"Hank und Ellie" oder "Leben und sterben in Chicago"

GeschichteDrama, Romanze / P16
Henry "Hank" Voight OC (Own Character)
02.11.2016
21.09.2017
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Kapitel 1



Sie war nun schon fast zwei Wochen hier und die Wände ihres Zimmers waren ihr alles andere als sympathisch, langsam aber sicher würde sie anfangen an Klaustrophobie zu leiden, wenn sie hier nicht bald rauskommen würde. Ellie hasste das Krankenhaus, vor allem da sie wusste, dass sich die Arbeit stapeln würde, und das nicht nur im Freizeitzentrum. Sie war nun mal ein Arbeitstier, ein Energiebündel, dem es gar nicht gefiel, einfach nur dazuliegen und nichts zu tun.
Ellie war innerlich unruhig, denn mittlerweile hatte sie den Grund erfahren, warum diese drei Kerle über sie hergefallen waren, und sie wollte so schnell wie möglich wieder zurück, um nach ihren Kindern zu sehen. Seit die neue Riege bei den Hermanos an der Macht war, konnte sie sich nicht mehr auf ihre Absprache und den Waffenstillstand berufen. Zwar hatte Hank diesbezüglich seinen Standpunkt bei den neuen Chefs klargemacht, und seinerseits dafür gesorgt, dass weder Ellie noch das Freizeitzentrum in nächster Zeit auf der Abschussliste stehen würden, dennoch wollte sie sich selbst davon überzeugen.
Sie hatte ein schlechtes Gewissen, Hank so viele Sorgen bereitet zu haben. Wäre sie gleich auf ihn zugegangen und hätte ihm von ihren Problemen erzählt, wäre es vielleicht nie so weit gekommen. Dennoch hatte sie in den letzten Jahren immer alleine gekämpft und es fiel ihr unglaublich schwierig um Hilfe zu bitten.
Hank hatte ihr keine Vorwürfe gemacht, nicht ein einziges Mal, hatte nur gemeint, dass sie in so einem Fall besser gleich zu ihm kommen sollte. Ellie hatte es ihm versprochen, auch wenn sie wusste, dass es ihr nicht leicht fallen würde über ihren Schatten zu springen. Aber sie liebte ihn, und er liebte sie. Er hatte es ihr sogar gesagt. Sie wusste, dass ihm dieses Geständnis nicht leichtgefallen war. Er war nun mal nicht der Typ Mann, der seine Gefühle nach Außen trug.
Schon seit Tagen wollte Ellie ihre behandelnden Ärzte davon überzeugen sie endlich zu entlassen, doch war sie bisher nur auf Granit gestoßen. Auch Hank war ihr dabei nicht wirklich behilflich gewesen, denn auch er meinte, sie solle sich noch einige Tage hier aufhalten und schonen, als hätte er so eine Ahnung, dass sie daheim nicht wirklich Ruhe geben würde. Tja, er kannte sie eben besser als ihr lieb war.
Es war kurz nach fünf am Nachmittag und die allabendliche Visite war in vollem Gange.
„Ihre Befunde sind durchwegs gut, Ms. Willis. Eigentlich könnten wir sie in häusliche Pflege entlassen“, meinte der Arzt, als er sich ihr Krankenblatt angesehen hatte.
„Phantastisch, jetzt gleich?“
„Morgen, aber nur unter einer Bedingung.“
„Und die wäre?“
„Habe sie jemanden, der sich bei ihnen zuhause um sie kümmert?“
„Jaja“, log die junge Frau, ohne dabei rot zu werden.
„Und wen?“
„Ähm …. ich habe jemanden der auf mich schaut.“
„Und wen? Ich dachte sie leben alleine.“
„Naja“, fieberhaft überlegte Ellie, was sie dem Arzt sagen sollte, doch leider kam ihr ihr Sarkasmus dazwischen, „zählt eine Topfpflanze?“
„Nein, tut mir leid. Haben sie Familie zu der sie in der Rekonvaleszenz ziehen können?“
„Damit kann ich leider nicht dienen, aber ich bekomm das auch ganz gut alleine hin. Bin ja schon groß.“
Das Thema Familie war nicht leicht für Ellie, hatte sie doch ihre beim 11. September verloren. Ellie hatte damals mit ihrem Verlobten in Ney York gelebt. Ihre Eltern hatten einen Ausflug nach New York gemacht, um die beiden zu besuchen. Da Steve im World Trade Center gearbeitet hatte, hatten sie ihn an diesem furchtbaren Tag besucht. Nur Ellie war nicht dabei gewesen, da sie selbst am anderen Ende der City arbeiten musste. Eigentlich hätte sie ja frei gehabt, allerdings hatte sich eine Kollegin krank gemeldet und Ellie hatte einspringen müssen. Nur deswegen hatte sie überlebt. Drei Monate später war sie wieder zurück nach Chicago gekommen, sie wollte alles hinter sich lassen. Nie wieder hatte sie jemanden näher an sich rangelassen, doch dann war Hank in ihr Leben getreten.
