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Mr. Harvey J. Specter

von Greeneyes
GeschichteAllgemein / P16 / MaleSlash
Donna Paulsen Harvey Specter Kyle Durant Louis Litt Michael "Mike" Ross Rachel Zane
16.11.2016
15.01.2020
11
39.019
12
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28.01.2017 3.207
 
Hallo ihr Lieben,

so heute gibt es ein neues Kapitel. Ich hoffe, es gefällt euch. Heute habe ich nicht mehr zu sagen. Also viel Spaß beim Lesen :)

Liebe Grüße!



Kapitel 9: Forget me not

Nicht lange nach ihrem gemeinsamen Mittagessen lief Donna in Harveys Büro und steuerte direkt auf ihren Boss zu.

„Kein Klopfen? Sag mir nicht, dass Mikes schlechte Manieren auf dich abfärben.“ Harvey sah von seinen Papieren aus.

Donna sagte nicht. Sie stand einfach hinter Harvey und steckte ihre rechte Hand in seine Weste.

„Okay, das sind wirklich schlechte Manieren“, kommentierte Harvey.

Donna zog ihre Hand zurück und sah Harvey an, der seinen Stuhl umgedreht hatte, um sie anzublicken. „Du hast also ein Herz. Ein Herz, das regelmäßig schlägt.“

„Danke. Ich wusste nicht, dass du auf Herzen stehst.“ Harveys Tonfall war trocken.

„Ich hoffe, du hast auch ein Gescheites.“ Donna lehnte sich gegen die Wand als Harvey seine Beine kreuzte.

„Versuchst du mir irgendwas zu sagen?“, fragte Harvey, auch wenn er schon wusste, wo es hinführen würde.

„Ja, du musst dich aus ihrer Beziehung raushalten, Harvey.“ Ihr Blick war flehend.

„Ich muss gar nichts machen.“

„Aber du weißt, dass die Beiden miteinander ausgehen.“

„Es ist nicht so als wären sie verheiratet.“

„Es gibt so etwas wie einen Moralkodex!“

„Ich breche hier keine Gesetze.“

Donna seufzte. „Ich will nicht, dass irgendjemand von euch verletzt wird.“

„Das Leben ist voll von Kämpfen, Donna. Das ist einfach ein weiterer, der dich überhaupt nichts angeht.“

„Harvey, dein tägliches Leben ist mein Job.“

„Lass es mich anders ausdrücken. Anders als meine üblichen Angelegenheiten verspreche ich dir, dass ich dich in diesem Fall nicht um Hilfe bitte. Klingt das fair für dich?“

Donna sah Harvey lange an.

„Ich mache mit nur Sorgen, Harvey“, sagte sie sanft.

„Ich weiß.“ Harvey lächelte verbittert. „Ich wünschte, es gäbe einen anderen Weg das zu tun.“

„Warum versuchst du nicht mit Mike zu reden? Ehrlichkeit ist die beste Strategie.“

„Und ihn verscheuchen? Er wird sie nicht verlassen, wenn ich ihn so verängstige. Dann wird er sich einfach von mir fernhalten.“

Donna dachte über Harveys Worte nach. Er hatte recht.

„Ich denke dennoch nicht, dass das der beste Weg ist damit umzugehen.“ Ihr Gesichtsausdruck war finster.

„Ich befürchte, dass es manchmal keinen guten Weg gibt.“ Harvey rieb sich das Gesicht. Er war müde.

„Was ist also dein Plan? Auf eine Gelegenheit warten und einen Weg in sein Herz finden?“

„So in etwa“, stimmte Harvey mit leiser Stimme zu.

„Und du denkst, dass das funktionieren wird?“

„Ich bin ziemlich optimistisch, ja.“ Harvey fand seine Selbstsicherheit wieder. Er wusste wie man gewann. Es war so einfach.

„Das ist also der Grund, warum du auf einmal so interessiert an Jessicas Bitte bist.“

„Hmm?“ Harvey stellte sich dumm. Es war immer spaßig zu sehen, wie seine Sekretärin sich wie seine Lehrerin in der dritten Klasse verhielt.

