It’s just … I don’t know … love?

GeschichteRomanze, Familie / P16
24.11.2016
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It’s just … I don’t know … love?

Untitled

In Japan gilt man erst als erwachsen, wenn man das zwanzigste Lebensjahr erreicht hat. Solange du also nicht zwanzig bist, wirst du als Kind angesehen. In dem Sinne bin ich also noch ein Kind. Gut zu wissen. Ich bin aber kein Kind wie andere. Das soll nicht heißen, dass ich besser bin. Das bin ich ganz bestimmt nicht. Viel mehr schon eine arme Sau.
Obwohl ich mittlerweile achtzehn Jahre auf dieser Erde wandele, scheint mich keiner zu brauchen. Meine Erinnerungen fangen im Waisenhaus an und enden auch dort. Im Laufe der Zeit wurden viele Kinder adoptiert, aber ich bin immer noch da. Leben in demselben Zimmer wie all die Jahre zuvor. Aber jetzt habe ich es für mich alleine. Die anderen Mädchen sind alle weg. Und ich bin noch hier.
Mich hat man nie gewollt und jetzt bin ich eh zu alt. Die Paare wollen Babys, die sie verhätscheln können, keine Fast-Erwachsene, die alles schon kann und nicht mehr groß wird. Bei mir kann man nichts Großartiges mehr mit verfolgen. Ich kann reden, ich kann essen, ich kann Fahrrad fahren, ich kann alleine auf Klo gehen. Nichts Spektakuläres, wenn du es eben schon kannst.
Ich bin die Älteste hier im Heim, deswegen muss ich oft den Erziehern helfen. Mit den Kindern spielen soll ich. Jedes Mal ist die Gruppe wieder ein klein wenig anders. Oder Ausflüge. Da muss ich auch mit. Meine achtzehn Jahre eignen sich schon dafür, Aufsicht zu führen. Ich kann Spielplätze und diese ganzen Kinderspielhallen, indem sich alle möglichen Attraktionen für Kinder befinden, nicht mehr sehen. Immer soll ich mitmachen. Als ob ich da fröhlich auf einer Hüpfburg herum hüpfen würde. Meine Kindheit ist vorbei und sie wird nie wieder kommen. Von dem Augenblick an war sie es, wo ich mit vier Jahren schon zu alt für die Paare war.
Und jetzt bin ich hier. Abendessen. Es ist laut um mich herum. Die Kinder spielen mit ihrem Essen. Reden lautstark über die Tische hinweg. Streiten sich wegen Nichtigkeiten. Wollen ihr Essen tauschen, weil sie es nicht mögen. Die Erzieher sitzen im Nebenraum. Kriegen hiervon nichts mit. In solchen Momenten bin ich doch wieder zu jung und gehöre zu den Kindern. Ein Pfefferstreuer wird durch den Raum geschmissen und zerbricht genau neben mir. Der Pfeffer verteilt sich in der Luft, bringt mich zum Niesen, und auf meinem Essen. Nach meiner Niesattacke schiebe ich ihn von mir weg, nur um wieder nach ihm zu greifen. Verärgert stelle ich ihn auf dem Geschirrwagen ab. Das Essen ist noch kaum angerührt und jetzt ungenießbar.
Die Doppeltür fällt hinter mir wieder ins Schloss. Wahrscheinlich hat keiner meinen Abgang bemerkt. Die sind alle nur mit sich selbst beschäftigt. Ich will hier einfach nur weg. Aber was ich dann machen? Ich habe ja niemanden. Ich kenne nur das Leben hier im Heim. Bekomme Essen, Bildung und Taschengeld. Die Lampe in meinem Zimmer flackert. Ich habe immer Pech, was das angeht. Die Lampen bei mir halten nie sonderlich lange.
