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Erwischt!

GeschichteAbenteuer, Thriller / P18
Mohinder Suresh OC (Own Character) Sylar
23.11.2016
30.11.2016
2
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Erschöpft ließ Raven ihre Tasche auf den Boden fallen und angelte in ihrer Hosentasche nach dem Schlüssel für den Briefkasten. Der Tag war wieder mal viel zu lange gewesen, aber das hatte sie sich schon fast gedacht. Wenn einer der aufstrebenden Autoren ein vielversprechendes Werk ablieferte, war es fast schon unumgänglich, dass man Überstunden machte. Selbst ein so kleines Licht wie sie, war in solchen Situationen an ihrem Rechner gefangen und musste eine Mail nach der anderen schreiben, um so viel Werbung wie möglich für das neue Wunderwerk zu machen, das ihr Chef demnächst verlegen wollte.

Seufzend schulterte sie ihre Tasche wieder und blätterte die Post durch, während sie die Treppen zu ihrer Wohnung erklomm. Die Telefonrechnung, Werbung für ein neues Modegeschäft, das zwei Straßen weiter eröffnet hatte, die Tageszeitung und eine Einladung für eine Kaffeefahrt. Absolut nichts Interessantes dabei.

Die Tür zur Wohnung entriegelte mit einem lauten Knacken und öffnete sich quietschend. In Gedanken machte Raven sich die vierte Notiz, endlich dem Hausmeister Bescheid zu geben, damit er den Scharnieren einen Tropfen Öl verpassen würde. Doch insgeheim wusste sie, dass sie es vergessen und im Laufe der Zeit lernen würde, mit dem Geräusch zu leben.

Ein Blinken am Telefon zeigte ihr an, dass sie während der Arbeitszeit wohl einige Anrufe verpasst hatte. Raven rollte mit den Augen. Seitdem sie von ihrem Bruder einen Anrufbeantworter zum Geburtstag bekommen hatte, war kein Abend vergangen, an dem sie nicht der mechanischen Stimme dieses Apparates hatte lauschen dürfen. Und was für Nichtigkeiten es waren, die Leute dazu veranlassten, sie um einen Rückruf zu bitten. Gestern erst hatte ihre Cousine angerufen und Raven darum gebeten, ihr zu sagen, wie die Hauptdarstellerin aus dem Film `Lola rennt´ hieß, denn sie führe gerade eine hitzige Diskussion mit ihrem Mann deswegen. Am liebsten hätte Raven sie darauf hingewiesen, dass es im Jahr 2007 durchaus möglich war, sich so eine Information aus dem Internet zu holen anstatt weitere Menschen in das persönliches Dilemma mit einzubeziehen, doch ihre Kinderstube verbot ihr diese freche Antwort. Allerdings war sie sich inzwischen nicht mehr so sicher, dass es eine gute Idee war, den Anrufbeantworter zu besprechen und einzuschalten. Im Grunde ließ sie ihn nur noch an, weil die Erklärung, sie möchte nach einem Arbeitstag am liebsten nichts mehr über ein Telefon hören, bei ihrer Familie auf Unverständnis stoßen würde. Und so drückte sie wie jeden Abend die entsprechende Taste und ließ sich die vermeintlich wichtigen Informationen des Tages zukommen.

„Sie haben drei neue Nachrichten“, informierte sie die monotone Stimme des Anrufbeantworters, während sie die Telefonrechnung aufriss. „Nachricht Eins, heute elf Uhr zweiundzwanzig.“

„Hallo, Schätzchen“, schallte die Stimme ihrer Mutter durch das Wohnzimmer und Raven konnte ihr aufgesetztes Lächeln förmlich vor sich sehen. „Ich wollte dich nur daran erinnern, dass Elizabeth Miller am Samstag Geburtstag hat. Sie wird zweiunddreißig und ich habe mir erlaubt, deinen Namen mit auf die Karte von uns zu schreiben. Ihr habt als Kinder doch immer so schön miteinander gespielt.“

Abermals rollte Raven mit den Augen. Egal wie alt man ist und wie lange man schon nicht mehr in seinem Elternhaus wohnte, manche Dinge änderten sich eben nie. So zum Beispiel, dass ihre Mutter es nicht lassen konnte, sie wie ein Anhängsel in solche Feierlichkeiten einzubeziehen, auch wenn es absolut unangebracht war. Sie und Elizabeth hatten einander seit immerhin mehr als zehn Jahren nicht mehr gesehen.

