With these two hands

von Mette
GeschichteRomanze, Familie / P16
OC (Own Character)
16.11.2016
07.08.2019
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Hei,

heute ist das Update ein bisschen kürzer, bin nicht zum längeren Korrekturlesen gekommen.
Trotzdem viel Spaß und vielen Dank an alle Leser und Kommentare :)

Mette




     „Paps mag ihn.“
Josefin saß im Schneidersitz auf dem Kellerboden und sortierte die vor ihr liegenden Wäschestapel. Das Telefon lag auf ihrem Knie und sie hatte die Lautsprecherfunktion eingeschaltet, damit sie gleichzeitig ihre Wäsche machen und mit Lotte sprechen konnte. Sie besaß zwar einen Bluetooth-Stick für das Ohr, kam sich jedoch immer seltsam vor, diesen innerhalb des Hauses zu benutzen.
„Wieso überrascht mich das nicht?“ Lotte lachte heiser auf. „Im Übrigen ist es nicht so, dass ich ihn nicht mag, falls du mit dem Gedanken spielst, die Familie in Pro- und Contra-Lager einzuteilen.“
Josefin pfefferte eine Bluse in den entsprechenden Korb mit der Buntwäsche. „Das tue ich nicht“, meinte sie leicht pikiert. „Mir ist nur wichtig, herauszufinden, wie meine Familie zu jemandem, den ich ziemlich mag, steht. Deswegen hatte ich mir auch die Reihenfolge, wer ihn wann kennenlernen soll, genau zurechtgelegt.“ Was astrein nicht geklappt hatte.
„Tja und dann hat das Leben geklopft und deinen schönen Plan über den Haufen geworfen. Dass es diesen Plan überhaupt schon gegeben hat, wundert mich übrigens nicht. Jede andere hätte alles auf sich zukommen lassen, nur du bist jetzt schon durchgetaktet.“
     „Das bin ich nicht! Es handelte sich dabei nur um eine theoretische Reihenfolge. Man kann auch Pläne machen, ohne sie in die Realität umzusetzen. Mir hilft das ziemlich oft, um mich gedanklich zu strukturieren. Ich weiß natürlich, dass es letztendlich ganz anders kommen kann. Das hat man heute ja gesehen. Allerdings…“ Josefin unterbrach sich selbst. Sie drehte einen Socken auf links und wühlte nach dem Partner, um sicher zu gehen, dass sie beide in die gleiche Ladung warf.
„Jaaaa?“
     „Hätte ich mir vermutlich bereits im Vorfeld ins Hemd gemacht, wenn ich gewusst hätte, dass Mama und Gábor ohne Vorwarnung beim Frühstück aufeinander treffen. Ich war heilfroh, als ich gesehen habe, dass er korrekt angezogen ist.“
„Du hattest kein Hemd an, in das du dir hättest machen können, sondern nur dieses dünne Fädchen von Einteiler. Ich war ohnehin überrascht, DASS du es noch anhattest.“ Wie aus dem Nichts heraus begann Lotte zu kichern.
     „Wer sagt, dass das nonstop der Fall war?“, führte Josefin sie ein wenig an der Nase herum.
„Ich. Wenn er es dir ausgezogen hätte, hättest du es hinterher nicht mehr anziehen können, weil es nur noch aus Fetzen bestanden hätte. Dass du ihm das antust, hat mich sowieso gewundert, aber beschwert hat er sich sicher nicht.“
     „Ich weiß gar nicht, ob er das Ding so bewusst wahrgenommen hat.“ Josefin zuckte zusammen, als Lottes schallendes Gelächter durch den Kellerraum schallte.
„Glaub mir, das hat er.“
Sie brummelte ein wenig, konnte jedoch nicht verhindern, dass ihre Mundwinkel sich zu einem Lächeln auseinanderzogen. Dieser Gedanke gefiel ihr und so verkehrt war er anscheinend nicht, denn eine Bemerkung hatte er ja gemacht.
„Bist du noch dran?“, rief die Stimme ihrer Schwester sie zurück ins Hier und Jetzt.
