Die Nacht, die zum Tag wird

GeschichteRomanze, Schmerz/Trost / P16 Slash
Robin Sir Guy of Gisborne
22.11.2016
30.03.2018
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15677
1
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Dieses Kapitel
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Die Nacht, die zum Tag wird

Ich hasse dich.

Teil 01/15

Autor:

Lady Gisborne

P16-slash

Inhalt:

[Beitrag zum Projekt „15 Sätze, 15 Momente – 2 Personen“] Schon seit frühester Kindheit konnten Guy und Robin einander nicht ausstehen und sind bei jeder sich bietenden Gelegenheit aneinander geraten, doch als Guy durch den Leichtsinn des Jüngeren in ernste Schwierigkeiten gerät, beginnt Robin, seinen Rivalen mit anderen Augen zu sehen. Gibt es noch Hoffnung auf eine Versöhnung?

Link zum Projekt:

http://forum.fanfiktion.de/t/18789/1

Warnung:

[Slash] [AU]

Disclaimer:

Alle bekannten Charaktere und Orte in dieser Geschichte gehören der BBC bzw. Tigeraspect und der Inhalt ist frei erfunden. Auch Ich verdiene mit dieser Story kein Geld, sondern schreibe nur aus Spaß an der Freude. ^^

Anmerkung:

Wie die meisten von euch wahrscheinlich bemerkt haben werden, hat mich die Folge Bad Blood/Dunkles Vermächtnis zu dem ersten Kapitel dieser Geschichte inspiriert, die beinah unmittelbar an den Zwischenfall auf dem Fest anknüpft und wie ihr im weiteren Verlauf sehen werdet, wird die Handlung auch eine gänzlich andere Wendung nehmen, als in der Serie. Auch das Alter unserer beiden Protagonisten habe ich leicht verändert, da sie in der Serie ja einfach noch ein bisschen zu jung für eine Romanze bzw. ein späteres Pairing sind; wie alt die beiden hier sind, wird im weiteren Verlauf der Geschichte noch geklärt.

Außerdem ist dies das erste Projekt, an dem ich mich versuche und ich werde mich bemühen, aus allen Sätzen bzw. Momenten eine sinnvolle, zusammenhängende Geschichte zu machen. Leider kann ich noch nicht sagen, wie lange es bis zum jeweils nächsten Kapitel dauern wird, da ich nicht immer so oft zum Schreiben komme, wie ich gerne möchte, aber ich werde mir alle Mühe geben, euch nicht allzu lange warten zu lassen. Jedenfalls hoffe ich, dass euch die Geschichte gefällt und ihr Spaß beim Lesen habt!^^

Widmung:

Diese Geschichte widme ich zum einen Himmelsstern, die mich mir ihrer wundervollen Projektidee dazu inspiriert hat, aus einem Plotbunny, das ich schon eine gefühlte Ewigkeit im Kopf hatte, diese Geschichte zu machen und zum anderen Arctic Wolf, deren wunderschöne FFs für mich ebenfalls eine nie versiegende Quelle der Inspiration sind; wer Guy/Robin-FFs mag sollte unbedingt mal reinlesen – es lohnt sich! ;)

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Hellwach lag der junge Robin of Locksley in seinem Bett und starrte in das Dunkel, das sein Gemach erfüllte und das selbst das helle Licht des Vollmondes, der durch das offene Fenster hereinschien, kaum zu durchdringen vermochte.

Seit Stunden versucht er nun einzuschlafen, doch die Ereignisse des Abends hatten ihn innerlich so sehr aufgewühlt, dass er einfach keine Ruhe fand. Immer wieder musste er an das Fest denken, das so schön angefangen hatte und so schrecklich zu Ende gegangen war.

Und das war nur seine Schuld…

Verzweifelt und voller Wut auf sich selbst schlug Robin einige Male mit der Faust auf sein Kopfkissen ein, bevor er sein Gesicht mit einem frustrierten Seufzen darin vergrub. Dabei hatte er doch nie gewollt, dass irgendjemand zu Schaden kam! Er hatte lediglich seinem Vater beweisen wollen, dass er ihm viel zu wenig zutraute und nur aus diesem Grund hatte er dessen Verbot missachtet und mit seinem Bogen geschossen.