„Oh, du weißt genau, wovon ich spreche.“ Donna benutzte ihre mahnende Stimme. „Du hasst es für die Arbeit die Stadt verlassen zu müssen, aber du nimmst Mike mit nach Washington D.C. um einen Klienten zu treffen. Und ihr nehmt den Zug anstatt eines Flugzeugs, so dass du mehr Zeit mit ihm verbringen kannst.“

Harvey gestattete es sich ein bisschen zu lächeln. „Hast du jemals darüber nachgedacht Privatdetektiv zu werden?“

„Jetzt beleidigst du mich.“ Donna lächelte selbstgefällig. „Deine Reservierungen für die Zugfahrt und das Hotel sind bestätigt. Ich gebe Mike die Papiere und ich habe schon Ray Bescheid gesagt, wann er euch abholen und euch zum Bahnhof fahren soll.“

„Danke, Donna.“ Harvey meinte es so und Donna verstand genau, wofür er ihr dankte.

„Das bedeutet nicht, dass ich zustimme.“

Harvey nickte. „Ich weiß es trotzdem zu schätzen.“

„Überleg genau, was du machst oder du wirst verletzt.“

„Ich weiß. Ich werde vorsichtig sein.“ Harvey lächelte sie warm an.

Donna verließ mutlos Harveys Büro. Das war eine neue Situation für sie; sie wusste nicht, was sie tun sollte. ‚Soll ich ihm als seine langjährige Freundin helfen? Er hat gesagt, er hält mich daraus, aber sollte ich versuchen ihm unsichtbar unter die Arme zu greifen?‘

Sie setzte sich an ihren Tisch und schaltete den Computer ein.

‚Rachel weiß jetzt sicherlich, dass sie Konkurrenz hat. Aber Mike hat keine Ahnung nicht, dass das überraschend ist.‘ Sie wägte die Situation ab und fragte sich, was Rachel wohl plante.

‚Sie wollte nicht darüber reden, aber vielleicht wird sie es sich noch anders überlegen. Allerdings muss ich warten, bis sie mich fragt.‘ Donna war nicht der Typ Mensch, der geduldig warten konnte, aber Mike war nicht ihr Freund. Was auch immer Rachel tun wollte, es musste ihre Entscheidung sein.

‚Hmm, es gibt eine Sache, die ich auch ohne Harveys und Rachels Zustimmung machen kann. Ich kann sicherstellen, dass niemand etwas über diese Sache herausfindet, besonders nicht Louis.‘ Sie erschauerte bei dem Gedanken wie Louis‘ Augen vor Vergnügen aufleuchteten.

Pearson-Hardman erlaubte seinen Mitarbeitern Beziehungen am Arbeitsplatz, solange diese nicht die Arbeit beeinträchtigten, also war das kein Problem. Worüber sie sich Sorgen machte war, dass sollte Rachel entscheiden diese ganze Angelegenheit nicht mit Mike zu besprechen, Louis es vielleicht rausfinden würde bevor Mike es tat. Da er niemanden hatte, der ihn auch liebte, neigte Louis dazu die Liebe in der Luft wie ein hungriger Hund zu erschnüffeln.

‚Ich muss mir noch mehr Erpressungsmaterial beschaffen für den Fall, dass dieses Drama noch länger anhält‘, entschied sie, auch wenn sie schon jede Menge davon hatte, das sie noch nicht benutzt hatte. Auch wenn Mike es früher als Louis rausfände wollte sie dennoch nicht, dass die ganze Firma bei diesem Tauziehen zusah. Louis wusste nie, wann man besser den Mund hielt, also musste sie ihn im Blick behalten.

‚Ich sollte eine Gehaltserhöhung dafür bekommen. Es ist wirklich unangenehm mit diesem stinkenden Fellball umzugehen.‘ Sie zog ihre Augenbrauen hoch und machte mit ihrer Arbeit weiter. Normalerweise genoss sie es dem Drama zuzugucken, das sich gerade im Büro abspielte, aber sie hatte das Gefühl, dass es diesmal nicht so sein würde.


