Never Trust A Pretty Girl With An Ugly Secret

GeschichteDrama, Mystery / P12
Alison DiLaurentis Aria Montgomery Emily Fields Hanna Marin Jason DiLaurentis Spencer Hastings
18.11.2016
24.02.2019
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21.11.2016 4.648
 
Es geschah in dieser Nacht




Ich nahm einen tiefen Atemzug der kühlen Sommernacht. Das Gewitter zog langsam, aber sich über Rosewood hinweg. Doch der Wind frischte immer wieder auf. Im Moment konnte es aber nicht noch schlimmer sein, nicht wenn man bedachte wo wir gerade standen. Vor uns lag ein tiefes Loch in der Erde, ein ausgehobenes Grab. Es war Alisons Grab, aber das allein war noch nicht schlimm genug, denn auch der Sarg war geöffnet und die Leiche verschwunden. Hier hatten wir Emily vor wenigen Minuten gefunden, nachdem sie endlich einen unserer besorgten Anrufe entgegengenommen und ziemlich lallend erklärt hatte, wo sie war. Jetzt brach sie neben einer aus weißem Marmor gefertigt Grabsäule zusammen, zu schwach um sich wieder aufzurichten. Mit gemischten Gefühlen sah ich in das leere Grab meiner besten Freundin. Wer würde etwas von Alis verschwundener Leiche haben? Hanna eilte zu Em, während wir anderen wie angewurzelt an unserer Ausgangsposition standen. ,,Wie ist es möglich, das sie sich an nichts mehr erinnert“ durchbrach Aria die unangenehme Stille zwischen uns, fragend sah sie zwischen mir und Spencer hin und her. ,,Sie steht total neben sich“ antwortete ich kopfschüttelnd. ,,Und ist immer noch betrunken.“ ,,Ihr glaubt doch nicht, das sie irgendwas damit zu tun hat, oder“ fuhr Aria zweifelnd fort. ,,Nein, schon zu stehen fällt ihr schwer“ erwiderte Spencer sofort. ,,Und wie ist sie dann hier gelandet“ meinte nun ich. Irgendwas stimmte hier nicht und zwar ganz und gar nicht. ,,Hanna, gib mir mal Ems Handy“ wies Spencer sie an, griff das Telefon und begann daran herumzutippen. ,,Em, du hast um Elf einen Anruf von Unbekannt erhalten. Wer war das? Weißt du noch mit wem du geredet hast?“ Verschwommen schaute Emily zu uns auf. ,,Ähm, ich kann mich daran erinnern wie ich dein Haus verlasse“ erklärte sie schwach. ,,Und das nächste was ich weiß ist, das ihr mich anruft und ich hier bin.“ Sie lehnte den Kopf zurück an die Grabsäule. ,,Was? Das kann nicht sein“ sagte Spencer fassungslos. Wir blickten sie forschend an. ,,Was ist denn“ fragte Aria. ,,Hier steht das sie um Mitternacht von meinem Handy angerufen wurde.“ ,,Du hast doch geschlafen, oder?“ ,,Oh mein Gott. Emily wurde von meinem Handy angerufen. Jemand war in meinem Haus“ antwortete Spencer panisch. ,,Leute, das ist ein Falle“ warf ich angespannt ein und blickte vom Grab zu meinen Freundinnen. Das Knacksen eines Astes war zu hören, nicht weit von uns entfernt. ,,Was war das“ fragte Hanna erschrocken und schellte hoch. ,,Wir müssen sofort von hier verschwinden“ verdeutlichte Spencer und schnappte sich die Schaufel, die Emily bei unserer Ankunft in der Hand gehalten hatte. Aria und Hanna halfen Emily nach oben und stützten sie bis zu meinem Auto.