Sein Ungehorsam hatte jedoch schlimme Folgen gehabt, vor allem für Bruder Swain, der der bei dem durch Robins Übermut verursachten Unfall schwer verletzt worden war und nur mit knapper Not überlebt hatte.

Beinah noch schlimmer quälte den Blondschopf  der Gedanke, dass er nicht nur um ein Haar einen Menschen auf dem Gewissen gehabt hätte, sondern dass er obendrein auch den fünf Jahre älteren Guy of Gisborne in große Schwierigkeiten gebracht hatte, weil er zu allem Überfluss nicht einmal den Mut gehabt hatte, seinen Fehler offen einzugestehen.

Seine eigene Feigheit hatte ihn davon abgehalten zuzugeben, dass er es gewesen war, der den Pfeil abgeschossen und so diesen furchtbaren Unfall verursacht hatte, was dazu geführt hatte, dass Guy um ein Haar von den aufgebrachten Dorfbewohnern gehängt worden wäre.

Glücklicherweise war Sir Roger, Guys Vater, gerade an diesem Abend nach langer Abwesenheit aus dem Heiligen Land zurückgekehrt und im letzten Augenblick eingeschritten.

Nur ihm allein war es zu verdanken, dass Guy noch am Leben war…

Im Stillen machte sich der Locksleynachkomme bittere Vorwürfe und verfluchte seine Feigheit und seinen Leichtsinn, die den Dunkelhaarigen beinah das Leben gekostet hätten. Zwar waren sie beide seit ihrer Kindheit nicht miteinander ausgekommen und fast jede Begegnung zwischen ihnen war im Streit geendet, aber ein solch grauenvolles Schicksal hätte Robin ihm dennoch niemals gewünscht und wenn Guy tatsächlich durch seine Schuld gehängt worden wäre, hätte er sich das niemals verzeihen können.

Lange hatte er es sich selbst nicht eingestehen können, doch allen Auseinandersetzungen zum Trotz fand er den Gisbornespross längst nicht so unausstehlich, wie er immer vorgab und konnte ihn tief im Innersten sogar recht gut leiden. Umso tiefer kränkte es ihn, dass Guy ihn bei jeder Gelegenheit als kindisch bezeichnete. Nur weil Robin nicht immer alles so ernst nahm wie der Ältere!

Trotzdem hatte Robin im Stillen immer gehofft, dass sie irgendwann lernen würden, einander zu verstehen und vielleicht sogar mit der Zeit Freunde werden würden, doch nach allem, was an diesem Abend vorgefallen war und besonders nachdem Robin ihn in solche Schwierigkeiten gebracht hatte, würde Guy wahrscheinlich niemals wieder auch nur ein Wort mit ihm reden wollen. Sicher wollte der Gisbornespross nun nichts mehr mit ihm zu tun haben.

Erneut stieß Robin ein gequältes Seufzen aus. Was sollte er nur tun?

Nur zu gern hätte er die schrecklichen Ereignisse dieses Abends ungeschehen gemacht, doch das lag leider nicht in seiner Macht. Was geschehen war, war geschehen und ließ sich nicht mehr ändern, aber dennoch wollte der Blondschopf das Unrecht, das Guy durch seine Schuld widerfahren war, irgendwie wiedergutmachen.

Aber wie nur?

Sein Vater und auch die übrigen Einwohner Locksleys trauten ihm noch nicht einmal zu, dass er für dieses Unglück verantwortlich sein könnte und hatten ihm aus diesem Grund auch sofort geglaubt, als er jede Schuld von sich gewiesen hatte. Sie alle hatten ausnahmslos Guy für den Missetäter gehalten, da es wirklich sein Pfeil gewesen war, der den Unfall verursacht hatte.

Guys Pfeil, den Robin abgeschossen hatte…

Traurig und hilflos zugleich hieb Robin ein weiteres Mal mit der Faust auf sein Kopfkissen ein.

Nur weil der Ältere ihn vor seiner eigenen Dummheit hatte bewahren wollen, war er in Lebensgefahr geraten…

Umso mehr verwunderte es den Locksleyspross, dass er nicht einmal versucht hatte, sich zu verteidigen.

