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Gefangen

OneshotHorror, Tragödie / P18
Keiichi Maebara Mion Sonozaki OC (Own Character) Reina Ryuuguu Satoko Houjou Shion Sonozaki
31.10.2016
31.10.2016
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Hallo Leute,
Herzlich Willkommen zu meinem fünften Higurashi One-Shot. An diesem One-Shot arbeite ich schon eine Weile zu Halloween ist er fertig geworden...passt ja.
Am besten ich rede nicht mehr so viel und lasse euch einfach lesen.
Ich wünsche euch viel Spaß beim lesen, würde mich über Kritik oder Lob freuen.
Zum Schluss wünsche ich euch allen noch ein schönes Halloween, lasst euch nicht von Geistern ärgern. *stellt Schüssel mit Süßigkeiten hin*
Happy Halloween

LG SilverSoul
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Gefangen


Konzentriert blickte ich auf die Spielkarten, welche sich in meiner Hand befanden und überlegte, ob ich eine spielen sollte oder nicht. Unser Club hatte sich gleich nachdem Unterricht getroffen und angefangen verschiedene Brettspiele zu spielen, bis Mion, die Idee hatte, wir könnten doch Poker spielen. Keiichi, war davon weniger begeistert und ich wollte auch nicht unbedingt Poker spielen, da ich wenig Ahnung davon hatte, doch die anderen waren sofort hellauf begeistert. Fünf gegen zwei, wer gewonnen hat erklärt sich von selbst. Und nun saß ich hier und grübelte über meinem Blatt, mir gegenüber saß Mion, welche schon die ganze Zeit breit grinste, links von ihr saß ihre Zwillingsschwester Shion und rechts Rena. Neben mir, auf der linken Seite, saß Keiichi, welcher ebenfalls sein Platt mit Blicken löcherte, auf meiner anderen Seite saß Satoko, die ebenfalls ein leichtes Grinsen auf den Lippen hatte und neben dieser saß Rika, welche lächelnd in die Runde blickte. „Was ist Ki-Chan? Gibst du auf oder spielst du weiter?“, fragte Mion. „Ich spiele weiter“, verkündete ich und zog eine Karte. Ich blickte erneut auf mein Blatt, seufzte und legte die Karten auf den Tisch, mit den Worten: „Ich habe keine Ahnung ob das gut oder schlecht ist, aber mehr als verlieren kann ich nicht.“ Alle schauten auf meine Karten, bis Shion murmelte: „Du hast ein Straight Flush“ „Ist das gut?“, fragte ich die grünhaarige. „Hat jemand etwas besseres?“, fragte Shion in die Runde. Die weiblichen Mitglieder des Clubs schüttelten den Kopf, während Keiichi mit den Schultern zuckte. „Da anscheinend niemand etwas besseres hat, hast du gewonnen Ki-Chan“, verkündete Shion. „Echt?“, fragte ich verwirrt. Shion nickte bestätigend. „Cool!“, rief ich grinsend. „Das kann doch nicht sein, sie hat doch genauso wenig Ahnung von Poker wie ich und gewinnt!“, regte sich Keiichi auf. „Manche haben Glück und andere nicht“, meinte Rika. „Und ich habe richtig Glück!“, rief ich, „jetzt muss ich nur noch warten, bis der Verlierer feststeht.“

Nach meinem Sieg sammelte Mion die Karten von den anderen ein und eine neue Partie begann, ich saß daneben und schaute zu, es war witzig die Mimik der anderen zu beobachten, vor allem die von Keiichi, welche sich sekündlich änderte, von entsetzt zu glücklich, von glücklich zu verwirrt und von verwirrt zu entsetzt. Ich musste mich wirklich zusammenreißen, um nicht laut loszulachen. Da fiel mir ein, dass ich mir ja noch eine Bestrafung für die Verlierer ausdenken musste, was wäre denn am besten. Während ich überlegte ließ ich meinen Blick über meine Freunde schweifen, bis er an Keiichi hängen blieb, welcher nach wie vor konzentriert auf seine Karten starrte. Plötzlich fiel mir eine perfekte Bestrafung ein, zumindest für Keiichi war sie perfekt. Ein fieses Grinsen breitete sich auf meinem Gesicht aus. „Irgendwie gefällt mir dein Grinsen nicht Kim“, meinte Keiichi, „du hast doch irgendetwas vor.“ „Ich?!“, fragte ich unschuldig, „wie kommst du denn darauf.“ „Das kann ich an deinem Gesichtsausdruck erkennen“, grummelte Keiichi. „Ki-Chan denkt bestimmt über die Bestrafung für den Verlierer nach“, kam es von Mion. „Wie kommst du denn darauf Mi-Chan?“, fragte ich unschuldig. „Nur geraten“, lachte Mion und legte ihre Karten offen auf den Tisch. „Full House, wer hat was Besseres?“, fragte sie in die Runde. Stille breitete sich aus, was darauf schließen ließ, dass niemand etwas Besseres hatte. „Dann bin ich wohl auf dem zweiten Platz“, verkündete Mion, während für die anderen das Spielerneut begann.

