Betrogen

OneshotAngst, Schmerz/Trost / P12
25.11.2016
25.11.2016
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Hey!
Nun, es gab die Nachfrage nach einer Fortsetzung meines OS "Silberne Worte, Goldenes Schweigen", also habe ich noch einen OS mit Loki in der Hauptrolle geschrieben. Aber ob man dies hier wirklich noch als Fortsetzung bezeichnen kann...?
Danke an Nymphen und Gina Granger für die Reviews zu meiner anderen Story und an alle die für Favos und Sternchen gesorgt haben! (Machts doch jetzt einfach genau so, okay? *lieb guck*)

„Was, wenn ich dir sage, dass all dies schon geplant war? Dass es... deine Bestimmung war? Es mag Leute geben, für die du ein Held sein magst, doch denk drüber nach... Wie viele hast du durch dich und deine armseligen Wünsche in Gefahr gebracht, hätte ein wahrer Held sie doch gerettet?“ Ein verächtlicher, herausfordernder, triumphierender Blick fraß sich in die Gestalt auf dem Boden. Ein Junge lag da, blass, erschöpft, blutig, und  doch nicht gebrochen.
Und das rang ihm Respekt ab. Andere Menschen würden um Hilfe rufen, um Gnade betteln, oder gebrochen auf dem Boden liegen. Doch in diesen matten Augen glänzte noch das Licht einer Seele, die an die  Hoffnung glaubte.
„Bist du wirklich so töricht, Magnus? Deine Freunde... Sie haben dich verlassen. Schau doch mal auf deine beiden Bettelfreunde... oder auf die Walküre“, fuhr er fort. Schwache, hasserfüllte Augen trafen auf seine.
„Deine Tochter -“, begann der Junge, doch Loki unterbrach ihn rasch, bevor er sich noch mehr Erinnerungen an eine weitere Enttäuschung von Kind stellen musste.
„Diese Walküre ist es nicht wert, meine Tochter zu sein“, sagte er harsch, doch rang sich sofort wieder zu einer wichtigen Gleichgültigkeit, das spöttische Lächeln auf den Lippen kaum verrutscht. Doch mit einem Blick in die Augen dieses Bastards konnte er erkennen, dass dieser es bemerkt hatte. Innerlich schallt er sich jetzt schon für diese Schwäche, einem dieser bedeutungslosen Bewohner Midgards eine doch so wichtige Schwäche mitzuteilen, sich verwundbar zu machen.
„Sam war eine Heldin! Sie ist gestorben, im Kampf gegen dich, du niederträchtiger Lügner!“ Gegen Ende brach Magnus‘ Stimme. Loki zog gekonnt eine spöttische Augenbraue hoch. Erlaubte sich dieser unbedeutende Halbgott tatsächlich so einen Frevel? Einen Gott zu beleidigen, und dazu noch einen so mächtigen wie ihn?
  Aber du bist doch gar kein Gott, höhnte eine kleine Stimme in seinem Kopf, Du bist nicht einmal mehr Loki Odinson, sondern nur der jämmerliche Frostriese Loki Laufeyson...
Verärgert verbannte Loki die Stimme aus seinem Kopf. Er war derjenige, dem der Thron zustand und niemand  würde sich seinem Recht in den Weg stellen - erst Recht keine Göre von diesem Narren Frey. Diesem Idioten, der nur fröhliches Lachen kannte, der nie betrogen worden war, so wie es Loki geschehen war. Und der es trotzdem wagte, seinem Plan einen Riegel vor zu schieben, wie es diese jämmerlichen Menschen sagen würden. Nicht, dass es ihn interessieren würde...
Nein. Seine Ziele lagen woanders, als sich mit den erbärmlichen Angewohnheiten aller Bewohner Midgards auseinander zu setzen. Stattdessen musste er endlich dafür sorgen, dass er seine Bestimmung erfüllte - und diesen Jüngling hier vor ihm brach. Natürlich nicht so, wie sein dummer Bruder - nein, Thor war nicht mehr sein Bruder, diese Zeiten waren längst vorbei -, sondern subtil, sodass dieses... Problem vor ihm es nicht einmal mehr mitbekommen würde. Doch aus irgendeinem, vollkommen unverständlichen Grund, war dieser Junge zu schlau für sein eigenes Wohl.
Loki knurrte leise und die Gestalt vor ihm zuckte zurück. Wieso konnte er nicht einfach seine Pläne umsetzen? Aber immerhin hatte er es geschafft, dem Jüngling das Schwert des Sommers, Sumarbrander, weg zu nehmen. Doch dieses hatte augenscheinlich alle dieser nervtötenden Eigenschaften seines Herrn übernommen und wollte nun sogar Jack genannt werden.
Jack.
Was für ein einfallsloser Name... Doch darüber sollte er nun nicht nachdenken - erst musste er Magnus Chase aus dem Weg schaffen. Und dies würde schwer werden. Sturheit lag wohl in der Familie.