Mike grübelte über seinen ehemaligen gruseligen Nachbarn während er Recherchen für einen Fall an seinem Computer machte. Als er gestern Abend nach Hause gekommen war, nachdem er seine Großmutter besucht hatte, hatte Wayne versucht seine Couch die Treppen runter zu tragen. Anscheinend war die Couch zu groß, um in den Aufzug zu passen. Als er angeboten hatte zu helfen, war Wayne ganz bleich geworden und hatte geschrien, dass er keine Hilfe bräuchte.

‚Das war merkwürdig. Vielleicht war das sein Weg, um sich bei mir zu entschuldigen. Er wirkte nie wie ein böser Kerl. Wahrscheinlich hat er sich schlecht gefühlt, dass er an meiner Unterwäsche geschnüffelt hat.' Mike hatte besagte Boxershorts noch mal gewaschen, um sicher zu gehen, dass sie auch wirklich sauber war.

‚Harvey hat nichts damit zu tun, richtig?' Er fand den Zeitpunkt von Waynes Umzug ein bisschen verdächtig. Er hatte den Schnüffel-Zwischenfall Mittwochabend erwähnt als Harvey ihm im Haushalt geholfen hatte und Wayne war am nächsten Abend sehr eilig ausgezogen.

‚Aber warum sollte Harvey so etwas tun? Ich habe ihm gesagt, dass Wayne harmlos ist. Und auch wenn er gedroht hat den Typen zu verklagen, Harvey hat doch gar keine Beweise! Es ist ja nicht so als hätte er seine Fingerabdrücke auf meiner Unterwäsche hinterlassen. Ich habe sie noch mal gewaschen! Oh, aber Wayne weiß das vielleicht nicht. Aber trotzdem hätte er argumentieren können, dass er meine Boxershorts einfach von Boden des Wäschekellers aufgehoben hat, um mir zu helfen.'

Dann erinnerte sich Mike, dass Wayne beim besten Willen kein sehr kluger Mensch war. Was auch immer Harvey gesagt hätte, würde wie Magie funktionieren. ‚Außerdem wer könnte schon Harveys brennenden Blick stand halten? Hm, ich frage mich, ob ich Harvey danken sollte. Ich brauchte seine Hilfe nicht, aber ich kann auch nicht sagen, dass es mir leidtut, dass Wayne weg ist. Warte. Warum habe ich dann eine Waschmaschine gekauft? Urgh...'

Mike war frustriert und versuchte sich einzureden, dass es auch noch andere gruselige Nachbarn in seinem Haus geben konnte und der beste Weg denen auszuweichen war die Wäsche in seiner Wohnung zu waschen.

‚Ich sollte ihm danken.' Mike beendete seine Recherche und ging zu seinem Lieblingsbüro.

„Harvey, ich bin mit der Recherche fertig, um die du gebeten hast." Mike übergab stolz die Akte.

„Gut. Ist sonst noch was?", fragte Harvey, öffnete die Mappe und begann zu lesen.

„Ja. Ich wollte dir noch danken."

„Wofür?" Harvey behielt seinen Blick auf der Akte.

„Dafür, dass du meinen Nachbarn entfernt hast."

„Ich habe ihn nicht entfernt."

„Du weißt, was ich meine."

Harvey sah Mike an. Er sah keinen Sinn darin es zu leugnen. „Wenn das nächste Mal so etwas passiert, kommst du sofort zu mir, verstanden? Es ist egal, wenn es nichts mit der Arbeit zu tun hat."

„Ich kriege meine Probleme schon auf die Reihe, aber okay, ich werde dann zu dir kommen." Er wollte Harvey nicht verärgern, wenn er hier war, um ihm zu danken.

„Guter Junge. Jetzt setz dich hin, damit wir über unser Wochenende reden können."

„Wir fahren um halb elf vom Bahnhof ab und kommen circa drei Stunden später an. Wir haben ein Bankett um 19:00 Uhr und ein Meeting zum Brunch am Sonntag um 11:00 Uhr. Wir fahren um 16:00 Uhr zurück und sind dann gegen sieben Uhr wieder hier. Wenn du dich am Wochenende gut benimmst, lade ich dich noch zum Abendessen ein, bevor ich dich nach Hause schicke."

„Okay." Mike prägte sich den Terminplan ein und kündigte an: „Ich werde dieses Abendessen schon bekommen. Warte es nur ab!"

