Tales from the Kamar-Taj [Storysammlung]

von Arielen
OneshotDrama, Humor / P16
Baron Mordo Doctor Strange / Stephen Vincent Strange Kaecilius Schwebemantel The Ancient One Wong
11.11.2016
14.08.2019
21
35945
13
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Titel dieser Geschichte: Arzt vs. Heilerin

Kurzbeschreibung:

Es gibt Momente, in denen man die Krankenstation besser meiden sollte, wenn man nicht lebensbedrohlich verletzt ist, nämlich immer dann, wenn die Meisterin der Heilung etwas zu erledigen hat, dass ihre vollste Konzentration braucht. Meister, Adepten und Novizen wissen normalerweise Bescheid und halten sich an die ungeschriebene Regel nicht ohne triftigen Grund zu stören. Jeder außer einem - Novize Stephen Strange!

Anmerkungen:

Es wurde ja immer mal wieder erwähnt, dass Stephen in den ersten Tagen, in denen er sich im Kamar-Taj aufhielt mit seinen Lehrern aneckte und nicht unbedingt das tat, was er sollte. Dies ist die Geschichte, wie er sich vor allem bei einer Meisterin in die Nesseln setzte.

Und ja, es hat höllischen Spaß gemacht, die Geschichte zu schreiben, den Vorfall in Worte zu fassen, der immer mal nur kurz erwähnt wurde – passend für eine neue Tale.

Viel Spaß beim Lesen!

* * *

So ein Heiltrank kostete viel Aufmerksamkeit, deshalb war Angharad, wenn sie in ihrer „Hexenküche“ hockte, eigentlich so gut wie nicht ansprechbar. Aber natürlich ließ sie auch alles stehen und liegen, wenn wirklich einmal ein Magier dringend ihrer Hilfe bedurfte. Denn die Medizin konnte man noch einmal brauen, ein Menschenleben retten nicht.

In allen anderen Fällen jedoch hieß es vorsichtig sein und besser noch zu warten, oder sich an einen der anderen Heiler und Heilergehilfen zu wenden, wenn denn einer von denen da war.

Diese Erfahrung hatte der dunkelhaarige Novize jedoch noch nicht gemacht und scheinbar auch keine Warnung mitbekommen. Da sonst niemand in der Krankenstation anwesend war, stand er schon eine ganze Weile am Zugang zur Hexenküche und wartete in einer Mischung aus Ungeduld … und Entsetzen auf einen Moment, die Meisterin der Heilung anzusprechen.

Aber in diesem Moment waren die bohrenden Kopfschmerzen tatsächlich vergessen, sein medizinischer Verstand schrie stattdessen bei jeder Zutat, die die Frau in den brodelnden Topf tat, immer weiter auf.

Naturmedizin in allen Ehren, aber das da war einfach nur – er schnappte nach Luft: Panscherei?

Immer mehr war ihm danach einzugreifen, Meisterin Jones zu fragen, was sie da eigentlich tat, und ob sie sich nicht besser auf bereits erprobte Medikamente verlassen sollte. Und irgendwann hielt er es tatsächlich nicht mehr aus.

Ein Räuspern entfuhr seiner Kehle. Die ältere Frau wandte abrupt den Kopf und funkelte ihn an. „Ja? Wenn es kein dringender Notfall ist, dann verziehen Sie sich gefälligst wieder“, sagte sie mit einem drohenden Klang in der Stimme.

„Ähm ich hätte gerne etwas gegen meine Kopfschmerzen.“

„Und deswegen behelligen Sie mich? Gehen Sie zu Ava, sie gibt Ihnen einen Tee.“

„Ich würde eine Tablette vorziehen“, erklärte der Novize. „Ich-“

Weiter kam er nicht! Die Meisterin der Heilung schnaubte und drehte sich zu ihm hin mit einem Blick, der dem eines Basilisken glich. „Raus!“, sagte sie gefährlich leise.