Wir spielten den restlichen Nachmittag Karten und wie man es wohl sicher erahnen konnte, hatte Keiichi jede Partie verloren. „Da Ki-Chan, als erste gewonnen hat, entscheidet sie über die Bestrafung des Verlierers“, verkündete Mion mit einem fiesen Lächeln im Gesicht, welches sich auch bald auf meinem Gesicht ausbreitete. „Hast du dir schon was überlegt Ki-Chan?“, fragte Rena. „Oh ja, das habe ich Rena“, grinste ich und blickte zu einem sichtlich genervten und schlecht gelaunten Keiichi, kein Wunder bei all den Niederlagen die er einstecken musste. „Und was?“, fragte Shion. Ich trat zu der grünhaarigen und flüsterte ihr meine Idee ins Ohr. „Oh…das ist wirklich eine fiese Bestrafung“, lachte diese. „Ich weiss“, kicherte ich. „Jetzt spann uns nicht auf die Folter, was ist Keiichis Strafe?“, fragte Satoko aufgeregt. Mein Lächeln wurde noch breiter, als ich erzählte was Keiichi tun musste.

„Ich hasse dich“, grummelte Keiichi. „Ach komm, das steht dir doch gut“, kicherte ich. Wir hatten uns, nachdem wir aufgeräumt hatten, auf den Weg nach Hause gemacht, aber natürlich nicht, ohne Keiichi zu seiner Bestrafung zu zwingen. Dies ist auch der Grund, warum Keiichi gerade ein Magical Girl Outfit trug. „Ich sehe dämlich aus“, grummelte Keiichi und wollte mich mit seinem bösen Blick erdolchen, jedoch konnte ich ihn in diesem Outfit nicht so ganz ernst nehmen. Den anderen ging es anscheinend genauso, vor wenigen Sekunden hatten sie sich noch zusammengerissen, dann begannen die ersten leise zu glucksen, worin bald die anderen einstimmten. Das Glucksen wurde schnell zu einem kichern, ehe wir alle in schallendes Gelächter ausbrachen. Keiichi blickte uns erst böse an, ehe auch er begann zu lachen. Tja, Lachen ist nun einmal ansteckend. „Jetzt aber mal was anderes, was haltet ihr davon am Samstag alle zusammen zum Watanagashi zu gehen“, schlug Schion vor. „Watanagashi?“, fragten Keiichi und ich gleichzeitig. „Watanagashi ist ein Fest zu Ehren unseres Schutzgottes Oyashiro-sama“, erklärte Rika. „Ja und Rika tritt bei diesem Fest als Miko auf“, erklärte Satoko weiter. „Wirklich?“, fragte ich erstaunt. Rika nickte etwas verlegen. „Genial, also ich komme auf jeden Fall“, sagte ich grinsend, die Chance Rika als Miko zu sehen werde ich mir nicht entgehen lassen. „Gut und was ist mit dir Keiichi-kun?“, fragte Mion. Keiichi stimmte ebenfalls zu und so war es beschlossene Sache, dass wir am Samstag alle gemeinsam zum Watanagashi gehen.

Am Samstag trafen wir uns alle am vereinbarten Treffpunkt. „Wo ist denn Rika?“, fragte ich verwirrt. „Sie muss noch einiges für ihren Auftritt vorbereiten“, antwortete Satoko. Verstehend nickte ich und setzte mich zusammen mit den anderen in Bewegung. „Und was wollen wir machen?“, fragte Keiichi. „Wir gehen zu den Ständen und machen ein Wettessen“, erklärte Mion. „Ein Wettessen?“, fragte ich. „Ja, der Verlierer wird bestraft“, grinste Shion. Oh Gott, das kann ja was werden.

Wir hatten schon einige Stände abgeklappert und bis jetzt hatte ich nicht verloren, auch wenn mein Magen schon voll bis obenhin war. Keiichi hingegen hatte im Moment anscheinend eine richtige Pechsträhne, denn er verlor in einer Tour. „Können wir eine kurze Pause machen, wenn ich noch einen Bissen esse, muss ich mich übergeben“, grummelte ich und hielt mir den Magen. „Dann solltet ihr wirklich eine Pause machen“, sagte jemand hinter mir. Ich blickte mich verwirrt um und erblickte eine junge blonde Frau und einen Mann mit braunen Haaren. „Hallo Takano-san, hallo Tomitake-san“, begrüßte Satoko die beiden. „Was machen sie hier?“, fragte Mion. „Ich mache  Fotos vom Fest und Takano-san begleitet mich“, erklärte der Mann, welcher offenbar Tomitake-san war. „Dann machen wir am besten eine Pause, bevor es Ki-Chan schlechter geht“, meinte Rena. „Danke“, murmelte ich und versuchte mich nicht zu übergeben, ich hatte mich anscheinend wirklich überfressen. „Hoffentlich passiert nicht das gleiche wie letztes Jahr“, murmelte Takano-san plötzlich. „Was ist denn letztes Jahr passiert, hat sich letztes Jahr etwa jemand so überfressen das er sich übergeben musste“, grinste ich. „Nicht direkt“, meinte Takano-san lächelnd. „Was ist dann passiert?“, fragte Keiichi. „Der Fluch hat zugeschlagen“, meinte Takano-san. „Der Fluch, welcher Fluch?“, fragte ich. „Der Fluch von Oyashiro-sama“, antwortete Tomitake-san. „Was?!“, riefen Keiichi und ich im Chor. „Seit fünf Jahren stirbt jedes Jahr an Watanagashi eine Person und eine andere verschwindet“, erklärte Takano-san, „die Dorfbewohner nennen diese Mordserie den Fluch von Oyashiro-sama." „Wie schrecklich“, murmelte ich. „Ja und wenn es wirklich ein Fluch ist, dann wird dieses Jahr das gleiche wieder passieren, passt also gut auf euch auf“, empfahl Takano-san und ging zusammen mit Tomitake-san weiter. Ein kalter Schauer lief mir über den Rücken, als ich an den Fluch dachte. „Ist das mit dem Fluch wirklich wahr?“, fragte Keiichi. „Wir wissen leider auch nicht viel darüber, nur das, was Takano-san bereits erzählt hat“, kam es von Shion. Verstehend nickte ich, nun war mir richtig übel bei dem Gedanken an den Fluch, hoffentlich waren es nicht mehr so viele Stände für das Wettessen.

