Jonas und Ruben

GeschichteAllgemein / P18 Slash
Jonas Neumann
12.11.2016
19.12.2017
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Hallo an Alle! Danke für all die lieben Commis, ich habe mich sehr gefreut!
Ja ein Beta-Leser wäre super, aber im Moment will ich mir keinen Suchen, weil wenn ich ein Chap fertig hab, will ich es auch hoch stellen, den neben bei schreibe ich an meinem Dritten Buch und der Verlag wartet! ;-) So, da ihr die Serie alle schaut, muss ich nicht groß was erklären. Das was unterstrichen und kursiv ist, sind übrigens Whatts app Nachrichten! :D

Kapitel 2

Jonas stieg unten ins Auto, wo seine Mutter schon auf ihn wartete. Er schnallte sich an und schob dann den Sitz etwas nach hinten um sein Bein ausstrecken zu können. Eigentlich sollte er sich freuen, endlich kam er nach Hause, aber die Freude war getrübt. Er hatte Hugo, Leo und Toni zurück gelassen. Und Ruben, den er geküsst hatte. Selig lächelnd fuhr Ruben sich mit den Fingerspitzen über die Lippen. Der Kuss war toll gewesen. Ganz sanft.

Seine Mutter erzählte ihm irgendwas aber er hörte gar nicht richtig zu. Wie würde es sein, wieder zu Hause zu wohnen. Einen anderen Tagesablauf zu haben? Wieder zur Schule zu gehen und wie würden seine Klassenkameraden auf ihn reagieren, wenn er mit seinem neuen Bein ankam?
„Jonas! JONAS!“ Erschrocken blickte Jonas hoch. „Wir sind da!“, seine Mutter deutete auf ihr Haus, welches am Stadtrand von Dortmund stand. Jonas öffnete die Autotür und stieg vorsichtig aus. Alles war irgendwie vertraut und doch so fremd. Dabei war er nur vier Monate in der Klinik gewesen. Er nahm seinen Rucksack aus dem Kofferraum und ging dann zum Eingang. Drinnen sah fast alles aus wie immer, aber die Türen waren alle breiter. Auch die von seinem Zimmer. Dort hatte sich aber nicht viel verändert. Das neue große Bett, hatte er schon seid einem Jahr, in sein altes hatte er beim besten Willen nicht mehr gepasst, jetzt war es 2x2 Meter groß. Sein Computer stand auf dem Schreibtisch und es waren neue Blumen auf der Fensterbank. Aber sonst, sah alles aus wie immer.
„Wie fühlt es sich an?“, hörte er seine Mutter hinter sich fragen.
„Es ist immer noch das selbe Zimmer. Aber ich bin nicht mehr der selbe. Ich hab mich verändert im Krankenhaus.“
„Pack am besten erst mal aus. In zwei Stunden gibt es Mittag.“ Jonas setzte sich auf sein Bett und streckte die Beine aus. Wieder zu Hause und es fühlte sich nicht so gut an wie erwartet.

Er räumte seine Sachen in den Schrank, bezog das Bett und brachte sein Duschgel und die Zahnbürste wieder ins Bad. Hier stand ein Duschstuhl, damit er gefahrlos duschen konnte. Den das Technobein durfte nicht ins Wasser. Wenn man schwimmen wollte, musste man sich eine spezielle Prothese für den Schwimmsport anfertigen lassen. Oder es einfach mit einem Bein versuchen.

Im Krankenhaus saß Leo unterdessen bei Dr. Hein im Arztzimmer. Der Arzt hatte keine glückliche Miene, dafür das es zu ernst. Leo's Werte hatten sich wieder verschlechtert.
„Tja, Leo. Leider sind deine Werte wieder massiv in den Keller gerutscht. Ich lege dir gleich einen Zugang und du kriegst erstmal intravenös etwas. Dann gucken wir mal wie es in den nächsten zwei bis drei Tagen aussieht. Sollte es dann nicht besser werden, müssen wir noch mal ein CT machen und wenn du wieder Flecken auf der Lunge hast, bleibt uns nur eine Möglichkeit.“ Leo zuckte regelrecht zusammen. Er sollte noch eine Chemo machen? Das wäre seine 6. Jetzt fühlte er sich endlich wieder einigermaßen gut und fit, aß vernünftig und hatte sich sogar an Heins Anweisung gehalten und war nur mit dem Rollstuhl unterwegs gewesen.
„Das klingt nicht gut“, hörte Leo seine eigene Stimme.
„Ist es auch nicht. Aber wir versuchen es erst mit Medikamenten. In drei Tagen ist dann ein CT. Lass den Kopf nicht hängen. Das wird schon.“

