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Schwäche

OneshotLiebesgeschichte / P12 / Gen
Megamind Minion Roxanne Ritchi
10.11.2016
10.11.2016
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Hi, mir ist wieder eine Kleinigkeit in einem Film aufgefallen, die gleich einen Headcanon bekommt.

Megamind und seine Figuren gehören DreamWorks. Ich verdiene hiermit kein Geld.
Vielen Dank an Megavolt fürs Betalesen.
Viel Spaß bei der Geschichte.



Schwäche

Wäre Metro Man nicht zu einem Feuer gerufen worden, hätte er sie nach Hause gebracht. Doch ohne ihn musste sie wohl oder übel den Bus nehmen.
„Miss?“
Sie drehte sich um. „Ja?“
„Sie können auch mit mir mitfahren.“ Der freundlich Polizist lächelte sie an.
„Danke, das Angebot nehme ich gern an.“ Sie drehte sich um und wollte gerade ins Auto einsteigen, da sah sie Megamind, der gerade zu einem anderen Streifenwagen geführt wurde.

„Nimm deine Griffel da weg! Ich weiß wie man in ein Auto steigt, George!“ brüllte Megamind den Polizisten an.
Es war nichts Ungewöhnliches, dass ein Krimineller bei seiner Verhaftung patzig wird, doch als Megamind beim Eisteigen der Kopf geführt werden sollte, wirkte er bei der Berührung gerade zu panisch. Selbst der Polizist, anscheinend mit dem Namen George, hielt seine Hände, nachdem er angeschnauzt wurde, entschuldigend hoch.
Da beschloss die Reporterin beim nächsten Kidnapping nachzuhaken.

„Sag mal, hast du eigentlich Mysophobie?“
Roxanne dachte, sie könnte damit das doch sehr private Thema anschneiden.
Laut ihrer Annahme, war es noch das, was man am ehesten zugeben würde, was Berührungsängste anbelangt. Und außerdem gab es in einer Großstadt genug Mysophobe.
„Wie bitte was?“ fragte Megamind perplex und drehte sich zu ihr um.
Er hielt sich einen Eisbeutel an den Kopf und hatte sich vermutlich eine mentale Notiz gemacht, vor dem Betreten eines neuen Verstecks erst ein mal alle außenliegenden Rohre aufzuschreiben.
„Mysophobie.“ antwortete Roxanne. „Ob du Angst hast dich irgendwo anzustecken?“
„Ich weiß was das bedeutet!“ fauchte Megamind, zuckte dann aber bei seiner eigenen Lautstärke zusammen. „Ich weiß nur nicht, wie Sie darauf kommen.“ fügte er etwas leiser hinzu.
Natürlich hatte die Reporterin bereits eine Antwort vorbereitet. „Deine Handschuhe. Ich habe dich noch nie ohne gesehen.“
Megamind sah auf die Hand runter, die nicht den Eisbeutel hielt. „Miss Ritchi, das mach ich doch nicht aus Angst vor Keimen. Das ist Arbeitskleidung.“
„Und wofür brauchst du Handschuhe bei der „Arbeit“? Es ist nicht so, als müsstest du dir wegen Fingerabdrücken Gedanken machen.“ erwiderte Roxanne mit einem Lächeln.
Megamind machte den Mund auf, um ihr zu sagen, dass wenn man ständig mit Elektrizität und gefährlichen Maschinen arbeitet, man sehr wohl Handschuhe brauche. Doch Minion fiel ihm ins Wort.
„Das liegt daran, dass er ein Ìseallesk ist.“
„Minion.“ warnte der Schurke wobei er sich wünschte, er könnte inzwischen etwas lauter sprechen.
„Ja!“ dachte sich Roxanne. „Auf Minion ist Verlass.“ Laut sagte sie, in einem oscarreifen, unschuldigen Ton: „Was ist ein Isell... Ìseallesk?“
„Minion.“ warnte Megamind noch ein mal. Doch dieser hörte ihn einfach gar nicht.
„Wissen Sie, Miss Ritchi, wenn ein Mega das frühe Jugendalter erreicht, bei Sir war es übrigens mit sechs Jahren, kann es vorkommen, dass dessen Nervenzellen sich explosionsartig vermehren.“ Er bereitete seine Metallfinger zur Verdeutlichung aus.
„Naja, jedenfalls vereinfacht ausgedrückt. Irgendwas mit Nervenendenverdopplung. Sir kann das besser erklären.“ sagte Minion, unwissend darüber, dass sein Schützling gerade keine Lust hatte irgendwas zu erklären.
„Das hat zur Folge, dass dessen Gehirn eben noch leistungsfähiger wird als das eines durchschnittlichen Megán.“
Roxanne ging mal vom Kontext davon aus, dass es sich beim Wort „Mega“ um Megaminds Spezies handeln müsste.
„Und wozu dann die Handschuhe?“
„Das ist eine sehr interessante Frage, Miss Ritchi.“
Megamind räusperte sich und erntete damit nur ein zweistimmiges „Gesundheit“.
Minion dagegen, viel zu sehr damit beschäftigt die Geisel mit seinem Lieblingsthema zu beeindrucken - sprich der kleine Ziehbruder,  fuhr unbeirrt fort.
„Wissen Sie die, sagen wir mal, „Nervenexplosion“ hat noch die Wirkung, dass die gesamte Hautoberfläche reizempfindlicher wird. Aber das ist bei einem Mega sowieso stärker ausgeprägt als bei einem Menschen. Wenn eine ganze Kultur Ganzkörperanzüge tragen muss, fallen Handschuhe und ein engerer Kragen kaum auf.“
„Das reicht!“ schrie Megamind und warf dabei seinen Eisbeutel weg. Ihm war inzwischen nämlich völlig egal, dass sein Kopf wie verrückt pochte. „Kein Zucker mehr für dich!“