„Du kannst es versuchen", grinste Harvey. „Und ich hoffe es ist in Ordnung, dass wir uns im Hotel ein Zimmer teilen. Wir senken die Kosten. Deswegen nehmen wie auch den Zug."

„Kein Problem, solange wir nicht auf der Straße schlafen müssen, ist es in Ordnung und ich mag Züge ohnehin lieber", lächelte Mike. Er war schon lange nicht mehr mit dem Zug gefahren.

„Gut. Geh heute zu einer vernünftigen Zeit nach Hause. Du musst noch packen und geh früh schlafen, damit du morgen nicht nutzlos bist."

Mike nickte.

„Ich meine es ernst, Mike. Wenn dieser Klient nicht wichtig wäre, würde Jessica stattdessen Louis schicken. Keine Hausarbeit, keine Freundin, ruh dich aus!"

„Verstanden. Packen und früh schlafen gehen." Mike stand auf und grinste. „Wir werden so viel Spaß haben, Harvey. Wir haben ein paar Stunden vor dem Bankett morgen Zeit. Denkst du dann können wir in den Zoo gehen oder mit dem Fahrrad durch die Stadt fahren oder so etwas in der Art?"

„Das ist eine Geschäftsreise, Mike."

„Ich weiß, aber wir können ja trotzdem etwas Spaß haben. Ich war noch nie in D.C.! Und du?"

„Ich war schon drei Mal dort."

„Super! Dann kannst du mein gutaussehender Stadtführer sein! Ich nehme für uns beide Fahrradklamotten mit, dann können wir in D.C. Fahrräder leihen."

„Keine Chance. Ich werde mich nicht in diesen gelben Fahrradshorts demütigen lassen. Nicht schon wieder." Harvey schüttelte nachdrücklich seinen Kopf während Mike sich wieder hinsetzte.

„Aber gelb ist eine gute Farbe, damit man im Verkehr bemerkt wird!"

„Nein, Mike. Wenn wir schon Fahrrad fahren müssen, bringe ich meine eigenen Sachen mit."

„In Ordnung. Ich wette deine sind langweilig schwarz."

„Das nennt man elegant."

Mike verzog sein Gesicht. „Sag mir nicht, dass auch dein Helm elegant ist. Du kannst nicht ganz in schwarz kommen!"

„Ich werde nicht im Dunkeln Fahrrad fahren, Mike. Also kann ich auch einen schwarzen Helm tragen."

„Du hast Glück, dass ich zwei Helme habe, Harvey. Was würdest du nur ohne mich machen? Ich nehme einen gelben und einen orangen Helm mit. Da du ja anscheinend allergisch gegen gelb bist, kannst du den Orangen nehmen."

Harvey schnaubte. „Du fängst an wie Donna zu klingen. Gibt es sonst noch etwas, worüber du nörgeln möchtest?"

„Tatsächlich gibt es das, ja. Eine letzte Sache. Was ist dein Lieblingstier?“

„Ein Welpe.“

„Haha, das ist sehr schmeichelhaft, aber ich meinte ein Tier, das im Zoo lebt.“

„Hm, ich weiß nicht. Ein Panther?“

„Wie der rosarote Panther?“ Mike kicherte während Harvey seine Augen rollte.

„Nein, Mike. Ein schwarzer Panther.“

„Ah, da ist das Schwarz wieder!“

„Warum hast du ein Problem mit schwarz?“

„Ich habe kein Problem mit schwarz. Ich denke nur, dass du eine noch strahlendere Persönlichkeit bist, sobald du es mit wärmeren Farben versuchst!“

„Denkst du, ich bin zu dunkel?“ Harvey zog seine Augenbrauen hoch.

Mike zuckte mit den Schultern. „Ich weiß, dass Anwälte im Gericht wie Haie sein müssen, aber ich denke, du könntet mehr Licht gebrauchen.“

„Aber deswegen bist du doch hier.“

Mike strahlte. „Es ist schön, dass du endlich akzeptierst, dass ich mehr als nur mein Hirn zu bieten habe. Oh Harvey, ich werde dich dieses Wochenende so stolz machen. Du wirst glücklich sein, mich mitgenommen zu haben.“

„Wir werden sehen, Klugscheißer. Geh jetzt arbeiten. Wir haben genug geredet.“

„Gut. Wir werden unsere elegante Konversation morgen im Zug weiterführen.“ Mike verließ salutierend das Büro und Harvey lächelte. Er war schon jetzt glücklich, dass Mike da war.