„Tut mir leid, aber sie müssen jemanden bei sich haben, falls sie einen Rückfall haben sollten.“
„Zählt die Katze des Nachbarn?“
„Vergessen sie es“, erwiderte der Arzt kopfschüttelnd.
Ellie versuchte weiter ihr Bestes, um diesen unnachgiebigen Arzt davon zu überzeugen, sie doch gehen zu lassen, als unverhofft Hank hereinschneite.
„Na wie geht es unserer Patientin, Doc“, wollte er wissen und blieb neben der Tür stehen.
„Soweit ganz gut, ihre Schulter verheilt gut, und auch mit ihrem Allgemeinzustand bin ich durchaus zufrieden, eigentlich könnte sie uns verlassen“, begann der Arzt zu erklären.
„Aber…“, Hank wusste, dass da noch etwas folgen würde.
„Aber, sie braucht noch viel Ruhe und ich bin mir nun mal nicht sicher, ob sie die auch einhalten würde, wenn ich sie in häusliche Pflege entlasse. Mal abgesehen davon, dass sie niemanden hat, der auf sie achtet.“
„Das ist kein Problem, darum werde ich mich kümmern.“
„Sie meinte, sie würde alleine leben, daher …“
„Wie gesagt, darum werde ich mich kümmern“, wiederholte Hank und sah den Arzt eindringlich an.
„Wenn das so ist, steht einer Entlassung morgen früh nichts im Wege. Mit der Physiotherapie werden wir dann nächste Woche starten.“
Ellie saß in ihrem Bett und war dem Gespräch aufmerksam gefolgt. Wie um alles in der Welt meinte Hank das? Er würde sich darum kümmern. Worum kümmern? Dass sie einen Babysitter bekam? Na klasse, darauf konnte sie beim besten Willen verzichten.
„Ich mache dann die Unterlagen fertig. Morgen früh dürfen sie uns dann verlassen, Ms. Willis.“
„Okay, danke Doc“, meinte Hank noch, als sich der Arzt verabschiedete und weiter zum nächsten Patientenzimmer ging.
Ellie nickte nur, noch immer nicht so ganz sicher, was Hank gemeint haben könnte, freute sich aber, endlich das Krankenhaus verlassen zu dürfen.
„Na, wie fühlst du dich, Kleines?“
Hank hatte sich zu Ellie aufs Bett gesetzt, gut darauf achtend nicht ihren rechten Arm zu berühren, den sie in einer Schlinge trug. Auch wenn sie es niemals zugegeben hätte, wusste er, dass sie noch immer Schmerzen hatte, und dass nicht nur wegen der expliziten Schonhaltung, in der sie den Arm seit der OP halten musste.
„Ich bin froh endlich wieder nach Hause zu können.“
„Tja, das mit dem nach Hause können ist so eine Sache, du hast doch den Arzt gehört, dass jemand auf dich achten soll.“
„Ich versteh nicht. Er entlässt mich doch morgen früh.“
„Du wirst aber nicht nach Hause gehen, sondern vorläufig bei mir bleiben, Ellie.“
Seit jenem ungeplanten 4. Juli hatten sie schon viele Nächte miteinander verbracht, aber gleich einmal postwendend vom Krankenhaus zu ihm zu ziehen, war Ellie dann doch eine Spur zu viel. Das konnte jetzt nicht sein Ernst sein.