Auf der Rückfahrt trennten wir uns schließlich, sodass sich Hanna und Aria um die Schaufel kümmern konnten. In der Zwischenzeit sorgte ich mit Spencer für Emily. ,,Wir brauchen einen Plan“ sagte ich, ohne von der Straße aufzusehen, meine Hände waren fest um das Lenkrad geklammert. ,,Um sicher zu gehen, dass wir nicht in die Ermittlungen geraten. Ich bezweifle nämlich das sie uns nicht in Betracht ziehen würde und mit unserem Pech liegt irgendwas gegen uns vor“ fuhr ich beklommen fort. ,,Und was ist dein Plan“ entgegnete Spencer von der Rückbank aus. Sie hatte sich sicherheitshalber neben die benommene Emily gesetzt. ,,Wir brauchen ein Alibi, irgendwas das uns entlastet. Am beste außerhalb von Rosewood.“ ,,Unser Haus am See“ antwortete Spencer wie aus der Pistole geschossen. ,,Spence, nichts für ungut, aber ich denke das gerade nicht der richtige Zeitpunkt ist, um Ferien zu machen“ erwiderte ich, diesmal sah ich sie durch den Rückspiegel an. ,,Es geht mir nicht um Ferien, Belle“ fuhr sie mich grantig an. ,,Das Haus ist weit genug weg, damit wir nicht in Verdacht geraten.“ Ich dachte darüber einen Moment nach, wenn ich ehrlich war, hatte sie recht. Die Entfernung zu Rosewood war ausreichend und es gab dort keine Zeugen die unserer Aussage widersprechen könnten. ,,Gut, also euer Haus am See.“

,,Wirklich alles“ fragte Emily und sah an sich herunter. ,,Unbedingt“ antwortete ich und reichte ihr einen Stapel mit frischen Sachen von Spencer. Wir waren mittlerweile wieder im Haus der Hastings angekommen und warteten auf die baldige Ankunft von Hanna und Aria. ,,Die einzige Person, die von Alis verschwundener Leiche profitiert, ist Alis Mörder“ stellte Spencer fest, während sie uns Kaffee eingoss und Sachen für unsere Zeit im Haus am See einpackte. ,,Er hat auch Maya getötet“ fuhr Emily ihr dazwischen. ,,Ich weiß Em“ erklärte Spencer ruhig. ,,Und Garrett wird dafür in der Hölle schmoren.“ Spence reichte jeder von uns eine Tasse mit der dampfend, schwarzen Flüssigkeit. Ich sog den Geruch in mich auf, um runterzufahren. ,,Jenna war das bestimmt nicht, sie hat Garrett verraten“ meinte ich anschließend. ,,Was ist mit deiner Schwester“ fragte Em wieder an Spencer gewandt. ,,Sie ist in Philadelphia und soviel wir wissen, war sie zwar in Alis Zimmer in der Nacht in der sie starb, aber mehr auch nicht.“ Ich rieb fertig meine Schläfen entlang. ,,Da muss noch jemand sein, jemand den wir nicht kennen und der zu Garrett gehört“ fuhr ich fort. Spencer begann nun damit Ems Klamotten nach und nach in das knisternde Kaminfeuer zu werfen, um ja keine Spuren zu hinterlassen, die uns später auf die Füße fallen könnten. Dann sackten wir neben einander auf dem kleinen Sofa vor dem Kamin zusammen. Diese Nacht hatte ich mir eigentlich anders vorgestellt!
Bereit für die Abfahrt standen wir in der Küche. ,,Was ist hier los“ fragte Aria, als sie mit Hanna zusammen zurückkam. ,,Wir fahren weg“antwortete ich schlicht. ,,Zu unserem Haus am See“ fügte Spencer hinzu. ,,Wenn meine Mutter den Zettel liest, denkt sie das wir schon seit heute Nachmittag da sind.“ Mit diesen Worten riss sie einen Zettel von einem kleinen Block, mit der Notiz wo wir waren, und legte ihn auf die Anrichte. ,,Em“ sagte ich auffordernd und drehte mich zu ihr. Spencer nahm die Taschen, in dem das Nötigste für die nächsten paar Stunden drin war. Nacheinander verließen wir schließlich das Haus, gingen wieder zu meinem Auto und machten uns auf den Weg raus aus Rosewood. Inständig hoffte ich das alles glatt gehen und niemandem auffallen würde, sonst wären wir geliefert.