Dr. Hein, legte Leo einen neuen Zugang und gab ihm das erste mal das Mittel. Danach war Leo erstmal entlassen. Er fuhr zu Toni und Hugo ins Zimmer, den  zu ihn aufs Zimmer zog ihn nichts, da er jetzt wieder alleine war.
„Hey Hugo“, er fuhr das an des Bett von ihrem guten Geist und griff nach dessen Hand. „Wie geht’s dir?“ Hugo hob brav den Daumen um zu zeigen, das es ihm gut ging. „Wenigstens dir geht es gut. In den nächsten paar Tagen hab ich etwas mehr Zeit für dich? Brauchst du etwas? Ein Buch? Musik? Ich kann dir gerne was vorlesen wenn du magst.“
„Narnia“, flüsterte Hugo.
„Narnia? Welcher Teil?“ Hugo hob einen Finger in die Luft. „Den ersten?“, vergewisserte sich Leo.
Hugo nickte schwach. „gut, dann Narnia. Ich werde das Buch mal in der Krankenhaus Bibliothek suchen gehen. Dann hab ich was zu tun und Hein steigt mir nicht aufs Dach weil ich mich ja überanstrengen könnte.“ Leo holte später wie versprochen das Buch aus der Bibliothek und las Hugo die ersten zwei Kapitel vor. Dabei schlief Hugo ein und Leo machte das Kopfteil von dessen Bett wieder etwas runter und deckte den jüngeren gut zu.

Ruben war auf seinem Zimmer und schrieb Whatts app mit Jonas. Anscheinend hatte der jüngere gerade Mittag gegessen und er wusste nicht wo hin mit sich. Klar, die früheren Hobbys, konnte er nicht mehr machen, solange er noch im Training mit der Prothese stand. Im Moment wäre Skateboard fahren, nur ein Risiko für ihn. Also warf Ruben seinen Laptop an und suchte nach Sport Möglichkeiten für Leute mit Behinderungen und er fand eine ganze Menge. Wobei da klar, nach schwere der Behinderung unterteilt wurde. Fehlte einem einem Gliedmaßen, wie Arm oder Bein spukte der Computer was anderes aus, als für Leute die von der Hüfte abwärts gelähmt waren. Reiten, Fußball, Basketball, Leichtathletik, schwimmen, Klettern und noch einiges mehr, zeigte ihm die Seite an. Er fotografierte sie ab und schickte sie an Jonas.
Jonas an Ruben:
Meine Mutter will gleich mit mir spazieren gehen! Wie alt bin ich? Zwei?

Ruben an Jonas:
Lass sie doch, sie freut sich eben, das du endlich wieder zu Hause bist. Ich gehe gleich auch noch etwas raus in den Park. Der Pfleger kommt gleich.

Jonas an Ruben:
Dann viel Spaß! Genieß die Sonne! 

Ruben sah überrascht auf das Herz das Jonas mit geschickt hatte und es entlockte ihm ein warmes lächeln. Eigentlich war er mehr in Leo verknallt, aber dieses Gefühl ließ im Augenblick immer mehr nach. Jonas hatte sich irgendwie ganz still uns leise in sein Herz geschlichen. Also schrieb er brav zurück.

Ruben an Jonas:
Danke das werde ich. 

Jonas erhielt die Nachricht und sah überrascht das Ruben ebenfalls ein Herz hinter seine Nachricht gemacht hatte. Er grinste und steckte das Handy gut weg. Der Weg durch ihre Wohngegend, war für Jonas enorm anstrengend. Zwar hatte er gute Fortschritte gemacht, aber hier musste er auch immer mal wieder raus und runter gehen und das schlauchte ungemein.
„Morgen ist wieder Schule für dich“, erklärte ihm seine Mutter gerade. Das würde ein Mittwoch sein. „Deinen Stundenplan hab ich schon und auch alles besorgt was du brauchst, also Mappen, Stifte und Blöcke. Die Bücher kriegst du in der Schule.“
„Schule. Juhu.“
„Ich dachte du freust dich auf die Schule. Immerhin warst du auch im Krankenhaus im Unterricht.“
„Ja, aber da hat sich keiner darum geschert das ich ein Bein weniger hab, ich wurde nicht angestarrt wie das achte Weltwunder.“
„Aber du hast da Freunde?“
„Welche Freunde? Du meinst die, die mich nicht einmal besucht haben, während der vier Monate? Ja stimmt, tollte Freunde.“ Mürrisch ging Jonas weiter. Das konnte ja spaßig werden morgen.

Vor dem Schulgebäude standen seine ganzen Klassenkameraden und warteten auf den Lehrer, als Jonas dort ankam. Er stellte sich etwas abseits, er wollte keine Aufmerksamkeit und Mitleid schon gar nicht. Der Lehrer kam und sah Jonas sofort und ging aus ihn zu.
„Hallo Jonas“, er reichte ihm die Hand, die Jonas ergriff. „schön das du wieder da bist. Komm rein.“ Er folgte seinem Lehrer und ignorierte seine Klassenkameraden. Der Lehrer wies ihm einen Platz in der ersten Reihe zu und bat sie dann ihre Sachen heraus zu holen. Die ersten Stunde war gleich Mathe und jetzt war Jonas, Alex echt dankbar, das er ihm damals geholfen hatte. Den hier hatten sie jetzt den Stoff den sie im Krankenhaus schon gehabt hatten und er konnte ein bisschen glänzen, als er die Formel erklärte. Auch Erdkunde danach, verließ recht friedlich, erst als es zur großen Pause klingelte, kamen die anderen auf Jonas zu und wollten wissen wie es ihm geht, doch Jonas wurde das zu viel.
„Leute! Mir fehlt ein Bein, das ist scheiße und ich will das ehrlich gesagt, nicht mit euch diskutieren, weil ihr es eh nicht nachvollziehen könntet. Also hört auf zu Fragen.“ er schnappte sich sein Buch und zog seine Jacke über und setzte sich draußen in eine Ecke um was zu lesen. Während er las, piepte sein Handy.