„Hank, ich brauche keinen Babysitter.“
„Doch den brauchst du“ erwiderte er beinahe lachend, „und das wissen wir beide.“
„Ich kann auf mich selbst aufpassen“, protestierte Ellie, „ich bin schließlich kein kleines Kind mehr.“
„Ellie, sei doch mal ehrlich, du würdest keine zwei Minuten stillsitzen, wenn du wieder in deiner Wohnung bist, sondern gleich wieder zurück an die Arbeit gehen. Das werde ich nicht zulassen. Du hast den Arzt gehört, du brauchst Ruhe und die Reha, ab nächster Woche, wird ansträngend genug werden.“
Manchmal war es echt frustrierend, dass er sie so gut kannte, doch noch wollte dieser kleine Sturschädel nicht nachgeben.
„Hank ich verspreche dir, ich werde auf mich achten.“
„Ich weiß, und zwar bei mir zu Hause, und das ist mein letztes Wort. Dort habe ich dich wenigstens etwas unter Kontrolle.“
Bei dem Wort Kontrolle hatte Ellie ihn mit weit aufgerissenen Augen angesehen. Dachte er wirklich, er könne ein Energiebündel wie sie es war kontrollieren? Noch bevor sie etwas erwidern konnte, erhob er wieder seine Stimme, als hätte er ihren Gedankengang gehört.
„Glaub ja nicht, dass ich Skrupel hätte dich zur Not auch ans Bett zu ketten, wenn du dich nicht an die Anweisungen der Ärzte hältst.“
Das war deutlich. Ellie schnaufte verächtlich und verdrehte die Augen. Sie war nicht glücklich damit, unter seiner Kontrolle zu stehen, denn sie wusste, dass er mit Argusaugen über sie wachen würde, musste aber im hintersten Winkel ihres Seins doch zugeben, dass er Recht hatte. Sie würde sich nicht schonen, wenn er nicht dahinter sein würde.
„Dann wäre das ja geklärt“, meinte er und ein kaum wahrnehmbares Lächeln huschte über seine Lippen.
Er würde sich um Ellie kümmern, und der Gedanke daran, sie die nächsten Tage und Wochen immer um sich zu haben, gefiel ihm, auch wenn er wusste, dass ihr Starrsinn und ihr hitziges Gemüht noch für so manches Problem sorgen würde.


Juni, 5 Monate zuvor
Hank und seine Intelligence Unit arbeiteten schon seit Tagen an einem Vergewaltigungsfall. Normalerweise hätten sie sich nicht mit ihm beschäftigt, doch hier ging es um ein junges Mädchen, dass in der Obhut des Freizeitzentrums, in dem Ellie arbeitete, war.
Sie war spät abends mit Maggie in seinem Büro aufgetaucht, und hatte ihn um Hilfe gebeten. Die Kleine war erst dreizehn und Hank ahnte, dass es sich dabei um eine Aktion der Hermanos gehandelt haben musste. Sein sechster Sinn war in diesem Fall untrüglich, hatte er doch lange genug bei der Gang-Unit gearbeitet, mal abgesehen davon, hatte sich Maggies großer Bruder mit der Gang angelegt.
Hank hatte es in Ellies Augen gesehen, dass sie nicht ruhen würde, bis der Schuldige gefunden und seiner Strafe überantwortet worden war. Auch war ihm klar, dass sie zur Not selbst nach ihm suchen würde, doch das wollte er so gut es ging verhindern. Die Hermanos waren gefährlich, auch wenn Ellie einen Waffenstillstand erwirkt hatte, konnte man ihnen nicht weiter trauen, als bis zu nächsten Straßenecke.
Endlich hatten sie einen Verdächtigen dingfest gemacht, doch brauchten sie ein Geständnis, sonst konnten sie ihn nicht überführen. Der Vergewaltiger war leider so clever gewesen ein Kondom zu benutzen. Zwar hatte Maggie ihn gekratzt, und die DNA unter ihren Fingernägeln stimmte mit seiner überein, aber hatte sie ihn nicht identifizieren können, das Trauma war zu groß gewesen und ihr Gehirn hatte das meiste von jenem schrecklichen Übergriff verdrängt. Zu allem Überfluss hatte dieser Drecksack auch noch mit einem Alibi aufwarten können und sein Anwalt war knallhart.
Hank hatte Ellie angerufen und ihr mitgeteilt, dass sie den Verdächtigen hätten. Sofort war sie in ihr Auto gestiegen und zu ihm auf die Wache 21 gefahren. Sie wollte diesem Monster, das sich so einfach an der Unschuld eines dreizehnjährigen Mädchens vergriffen hatte, in die Augen sehen.
