Der Brief, den ich nie schreiben werde.

von kweenron
KurzgeschichteSchmerz/Trost / P6
06.11.2016
06.11.2016
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Hallo du.
Es gibt tausend Dinge, die ich nie aufbringen werde. Worte, die ich nie aussprechen und Gespräche, die unbesprochen bleiben werden. Denn das ist der Brief, den ich nie schreiben werde.
Ich könnte dir nun eine emotionale Geschichte über meine Beweggründe erzählen – doch das wäre eine Lüge. Was mich antreibt, ist das Leben selbst, das Schicksal. Ich habe keine ernste Krankheit und mein Leben ist nicht sonderlich hart. Es ist eigentlich ganz gut. Es gefällt mir. Ich lache viel und lächle jedem zu.
Ich sollte glücklich sein.
Doch das geht nicht, weil das hier nicht das ist, was ich will. Das hier und jetzt raubt mit alle Zeit und Kraft, dass ich selbst zum Scheiben zu schwach bin. Es schlägt mir auf das Gemüt.
Ich finde es unfair, dass ich mit 16 Jahren über meine Zukunft, finanzielle Absicherung und Karriere entscheiden musste, wo ich doch gleichzeitig noch fragen musste, wenn ich zur Toilette wollte.
„Ich hab kein Bock mehr.
Ich hab einfach kein Bock mehr.“
Und das sind nicht die rebellischen Worte eines lustlosen Teenagers, sondern einer heranwachsenden Frau, die jetzt schon große Fragen stellt.
„Kein Bock mehr auf dieses Leben.“ Das verrückte ist, dass wir uns heute aus dem Staub machen könnten. Dass uns die Welt offen steht. Und wir trotzdem nicht wissen, was wir damit anfangen sollen.
„Wir denken zu viel.“
Was wenn alles schief geht?
Woher das ganze Geld?
Komm ich alleine zurecht?
Was werden die anderen denken?
Kann ich es wirklich schaffen?
„Wir machen uns selbst kaputt.“
„Und wir wollen etwas ändern
Aber wir können nicht.“
Ja, „Life is a Bitch“, aber damit will ich mich nicht zufrieden geben.
Ich habe  den Drang, jetzt einfach meine Sachen zu packen und loszulaufen. Etwas Neuem entgegen. Weil ich es unfair finde, dass ich mit 16 Jahren über meine Zukunft, finanzielle Absicherung und Karriere entscheiden musste.
Wir sind halt nicht mehr die kleinen Kinder, die man in ihren Zimmern einsperren und von der Welt verstecken kann. Wir sind eigenständig, Mama, Papa, erwachsen. Wir haben andere Wünsche als ihr. Andere Träume und Sehnsüchte.
Lasst mich mein eigenes Leben leben.

Also, du,
ich bin nun 17 Jahre alt und, Gott, ich würde nicht von mir behaupten, dass ich wüsste wie das Leben funktioniert. Aber ich weiß, dass es immer bergauf geht, wenn du am Boden warst. Halte an deinen Träumen fest. Werde dir bewusst was du willst – bevor du dir nur noch wünschen kannst, einfach aufzustehen und wegzugehen. Sei ohne Angst zu scheitern, ohne „Was werden die anderen denken?“
Das würde ich dir sagen, in einem Gespräch, dass unbesprochen bleiben wird. Denn das ist der Brief, den ich nie schreiben werde.




\\ Inspiriert aus dem Gespräch mit einer guten Freundin.
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