Wanderer auf dunklen Pfaden

von Arielen
GeschichteAbenteuer, Drama / P16
22.11.2016
15.03.2019
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Außerhalb der Krankenstation blieb die Älteste stehen und legte eine Hand gegen die Täfelung des Londoner Sanctums. Sie spürte das unentwegte Raunen und Murmeln der uralten Bäume, deren Wurzeln noch immer das Haus stützten und die Quelle beschützten.

In all den Millennia mochten diese zwar gestutzt worden und unter Stein verschwunden sein, aber die Eichen hatten von ihrer Kraft nichts verloren, eher im Gegenteil. Nun, da sie nicht mehr dem Kreislauf des Lebens unterworfen waren, hatten sie viel Zeit, um ihren Geist weiter zu entwickeln und sich Gedanken über die Dinge zu machen, die außerhalb des irdischen Treibens lagen. Sie waren nun ganz den kosmischen Energien ergeben.

Aber ihr stilles Treiben und ihre Gedanken und Überlegungen wahrnehmen und verstehen, das konnten nur wenige Sterbliche – nämlich die wenigen die bereit gewesen waren, sich auf die Sprache der Bäume einzulassen. Selbst sie hatte Jahrhunderte dafür gebraucht überhaupt die ersten Worte zu verstehen, weil sie immer zu ungeduldig gewesen war.

Ein leises Lächeln umspielte ihre Lippen und sie schloss die Augen. ‚Oh ja, wir erkennen einander immer noch, nicht wahr meine Freunde?‘

Für einen Moment huschten die Bilder der archaischen Pracht durch ihren Geist, als dieser Ort noch von lebendigem, pulsierenden Grün umgeben war und sie selbst gerade einmal ein wild wuchernder und ziemlich unerzogener Schössling im Angesicht der majestätischen Bäume.

‚Schon damals warst du etwas Besonderes, du junges Menschenpflänzchen …‘, hörte sie nach einer Weile ein Raunen in ihrem Kopf. Die in ihren Wurzeln ruhenden uralten Seelen summten amüsiert, wischten aber dann die Erinnerungen fort.

Sie verweilten statt dessen im Hier und Jetzt, trugen ihr nun Lieder von Trauer, Verzweiflung, Sorge und Wut zu. Gefühle, die ihnen selbst nicht fremd waren, weil sie so oft miterlebt hatten, die Feuer und Stahl ihre Schösslinge vernichtet hatte.

Und der Ältesten ebenfalls nicht, denn es war nicht das erste Mal, dass Magier den grausamen und viel zu frühen Tod von zwei jungen Seelen aus ihrer Mitte beklagen mussten. Und es würde auch nicht das letzte Mal sein. Vielleicht konnte sie den ein oder anderen abwenden, aber niemals alle, und schon gar nicht in London, inmitten all der mordlüsternen Feenwesen, die auf den britischen Inseln kreuchten und fleuchten …

Und die nur darauf lauerten, aus ihren andersweltlichen Reichen zu kommen und die Menschen zu berauben oder ihnen zu schaden, aus Gründen, die kein Sterblicher verstehen konnte …

Für einen Moment klopfte ihr altes Ich zornig und nach Vergeltung fordernd an die Rändern ihres Geistes und versuchte sie sie an die bitteren Schwüre zu erinnern, die sie sich vor langer Zeit im Angesicht ihrer, von diesem elenden dunklen Bastard Tyr grausam ermordeten, Kinder gegeben hatte.
Zwar hatte sie schon damals nach ihrer Genesung blutige Rache für den Mord an Finn und ihrem ungeborenen Kind genommen. Aber den wahren Schuldigen, den hatte sie bisher noch nicht vor die Klinge bekommen …

Hastig verwies sie den noch immer leise in ihr wühlenden Schmerz über den Verlust, den Groll und die Rachegelüste gegenüber den mächtigsten Fürsten der dunklen Fae zurück in den hintersten Winkel ihres Geistes.

Denn ihre Zeit als Kriegerin war lange vorbei und es nutzte niemandem mehr, wenn sie diesem Teil ihres Wesens nachgab, am allerwenigsten denen, deren Knochen bereits zu Staub zerfallen war und deren Seelen hoffentlich schon lange wieder in den Kreislauf des Lebens zurückgekehrt waren.