Warum hatte er kein einziges Wort darüber verloren, dass Robin die Schuld an diesem Unglück trug? Hatte er geschwiegen, weil er überzeugt gewesen war, dass ihm ohnehin niemand glauben würde? Oder hatte Robin vielleicht sogar unbewusst schützen wollen?

Dieser Gedanke ließ zum ersten Mal in seinem Leben ein Gefühl der Dankbarkeit und sogar Zuneigung zu dem Dunkelhaarigen in Robin aufsteigen.

Konnte es wirklich sein, dass ihn der Gisbornenachkomme längst nicht so sehr verabscheute, wie er bisher gedacht hatte?

Und Robin hatte sich noch nicht einmal bei ihm dafür entschuldigt, dass er ihn in solche Schwierigkeiten gebracht hatte…

Angesichts dieser Erkenntnis fuhr der Blondschopf abrupt im Bett auf. Wäre es nicht ein erster Schritt, Guy um Verzeihung zu bitten und ihm dafür zu danken, dass er ihn nicht verraten hatte? Schließlich hätte der Ältere zumindest versuchen können, sich zu verteidigen und die Wahrheit zu sagen, doch er hatte es nicht getan.

Während er noch darüber nachdachte, wurde Robin zum ersten Mal wirklich bewusst, wie tief er in Guys Schuld stand. Wie es ihm ergangen wäre, wenn der Gisbornespross ihn verraten hätte, wagte er sich nicht einmal vorzustellen. Er konnte unmöglich bis zum nächsten Morgen warten, um sich mit Guy auszusprechen. Er musste zu ihm und zwar sofort!

Ohne noch länger zu zögern schlug Robin die Bettdecke zurück, kletterte so leise er nur konnte aus dem Bett und schlich auf Zehenspitzen hinüber zum Fenster. Sein Vater durfte auf keinen Fall bemerken, dass er das Anwesen mitten in der Nacht verlassen wollte, denn das würde ohne Zweifel zu unangenehmen Fragen führen, was Robin um jeden Preis verhindern wollte.

Sein eigenes schlechtes Gewissen quälte ihn bereits zur Genüge und die Enttäuschung seines Vaters, wenn er erfuhr, was sein Sohn angerichtet hatte, hätte er nicht ertragen. Lieber wollte er sich heimlich zu Guy schleichen, sich mit ihm aussprechen und diesen furchtbaren Abend einfach nur vergessen.

Um eine zufällige Begegnung mit seinem Vater zu vermeiden, kletterte  der Blondschopf kurzerhand aus dem Fenster, was ihm nicht sonderlich schwerfiel, hatte er doch das Anwesen bereits unzählige Male zuvor auf diesem Weg verlassen.

Sobald seine Füße den sicheren Boden berührten, lief er hinaus in die Nacht und auf dem schnellsten Weg nach Gisborne Manor, das glücklicherweise in direkter Nachbarschaft zu seinem Elternhaus lag. Nur wenige Schritte musste er durch den Wald zurücklegen,  bevor das Anwesen der Familie Gisborne, in dem bereits alle Lichter erloschen waren, in seinem Blickfeld erschien.

Einen kurzen Moment lang verließ Robin beinah der Mut, als er sah, dass sowohl die Hausherren als auch die Dienerschaft bereits zu Bett gegangen waren und ihm obendrein bewusst wurde, dass er nicht die geringste Ahnung hatte, wo genau sich Guys Gemach befand.

Nun würde er wohl oder übel doch bis zum Morgen warten müssen, um sein Vorhaben in die Tat umzusetzen…

Als er jedoch gerade umkehren und sich auf den Weg zurück nach Locksley Manor machen wollte, bemerkte er plötzlich, wie eine ihm wohlbekannte Gestalt das Anwesen verließ und nach nur wenigen Schritten stehenblieb, augenscheinlich tief in Gedanken versunken.

Erleichterte atmete Robin auf, denn bei dieser Gestalt konnte es sich zweifellos nur um Guy handeln, der in dieser Nacht wohl ebenfalls nicht zur Ruhe kam. Gleichzeitig spürte er jedoch, wie sein Herz nun, da der Augenblick ihres Zusammentreffens unmittelbar bevorstand, vor Aufregung schneller zu schlagen begann.

