Schmerz lässt Blüten wachsen - Law

CrossoverAbenteuer, Freundschaft / P16 Slash
25.11.2016
24.08.2018
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„Na, was sagt ihr? Osaka is‘ doch ‘ne Prachtstadt, oder?“
Misaki und Conan sahen sich vielsagend an. Bereits seit dem frühen Morgen scheuchte der Detektiv des Westens die Vierergruppe zwecks einer Besichtigungstour durch die ganze Stadt.
Diesen überschwänglichen Ausruf nahmen die beiden als Anlass, um ihren Freund zur Rede zu stellen.
„Also, wieso sind wir hier?“ Diese Frage stellte Conan dem Oberschülerdetektiv, nachdem er und Misaki ihn beiseite genommen hatten – Misaki hatte diesen regelrecht weggeschleift –, während Kogoro und Ran die Aussicht vom Tsuutenkaku-Tower aus genossen.
„Was meinste denn?“, fragte Heiji. „Damit ihr mal seht, wie schön mein Osaka im Vergleich zu eurem Tokio is‘, natürlich.“
Misaki und Conan wechselten einen skeptischen Blick. „Wir haben darüber geredet…“, begann Misaki dann. „…dass hinter der Einladung mehr steckt. Die freundliche Führung für lau hier war doch wohl kaum der Grund, oder?“
„Doch, meine Liebe. Ich wollt euch wirklich einfach nur mal so einladen! Das sagte ich dir doch schon bei der Holmes-Tour.“ Er grinste. „Für euch Tokioter is’n Trip nach Osaka ‘ne bitter nötige Bildungsreise.“ Er warf Misaki einen düsteren Blick zu. „Vor allem für dich, du komplett bildungsresistente…“
„Hey! Tut mir ja leid, dass ich so wenig über Osaka weiß, aber ich bin auch keine Tokioterin, noch nicht einmal Japanerin! Und nur damit du es weißt, ich bin mir absolut sicher, dass ich in bereits mehr von der Welt gesehen habe, als du jemals…“
„Schon gut!“ Heiji hob beschwichtigend die Hände. „Das war nur ‘n Witz. Was biste denn so mies gelaunt?“
Conan verdrehte die Augen. „Die ist schon seit Monaten leicht reizbar. Ich vermute, es hängt mit dem Verlust ihrer…“ Weiter kam er nicht, denn sofort hielt Misaki ihm den Mund zu.
„Also, Heiji, jetzt sag schon: Wieso wolltest du wirklich, dass wir hierher kommen?“
„Es war eine einfache Einladung, wie gesagt. Is‘ das wirklich so schwer zu verstehen?“
„Ich weiß genau, dass du lügst…“, summte Misaki und lächelte leicht. „Und außerdem…“ Sie hob den Kopf, als würde sie etwas in der Luft erschnuppern. „… habe ich es schon gespürt, seit wir hier angekommen sind.“
„Was’n?“
„Den Duft des Todes, der über der ganzen Stadt liegt.“
„Ach, du spinnst doch! Es is‘ alles in Ordnung. Ich wollt‘ euch wirklich nur die Stadt zeigen.“ Er zögerte. „Schließlich weiß man ja nie, wann plötzlich jemand stirbt…“
„W-Was soll das denn jetzt heißen?“
„Ich hab neulich ‘nen echt verrückten Traum gehabt… ich wollt mir grad den Täter schnappen, da hat er mich plötzlich abgestochen… und ihr seid auch umgekommen.“ Letzteres sagte er mit einem äußerst unpassenden Grinsen.
„Sehr witzig…“, meinte Conan trocken.
„Sorry… hab ich euch erschreckt?“
Misaki zuckte nur mit den Schultern. „Ich wurde schon an die Hundertmal fast abgestochen… oder zerfleischt… oder erschossen. Damit kannst du mir keine Angst mehr machen.“
Es war einer dieser Momente, wo beide Detektive Misaki mal wieder entgeistert anstarrten. „Ähm… zerfleischt?“
Misaki grinste. „Tigerjagd“, sagte sie nur.
Bevor die Jungs dazu etwas sagen konnten, ertönte hinter ihnen eine Stimme. „Tut mir leid, Heiji…“
Angesprochener drehte sich um. „Da biste ja endlich.“
Ein junger Mann Mitte 20 stand vor ihnen. „Darf ich mich vorstellen? Mein Name ist Sakata, ich bin vom Tojiri-Revier der Osaka-Polizei. Ich bitte meine Verspätung zu entschuldigen.“
Misaki musterte ihn schweigend von Kopf bis Fuß.