Ihre Sorge galt der Gegenwart und den Lebenden … das durfte sie niemals wieder vergessen.

Deshalb bat sie die stumm die uralten Mächte – auch die Quelle - die in ihrem Geist raunten: ‚Erzählt mir nun genau, was ihr in diesem Haus spürt! Wie nehmen die anderen Kinder der Menschen den Verlust auf?‘

Vielleicht erfuhr sie so einfacher, wie die Bewohner des Londoner Sanctums den Verlust zweier und das mögliche Sterben eines dritten, ihrer jungen Gefährten aufnahmen, auch wenn diese erst ein paar Monate hier gewesen waren.
Würde sie die Magier und Adepten direkt fragen, würde sie vermutlich nur ausweichende Antworten erhalten, weil diese gegenüber ihr stark und gefasst wirken wollten, deshalb verzichtete sie lieber ganz darauf, es überhaupt erst zu tun.

Es brauchte keiner weiteren Worte, nur Bilder und Empfindungen, um ihr zu zeigen, dass sich die meisten anderen Angehörigen der Tempelgemeinschaft im Aufenthaltsraum befanden. Physische Wunden wurden gereinigt und verbunden, die des Geistes allerdings erst jetzt offenbar.

Entsetzen … Trauer … Wut … Schmerz … und Sorge.

Vor allem ein älterer Schotte machte keinen Hehl daraus, das er vor allem um Kaecilius bangte, denn er schien alle überirdischen Mächte, die er kannte anflehen zu wollten, dass sie dafür sorgten, dass der Däne überlebte – egal zu welchem Preis.

Das rührte sie. ‚So gerne hast du ihn, mein lieber Angus? Wie einen Bruder, einen Sohn? Hab keine Angst, dein Freund wird zu dir zurückkommen, denn er ist stark und stur, wie viele seines Blutes. Auch wenn er es nicht weiß, aber er ist zu mehr fähig, als er die ganze Zeit gedacht hat. Er muss nur endlich verstehen und erkennen, dass die Welt und das Leben nicht seine Feinde sind, sondern Freunde‘, hätte sie ihm gerne zum Trost gesagt und so eine Bürde genommen, aber sie musste die Älteste bleiben – erhaben und fern von ihren Schützlingen, auch wenn es ihr jetzt im Moment das Herz schwer machte.

Meister Rama war in diesen Stunden wie der Fels in der Brandung und die Eiche, an die sich alle lehnen konnten, die Schutz und Hoffnung brauchten. Der Meister, der die Ruhe bewahrte und tat, was getan werden musste, um den anderen wieder Kraft zu geben. Sie wusste schon, warum Edyth ihn bereits jetzt als ihren Nachfolger ausbildete, auch wenn sie hoffte, dass dieser Fall nicht so schnell eintreten würde, schätzte sie die derzeitige Tempelmeisterin doch sehr.

Er und Magier Kraman ließen sich von einem blonden Magister – sie schmunzelte, als sie an den umtriebigen Diplomatensohn Jacob Rawlings und seine Zeit im Kamar-Taj dachte – genau berichten, was geschehen war. Auch dieser war weniger munter als sonst üblich und wirkte nachdenklich und bedrückt.

Aber er schien sich von dem schweren Schlag nicht niederdrücken lassen zu wollen. In der Hinsicht war sie zufrieden mit ihm, denn die Magier brauchten Mitglieder und gerade Außendienstler, die den Mut nicht verloren, sondern sich etwaige Fehler merkten und es beim nächsten Mal besser zu machen versuchten, sich aber nicht in Selbstmitleid und Depressionen verloren.

Eine Person machte ihr allerdings wirklich Sorgen.

Wie Angharad angedeutet hatte, schien Tempelmeisterin Owen sich vor allen anderen versteckt und es sogar vorgezogen zu haben, sich in ihrem Zimmer einzuschließen.