Er drehte sich weg und machte sich auf den Weg zu verschwinden.
Wohin wusste er noch nicht. Einfach nur weg von Roxanne, weg vor dieser Peinlichkeit, oder noch schlimmer, Mitleid.
„Heißt das, es hat seit dem nie wieder jemand deine Hände anfasst?“ fragte Roxanne.
Megamind blieb abrupt stehen. „War das Neugier?“ dachte er sich.
Er spielte ihren Satz noch mal im Kopf ab. Er konnte weder Schadenfreude noch Mitleid erkennen. Der Schurke fasste sich ein Herz und drehte sich wieder zu seinem Schwarm um. „Doch schon nur... selten. Es ist ja nicht so, dass es schmerzhaft wäre. Es ist nur...“
„Überwältigend?“ half die Reporterin aus.
„Ja, genau das Wort habe ich gesucht.“ gab ihr Gesprächspartner zu.
Roxanne biss sich kurz auf die Unterlippe und sah zum Boden. Sie seufzte ganz leise und sah wieder auf. „Darf ich?“

Megamind blinzelte.
War das real? Roxanne Ritchi hatte gefragt ob sie seine Hände anfassen dürfte?
Er hatte sich schon immer gefragt, wie es wohl war ihre Hand zu halten und hier war die Gelegenheit. Sogar Haut auf Haut.
Aus Angst, das könnte alles nur ein sehr lebhafter Traum sein, antwortete er ihr erst gar nicht, sondern war mit wenigen Schritten schon hinter ihrem Stuhl und war dabei ihre Hände zu entfesseln.
Minion, der erst jetzt begriff was der Superschurke vor hatte, griff dessen am Arm und zog ihn einige Meter von der Geisel weg.
„Sir, ich finde, das ist keine gute Idee.“
Megamind sah missmutig zu seinem Freund auf. „Und du denkst es war eine gute Idee der Freundin von Metro Man meine größte Schwäche zu erzählen?“
Minion schnappte nach Luft und hielt sich die Roboterhände vor dem unteren Teil der Glaskuppel.
Er hätte wirklich auf die letzten acht Schokoriegel verzichten sollen.
„Genau!“ sagte Megamind, als er merkte, dass sein Freund verstanden hatte, was er angerichtet hatte. „Das Beste wird wohl sein die immense Neugier der Reporterin zu stillen. Also ziehen wir das jetzt durch!“
„OK.“ sagte Minion leise aber bestimmt. Dann ging er an seinen Freund vorbei und stellte sich hinter Roxannes Stuhl, die Hände über den Fesseln haltend.
„Besser wir machen das zügig. Bereiten Sie sich vor, Sir.“

Roxanne sah zu Megamind auf und sah, dass mit einer Hand am Handschuhsaum die Augen geschlossen hielt und regelmäßig atmete.

Megamind sagte sich, dass er jetzt weder Glas noch kaltes Metall anfassen würde, sondern etwas warmes, unregelmäßiges und lebendes. Was aber in Ordnung sei. Als sein Herzschlag sich einiger maßen beruhigt hatte, zog er die extra Schicht Leder von seinen Unterarmen und zum Vorschein kamen zwei gerade gewachsene, langfingrige, hellblaue Hände.
Inzwischen waren Roxannes Arme frei und  hielt sie ihm erwartend hin.
Er nahm ihre Hände von unten entgegen und strich sanft mit den Daumen über den Rücken.
Das erste was er merkte war, dass sie beide beinahe die selbe Temperatur hatten, doch von Innen heraus strömte eine leicht ansteigende Wärme.
„Wie glatt und straff sie sind.“ dachte Roxanne.
Megamind wiederum fühlte die weichen, kleinen Härchen, die einen Hauch dicker waren, als seine eigenen. Die Linien und sich kreuzenden Furchen, die feinen Rundungen ihrer Papillarleisten*.
Aber vor allem merkte er, wie unglaublich weich Roxannes Hände waren.
Trotz all seiner Vorsicht, war das Gefühl überwältigend. Aber anders als sonst wollte er nicht weniger Haut greifen, wollte nicht plötzlich seine Hände wegziehen. Er wollte mehr.
Und so gab der Ìseallesk das Denken auf.

