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Mehr als nur ein Wort

von -Aislinn-
GeschichteSchmerz/Trost, Liebesgeschichte / P12 / Gen
Harry Möller Henning Schultz
04.11.2016
04.11.2016
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04.11.2016 943
 
Mehr als nur ein Wort

Eigentlich  war es ein ganz normaler Tag. Und doch war es im Nachhinein der Schlimmste in Harry‘s Leben. Der Tag, der alles verändern sollte.

Er begann wie jeder andere auf dem PK 14. Ununterbrochen klingelte das Telefon, Frau Küppers rauschte durch die Wache und gab ihre Anweisungen und Katja und Lothar hatten alle Hände voll zu tun. Dirk und Anna waren schon früh zu einem Verkehrsunfall gerufen worden und endlich traf auch Harry ein. „Morgen, ist Henning schon da?“, rief sie gut gelaunt und Lothar brummte gequält „Ja, der wartet schon auf Dich.“ Er konnte einfach nicht verstehen, wie man um diese Uhrzeit schon so fit sein konnte.

Als Harry das Büro betrat, saß Henning an seinem Schreibtisch und starrte ins Leere. Ihr Auftauchen und ihre Begrüßung schien er gar nicht wahrzunehmen und erst, als sie noch einmal mit Nachdruck seinen Namen rief, schreckte er hoch. „Tut mir Leid, ich hab Dich gar nicht kommen hören.“ Harry, die sich mittlerweile an ihren Arbeitsplatz gesetzt hatte, musterte ihn fragend. „Alles ok bei Dir?“ „Ja ja, ich hab nur schlecht geschlafen heute Nacht, das ist alles. Ich bin irgendwie noch nicht ganz hier.“ „Na das hab ich gemerkt“. Nachdenklich blickte sie ihren Kollegen an. Er war schon seit ein paar Tagen so komisch, aber sie hatte noch nicht herausgefunden, was los war. In solchen Dingen war Henning ein typischer Mann –  nur nicht zu viel reden. Naja, sie würde schon noch dahinter kommen, was ihn beschäftigte. Nun wartete erst einmal die Arbeit auf sie. „Und, was liegt an?“. „Nichts besonderes, bei einem Juwelier in der Hafenstraße ist eingebrochen worden,  wir sollen uns da mal ein wenig umhören. Außerdem müssen wir noch den Bericht von gestern über die geknackten Autos schreiben“. Leise stöhnte Harry auf „Och nö, das kann warten. Lass uns erstmal schauen, ob wir wegen dem Einbruch was rausfinden.“ Henning war das mehr als Recht. Berichte schreiben gehörte nicht gerade zu seinen Lieblingsbeschäftigungen. Also schnappten sie sich ihre Jacken und fuhren los.

Die Befragung beim Juwelier blieb erfolglos, es gab keinerlei Anhaltspunkte, was das Aussehen des Täters betraf. Alles war so schnell gegangen und der Einbrecher war außerdem vermummt gewesen. Es blieb ihnen nichts anderes übrig, als an der Sache dranzubleiben und zu hoffen, dass sie bald eventuell einen Hinweis auf den Täter bekommen würden.

So machten sie also mit ihrer Arbeit weiter und kümmerten sich im Laufe des Tages noch um einige andere Fälle. Schließlich meinte Harry: „Komm, lass uns Schluss machen und zur Wache zurückfahren. Unsere Schicht ist sowieso schon fast zu Ende.“ „Ja, Du hast Recht. Dann mal los“, stimmte Henning zu. Auf den Straßen war ziemlich viel Verkehr, weshalb sie nur langsam vorwärts kamen.  Henning, der heute Beifahrer war, blickte gedankenverloren aus dem Fenster. Er war so ein Feigling! Er musste es ihr endlich sagen, er schob es schon viel zu lange vor sich her. Aber war jetzt der richtige Zeitpunkt? Anderseits würde es dafür wahrscheinlich nie den richtigen Zeitpunkt geben. Er konnte es nicht noch länger aufschieben! Also fasste er sich ein Herz. „Harry? Halt bitte mal an“. „Och nö, wieso das denn?“, fragte sie genervt. „Hier geht sowieso fast nix und wenn wir jetzt auch noch anhalten, kommen wir heute nie mehr zu unserem Feierabend.“ „Harry bitte“, erwiderte Henning eindringlich. Sie warf ihm einen verwunderten Blick zu, tat ihm dann aber den Gefallen und bog in einen etwas abgelegenen Teil des Hafens ein und stoppte schließlich. „Was ist los?“ Es fiel ihm sichtlich schwer und es dauerte eine Weile, bis er zu sprechen anfing. „Harry…. Ich muss mit Dir reden. Ich habe schon viel zu lange gewartet und ich möchte, dass Du es von mir erfährst.“ Als sie ihn daraufhin erwartungsvoll ansah, stieß Henning ein leises Seufzen aus. „Es ist so… Ich werde weggehen aus Hamburg.“ „Wie meinst Du das, weggehen?“, frage Harry erstaunt. „Pass auf… Eva hat einen neuen Job in einem Krankenhaus in München angeboten bekommen. Sie konnte unmöglich ablehnen, das hat sie sich schon immer gewünscht…“ Sprachlos starrte Harry ihren Kollegen an. Sie konnte nicht glauben, was sie da eben hörte. „Ja… ja, aber München…“, stammelte sie. „Weißt Du, wie weit weg das ist?“ „Ja, natürlich.“ Betreten senkte er den Blick. „Es tut mir Leid, aber was soll ich denn machen? Ich gehe bestimmt nicht gerne, aber ich kann ihr doch nicht diese Chance verbauen. Außerdem läuft es zwischen Eva und mir im Moment nicht ganz so rund. Vielleicht ist es sogar ganz gut, wenn wir ein bisschen Abstand von Allem bekommen und woanders nochmal neu anfangen.“  Er warf ihr einen entschuldigenden Blick zu und erst langsam wurde ihr die Tragweite des Ganzen bewusst. Ihr Hennig würde weggehen! Fassungslos schaute sie ihm in die Augen und mit einem Mal wurde ihr die Nähe zu ihm unerträglich. Sie verließ  fast fluchtartig den Wagen und starrte hinaus auf die Elbe und die vorbeifahrenden Schiffe. Henning war unsicher, wie er sich jetzt verhalten sollte. Er fühlte sich schlecht, er wusste, dass er Harry damit sehr wehgetan hatte. Wäre es besser, sie jetzt in Ruhe zu lassen? Oder sollte er versuchen, sie zu trösten? Er entschied sich schließlich für Letzteres und stieg ebenfalls aus dem Auto. Langsam ging er auf Harry zu und legte ihr eine Hand auf die Schulter. So standen sie eine ganze Weile. „Du bist mir jetzt doch nicht böse deswegen, oder?“, fragte er niedergeschlagen. Langsam drehte sich Harry um und zwang sich zu einem Lächeln. Er sollte auf keinen Fall merken, wie sehr sie das Ganze mitgenommen hatte. „Nein, natürlich nicht. Es kommt nur etwas überraschend für mich. Ist  schon ok, lass uns endlich zurück zur Wache fahren.“
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