Was sollte er nun sagen?

Der Blondschopf hatte es sich so einfach vorgestellt, auf Guy zuzugehen und ihn um Verzeihung zu bitten, doch als der Dunkelhaarige nur wenige Schritte von ihm entfernt stand, fühlte er sich mehr als nur ein wenig unsicher.

Wie würde Guy auf sein Erscheinen reagieren? Würde er ihm zuhören? Ihm vielleicht sogar verzeihen? Oder würde er ohne Vorwarnung auf ihn losgehen?

Robin konnte nicht einmal erahnen, wie sich der Gisbornenachkomme ihm gegenüber verhalten würde, ihm war beinah unangenehm bewusst, dass ihm Guy in einer körperlichen Auseinandersetzung deutlich überlegen wäre.

Einen flüchtigen Augenblick war er versucht, auf dem Absatz kehrtzumachen und wieder im Schutz des Waldes zu verschwinden, doch er brachte es einfach nicht über sich, unverrichteter Dinge nach Locksley Manor zurückzukehren. Immerhin war er es Guy schuldig, dass er wenigstens ihm gegenüber ehrlich war und zu seinem Fehler stand.

Dieser Gedanke vertrieb die Zweifel des Locksleysprosses und während er sich in Gedanken Mut zusprach, ging er langsam auf den Älteren zu.

♘♞

Wie Robin hatte auch Guy unaufhörlich an die Ereignisse auf dem Fest denken müssen und seine aufgeregten Gedanken hatten es ihm unmöglich gemacht, Ruhe, geschweige denn Schlaf zu finden. Selbst sein Gemach, in dem er sich gewöhnlich sicher und geborgen fühlte, war ihm mit einem Mal wie eine Kerkerzelle erschienen, deren Wände ihn erdrückten und ihm die Luft zum Atmen nahmen, bis er es nicht mehr ausgehalten hatte und aus dem Anwesen geflohen war.

Nun stand er nur wenige Schritte von der Tür entfernt in der Dunkelheit und atmete wie befreit die kühle Nachtluft ein, während der leichte Wind, der durch sein dunkles Haar strich, sein aufgeregtes Gemüt spürbar beruhigte. Im gleichen Maße, wie Angst und Entsetzen von ihm abfielen, stieg jedoch eine heftige Wut in ihm auf, die sich gegen einen einzigen Menschen richtete.

Robin of Locksley!

Wenn er nur an den ihm so verhassten Namen dachte, begann Guys Blut vor Zorn regelrecht zu kochen. Alles, was ihm an diesem Abend widerfahren war, hatte er allein  diesem verzogenen Bengel zu verdanken. Nur weil er geglaubt hatte, sich über das Verbot seines Vaters hinwegsetzen zu müssen!

Der Gisbornespross hatte von Anfang an gewusst, dass sich Robin mit seinem Vorhaben maßlos überschätzte und hatte ihn deshalb mit allen Mitteln davon abhalten wollen, den Bogen seines Vaters zu benutzen, aber dieser ungezogene Bengel hatte sich wie gewöhnlich von nichts und niemandem aufhalten lassen und die Folgen seines Leichtsinns waren noch viel schlimmer gewesen, als Guy sich jemals hätte vorstellen können.

Nicht genug damit, dass Bruder Swain beinah ums Leben gekommen wäre, die aufgebrachten Dorfbewohner hatten zu allem Überfluss den Dunkelhaarigen dafür zur Rechenschaft ziehen wollen. Keiner von ihnen war auch nur auf den Gedanken gekommen, Robin zu verdächtigen,  war dieser unerträgliche Quälgeist in ihren Augen doch ohne Fehl und Tadel. Guys Unschuldsbeteuerungen hatte hingegen niemand Glauben geschenkt, sie hatten ihn noch nicht einmal anhören wollen, denn jeder Einzelne von ihnen war überzeugt gewesen, dass nur er der Schuldige sein konnte.