Mein Kopf war an Arias Schulter gelehnt, während ich in einem leichten Schlaf vor mich hin döste. Es musste gegen Morgen sein, denn die Sonne ging langsam am Horizont auf. Im Hintergrund knisterte leise ein Kaminfeuer, um das Wohnzimmer ein wenig aufzuheizen. Die ganze Nacht über hatten wir spekuliert was am Friedhof passiert sein könnte und wer damit zu tun hatte. Am Ende bleib in unseren Köpfen jedoch nur ein großes Fragezeichen. Das schrille Geräusch des Telefons ließ uns nacheinander vom Sofa aufschrecken. Spencer ging auf das Telefon zu und nahm den Hörer zaghaft ab. ,,Hallo?“ Einen Moment schwieg Spencer und lauschte dem Anrufer gespannt. Wir sahen uns an, wussten aber schon in etwa um was es ging. ,,Gibt es Augenzeugen davon“ fuhr Spencer interessiert fort. Wie auf heißen Kohlen sitzend, warteten wir darauf das sie endlich auflegte. ,,Nein, Mum, ich versteh schon. Okay bis dann.“ Spence legte den Hörer wieder auf und wandte sich uns zu, erwartungsvoll sahen wir sie an, gespannt auf das was sie uns jetzt sagen würde. ,,Der Gärtner hat es heute früh gemeldet“ fing sie ruhig an. ,,Der Friedhof ist voller Reporter, aber die Polizei hat noch keine Spur.“ Erleichtert atmete ich aus, von meine Schultern fiel sämtliche Anspannung. Unser Plan hatte tatsächlich funktioniert. ,,Also ist alles okay? Niemand hat uns gesehen“ hakte Aria sichtlich aufgeheitert nach. ,,Ja.“ ,,Tut mir echt leid, Leute. Das ist alles meine Schuld“ entschuldigte sich Em bedrückt. ,,Niemand gibt dir dafür die Schuld“ widersprach ihr Hanna kopfschüttelnd. ,,Irgendjemand hat dich dahingefahren, damit es so aussah, als würdest du Ali ausgraben“ erwiderte ich feinfühlig. ,,Ich habe es ihm auch echt leicht gemacht. Wäre ich nicht so betrunken gewesen, ...“ ,,Em“ sagte nun Hanna deutlich forscher. ,,Die letzte Nacht ist nie passiert.“ ,,Sind wir uns da absolut sicher“ entgegnete Aria, den Kopf auf ihre Faust gestützt. Bestürzt sahen wir sie an. ,,Wir könnten auch noch zur Polizei gehen und ihnen die Wahrheit sagen“ verteidigte sie sich. ,,Wir wissen doch gar nicht, was die Wahrheit ist“ widersprach ich ihr scharf. Aria sackte zurück ins Polster und atmete schwer aus. ,,Okay“ erklärte Spencer. ,,Wir sind gestern Nachtmittag hergekommen. Wir haben Marshmallows geröstet, haben darüber geredet wie spaßig unser letztes Jahr wird und wir sind früh ins Bett gegangen.“ Wir nickten verständlich. ,,Em“ kam es von Hanna. ,,Ich verstehe, letzte Nacht ist nie passiert.“


In meine Gedanken vertieft stand ich in Jasons Küche und wartete auf seine Rückkehr vom Polizeirevier. Ich hatte ihn heute noch nicht mal gesehen, einzig der Zettel der in der Küche lag, hatte mir gesagt wo er steckte. Wieder einmal wurde mir schweren Herzens bewusst, dass sich alles in meinem Leben von einer Sekunde auf die andere ändern konnte. Ich meine, vor einem Tag war ich einfach nur glücklich, jetzt war Alis Leiche verschwunden und ich hatte an ihrem offenen Grab gestanden. Das Zufallen der Haustür riss mich aus meinen Gedanken. Sofort lief ich um die Theke herum, durch die Küche zum Flur. Jason stand fertig vor mir. ,,Hey“ begrüßte ich ihn und zwang mich zu einem Lächeln. ,,Hi“ erwiderte er schwach, schon fiel er mir in die Arme. ,,Und was hat die Polizei gesagt? Hatten sie Neuigkeiten“ fragte ich, als wir uns voneinander lösten und wieder in die Küche gingen. ,,Sie haben nicht viel gesagt, außer das es heute Nacht passiert sein muss, weil der Friedhof zu dieser Zeit verlassen war, aber sonst wissen sie noch nichts.“ Die Enttäuschung in seiner Stimme konnte ich deutlich heraushören. ,,Wie geht es deinen Eltern? Es muss ein ganz schöner Schock für sie gewesen sein.“ ,,Wir haben nur kurz gesprochen. Sie werden nicht herkommen, das wäre zu viel für meine Mum, also kümmere ich mich um alles.“ Er seufzte. Ich nahm die Tasse mit frischem Kaffee und stellte sie vor ihn auf den Tisch, dann setzte ich mich auf seinen Schoß und legte meine Hand in seinen Nacken. ,,Weißt du wie froh ich bin, dass du gestern nicht hier warst“ flüsterte Jason, seinen Kopf an meine Halsbeuge gelehnt. Mein Atem stockte, als die Erinnerungen an die vergangene Nacht sich wieder vor meinen Augen abspielten. ,,Ich wünschte ich wäre bei dir gewesen, als du den Anruf der Polizei bekommen hast, damit du das nicht hättest allein durchstehen müssen“ entgegnete ich, ohne ihn anzusehen. Er verfestigte den Griff um meinen Körper. ,,Nein, es ist viel besser, dass du weit weg warst. Am Ende glauben die noch du hättest etwas damit zu tun.“ Ich spürte wie mein Puls schneller und mein Mund trocken wurde. Ich hatte nicht mal darüber nachgedacht, das ich Jason nun wieder anlügen musste, aber andererseits hatte ich es den Mädels versprochen. Von jetzt an musste ich verdammt vorsichtig sein. ,,Vielleicht hast du recht, trotzdem wäre ich gern für dich da gewesen.“ Ich legte meine Lippen leicht auf seine, als er seinen Kopf hob. ,,Du bist jetzt hier, das ist das Wichtigste“ hauchte er, bevor wir den Kuss intensivierten und die Zeit still zu stehen schien.

