Enttäuschung

OneshotDrama, Freundschaft / P16
Baron Wolfgang von Strucker Captain America / Steven "Steve" Grant Rogers Scarlett Witch / Wanda Maximoff
09.11.2016
09.11.2016
1
1884
 
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Enttäuschung


„Enttäuschungen brechen Dämme, hinter denen wir unsere Träume in Sicherheit wähnten.“
- Margot S. Baumann (*1964)

Er hatte gerade Natasha losgeschickt, um Banner wieder zu beruhigen. Wirklich wohl fühlte er sich nicht dabei diese Frau einem so unkontrollierbaren Wesen wie dem Hulk auszusetzen, doch war sie die einzige, die Macht über ihn ausüben konnte.
Woran das lag, wusste Steve nicht. Aber sie konnten diese Verbindung nutzen, um Banner vor sich selbst zu schützen und noch weitere Kollateralschäden seiner Wut zu minimieren. Er hoffte, dass es heute wieder so gut funktionierte wie die anderen Male.
Wenn ihr etwas zustieß, dann könnte er sich das nicht verzeihen. Es war zwar nicht seine Idee gewesen, aber er fühlte sich für sie verantwortlich, nicht zuletzt, weil er immer die Einsätze der 'Avengers' koordinierte und sie führte.
Doch jetzt musste er sich konzentrieren. Er musste Strucker stellen und Lokis Zepter an sich nehmen, damit es endlich nicht mehr in den falschen Händen ruhte. Hydra war wohl doch noch nicht so tot, wie sie es nach dem Desaster in Washington zuerst gedacht hatten.
Der Gedanke daran, dass diese Organisation immer noch existierte und ihr Unwesen trieb, jagte Steve eine Gänsehaut über den Körper. Allerdings eine des Ekels und der Abscheu. Ja, er verabscheute diese Leute und das, was sie Menschen antaten.
Strucker musste an diesem Talent experimentiert haben, bevor es überhaupt zu einem geworden war. Die Geschwindigkeit, die das Talent gerade im Wald aufgebaut hatte, war übernatürlich und definitiv keine naturgegebene Fähigkeit.
Steve riss sich zusammen und näherte sich immer weiter der Festung, in der sich Tony schon befinden musste. Der Schnee unter seinen Stiefeln knirschte und kam ihm laut vor. So laut, dass er womöglich noch die Fahrzeuge übertönte, die durch die Festung fuhren und Männer transportierten, die nicht eine Sekunde zögern würden auf ihn zu schießen.
Auf Clint hatten sie vorhin auch schon geschossen und vermutlich war es nur pures Glück, das ihn hatte überleben lassen. Dieses Glück durften sie nicht überstrapazieren, sonst folgte die Katastrophe auf dem Fuße.
Langsam schlich er sich auf das Gelände in das Innere der Festung und schritt die Treppen nach oben. Es war kalt, aber er blendete es aus. So wie er das Gerede der anderen 'Avengers' ausblendete und sich nur noch auf sein Ziel konzentrierte.
Was aber, wenn er Lokis Zepter nicht fand?
An Scheitern durfte er nicht denken, aber diese Angst fraß sich in sein Bewusstsein und brannte sich in sein Gehirn. Bei jedem Atemzug wurde sie immer deutlicher sichtbar und offenbarte ihm sein Innerstes.
Hydra hatte trotz des Kampfes, den Steve höchstpersönlich angeführt hatte, überlebt. Die Organisation existierte noch, zwar lag sie am Boden und heulte wie ein angeschossenes Tier im Wald, aber sie lebte noch.
Und sie hat sicher versucht im Schatten von Neuem zu erstarken. Vermutlich hatte Strucker nicht nur an einem Menschen experimentiert. Steve unterstellte diesen Leuten das Schlimmste. Sie hatten schließlich auch nicht davor zurückgeschreckt seinen besten Freund zum gefährlichsten Assassinen zu machen, den die Welt je gesehen hat.
Was, wenn er Bucky hier fände?
Sein Herz rutschte ihm in die Hose. Was täte er dann? Würde er alles hinschmeißen und die eigentliche Mission gefährden, nämlich Lokis Zepter zu finden? Würde er Clints Leben riskieren, nur um mit Bucky zu reden?
