Weihnachtsmann und CoKG - Das letzte Geschenk

OneshotFamilie, Freundschaft / P12
15.11.2016
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~Balbos Sicht~
Ich war gerade dabei, die Rentiere in ihren Stall zu bringen und sie mit Essen zu versorgen, was sie sich auch redlich verdient hatten. Es war der Morgen des 25. Dezembers und der Weihnachtsmann und die drei Elfen sind gerade von der Bescherung zurückgekehrt. Sie haben einmal wieder alle Kinder dieser Welt glücklich gemacht. Ein echt harter Job, wenn man bedenkt, wie viele Kinder es auf der Welt gibt.
Gespannt darauf, was sie dieses Mal Aufregendes von ihrer Reise zu berichten hatten, ging ich zurück in die große Hauptzentrale. Draußen war es, für diese Jahreszeit, angenehm warm. Das könnte allerdings auch an meinem dicken Fell liegen.
Als ich die Basis betrat, fand ich den Weihnachtsmann und die Elfen völlig erschöpft vor. Der Weihnachtsmann saß an seinem Schreibtisch und lehnte sich gegen seine Stuhllehne, Trixi saß am Computertisch  und stützte ihren Kopf auf ihrer Hand ab und Jordi lag auf dem Produktionsband der Spielzeugmaschine. Einzig Gilfi konnte sich noch auf den Beinen halten, lehnte sich aber vor Müdigkeit gegen die Spielzeugmaschine, auf der Jordi vor sich hin döste.
Bei dem Anblick musste ich ein wenig schmunzeln.
"Hast du die Rentiere gut versorgt, Balbo?", fragte mich der Weihnachtsmann.
"Selbstverständlich", gab ich lächelnd zurück und trat in die Mitte des Raumes. "Ihr habt es also mal wieder ein weiteres Jahr geschafft."
"Nein, WIR haben es geschafft. Du hast genau so viel getan wie wir, Balbo. Du bist auch Teil dieses 1A-Teams", verbesserte mich Trixi und schenkte mir ein breites Grinsen, welches ich erwiderte.
"Aber dennoch gab es mal wieder Komplikationen und drei Mal darfst du raten durch wen...", ergänzte Gilfi.
"Grantelbart und Gugor", sagte ich mehr bestimmend als fragend, da nur die beiden fies genug waren, um dieses schöne Fest zu ruinieren.
"Wir haben einen Gewinner", bestätigte mich Gilfi sarkastisch und verzog eine grimmige Mime, als er an die beiden dachte.
"Was haben sie dieses Mal angestellt?", fragte ich, obwohl ich eigentlich gar nicht wissen wollte, welche Gemeinheiten sie sich ausgedacht hatten.
"Das erzählen wir dir später...", begann Gilfi, als er plötzlich von Jordi unterbrochen wurde.
"Genau, das erzählen wir dir später. Jetzt wird erst einmal gefeiert! Darauf, dass wir ein weiteres Mal allen Kindern dieser Welt große Freude beschert haben."
Wie von der Tarantel gestochen, sprang Jordi auf, sodass wir alle vor Schreck zusammenzuckten. Er schien auf einmal wieder putzmunter zu sein und verschwand in einem Nebenraum. Wir sahen ihm nur verdutzt hinterher.
"Was hat er vor?", fragte ich verwundert über die plötzliche Stimmungsschwankung des kleinsten Elfs.
"Keine Ahnung", gab Gilfi zurück, der sich nun auch von der Spielzeugmaschine löste und ein paar Schritte auf mich zukam.
Es dauerte nicht lange, da kam Jordi auch schon wieder mit zwei großen Tupperdosen, ein paar Tellern, Bechern und Saft. Der kleine Elf war so überladen, dass ihm auf dem Weg zur nächstgelegenen Abstellmöglichkeit beinahe alles aus den Händen gefallen wäre. Letztendlich hatte er es aber noch rechtzeitig geschafft und er stellte alles auf einem großen Tisch ab.
Wir konnten gar nicht so schnell gucken, da hatte er bereits die Tupperdosen, in denen sich Kuchen und Plätzchen befanden, geöffnet und uns Trinken eingeschenkt.
Er verteilte an jeden von uns einen Becher und meinte dabei:
"Jetzt lasst uns erst einmal auf eine weitere erfolgreiche Bescherung anstoßen. Auf das es nächstes Jahr genau so toll wird!"
Nachdem wir alle verstanden hatten, was Jordi vor hatte, versammelten wir uns um ihn, hoben unsere Becher in die Luft und riefen, wie aus einem Munde:
"Auf ein erfolgreiches Weihnachtsfest!"