Auch wenn... Randolph zu brechen war so leicht gewesen, hatte er doch gezittert, gefleht, gebangt, gebetet und auf einen dieser eingebildeten Götter der... Christen?... gehofft. So ein Narr!
Magnus Chase hingegen wies viel Ähnlichkeit mit anderen Mitgliedern der Familie auf, über die Loki am Liebsten nicht mal mehr nachdachte - wozu auch? Magnus Chase würde brechen.
„Und was, wenn ich dir sage, dass du Verräter in deinen eigenen Reihen hast? Du hast gesehen, selbst Odin, der Allvater, traut dir nicht, er ist nicht erschienen, um dich zu verteidigen... Magnus“, begann er nun von Neuem, Mitleid in der Stimme. „Sie haben dich belogen. Sie alle...“
„Du... Du sagst die Wahrheit“, flüsterte der Jüngling erschöpft, entsetzt und sah ihn mit großen Augen an.
Mit Widerwillen kniete sich Loki neben den jungen ehemaligen Bewohner Midgards, zeigte dies aber nicht, sondern ließ stattdessen sein höhnisches Lächeln verschwinden, strich ihm mit der Hand leicht über das junge Gesicht.
Magnus zuckte zurück. „Aber du bist der Gott der Lügen...“, wisperte er voller Entsetzen. „Du... lügst? Das kann nicht wahr sein, es kann nicht...“
„Doch, sie haben dich belogen. Es tut mir Leid, Magnus, aber es gibt nur noch eine Möglichkeit Ragnarög auf zu halten... Und ich brauche deine Hilfe dafür.“
„Du... willst doch nur, dass der Weltuntergang noch schneller kommt, Loki“, stieß Magnus panisch hervor, in der Hoffnung, dass Loki lügen würde, sah aber nur die blanke Wahrheit in den grünen Smaragden.
„Nein, aber lass mich dir beweisen, dass ich es ernst meine. Lass mich dich heilen“, bat Loki mit ernstem Unterton in der Stimme.
„Und dann erzählst du mir die Wahrheit?“ Magnus klang skeptisch, doch Loki konnte es ihm nicht verübeln, immerhin war Magnus ganz gewiss nicht freiwillig in seinen  Träumen bei ihm - und erst recht nicht verwundet und in diesem Traum gefangen. Und doch hatte er die Hoffnung herausgehört, mitbekommen, wie etwas  schon lange vergessenes in ihnen aufgeflackert war. Nur kurz, aber dies genügte Loki.
„Lass mich dir helfen“, bat er noch einmal nachdrücklicher und Magnus nickte zögerlich.
Leicht verschränkt hielt Loki die Hände über den Bauch des Jünglings und begann ein Sprechmantra aufzusagen. Von seinen einzelnen Fingerspitzen aus begann sich grüner Nebel mit leichten silbernen Fäden wie ein Kokon um den Jungen zu hüllen.
Zusammen mit dem Nebel schwanden auch die Verletzungen.
„Danke“, sagte Magnus leise und vermied es in die intensiven grünen Augen zu blicken.
„Kein Problem, Magnus.“ Loki wandte sich ab, als wolle er gehen, drehte sich dann aber doch noch einmal um und fixierte die sich auflösende, aufwachende Gestalt Magnus‘. „Immerhin hast du jetzt eine Lebensschuld bei mir...“
Das letzte, was Loki sah waren die weit aufgerissenen, erschrockenen Augen, als Magnus aufging, dass er betrogen worden war.
Ja, seine Tochter mochte gestorben sein, ebenso wie die Made und der andere Freund von Magnus Chase, aber noch war seine Schlacht nicht gewonnen. Odin saß noch auf dem Thron, Thor war in der Thronfolge zweiter und er... er saß immer noch unter der Schlange. Doch indem er Sumarbrander von Magnus getrennt hatte, hatte er sich einen Vorteil erkauft. Und dann, wenn Ragnarög gekommen war würde sich zum ersten Mal niemand in seinen Weg stellen. Die Einherje würden versagen.
Und er hätte sich endlich dafür gerächt, was man ihm angetan hatte.  Er war schlauer als alle Asen, er beherrschte Magie, er wusste, wofür er kämpfen wollte - anders als Odins lächerliche Spielzeugsoldaten.
Doch noch war es nicht so weit, aber bald, bald...
Schlangengift unterbrach seine Gedanken.
Ja, dafür würde er sich auch rächen. Und sobald er erst einmal die Welten unter seiner Kontrolle hatte, würde niemand es mehr wagen ihn zu betrügen...

    ENDE

Ich hoffe, es hat zumindest irgendjemandem gefallen... :D Und selbst wenn nicht, dürft ihr Reviews hinterlassen... :D Oder Favos... oder Sternchen... :D

LG
  Morgi
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