Wären die Zeiten nur anders gewesen.

KurzgeschichteRomanze, Schmerz/Trost / P12 Slash
Alexander Hephaestion
20.11.2016
20.11.2016
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Wären die Umstände anders gewesen, dann hätten wir eine Zukunft gehabt.
Läge nicht die Last der Welt auf meinen ermüdeten Schultern, und hätte nicht die Verantwortung für alles, was wir je erbaut hatten deine Augen getrübt, dann hätte es funktioniert, dessen bin ich mir ganz sicher.

Oh, mein Geliebter, der einzige, der mich durch mein ganzes Leben hindurch, von Anfang an begleitet hat; ich hätte Zeus das Himmelsreich entrissen und es dir zu Füßen gelegt.
Verzeih mir, dass es nicht so kam.

Ich verspreche dir, ich hätte dir alles gegeben.
Hätte dich zu meinem König gemacht, dem Mann an meiner Seite.
Du hättest neben mir stehen und dich mit einem goldenen Kranz auf dem Kopf, den teuersten Gewändern um den Körper, vom Volke bejubeln lassen dürfen.
Vergiss die edlen Tropfen, die dir so sehr mundeten. Denk nicht mehr an den teuren Schmuck, den du trugst. Meine Gaben wären noch köstlicher, noch kostbarer gewesen.

Du warst ohnehin der zweite Mann im Reiche. Wen kümmert es, wenn ich dich insgeheim als den einzigen Menschen ansah, der dem Thron neben mir würdig gewesen wäre?
Ich sah es wenn ich meine Augen schloss. Du wärst ein guter Herrscher gewesen. Klug und geschickt. Erfahren und von vornehmem Blut. Vergiss alles, was sie dich lehrten. Ich hätte mein ganzes Reich hingegeben für dich.
Und du wusstest das.

Dass du ablehntest bekräftigte mich nur in meinem Glauben an dich.
Du hattest begriffen, dass mein Königreich nicht ausreichte. Und im Gegensatz zu all den falschen Schlangen und Speichelleckern triebst du keinen Keil zwischen mich und die endlosen Weiten der bekannten Welt, nach der ich so sehr verlangte.

Du bist treu neben mir durch die Wüste geritten.
In der Schlacht war ich dein Schwert und du mein Schild.
Und als wir die Gipfel, die kein Adler überfliegen kann überquerten, war dein Haupt zuversichtlich erhoben.
Loyal bis in den Tod.

Wir waren wahrhaftig wie Achilles und Patroklos. Verbunden und ergeben.

Doch

Patroklos stirbt zuerst.


Und ich folge dir.
So wie du mir in die Wüste, in die Schlacht, über die Berge gefolgt bist,
so folge ich dir über den Fluss Styx.

Du bist Patroklos.
Ich bin Achilles.

Du stirbst zuerst.
Ich räche dich.
Ich folge dir in das Haus des Hades.

Im Gegensatz zu unseren Helden hätte unsere Geschichte ein glückliches Ende nehmen können.

Ich bin der mächtigste Mann dieser Welt.
Ich bin von göttlicher Abstammung.
Ich habe Könige und ihre Reiche gestürzt.
Ich habe mich zum Alleinherrscher über die Schöpfung gemacht.
Ich habe Heere bezwungen, wilde Tiere gezähmt, die Götter selbst herausgefordert.

Und doch konnte ich nichts an unserer Epoche ändern.

Wären die Zeiten nur anders gewesen.

Sie waren es nicht.
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