Doch der Mann mittleren Alters straffte nur seine Schultern. „Nun, ich bin selber Arzt und weiß, was ich gegen meine Kopfschmerzen benötige. Und das sind garantiert keine Ihrer seltsamen, stümperhaften Mischungen“, erwiderte er in einem arroganten Tonfall, der seinesgleichen suchte.

Es wurde so still, dass man eine Nadel hätte fallen hören können. Dann erhob sich die Meisterin langsam und kam auf ihn zu und blickte zu ihm auf. „Ach so, wie Sie meinen, Herr Doktor. Nun, dann könnten Sie ja selbst sehen, wie Sie Ihre Kopfschmerzen loswerden, wenn Sie schon Ihre eigenen Diagnosen stellen.“

Ihre Augen funkelten und ließen sich auch nicht von seinem sturen Starren einschüchtern. „Meine stümperhaften Mischungen stehen Ihnen jedenfalls nicht mehr zur Verfügung“, erklärte sie dann mit einem ebenso arroganten Unterton. „Und jetzt raus aus meiner Krankenstation, sonst passiert noch ein Unglück.“

Der Novize überlegte. Bisher kannte er nur einen, der einen ähnlich mordlüsternen Blick besaß und der hatte sich auch nicht beeindrucken lassen. Etwas sagte ihm, dass diese Frau dort vor ihm aber nicht die langmütige Geduld des Bibliothekars besaß, sondern eher das hitzige Temperament einer Kriegerin.

Womöglich meinte sie es ernst.
Okay – sie meinte es ernst!

Aber er war auch nicht bereit, sein Gesicht zu verlieren, so musterte er sie nur mit aller Verachtung, die er besaß und machte auf dem Absatz kehrt, rauschte mit steinerner Miene aus dem Raum und hoffte darauf, dass er bei irgendwem anders eine Tablette abstauben konnte.

Trotzdem war er nicht nur wütend, gleichzeitig liefen auch kalte Schauer über seinen Rücken, fragte er sich, wie eine solche Frau die oberste Heilerin des Kamar-Taj, ja der Magier werden konnte. Denn die sah eher so aus als würde sie Leute umbringen als heilen wollen … so etwas Monströses hatte er ja noch nie erlebt. Sie schien echt eine lebendig gewordene Hexe aus dem Märchen zu sein, inklusive Hakennase und Gifttränke. Irgendwie blieb da ein mulmiges Gefühl und der Gedanke, dass er ihr besser nicht traute, wer wusste schon, was sie ihm unterjubeln würde, kroch er noch einmal in die Krankenstation zurück,

Erst ein paar Gänge später gewann wieder seine Sturheit die Oberhand. Zurückkriechen? Diese Frau auf Knien um Hilfe bitten? Nie und nimmer? Wer war er denn? Dazu war er zu stolz, Nein von dieser Stümperin würde er sich nicht helfen lassen!

Und, wenn man ihm in der Krankenstation nicht helfen wollte, dann würde er sich eben selbst heilen, wozu besaß er zwei Doktortitel? Und wenn er das mit der Magie irgendwann mal hinkriegte, dann würde er sich auch alle nötigen Sprüche aneignen.

Aber eines schwor er sich: Sollte er jemand in eine Position kommen, in der er etwas zu sagen hatte, Einfluss nehmen konnte, dann würden in dieser Krankenstation andere Zeiten anbrechen und vernünftigere Leute als diese Frau die Leitung bekommen … so wahr er Stephen Strange hieß.


* * *



Doch was noch keiner ahnte – weder der eingeschnappte ehemalige Starchirurg, der beschloss, sich ein paar Kleinigkeiten zu besorgen um den Schmerzen entgegen zu wirken, noch die Heilerin die über ihrem gerade noch so eben geretteten Trank grummelte und den magischen Grünschnabel verfluchte, der ihr glaubte Vorschriften machen zu können …

Genau das war der Beginn einer wunderbaren Freundschaft.
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