„Was machen Sie hier, Herr Inspektor?“, fragte Ran verwirrt. Ihr war anzusehen, dass sie befürchtete, in einen neuen Fall verwickelt zu werden.
Anstelle des Inspektors beantwortete Heiji ihre Frage. „Mein Vater bestand darauf, dass wenn der berühmte Herr Mori schon mal nach Osaka kommt, er auch standesgemäß durch die Stadt geführt wird.“ Er wandte sich an Sakata. „Und wo is‘ mein Vater? Ich dacht, er wollt auch kommen?“
„Der Polizeichef ist wegen dieses einen Falles leider noch in einer Konferenz…“
Sofort hoben Misaki und Conan misstrauisch den Kopf. Wegen dieses einen Falles? Während Conan sich damit zufrieden gab, neugierig zu wirken, verschränkte Misaki die Arme und starrte den Detektiv des Westens anklagend an.
Dieser schien – obwohl er mit dem Rücken zu ihr stand – ihren Blick zu bemerken und wechselte schnell das Thema. „Und? Durfteste den Wagen nehmen?“, fragte er.
„Aber ja! Genau wie du verlangt hast, hab ich mir den besten des ganzen Reviers geborgt.“
Misaki verstand zuerst, wovon die Rede war und sofort wich ihr wütender Blick einem freudestrahlenden und sie grinste. Als die Erkenntnis auch bei den anderen ankam, wirkten sie allerdings nicht so begeistert.
„Ihr meint doch nicht etwa das, was ich denke, das ihr meint…?“, fragte Kogoro vorsichtig.
Heiji grinste. „Doch, doch, meinen wir!“

Letztendlich freuten sich nur zwei der Anwesenden über die Fahrt in einem Polizeiauto. Heiji und Misaki. Der Rest war nicht allzu begeistert darüber.
„Sollen wir den Rest unserer Besichtigung allen Ernstes mit diesem Streifenwagen machen?!, tat Kogoro seinen Unmut kund.
„Was denn, gefällt Ihnen der Wagen nich‘? Der is‘ brandneu, die neueste Anschaffung des Reviers!“ Er wandte sich grinsend den anderen zu. „Sollen wir mal die Sirene einschalten? Dann können wir so richtig Gas geben!“ Dabei sah er vor allem Misaki an, da er von ihr am ehesten eine Zustimmung erwartete.
Und sie enttäuschte ihn nicht. „Au ja!“
„Äh… das ist nicht nötig…“, warf Ran ein. „Uns stört nur ein bisschen, dass man uns für Verhaftete hält… ich schäme mich ein bisschen…“
„Ja, als wären wir irgendwelche Schwerverbrecher…“, murmelte Kogoro mürrisch.
„Ach was, nich‘ beachten, die Leute. Ihr habt ja nichts Böses getan.“
„Abgesehen von der verrückten Blonden da.“
„Paps, jetzt gehst du ein wenig zu weit. Misaki ist doch keine Kriminelle!“ Sie wandte sich an ihre Freundin. „Tut mir leid, Misaki, mein Vater ist manchmal echt unmöglich. Dich für eine Verbrecherin zu halten…“
„The story of my life“, meinte Misaki nur.
Ein verdutztes Schweigen folgte.
„Du wurdest für eine Kriminelle gehalten?“, fragte Ran vorsichtig.
„Richtig. Schon seit Jahren.“
„Wieso?“
Das fremdländische Mädchen zuckte mit den Schultern. „Weil ich eine war? Obwohl… ob die Vergangenheitsform so stimmt…?“
„Was hast du als Kind denn bitte groß angestellt?“, fragten Conan und Heiji wie aus einem Munde.
„Äh… Diebstahl, Körperverletzung… das übliche Programm einer Kleinkriminellen halt.“
„Hm…“, meinte Heiji. „Aber das ist trotzdem deine erste Fahrt in einem Streifenwagen? Ich meine, du wurdest dann ja sicher oft verhaftet.“
„Streifenwagen gibt es in meiner Heimat nicht. Außerdem kann ich stolz verkünden, dass ich noch nie erwischt worden bin.“
Ein kritischer Blick von Conan ließ ihr die Röte ins Gesicht steigen. „Ich muss mich verbessern: Zuhause bin ich nie erwischt worden. Hier schon.“
„Was?“ Ran war sichtlich schockiert – die kriminelle Vergangenheit ihrer Freundin versetzte sie sowieso in einen Schock. “Du wurdest verhaftet? Oh Gott, das muss doch schrecklich gewesen sein. Wann war das denn? Davon weiß ich ja gar nichts!“
„Na ja…“, begann sie, doch Conan sprach für sie weiter.