     „Ja. Habe ich nicht gesagt, dass ich im Keller sitze und die Wäsche sortiere? Ich musste einen Partnersocken finden.“
„Bindest du sie nicht mehr zusammen? Dann gehen sie in der Waschmaschine nicht verloren.“
     „Doch, aber dazu muss ich erst einmal den rechten und den linken im Wäschestapel gefunden haben.“
„Richtig. Du bist heute Abend also zuhause?“
Josefin ließ den Kopf sinken. Lotte wollte doch hoffentlich nicht schon wieder bei ihr aufschlagen? Nichts gegen Besuche ihrer Schwester, aber sie hatte sich auf einen ruhigen Abend auf der Couch eingestellt, zusammen mit Curd, einem Buch und ihrem Handy. Wenn es gut lief, dann durfte auch noch eine Kanne Tee mitmachen.
     „Ja, bin ich. Wieso?“
„Nur so. Es war nur eine Frage. Ich dachte, du gehst vielleicht mit Gábor feiern.“
     „Nein. Die Mannschaft grillt bei ihrem Trainer im Garten, groß gefeiert, wie man das aus der Presse kennt, wird da nicht. Das ist zumindest die offizielle Version, die er mir erzählt hat. Ob es später in der Stadt noch weitergeht, weiß ich nicht.“
„Hat er dich nicht gefragt, ob du mitkommen möchtest?“
     „Nein und um ehrlich zu sein bin ich da auch ganz froh darüber. Dazu hätte ich heute wirklich keine Lust. Im Übrigen würde ich ihn im Augenblick auch noch nicht zur erweiterten Weihnachtsfeier mit dem Kollegium mitnehmen. Für solche Aktionen ist es doch noch etwas früh.“
„Für eine Weihnachtsfeier im Mai? Da hast du Recht“, prustete Lotte.
     „Du weißt, dass ich das nicht gemeint habe.“ Josefin klickte mit der Zunge. „Wir sind nicht auf großer Vorstellungstour unterwegs; es war purer Zufall, dass er euch drei an einem Tag kennengelernt hat.“
„An zwei Tagen“, korrigierte Lotte sie.
     „Sagen wir, innerhalb von vierundzwanzig Stunden.“
„Einverstanden. Kennst du seine Familie?“
     „Die in Ungarn wohnt? Klar, wir waren zwischen Frühstück und Tasche holen schnell dort.“ Josefin streckte dem Telefon die Zunge heraus. „Er hat eine Schwester und einen Schwagerfreund, außerdem Eltern und drei Hunde in der Verwandtschaft. Ich glaube nicht, dass es bei ihm so eng zugeht wie bei uns, allerdings ruft die Schwester ihn wohl häufiger an, als ihm lieb ist. Das kommt mir im Augenblick bekannt vor.“
„Pfft. Mir ist langweilig, also musst du herhalten. Das ist Gesetz, Schwesterngesetz. Das gilt mit Sicherheit auch in Ungarn. Hast du ihn gefragt, was ein Schwagerfreund ist?“
     „Der zukünftige Ehemann seiner Schwester ist sein bester Freund.“ Josefin schnappte sich das Telefon, stand auf und schubste die beiden Wäschekörbe mit den Füßen vor sich her zur Waschmaschine. „Wenn du mich fragst, nicht ganz unkompliziert, aber das müssen die wissen. Ich würde dich nicht mit Sara verkuppeln wollen.“
„Seit wann ist die denn deine beste Freundin?“, fragte Lotte halb pikiert, halb schockiert. Josefin blieb stehen und starrte auf die Wäsche.