Ruben an Jonas:
Morgen! Wie ist der erste Schultag bis lang? Lassen sie dich in Ruhe?

Jonas an Ruben:
Hey! Ne sie sind alle neugierig und nerven. Ich sitze jetzt in einer Ecke und lese. Was machst du gerade?

Ruben an Jonas:
Ich hab gleich Physiotherapie. Mal schauen was der Therapeut sagt. Bis später, lass dich nicht ärgern! ♥

Jonas an Ruben:
Bis später! ♥

Jonas stellte das Handy wieder lautlos und ließ es zurück in seine Tasche gleiten. Endlich klingelte es und die Pause war um. Die restlichen Stunden liefen an ihm vorbei, wie ein Film. Erst als seine Mutter ihn abholte um ihn in die Klinik zu fahren, erwachte er aus seiner Trance.
„Und wie war der erste Tag?“, wollte sie wissen.
„Scheiße. Die sind alle penetrant, neugierig und wissen nicht wo die Grenze ist.“
„Na komm. Du warst lange weg, klar das sie da neugierig sind.“
„Es geht sie aber nichts an, verdammt.“

Im Krankenhaus, sah sich der Arzt Jonas Bein an und schickte ihn dann zur Physiotherapie. Dort machten sie ein paar Übungen zum Muskelaufbau und sie übten das Treppensteigen.
„Sehr schön Jonas“, der Therapeut war sehr zufrieden mit ihm. „Mach nur regelmäßig Pausen, bitte. Nichts ist schlimmer, als wenn du übertreibst. Jetzt kannst du endlich laufen, das soll auch so bleiben.“
„Das heißt zu Hause, auf dem Sofa, einfach mal die Prothese abmachen?“, fragte Jonas.
„Genau. Oder wenn du Hausaufgaben machst. Nimm sie einfach für zwei Stunden ab. Hast du Krücken zu Hause?“
„Nein.“
„Dann gebe ich dir welche mit. Das mit den zwei Stunden meine ich sehr ernst.“ Jonas durfte sich eine Farbe aussuchen und entschied sich für rot.
„Dann komm am besten nächste Woche wieder her. Wir schauen uns das in Ruhe an. Brauchst du noch irgendwelche Medikamente?“
„Ne ich hab noch ein bisschen was. Das reicht noch bis nächste Woche.“

„Und was sagt der Arzt?“, seine Mutter kam ihm sofort entgegen.
„Alles gut. Der Stumpf sieht gut aus.Nächste Woche muss ich wieder hier her. Kann Ruben dann am Wochenende zu mir kommen? Wir wollen in die Stadt.“
„Wer ist Ruben?“
„Ein Patient aus dem Krankenhaus. Wir haben uns angefreundet und Frau Doktor Reusch hat auch nichts dagegen, wenn ich ihn für zwei Tage entführen würde.“
„Ach Jonas. Warum lädst du nicht lieber ein paar Klassenkameraden ein?“
„Weil ich kein Bock hab, auf diese Gestalten. Deshalb. Ruben ist nett und er muss mal raus. Wir wollen Shoppen gehen und vielleicht ins Kino.“
„Warum hängst du immer noch so an den Leuten im Krankenhaus?“, seine Mutter verstand ihn einfach nicht.
„Weil das wirklich Freunde sind, wir haben zusammen viel durch gemacht. Heimliche Spray Aktionen in der Onkologie, Leo begleitet, Hugo aufgeweckt, ein Basketballturnier gewonnen. Nachts Zug gefahren.“
„Zug gefahren?“
„Ja, so ein Kinderzug wie auf dem Jahrmarkt. Der stand oben in einem leeren Stockwerk. Das hat total Spaß gemacht. Ich vermisse meine Freunde. Leo, Hugo, Toni, Ruben und sogar Emma. Es war schon eine tolle Zeit, auch wenn sie nicht immer so schön war.“
„Von mir aus kann dieser Ruben kommen. Soll ich dich hinfahren?`
„Wäre super. Ruben sitzt im Rollstuhl.“

Leo saß unterdessen bei Hugo im Zimmer. Allerdings auf einem normalen Stuhl, den Sabine ihm netterweise hin gestellt hatte. Er las dem jüngsten ihres Bundes wieder einmal der König von Narnia vor, während Toni Dienst auf der Kinderstation hatte. Ihm ging es leider nicht besser und er merkte es inzwischen. Manchmal bekam er schlecht Luft. Und in der Nacht, hatte er tatsächlich um Sauerstoff gebeten, da er dachte, gleich keine Luft mehr zu bekommen. Vor allem, war er einsam, seid Jonas nicht mehr da war. Jonas war für ihn wie ein Bruder und außerdem war er sein bester Freund und jetzt war der Jüngere zu Hause in seinem alten Leben. Leo zückte sein Handy und schrieb an Jonas.