Ich hatte es Tatsächlich durch das Wettessen geschafft, ohne mich zu übergeben, das war wirklich ein Wunder, zwar hatte ich nicht gewonnen, aber war auch nicht letzte. Auch Keiichi hatte es irgendwie geschafft noch auf dem vorletzten Platz zu schaffen und die letzte war Rena, welche beim vorletzten Stand freiwillig das Handtuch geworfen hatte. Das konnte ich auch verstehen, immerhin war mir selbst nach übergeben zu mute. Nun standen wir etwas abseits vom Schrein und warteten auf Rika, welche gerade ihre Vorstellung beendet hatte. Freunde wie wir waren, hatten wir uns die Vorstellung angesehen und ich musste zugeben, dass sie wundervoll war, ich hatte noch nie so eine Vorstellung gesehen und Rika hat alles einfach atemberaubend schön gemacht. „Das war unglaublich Rika“, sagte ich, als Rika sich zu uns gesellt hatte. „Danke Ki-Chan“, bedankte sich die blauhaarige. Wir blieben noch eine Weile auf dem Fest und redeten über alles möglich. Als es schließlich immer später wurde beschlossen wir uns zu trennen und nach Hause zu gehen.

Als ich am Montag das Klassenzimmer betrat herrschte dort reges Treiben, alle redeten miteinander und schienen beunruhigt zu sein. Mit einem mulmigen Gefühl lief ich zu Mion und fragte: „Morgen Mi-Chan, was ist denn los, alle scheinen wegen irgendetwas aufgeregt zu sein.“ „Gestern Nacht fand man die Leichen von Takano-san und Tomitake-san“, antwortete Mion. Ich spürte förmlich wie mir sämtliche Farbe aus dem Gesicht wich und ein kalter Schauer über meinen Rücken lief. Sie waren tot, dann ist dieser Fluch also echt. „Wie…sind sie gestorben?“, fragte ich vorsichtig. „Takano-san wurde verbrannt und Tomitake-san hat sich mit seinen eigenen Händen die Halsschlagader aufgekratzt“, erklärte Shion an stelle ihrer Schwester. Mir wurde plötzlich wieder übel, die beiden waren tot und starben auch noch auf diese Art und Weise…wie schrecklich. „Ki-Chan, ist alles in Ordnung? Du bist ganz bleich?“, fragte Rena besorgt. „Keine Sorge Rena, mir geht es gut“, versuchte ich sie zu beruhigen. Kurz nachdem ich das gesagt hatte betrat unsere Lehrerin den Klassenraum und begann mit dem Unterricht. Während des Unterrichts fiel mir auf, dass Keiichi gar nicht da war. Die Worte von Takano-san kamen mir wieder in den Sinn.

„Seit fünf Jahren stirbt jedes Jahr an Watanagashi eine Person und eine andere verschwindet, die Dorfbewohner nennen diese Mordserie den Fluch von Oyashiro-sama.“

//Jedes Jahr stirbt und verschwindet eine Person…dieses Jahr sind zwei Personen gestorben, heißt das, dass auch zwei verschwinden werden//, überlegte ich, dieser Fluch bereitete mir wirklich Unbehagen, theoretisch gesehen könnte es jeden Treffen, das hat man ja bei Takano-san und Tomitake-san bemerkt.

Der Tag verging wie im Flug, jedoch wollte mir die ganze Sache mit dem Fluch und die Abwesenheit von Keiichi nicht aus dem Kopf gehen. „Mach dir nicht so viele Gedanken darüber Ki-Chan“, versuchte Shion mich zu beruhigen, „ich bin sicher Keiichi geht es gut, er ist wahrscheinlich nur erkältet oder so.“ „Hoffentlich hast du recht Shi-Chan“, murmelte ich. „Mach dir nicht so viele Gedanken, es wird nichts passieren“, sagte Mion und grinste im Versuch mich zu beruhigen. Unglaublicher Weise beruhigte mir ich Grinsen etwas, auch wenn es nicht gerade viel war.