Wir tranken jeder ein Schluck von dem Saft und machten uns dann über das leckere Gebäck her.
"Hey Jordi, gehört zu einer Party nicht auch Musik?", fragte Gilfi, der zur Stereoanlage ging und sie anschaltete. Wie bereits vermutet, lief nichts anderes als Weihnachtsmusik. Wir sangen bei den Liedern mit, tanzten ein wenig und verschlangen das leckere Essen bis auf den letzten Krümel. Wobei ich am meisten verdrückte, weil es einfach zu köstlich war.
Zum Schluss saßen wir alle zusammen und tranken einen alkoholfreien Glühwein, der echt lecker schmeckte. es war mittlerweile schon Mittag und wir beschlossen, etwas zusammen zu kochen. Wir begaben uns in die Küche und einigten uns auf Ente mit Rotkohl und Klößen. Als Nachtisch sollte es Bratapfel mit Vanillesoße und Puderzucker geben. Mir lief bei dem Gedanken an das leckere Essen jetzt schon das Wasser im Mund zusammen.
Trixi und ich schoben die Ente in den Ofen, während Gilfi die Bratäpfel herrichtete.
"Ich stell' den Puderzucker und die Vanillesoße schon mal auf den Esstisch", meinte Jordi und marschierte in die entsprechende Richtung, als er plötzlich über einen defekten Miniroboter, den bisher noch niemand weggeräumt hatte, stolperte und auf seinen vier Buchstaben landete. Dabei verlor er seine Ware. Die Vanillesoße landete neben ihm auf dem Boden, der Puderzucker allerdings, verfehlten diesen knapp und landete genau auf dem Kopf des kleinen Elfs. Unglücklicherweise war der Puderzucker bereits geöffnet, sodass sich der komplette Inhalt der Verpackung über Jordi verstreute.
Ein wenig benommen saß der Kleinste von uns auf dem Boden und hatte noch nicht ganz wahrgenommen, was ihm eben widerfahren war.
Trixi, Gilfi, der Weihnachtsmann und ich sahen uns erschrocken, mussten dann aber wie auf Kommando loslachen. Es sah einfach zu herrlich aus, wie Jordi da saß, komplett mit Puderzucker eingedeckt. Er sah aus wie ein Schneemann, fehlte nur noch die Karottennase.
"Hey Jordi, wenn du keine Lust auf Puderzucker hast, kannst du uns das auch einfach sagen. Kein Grund ihn gleich zu verschütten", scherzte Trixi, was uns dazu veranlasste, noch mehr über Jordis missliche Lage zu lachen. Auch Jordi stimmte nach kurzer Zeit mit in das Lachen ein.
Als wir uns allmehlig beruhigt hatten und Jordi sich wieder aufgerichtet hatte, fragte ich ihn, ob alles in Ordnung sei.
"Ja, alles gut, danke Balbo."  
Wir bereiteten das Essen ohne weitere Eskapaden zu und setzten uns gemeinsam an den Tisch, um zu speisen. Wir erzählten und lachten viel dabei. Es herrschte eine schöne, ausgelassene Stimmung. Immer, wenn ich mit ihnen zusammen war, konnte ich all meine Sorgen vergessen. Ich hatte sie einfach so unendlich lieb.
"Leute, ich bin so froh, dass ich euch habe. Ich bin euch für alles, was ihr je für mich getan habt so dankbar. Ich brauche niemand anderes um glücklich zu sein. Ich liebe euch so sehr. Ihr seid meine Familie."
Das musste ich jetzt einfach loswerden. Ich habe ihnen noch nie wirklich gesagt, wie sehr ich sie liebe und wie dankbar ich bin, Teil ihrer Familie sein zu dürfen. Diese Worte waren längst überfällig.
"Oh, Balbo...", kam es zuerst von Trixi, die Tränen in den Augen bekam.
Sie stand von ihrem Platz auf, kam auf mich zu und umarmte mich. Die anderen taten es ihr gleich.
"Wir lieben dich auch, Balbo", kam es vom Weihnachtsmann, der sich als Erster wieder von mir löste. Kurze Zeit später lösten sich auch die anderen wieder von mir, als es plötzlich an der Tür der Hauptzentrale klingelte. Wir konnten vom Esszimmer aus nicht sehen, wer sich draußen hinter der Glastür befand.
"Nanu, wer mag das wohl sein?", fragte ich verdutzt, da wir, kein Besuch erwarteten. Zumindest dachte ich das...