Leo an Jonas:
Hey Kleiner, hoffe du bist gut zu Hause angekommen? Wie war die erste Nacht ohne mich? ;-) Was macht die Schule? Bist du mit gekommen? Waren sie alle nett zu dir? Wenn nicht gibt es ärger! Vermisse dich!

Er drückte auf Senden und nahm sich dann wieder der Geschichte an.
„Leo“, krächzte Hugo leise und sah seinen Anführer an.
„Was den, Kleiner?“
„Durst.“ Leo, legte das Lesezeichen ins Buch, holte Hugos Becher und hielt ihn dem Jungen an den Mund. Hugo trank was drinnen war und wollte danach noch mehr.
„Ist ein gutes Zeichen, wenn du wieder mehr trinken willst. Was ist mit Essen? Hast du schon Hunger?“
„Bisschen.“
„Ich hole dir was. Deine Mutter hat Gläschen besorgt.“ Leo grinste ein bisschen, die Idee von Sabine hatte ihm gut gefallen. Was Babys Essen durfte, durfte auch Hugo. Vor allem war es gut portioniert und püriert. Leo holte ein Glas raus, stellte das Ding in den Wärmer und holte schon mal einen Löffel hervor und ein Tusch und legte es Hugo über die Brust.

Als Sabine zehn Minuten später kam, sah sie durch das Fenster wie Leo vorsichtig Hugo fütterte. Ihrem Sohn schien es zu schmecken. Sie ließ die beiden Jungs noch ein bisschen für sich und ging in Ruhe eine Rauchen und ein bisschen die Sonne genießen.

Jonas hatte unterdessen die Nachricht von Leo bekommen. Schön das der andere an ihn dachte, auch wenn sie sich gestern echt gezofft hatten. Er überlegte einen Moment was er schreiben sollte und tippte los.
Jonas an Leo:
Hallo mein herzallerliebster Anführer! :-) Mir geht es gut, nur die Schule war scheiße. Die haben sich alle auf mich gestürzt, als sei ich Michael Jackson. Es ist komisch wieder zu Hause zu sein. Ihr fehlt mir ganz doll. Klar ist es schön zu Hause, aber die alten Freunde die ich mal hatte, die hab ich nicht mehr. Außerdem ist es total blöd, das wir so weit weg wohnen. Ich kann leider nicht wie Emma jeden Tag vorbei kommen. Was ist den mit Dir? Was sagen die Ärzte? Wie geht es Hugo und Toni? Hab dich lieb Bro!

Jonas drückte auf senden. Er saß in seinem Zimmer und wusste nicht wohin mit sich. Im Krankenhaus war immer Programm gewesen. Entweder durch Untersuchungen, das Lauftraining, Clubtreffen oder den Unterricht. Jetzt hatte er nur noch Unterricht und enorm viel Freizeit. Skateboard fahren konnte er erstmal nicht mehr. Er nahm sich sein Buch vom Nachttisch und las weiter der Hobbit, aber wirklich ablenken, tat ihn das nicht. Er war es nicht gewohnt so viel Ruhe zu haben. Er brauchte Bewegung, aber der Arzt hatte ja zwei Stunden Pause mit der Prothese verordnet.

Plötzlich klingelte sein Handy. Ruben, stand im Display.
„Hey Ruben“, lächelte Jonas und lehnte sich zurück.
„Hey. Was machst du gerade?“
„Ich versuche mich zu beschäftigen. Aber alleine ist das gar nicht so einfach. Und ich soll am Tag, zwei bis drei Stunden ohne Prothese herum laufen um den Stumpf zu schonen, ich hab extra Krücken bekommen dafür.“
„Naja, aber das ist doch nicht tragisch. Du darfst es halt nicht übertreiben.“
„Tue ich nicht. Hab ja gesehen, wohin das bei Leo geführt hat. Wie war dein Ausflug in den Park?“
„Schön. Die Sonne genossen, ein Eis gegessen.“
„Am Wochenende können wir länger raus und auch ohne Pfleger. Also wir fahren erst shoppen und danach gehen wir Essen und anschließend ins Kino. Die haben Säle die sind Barrierefrei.“
„Klingt gut. Im Kino war ich ewig nicht. Läuft was gutes?“
„Ja, kennst du Dr. Strange?“
„Klar, wenn du den Comic meinst?“
„Meine ich. Der Film ist mit Benedict Cumberbatch und soll richtig klasse sein. Das wäre das Programm für Samstag. Und Sonntag hatte ich an Brunchen gedacht.“
„Bin voll dabei.“
„Also ich bin Freitag gegen fünfzehn Uhr im Krankenhaus, dann will ich kurz zu den anderen und gegen 17 Uhr können wir los. Aber ich will Hugo, Toni und Leo noch kurz sehen. Passt dir das?“
„Klingt gut. Bis dahin müssten die Ärzte bei mir durch sein, für das Wochenende.“ Ruben war ganz zuversichtlich, dass das klappen würde.