„An ihrem ersten Tag in Tokio. Das musst du doch auch mitgekriegt haben, es war in den Nachrichten.“
Misakis warnenden Blick bemerkte Conan erst, als es zu spät war.
„Und woher weißt du das, Conan?“, fragte die Braunhaarige stirnrunzelnd. „Damals warst du doch auch noch gar nicht in Tokio.“
„Äh…“ Der Grundschüler wurde nervös. „Das… Das hat Shinichi-niisan mir erzählt!“ Er versuchte, dabei möglichst kindlich zu klingen.
Ran öffnete den Mund und wollte wohl gerade fragen, wann das gewesen sein sollte, doch Heiji eilte ihm zu Hilfe. „Was mich jetzt aber wirklich interessieren würde, Misaki… weswegen wurdest du verhaftet?“
„Sie hat sich mit einer Straßengang angelegt“, rutschte es Conan heraus.
Misaki hätte ihm am liebsten eine geklatscht. Und Heijis Gesichtsausdruck nach zu urteilen, ging es ihm für einen Moment genauso. Es war wirklich unfassbar, wie er ihre Bemühungen, sein Geheimnis zu wahren, noch immer mit Füßen trat.
„Wieso wundert mich das nich‘?“, murmelte Heiji. Offensichtlich dachte er an seine allererste Begegnung mit Misaki, in Folge dessen sein Kopf unliebsame Bekanntschaft mit einer Wand machte.
„So war das nicht! Die haben sich mit mir angelegt!“ Sie zögerte. „Außerdem hatte ich einen schlechten Tag, okay? Da kann sowas schon mal passieren.“
„Eine Straßengang zu Brei zu hauen ist nichts, das schon mal passiert.“
„Tja, wenn ich schlechte Laune habe, sollte man mir besser nicht blöd kommen. Das habe ich wohl von meinem Vater.“
Zum Erstaunen aller wurde Conan sofort kreidebleich und hielt den Mund.
„Aber Misaki…“, meinte Heiji, nachdem eine Weile niemand etwas sagte. „Wieso biste eigentlich kriminell gewesen?“
Angesprochene zuckte mit den Schultern und sah aus dem Fenster. „Es ging nicht anders. Hatte keine andere Wahl.“
„Blödsinn. Man hat immer eine Wahl.“
Misaki kicherte. „Und diese Antwort bestätigt meine These von vorhin.“
Heiji sah sie verwirrt an. „Was?“
„Dass man eine Wahl hat, ob man Verbrechen begeht oder nicht… das hättest du nicht gesagt, wenn du so viel von der Welt gesehen hättest wie ich.“
Heiji antwortete darauf nicht. Stattdessen schien er beschlossen zu haben, unter dieses bedrückende Thema ein für allemal einen Schlussstrich zu ziehen. „Wie auch immer“, meinte er fröhlich. „Lass uns das wann anders weiter diskutieren, sonst geht euch die ganze Osaka-Tour flöten.“ Er sah auf die Uhr. „Ihr habt doch sicher Hunger, oder? Ich werd euch jetzt an die kulinarischen Wunder von Osaka heranführen.“

*

Nur wenige Minuten später waren Misakis Verbrechen vergessen – nur Kogoro schien sie noch misstrauisch anzusehen.
Auch die anderen sahen sie misstrauisch an, was allerdings weniger daran lag, sondern an der Tatsache, dass ihr Magen beizeiten ein schwarzes Loch zu sein schien.
„Sag mal…“, meinte Heiji lachend, als sie bereits das doppelte als ihre Mitreisenden gegessen hatte. „Übertreibste nich‘ ein wenig? Ich mein, klar, das Essen in Tokio ist mit den Köstlichkeiten hier nich zu vergleichen, aber immerhin ist es ja nicht so, dass wir in keine anderen Läden mehr gehen.“
Misaki wartete mit ihrer Antwort, bis sie ihren Bissen heruntergeschluckt hatte. „Ach, das kann ich ab. Großvater sagte immer, wir sollen möglichst viel essen, damit wir genug Kraft für einen unerwarteten Kampf haben.“
„Noch so ein Spinner also…“, murmelte Conan geistesabwesend.