"Das, mein lieber Balbo, ist das letzte Geschenk, das wir noch ausliefern müssen", meinte Jordi, begann breit zu grinsen und machte sich auf den Weg, um die Tür zu öffnen.
"Das letzte Geschenk? Ich dachte, ihr habt bereits alle verschenkt? Welches Kind habt ihr vergessen?", fragte ich stutzig.
"Wir haben kein Kind vergessen. Das Geschenk kommt genau zur rechten Zeit", behauptete Trixi und auch sie strahlte übers ganze Gesicht.
"Genau, Balbo. Es ist ein Geschenk für dich!", fügte Gilfi hinzu.
"Ein Geschenk für mich? Aber...", begann ich völlig überrumpelt zu sprechen, doch ich brach abrupt ab, als ich sah, wer da im Türrahmen erschien.
Ich konnte meinen Augen gar nicht trauen. War das real oder bildete ich mir das nur ein?
Ich der Tür stand Jordi und genau neben ihm stand....ein Eisbär.
"Wer...wer ist das?", fragte ich unsicher.
"Das ist Baltasar...er ist dein Bruder", stellte Jordi ihn vor.
Was hatte er da eben gesagt? Mein Bruder? Oder habe ich mich verhört?
"E-er...er ist wer?", hakte ich ungläubig nach.
"Er ist dein Bruder, Balbo!", sagte Gilfi erneut und lächelte mich liebevoll an.
Ich starrte meinen vermeintlichen Bruder weiterhin ungläubig an, unfähig etwas zu sagen. Langsam stand ich auf und ging auf Jordi und Baltasar zu. Genau vor ihnen blieb ich stehen und sah erst den kleinen Elf und dann meinen Bruder an.
"Du bist mein Bruder?", fragte ich ein weiteres Mal, da ich es immer noch nicht fassen konnte.
"Ja, das bin ich. Ich konnte es selbst kaum glauben, bis ich deinen Namen gehört habe, Balbo. Mum hat öfter von dir erzählt", erklärte mir Baltasar.
Mum. Ich erinnerte mich nur schwach an sie, da ich noch sehr klein war, als ich von ihr getrennt wurde.
"Aber, wie habt ihr ihn gefunden?", fragte ich an Jordi gewandt.
"Als du mir damals erzählt hast, dass du deine Familie so sehr vermisst, habe ich mit den anderen darüber gesprochen. Wir wollten dir irgendwie helfen und beschlossen, deine Familie zu suchen. Es hat echt lange gedauert und wir hatten schon Angst, dass wir sie nicht finden würden, bis wir dann Baltasar entdeckt und ihn zu uns eingeladen haben", klärte Jordi mich auf.
"Wir wollten dir damit eine Freude bereiten", ergänzte Trixi.
Es trieb mir die Tränen in die Augen. Sie hatten sich wirklich auf den Weg gemacht, um meine Familie zu suchen, nur um mir eine Freude zu bereiten. So etwas Schönes hat noch nie jemand für mich getan.
Ich drehte mich wieder zu Baltasar.
"Du bist also mein Bruder, Baltasar."
"Zum millionsten Mal, ja", sagte er und musste schmunzeln. "Lass dich erstmal umarmen, großer Bruder!", fügte Baltasar hinzu und umarmte mich.
Er hatte ziemlich viel Kraft und packte auch dementsprechend stark zu. Ich erwiderte die Umarmung. es fühlte sich so schön an, zu wissen, dass meine leibliche Familie am Leben war. Naja, zumindest mein Bruder. Was war mit unseren Eltern? Hatte ich noch mehr Geschwister, von denen ich nichts wusste?
Als ob Baltasar meine Gedanken gehört hatte, löste er sich wieder von mir uns sagte:
"Du willst bestimmt wissen, was mit unseren Eltern ist, nicht wahr? Lass uns draußen ein wenig spazieren gehen, dann werde ich dir alles in Ruhe erzählen."
Baltasar nahm meinen Arm und wollte mich mit nach draußen ziehen, als ich noch einmal kurz stehen blieb.
"Warte!"
Ich drehte mich noch einmal zu dem Weihnachtsmann und den drei Elfen um,
"Das ist das schönste Geschenk, das ich jemals bekommen habe. Danke!", sprach ich, während eine Träne meine Wange hinunterlief.
Sie lächelten mich nur glücklich an und ich wandte mich wieder Baltasar zu.
"Jetzt können wir gehen", sagte ich und gemeinsam verließ ich mit meinem Bruder die Basis.
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