Am nächsten Morgen musste ich für Ferienverhältnisse ziemlich früh aufstehen, denn die Veranstaltung zur Registrierung des Abschlussjahrgangs stand an. Deshalb ließ ich Jason friedlich weiterschlafen und machte mich leise fertig. Das gute war, das ich bei Jason immer ein paar Sachen hatte, was überwiegend war, weil ich die Hälfte des Sommers hier verbracht hatte. Manchmal war es komisch, wenn man bedachte das ich hier früher Zeit mit Ali verbracht hatte, doch das Haus hatte sich nach dem Brand ein wenig verändert und so viel es mir leichter, die Erinnerungen an die Vergangenheit zu verdrängen. Bevor ich das Haus verließ, hauchte ich noch einen leichten Kuss auf Jasons Wange.
Keine halbe Stunde später stand ich zusammen mit Aria und Spencer in der Cafeteria. ,,Wenn ich Ezra nur erwähne, taumeln wir sofort in einen Strudel der Verlegenheit und mein Vater tut so als hätte er es nicht gehört, aber sein Kopf wird rot und er sieht aus als hätte er Verstopfungen“ sagte Aria, während sie sich eine Liste mit Kursen durchlas. Spencer und ich kicherten peinlich berührt. ,,Also ist Ezra in Grunde Lord Voldemort“ warf ich ein. ,,Hi“ meinte Hanna, als sie zu uns stieß. ,,Hey“ erwiderte Spence lächelnd. Nun fehlte nur noch Emily, aber bisher hatte sie noch keiner von uns gesehen oder mit ihr geredet. ,,Hi, Lucas“ rief Spencer. Ich sah vom Boden auf. Lucas, der Schulfotograf lief gerade in sein Handy vertieft an uns vorbei, bei Spencers Begrüßung zuckte er nur leicht zusammen und ging dann ohne etwas zu erwidern weiter. Er wirkte ziemlich mitgenommen und nicht mehr so nerdig wie früher. ,,Er weiß irgendwas“ murmelte Aria uns zu. ,,Ich dachte du sagtest, er hätte euch nicht gesehen“ fragte ich an Hanna gewandt. ,,Hat er auch nicht“ antwortete Hanna und schaute ihm nach. ,,Es war bestimmt kein Zufall, das er nach dem Maskenball auf die dunkle Seite gewechselt hat“ stellte Aria zähneknirschend fest. ,,Tja, Jenna hat diesen Einfluss auf Menschen“ erklärte Spencer zustimmend. ,,Aber Jenna war den ganzen Sommer weg und er sieht immer noch aus wie der wandelnde Tod“ warf ich ein. ,,Ist euch mal aufgefallen, wie viele dünne, brünette Mädchen auf diese Schule gehen“ unterbrach uns Hanna. ,,Sie passt in das Kostüm“ wägte Aria ab. ,,Hat sich Emily bei euch gemeldet“ wechselte Spencer das Thema. Hanna schüttelte den Kopf. ,,Ich habe ihr aufs Band gesprochen.“ ,,Hab ich auch“ meinten Aria und ich zeitgleich. ,,Ich hoffe es geht ihr gut“ fuhr Aria besorgt fort. Ich machte mir auch ziemlich große Sorgen um Em, schließlich hatte sie so viel in den letzten Wochen durchgemacht und redete kaum darüber. Es würde mir besser gehen, wenn ich wüsste was in ihr vorging.