Wie in einer flüssigen Bewegung zog er eine Hand weg und platzierte sie in ihren Nacken. Mit beiden Händen zog er Roxanne so näher an sich heran. Mit einem leichten Kippen seines Kopfes trafen seine Lippen auf ihre.
Er hörte nicht mehr den unterdrückten Schrei seines Freundes. Der Raum um ihn herum  verschwand in Ekstase und übrig blieb nur sie.
Alles was ihn noch interessierte waren die aufgerichteten Härchen in ihrem Nacken, die Glätte ihres Haupthaares und wie sie seine Finger umspielten. Die Hitze ihrer Lippen. Er erkundete wie sich ihre Mundwinkel, -kanten und -flächen anfühlten. Er spannte seine Oberlippe über ihren Amorbogen*². Der Lippenstift ließ ihm sowohl leichter über den Mund gleiten als auch festkleben, wenn er die Richtung änderte.
Vor allem merkte er ihre Bewegungen. Alles wurde so noch viel lebendiger, viel realer.

Als er nach einer viel zu kurzen Ewigkeit seinen Mund von ihr löste, sah er in die strahlenden, blauen Augen von der Frau seiner Träume.
„Wow“, flüsterte diese.
Megamind lächelte Roxanne verträumt an und antwortete ganz leise „Ja.“.
Er streichelte sie kurz durch die Haare und kippte wieder langsam nach vorne.
Doch dann fing der Ìseallesk wieder an zu denken.

Wie von der Hornisse gestochen rann er rückwärts mehrere Stritte weg. Er stolperte über sein Cape  und saß da nun mit weit aufgerissenen Augen die baren Hände vor dem Mund.
„Was habe ich getan?“ flüsterte er.
„Ich habe Ihnen gesagt, das ist eine schlechte Idee!“ schrie Minion und zog Roxannes Arme wieder nach hinten. Sie werte sich. Natürlich werte sie sich.
„Nicht so wie ich gedacht habe.“ sagte Minion sich innerlich. „Aber das ist wahrscheinlich noch schlimmer.“
Megamind stand auf und ging im Raum hin und her.
„Es tut mir so leid, Miss Ritchi.“ gab Megamind hastig von sich. „Es war wirklich nicht meine Absicht...“ Erstarrte mit, wenn noch irgend möglich, noch größeren Augen zur Decke. Dann schlug er seine Hände über seinem Kopf zusammen und gab einen frustrierten Schrei von sich.
„Scheiße! Metro Man bringt mich um! Er zertrümmert mir den Schädel, wenn er erfährt, dass ich seine Freundin...“ weiter kam er nicht. Er schrie nur noch ein mal auf.
„Ja.“ sagte Roxanne viel zu ruhig. „Wenn du seine Freundin küssen würdest, wäre Metro Man wirklich sauer.“
„Bitte erzählen sie ihm nichts.“ flehte Megamind ganz leise und zwang sich ihr dabei in die Augen zu sehen.
„Was sollte ich denn erzählen?“ fragte Roxanne mit einem Lächeln. „Meines Wissens nach hat er gar keine Freundin.“
„Was?“ hörte sie in Stereo.
„Metro Man und ich sind uns nie wirklich näher gekommen. Das hier,“ sieh sah sich demonstrativ im Versteck um. „Hat irgendwie die Phantasie der Öffentlichkeit beflügelt.“
Sie sah Megamind verschmitzt an worauf dieser lila wurde. „Und ironischer weise auch deine, wie ich sehe.“
„Nur um das noch mal klar zu stellen.“ sagte Megamind jetzt doch ein wenig lauter. „Sie sind...?“
„Single“ antwortete Roxanne. Sie begutachtete den Mann vor ihr kurz von oben bis unten. „Einen Status den ich anscheinend jetzt schnell ändern kann.“
„Wirklich?“
Roxanne lehnte sich nach hinten und sah Minion von unten an. „Bindet ihr beiden mich bitte wieder los?“

Die beiden gehorchten ihr. Minion kümmerte sich um ihre Hände und Megamind um ihre Füße.
Sie stand auf und schlang ihre Arme um Megamind. Perplex brauchte er erst ein paar Sekunden bevor er zögernd die Geste erwiderte.
„Wir haben wohl eine Menge zu besprechen.“ sagte sie.
„Ja.“ antwortete Megamind.
Roxanne nahm ihren Kopf kurz zurück um ihre Stirn auf Megaminds zu legen.
Nach wenigen Momenten löste sie einen Arm und legte die jetzt freie Hand auf Minions Metallhand. Sie sah zum Fisch auf und sagte den beiden Anwesenden.
„Ich finde wir sollten dafür irgendwo hingehen, wo es wärmer ist.“

Die drei doch sehr unterschiedlichen Freunde verließen, in einer Kette das dunkle Versteck.
Alle mit einem zufriedenem Lächeln auf dem Gesicht.



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*²  Die Mitte der Oberlippe
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