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8 - Flying Doctors - Bevor das Glück beginnt

von mops1980
Kurzbeschreibung
GeschichteDrama / P12 / Gen
Dr. Chris Randall Dr. David Ratcliffe Dr. Geoff Standish Dr. Tom Callaghan Kate Wellings/Standish OC (Own Character)
20.11.2016
26.02.2017
14
21.972
1
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Dieses Kapitel
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05.12.2016 1.235
 
Chris war nach ein paar freien Tagen, die sie in Melbourne bei ihrem Vater verbracht hatte, auf dem Rückweg nach Coopers Crossing. Schneller wäre sie natürlich mit dem Flugzeug gewesen, aber sie hatte sich bewusst dafür entschieden mit dem Auto zu fahren. Fliegen konnte sie schließlich jeden Tag.
Es war wirklich mal nötig gewesen, ein paar Tage auszuspannen. Nachdem eine Grippewelle zunächst viele Bewohner von Coopers Crossing außer Gefecht gesetzt hatte und irgendwann auch auf Ärzte und Pflegepersonal übergegriffen hatte, war es jetzt wieder etwas ruhiger geworden. So konnte sie sich eine Auszeit gönnen.
Sie hatte es richtig genossen, Zeit mit ihrem Vater zu verbringen. Es war lange her gewesen, dass sie sich gesehen hatten.
Ihre Gedanken wanderten zu Tom und Kelly, die endlich wieder glücklich waren. Chris freute sich für Kelly und hoffte, dass die beiden jetzt für einige Zeit ihre Beziehung genießen konnten.
Allgemein schien es in Coopers Crossing nur so von glücklichen Paaren zu wimmeln. Sam und Emma waren glücklich verheiratet, zwischen Geoff und Kate schien sich auch langsam etwas anzubahnen. Chris wurde ein wenig wehmütig und seufzte auf.
In diesem Moment gab es einen dumpfen Knall. Chris hielt erschrocken an, um nachzusehen, was passiert war. Als sie um ihr Auto herumging, fand sie einen winselnden Hund am Straßenrand.
„Oh nein!“, rief Chris aus. Scheinbar hatte sie diesen Hund angefahren. Als sie den Hund anfasste, jaulte dieser vor Schmerzen auf.
„Was mach ich denn mit dir? Ich kann dich doch nicht hier liegen lassen.“, überlegte sie laut.
„Moment, ich bin gar nicht so weit weg von Dr. Davenports Praxis.“, fiel ihr plötzlich ein. Dr. Davenport hatte zwar noch nicht offiziell eröffnet, war aber vor ein paar Tagen eingezogen. Er hatte sich offiziell im Pub vorgestellt.
Chris holte eine Decke aus dem Wagen, legte sie um den Hund und trug ihn zum Auto. Dort legte sie ihn auf den Beifahrersitz. Es tat Chris in der Seele weh, als der Hund leise jaulte und winselte. Er musste wirklich große Schmerzen haben.
Chris fuhr los und bog an der nächsten Abzweigung ab. Nach zehn Minuten hatte sie die Praxis erreicht. Hupend fuhr sie auf das Grundstück, um auf sich aufmerksam zu machen.
Hoffentlich war der Tierarzt überhaupt zu Hause, dachte Chris. Sie machte sich umsonst Sorgen, Dr. Davenport trat in diesem Moment aus dem Haus, um zu sehen, was draußen los war.
„Dr. Randall?“, fragte er verwundert.
„Dr. Davenport, sie müssen mir helfen, ich habe einen Hund angefahren.“, erklärte Chris ein wenig panisch.
Sie war ausgestiegen und öffnete die Beifahrertür. Scott, gerade noch verwundert, dass Chris bei ihm aufkreuzte, schaltete direkt in den Tierarzt-Modus und nahm ihr den Australian Shepard mit braun-weißem Fell ab.
„Folgen sie mir!“, rief Dr. Davenport und steuerte mit dem Hund in den Armen auf die Praxisräume zu.
Chris hatte Mühe, hinter ihm her zu kommen. Mit seinen langen Beinen machte der Tierarzt große Schritte. In der Praxis angekommen, legte er den Hund auf den Untersuchungstisch und begann sofort mit der Untersuchung.
Äußerlich war keine Verletzung zu erkennen, aber so, wie der Hund winselte, musste er innere Verletzungen haben.
„Ich muss ihn operieren. Sie müssen mir assistieren, Dr. Randall!“
„Was?!“ Chris, die an der Wand stand, sah ihn erschrocken an.
„Ich brauche ihre Hilfe!“
„Aber ich bin doch kein Tierarzt!“
„Das vielleicht nicht, aber ohne ihre Hilfe wird dieser Hund sterben! Meine Assistentin fängt erst in ein paar Tagen an.“ Dieser Satz und ein weiteres Winseln des Hundes überzeugten Chris und sie trat an den Untersuchungstisch.
„Okay, was soll ich tun?“, fragte sie.