Ungeduldig ging sie vor dem Pult von Sergeant Platt auf und ab und machte die Polizistin damit beinahe wahnsinnig. Hank war in dem Moment, als er sie sah, nicht mehr so sicher, ob es eine gute Idee gewesen war, sie anzurufen.
„Wo ist er“, fragte sie ihn unumwunden, als sie Hank sah und auf ihn zukam.
„Er ist in Gewahrsam.“
„Ich will ihn sehen.“
Ellie, ich denke nicht dass es eine gute Idee ist. Verstehst du, wir..
„Ich will ihn sehen, Hank“, unterbrach sie ihn und ihre Stimme war kalt und hart.
Noch nie hatte er sie so gesehen oder konnte sich daran erinnern, dass sie so geklungen hatte. Es war nur allzu deutlich, dass sie es todernst meinte. Zwar hielt er es noch immer nicht für eine gute Idee, aber dennoch ging Hank mit ihr nach unten, wo sich der Verdächtige im sogenannten >Käfig< befand.
Ellie atmete tief durch, als sie ihn sah, er schien kaum älter als achtzehn zu sein. Er war ein Schwarzer und schon allein an seinem Outfit konnte sie erkennen, dass er zu den Hermanos gehörte. Langsam ging sie auf ihn zu, ohne ihn aus den Augen zu lassen. Etwas verwirrt sahen die anwesenden Detectives der Intelligence Unit diesem Schauspiel zu, denn aus irgend einem Grund, schien es beinahe so, als würde diese zierliche Frau den knallharten Möchtegerngangster nervös machen.
„Wieso“, zischte sie durch den Maschendrahtzaun, als sie ganz nah bei ihm war.
„Ich weiß nicht was sie meinen, Lady.“
„Wieso“, wiederholte Ellie.
Weder die Lautstärke noch ihr Tonfall hatte sich geändert.
„Was wollen sie?“
Nervös hatte er begonnen auf der unbequemen Bank hin und her zu rutschen.  Keiner der Anwesenden konnte sich erklären, was hier gerade ablief.
„Wieso?“
„Verdammt man, könnt ihr mal die Irre hier wegholen?“
„Wieso?“
Hank konnte es kaum fassen, dieses monotone Fragen und ihre Anwesenheit hier brachten diesen Typen doch tatsächlich zum Schwitzen. Vielleicht war das ihre Chance für ein Geständnis.
„Verdammt Lady, verziehen sie sich, ich habe ihnen nichts zu sagen.“
„Wieso?“
„Okay, die Sache ist hiermit beendet“, meldete sich nun der Anwalt des Verdächtigen zu Wort, der gerade die Räumlichkeiten betreten hatte.
„Du hast keine Chance! Du wirst bezahlen, dafür werde ich sorgen“, flüsterte Ellie ihm noch zu, als er, in Handschellen, an ihr vorbeigebracht wurde, „Gott selbst kann dich nicht vor dem schützen, was passieren wird. Ich werde dafür sorgen, dass du bei den Cowboys auf der Abschussliste stehen wirst, wenn du nicht gestehst.“
Sie hatte es so leise geflüstert, dass nur der schwarze Mistkerl ihr gegenüber ihre Worte gehört hatte, und fast schien es so, als würde ihm die Farbe aus dem Gesicht weichen.
„Sie war erst dreizehn!“
Ellies Stimme war wieder kräftiger geworden und glich nun einem knurren. Viel fehlte nichtmehr und sie würde ihre Fassung endgültig verlieren.
„Und, was soll‘s. Die kleine Schlampe hat es doch so gewollt, sie hat es sogar genossen!“
Da war es, das Geständnis, auf das alle gewartet hatten. Doch diese Worte waren zu viel für Ellie, in dieser Sekunde war es so, als hätte jemand einen Schalter umgelegt, denn sie baute sich auf, straffte ihre Schultern und in ihrem Blick konnte man ihren abgrundtiefen Hass erkennen.
„Ich mach dich kalt“, schrie sie und macht einen Satz auf den Vergewaltiger von Maggie zu.