Es konnte schließlich niemand garantieren, dass Bucky nachdem er Steve aus dem Fluss gezogen hatte, nicht zurück zu seinen Auftraggebern gegangen war. Steve war bereit – er würde sich auf das Schlimmste gefasst machen.
Von Adrenalin durchflutet versteckte Steve sich in einer größeren Halle, die zu einem Flur führte. Eine Wache stand im Durchgang und dahinter hörte Steve Schritte, die sich hektisch durch den Raum bewegten und laute Geräusche erzeugten.
Da versuchte jemand zu fliehen.
Mit Schwung schubste er die Wache in den Korridor, sodass diese frontal auf den Boden krachte und dort bewusstlos liegenblieb. Da erkannte er denjenigen, den er schon die ganze Zeit gesucht hatte.
„Baron Strucker“, sagte Steve mit fester Stimme und sah den Wissenschaftler an.
„Hydras bester Handlanger“, fügte er noch hinzu, denn mehr war er in seinen Augen tatsächlich nicht. Ein Handlanger, der tat, was man von ihm verlangte und dann um die Gunst des höchsten Mitgliedes buhlen musste.
Selbstbewusst umkreiste Steve den Mann, der die Arme hängen ließ und ihn ansah. Trotz konnte er in seinen Augen erkennen. Der Beweis dafür ließ nicht lange auf sich warten.
„Genau genommen bin ich bester Handlanger von S.H.I.E.L.D.“, widersprach Strucker ebenfalls überzeugt und nicht minder Stolz auf die Täuschung, der die ganze Welt bis vor Kurzem so blauäugig auf den Leim gegangen war.
„Noch genauer genommen sind Sie arbeitslos“, rutschte es Steve heraus und er stellte erstaunt fest, wie trocken und schlagfertig er klang, wo er doch die ganze Zeit unbewusst darauf wartete, dass der Winter Soldier aus der nächsten dunklen Ecke sprang und ihn niederstreckte, weil er ihn nicht wiedererkannte.
Steve entsann sich seiner eigentlichen Aufgabe und stellte die Eine-Millionen-Dollar-Frage: „Wo ist Lokis Zepter?“
Strucker seufzte.
„Keine Sorge, ich weiß wann ich besiegt bin. Sie werden erwähnen, dass ich kooperiert habe, hoffe ich“, begann er dann und Steve wurde ungeduldig. Er hatte keine Zeit für solche Mätzchen und schon gar nicht für Verhandlungen.
„Erwähne ich gleich nach Ihren illegalen Experimenten an Menschen“, sagte Steve und spürte wie die Anspannung in seinem Inneren wuchs. Dieser Mann vor ihm war genau so jemand, wie die Menschen, die Bucky zu dem gemacht hatten, was er letztendlich geworden war.
Er interessierte sich nicht für das Wohl und auch nicht für die Rechte seiner Opfer, denn etwas anderes waren sie in Steves Augen nicht. Egal, ob sie sich freiwillig oder unfreiwillig diesen Experimenten unterzogen hatten, eines hatten sie alle gemeinsam – sie hatten gelitten.
Ob sie aus freien Stücken für ihre Überzeugungen oder gezwungenermaßen für die Überzeugungen anderer gelitten hatten, war für Steve in diesem Falle irrelevant. Bucky war definitiv ein Opfer gewesen und Steve konnte es nicht ertragen einem weiteren Menschen mit ähnlicher Erfahrung eventuell in die Augen blicken zu müssen.
Ganz gleich, was er sonst noch hier in dieser Festung finden würde, er würde Zeuge der Macht Hydras werden, obwohl er diese schon für lange erloschen gehalten hatte. Ein Fehler, wie sich jetzt herausstellte.
Und einer der gefährlichen Wissenschaftler wollte jetzt auch noch mit ihm verhandeln, Steve konnte es nicht fassen. Deshalb musste er fragen, er musste wissen, wie viele Opfer Strucker in seiner Zeit hier hatte sammeln können.
„Wie viele sind es?“
Ein roter Schimmer legte sich auf sein Blickfeld und Steve sackte in sich zusammen, bevor er von einer gewaltigen Kraft bei Seite gestoßen wurde und sich selbst fallen spürte. Er stürzte kopfüber die Treppen nach unten, die Strucker vorhin noch nach oben gerannt war, um von ihm gestellt zu werden.