Währenddessen stand Rachel vor Mikes Arbeitsnische und wartete darauf, dass er zurückkam. Sie könnte ihn suchen gehen, aber sie war sich nicht sicher, ob sie es ertragen könnte, wenn Mike in Harveys Büro und wieder viel zu freundlich war.

‚Soll ich ihm sagen, dass Harvey ein Auge auf ihn geworfen hat? Aber er würde mir nicht glauben. Was passiert wohl, wenn er Harvey fragt, ob es stimmt? Wird Harvey es zugeben? Oder wird er alles abstreiten und Mike glauben machen, dass ich es mir nur einbilde?‘

Sie sah die Gefahr in dem letzten Szenario. Sie konnte einfach nicht wie Jenny Nummer zwei enden. ‚Wie kann ich Mike dann beweisen, dass ich es mir nicht nur einbilde?“

‚Wird Mike es sich noch mal anders überlegen mit mir auszugehen? Oder wird er Harvey abweisen und bei mir bleiben, ohne jeden Zweifel?‘ Sie setzte sich auf Mikes Stuhl und dachte angestrengt nach. Sie hatte viele schwache Beweise, doch würde sie ihn nicht mit einer rauchenden Pistole drauf stoßen, war es unwahrscheinlich, dass Mike ich glauben würde.

‚Worauf wartet Harvey? Warum hat er noch nichts gesagt und Mike von seinen Füßen gehauen? Wartet er darauf, dass ich einen Fehler mache, so dass er sich zwischen uns drängen kann? Plant er etwas Besonderes, wenn sie in D.C. sind?‘ Soweit es sie betraf war es am besten, wenn sie Mike warnte, bevor er die Stadt verließ. Auch wenn sie nicht glaubte, dass Harvey seinen Angestellten auf einer Geschäftsreise ansprang, so war sie doch besorgt, dass dieser Ausflug ihre Bindung noch verstärkte.

‚Gott, warum habe ich ihn nur darum gebeten die Beziehung langsam angehen zu lassen? Ich hätte das niemals sagen sollen!‘ Sie wollte sich nicht schon fertigmachen, da noch gar nichts zwischen Harvey und Mike passiert war, aber sie wurde das Gefühl nicht los, dass sie eine große Chance verpasst, um im Rennen vorne zu liegen.

‚Wo zum Teufel ist er überhaupt? Urgh, ich hinterlasse ihm einfach eine Nachricht.‘ Sie schrieb ein paar Worte auf Mikes Post-It’s und ging dann zurück in ihr Büro. Sie würde ‚wie halte ich meinen Freund‘ googlen.

Es dauerte nicht lange, bis Mike in ihrem Büro auftauchte.

„Rachel? Du wolltest, dass… okay… ich denke, du hast einen Knopf deiner Bluse vergessen zuzuknöpfen.“ Mikes Blick huschte hoch zur Decke.

„Nein, habe ich nicht“, lächelte Rachel. Sie war froh, dass Mike eine visuelle Person war.

„Bist du dir sicher?“ Mike wusste nicht, wohin er gucken sollte.

„Ich bin mir sicher, Mikey.“

„Aber du bist nicht diese Art von Frau…“, sagte Mike und erkannte erst dann, dass er es besser anders formuliert hätte.

„Was meinst du damit?“ Rachel fragte sich, ob ihre Brüste nicht attraktiv genug waren.

„Ich meine, dass du normalerweise nicht deine Attraktivität benutzt, um eine Nachricht zu überbringen“, sagte Mike liebevoll und vorsichtig, um sie nicht zu verletzen.

Rachel seufzte und knöpfte den besagten Knopf zu. Mike hatte recht. Sie musste sich an die Dinge halten, mit denen sie sich wohl fühlte.