Nachdem Aria nach einer Viertelstunde, immer noch nicht von der Mädchentoilette zurückgekehrt war, machten Hanna, Spencer und ich uns auf den Weg zu ihr. Etwas musste mit ihr sein, wenn sie einfach so verschwand. ,,Aria“ fragte Spence, als wir das Mädchenklo förmlich stürmten. ,,Aria, geht es dir gut“ schoss nun auch Hanna los. Aria saß mit angezogenen Beinen auf dem Boden neben den Waschbecken. Ihr Gesicht war gerötet und nass, ganz offensichtlich von Tränen, die ihre Wangen immer noch herunterrollten. Wir knieten uns zu ihr nach unten. ,,I-ich hatte eine Panikattacke“ schluchzt sie. ,,Ich glaube -A war hier.“ Mit ihren roten Augen sah sie uns abwechselnd an. ,,Nein, das geht gar nicht. Mona sitzt in einer Zwangsjacke in Radley“ antwortete ich und streichelte behutsam über ihre Schulter. ,,Ja, ich habe gehört das sie so gut, wie komatös ist“ pflichtete mir Hanna bei. Einen Augenblick lang sah ich sie an, wandte mich dann jedoch wieder Aria zu. ,,Vielleicht ist das durchgeknallte nur ein Trick, um nicht ins Gefängnis zu kommen“ warf Aria aufgelöst ein, als wir ihr aufhalfen. ,,Ihr wisst wozu sie fähig ist, dass wissen wir doch alle.“ ,,Ja, aber sie kann uns jetzt nicht mehr weh tun“ unterbrach sie Spencer. ,,Okay, dieses Miststück ist verrückt.“ Aria schniefte leicht. ,,Keine Sorge, Aria, irgendwann werden wir alle frohlocken“ meinte Hanna todernst. Wir starrten sie an, bevor wir in schallendes Gelächter ausbrachen. ,,Das ist eine gute Art dieses Wort zu benutzen, Hanna“ erwiderte ich atemlos. Dann fielen wir immer noch lachend, einander in die Arme. Es war ein feste Gruppenumarmung und es war einer der Gründe warum ich meine Freundinnen so liebte, denn zusammen waren wir wie eine Wand, die für einander einstand.

Ich war heilfroh als diese Schulveranstaltung am Nachmittag endlich ein Ende hatte und ich nach Hause konnte. Beim Betreten der Küche fiel mir sofort meine Mum ins Auge, die an der Arbeitsplatte stand und irgendwas vorbereitete. ,,Hey Mum“ begrüßte ich sie und schnappte mir ein Wasser aus dem Kühlschrank. ,,Na, wie war es in der Schule.“ ,,Unspektakulär. Wir haben die Kurse und Stundenpläne bekommen, wichtige Infos und so weiter.“ Ich schnappte mir ein kleines Stück Möhre aus der Schale vor mir. ,,Belle, also wirklich, Finger weg“ meinte meine Mutter empört. ,,Ich bin hungrig, seit heute Morgen habe ich nichts mehr gegessen“ verteidigte ich mich. ,,Apropos Essen, isst du heute hier oder bei Jason“ fragte sie. ,,Hier. Jason ist wegen der Sache mit Alis Grab beschäftigt“ antwortete ich leise. Meine Mum sah mich sorgenvoll an. ,,Grauenvoll, dass jemand so etwas getan hat. Geht es dir deswegen gut? Du hast nicht viel geredet seit es passiert ist.“ Ich blieb einen Moment ruhig, bevor ich wieder sprach. ,,Mir geht es gut, es ist nur …, ich verstehe nicht wie jemand Ali, Jason und ihrer Familie so etwas antun kann.“ ,,Schatz, es tut mir leid das du das durchmachen musst. Vor allem wo ihr Mädchen endlich Ruhe hattet“ sagte sie ehrlich berührt. Dann nahm sich mich fest in den Arm. ,,Dein Dad und ich sind immer für dich da. Das weißt du, oder?“ Ich nickte. Es läutete an der Haustür und so fuhren wir auseinander. Argwöhnisch sah meine Mum mich an, sie verließ die Küche und kam knapp 2 Minuten später zurück. ,,Belle“ sagte sie beklommen. ,,Die Polizei ist hier, sie möchten dir ein paar Fragen stellen.“ Ich musste mich zusammenzureißen, damit mein Gesicht nicht an Farbe und Form verlor, als ich ihre Worte hörte. Warum wollte die Polizei mich befragen? Wussten sie etwas? Nein, dass konnte nicht sein. Wer sollte uns auf dem Friedhof gesehen haben? Es war dunkel und mitten in der Nacht. Ich schluckte die Panik herunter, die mich überkommen war und folgte meiner Mum in den Flur.

