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Gefangen unterm Mistelzweig

von doedsruna
Kurzbeschreibung
KurzgeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P12 / Gen
Hermine Granger Severus Snape
13.11.2016
13.11.2016
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Hallo zusammen!
Ich habe an dem Wichteln „Misteln überall“ von Gwenny Lovegood teil genommen. Es sollte darum gehen, dass zwei Personen unter einem Mistelzweig „eingeschlossen“ sind und ihn erst „verlassen“ können, wenn sie sich geküsst haben. Mit dem Pairing habe ich mich zwar noch nie auseinander gesetzt, aber ich habe es einfach mal versucht. Ich hoffe es ist im Sinne meines Wichtelkindes RedRubi gewesen :)
Viel Spaß und liebe Grüße

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Pairing: Severus Snape & Hermine Granger
Promt: Alkohol ist keine Lösung
Setting: Ehemaliges Treffen nach dem Sieg über Voldemort in Hogwarts (natürlich an Weihnachten).

Für Hermine war es ungewohnt, wieder durch das Schloss zu laufen. Das letzte Mal hatte sie es getan, als um sie herum Flüche geflogen waren und sie um ihr Leben gekämpft hatte. Immer noch sah sie sich hektisch um, vielleicht hatte ja doch noch ein Todesser überlebt? Vielleicht war ihr Sieg ja auch nur ein Traum gewesen und in Wahrheit wurde sie immer noch gejagt? Vielleicht stand hinter der nächsten Ecke auch ihr Mörder?
Hermine, du bist paranoid geworden! Schalt sie sich in Gedanken und schüttelte kurz den Kopf, um ihre Angst los zu werden. Sie hatte in den letzten Wochen immer wieder mit Angst und Panik zu tun gehabt. Kein schönes Gefühl.
Gerade wieder hatte sie sich umgesehen, bevor sie um eine Ecke gegangen war und erlitt den Schock ihres Lebens, als sie spürte, dass sie gegen jemanden prallte. Fahrig griff sie in Richtung ihres Zauberstabes, ließ davon aber ab, als sie erkannte, gegen wen sie dort gelaufen war. Severus Snape, ehemaliger Schulleiter, der von Nagini fast zu Tode gebissen worden war und von dem man seit mehreren Wochen nichts mehr gehört hatte.
„Professor Snape? Sind Sie etwa auch auf dem Weg zum Ehemaligentreffen?“, fragte Hermine ungläubig. Es war wirklich mutig von ihm, zu einer Veranstaltung von Ordenskämpfern zu gehen, wo sein Ruf noch nicht gänzlich rehabilitiert war.
Das bin ich in der Tat, Miss Granger. Und sie sind auf dem Weg ihr Augenlicht wieder zu finden, oder warum sind sie gerade so unverschämt in mich hinein gelaufen?“, erwiderte Snape kühl. Hermine bemerkte, dass er sich die Haare kurz geschnitten hatte. Dadurch wirkten sein Gesicht und seine Hakennase noch markanter.
„Nein, ich dachte nur… Ich hatte das Gefühl verfolgt zu werden, das ist alles. Wollen wir uns dann nicht weiter auf den Weg machen?“, fragte sie. Ihr war die ganze Situation sehr unangenehm.
Snape deutete nach oben. „Das würde ich gerne, wenn nicht irgendein Scherzkeks diesen Zweig mit einem Fluch belegt hätte, den ich bisher nicht in der Lage war zu brechen“, meinte er sarkastisch. Hermine folgte seinem Finger und erblickte einen Mistelzweig.
Sie runzelte die Stirn, wollte einige Schritte weiter gehen – und prallte gegen eine unsichtbare Mauer, die sie nicht passieren lassen wollte. Das war ein schlechter Scherz, oder? Sie hatte es nicht tatsächlich geschafft, mit ihrem ehemaligen Lehrer unter einem Mistelzweig gefangen zu sein, oder? Die Todesser, die sie hinter sich vermutet hatte, wären wohl ein gnädigeres Schicksal gewesen, befand sie. Sie drehte sich zu Snape um, der einen Flachmann aus seiner Umhangtasche hervor geholt hatte und einen tiefen Schluck nahm.
„Miss Granger?“, fragte er nur und hielt ihr die Flasche hin. Sie winkte ab. Zum einen mochte sie keinen hochprozentigen Alkohol – und danach roch es aus dem Inneren der Flasche gewaltig – zum anderen mochte sie es nicht, die Kontrolle durch ihn zu verlieren.