Am nächsten Tag stellte sich Shions Beruhigungsversuch als erfolgreich heraus, denn als ich das Klassenzimmer betrat saß Keiichi bereits an seinem Platz und Blätterte in seinem Heft herum. Erleichtert seufzte ich und setzte mich auf meinen Platz. Als schließlich die Pause anbrach, bemerkte ich, dass Mion nicht da war. „Wo ist denn Mi-Chan?“, fragte ich Shion. „Ich weiss es nicht, ich habe sie heute noch nicht gesehen“, antwortete Shion. „Häh, aber ich dachte, dass ihr zusammen lebt“; meinte ich. „Schon, aber meistens geht Mion vor oder nach mir aus dem Haus, als ich heute gegangen bin, dachte ich, dass sie schon gegangen sei, was offensichtlich nicht stimmt. Vielleicht ging es ihr nicht gut“, vermutete sie. Sofort wurde mir wieder unwohl. Offensichtlich konnte man mir mein Unwohlsein ansehen, denn Rena sagte sofort: „Sie ist sicher nur krank, nichts weiter. Mach dir keine Gedanken.“ „Genau Ki-Chan, mach dir nicht so viele Gedanken. Ihr geht es sicher bestens“, meinte Satoko. „Wenn ihr meint“, nuschelte ich und konzentrierte mich auf mein Essen und die Gespräche meiner Freundinnen, anstatt auf diesen Fluch. Am Ende des Tages wollten wir wie immer, trotz Abwesenheit von Mion, unseren Clubaktivitäten nachgehen, als Keiichi verschwinden wollte. „Hey Keiichi, wo willst du hin? Mion mag zwar krank sein, aber der Club trifft sich trotzdem“, sagte ich. Keiichi blieb im Türrahmen stehen und antwortete, ohne sich umzudrehen: „Lasst mich in Ruhe.“ Mit einem Knall schlug er die Tür hinter sich zu. „Was war das denn?“, fragte Rena. „Vielleicht ist er einfach nicht in der Stimmung dazu“, vermutete ich. Die anderen zuckten lediglich mit den Schultern, ehe wir alle mit dem ersten Spiel begannen.

Die nächsten Tage vergingen wie im Fluge, doch die Lage, in der wir uns befanden wurde nicht besser…im Gegenteil, sie wurde schlechter. Keiichi distanzierte sich immer weiter von uns, inzwischen wechselte er kein Wort mehr mit uns oder anderen Personen. Doch das war nicht das schlimmste an dem Ganzen, das schlimme war, dass Mion nach wie vor verschwunden war. Jedoch war nicht nur Mion verschwunden, drei Tage nach Mion löste sich auch Shion in Luft auf und kurz darauf kam auch Rena nicht mehr in die Schule. Es dauerte nicht lange, bis die drei als Vermisst gemeldet wurden und die Polizei sich einschaltete. Alle, einschließlich mir, machten sich große Sorgen und das Verhalten von Keiichi linderte meine Sorge nicht.

Auch heute hatte sich an der Lage nichts verändert, Mion, Shion und Rena waren immer noch spurlos verschwunden und Keiichi distanzierte sich immer weiter. Seufzend verließ ich das Schulgebäude, um mich auf den Weg nach Hause zu machen, als mir ein Auto auffiel, welches direkt vor der Eingangstür zur Schule parkte. „Komisch“, murmelte ich, schenkte dem Auto keine Beachtung mehr, um mich auf den Weg nach Hause zu machen. „Kimara-san!“, hörte ich plötzlich jemanden rufen. Verwirrt drehte ich mich zu dem Ursprung der Stimme und erblickte einen älteren Mann mit kurzen grauen Haaren, welche aus dem Auto stieg. „Wer sind sie?“, fragte ich. „Mein Name ist Oishi, ich bin Kommissar und arbeite bei die Polizei, im Moment bearbeite ich den Fall deiner drei verschwundenen Klassenkameradinnen“, antwortete er. Jetzt wurde ich hellhörig, er bearbeitete also das Verschwinden der drei. „Ich hätte ein paar Fragen an dich“, sagte er. Ich nickte verstehend und lief zu ihm. „Steig ein“, sagte er und stieg in das Auto ein. Verwirrt schaute ich ihn an, sollte ich wirklich einsteigen. „Zeigen sie mir erst einmal ihre Marke“, bat ich, mir war das Ganze nicht ganz geheuer. Er kramte kurz in seiner Tasche und holte schließlich seine Polizeimarke hervor, welche er mir zeigte. Er war also wirklich Polizist. „Zufrieden, nun steig hinten ein“, bat er. Grummelnd stieg ich auf den Rücksitz und schloss die Autotür hinter mir. Nun saß ich hinten in seinem Auto und blickte ihm durch den Rückspiegel direkt in die Augen. „Also?“, fragte ich. „Ich habe einige Fragen über das Verschwinden deiner Kameradinnen“, begann er, „ist vor dem Verschwinden der drei irgendetwas vorgefallen?“ Ich überlegte kurz. War etwas vorgefallen? Nein eigentlich nicht, wir haben nur das Watanagashi besucht, danach hab ich sie nicht mehr gesehen und bei den anderen war eigentlich auch nichts Besonderes geschehen. „Nein, nicht das ich wüsste. Bevor Mion verschwunden ist waren wir alle gemeinsam auf dem Watanagashi Fest. Am Dienstag darauf verschwand Mion. Auch danach war nichts Besonderes geschehen“, antwortete ich. „Wer war alles mit euch auf dem Fest?“, fragte Oishi. „Rena Ryuugu, Mion und Shion Sonozaki, Rika Furude, Keiichi Maebara, Satoko Houjou und ich“, antwortete ich. Er schien sich das Ganze zu notieren, ehe er seinen Blick wieder auf mich richtete und fragte: „Haben sich die drei vor ihren Verschwinden merkwürdig verhalten?“ Kurz überlegte ich, ehe ich antwortete: „Nein, sie haben sich so verhalten wie sonst auch.“ Kommissar Oishi nickte verstehend, ehe er fragte: „Ist sonst irgendetwas merkwürdiges passiert oder hat sich jemand komisch verhalten?“ Gerade als ich diese Frage ebenfalls verneinen wollte, erinnerte ich mich an das Verhalten von Keiichi in letzter Zeit, aber er würde doch nicht. „Was haben sie denn Kimara-san?“, fragte Oishi. „Nichts, es ist nur, einer meiner Freunde verhält sich in letzter Zeit seltsam“, entgegnete ich. „Wer und in wie fern seltsam?“, fragte der Kommissar. Kurz überlegte ich, ob ich es ihm wirklich sagen sollte, immerhin würde Keiichi dann sicher der Hauptverdächtige sein, jedoch benahm er sich schon verdächtig, auch wenn ich das ungern zugebe. „Sein…sein Name ist Keiichi Maebara, wir gehen in die gleiche Klasse. An dem Montag nach Watanagashi war er nicht in der Schule, jedoch kam er am nächsten Tag, den Tag an dem Mion verschwand, wieder zum Unterricht. Wir haben uns dabei nichts gedacht, jedoch verhält er sich, seit er wieder da ist sehr distanziert zu uns. Wissen sie wir sind im gleichen Club und normalerweise nimmt er immer an den Clubaktivitäten teil, egal wie langweilig oder lächerlich sie sind, er machte immer mit, doch seit diesem Tag macht er das nicht mehr. Er distanzierte sich in den Tagen danach immer weiter von uns und inzwischen redet er mit niemanden mehr auch nur ein Wort“, berichtete ich, mir war nicht wohl dabei Keiichi jetzt zu einem der Verdächtigen zu machen, aber er verhielt sich nun einmal verdächtig, zudem machte ich mir wirklich Sorgen und je mehr Informationen die Polizisten zum Ermitteln hatte umso besser…oder? Oishi notierte sich das Ganze, ehe er sich wieder zu mir wandte: „Vielen Dank für ihre Hilfe Kimara-san.“ Ich nickte und wollte das Auto verlassen, als Oishi mir eine Karte vor die Nase hielt. „Was ist das?“, fragte ich. „Meine Visitenkarte, falls ihnen noch etwas einfällt oder sie meine Hilfe benötigen, rufen sie mich an“, bat er mich. Ich blickte kurz auf die Karte und dann wieder zu Oishi, ehe ich nickte, aus dem Auto stieg und mich auf den Heimweg machte.

