dauern.
Es war James herzlich egal, dass einige ihn anstarrten, als er mit Shepard an seiner Seite die Bar verließ und auf den hell erleuchteten Silversun Strip trat. Trotz der fortgeschrittenen Stunde war der Platz voller Menschen und Aliens, die herumliefen, oder in Gruppen zusammenstanden.
Es war so laut, dass James sich sicher war, dass er nicht mal seine eigenen Worte verstehen würde, geschweige denn die des Commanders und doch herrschte eine Energie hier, die er nicht beschreiben konnte. Wenn die Situation nicht so ernst wäre, würde ihn nichts davon abhalten, sich von dieser Energie treiben zu lassen, wenigstens für einen Abend. Doch daran war im Moment nicht zu denken, als er zügig und doch vorsichtig einen Weg durch die Menschenmenge bahnte, Shepard nun mehr tragend als stützend. Besorgt sah er auf sie hinunter. War sie überhaupt noch bei Bewusstsein? Verdammt! Das hiess, dass er sich beeilen musste.
Mit einigen Handgriffen lag der Commander schließlich in seinen Armen. Dass sie außer einem schwachen Blinzeln und stummen Lippenbewegungen keinerlei Reaktion zeigte, beunruhigte James noch mehr, als ihm auffiel, wie blass sie war. Selbst in den bunten Lichtern, war ihr Gesicht kreidebleich.
'Lola, du musst durchhalten', schoss es dem Soldaten durch den Kopf, bevor er sich wieder in Bewegung setzte und nun schneller auf Shepards Apartment zulief, welches sich leider ganz am Ende des Silversun Strip befand.

Nach einer gefühlten Ewigkeit öffnete er die Tür von Shepards Apartment, mehr schlecht als recht, da der Körper in seinen Armen langsam aber sicher schwer wurde. Doch James biss die Zähne zusammen und warf die Tür mit einem gezielten Fußtritt in Schloss, bevor er das Schlafzimmer im Untergeschoss ansteuerte.
Er erreichte den Raum neben der kleinen, offenen Küche, die nicht so aussah, als hätte Shepard sie je benutzt, und legte ihren Körper vorsichtig auf das Bett und zog ihr die Schuhe von den Füssen. Dann hielt er inne.
James rang mit sich selbst und ließ ein leises Knurren hören. Er wusste, dass es besser wäre, wenn er dem Commander die Kleider ausziehen würde, doch etwas hielt ihn davon ab. Er war sich nicht sicher, wie er momentan zu ihr stand. Sie war momentan ein unberechenbar.
Seit sie Cerberus daran gehindert hatte, die Citadel einzunehmen, hatte Lola sich schlagartig verändert, wobei James vermutete, dass der Tod des Drell-Attentäters der Auslöser dafür gewesen war. Wie er zufällig von Garrus erfahren hatte, hatten die beiden sich nahe gestanden, doch wie sehr, schien ihm erst jetzt zu dämmern.
James spürte einen Stich in seiner Brust und seine linke Hand begann so sehr zu zittern, dass er sie zur Faust ballte. Die kalten Klauen der Eifersucht griffen nach seinem Inneren und umklammerten sein Herz, so dass er das Gefühl hatte zu ersticken.
Shepard hatte diesen Drell geliebt, genau wie er wohl auch sie geliebt hatte und dass sie sich heute bei einer feierlichen Zeremonie von ihm verabschieden musste, hatte wohl das Fass zum Überlaufen gebracht. Dennoch, er konnte verstehen, warum sie so reagierte, denn wer wäre leicht mit so einem Verlust fertig geworden?
Ein leises Stöhnen und Wimmern riss James aus seinen Gedanken und sein Blick wanderte zum Bett zurück.
Shepard begann sich langsam zu rühren, eine Hand presste sie an die Stirn, während sie sich langsam aufzurichten versuchte.


Danke für's Lesen *smack*
♥♥Aniron♥♥
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