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Ein Tag wie jeder andere

GeschichteAllgemein / P16 / Gen
Freddy Krueger
22.11.2016
22.11.2016
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Heute war wieder mal ein Tag wie jeder anderer. Nach einem anstrengenden Tag in der Schule kam ich in mein ach so geliebtes Heim und hoffte genug Zeit zu haben meine Hausaufgaben zu erledigen, etwas zu lernen und mich psychisch auf den Abend vorzubereiten. Doch dafür war nie genug Zeit. Um Punkt sechs Uhr ging die Haustür auf und mein Vater betrat das kühle Haus. „Jean!“, rief er mich wie jeden Tag. Mit langsamen Schritten ging ich zu ihm. Mein Körper schrie danach wegzurennen. Dieses verdammte Leben hinter mir zu lassen. Meine Narben zeugten von den versuchten Flüchten. Doch ich traute mich nicht. Jedes Mal schaffte ich es nicht weiter zu gehen. Tiefer zu schneiden. „Guten Abend, Vater. Wie war Ihr Tag?“, fragte ich wie jeden Tag. Seit dem Tag an dem er empfand ich sei alt genug um so etwas mitzumachen. Als wäre man mit sieben schon bereit für den ganzen Scheiß. Man ist nie für so etwas bereit. Nie. „Danke, gut. Wo ist das Essen?“ Mein ganzes Blut wich mir aus dem Gesicht. Mein Körper verkrampfte sich. Wie konnte ich so etwas nur vergessen? Wie konnte ich nur so dämlich sein? Seit Wochen hatte ich mich so bemüht! „Es tut mir so leid Vater! Ich hatte es völlig ver..“ Bevor ich meinen Satz beenden konnte schlug er mir schon in den Magen. Schmerzerfüllt ging ich zu Boden. Mit dem Fuß trat er noch einmal nach mir. „Du musst bestraft werden“ Seine Worte waren ohne Emotionen. Seine Hand packte meine Haare und zog mich gewaltsam hoch. Ich verkniff mir das schreien. Ich wusste, je stiller ich war, desto schneller war es vorbei und desto sanfter ging er mit mir um. Wobei man von sanft nicht wirklich reden konnte. Das ganze Haus war still als er mich in das Schlafzimmer zerrte. Das Bild meiner verräterischen Mutter blickte mich lächelnd an. Sie lächelte schon lange nicht mehr. Sie schwieg nur noch. Kein Wort sagte sie. Nichts um mir zu helfen. Unsanft landete ich auf dem Bett und spürte kurz darauf sein schweres Gewicht auf mir. Als seine Hände mich auszogen, schaltete ich ab. So oft war dies nun vorgekommen, dass ich einfach abschalten konnte. Als wäre ich in Trance und nicht in dieser Welt. In einer Welt in der ich eine Familie hatte die mich liebte und mir nicht den Tod meines großen Bruders in die Schuhe schob. In einer Familie, in der sich mein Vater nicht an mir vergriff und mich schlug. In einer Welt in der ich nicht jeden Tag sterben wollte. In einer Welt in der ich einfach glücklich sein konnte. Ein Schlag in die Rippen riss mich aus meiner Traumwelt. Hart landete ich in meiner grausamen realen Welt. Mein Vater stieß wieder und wieder in mich während er mich weiter schlug. Irgendwann konnte ich nicht mehr. Ich schrie und das war mein Fehler. Er schlug mir so fest ins Gesicht, dass ich ohnmächtig wurde. Sonst schlug er mir nie ins Gesicht. Man durfte keinerlei Anzeichen für Missbrauchen geben. Wir waren ja alle eine wunderbare perfekte Familie. Nichts läuft bei uns schief. Alles war vollkommen. Langsam driftete ich in die willkommen geheißene Dunkelheit. Doch etwas änderte sich. Statt dunkel wurde es immer heller. Bis ich auf einer Straße stand. Um mich herum Familienhäuser, alles eintönig und Gärten. „Hallo“, sagte eine Stimme plötzlich hinter mir. Langsam drehte ich mich um. Ich erschreckte mich schon lange nicht mehr. Das würde nämlich bedeuten, dass ich etwas fühlen würde. Etwas was ich seit Jahren nicht mehr tat. Vor mir stand ein mit Narben übersäter Mann mit braunem Hut, grün-rotem Pullover und einem Handschuh mit vier Klingen. „Ich bin Freddy.“ „Jean“, antwortete ich skeptisch. Je länger ich ihn betrachtete, desto größer wurde die Erinnerung die sich tief in mir versteckt hatte. „Freddy Krüger!“ „Man kennt mich also doch noch“, sagte er grinsend und klimperte mit seinen Klingen. „Du hast meinen Bruder umgebracht, oder?“ „Das ist gut möglich. Du musst wissen, ich bin viel beschäftigt. Ich bringe jede Menge Menschen um.“ Lange blickte ich ihn an. Nicht wissend was ich denken sollte. Ich fühlte nichts. Keine Erleichterung, keine Wut oder sonstiges. Ich war kaputt. Völlig geschrotet. „Und du willst mich auch umbringen?“ Langsam nickte er. Hatte ich mir nicht anders gedacht. „Und ich soll jetzt weglaufen oder?“ Kurz sah er mich verwirrt an, doch dann grinste er und hob seine Krallen. Das war ein klares Zeichen für mich. Doch ich blieb stehen. Ich wollte sterben. Ich sah keinen Sinn mehr in meinem Leben. Ermordet zu werden war besser als sich selbst umzubringen. Also breitete ich einfach die Arme aus, schloss meine Augen und wartete. „Nein, so läuft das nicht! Du musst weglaufen. Sonst macht das keinen Spaß.“ Genervt öffnete ich wieder meine Augen und senkte die Arme. War das sein Ernst? „Immer diese depressiven Chicks die nicht mehr leben wollten!“ Wenn der wüsste. Aber er würde es nicht erfahren. Ich tat ihm also den Gefallen und rannte ein paar Meter. Ich drehte mich kurz um, er war weg. Doch dann spürte ich einen scharfen Schmerz in meiner Brust. Verwundert blickte ich darauf. Nicht weil ich getroffen wurde, sondern weil ich etwas spürte! Ich lachte vor Erleichterung. Es mischte sich mit Schmerz und Dankbarkeit. Ich sank auf die Knie. Tränen rannen mir übers Gesicht. Vor mir stand ein nun verwirrter Freddy. Wie Gott der sein Gericht über mir ausgesprochen hatte. Er hatte mich erlöst. Langsam glitt ich zu Boden, die Hände über meiner blutenden Brust und ich spürte wie das Leben aus mir wich. „Danke…Ich danke dir so sehr..“, hauchte ich. Das letzte was ich sah, bevor ich endgültig und für immer meine Augen schloss, war Freddy der über mir gebeugt stand und nicht wusste wie er mit dem Dank umgehen sollte. Ein leichtes Lächeln schlich sich auf meine Lippen, dann war es dunkel.
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