„Hast du was gesagt, Conan?“
Der Grundschüler zuckte zusammen und rückte mit seinem Stuhl sofort einige Zentimeter von ihr ab. „Nein.“
„Aber…“, fuhr Misaki an Heiji gewandt fort. „Ist das nichts im Vergleich zu meinem Bruder. Er isst locker das Abendessen von fünfzig erwachsenen Männern auf, wenn man nicht aufpasst. Ich bin mir sicher, sollte die Welt je an Hungertod sterben… er wäre daran schuld.“
„Aha?“, meinte Heiji verwirrt. „Seit wann biste du denn so offen und ehrlich? Sonst bist du doch immer ziemlich verschlossen, was deine Familie angeht.“
„Hm? Ach, mir ist nur etwas klar geworden.“ Sie grinste. „Ganz egal, was ich alles über mein Leben erzähle, ihr werdet sowieso nicht dahinter kommen, wo ich herkomme.“
Sofort waren Conans und Heijis Ehrgeiz geweckt.
Aber es stimmte: In einer Parallelwelt zu leben, das klang doch wirklich nicht bizarr. Allerdings war sie bei der Antwort nicht so offen und ehrlich. Die Wahrheit war, dass sie seit dem Verlust der Kette, das Bedürfnis hatte, über ihr vorheriges Leben zu reden, über ihre Familie, ihre Brüder… so als hätte sie im tiefsten Inneren schon akzeptiert, dass sie diese niemals wieder sehen würde…Im nächsten Lokal hielt Misaki sich mit dem Essen mehr zurück… was aber nicht, wie von Heiji angenommen, daher kam, dass sie keinen Hunger mehr hatte.
„Wieso bist du denn plötzlich so nervös?“, fragte Conan, als Heiji kurz weggegangen war, um sich mit Bekannten zu unterhalten.
„Hm…“ Misaki sah sich forschend im Lokal um und wandte sich dann Ran zu. „Sag mal… du spürst es doch auch, oder?“
„Was denn?“
„Wir werden beobachtet.“
„Na ja, das Gefühl hatte ich vorhin, aber…“
Weiter kam sie nicht, denn Misakis Verdacht bestätigte sich, als sich ein braunhaariges Mädchen ungefragt auf Heijis Platz setzte und sofort anfing, mit ihnen zu reden. „Du bist doch Kudo, oder…?“
„Hä?“, fragten alle drei aus einem Munde.
„Heiji hat mir alles über dich erzählt. Er redet gern von dir.“
Misaki war genauso verwirrt wie Conan und Ran. Wenn allerdings nicht aus demselben Grund. Denn aus irgendeinem Grund sprach dieses Mädchen mit Ran, nicht mit Conan… was dieser allerdings nicht zu begreifen schien.
„Hey, warte… au!“
Misaki trat ihm gegen das Schienbein, damit er bloß die Klappe hielt.
Das Mädchen redete sich in der Zwischenzeit richtig in Rage. „Keine Ausflüchte! Ich weiß Bescheid, jawohl! Du bist diese verdammte Kudo, die sich in Tokio an Heiji rangemacht hat!“, sagte sie einer mehr als verblüfften Ran mitten ins Gesicht.
Misaki erinnerte sich an ihr Gespräch mit Heiji vor einiger Zeit und wusste sofort, wer dieses Mädchen war. „Ich glaube, da liegt ein kleines Missverständnis vor…“
„Ach ja? Bist dann etwa du diese Kudo?“
„Äh… nicht wirklich, nein…“
„Eins sag ich euch, und merkt’s euch gut!“ Sie hörte gar nicht zu. „Heiji und ich sind seit ewigen Zeiten durch Fesseln aus Stahl verbunden, kapiert?! Wenn ihr ihm also schöne Augen machen wollt, dann hau ich euch zwei blaue…!“
„Du hier, Kazuha?“, ertönte plötzlich Heijis Stimme hinter ihr. „Was bitte machste hier?“
Der Sachverhalt war schnell geklärt und der Detektiv des Westens brach in schallendes Gelächter aus.
„Du machst mir Spaß, Kazuha!“, meinte er, während das arme Mädchen knallrot daneben saß. „Der Kudo, von dem ich sprach, is’n Kerl! Ein Kerl, kapiert?“
„Was allerdings kein stichhaltiges Gegenargument ist“, warf Misaki ein.