Am tiefsten enttäuschte es Guy jedoch, dass Robin nicht einmal versucht hatte, den Anwesenden die Wahrheit zu sagen und dass er obendrein noch abgestritten hatte, den verhängnisvollen Pfeil abgeschossen zu haben. Während sich der Locksleyspross  wie ein Feigling der Verantwortung für sein Handeln entzogen hatte, konnte Guy sich mehr als glücklich schätzen, dass sein Vater im buchstäblich letzten Moment aufgetaucht war und ihn vor dem Tode bewahrt hatte.

Aber warum hatte Robin tatenlos zugesehen, wie er beinahe gehängt worden wäre? Hasste er Guy wirklich so sehr, dass er ihn um jeden Preis loswerden wollte?

Bei diesem Gedanken verspürte der Dunkelhaarige vollkommen unerwartet einen schmerzhaften Stich in seiner Brust. Zwar waren Robin und er noch nie sonderlich gut miteinander ausgekommen, aber allen Auseinandersetzungen zum Trotz hätte Guy niemals gewollt, dass dem Jüngeren irgendetwas zustieß.

Was hatte er Robin nur angetan, dass dieser ihn so sehr verabscheute?

So unvermittelt, wie die Traurigkeit in ihm aufgestiegen war, verging sie jedoch wieder und wurde erneut von Zorn und Bitterkeit verdrängt.

Was kümmerte es ihn, wie Robin über ihn dachte und ob er ihn hasste oder nicht? Nach allem, was ihm dieser unausstehliche Bengel angetan hatte, konnte er ihm gestohlen bleiben!

♘♞

„Guy?“

Noch bevor Robin bewusst wurde, was er tat war der Name des Älteren seinen Lippen entschlüpft und obwohl seine Stimme kaum mehr als ein Flüstern war, erschien sie ihm in der Stille der Nacht unnatürlich laut.

Der Gisbornenachkomme fuhr erschrocken herum, als er seinen Namen hörte und starrte sein Gegenüber einen endlos erscheinenden Augenblick fassungslos an, kaum fähig, zu begreifen, wer vor ihm stand. Als die Erkenntnis jedoch in sein Bewusstsein drang, verhärteten sich seine Züge und ließen sein Gesicht zu einer Maske aus Wut und Abscheu werden.

„Locksley.“

Aus seinem Mund klang der ihm so verhasste Name wie ein bösartiges Zischen und die Kälte in seinem Blick ließ den Blondschopf unwillkürlich einen Schritt zurückweichen. Nur mit Mühe gelang es ihm, dem Blick des Älteren standzuhalten, während er in einer, wie er hoffte, beschwichtigenden Geste die Hände hob.

„Guy, ich…“

Weiter kam er jedoch nicht, da ihm sein Gegenüber aufgebracht ins Wort fiel. „Was willst du hier? Hast du nicht schon genug angerichtet?“

Jedes seiner Worte traf den Locksleyspross wie ein Schlag ins Gesicht und erneut musste er für einen kurzen Moment gegen den Drang ankämpfen, auf der Stelle kehrtzumachen und sein Vorhaben aufzugeben. Insgeheim hatte er von Anfang an geahnt, dass Guy nach allem, was geschehen war, nicht gerade erfreut sein würde, ihn zu sehen und tief im Innersten wusste er auch, dass er dessen Ablehnung mehr als verdient hatte, doch die unverhohlene Kälte, mit der ihm der Dunkelhaarige begegnete, traf ihn härter, als er erwartet hatte.

Gleichzeitig machten ihm Guys Worte jedoch zum ersten Mal die wirkliche Tragweite seines feigen Verhaltens bewusst und einmal mehr erkannte er, dass es die richtige Entscheidung war, diesen Schritt zu tun.