Viel besitzen tue ich nicht, aber dafür habe ich Platz. Platz, den ich nicht brauche. Ich greife nach meinem Kulturbeutel, frischer Unterwäsche und meinen Schlafsachen. Solange die alle noch mit Essen und Werfen beschäftigt sind, nutze ich die Chance der freien Duschauswahl. Ich mag die Duschen hier im Heim, auch wenn es Gemeinschaftsduschen sind und man sich manchmal die Beine in Bauch stehen muss, bis eine Dusche frei wird. So viele sind es nämlich nicht. Wir haben fünf Duschen. Wahrlich nicht viel. Besonders nicht, wenn auch andere Kinder nicht von hier weg kommen. Insbesondere Mädchen, die dann älter werden und denken, müssen Stunden unter der Dusche stehen. Was die dann alles machen. Shampoos, Spülung, Haarkuren, Duschgel, Duschlotion, Duschpeeling, Rasieren, noch länger brauchen, wenn sie ihre Tage haben. Damit kommt keine klar. Die trauen sich nicht einmal nach einer Binde zu fragen, wenn sie die im Zimmer vergessen haben. Und wenn sie daran denken, dann sind die Sachen in zehn Lagen verpackt. Total unauffällig.
Es ist keiner da, also kann ich nach Belieben das warme Wasser auf mich herunter rieseln lassen. Haare einschampoonieren, auswaschen. Einen Klecks Spülung hinein geben und den Körper mit Duschgel einreiben. Wieder aus- und abwaschen. Rasieren brauche ich nicht. Wir haben März, da trage ich keine kurzen Sachen, als können die Stoppeln gerne bleiben. Davon geht die Welt jetzt auch nicht unter. Abtrocknen, frische Kleidung, Handtuchturban. Fertig. In meinem Zimmer kommt noch der Föhn zum Einsatz. Sobald sie fast trocken sind, lege ich ihn wieder weg. Ich kontrolliere meine Hausaufgaben. Alles fertig. Das Jahr ist bald eh zu Ende. Dann bin ich fertig. Was ich machen will? Keine Ahnung. Ich habe nicht einmal einen Platz an der Uni. Ich möchte erst einmal in Ruhe darüber nachdenken, ohne, dass ich ständig an Hausaufgaben und lernen denken muss. Dabei habe ich in meinen Abschlussprüfungen ganz gut abgeschnitten.
Ich schalte das Licht aus und gehe im Dunkeln zurück zu meinem Bett, um mich unter der Bettdecke zu vergraben. Die erleuchtete Innenstadt wird von Gardinen draußen gehalten. Morgen ist Samstag. Weil keine Schule ist, darf ich wieder Babysitter spielen. Morgen möchte wieder jemand kommen, der gerne ein Kind adoptieren möchte. Ich soll dafür sorgen, dass sich alle benehmen.

Statt Essen fliegt jetzt Spielzeug durch den Aufenthaltsraum. Hinten auf dem Sofa sitzen die pubertierenden Mädchen mit ihren Mädchenzeitschriften und kichern wie blöd. In den Dingern steht doch nur hirnloses Zeug. Auf dem anderen Sofa sind ihre männlichen Äquivalente, die vor der Konsole hocken. Sie dürfen sie nur am Wochenende benutzen. In der Prüfungszeit ist sie ganz verboten.
Ich sitze in einem Sessel, versuche all die Geräusche auszublenden, während ich einen Roman las. In diesen Büchern aus Amerika passiert auch immer nur das Gleiche, aber die Charaktere sind mir dieses Mal sympathisch. Die Türen öffnen sich und die Heimleiterin kommt herein. Hinter ihr eine Frau mittleren Alters. Alleine, ohne Mann. Will sie etwa ein Kind adoptieren? Dumme Frage, sonst wäre sie nicht hier. Die Leiterin führt sie durch den Raum, stellt ihr die Kinder vor. Ich bin nicht von Interesse. Die beiden Sofas da hinten auch nicht. Ich lese weiter. Ich habe mit alledem nichts zu tun. Ich kann hier erst weg, wenn ich entweder bald arbeite oder zwanzig werde. Aber das dauert noch.
Ein Schatten wirft sich über die gebleichten Seiten meines Buches. Ich bin ungefähr in der Mitte. Ich sehe hoch. Die Kinder-interessierte Frau steht vor mir. Freundlich lächelt sie mich an. Es erreicht sogar ihre blauen Augen. »Du bist wohl nicht so zufrieden«, bemerkt sie ruhig. »Wie heißt du?«
Meine Augenbrauen heben sich erstaunt. Mir schenkt nie jemand Achtung. Höchstens, wenn sie denken, ich sei eine gelangweilte Erzieherin. »Marika«, antworte ich jedoch und lege mein Buch mit einem Lesezeichen versehrt weg.