Mit einem Mal waren alle Augen auf sie gerichtet, sodass auch sie ein wenig rot wurde. „Ich meine ja nur, das wäre ja auch nichts Schlimmes.“ Keiner sagte etwas. „Also, ich hab ja in einem Haus nur mit Männern gewohnt und ob man will oder nicht, man kriegt da teilweise Sachen mit. Also, ich nicht, Kaito hat mir nur erzählt, wie er zwei der Männer erwischt hat…“ Sie merkte selbst, dass sie sich um Kopf und Kragen redete, doch sie wusste nicht, wie sie da wieder herauskommen sollte. Also redete sie einfach weiter. „Was an sich ja auch kein Problem gewesen wäre, das verstörende war laut ihm, dass die dann unbedingt ein aufklärendes Gespräch mit ihm führen wollten und…“ Noch immer wurde sie schweigend angestarrt. „Also, worauf ich eigentlich hinaus wollte…“ Doch sie hatte keine Ahnung, worauf sie hinauswollte. „…ist, dass es doch auch nicht auszuschließen wäre…“ Es war einer der seltenen Momente, in denen Misaki am liebsten in einem Loch im Erdboden versunken wäre. „Tut mir leid“, murmelte sie und sah zu Boden. „Bitte vergesst alles, was ich gerade gesagt habe.“
Heiji wandte sich wieder an Kazuha. „Ähm, ja… und die verrückte Blondine da is‘ seine Mitbewohnerin.“
„Und das hier…“ Er zeigte auf Ran. „…is‘ seine Braut.“
„Braut?“, fragte Kazuha Ran neugierig.
„A-Aber das stimmt doch gar nicht!“, protestierte sie.
„Sie sagt, das stimmt nicht“, meinte Kazuha an Heiji gewandt.
„Ach, sie is‘ nur schüchtern.“
„Und wieso lädste dann nich‘ auch diesen Kudo ein?“
„Was denn? Kudo is‘ doch… au!“ Und schon machte ein weiterer Detektiv Bekanntschaft mit Misakis Tritt gegen das Schienbein. Diese Jungs waren doch echt nicht zu fassen! „Äh, Kudo is‘ doch so beschäftigt und hat keine Zeit“, wand er sich heraus.
Überraschenderweise war es Ran, die Heiji zur Hilfe kam, indem sie das Thema wechselte. Sie wollte gerne wissen, was es mit den „Fesseln aus Stahl“ auf sich hat, von denen Kazuha in ihrer Rage geredet hatte.
Anscheinend war es so, dass die beiden als Kinder auf dem Dachboden gespielt und dabei ein Paar Handschellen seines Vaters gefunden hatten. Es kam, wie es kommen musste: Sie ketteten sich aneinander und mussten warten, bis irgendjemand ihnen half.
„Sagt mal…“, fragte Ran, als die beiden ihre Geschichte beendet hatten. „Seid ihr beiden vielleicht ein Paar?“
„Hä?“ Heiji und Kazuha sahen sie verdutzt an.
„Von wegen“, sagte das Mädchen dann. „Heiji und ich sind nur Jugendfreunde, kein Paar!“
„Was denn, immer noch nicht?“, fragte Misaki erstaunt.
„Immer noch…?“
Sie seufzte. „Gott, ich versteh euch… au!“
Diesmal bekam Misaki einen Tritt gegen das Schienbein. Von Heiji.
Ab diesem Punkt beschloss sie, lieber den Mund zu halten. Sie driftete mit ihren Gedanken ab zu schönen Erinnerungen. Durch Kazuhas und Heijis Geschichte war es ihr wieder eingefallen. Ihr war als Kind genau dasselbe passiert. Sie wusste noch, dass sie es ziemlich lustig fand… auch wenn sie danach riesigen Ärger gekriegt hatten. Sie stutzte. Aber…
„Misaki, kommst du? Wir wollen fahren.“ Ran rüttelte ihre Freundin leicht.
„Was…? Äh… ja.“ Das blonde Mädchen stand auf und folgte den anderen nach draußen.
„Geht es dir nicht gut? Du siehst so bleich aus…“, fragte Ran leise.
Misaki schüttelte den Kopf. „Nein, es ist nur… das mit den Handschellen… mir ist das auch mal passiert…“
„Mit Kaito?“
Misaki runzelte die Stirn. „Nein…“ Ihre Stimme brach. „Das ist es ja, ich weiß es nicht mehr.“
„Dann vermutlich mit einem deiner Brüder.“
„Nein, auch nicht…“ Die Detektivin versuchte so angestrengt sich zu erinnern, dass ihr schwindelig wurde. „Keiner von denen. Es ist, als ob…“
Abrupt unterbrach sie ihren Satz, als ein lautes Geräusch sie zusammenzucken ließ. Das Geräusch einer Leiche, die mitten auf die Motorhaube des Streifenwagens krachte.
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