     „Der Punkt geht an dich“, gab sie zu. „Mir ist nur keine geeignetere Alternative eingefallen, um das Beispiel bildlich darzustellen. Oder wäre dir Karsten lieber gewesen?“
Lotte imitierte Würgegeräusche. „Nein. Aber bitte, lass es jemanden mitschneiden, wenn du ihm von Gábor erzählst. Ich will das dumme Gesicht sehen, das er macht, wenn er es hört. Du wirst es ihm doch sagen?“
     „Nicht, wenn es sich vermeiden lässt. Das geht ihn eigentlich gar nichts an. Schade, dass Sara ihn ebenfalls abstoßend findet, sonst könnte sie sich ein paar Tage um ihn kümmern.“ Josefin warf die Buntwäsche in die Trommel. „Vielleicht sollte ich ihm doch meine Handynummer geben und kurzzeitig das Foto, das du gestern Abend von Gábor und mir gemacht hast als Profilbild einstellen. Dann muss ich gar nichts sagen und er kapiert ohne Worte, dass er sich zurückziehen kann.“
Die andere gluckste. „Mach doch. Ist es gut geworden?“
     „Ja. Du hast dich damit für den Fotografenjob am Wochenende qualifiziert. Du bist für sämtliche Fotos zuständig und musst drei Tage nüchtern bleiben.“
„Du weißt, dass ich das liebend gerne bleiben würde, wenn es den richtigen Grund dafür gäbe.“
     „Ja. Entschuldige.“ Josefin kniff die Augen zusammen. Das konnte ja etwas werden, wenn hinter jeder arglosen Bemerkung scharfe Munition steckte, die jederzeit hochgehen konnte. „Gibt es noch etwas zu planen, was Florenz angeht? Bist du in Kontakt mit Anni?“ Sie versuchte, das Thema in eine etwas andere Richtung zu drehen, während sie Waschmittel und Weichspüler in die dafür vorgesehenen Schubfächer gab und die Waschmaschine schließlich anstellte. Ein kurzer Blick auf die Uhr und sie wusste, wann sie wieder in den Keller gehen musste, um die Wäsche herauszunehmen. Langsam ging sie nach oben.
„Mit Tamara, ja. Sie ist der Meinung, dass sie alles im Griff hat und wir nur gute Laune und schicke Schuhe mitbringen sollen.“
     „Was heißt hier mitbringen? Wir fliegen nach Italien; ich habe vor, mir dort Schuhe zu kaufen. Ich nehme extra den mittleren Koffer und nicht nur eine kleine Tasche. Ich nehme an, Shoppen steht auf dem Plan? Wir können immerhin nicht drei Tage lang von Bar zu Bar ziehen. Gut, theoretisch könnten wir das schon, aber… Ach, weißt du was, ich rufe Tamara nachher selbst an.“ Josefin winkte ab, obwohl ihre Gesprächspartnerin das nicht sehen konnte.
„Mach das. Ich werde jetzt noch ein, zwei Stündchen arbeiten und hoffen, dass Mark vor Mitternacht nachhause kommt. Die Chancen stehen nicht schlecht, nachdem er bereits um halb vier geschrieben hat, dass es heute ruhig ist.“
     „Schick ihm doch ein Nacktfoto von dir. Was er kann, kannst du schon lange“, rutschte es ihr heraus und sie bereitete sich innerlich bereits auf das nächste Herumzicken ihrer Schwester vor. Umso überraschter war sie, als es ausblieb. In dieser Hinsicht wurde sie aus Lotte im Moment wirklich nicht schlau.
„Das ist eine gute Idee. Damit rechnet er jetzt nicht.“
     „Äh… Na dann… los geht’s.“ Josefin verzog das Gesicht. Das wollte sie sich gar nicht erst vorstellen. „Ich werde jetzt Curd einsammeln gehen und mich dann auf der Couch breit machen.“
„Wo ist er denn?“
     „Nur im Garten. Aber es wird so langsam kühl, da möchte ich die Terrassentür zu machen. Wir hören voneinander?“
„Ja, aber ich habe den Wink vorhin durchaus verstanden und werde darauf warten, dass DU mich anrufst.“
     „Sehr gut. Ich melde mich bei dir und wir sehen uns dann allerspätestens Freitag früh.“
„Theoretisch könnte ich am Dienstag wieder mit Melitsanes vorbeikommen, aber wenn wir sie zu oft essen, wachsen sie uns zu den Ohren heraus.“ In Lottes Stimme schwang eine nicht gestellte Frage mit, ob sie trotzdem bei Josefin Willkommen wäre.
     „Dienstagabend bin ich beim Germanistenstammtisch. Wenn du mich sehen willst, musst du dort hinkommen. Wir treffen uns dieses Mal im Schwan im Deutschen Theater.“
„Ich denke darüber nach. Bussi.“
     „Bussi.“
Die beiden schmatzten in die Luft und Josefin beendete das Gespräch, indem sie den roten Hörer beiseite wischte.
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