Der Verhörraum war kalt und unpersönlich. Ich fühlte mich hier vollkommen fehl am Platz. Der Detectiv der meine Befragung vornahm, kam in den Raum, setzte sich auf den Stuhl mit gegenüber und begann mit seinem scheinbar harmlosen Fragen. Meine Mum saß angespannt neben mir, wahrscheinlich wünschte sie sich das mein Dad ebenfalls hier war, schließlich war er Anwalt. Auf dem Flur hatte ich vorhin alle anderen gesehen, bis auf Emily. Ob sie denen etwas gesteckt hatte? ,,Wo waren sie in der Nacht, in der die Leiche von Alison Dilaurentis aus ihrem Grab ausgegraben und gestohlen wurde“ fragte der Detectiv. Ich beruhigte meine Atmung und begann zu erzählen, was wir ausgemacht hatten. ,,Wir waren an Spencers Haus am See. Dort waren wir ungestört und konnten in aller Ruhe von unseren Sommererlebnissen erzählen. Wir haben Marshmallows gegrillt, geredet und sind irgendwann vor dem Kamin eingeschlafen.“ Ich schenkte ihm ein zuckersüßes Lächeln, als ich mit meiner Erklärung fertig war. Er schien mir Glauben zu schenken oder zumindest tat er so, denn danach durften meine Mum und ich gehen. Leider bekam ich nicht die Chance mit den Anderen zu reden und so verschoben wir das auf morgen Nachmittag, wenn wir bei mir die kleine Poolparty veranstalteten.

,,Es ist unglaublich, dass sie denken das ihr etwas mit diesem Verbrechen zu tun habt“ sagte meine Mum auf der Rückfahrt außer sich vor Wut. ,,Ich meine ihr wart nicht hier Rosewood, sondern Kilometer weit entfernt. Außerdem gibt es für euch gar keinen Grund, Alison so etwas anzutun, ihr wart ihre besten Freundinnen.“ Ich nickte zustimmend, auch wenn ich eher nachdenklich als wütend war. Wo war Em nur gewesen? ,,Ich mache uns zu Hause erstmal etwas zu essen, es war ein langer Tag.“ ,,Du glaubst uns doch, oder“ unterbrach ich sie. Sie sah kurz von der Straße um mir in die Augen zu schauen. ,,Natürlich glaube ich euch“ antwortete sie sanfter. Ich fühlte mich durch ihre Antwort nicht besser, sondern schlechter. Natürlich hieß das, dass ich überzeugend war, aber auch das ich wieder einmal gelogen hatte und zwar direkt in das Gesicht einer Person die mir nahe stand. Dabei hatte ich damit eigentlich aufgehört.

Wir hatten Glück mit dem Wetter, denn die Sonne strahlte und der Himmel war wolkenlos. Entspannt lagen wir auf den Liegen am Pool, auch wenn von der Entspannung nicht viel übrig blieb, als wir das Thema von gestern Abend aufnahmen. Von Emily fehlte immer noch jede Spur. ,,Ich versuche es nochmal“ erklärte Hanna aufgebracht und wählte zum zehnten Mal Emilys Nummer. ,,Warum war sie nicht auf dem Polizeirevier? Meint ihr sie hat denen die Wahrheit gesagt“ kam es nun von Aria. ,,Wenn sie das getan hätte, wären wir jetzt nicht hier“ entgegnete ich und setzte mich von der Liege auf. Warum konnte mir nicht für eine halbe Stunde Ruhe vergönnt sein? Das Quietschen unseres Gartentors ließ uns herumfahren. Emily kam verweint und vollkommen niedergeschlagen auf uns zu. Spencer und Aria ließen schlagartig die Limonade und die Becher auf den Tisch zurücksinken. Gemeinsam rannten wir auf Em zu. ,,Em, ich habe versucht dich anzurufen. Wo warst du“ fragte Hanna, als wir sie erreichten. ,,Es ist okay, wenn du denen die Wahrheit gesagt hast, denken wir uns was aus“ beruhigte Aria sie. ,,Nein, dass würde ich euch doch nie antun“ antwortete Emily aufgelöst. ,,Sie haben uns alle aufs Revier bestellt“ erklärte Spencer. ,,Wo warst du? Wir haben uns solche Sorgen gemacht.“ ,,Ich war gestern ohne mein Handy unterwegs. Abends kam ich nach Hause und die Polizei war da, aber ich habe ihnen alles erzählt, was wir vereinbart hatten, wirklich.“ ,,Aber warum bist du dann so durcheinander“ mischte ich mich ein und runzelte die Stirn. Wir setzten uns wieder auf die Liegen zurück. ,,Weil es nur meine Schuld ist, dass wir zur falschen Zeit am falschen Ort waren und das könnte uns noch ewig nachhängen“ erwiderte sie matt. ,,Em, alles ist gut. Wir haben das geregelt“ sagte Hanna mitfühlend. ,,Ich habe euch gestern in der Schule gesehen und ich konnte nur daran denken, dass ihr meinetwegen ...“ ,,Nein, nichts ist deinetwegen“ fuhr ich ihr unwirsch dazwischen. ,,Okay, niemand hat uns gesehen und wenn wir bei unsere Geschichte bleiben, ist alles gut“ fuhr ich deutlich sanfter fort. ,,Mir ist wieder etwas eingefallen“ meinte Emily, deren Tränen langsam trockneten. ,,Etwas aus dieser Nacht.“