„Ich wollte mich bei dir entschuldigen“ begann Robin vorsichtig und zwang sich weiterhin, Guys zornigem Blick standzuhalten. „Für alles, was heute Abend geschehen ist. Glaub mir, ich wollte bestimmt nicht, dass so etwas passiert und wenn ich das alles ungeschehen machen könnte…“

„Glaubst du wirklich, dass deine leeren, scheinheiligen Worte mir auch nur irgendetwas bedeuten, geschweige denn das Geschehene wiedergutmachen können?“ unterbrach ihn der Ältere erneut mit einem harten, bitteren Auflachen. „Für dich ist das alles doch nur eines deiner kindischen Spiele und du denkst, wenn du dich entschuldigst wäre alles wie vorher, als wäre nichts geschehen. Aber so einfach, wie du es dir machen willst, ist es nicht. Bist du dir eigentlich im Klaren darüber, in welche Gefahr du mich gebracht hast? Deinetwegen wäre ich beinah gehängt worden!“

„Ich weiß“, gab der Blondschopf kleinlaut zurück und senkte beschämt den Blick. „Durch mich bist du in große Schwierigkeiten geraten und ich verstehe…“

„Du verstehst überhaupt nichts!“ knurrte Guy zornig und ballte seine Hände zu Fäusten. „Du hast nicht die geringste Ahnung, welche Ängste ich ausgestanden habe, als die Schlinge um meinen Hals gelegt wurde und ich fest davon überzeugt war, jeden Moment sterben zu müssen. Du hast nicht einmal versucht, mich zu verteidigen und dieses Missverständnis aufzuklären. Selbst als es um mein Leben ging, warst du zu feige die Wahrheit zu sagen!“

„Weil ich Angst hatte!“ versuchte sich Robin nun verzweifelt zu verteidigen. „Nach dem Unfall war ich so erschrocken und verwirrt, dass ich nicht mehr wusste, was ich denken sollte und deshalb habe ich einfach getan, was…“

„Du hast schon immer das getan, was dir gerade in den Sinn kam“, entgegnete Guy mit schneidender Stimme. „Wenn du auch nur einen einzigen Gedanken daran verschwendet hättest, welche Folgen dein Leichtsinn haben könnte, dann hättest du diesen verfluchten Pfeil niemals abgeschossen! Nur durch deinen Übermut und deine Gedankenlosigkeit ist es so weit gekommen!“

Die Unversöhnlichkeit des Älteren ließ Robin erneut schwer schlucken und alles in ihm verlangte danach, ein weiteres Mal seine Unschuld zu beteuern, doch gleichzeitig wusste er, dass jedes Wort der Rechtfertigung eine Lüge gewesen wäre, denn Guy hatte lediglich die bittere Wahrheit ausgesprochen.

Hätte Robin seinem Vater gehorcht, wäre das alles niemals passiert…

„Du hast Recht“, gab er deshalb leise zu. „Ich hätte auf dich hören sollen, anstatt etwas derart Unüberlegtes zu tun, das weiß ich jetzt. Aber ich wollte dich niemals in Gefahr bringen, das musst du mir glauben und ich werde alles tun, um diesen Fehler wiedergutzumachen.“

„Es gibt nichts, das du tun könntest“, entgegnete der Gisbornespross nach wie vor unversöhnlich. „Nichts könnte das, was mir durch deine Schuld widerfahren ist, jemals wiedergutmachen und ich werde dir auch niemals verzeihen, ganz gleich, was du tust. Aber wenn du wirklich etwas für mich tun willst, dann verschwinde endlich und tritt mir niemals wieder unter die Augen. Hast du mich verstanden, Locksley? Ich will niemals wieder etwas mit dir zu tun haben!“

Diese Worte schmerzten Robin sehr viel mehr, als jeder Vorwurf, den ihm der Ältere hätte machen können. Zwar hatte er von Anfang an geahnt, wie zornig Guy auf ihn sein musste, doch auf eine derart kaltherzige Reaktion auf seinen Versöhnungsversuch war er dennoch nicht gefasst gewesen.

„Das meinst du nicht ernst.“ Nur als ein kaum hörbares Flüstern kamen dieser Satz über Robins Lippen, während er sein Gegenüber beinah flehend anschaute. „Guy…“ Vorsichtig streckte er seine Hand nach dem Dunkelhaarigen aus, doch dieser stieß sie nur unwirsch beiseite.

„Fass mich nicht an!“ fuhr er den Blondschopf aufgebracht an. „Und sprich mich auch nie wieder an! Ich hasse dich!“

Ohne ein weiteres Wort wandte sich Guy von ihm ab, ging zurück in das elterliche Anwesen und schlug die Tür mit einem lauten Krachen hinter sich zu.

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