Am Freitag war Jonas pünktlich im Krankenhaus. Seine Mutter wollte sich mit Sabine treffen, was ihm nur Recht war, sie hatten jetzt eh ein Clubtreffen, wo allerdings Emma nicht dabei war, wie Leo ihnen mitteilte. Sie war nach Berlin gegangen.
„Was macht dein Bein, Leo?“, wollte Jonas wissen. Er saß bei Hugo auf dem Bett und hielt die Hand des jüngeren gut fest.
„Geht so?“
„Nix geht so“, mischte sich Toni ein. „Es geht ihm gar nicht gut. Hein gibt ihm momentan intravenös Medikamente. Und es sind wohl wieder ein paar Flecken auf der Lunge zu sehen.“
„Warum hast du den nix gesagt?“, Jonas sah ihn entsetzt an.
„Ich dachte du kommst nicht mehr“, nuschelte Leo. Noch nie, hatte Jonas ihren Anführer so kleinlaut erlebt.
„Leo, ich hab es dir versprochen und ich halte mich daran. Aber ich wohne nun mal nicht um die Ecke. Wenn ich zu Fuß kommen müsste, bräuchte ich fast 90 Minuten mit Bahn und Bus. Das heißt ich schaffe es nur am Wochenende. Und selbst da muss ich im Augenblick gucken wie ich es schaffe. Sonntag bin ich aber wieder hier.“ So gegen 15 Uhr denke ich, dann hab ich etwas Zeit.“
„Was machst du den am Wochenende?“, wollte Toni jetzt wissen.
„Ich kriege Besuch und der bleibt bis Sonntag gegen Mittag.“
„Ruben besucht dich, oder?“, fragend sah Leo ihn an.
„Ja, tut er. Und bevor du jetzt wieder Eifersüchtig wirst, spare es dir. Das zwischen Ruben und mir ist was anderes, als zwischen uns. Ihr seid für mich wie Brüder. Die beiden Freunde die man haben kann. Ruben steht da auf einem anderen Blatt.“
„In wie weit?“, Leo war neugierig.
„Leo, manche Sachen, kann ich dir nicht erzählen, ohne das Vertrauen von jemandem zu verletzten. Wenn du was von Ruben wissen willst, dann frag ihn selbst!“
„Nein“, demonstrativ verschränkte Leo die Arme vor der Brust.
„Sei nicht so bockig Leo“, schimpfte ihn jetzt Toni. „Ruben verdankst du dein Bein. Da könntest du doch etwas dankbarer sein.“ Leo musste zwar zugeben das Toni recht hatte, schmecken tat ihm das trotzdem nicht.

Sie redeten noch eine ganze Weile, bis er schließlich hoch musste um Ruben abzuholen. Jonas umarmte sie alle, Hugo bekam ein Kuss auf die Stirn, dann lief er zum Aufzug.

Ruben wartete oben schon auf ihn. Seine Tasche stand gepackt neben ihm und der Arzt gab ihm gerade noch seine Tabletten.
„Bitte auch nehmen und am Montag, fangen wir dann mit der neuen Therapie an.“
„Hoffentlich bringt es mal was.“
„Hey Du“, machte sich Jonas bemerkbar und Ruben fuhr herum.
„Hey. Du bist ja pünktlich.“ Jonas nahm in in den arm und drückte ihn fest.
„Natürlich. Was ist das für eine neue Therapie? Sorry, ich wollte nicht lauschen.“
„Eine neue Behandlungsmöglichkeit aus den USA. Vielleicht bringt es was. Die experimentelle Phase ist abgeschlossen und die Nebenwirkungen wurden beseitigt, so gut es ging. Das wird bei Patienten gemacht, die halt gelähmt sind und keiner weiß wo es her kommt. Also wo man einen Schlaganfall, Unfall und so weiter, ausschließen kann.“
„Aber?“
„Naja, das Medikament ist in Deutschland nicht zu gelassen. Es ist hier noch in der Testungsphase. Also bin ich so zusagen Proband.“
„Hauptsache dir wird endlich geholfen. Hast du alles?“
„Ja“, Ruben deutete auf seine Tasche, diese nahm Jonas und stellte sie auf Rubens Schoß, dann griff er nach den Griffen des Rollstuhls.
„Du nimmst die Tasche und ich schiebe dich“, beschloss Jonas lächelnd.

Schnell waren sie unten, der Rollstuhl im Kofferraum verstaut und Ruben und Jonas saßen auf der Rückbank. Ruben genoss die Aussicht, selbst als sie auf der Autobahn waren. Jonas Hand schlich sich langsam über die Polster, bis sie schließlich Rubens erreicht hatte und diese sanft festhielt. Der Ältere sagte nichts dazu, verschränkte nur ihre Finger mit einander.