Die Frau saß nun auf dem hölzernen Boden in ihrem Zimmer, noch immer in ihren schmutzigen und blutbefleckten Gewändern und hatte das Gesicht in den Händen vergraben. Sie hatte sich sogar vor der Quelle verschlossen, damit diese nicht von ihrer Verzweiflung mitgerissen wurde.

Die Älteste seufzte. Da war wohl der Versuch, die innere Mitte durch Meditation zu finden und daraus Stärke zu gewinnen, in sein Gegenteil umgeschlagen und hatte alles nur noch schlimmer gemacht.So schlimm, dass Edyth genau das tat, was sie nicht hätte tun sollen, denn sie verstörte die Quelle mehr als dass sie sie schützte.

Die oberste Zauberin streckte ihre Fühler aus. Die bitteren Vorwürfe die sich Edyth machte, drangen nun deutlich bis zu ihr durch. So am Boden zerstört hatte sie die mitfühlende und weise Engländerin bisher nur einmal gesehen …
Damals, als diese mit eigener Hand den von dunklen Feenzaubern besessenen Meister Collingford getötet hatte, um ihn daran zu hindern, die Quelle zu korrumpieren. Gut, das damals Angharad schon an ihrer Seite gewesen war und sie gestützt und getröstet hatte.

Aber im Moment war die Heilerin anderweitig beschäftigt, also musste jemand anderes ihren Platz einnehmen, zumindest im Moment …

Natürlich gab Edyth sich die Schuld daran, dass zwei junge Leben ausgelöscht worden waren und ein drittes auf der Schwelle zwischen Leben und Tod stand, weil sie sie die unerfahrenen Adepten im Glauben eine einfache Mission vor sich zu haben, mit nach Dänemark genommen hatte.

Konnte sie das der Tempelmeisterin verdenken?

Hätte wirklich jemand voraus ahnen können, dass ausgerechnet diese Feen um einiges gefährlicher sein würden als die Völker, mit denen sie es sonst zu tun hatten. Und wäre es überhaupt möglich gewesen, die Zeichen richtig zu deuten.

Und doch schien Edyth das zu glauben. Das zeugte von einem stark ausgeprägten Gewissen und Sorge um die Untergebenen. Aber diesmal lag die Tempelmeisterin wirklich falsch, denn sie hatte keinen Fehler begangen und auch nicht Magister Rawlings. Beide hatten einfach nur viel zu wenig über diesen Ort und sein Volk gewusst.

Die Älteste nahm die Hand von der Täfelung und senkte den Kopf. Auch sie trug einen Teil der Schuld, wenn man denn jemandem überhaupt eine zuweisen wollte …

Wer außer ihr selbst hätte denn noch wissen können wie gefährlich gerade dieser Stamm der Schattenfeen war, nachdem sie alle genaueren Aufzeichnungen darüber in ihre persönliche Sammlung aufgenommen hatte, um Scham und Schande über ihre schlimmste Niederlage – verursacht durch Eitelkeit und eigensüchtiges Verlangen – vor den Augen späterer Generationen zu verbergen.

Damals hatte sie nicht nur ihre Liebe und einen Teil ihrer Familie, sondern viel mehr verloren, als ihr überhaupt bewusst gewesen war. Den Preis hatte sie dann Jahre später gezahlt und bezahlte ihn immer noch. Genau das verbarg sie aber bewusst vor den anderen, und damit auch diesen Teil ihres Lebens.

Außerdem - wie viel Ahnung hatte sie selbst noch von den Geschehnissen nach zwei Millenien, in denen dort drüben im sumpfigen Land der Jüten einfach viel zu viel passiert sein konnte? Vor allem nachdem dieser Idiot von Nachfahre vor gut 1500 Jahren jeglichen Kontakt mit dem Meistern der Mystischen Künste verweigert hatte und auch keine beunruhigenden Nachrichten mehr das Sanctum in London und das Kamar-Taj erreicht hatten – bis jetzt.

Aber das alles war schon lange Vergangenheit. Auch was heute geschehen war, blieb unveränderlich und sie würde einen Teufel tun, noch einmal das Auge von Agamotto einzusetzen, um die Zeit umzukehren. Diese Lektion zu lernen, hatte sie sehr sehr viel gekostet und Unschuldige dazu verdammt, für sie einzustehen, unter anderem ihre jüngste Tochter.

