Lucy's Story

von Kiz
GeschichteDrama, Freundschaft / P18
Craig Tucker Kenny McCormick OC (Own Character)
22.11.2016
07.01.2020
62
55.630
15
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22.11.2016 807
 
Dramatisch waren diese Berge ja schon... So viel musste ich ihnen ja lassen. Für Lucy waren diese Berge wie ein Gefängnis. Von allen Staaten musste es wohl ausgerechnet Colorado sein. Und dann nicht mal eine richtige Stadt, sondern ein Kaff mitten in den Bergen namens South Park... Wo sie her kam, gab es keine Berge... Die Fahrt hierher war ihr wie eine Ewigkeit vorgekommen. Ihr komplettes Leben lag hinter ihr, ihre Freunde und die Liebe ihres Lebens hatte sie zurück lassen müssen.
"Nicht mehr lange, Schatz. Bist du schon aufgeregt?", fragte ihr Vater sie mit breitem Lächeln. Lucy rang sich zu einem Lächeln durch. Sie war das, was man wohl als 'gutes Kind' bezeichnen würde... Sie war gerade erst 16 geworden, hatte noch nie Alkohol oder Tabak probiert, schminkte sich kaum und trug ihre hellbraunen Haare meistens zum hohen, lässigen Knoten oder zum Pferdeschwanz und zog sich nicht wirklich aufreizend an. Wenn sie sich aufregte, wurde sie nie laut. Wenn sie tanzte, dann höchstens alleine in ihrem Zimmer, wenn alle anderen schliefen und keiner sie sehen konnte. Sie hörte das, was alle hörten, doch meistens einfach nur ruhige, 'cleane' Musik. Und ihre große Liebe hatte sie bisher nur ein paar Mal auf den Mund geküsst und sonst nur ihre Hand gehalten.
"Ich bin sicher, dass du schnell neue Freunde finden wirst...", sagte ihre Stiefmutter aufmunternd. Lucy nickte tapfer, doch ihre Augen tränten, als sie in den Schnee hinaus sah und von einengenden Bergen umzingelt war. Sie passierten das Ortsschild und Lucy seufzte, als sie an den durch das Örtchen zu ihrem neuen Haus fuhren...

Das Wochenende verbrachte sie mit Auspacken und Einrichten. Nachts weinte sie sich in den Schlaf, weil sie so heftiges Heimweh hatte. Der erste Schultag an der neuen Schule kam viel zu schnell... Mit schmerzender Brust stand sie an der Bushaltestelle und wartete auf den Schulbus.
"Alter! Pass doch auf!", riss eine leicht quäkende Jungenstimme an ihr Ohr und sie sah den rundlichen Jungen, der sich gerade die Spuren eines Schneeballs vom Ärmel klopfte.
"Was glaubst du, wen ich treffen wollte?", fragte ein Junge mit hochgezogener Kapuze.
"Ihn zu treffen ist wirklich nicht schwer...", sagte ein anderer.
"Halt's Maul du dummer Jude!", keifte der erste. Das waren ja tolle Aussichten.. Der mit der hochgezogenen Kapuze bemerkte Lucy und stellte sich neben sie.
"Hi, ich bin Kenny", lächelte er freundlich.
"...", Lucy bewunderte ihre Redegewandtheit. Kenny beugte sich zu ihr.
"Das ist der Part, an dem du mir deinen Namen verrätst...", flüsterte er ihr zu. Lucy starrte den Jungen nur an. Da es momentan ungefähr -20 Grad Celsius hatte, war ihr irgendwie zu kalt zum Reden...
"Immer noch nicht?", fragte er, dann kam der Bus und sie stiegen ein, Lucy als letzte. Und so begann der erste Spießrutenlauf des Tages. Lucy mochte keine Aufmerksamkeit. Kenny war eigentlich direkt vor ihr gewesen, doch plötzlich war er ganz weit hinten. Und somit bekam Lucy die erste Peinlichkeit des Tages, da der Bus los fuhr und sie dadurch fast hinfiel. Lucy lief die Bänke ab, doch die Mädchen sahen sie nur abwertend an und stellten demonstrativ ihre Taschen auf die leeren Sitze...
'Vielen Dank dafür...', dachte sie. Nur Kenny klopfte auffordernd auf den leeren Platz neben sich. Bevor Lucy tatsächlich hinflog, setzte sie sich dankbar neben ihn.
"Versuchen wir es nochmal: Hi, ich bin Kenny", lächelte er. Er hatte die Kapuze abgesetzt und sie sah seine hellblonden Haare, die total durcheinander waren. Es sah ziemlich chaotisch aus, doch irgendwie süß...
"Lucy...", sagte sie.
"Ahhh, du kannst also doch reden", grinste er. Irgendwas an ihm, an allen hier, war anders als Lucy es von zu Hause kannte. Sie alle wirkten irgendwie so viel älter, als sie wahrscheinlich waren...
"Du bist neu hier... Wann bist du angekommen?", fragte Kenny.
"Freitagabend", sagte Lucy.
"Und was verschlägt ein hübsches Mädchen wie dich an den tristesten Ort der Welt?", fragte Kenny lächelnd. Lucy bekam rote Wangen und sah auf die Tasche in ihrem Schoß.
"Meine Stiefmutter hat einen Job hier gefunden...", sagte sie leise.
"Hmmm... Dann muss ich ihr wohl eine Dankeskarte schreiben, weil dank ihr ein wunderschönes Mädchen in der Stadt ist...", sagte er. Lucy wurde noch roter und hielt sich an ihrer Tasche fest, als könnte diese sie vor Kenny's Schmeicheleien schützen. Oder vor seinem Blick, der komplett anders als der ihrer großen Liebe war. Sie kannte solche Blicke nicht. Sie wusste Kenny überhaupt nicht einzuordnen, doch sie war dankbar über seine Freundlichkeit.

Sie war unschuldig und naiv... Und sie hatte keine Ahnung, was diese Stadt und ihre Bewohner noch alles mit ihr anstellen würden...
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