„Du kannst jetzt aufhören die Decke zu studieren“, sagte sie und sah zu, wie Mike sich ihr gegenüber hinsetzte.

„Worüber wolltest du sprechen?“ Mike Blick wanderte für einen Augenblick über Rachels Bluse. Er war etwas enttäuscht, aber er wusste, dass er das Richtige getan hatte.

„Ich kann dir heute Abend helfen zu packen und vielleicht kann ich dir danach auch noch ein bisschen Glück wünschen“, zwinkerte Rachel doppeldeutig.

„Aber ich dachte, du wolltest waren.“ Mike konnte ihr nicht folgen.

„Ich habe meine Meinung geändert.“

Mike schaute seine Freundin aufmerksam an. Es wirkte so, als wollte sie heiß und verführerisch aussehen, aber sie sah eher nervös und besorgt aus. „Darf ich fragen warum?“

„Brauche ich einen Grund, um mit meinem Freund schlafen zu wollen?“ Rachel wurde ungeduldig. Warum konnte Mike nicht die Möglichkeit beim Schopfe packen, so wie jeder andere Kerl. Warum musste er alles hinterfragen?

„Nein, brauchst du nicht“, antwortete Mike. Er wusste aus Erfahrung, dass Frauen oft widersprüchliche Signale sendeten.

„Kann ich also heute Abend vorbeikommen?“, fragte Rachel aufgeregt.

„Tut mir leid, Rach. Harvey hat explizit gesagt: ‚Keine Hausarbeiten, keine Freundin.‘ Er denkt, dass ich für den wichtigen Klienten morgen ausgeschlafen sein muss. Entschuldige.“

„Nun, er muss es ja nicht erfahren.“ Rachel senkte hoffnungsvoll ihre Stimme.

„Aber wir reden hier von Harvey. Er weiß so etwas sofort.“ Mike wollte Harveys Warnung in den wind schießen und auf seine Freundin hören, aber er würde nichts tun, das seine erste Geschäftsreise versauen könnte.

„Aber das ist deine erste Geschäftsreise! Als deine Freundin bin ich dazu verpflichtet dich zu unterstützen.“ Rachel jammerte sogar mit zitternden Lippen, wissend, dass es bei den meisten Männern funktionierte.

„Es tut mit wirklich leid, Rach. Ich kann Harveys direkte Befehle nicht ignorieren“, entschuldigte sich Mike erneut. Er fühlte sich furchtbar. Es war fast so als wäre ihre Beziehung auf verpassten Dates und Entschuldigungen aufgebaut.

Rachel gab auf. Mike war eindeutig nicht so wie andere Männer. Normalerweise liebte sie ihn dafür, aber in diesem Moment war sie sich nicht mehr sicher. „In Ordnung. Dann ruf mich heute Abend einfach an. Und bevor du heute nach Hause gehst, gibst du mir noch einen schönen Kuss.“

„Haha, das kann ich machen.“ Mike stand auf und lehnte sich vor, um sich einen kurzen Kuss zu holen. Er war glücklich, dass er eine so verständnisvolle Freundin hatte.

„Mike?“ Rachels unsichere Stimme ließ Mike anhalten.

„Ja?“ Er drehte sich um.

„Ich liebe dich.“ Sie bemerkte plötzlich, dass sie ihm das noch nie gesagt hatte.

Mike riss seine Augen auf, aber dann erschien ein schönes Lächeln auf seinem Gesicht, das die Überraschung überdeckte. „Ich liebe dich auch.“

Rachel lächelte. „Versprich mir, dass du dich in niemand anders verliebt, bis wir uns am Montag wiedersehen.“

Mike lachte. „Bist du besorgt, dass ich jemanden in D.C. treffe, in den ich mich verliebe?“

„Ich meine es ernst, Mikey. Versprich es mir.“

Mike setzte sein ernsthaftestes Gesicht auf und fragte sich, woher die ganze Unsicherheit kam. Das musste etwas typisch Weibliches sein. „Ich verspreche es, Rach. Ich verliebe mich in niemand anderes bis Montagmorgen.“

„Okay, danke.“ Rachel beobachtete, wie ihr Schatz das Büro verließ und hoffte, dass Mike sein Wort hielt.
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