Daheim zeigte er Ruben alles wichtige. Das Badezimmer, sein Zimmer, Wohnzimmer, Küche und den kleinen Garten. Ruben war einverstanden bei ihm im Zimmer zu übernachten, leider war seine Mutter von der Idee nicht ganz so angetan. Während Ruben sein Zeug auspackte, nahm sie Jonas zur Seite.
„Das gefällt mir nicht Jonas. Runen will doch was von dir und dann schläft er auch noch mit dir in einem Zimmer.“
„Mama, wenn ich ne Freundin hätte, würde die auch bei mir schlafen. Dann würdest du dir sorgen machen, das ich unvorsichtig bin und das Gummi vergessen könnte. Aber bei Ruben kann ich dich beruhigen, er kann nicht über mich herfallen und schwanger kann er auch nicht werden.“
„Das ist nicht witzig! Was ist wenn er mit dir schlafen will und dir weh tut?“
„Hast du es mit den Ohren?“, wollte Jonas jetzt aufgebracht wissen. „Ruben ist gelähmt, da ist Sex nur sehr eingeschränkt möglich und ich denke ich bin alt genug um ihm zu sagen, wenn mir was weh tut.“
„Warum schläft er nicht im Gästezimmer?“
„Weil ich es nicht möchte“, erklärte ihr Jonas und versuchte ruhig durch zu atmen. „Ruben ist mir wichtig, gewöhne dich dran.“ Er hörte es klappen und drehte seiner Mutter den Rücken zu als er Ruben hörte.
„Bin fertig so weit. Können wir ne Runde raus.“
„Klar, na los.“

Ruben lehnte sich entspannt zurück, während Jonas ihn schob. Er zeigte ihm sein Viertel, die Schule, Supermarkt, Bank, in der sie gleich halt machten, damit Ruben Geld holen konnte, sie gingen auch schon Schuhe kaufen.
„Es tut so gut, mal wieder draußen zu sein“, Ruben schob sich die Sonnenbrille auf die Nase. „Und endlich mal wieder vernünftigen Kaffee.“ Jonas lächelte. „Zeigst du mir mal wo du früher so gewesen bist? Du bist doch Skateboard gefahren.“
„Ja, aber da zieht es mich nicht hin. Kann ich ja eh noch nicht.“
„Echt? Aber du stehst doch schon wieder recht sicher.“
„Ja, stehen und laufen, aber das Gleichgewicht auf einem wackeligen Brett zu halten, ist was anderes.“
„Dann zeig mir wenigstens die Skateranlage. Bitte! Ich war schon so lange nicht mehr draußen.“ Jonas ließ sich schließlich überreden.

Sie setzten sich an den Rand und es dauerte nicht lange, bis Jonas ehemalige Freunde auf sie zu kamen.
„Hey, Jonas, du bist zurück!“, freute sich der eine.
„Ja, meine Zeit ist um. Bin ganz froh wieder raus zu sein. Das ist Ruben.“ Er deutete auf seinen Freund.
„Hallo“, sie winkten ihm alle zu, aber alle hielten Abstand, als ob Ruben etwas ansteckendes hätte.
„Willst du auch eine Runde?“, wollte einer seiner Kumpels wissen.
„Ich darf noch nicht. Mein Gleichgewicht ist noch nicht wieder hergestellt“, sagte Jonas, obwohl es ihn juckte wieder aufs Board zu steigen. „Ich gucke euch gerne noch etwas zu.“ Sie blieben noch eine halbe Stunde an der Bahn und fuhren dann nach Hause.

Jonas machte am Abend den Grill an, seine Mutter hatte Steaks besorgt und einen Salat gemacht. Ruben schmeckte es.
„Sag mal, Grillmeister, kriege ich die Steaks auch nur von der Flamme geküsst?“
„Na klar, also noch schön blutig, ja?“
„Genau.“
„Was habt ihr Jungs den morgen vor?“, fragte Jonas Mutter die beiden.
„Shoppen, essen, Kino“, erklärte ihr Jonas. „Wir sind erst spät zurück. Also hast du morgen machen was du willst, wir kommen schon zu recht. Das Wetter soll auch gut bleiben, also steht einem schönen Tag nichts im Wege.“

Zwei Stunden später lagen sie im Bett und hatten ihre Gesichter einander zu gewandt. Ruben strich über Jonas Gesicht.
„Was ist?“, Ruben brach als erster das Schweigen.
„Darf ich dich noch mal küssen? Oder hab ich dich beim letzten mal verschreckt?“
„Nein, hast du nicht. Keine Angst. Du darfst mich gerne noch mal küssen.“ Jonas rutschte näher heran und beugte sich vor. Ruben kam ihm entgegen, bis ihre Lippen sich trafen. Dieses mal brach Jonas den Kuss nicht an und Ruben war auch nicht zur Salzsäule erstarrt. Beide vertieften den Kuss, ganz langsam und schüchtern.

Erst akuter Luftmangel, ließ sie schließlich den Kuss lösen.
„Viel besser, als beim letzten mal“, fand Ruben und lächelte in der Dunkelheit.
„Oh ja. Das war eine glatte zehn.“ Jonas rutschte noch einen Stück näher und schmiegte sich an Ruben. „Okay so?“
„Ja, Schlaf gut.“ Der Jüngere schloss die Augen.