„Sie feiert am Wochenende und zu der Party wird sicherlich auch ihr Bruder kommen. Hab ich schon erwähnt, dass er jetzt Anwalt ist?“, flötete ihre Mutter weiter. „Er ist ein wirklich sehr zuvorkommender junger Mann. Und ich weiß, dass du viel beschäftigt bist, aber vielleicht schaffst du es ja doch, vorbei zu kommen. Dann hättest du ja auch die Gelegenheit, ihn ein bisschen näher kennenzulernen.“

„Noch deutlicher kann man es kaum sagen, Mum“, murmelte Raven vor sich hin und trottete an den Kühlschrank. „Mein Singledasein muss dich ja sehr belasten. Warum schneidest du nicht einfach die Kontaktanzeigen aus der Zeitung aus und schickst sie mir?“

„Ich freue mich wirklich darauf, dich bald mal wieder zu sehen, mein Liebling. Lass uns bald mal wieder miteinander telefonieren. Ich hab dich lieb, Schätzchen.“

„Ich weiß. Ich dich ja auch“, antwortete Raven geistesabwesend, obwohl sie wusste, dass ihre Mutter sie nicht hören konnte.

Stattdessen wog sie das Für und Wider einer Bestellung beim Pizzalieferdienst ab. Wirklich viel Auswahl hatte Raven nicht, was ihr Abendessen anging. Der Inhalt ihres Kühlschranks erinnerte eher an ein Trauerspiel als an ausgewogene Ernährung. Eigentlich hatte sie nach der Arbeit noch einkaufen gehen wollen, aber es wurde dann doch so spät, dass die Geschäfte bereits geschlossen hatten. Außerdem, so musste sie zu ihrer Schande gestehen, hatte sie vollkommen vergessen, dass ihr Kühlschrank gähnende Leere aufwies.

„Nachricht Zwei, heute vierzehn Uhr neunundvierzig“, tönte es aus dem Lautsprecher, als sie sich zwei Scheiben Toast schnappte und diese mit Erdnussbutter bestrich.
„Hi, Ray-Ray. Hier ist Lucy“, dröhnte es mit einer gehörigen Portion Kitsch durch den Raum und bei der Verunstaltung ihres Namens lief es Raven kalt den Rücken hinab. „Ich muss dir was ganz Wichtiges erzählen. Wir haben seit einigen Woche einen neuen Leiter in unserem Yoga-Kurs und der ist wirklich klasse. Gestern Abend waren Celina, Marianne und ich dann nach dem Sport noch was mit ihm trinken und du wirst es kaum glauben: Er hat total mit mir geflirtet. Celina war natürlich total eifersüchtig, aber …“

Ein Knopfdruck unterbrach sie. „Sorry, Lucy, aber ich kann mir das jetzt nicht geben“, rechtfertigte Raven sich und begann sich die Schläfen zu massieren. „Letzte Woche fandest du noch den Mathelehrer deines Sohnes toll und ein paar Wochen davor war es dein Postbote. Es reicht schon, dass meine Mutter mir unbedingt einen Mann aufschwatzen will, da brauch ich nicht auch noch jemanden, der mir jede Woche von einem anderen Kerl vorschwärmt.“

„Nachricht Drei, heute einundzwanzig Uhr vierzehn“, kündigte die mechanische Stimme die nächste Aufnahme an.