Dann straffte sie die Schultern und hob ihren Kopf. Also galt es nach vorne zu blicken an die Gegenwart und Zukunft zu denken.

Ja, jetzt kannte sie ihr Ziel und ihre Aufgabe.

Mit zügigen Schritten, aber lautlos wie ein Schatten – sie hätte es sich auch einfacher machen können, aber sie wollte die ohnehin aufgeregte Quelle nicht noch mehr verschrecken, die nicht wusste, wie sie sich um die Tempelmeisterin kümmern sollte - wanderte sie durch das Haus, bis die Tür zu den entsprechenden Wohnräumen erreichte.

Eine kleine Geste genügte, damit sich das Schloss wieder entriegelte. Leise trat sie ein und stellte fest, dass sich nichts seit dem vorherigen Blick an diesen Ort verändert hatte. Edyth kauerte noch immer wie ein Häufchen Elend am Boden, die Knie an den Körper gezogen, Ihre Schultern zitterten.

Sie schien, wie ein Zusammenzucken andeutete, sehr wohl zu merken, dass jemand in ihrem Raum gekommen war, aber Scham und Verzweiflung ließen sie nicht aufblicken, sondern nur noch mehr in sich zusammensinken.

Die Älteste schloss und verriegelte mit einer Geste die Tür. Was jetzt kam, das würde zwischen Edyth und ihr bleiben und ging keinen anderen etwas an. Und sie mochte auch keine unnötigen Störungen, auch wenn es die Leute gut meinten.

Ein paar Schritte noch, dann setzte sie sich einfach auf den Boden und zu der nicht mehr ganz so jungen Frau und wartete geduldig.

Es dauerte ein paar Minuten, bis Edyth wagte, zu ihr aufzusehen. „Ich habe versagt. Ich bin es nicht mehr wert, eine Tempelmeisterin zu sein! Sol Rama hätte in diesem Fall ganz anders und viel besonnener gehandelt!“, schluchzte sie unter Tränen und schlug die Augen nieder. „Das alles hätte nicht sein müssen, wenn ich doch nur viel besonnener gehandelt hätte, wenn ...“

„Wenn was?“ fragte die Älteste ruhig zurück. „Kein Mensch, nicht einmal ich, ist allwissend und wie wir alle immer wieder schmerzvoll erfahren, sind die Feen Gegner voller unangenehmer Überraschungen und großer Heimtücke.“

Sie holte tief Luft.

„Ich sehe keinen Fehler in dem, was Sie getan haben, Edyth, eher im Gegenteil. Es sind diese Ereignisse, die uns formen und stärker machen, selbst die jungen Leute. Außerdem haben Sie, als alles vorbei war, bewusst und klug gehandelt und das getan, was getan werden musste. Für all diejenigen, die Ihnen anvertraut worden sind und es in dem Moment waren, wie diese Mutter mit ihrem Kind.“

Die oberste Zauberin streckte eine Hand aus und berührte die andere Frau sanft am Arm, ließ ihre langen schlanken Finger auf deren Schulter liegen und sprach ihr gut zu: „Sie sind stärker als Sie denken … Es ist nicht der erste Verlust, den Sie erfahren haben und das wissen Sie. Auch gab es sinnlosere Tode als diese beiden …“

Sie schwieg einen Moment, behielt die Gedanken, die sie noch hegte bei sich, denn in den alten Zeiten waren solle Kämpfe eine Feuertaufe für die Krieger-Eleven und Magier-Adepten gewesen – der Punkt, an dem sich entschied, ob sie lebten oder starben. Aber heute waren die Zeiten anders, und Edyth ein Kind des zwanzigsten nachchristlichen Jahrhunderts, in dem sich viel gegenüber der archaischen Vergangenheit geändert hatte.