„Nein danke, Alkohol ist schließlich keine Lösung“, antwortete sie.
„Wenn Sie in Muggelchemie besser aufgepasst hätten, wüssten Sie es. Aber wie Sie wollen. Haben Sie inzwischen zumindest die Lösung für dieses Problem hier gefunden?“, stellte er erneut eine Frage und sie merkte, dass er es rhetorisch meinte.
Natürlich, beide wussten die Lösung auf dieses Problem. Doch gerade die schien eines zu sein. Unter einem Mistelzweig küsste man sich. Nur hatte Hermine nie darüber nachgedacht, ausgerechnet Severus Snape – den Lehrer den sie am wenigsten leiden konnte, auch wenn er etwas von seinem Fach verstand – küssen zu müssen. Die kurzen Haare standen ihm und er war jetzt nicht unglaublich hässlich, die Narben des Kampfes in seinem Gesicht machten ihn fast attraktiv: Aber er war ihr Lehrer gewesen. Und Lehrer hatten aus Schülersicht keine Freizeit und kein Leben außerhalb des Klassenzimmers.
„Ihrem Gesicht nach zu urteilen haben Sie es begriffen, auch wenn es mich nicht gerade schmeichelt, Miss Granger“, holte Snape sie zurück in die Realität.
„Es ist nicht gegen Sie gerichtet, Professor. Sie sind ein guter Zaubertränkemeister und Sie haben sich letzten Endes doch als Held erwiesen… Aber… Nun, Sie sind eben auch mein Lehrer, verstehen Sie?“, versuchte Hermine das Ganze nicht noch peinlicher zu machen, als es sowieso schon war.
„Und Sie Miss Granger sind eine intelligente Schülerin, auch wenn sie manchmal nicht wissen, wann Sie schweigen sollten und für mich ebenso nicht mehr. Dennoch wollen wir irgendwann von hier weg, oder genießen Sie doch meine Anwesenheit, Miss Granger?“, versuchte er die Stimmung auf zu lockern. Diese Seite kannte sie an ihm gar nicht. Konnte Snape denn auch etwas anderes sein, als chronisch mies gelaunt? Oder tat er in diesem Moment einfach nur so, als ob er es nicht wäre?
Hermine ging auf ihn zu und beide sahen sich an. So dicht hatte sie noch nie vor ihm gestanden und es war ungewohnt, ihn aus diesem Winkel zu betrachten. Gleichzeitig war es auch merkwürdig, ihn außerhalb der Rolle als Lehrer zu sehen. Sie waren einfach nicht mehr in diesen Rollen, sie hatten sich aufgelöst mit dem Moment, in dem Hermine nicht mehr zur Schule gegangen war.
Sie schloss die Augen und spürte den Atem des anderen auf ihrem Gesicht. Lippen berührten die ihren. Rissige, raue Lippen drückten sich auf ihre zart geschminkten. Ein merkwürdiges Gefühl, ein sehr merkwürdiges Gefühl jemanden einfach nur so zu küssen. Sie spürte, dass ihr Herz schneller schlug und sie merkte, wie es kälter wurde, als sich Snape zurück lehnte. Hermine öffnete die Augen und blinzelte.
Sie traten unter dem Zweig hervor, der die beiden frei gegeben hatte. Schweigend gingen sie nebeneinander her und sagten kein Wort. Es war fast eine peinliche Stille und niemand wollte etwas reden, sie wollten nur zu diesem Treffen gehen.
„Professor – dürfte ich wohl doch etwas aus ihrem Flachmann haben?“, fragte Hermine mit einem Mal und sie wurde sich erst ihrer Worte bewusst, als sie diese aussprach.
„Ich dachte, Alkohol sei keine Lösung?“, konterte Snape und ein spöttisches Lächeln stahl sich auf seine Lippen.
„Nun, Milch ist es auch nicht“, entgegnete Hermine und beide blieben stehen. Für einen kurzen Moment sahen sie einander an, sahen sich bewusst in die Augen. Dann lachte Snape das erste, ehrliche Lachen, das Hermine jemals von ihm gehört hatte und reichte ihr die Flasche.
Der Mistelzweig hatte keine Liebenden zusammen geführt, doch er hatte dafür gesorgt, dass auch nach langen Jahren Versöhnung möglich war.
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