Zuhause angekommen machte ich mir erst einmal etwas zu essen, die Visitenkarte von Oishi hatte ich in meine Rocktasche gesteckt. Momentan war ich alleine zuhause, meine Mutter hatte Nachschicht und würde deshalb erst morgenfrüh wieder kommen, wenn ich schon auf den Weg zur Schule bin. Zum Glück endet morgen ihre Nachtschicht, weshalb ich sie morgen nach der Schule wiedersehe. Seufzend aß ich mein Abendessen zu Ende und begann schließend das Geschirr zu spülen. Plötzlich klingelte es an der Haustür. Verwirrt blickte ich auf die Uhr, es war halb neun Uhr abends…wer kommt denn um diese Uhrzeit? Kopfschüttelnd ging ich zur Haustür und öffnete diese vorsichtig einen spaltbreit. Vorsichtig blickte ich nach draußen, nur um Keiichi zu erblicken. „Keiichi, was führt dich so spät noch hier her?“, fragte ich verwirrt. „Ich wollte dich besuchen“, antwortete Keiichi. „So spät noch, wir sehen uns doch morgen in der Schule“, antwortete ich verwirrt. „Ich habe aber etwas wichtiges zu besprechen“, entgegnete er. Gerade wollte ich wiedersprechen, als mir der Blick auffiel, mit dem Keiichi mich ansah. Seine Augen waren kalt und seine Lippen zierte ein breites Grinsen, welches mir einen kalten Schauer über den Rücken jagte. „D-Das kann bis morgen warten, im Moment habe ich keine Zeit“, log ich, ich wollte Keiichi so schnell wie möglich loswerden, im Moment war er mir nicht ganz geheuer. „Dann eben anders“, murmelte er und holte einen Baseballschläger hinter seinem Rücken hervor. Ehe er irgendetwas tun konnte schlug ich ihm die Tür ins Gesicht und ergriff die Flucht. Hinter mir hörte ich wie die Tür aufflog und kurz darauf etwas Schweres umfiel, doch ich schenkte dem keine Beachtung, denn mein Ziel war die Terassentür, durch welche ich nach draußen fliehen konnte. Doch gerade als ich diese öffnen wollte, wurde ich an meinen Haaren zurückgezogen und auf den Boden gestoßen. Kaum war ich auf dem Boden stand auch schon Keiichi über mir und wollte mich mit dem Schläger schlagen, doch ich reagierte rechtzeitig und rollte mich zur Seite. Schnell rappelte ich mich auf und stürmte zur Haustür, nur um festzustellen, dass diese vom Schuhregal blockiert wurde. Warum ging diese blöde Tür auch nach innen auf. Schnell machte ich kehrt und stürmte nach oben, auf den Weg dorthin warf ich einige Gegenstände um oder in Keiichis Richtung um ihn zu verlangsamen. Im oberen Stockwerk angekommen rannte ich in mein Zimmer, verschloss die Zimmertür hinter mir. Kaum hatte ich die Tür verschlossen flüchtete ich in meinen Kleiderschrank und holte zitternd mein Handy und Oishis Visitenkarte aus meiner Rocktasche. Hektisch tippte ich die Nummer auf der Karte in mein Handy und drückte den Anrufknopf. Während das Handy wählte spitzte ich meine Ohren, um zu höre, ob Keiichi schon in dem Zimmer war. //Jetzt nimm schon ab//, dachte ich panisch. „Kommissar Oishi“; meldete sich eine mir bekannte Stimme. „Oishi-san, sie müssen mir helfen“, sagt ich möglichst leise. „Kimara-san? Sind sie das? Was ist passiert?“, fragte er. „Es geht um Keiichi, er hat mich mit einem Baseballschläger angegriffen“, antwortete ich. „Ganz ruhig, wo sind sie gerade?“, fragte Oishi. „Ich bin bei mir zu Hause, bitte beeilen sie sich“, bat ich ihn. Kaum hatte ich das gesagt öffnete sich die Schranktür und Keiichi stand vor mir. „Gefunden“, grinste er und zog mich mit Gewalt aus dem Schrank. Ich schrie schmerzerfüllt auf und wollte mich gerade wieder aufrappeln, als ich einen Schlag auf den Hinterkopf bekam und um mich herum alles schwarz wurde.