Dann erzählte sie von dem Auto und wie sie in dieser Nacht darin gesessen hatte. ,,Das ist alles? Mehr ist dir nicht eingefallen“ platzte es aus Hanna heraus. Wir starrten sie sprachlos an. ,,Ich habe im Internet gelesen, dass man manchmal Sachen vergisst, weil man sich nicht erinnern will und wenn das Punktuell ist, kann alles eine Erinnerung auslösen“ antwortete Em ohne uns anzusehen. ,,Ein Ort, ein Geruch, ein Geräusch, ...“ ,,Und das Auto das du gesehen hast. Sah es so aus wie das Auto in dieser Nacht oder war es das Auto“ hakte Spencer nach. ,,Ich weiß es nicht, ich wollte gerade darauf zu gehen, um es mir genauer anzusehen, aber dann habe ich eine Nachricht bekommen und die Person die sie mir geschickt hat, weiß das ich mich an nichts erinnere.“ Emily nahm ihr Handy aus ihrer Jackentasche hervor. ,,Ich wette du erinnerst dich an mich“ las Spencer vor. Ein Schauer durchfuhr mich. Diese Nachricht wirkte mächtig vertraut. ,,Leute, fängt es wieder von vorne an“ sprach Aria zitternd meinen Gedanken aus. ,,Nein“ rief Hanna. ,,Das ist nicht -A, Mona ist -A und die sabbert in ihrem Bett im Irrenhaus vor sich hin.“ ,,Das wissen wir nicht sicher“ entgegnete ich, wesentlich zurückhaltender als Han. ,,Doch wissen wir“ antwortete sie überzeugt. ,,Ich habe sie besucht.“ ,,Was“ sagten wie gleichzeitig mit Entsetzen in unseren Gesichtern. ,,Ich wollte es euch nicht erzählen, weil ich wusste das ihr denkt, ich bin verrückt“ erwiderte Hanna. ,,Ja“ stimmten Emily, Spencer und ich dem zu. ,,Sie hat versucht dich zu töten, Hanna“ warf Aria fassungslos ein. ,,Sie ist in einem Zimmer mit Gitterstäben vor dem Fenster eingesperrt. Vertraut mir, sie weiß nicht was in dieser Nacht passiert ist.“ Vertrauen in Bezug auf Mona, egal um was es genau ging, waren zwei verschiedene Welten, die nicht zusammenpassten, jedenfalls nicht für mich. ,,Ja, aber irgendwer schon“ stellte Emily verzweifelt fest. ,,Ich muss euch etwas zeigen“ beichtete Spencer und sah uns eindringlich an.

Seit unserem letzten Besuch im Lost Woods Resort, hatte sich dort einiges getan. Die Fenster waren mit Brettern zu genagelt, der Parkplatz wirkte noch verwilderter und im Fenster der früheren Rezeption hing ein großes Zu verkaufen Schild. Spencer hatte ihren Laptop auf dem kleinen Tisch aufgestellt, der in der Mitte von Zimmer 2 stand, dem ehemaligen Versteck von -A oder anders gesagt Mona. Auf dem Bildschirm von Spencers Laptop lief eine Animation des Raumes, jedoch eingerichtet wie Monas Versteck. ,,Alis Altar war dahinten.“ Spencer deutete auf das Fenster hinter uns. ,,Und hier“ sie stand von dem wackeligen Stuhl auf und ging auf die gegenüberliegende Seite. ,,Hing eine Reihe von schwarzen Kapuzenpullis, perfekt aufgereiht, damit -A sich immer einen schnappen konnte.“ ,,Mona, für Mona hingen die da“ unterbrach sie Hanna. Ich rollte mit dem Augen, natürlich konnte ich verstehen wie schwer es für Hanna immer noch war mit diesem Verrat zurecht zu kommen, aber die Augen davor zu verschließen, dass es mehr als eine Person gab die hinter uns her war, half nicht beim Aufklären dieses Rätsels. ,,Ja“ sagte Spence kurz angebunden. ,,Und hier hing ein Zombiekostüm an der Tür, genau wie das in dem Ali an Halloween angegriffen wurde.“