„Ach meine Liebe, Sie sind nach wie vor diejenige, die London zusammenhält und der die Quelle vertraut. Wenn Sie in sich hinein horchen, dann wissen Sie das auch … deshalb erlauben Sie ihr ruhig das Leid mit ihnen zu teilen. Denn Sie beide sind noch immer eins – das Herz und die Seele des Sanctums, die nur gemeinsam bestehen können.
Lauschen Sie und strecken Sie ihre Fühler aus. Merken Sie denn nicht ebenso, dass sich in der Gemeinschaft etwas verändert hat? Der Zusammenhalt ist gewachsen, Von nun an werden die Magier mehr aufeinander achten denn je …“

„Ich wünschte, ich könnte so denken und fühlen. Aber die Trauer ist so übermächtig und ich kann mich nicht aus der Gedankenmühle befreien. Immer und immer wieder gebe ich mir die Schuld an dem Tod der beiden.“
Edyth seufzte schwer und sah dann zu ihr hin.
„Und was ist mit Kaecilius? Werden wir auch ihn verlieren? Dabei war er der Tapferste und Mutigste von uns allen, gerade als er ohne über die Konsequenzen nachzudenken dem Fürsten der Schattenfae gefolgt und die Stirn geboten hat …“

Ihre Stimme versagte.

Die Älteste lächelte geheimnisvoll und strich tröstend über die tränennasse Wange der anderen Frau. „Ich war gerade eben in der Krankenstation. Angharad wird es schon richten. Sie hat den passenden Dickschädel, um ihn aus dem Reich des Todes zurück zu holen, und der dumme Junge springt hoffentlich bald über seinen Schatten und gibt zu, dass er sich hier wohl fühlt, so dass er endlich bei der Heilung mithilft.“

„Er ist wirklich ein mürrischer Sturkopf …“ Wider Willen schmunzelte Edyth für einen Augenblick, wurde dann aber wieder ernst. „Es war ja nicht nur das, nicht nur sein Kampf gegen den Schattenfae. Sein Wissen über diesen Ort hat uns den richtigen Weg gewiesen. Nur als dann die Frau und das Kind auftauchten und in Gefahr gerieten, ist mit einem Mal alles eskaliert, weil die Feen ihre wahre Macht entfesselten. Und doch hat Kaecilius nicht einmal mit der Wimper gezuckt und die Klingen geführt, als trüge er sie schon lange. Ohne ihn … “

„Ich weiß. Durch diesen Kampf sind die Klingen zu einem Teil von ihm geworden. Sie werden ihn von nun an als ihren wahren Träger anerkennen … aber darum geht es jetzt nicht. Nicht um ihn, nicht um die Artefakte“, sprach die Älteste ein Machtwort, weil ihre Tempelmeisterin wieder die eigentlichen Gefühle verdrängte. Also musste sie den nächsten Schritt gehen.

„Es geht allein um dich … Edyth, meine Tochter. Ich weiß um das alles, und deswegen bin ich hier. Für dich bin ich jetzt so da, wie ich es sein sollte … “ Die Älteste zog Edyth kurzerhand in ihre Arme und hielt sie mit sanftem Nachdruck fest, erlaubte der Meisterin sich an ihrer Schulter auszuweinen bis die Tränen versiegen würden, während sie ihr zärtlich und beruhigend über den Rücken und die Haare strich.

Diese mütterliche Geste hatte sie sich schon lange nicht mehr erlaubt, um die Distanz zwischen sich und den Menschen zu wahren, die nur ihre normale Lebensspanne besaßen, aber an diesem Tag und zu dieser Stunde ließ sie ihre Maske fallen, denn das war es, was die Tempelmeisterin nun am Meisten brauchte: Verständnis und Trost. Jemand der sie in ihrer einsamen Position und Verantwortung verstand und mit ihr fühlte.

Die Zeit zum Reden und Analysieren des Geschehens im Rat der Meister würde schon noch kommen. Und da setzte sie auch auf Meister Dees mitfühlende Expertise und Weisheit, um die Diskussion nicht all zu sehr eskalieren zu lassen.

Die Gefahr selbst war ohnehin fürs Erste gebannt, das konnte sie mit Sicherheit schon einmal sagen. Denn nun wo die Schattenfeen Jütlands ihr Oberhaupt im wahrsten Sinne des Wortes verloren hatten, würde es Jahre, wenn nicht Jahrzehnte dauern, bis diese sich wieder regten und ein neuer Anführer aus den Machtkämpfen in deren Reich hervorgegangen war.


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