Langsam kehrte mein Bewusstsein wieder zurück und zusammen mit ihm auch schreckliche Kopfschmerzen. Ich wollte mir mit meiner Hand an den Kopf fassen, doch stellte schnell fest, dass ich sie nicht bewegen konnte. Schwerfällig öffnete ich meine Augen und blickte mich verwirrt um. Allem Anschein nach befand ich mich in einer Art Holzhütte, zumindest schien mir der Raum indem ich mich befand sehr danach auszusehen, denn die Wände waren allesamt aus Holz. Erneut versuchte ich meine Arme zu bewegen, jedoch stieß ich schnell auf Wiederstand. Träge blickte ich zu meinen Händen, nur um zu sehen, dass sie durch Seile an den Handgelenken über meinen Kopf festgebunden waren. Ich ließ meinen Blick nach unten wandern, nur um festzustellen, dass meine Beine ebenfalls durch Seile an den Knöcheln zusammen gebunden waren, mit Bewegung war also nicht viel. //Wo bin ich?//, fragte ich mich selbst, als mir auf einmal ein metallischer Geruch in die Nase stieg. Was war das? Ich ließ meinen Blick durch den Raum wandern, konnte jedoch außer dreckigen Holzwänden und einem genauso dreckigen Boden nichts erkennen. Wo war ich bloß? Plötzlich hörte ich das Knarren einer Tür, gefolgt von einem erneuten Knarren und Quietschen. Wo zum Henker bin ich? Wie bin ich hier her gekommen? Ich schloss meine Augen und überlegte angestrengt wie ich hier her gekommen war. Nach der Schule hatte ich mit Oishi-san gesprochen und bin anschließend nach Hause gelaufen, zu Hause habe ich dann zu Abend gegessen, dann hatte es an der Tür geklingelt, an der Tür war Keiichi gewesen, der dann… „Keiichi“, flüsterte ich, als ich mich wieder an das Geschehene erinnerte. „Ja?“, hörte ich eine mir bekannte Stimme sagen. Ich zuckte zusammen und blickte zum Ursprung der Stimme, nur um Keiichi zu erblicken, welcher mich mit einem breiten Grinsen anschaute. „Keiichi? Du hast mich hier her gebracht oder?“, fragte ich, sein Lächeln sorgte bei mir für Unbehagen. „Ja“, antwortete er lediglich und trat auf mich zu. „Wieso?“, fragte ich vorsichtig. „Das wird dir bald klar sein“, grinste er. Verwirrt blickte ich ihn an, ich verstand nichts, wieso sagt er mir das nicht einfach? Keiichi lächelte mich kurz an, ehe er sich umdrehte und den Raum verließ. Warum hat er mich hier her gebracht, was hat er vor?

Ich wusste nicht wie lange ich schon hier in diesem Raum war, für mich fühlte es sich wie Stunden an, es könnte aber auch sein, dass seit Keiichi weg ist gerade Mal ein paar Minuten vergangen sind. Jedoch kam mir das alles viel länger vor, da meine Sitzposition nicht gerade angenehm war und meine Beine langsam aber sicher einschliefen. Ich versuchte mich in eine etwas bequemere Position zu bringen, das klappte jedoch nicht so ganz, zudem scheuerte das Seil an meinen Handgelenken durch die Bewegung. Plötzlich hörte ich einen lauten Schrei, welcher mich vor Schreck zusammenzucken lies, wer hatte da geschrien? Erneut hörte ich einen Schrei und kurz darauf ein Schluchzen. Was war passiert, wer hatte da geschrien? Ich spitzte meine Ohren um eventuelle Geräusche zu hören, jedoch war alles still geworden. Einige Fragen schwirrten in meinem Kopf herum, vor allem aber wer da geschrien hatte und vor allem warum  hatte dieser jemand so geschrien?