»Marika-chan also«, meint sie zufrieden. »Wie lange bist du schon hier? Du bist ja schon etwas älter als die Kinder hier.« Wahrscheinlich will sie einfach nur freundlich sein und mich nicht wie jeder andere wie Luft behandeln.
»Mein ganzes Leben lang.«
»Oh, und wie alt bist du, wenn ich fragen darf?«
»Achtzehn.«
Ihre Augen weiten sich bei meiner Antwort. »So lange schon? Wolltest du nicht adoptiert werden?«
Ich lache leise. Es ist ein bitteres Lachen. »Mich will niemand und jetzt bin ich zu alt.«
Jetzt dreht sich die Frau wieder um. Meine Minute im Scheinwerferlicht ist wohl wieder vorbei. Ich will wieder in meinem Buch weiterlesen, da kommt die Heimleiterin zu uns. Die Frau winkt sie zu sich. »Marika-chan, wollen wir uns vielleicht näher kennen lernen?«
Nicht nur der Leiterin, sondern auch mir fallen beinahe die Augen aus dem Kopf. Nie wollte mich jemand und jetzt einfach so? Das kann nicht wahr sein. Warum will die Frau so jemand Altes wie mich und nicht eines der reizenden Kinder dort drüben, die mit dem Werfen aufgehört hatten?
»Weißt du, ich habe nur Söhne, aber wollte immer eine Tochter haben«, fängt sie an zu erklären, »aber ein kleines Kind wäre zu jung. Mein Ältester ist schließlich schon dreißig. Da ich leider berufsbedingt selten zu Hause bin, müssten meine Söhne für das Kind sorgen und mit einem kleinen Kind wären sie einfach überfordert. Du mit deinen achtzehn Jahren bist aus der Pubertät raus, also wärest du perfekt.« Ich bin gerade nicht fähig, auch nur irgendeine Regung zu zeigen. »Zwei meiner jüngeren Söhne streiten sich nämlich noch gerne und von den älteren sind auch noch nicht längst alle vollständig erwachsen.«
Ich tippe mir selber auf die Brust. »Ich? Sie möchten mich adoptieren?«, frage ich fassungslos. Hundertpro liege ich noch in meinem Bett und träume mal wieder Mist. Ich träume immer Mist oder ich erinnere mich nicht. Zweiteres hätte ich gerne immer.
Sie nickt begeistert. Nein, das ist kein Traum. Das ist die Realität. Nach der Absprache mit der Heimleiterin verabschiedet sie erst einmal. Ich kenne nicht einmal ihren Namen. In den nächsten Wochen treffe ich sie öfters. Anfangs hier im Heim, beim dritten Treffen schon im nahe gelegen Café. Letzten Endes will mich doch jemand.
Und dann kommt der Tag, an dem ich offiziell die Tochter von Asahina Miwa werde – Asahina Marika. Nach achtzehn Jahren bekomme ich auch eine Familie.
~~~~~~~~

Hallu :3

Ich gebe zu, ich kann es nicht lassen. Hier meine neueste Idee. xD Ich will nicht gemein klingen, aber die Idee ist mir gekommen, als schon wieder eine Geschichte hier hochgeladen wurde, wo auf wundersame Weise mal wieder eine mysteriöse Schwester von Ema aus dem Hut gezaubert wurde. Aber ganz ehrlich? Das wird erstens langweilig und zweitens nicht sehr originell. Entschuldigt meine scharfe Zunge.
Also habe ich hier mal den Spieß umgedreht und wohoo, Miwa kriegt noch ein Kind. Lol. Zwar nur durch Adoption, aber die gute Dame ist offiziell vierzehnfache Mutter. °-° Generell ist diese Story mal wieder anders. Sie ist im Präsens geschrieben. Total ungewohnt für mich. .-. Ernsthaft, ich weiß noch nicht einmal das Pairing. ^^' Ich werde mal sehen, zu wem Marika am besten passt. Ich weiß ja auch mehr über sie als ihr. :D
Schreibt mir doch mal, wie ihr meine Idee findet. Ich würde mich sehr freuen. (:

Bis dahin,
Resa~ :3
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