Hektisch drehte er den Kopf nach oben und sah eine Frau neben Strucker stehen. Sie hatte langes, brünettes Haar und sah verwahrlost aus, beinahe verängstigt und gehetzt. Sie sah zu Strucker und verschwand rückwärts durch eine Tür, die sie ohne sie zu berühren vor sich ins Schloss warf.
„Ein zweites Talent, weiblich. Nicht angreifen“, forderte er und hoffte, dass die anderen 'Avengers' diesen Befehl mitbekommen hatten. Diese Frau, die eigentlich noch vielmehr ein Mädchen war, sollte keineswegs noch weiter verängstigt werden als ohnehin schon.
Steve sah rüber zu Strucker, der ihn triumphierend ansah und zu reden begann, doch hatte Steve definitiv keine Lust mehr auf seine Spielchen. Mit seinem Schild traf er den Bauch des Wissenschaftlers, der daraufhin zu Boden ging und liegenblieb.
„Leute, ich hab Strucker“, sagte Steve dann, um die anderen auf dem Laufenden zu halten. Je eher sie hier verschwanden, desto besser. Routiniert legte er dem Bewusstlosen auf dem Boden Handschellen an.
Den flüchtigen Gedanken an Bucky schob er bei Seite. Es war zu gefährlich sich mit solchen Dingen zu beschäftigen und das mitten bei einem Einsatz, bei dem Menschenleben gefordert werden könnten.
Clint war schon angeschossen und vermutlich schwer verletzt, also wollte er nicht noch durch seine etwaige Unachtsamkeit einen weiteren Unglücksfall heraufbeschwören. Das hatte er schon in Washington getan, indem er sich geweigert hatte gegen Bucky zu kämpfen.
Es waren viele Menschen gestorben oder verletzt worden und Steve fühlte sich deshalb schon mehr als mies. Bucky war anscheinend aber nicht hier, sofern er seinen ersten oberflächlichen Eindrücken Glauben schenken konnte.
Auch wenn er keine Ahnung hatte, was ihn hier noch erwartete, wenn er zusammen mit den anderen noch gründlich die Festung durchkämmte. Überraschungen hielten die dunkelsten Kammern ohnehin bereit, also wappnete er sich innerlich dafür.
Eines ging ihm jedoch trotzdem nicht mehr aus dem Kopf: Diese Frau, die er vorhin gesehen hatte. Sie hatte ihn erschreckt und aufgewühlt, denn sie hatte etwas an sich, das ihn noch einmal mehr an den Winter Soldier erinnerte.
Sie hat ihn genau so angesehen wie Bucky damals auf den Straßen von Washington, bevor er erneut auf ihn hatte schießen wollen, aber von Natasha und dem Granatwerfer unterbrochen worden war.
Steve hatte Angst gesehen. Allerdings nicht vor dem Gegner, sondern vor den eigenen Fähigkeiten und vor der eigenen Skrupellosigkeit einen anderen Menschen anzugreifen. Genau wie Bucky hatte diese Frau unbewusst anscheinend Angst vor sich selbst.
Andere Menschen hatten ihnen dieses Gefühl vermittelt und sie dazu gezwungen sich vor sich selbst zu fürchten, auch wenn es das Unmenschlichste war, das man einer Person antun könnte. Aber das interessierte die Hydra nicht, auch Strucker nicht und das machte ihn so gefährlich für Leib und Leben.
Sie alle waren skrupellos und an ihren Mitmenschen desinteressiert. Sie hatten nur Augen für ihre Experimente, ihre Ergebnisse und noch wichtiger, ihre persönlichen Erfolge, mit denen sie sich – genau wie Zola – schmücken konnten.
Und das war etwas, das Steve mehr als abscheulich fand.

Anmerkung: Die Idee hierzu stammt nicht von mir, sondern von der treuen Leserin Thirrin, die sich einen OS zu genau diesem Thema gewünscht hat. Ich hoffe natürlich, dass die Umsetzung sowohl sie als auch euch überzeugen kann und eure Meinung wäre dementsprechend sehr interessant für mich! :)
LG, Erzaehlerstimme
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