Ungefähr zur selben Zeit landete in Coopers Crossing die Nachmittagsmaschine aus Broken Hill.
„Warum musste ich mitkommen?“, fragte Kelly, die mit Tom in seinem Wagen saß. „Ich hätte die neue Kollegin auch im Krankenhaus begrüßen können.“
Heute war der Tag, an dem Gwen Lawson, Toms Ex-Freundin und neue Kollegin von Kelly, in Coopers Crossing ankam. Die Situation war für Kelly merkwürdig. Sie würde auf eine Ex-Freundin von Tom treffen. In ihr herrschte eine Mischung aus Neugier und vielleicht auch ein wenig Eifersucht.
„Um ehrlich zu sein, wollte ich ihr nicht alleine begegnen. Wer weiß, wie sie reagieren wird, wenn sie mich sieht. Ich glaube nicht, dass sie weiß, dass ich hier bin.“, antwortete Tom, woraufhin Kelly einfach nur nickte. In gewisser Weise konnte sie ihn verstehen.
Die beiden stiegen aus dem Wagen aus und gingen auf das Flugzeug zu, wo sich gerade die Tür öffnete.
„Da ist sie…“, sagte Tom leise.
Kelly sah eine Frau im etwa gleichen Alter wie sie. Gwen Lawson hatte kurze, rötlich-braune Haare und war von schlanker Statur.
„Tom Callaghan?“, rief Gwen in diesem Augenblick überrascht aus. Okay, eine schrille Stimme hat sie auch noch, dachte Kelly.
„Hallo Gwen.“, begrüßte Tom die neue Kollegin und wollte ihr die Hand geben. Diese aber begrüßte ihn mit einer Umarmung. Kelly merkte, wie Tom sich versteifte. Er fühlte sich sichtlich unwohl und schien richtig erleichtert, als Gwen ihn aus der Umarmung entließ. Diese Reaktion zeigte Kelly, dass sie absolut keinen Grund zur Eifersucht haben musste.
„Gwen, darf ich dir Kelly Marshall, eine deiner Kolleginnen und meine Freundin, vorstellen?“ Wie um seine Worte zu unterstreichen, legte er einen Arm um Kellys Taille.
„Hallo Gwen!“, begrüßte Kelly ihre neue Kollegin. „Es freut mich, sie kennenzulernen.“ Kelly reichte ihr die Hand.
„Mich ebenfalls!“, kam die kühle und distanzierte Antwort von Gwen. Es schien ein Wunder zu sein, dass sie nach einer gefühlten Ewigkeit doch noch Kellys Hand ergriff. Kelly war diese Frau direkt unsympathisch. Bei manchen Leuten merkte sie sowas sofort, fast so wie damals bei Al Hewson. Für einen Moment lief Kelly ein kalter Schauer über den Rücken.
‚Na, das kann ja heiter werden.‘, dachte sie, als sie zum Auto gingen.

„So, das wäre geschafft.“, erklärte Dr. Davenport, als er den Faden abschnitt. Der Hund war außer Lebensgefahr. „Ohne ihre Hilfe hätte ich das niemals geschafft, Dr. Randall.“, bedankte er sich bei Chris.
„Was passiert jetzt mit ihm?“, fragte die Ärztin.
„Ich werde ihn erst mal hier behalten und ihn aufpäppeln. Er scheint schon ein wenig länger im Busch unterwegs zu sein. Sollte sich kein Besitzer melden, ist mein Zoo um ein Tier reicher.“, schmunzelte Dr. Davenport.
„Zoo?“, fragte Chris nur und sah ihn verwundert an. Erst jetzt hatte sie Zeit, den Tierarzt genauer zu betrachten. Er hatte blondes, leicht lockiges Haar mit einem leichten Rotstich und sehr intensive, grüne Augen. Sie vermutete, dass er irischer Abstammung war.
„Haben sie noch Zeit?“, fragte Scott. „Dann zeige ich ihnen die Praxis und meine Mitbewohner.“
„Ja, sehr gerne.“, antwortete Chris.
Während des Rundgangs lernte Chris das Schwein Doris, die Ziege Donovan und den Esel Don Camillo kennen.
„Wie sind sie an die Tiere gekommen?“, wollte Chris wissen.
„Oh, Doris sollte geschlachtet werden, nur weil sie keine Ferkel mehr bekommen konnte. Ich hab sie vorm Schlachter gerettet. Donovan und Don Camillo kommen aus einem heruntergekommenen Privat-Zoo. Als ich sie aufgepäppelt hatte, konnte ich mich irgendwie nicht mehr von ihnen trennen.“
„Ich bin wirklich erstaunt, was sie aus dem ehemaligen Hospiz gemacht haben und das auch noch in so kurzer Zeit.“
„Danke!“, meinte Scott nur. Chris hatte das Gefühl, dass er ein wenig verlegen war.
Nachdem sie noch einen Kaffee zusammen getrunken hatten, machte Chris sich auf den Weg nach Coopers Crossing.
Den ganzen Weg über ging ihr der Tierarzt nicht mehr aus dem Kopf. Immer wieder sah sie intensive grüne Augen vor ihrem inneren Auge.
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