Der Toast schmeckte fad, was wahrscheinlich daran lag, dass er schon seit Wochen vor sich hin dümpelte. Lustlos kaute Raven darauf herum, bis sich eine mehlige Pampe in ihren Mund gebildet hatte, welche sie mit Todesverachtung hinunter schluckte.

„Äh, Miss Garcia… Sie kennen mich nicht. Mein Name ist Doktor Mohinder Suresh. Ich habe Ihren Namen und Ihre Telefonnummer aus einer Kartei meines Vaters.“
Angewidert legte Raven den Toast auf die Spüle und wandte sich ab. Ihr war der Appetit irgendwie vergangen.
„Ich muss Sie dringend sprechen“, kam es weiter aus dem Lautsprecher und man konnte die Unsicherheit in der Stimme des Fremden deutlich hören. „Bitte rufen Sie mich zurück unter der Nummer 555-02061977.“

Raven nickte. „Ja, sicher mache ich das. Und am Ende hab ich eine Rechnung für irgendeine Telefondienstleistung mit Happy End am Hals.“

Gerade wollte sie die Nachricht löschen, als der Mann, der sich als Doktor Suresh vorgestellt hatte, noch etwas hinzufügte. „Es geht um das … was Sie können. Ihr … besonderes Talent.“

Raven fror in ihren Bewegungen ein. Was hatte er eben gesagt? Hatte sie das richtig verstanden oder hatte die Müdigkeit ihr einen Streich gespielt? Woher wusste er das? Woher wusste er davon, dass sie nicht … normal war? War das ein schlechter Scherz? Die Fragen wirbelten in ihrem Kopf umher und ließen einen leichten Schwindel zurück.

Die Hand immer noch auf dem Anrufbeantworter liegend, wartete sie ab, doch Suresh hatte keine weitere Information für sie hinterlassen. Noch einmal spielte Raven die Nachricht ab und schließlich sogar noch ein drittes Mal.

Ein Blick auf die Uhr verriet ihr, dass es noch keine Stunde her war, dass er sie angerufen hatte. Sollte sie ihn wirklich zurückrufen? Was konnte er denn nur von ihr wollen? Und wie vor allem hatte er sie gefunden? Sie hatte noch nie jemandem davon erzählt.

`Die Ungewissheit wird dich auffressen, wenn du ihn nicht anrufst´, flüsterte eine leise Stimme in ihrem Hinterkopf, die eine erschreckende Ähnlichkeit mit der von Lucy hatte. `Los, ruf ihn an. Was hast du schon zu verlieren?´

Und weil Raven wusste, dass sie es ohnehin nicht auf sich beruhen lassen konnte, begann sie Doktor Sureshs Nummer zu wählen. Es klingelte nur zwei Mal bis abgehoben wurde.

„Suresh“, meldete sich die Männerstimme, die Raven bereits vom Anrufbeantworter her kannte.

„Ähm … hallo“, begann sie, unsicher, was sie sagen sollte. „Mein Name ist Raven Garcia. Sind Sie Doktor Mohinder Suresh?“

Einen kurzen Augenblick war es still. „Ja, der bin ich“, antwortete die Stimme schließlich. „Vielen Dank, dass Sie mich zurückgerufen haben, Miss Garcia.“

„Hmm“, murmelte Raven und nagte nervös an ihrem Zeigefinger. Sie hatte erwartet, dass Doktor Suresh etwas sagen würde, doch am anderen Ende der Leitung blieb es still. Ein paar Mal öffnete und schloss Raven den Mund wie ein Fisch im Wasser, doch die passenden Worte, um all ihre Fragen vorzubringen, wollten ihr nicht einfallen. Und schließlich war sie sich gar nicht mehr so sicher, ob es eine gute Idee gewesen war, ihn zurückzurufen.

Gerade als sie ohne ein weiteres Wort auflegen wollte, meldete er sich wieder zu Wort. „Miss Garcia, ich weiß, dass diese Information jetzt etwas plötzlich kommt und erschreckend für Sie sein muss, aber Sie sind in Gefahr.“

„In Gefahr?“, echote sie ungläubig.

„Leider ja“, fuhr er fort, ohne sie weitersprechen zu lassen. „Es tut mir leid, dass ich Ihnen nicht mehr dazu sagen kann am Telefon. Wir müssen uns aber unbedingt treffen. Es ist sehr wichtig.“

Jetzt war Raven sich sicher, dass sich irgendjemand einen Scherz mit ihr erlaubte. Ungläubig schnaubte sie ins Telefon. „Ja, sicher. Ich treffe mich mit einem wildfremden Mann, von dem ich rein gar nichts weiß, außer seiner Telefonnummer. Das wird sicher nicht passieren. Gute Nacht.“

„Nein, warten Sie!“, rief er in den Hörer und etwas an der Dringlichkeit in seiner Stimme ließ Raven innehalten. „Ich weiß, dass das gerade alles sehr mysteriös klingt, aber Sie können mir wirklich vertrauen. Ich möchte Ihnen nur helfen.“

„Danke, ich brauche keine Hilfe“, antwortete Raven, vielleicht eine Spur etwas zu patzig. „Bisher bin ich gut allein zurechtgekommen.“

Ein Stöhnen drang aus der Hörmuschel. „Ich verstehe Ihre Skepsis. Aber ich bitte Sie dennoch darum, sich mit mir zu treffen. Wir leben beide in New York, es sollte also keine großen Umstände machen. Sie entscheiden wann und wo, aber bitte nehmen Sie meine gut gemeinte Warnung ernst.“ Er atmete einmal tief durch. „Sie werden verfolgt. Es gibt jemanden, der es auf Sie abgesehen hat wegen … wegen Ihrer Gabe.“

Einen Moment musste Raven überlegen. Sollte sie es wagen? Oder war es eher unklug, dies zu tun? Immerhin schien er über ihre Abnormität Bescheid zu wissen, auch wenn er sie noch nicht richtig benannt hatte, und es wäre gelogen, würde sie behaupten, dass sie sich noch nie jemanden gewünscht hätte, dem sie alles erzählen konnte. Jemanden, der sie verstand und ihr eventuell helfen konnte, ihre Einsamkeit zu überwinden.

Allerdings fühlte sie sich sicher. Warum sollte jemand ausgerechnet sie verfolgen? Das war doch Unsinn. Sie hatte, soweit sie wusste, keine Feinde und wer sollte schon Interesse an einem kleinen Licht in einem Verlag haben?

Und wenn sie nun wirklich in Gefahr wäre? Doktor Suresh klang sehr eindringlich, allerdings konnte er auch einfach ein guter Schauspieler sein. Doch was, wenn es da draußen wirklich jemanden gab, der sie beobachtete und auf einen geeigneten Moment wartete, um ihr etwas anzutun?

Aber ein Fremder, der aus unbekannter Quelle ihre Telefonnummer hatte, war alles andere als vertrauenserweckend. Ihm Glauben zu schenken, widersprach jeder Logik. Jedoch wusste er von ihrer Gabe – wie er es genannt hatte – und es machte keinen Sinn, diese zu leugnen. Er hatte nicht so geklungen, als hätte er nur eine Vermutung, was ihre Abnormität angeht. Er wusste wirklich davon.
Und obwohl alles in ihr schrie, dass es eine schlechte Idee sei und sie diese Entscheidung bestimmt eines Tages bereuen würde, antwortete sie dennoch nach einigen Augenblicken des Zögerns: „In der Sunset-Bar. In einer Stunde.“

Einen Moment war es still am anderen Ende der Leitung und Raven dachte schon, Suresh hätte aufgelegt. Doch schließlich hatte auch er sich entschieden. „Abgemacht!“
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