Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

♗ⓢⓒⓗⓐⓒⓗⓜⓐⓣⓣ

Kurzbeschreibung
KurzgeschichteDrama / P16 / Gen
Jealous
21.11.2016
21.11.2016
1
516
1
Alle Kapitel
noch keine Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
 
 
21.11.2016 516
 
Fahrig strichen meine vernarbten Finger immer wieder über die eingravierten Buchstaben und vergewisserten mir so, dass es sich um keinen Trug handelte. Der mir kostbarste Besitz lag weiterhin wohlbehalten auf meiner Brust und liebkoste mich durch seine Wärme. Genüsslich zog ich den sandigen Geruch meiner bereits vergilbten Legitimation ein und stellte mir vor, wie die Feder über das raue Material kratze. Ein wolliger Schauer ließ mich stumm aufseufzen. Rekelnd wandte ich mich auf meine linke Seite und wiegte den Kopf in einer Hand. Andächtig fuhr ich zum gefühlt hundertstem Mal an diesem Tag über den abgegriffenen Einband und musste mir einen leicht verzückten Laut mit Müh' verkneifen. Mit leuchtendem Auge schlug ich es schließlich auf und laß mir erneut all die Zeilen durch, welche ich seit meiner Existenz darin hinterlassen hatte. Ich war im Begriff behaupten zu können, mich an jeden Namen und jedes dazugehörige Gesicht erinnern zu können. Scham erfüllte mich. Wie hatte ich nicht zu Anfangszeiten mich an der Schwäche der Menschen gelabt und an ihren Leben ergötzt. Ich war der Bezeichnung, welche mir mein' Lebzeiten bewohnte, wahrlich gerecht geworden. Doch heute fühlte ich bei weitem nicht mehr eine solche Gier, wie sie noch vor Jahrzehnten in mir brodelte.

Ich war verkommen unter der Fuchtel meinesgleichen und letztlich doch nur zum hörigen Diener degradiert worden. Man fragte mich zwar, meine Antwort aber, war nicht von Belangen; mein Wort wog rein gar nichts, ganz im Gegensatz zu dem eines anderen. Aufträge, welche anderen oblagen, diesen, jedoch missfiel oder schlichtweg nicht interessierte, wurden auf mich abgewetzt. Mit der Begründung, dass ich mich glücklich schätzen könne, überhaupt in ihrer Gunst so hoch zu stehen, einen Auftrag übernehmen zu dürfen. Glaubten sie wirklich, ich würde dadurch vor ihnen zu Kreuze ziehen? Nur, weil sie bedenkenlos eine Aufgabe von sich schieben konnten? Hielten sie mich alle wirklich für einen solchen Tölpel, wie es meine äußere Erscheinung vermuten mag? Verärgert knirschte ich mit meinen Gelenken und schlug betont energisch mein Liebling wieder zu. Sofort bereute ich dies allerdings und streichelte entschuldigend über den Einband.

Über meine eigene Definition erzürnt, verfiel ich wieder in mein gewohntes Muster.

Gelassen zückte ich das leicht abgestumpfte Messer und bohrte es hemmungslos in meinen widerstandslosen Körper. Immer tiefer schob sich die Klinge und verhalten stöhnte ich auf. Den Schmerz vermochte ich nicht zu fühlen, doch der Anblick bot mir Befriedigung. Eine Befriedigung, die ich nun dringend benötigte. Intensiv bohrte sich mein Auge in das Schwarz und die in Weiß darauf geschrieben Buchstaben verschwammen, je länger ich es betrachtete. „Ich werde dich niemals wieder für meine Schwäche verletzen. Mich für meine Untat zu maßregeln wird mir eine Freude sein und mit deinem wundervollen Anblick vor mir, welchen ich keinesfalls verdiene, werde ich-“ Erneut stöhnte ich auf, dieses Mal jedoch rücksichtslos und weniger zurückhaltend. „Werde ich Erlösung finden“, beendete ich gepresst murmelnd meinen Monolog und bäumte mich unter einem erneuten Hieb auf.

Schwarz schimmernder Lebenssaft rann aus der klaffenden Wunde, wie ich die Klinge am Knauf aus meinem Leib herausriss. Mir flatterten die Augenlider und ächzend stahl sich ein schmallippriges Lächeln in meine Physiognomie.
Review schreiben
 
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast