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Ouvertüre und erster Akt

Kurzbeschreibung
GeschichteAllgemein / P16 / Gen
Francis "Frank" Underwood Zoe Barnes
13.11.2016
13.11.2016
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Erster Akt



“Are you cared for?”
“How do you mean?”
“Do you have a man who cares for you? An older man.”
“No.”
„But you’ve been with older men before.“
„Yes.“
„Then you know they hurt you. And after they hurt you, they discard you.“
„You can’t hurt me.“



Warum sie gesagt hatte, er könne sie nicht verletzten, wusste sie nicht wirklich. Vielleicht war es wirklich der Alkohol, der aus ihr sprach, aber hieß es nicht, dass Kinder und Betrunkene die Wahrheit sagten? Oder waren das Kinder und Narren? Wie auch immer.

Sie zweifelte aber wirklich nicht an der Aufrichtigkeit ihrer Aussage. Er konnte sie nicht mehr verletzen. Wie er schon gesagt hatte – sie wusste, worauf sie sich einließ. Und ja, sie war schon verletzt worden. Aber diesmal war es etwas anders. Er war keiner, der sich einschleimte, der schwor, Frau und Kinder zu verlassen, um sie dann nach ein paar Wochen unter Androhung diverser Dinge wegzuschicken. Frank Underwood war ehrlich – das heißt, sie wusste, dass Ehrlichkeit an sich das letzte war, was sie von diesem Mann erwarten konnte, aber etwas sagte ihr, dass es gerade die Härte und Klarheit, mit der er eben zu ihr gesprochen hatte, jeglichen Zweifel an seiner Aufrichtigkeit mit ihr ausmerzten. Er würde sich um sie kümmern, so lange es für ihn ein Genuss und ein Vorteil war. Mehr wollte sie sich gerade nicht wünschen, auf Längeres nicht hinplanen.

Als er sie aufforderte, ihre High Heels auszuziehen, war sie fast erleichtert. Sie hatte sich ein wenig blödsinnig und beschämt gefühlt, wie sie da stand, in den Schuhen, die sie sonst nur anzog, wenn sie sich elegant in der Öffentlichkeit zu zeigen gezwungen war. Ohne den Blick von ihm abzuwenden, der sie so unverwandt ansah, trat sie aus den Stöckelschuhen und ließ sie zu Boden fallen. Jetzt war sie auch wieder kleiner als er, was sich, so erniedrigend das klang, einfach richtiger anfühlte. Er lächelte sein leichtes, süffisantes Lächeln und sie wusste, dass er das Gleiche dachte. Dass es hier und jetzt sich einfach so gehörte, nicht mit ihm auf einer Augenhöhe zu sein.

Sie konnte ihren Blick nicht von ihm abwenden. Zoe wusste, dass sie irgendwie, wie alle Frauen, darauf sozialisiert worden war: ein Mann im Anzug, das Versprechen von Autorität, Kompetenz, Kontrolle, ein symbolisches Abziehbildchen des Patriarchats. Und dann auch noch ein älterer Mann! Gab es denn überhaupt eine Möglichkeit, dieser Traumvorstellung nicht anzuhängen? Waren Hollywoodschauspieler doch oft doppelt so alt, wie ihr weiblicher Gegenpart, während Schauspielerinnen irgendwann über dreißig aussortiert wurden, um Platz zu machen, für Frischfleisch. Also, neue Talente.

All das war ihr bewusst, doch schon vor ein paar Jahren hatte sie sich gesagt, dass, selbst wenn ihre Neigung zu älteren Männern nur ein etwas extrem ausgefallenes Produkt schlechter Hollywoodfilme und klischeehafter Komplexe war, das noch lange nicht hieß, dass sich den Genuss verwehren sollte, der sich ihr oft nur allzu willig darbot. Sie war klug, jung und erfolgreich – nun gut, jetzt gefeuert, aber umso freier – und wenn sie da nicht das Recht hatte, sich einen älteren Mann zu gönnen, der sie hinter den Kulissen zusammenhielt, wer dann?

Wie immer, wie sie es auch von seinen Fernsehauftritten kannte, ließen Frank Underwoods Gesichtszüge nicht zu, dass sie seine Gedanken oder Gefühle erraten konnte. Sie wusste, dass im Gegenzug dazu ihr oftmals viel zu deutlich ins Gesicht geschrieben stand, was sie dachte und fühlte, aber das war jetzt in Ordnung. Sie hatte kein Bedürfnis, irgendetwas vor ihm zu verbergen. Vor allem nicht, dass sie ihm jetzt in dieser Situation vollkommen ausgeliefert war, dass sein Anblick und seine Stimme sie so schwach in den Beinen machten, dass sie sich kaum noch aufrecht halten konnte.

Das schien er bemerkt zu haben, denn er kam in für ihn unerwartet raschen Schritten auf sie zu und packte sie an den Oberarmen. Als sie leise seufzte und sich an ihn lehnte, spürte sie sein Lachen auch durch ihren Körper vibrieren.

„Sie werden doch wohl jetzt noch nicht schlapp machen, Miss Barnes?“
„Können Sie mich jetzt bitte duzen … das ist sonst ein bisschen creepy“, nuschelte sie gegen seine Brust und wieder wogte ein Lachen in ihm auf.
„Wie du möchtest. Hallo, Zoe.“
„Hey, Frank.“

Sie richtete sich wieder auf und trat einen Schritt von ihm weg. Gleich bei der ersten Berührung fast in Ohnmacht fallen, weil sie so überwältigt war, war dann doch ein wenig erniedrigender als sie sich gewünscht hätte. Aber er roch auch verdammt gut. Nach Schweiß, irgendeinem Aftershave und nach Mensch. Zum Glück hielt er sie immer noch an den Armen fest, sonst wäre sie wirklich noch zu Boden gesunken.

Um ihm ins Gesicht blicken zu können musste sie ein wenig aufsehen. Er sah zu ihr herunter, schweigend, abwartend, als müsse sie ihm irgendein Zeichen geben. Dann tat er etwas, das sie nicht erwartet hatte: ganz kurz beugte er sich nach vorne und drückte ihr einen Kuss auf die Stirn. Sie öffnete den Mund um etwas zu sagen, ihr fiel nichts ein, doch das war in Ordnung, denn nun brachte Frank wieder Bewegung in die Situation, in dem sie in Richtung Schlafzimmer führte. Zoe klammerte sich nun an seinem Arm fest, nicht, weil sie wirklich so wackelig auf den Beinen war, sondern weil sie ihn berühren wollte. Sein Körper war selbst durch den Hemdstoff warm, und sie wollte sich an ihn pressen, da ihr im Trägerkleidchen doch etwas kühl war, doch dazu war sie noch zu schüchtern. Sie spürte, dass hier und jetzt jegliche Initiative von ihm ausgehen musste.

Am Bett angekommen, als er sie nach unten drückte und erwartungsvoll auf sie herunter sah, bemerkte sie wieder die Tatkräftigkeit die sie von ihm erwartet hatte und ein Stöhnen entrann ihr. Er kniete sich über sie, ein Bein zwischen ihren Beinen und schob ihr Nachthemd hoch, bis er seine Hand auf ihren nackten Bauch legen konnte. Die Berührung war zu leicht, um nicht frustrierend zu sein, und als sie wieder stöhnte schlich sich ein triumphierendes Lächeln auf sein Gesicht. Er ließ seine warme Hand auf ihrem Bauch ruhen und beugte sich nun nach vorne, um ihr Dekollete mit zunächst sanften doch dann fordernder werdenden Küssen zu bedecken. Nun stöhnte auch er, doch die verdammte Hand blieb weiterhin ruhig liegen. Ungeduldig schob Zoe nun ihre rechte Hand zwischen ihre Beine, während sie mit der linken versuchte, Franks in die gleiche Richtung zu zerren. Augenblicklich hörten die Küsse auf und er grinste ihr nun direkt ins Gesicht: „Das lässt du schön bleiben! Deine Hände gehören da nicht hin, dafür bin ich heute zuständig.“ Seine Stimme war gespielt streng, doch der Griff, mit dem er nun beide ihrer Hände in seiner linken Hand über ihrem Kopf festhielt, war hart und unnachgiebig.

Zoe wimmerte und streckte ihm ihren Unterkörper entgegen. Frank küsste sie nun auf den Mund und sie spürte sein Lächeln gegen ihre Lippen. Seine rechte Hand war unterdes zwischen ihren Beinen beschäftigt, und anscheinend gefiel es ihm, wie sie sich feucht, verzweifelt, stöhnend gegen seine Bewegungen presste, denn auch ihm entfuhr ein tiefer lustvoller Seufzer und sie spürte, dass er in einer Welle der Erregung fast auf sie gefallen wäre. Auch wenn in ihrem Kopf nicht mehr Platz für viele Gedanken war, spürte Zoe ein diffuses Gefühl der Erleichterung, dass auch Frank Kontrollverlust kannte und nicht immer ganz Herr über Geist und Körper war. Sie umfasste mit beiden Armen seinen Oberkörper und versuchte ihn immer näher zu ziehen, jeder Hauch Abstand zwischen ihnen war eine leere Stelle zu viel. Er stieß ein stöhnendes Lachen aus: „Gib‘ mir noch ein wenig Platz, meine Hose aufzumachen, Liebes, ja?“ Es fiel ihr fast schwer, ihm genug Bewegungsspielraum zu geben, so sehr war sie damit beschäftig, ihn mit Armen und Beinen zu umschlingen. Schließlich jedoch hatte er das Gerangel erfolgreich beendet und konnte, erst vorsichtig doch dann mit kräftigeren Stößen in sie dringen. Zoe entfuhr eine Mischung aus Wimmern und Schrei und sie drückte ihr Gesicht an seine Brust, um den Lärm ein wenig abzudämpfen. Jahrelang in einer Wohnung mit solch dünnen Wänden zu leben hatte sie auf solche Gesten der Höflichkeit konditioniert. Sie klammerte sich an ihn und er hielt sie so fest, dass kein Bewegungsspielraum blieb, während die Wogen in ihrem Körper langsam abebbten.

Auch danach hielt er sie noch. Nicht so fest, als könne sie ihm sonst unbedacht entgleiten, aber fest genug, als dass sie sich fixiert fühlte, auf das Hier und Jetzt mit ihm, auf die Wärme seines Körpers und seinen Geruch. Sie fühlte sich viel zu gut, das dachte sie selbst, wollte sich zur Vorsicht mahnen und warnen, dass er bestimmt gleich aufstehen und gehen würde. Doch das passierte nicht. Er zog sie nur noch näher an sich heran und seufzte tief, während er mit einer Hand ihren Kopf und mit der anderen ihren Rücken streichelte.


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I got a taste for men who're older
It's always been so, it's no surprise

(aus Lana del Reys 'Cola')

Prompt aus dem Kinkster's Paradise-Ficathon.
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