Wenn Hank nicht rechtzeitig die Situation erkannt und Ellie mit aller Kraft zurückgehalten hätte, seine Freundin wäre diesem Kriminellen an die Kehle gesprungen. Er hatte sie von hinten an ihren Ellenbogen gepackt und sichtlich Mühe damit, dass sie sich nicht losriss, denn sie wehrte sich mit aller Kraft gegen ihn und versuchte seinem festen Griff zu entkommen. Um ein Haar hätte er ihr den Arm verdrehen müssen, damit sie hier und jetzt, vor aller Augen, keinen Blödsinn machte.
„Lass mich los!“
„Beruhig dich!“
Doch Ellie war wie von Sinnen, wehrte sich gegen Hank und versuchte sich loszureißen.
„Lass mich los, lass mich los!“
Sie schrie immer wieder die gleichen Worte und versuchte ihm zu entgleiten. Hank kostete es eine unglaubliche Kraftanstrengung sie weiter zu bändigen. Es kam ihm beinahe so vor, als bestünde der Körper dieser kleinen und zierlichen Frau nur aus Muskeln. Niemals hätte er es für möglich gehalten, dass sie so eine Kraft haben könnte, dass es selbst einem gestandenen Police-Officer wie ihm schwer fiel, sie unter Kontrolle zu halten. Zwar wusste er, dass sie seit Jahren Taekwondo machte, doch damit hatte er nicht gerechnet.
„Verdammt, haltet mir doch die Schlampe vom Hals“, beschwerte sich der Verdächtige bei den anwesenden Polizisten.
Das war gerade ein Geständnis du Genie, und das noch dazu vor sehr vielen Zeugen. Jetzt wanderst du in den Knast und das für ewig“, zischte Alvin ihm zu, der nun ganz nah vor ihm stand.
„Los schafft diesen Drecksack hier raus“, meldete sich nun auch Antonio zu Wort und die uniformierten Kollegen, die von der Aktion dieser Frau überrascht bis jetzt nur mit offenem Munde dagestanden hatten, bugsierten das mit Handschellen gefesselten Gangmitglied Richtung Zellentrakt.
Erst langsam konnte Hank Ellie wieder beruhigen, als der Verdächtige den Raum verlassen hatte. Noch nie hatte er sie so erlebt, auch er war von ihrem Verhalten überrascht worden, doch verstand er sie nur all zu gut. Für einen kurzen Moment hatte er sich wirklich überlegt, ob er sie nicht einfach gewähren lassen sollte, verdient hätte es dieser Scheißkerl auf jeden Fall.
Endlich ließ er sie los, und Ellie drehte sich zu ihm um. In ihren Augen konnte er all ihre Wut erkennen, und sie sah ihn an, als wäre er der Staatsfeind Nummer eins. Es versetzte ihm einen Stich ins Herz, sie so voller Hass ihm gegenüber zu sehen. Bevor er noch ein Wort sagen konnte drehte sie sich um und verließ schnellen Schrittes das Polizeirevier.
Sie wollte einfach nur noch weg, von hier, von ihm, einfach weg. Doch noch bevor sie ihr Auto erreicht hatte, hatte Hank sie schon eingeholt.
Ellie, warte.“
„Lass mich in Ruhe!“
Ellie, bitte.“
„Was?“
Dass sie sauer war, hätte ein Blinder erkennen können.
„Glaub mir bitte, ich verstehe dich. Aber ich musste dich zurückhalten. Was glaubst du wäre geschehen, wenn ich die gewähren hätte lassen? Dann wärst du gleich neben diesem Dreckskerl in einer Zelle gelandet. Hätte ich das wirklich zulassen sollen?
Ellie sah ihn an und atmete tief ein, es war nur allzu offensichtlich, dass ihr die Worte fehlten. Er hatte Recht, dass wusste sie, dennoch hätte sie dem Typen nur zu gerne die Nase und auch sonst noch ein paar Dinge gebrochen.
„Nein, aber … aber … der Typ .. der …“, stotterte sie und Tränen hatten begonnen über ihre Wangen zu laufen.
Diese ganze Sache hatte sie an die Grenzen ihrer Belastbarkeit gebracht und nun waren ihre Kraftreserven aufgebraucht. Ohne weiter darüber nachzudenken, ob sie jemand sehen könnte, nahm Hank Ellie in den Arm.
„Ich weiß, Kleines. Glaub mir, der verschwindet, dafür werde ich sorgen.“
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