Die Zeit verging und wenn mein Zeitgefühl nicht komplett im Eimer war, dann war der nächste Tag bereits angesprochen. In der ganzen Zeit hörte ich noch zwei Mal diese Schreie und mit jedem Schrei wurde mir immer unwohler. Warum war ich hier? Diese Frage beschäftigte mich, neben den Schreien, am meisten und mein Gehirn konnte sich einfach keinen Reim daraus machen. Erneut hörte ich ein knarren und sofort wanderte mein Blick durch den Raum, konnte jedoch nicht erkennen, woher das Geräusch kam. „Wie ich sehe geht es dir noch gut Kim“, hörte ich eine mir bekannte Stimme und wenige Sekunden später trat Keiichi in mein Sichtfeld. „Keiichi, sag mir bitte, warum ich hier bin“, bat ich den braunhaarigen. Diese Frage machte mich ganz verrückt und ich wusste, dass ich keine Ruhe haben werde, bis ich eine Antwort habe. „Ich habe doch gesagt, dass du es bald verstehen wirst. Die anderen haben es auch schnell verstanden“, erklärte Keiichi. „Die anderen?“, fragte ich nach, mir schwante irgendwie übles. „Ja die anderen, es sind noch nicht alle hier aber bald werden alle hier versammelt sein“, sagte Keiichi grinsend. „Wer sind die anderen?“, fragte ich noch vorsichtiger…auch wenn ich die Antwort schon ahnte. „Na wer wohl, unsere Freundinnen“, lachte Keiichi. Bei seinem Lachen lief es mir eiskalt den Rücken runter und wie bereits vermutet hatte ich die Antwort bereits geahnt, meine Freundinnen befanden sich auch hier. „Dann sind Mi-Chan und Shi-Chan…?“, begann ich. „Ja, sie waren die ganze Zeit hier“, antwortete Keiichi. „Du hast sie also entführt?“, fragte ich. „Wer denn sonst“, lachte Keiichi, ehe er mir den Rücken zuwandte, „ich muss jetzt los, bis später.“ „Hey bleib hier! Warum machst du das alles? Hey! Keiichi!“, schrie ich ihm nach, doch er schien mich zu ignorieren. Was hatte er nur vor?

Es vergingen einige Stunden, in denen es toten still war, irgendwie machte mich diese Stille noch mehr fertig. Plötzlich hörte ich ein Knarren, als ob eine alte Tür geöffnet worden wäre und kurz darauf konnte ich schwache Stimmen hören, welche näher zu kommen schienen. Immer näher und näher kamen die Stimmen, bis ich sogar verstehen konnte was sie sagten. „Lass mich los Keiichi, ich bitte dich, lass mich los“, hörte ich eine mir bekannte Stimme flehen. Das war doch…Rena wenn ich mich nicht irre. „Rena! Rena bist du das?!“, fragte ich. „Ki-Chan?“, hörte ich die Stimme fragen, „Ki-Chan, ja ich bin es wo bist du!“ „In einem Raum, ich kann aber nicht genau sagen wo. Was passiert gerade?“, fragte ich. Ich hörte Geräusche, die sich nach einem Kampf anhörten. „Keiichi…“, begann sie, doch wurde ihr Satz von einem Schrei unterbrochen. „Rena!!“, schrie ich. „Ki-Chan“, hörte ich Rena schluchzen, gefolgt von einem dumpfen Aufprall. „Keiichi, lass Rena in Ruhe!“, schrie ich, wissend dass höchstwahrscheinlich er an ihrer Lage Schuld war. „Zu dir komme ich gleich“, hörte ich Keiichi sagen, ehe ich hörte wie sich Stimmen und Schritte entfernten. „Rena!!“, schrie ich erneut, doch bekam diesmal keine Antwort. Was hatte er gemacht?

Lange Zeit passierte nichts und ich dachte schon, das er vergessen hätte, was er gesagt hat, jedoch wurde ich eines besseren belehrt, als ich näher kommende Schritte hörte und kurz darauf Keiichi in mein Blickfeld trat. „Hättest du nur den Mund gehalten“, knurrte Keiichi und holte etwas hinter seinem Rücken hervor. „Was hast du mir Rena gemacht?!“, fragte ich wütend. „Du solltest dir lieber sorgen um dich selbst machen“, zischte Keiichi. Dann ging alles ganz schnell, ehe ich mich versah, stand Keiichi vor mir und ich spürte einen stechenden Schmerz in meiner Handfläche, gefolgt von etwas warmen, das meinen Arm hinab floss. Ich biss mir auf die Unterlippe, um mich etwas von dem Schmerz abzulenken und blickte zu meiner schmerzenden Hand, nur um zu sehen, das ein Messer in meiner Handinnenfläche steckte. Meine Augen weiteten sich und ich blickte geschockt zu Keiichi, welcher mich lediglich angrinste. „Du hättest die Klappe halten sollen“, flüsterte Keiichi, ehe er sich von mir abwandte, das Messer ließ er in meiner Handfläche stecken. „Bis bald“, sagte Keiichi, ehe er verschwand.

Seitdem war jeder Tag für mich die Hölle. Ich hörte immer wieder die Schreie und die Tatsache, dass ich wusste, dass es meine Freundinnen waren, die dort schrien, machte die Sache nicht besser, nein im Gegenteil, sie verstärkte meine Angst noch. Doch es ging noch schlimmer, jeden Tag kam Keiichi zu mir und stach mich mit dem Messer, welches er auch schon in meine Hand gerammt hatte. Es tat schrecklich weh und ich schrie laut vor Schmerz. Jeden Tag ein Schnitt am Arm, dann ging er wieder, ob er das bei den anderen auch machte? Inzwischen waren meine beiden Arme mit Schnitten übersäht und getrocknetes Blut klebte an meiner Haut. Keiner der Schnitte war tief genug und auch meine Halsschlagader mied er, er wollte mich also nicht sofort töten, sondern leiden lassen. Warum? Das fragte ich mich auch schon die ganze Zeit.