Jonas hatte lange nicht mehr so gut geschlafen. Im Krankenhaus war ja dauernd irgendwas gewesen, oder Leo hatte geschnarcht, wenn er mal wieder erkältet gewesen war. Hier, in Rubens Armen, schlief es sich ganz wunderbar. Leise stand er auf und verließ das Zimmer um schon mal ins Bad zu gehen, er wusste, das Ruben nachher dafür länger brauchen würde. Auf dem Rückweg organisierte er zwei Becher Kaffee, mit je zwei Stück Zucker und brachte sie in sein Zimmer, wo er wieder die Tür schloss. Ruben lag noch im Bett und schlief den Schlaf der Gerechten.
„Hey, Dornröschen, aufwachen!“, Jonas hielt seinem Freund den Kaffeebecher vor die Nase und sah gebannt dabei zu, wie Rubens Nase, anfing zu zucken.
„Kaffee?“
„Ja, genau. Hier, ich hoffe er schmeckt.“ Ruben rieb scih verschlafen die Augen und musste sich erstmal strecken. Dann schob er sich ein Kissen ins Kreuz und lehnte sich an das Kopfende, ehe er sich von Jonas den Becher reichen ließ.
„Hast du gut geschlafen?“, wollte Ruben wissen, nach dem er den Kaffee probiert hatte.
„Ja, sehr gut sogar. Und du?“
„Oh ja. Ich schlafe zwar immer gut, wenn ich nicht im Krankenhaus bin, aber bei dir war es schon sehr gut.“
„Das Badezimmer ist übrigens frei, ich weiß ja nicht wie deine Morgenroutine so aussieht.“
„Pinkeln, Zähne putzen, Duschen, Haare föhnen, anziehen“, grinste Ruben. „Und da es heute ja warm wird, werde ich auch noch etwas Sonnencreme auftragen.“
„Echt, du traust dich ungeschminkt auf die Straße?“, Jonas zwinkerte frech.
„Ausnahmsweise. Außerdem kann ich mich nicht entscheiden zwischen blauem oder lila Lidschatten.“ Jetzt musste Jonas wirklich lachen.
„Sieht bestimmt sehr sexy aus.“

Während Ruben sich fertig machte, war Leo im Krankenhaus bei Hein.
„Also, deine Blutwerte sind besser geworden. Noch zwei Tage und du kriegst dein Bein wieder, aber, nur für eine Stunde am Tag.“  
„Das ist ja super.“
„Ist noch was?“, Hein sah ihn so kritisch an, den er sah, das Leo noch was sagen wollte und er anscheinend nicht wusste wie.
„Naja…. Also da ist ein Kerl auf der Kinderstation, Toni hat von ihm erzählt. Der erzählt den Eltern von dem kleinen Louis, das er keine Chemo braucht und sie es stattdessen lieber mit Kristallen und seinen Selbstheilungskräften versuchen sollen. Außerdem wollen sie den Jungen wohl nach Spanien bringen. Hein, ich bin kein Arzt, aber ein Flug, oder eine lange Autofahrt, mit seinem Immunsystem, kann selbst ich nicht empfehlen.“
„Ja, ich kenne Louis Krankengeschichte. Dabei sind die Heilungschancen eigentlich sehr gut“, meinte Hein. „Ich werde mal mit Frau Doktor Reusch sprechen, den so einfach ein Kind mit nehmen das geht nicht. Das muss im Ernstfall ein Richter entscheiden. Also wenn du siehst, das die gehen wollen, oder Toni was merkt, sofort den Schwestern Bescheid geben, die informieren dann den Sicherheitsdienst.“ Leo nickte nur.

Heins Ratschlag, erwies sich bald als gut. Den schon ein paar Stunden später, kam Toni in sein Zimmer und erklärte aufgebracht, das die Eltern und der Heiler mit Louis das Krankenhaus verlassen wollten. Leo war sofort im Rollstuhl und fuhr nach unten um mit Toni die Familie aufzuhalten und er rief den Schwestern noch zu, das Sicherheitspersonal zu informieren. Leo und Toni erwischten die Eltern, doch diese zeigten sich absolut nicht einsichtig. Auch nicht als Frau Doktor Reusch und Dietz dazu kamen. Doch als Dr. Reusch mit der Polizei und dem Richter drohte, den der müsse das ja entscheiden, gab der Heiler auf und ging.

Doch am nächsten morgen, als Toni das Essen in den Krankenzimmern der Kinder verteilte, sah er das Louis Bett leer war.
„Wo ist Louis hin?“
„Den haben seine Eltern gestern Abend abgeholt“, erklärte ihm der andere kleine Junge im Zimmer. Toni war entsetzt, wie konnte man so unverantwortlich sein. Das Kind war doch schwer krank. Es konnte sterben ohne Medizin. Aber auch Dietz und Dr. Hein, konnten Toni nicht beruhigen.
„Tut uns Leid Toni. Wir haben alles versucht, aber der Richter hat entschieden, das die Eltern, das entscheiden dürfen. Da waren wir machtlos. Wir können nur das besten hoffen“, erklärte ihm Dietz. „Obwohl ich da nicht optimistisch bin.“

Die Traurige Wahrheit kam einen Tag später, als Louis Mutter Abends im Krankenhaus war und bat Leo sehen zu dürfen. Louis war gestorben, an einer Infektion, sein Körper war zu geschwächt gewesen für draußen. Aber er hatte Leo, seinen Stoff Tiger vermacht, den die Mutter Leo jetzt überreichte. Leo nahm das Tier an sich und drückte es ganz fest. Manchmal war das Leben aber auch wirklich scheiße.