,,Du bist also den ganzen Sommer hierher gekommen, um dich zu erinnern, was hier drin war. Wieso“ hakte Emily nach und verschränkte Arme vor der Brust. ,,Wir müssen ihr die Wahrheit sagen“ warf ich ein, als wir zwischen einander hin und her sahen. ,,Nachdem sie Mayas Leiche gefunden haben, waren wir nochmal hier“ setzte Hanna an. ,,Ja, um alles wegzuschmeißen, das habt ihr mir erzählt“ sagte Emily schulterzuckend. ,,Wir haben dich angelogen“ fuhr Aria zögernd fort. ,,Wir wollten nicht das du dir noch mehr Sorgen machen musst“ machte Hanna weiter. Emily wirkte von Sekunde zu Sekunde verwirrter. ,,Als wir hier angekommen sind, war alles weg“ endete Spencer schließlich. ,,Die Aktenschränke, die Karten, Bilder, Alis Tagebücher. Alles war weg“ fügte ich dem hinzu. Emily rang nach Luft und sah sich in dem leeren Zimmer um. ,,Vielleicht hat es die Polizei sichergestellt.“ ,,Wenn die Polizei herausgefunden hätte, was Mona über uns weiß, wäre meine Mutter im Gefängnis“ widersprach Hanna Em. ,,Ja, Ezra auch“ stimmte Aria ihr zu. ,,Wer war es dann?“ ,,Na ja, einige Sachen ergeben keinen Sinn“ fing Spencer von neuem an. ,,Ähm, Mona war bei dir als -A Emily die Massage gegeben hat.“ ,,Und sie hat Ians Leiche ganz bestimmt nicht alleine aus dem Kirchturm tragen können“ machte ich weiter. ,,Warte wollt ihr damit sagen, dass ihr jemand geholfen hat“ hakte Aria ungläubig nach. Spence beugte sich erneut über ihren Laptop und öffnete das Bild mit dem Kostüm des schwarzen Schwans. ,,Wenn der schwarze Schwan unschuldig war, warum ist sie dann vor euch weggerannt?“ Genau in diesem Moment ging die Alarmanlage von Spencers Auto los. Wir sahen erschrocken vom Bildschirm zur Tür des Zimmers. Eiligen Schrittes liefen wir nach Draußen. Dort stand Spencers Auto mit offenen Türen und Kofferraum, sowie blinkenden Scheinwerfern. Niemand war in der Umgebung zu sehen, alles war ruhig. Spencer schaltete den Alarm aus und wir gingen zögernd auf den Wagen zu. Der ganze Innenraum war mit Fotos aus der Nacht bedeckt, in der die Leiche verschwunden ist. Auf den Bildern war zu sehen, wie wir am offenen Grab standen, mit der Schaufel neben uns. Diese Bilder ließen uns alles andere als unschuldig wirken. Im Kofferraum lagen noch haufenweise mehr Bilder. Doch es kam noch schlimmer während wir dort so standen mit vor Schreck geweiteten Augen, erklang das vertraute Geräusch vom Klingeln unserer Handys. Wir sahen einander nur kurz ängstlich an, bevor wir unsere Handys hervor nahmen. ,,Mona hat mit Puppen gespielt. Ich spiele mit Leichenteilen“ setzte Aria zittrig an. ,,Lasst uns spielen, Schlampen“ fuhr ich fort. ,,-A“ vollendete der Rest. Sprachlos starrte ich auf den Bildschirm. Das Spiel begann nun offiziell von Neuem!



Am Grab: http://www.polyvore.com/untitled_318/set?id=206722739

Jason: http://www.polyvore.com/untitled_236/set?id=200580604

Schule: http://www.polyvore.com/untitled_247/set?id=203423037

Das Spiel beginnt wieder: http://www.polyvore.com/untitled_301/set?id=206289489


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Hi :)
Viel Spaß mit dem 2. Kapitel, hoffentlich hat es euch gefallen. Schreibt mir bitte eine Review, wenn ihr irgendwelche Verbesserungsvorschläge für mich habt.

LG Hannah.
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