Ruben und Jonas hatten sich aufgemacht in die Stadt und waren schon im ersten Laden. Jeans, Pullover, neue Hemden, Socken und ein neuer Duft, stapelten sich schon an der Kasse.
„Und wie kriegen wir das alles nach Hause?“, wollte Jonas wissen. „Selbst unsere Rucksäcke können die Sachen nicht alle fassen.“
„Ach das passt schon. Zur Not, bezahle ich sie und komme später noch mal her auf dem Rückweg. Und im Kino gibt es Schließfächer.“  Jonas fügte sich, widerspruchslos. Wenig später saßen sie in einem schicken Restaurant. Ruben hatte sich Italienisch gewünscht und Jonas hatte das perfekte Restaurant gewusst, vor allem weil es ebenerdig war und sogar ein WC für Rollstuhlfahrer hatte.
„Es ist einfach lecker“, fand Ruben, während er seine Vorspeise aß und sah Jonas verliebt an.
„Ist es. So was gutes gibt es leider im Krankenhaus nicht. Außer man bestellt es sich. Sabine hat neulich für uns alle Pizza bestellt. Das war wirklich gut.“
„Mit Sabine verstehst du dich zur zeit besser als mit  deiner Mutter, oder?“
„Ja! Auf jeden Fall. Sabine war halt jeden Tag da. Hat uns gesehen, uns erlebt, auch was wir für Hugo getan haben.  Ich kann sie auch jeder zeit anrufen, wenn etwas sein sollte, hat sie gesagt. Zu Hause, ist einfach nicht mehr wirklich mein zu Hause. Mein Vater ist ausgezogen und meine Mutter… tja.. sie behandelt mich wie ein rohes Ei. Keine hektischen bewegungen, keine falschen Bemerkungen. Das nervt und die Schule ist genauso scheiße. Alle wollen das Bein mal sehen und anfassen, als ob ich ein Tier im Zoo bin, das man begaffen kann.“ Beschwichtigend legte ihm Ruben die Hand auf den Arm.
„Ach komm. Ich kenne das. Ich war ja damals auch noch draußen und da saß ich schon in diesem scheiß teil. Da war ich plötzlich nur noch der Krüppel und hab nirgendwo mehr zu gehört und Freunde hatte ich plötzlich auch keine mehr, so als ob ich was ansteckendes hätte.“

Den Rest des Abends, sprachen sie nicht mehr über ihre blöden Mitschüler, Krankheiten oder das Krankenhaus. Ruben erzählte von seinen ganzen Reisen, wo er damals mit seinen Eltern so gewesen war. Paris, Rom, Florenz, Barcelona, Washington DC, Atlanta, San Francisco.
„Wir waren früher auch oft weg“, sagte Jonas. „Aber ich bin dabei nicht über Europa hinaus gekommen. Meine Mutter fliegt nicht gerne. Eigentlich wollte ich nächstes Jahr als Austauschschüler nach Schottland gehen.“
„Mach das doch“, sagte Ruben.“
„Können wir uns nicht leisten. Meine Eltern haben die Prothese gezahlt, momentan ist kein Urlaub drin. Ich hab zwar noch ein bisschen Geld, aber das ist für später.“
„Naja, aber du bräuchtest doch nur Flugtickets und Taschengeld, oder?“
„Ja! Geld für die Schuluniform, Süßigkeiten, Bücher und so was.“
„Und wenn ich dich mit Taschengeld ausstatte?“, fragte Ruben. „Du kannst nicht nein sagen. Ich kann das Geld eh nicht alleine ausgeben. Und ich würde damit auch noch was gutes tun. Schottland ist auch nicht so arg weit weg, das heißt ich könnte dich sogar besuchen.“
„Ja, ich muss erstmal eine Familie finden, die ebenerdig wohnt und ein entsprechendes Badezimmer hat.“
„Das kann man doch angeben, oder? Das ist ja wie mit chronischen Krankheiten. Die Gasteltern müssen sich ja auch auf Lebensmittelallergien und Diabetes einstellen können.“

Jonas behielt den Plan im Hinterkopf, Schottland wäre ein Traum für ihn. Die grünen Hügel und alten Burgen. Mal nach Irland rüber fahren mit der Fähre.

Im Kino hielt Ruben Jonas Hand in seiner und sah ansonsten entspannt auf die Leinwand. Er saß ihm Rollstuhl ganz oben und Jonas auf dem Sessel daneben. Sie waren durch einen separaten Zugang vom netten Kinopersonal rein gebracht worden.

Erschöpft kehrten sie spät nach Hause zurück. Jonas stellte noch eine Maschine Wäsche an, damit Ruben morgen schon einen Teil mit ins Krankenhaus nehmen konnte. Sie machten sich schnell fertig und legten sich dann ins Bett. Jonas kuschelte sich wieder an Ruben und schloss die Augen. Morgen war auch noch ein Tag.
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