Ich zitterte am ganzen Leib, allein schon weil seit einiger Zeit die Schreie weniger wurden. Was war geschehen? Doch nicht nur deswegen zitterte ich, nein, auch weil ich wusste das Keiichi kommen würde, ich wusste nur nicht wann, ich wusste nur das er kommt. So saß ich also hier, nach wie vor mit Seilen an Hand-und Fußgelenken gefesselt, schon seit langem habe ich kein Gefühl mehr in Armen und Beinen. Am Anfang waren sie nur oft eingeschlafen, dann hatte ich manchmal, wenn ich mich bewegte, so ein Ameisenkribbeln, doch inzwischen spürte ich sie schlichtweg nicht mehr. Dennoch spürte ich wie ich am ganzen Körper zitterte und manchmal verließ auch ein trockenes schluchzen meine Kehle. Keiichi sorgte dafür, dass ich etwas trank, auch wenn er mich mit Gewalt dazu zwang, er wollte verhindern das ich dehydriere, selbst wenn er das verhindert, ich habe seit Tagen nichts gegessen, irgendwann verhungere ich, wenn er mich bis dahin nicht getötet hat.

Plötzlich hörte ich einen lauten Schrei, welcher bei mir starkes Zittern verursachte, gefolgt von einem lauten Knarren. Kommt er etwa? Ich zitterte immer stärker, während ich hörte, wie sich Schritte näherten, er kommt! Ich schloss meine Augen in Erwartung von Schmerz, doch der blieb aus, stattdessen spürte ich wie jemand seine Arme um mich legte und mich an sich drückte. Langsam öffnete meine Augen und erblickte eine Busch aus Blond…das war doch nicht etwa… „Ich bin so froh das du noch lebst Ki-Chan“, hörte ich die bekannte Stimme von Satoko sagen. Satoko, ihr ging es gut. Eine Welle der Erleichterung durchflutete mich, während ich sie mir genau anschaute, sie war dünn, nicht so dünn wie ich inzwischen, dennoch sehr dünn. Ihre Haut war genau wie meine übersäht mit Schnittwunden, welche ihr vermutlich Keiichi zugefügt hatte. „Ich befreie dich, wir müssen uns aber beeilen, nicht das Keiichi kommt“, sagte Satoko und machte sich an den Handgelenkfesseln zu schaffen. „Was ist mit den anderen?“, fragte ich. „Rika ist schon losgerannt um Hilfe zu holen“, antwortete die Blondine. „Und die anderen?“, fragte ich. Satoko hielt in ihrer Bewegung inne und schaute mich traurig an. „Die anderen sind tot Ki-Chan, Keiichi hat sie getötet“, sagte sie leise. Meine Augen weiteten sich, sie waren tot…waren deswegen die Schreie weniger geworden? „Aber keine Angst, wir werden von hier fliehen und dann wir Keiichi dafür bezah…“

PENG

Mit weit aufgerissenen Augen sah ich wie Satoko zur Seite fiel, während ihr Blut mir ins Gesicht spritzte. Sie blieb mit weit aufgerissenen Augen auf dem Boden liegen und rührte sich nicht mehr. „Satoko?“, flüsterte ich und spürte wie meine Augen zu brennen begannen. „Satoko?“, fragte ich erneut diesmal etwas lauter. „Satoko!“, schrie ich und spürte wie die ersten Tränen mein Gesicht hinunter liefen. „Sie hört dich nicht mehr“, hörte ich Keiichi lachen. „Sie ist tot, sie wird dich nicht mehr hören können“, lachte er mit einem breiten Lächeln im Gesicht, ehe er lauthals zu Lachen begann. „Satoko“, schluchzte ich laut. „Die beiden dachten sie könnten entkommen, tja sind sie beide tot“, lachte Keiichi. „Du hast Rika?“, fragte ich ungläubig. „Ganz recht und du wirst auch nicht mehr lange leben Kim“, lachte er und Schritt langsam auf mich zu. Erneut begann ich zu zittern und immer mehr Tränen flossen meine Wangen hinunter, ich wollte nicht sterben, nein, ich will leben bitte. „Bitte, tu das nicht Keiichi, ich bitte dich, ich will nicht sterben“, flehte ich ihn an, doch das brachte ihn nur noch mehr zum Lachen. Direkt vor mir blieb und richtete sine Pistole auf mich. „Irgendwelche letzten Worte Ki-Chan?“, fragte er, während ein breites und krankes Grinsen seine Lippen zierte. „Tu es nicht, lass mich bitte leben“, flehte ich erneut. „Ich denk nicht mal dran“, lachte Keiichi.

PENG

Mit weit aufgerissenen Augen beobachtete ich, wie Keiichi vor mir in die Knie ging, ehe er nach vorne sackte und mit seinem Kopf auf meiner Schulter ruhte. Was war passiert? „Verdächtiger eliminiert…es lebt noch jemand!“, hörte ich jemanden rufen. Ich wandte meinen Kopf zu der Stimme und sah mehrere Polizisten in den Raum rennen, einer von ihnen rannte direkt auf mich zu entfernte Keiichi von meiner Schulter und fragte: „Ist alles in Ordnung.“ Ich brachte keinen Ton heraus, zu sehr hatte mich das gesehene geschockt. „Keine Angst, alles wird gut“, sagte der Polizist und entfernte die Fesseln von Hand- und Fußgelenken. Kaum waren meine Hände frei fielen sie mir in den Schoß, da ich nicht die Kraft hatte sie zu bewegen. „Ich werde sie jetzt hier raus bringen, in Ordnung?“, fragte er. Diesmal schaffte ich es zu nicken. Vorsichtig schob der Polizist seine Hände unter meinen Körper, ehe er mich genauso vorsichtig hochhob und sich in Bewegung setzte. Ein letztes Mal drehte ich meinen Kopf zu Satoko und Keiichi, welche beide auf dem Boden lagen und sich nicht rührten.

Erzähler Sicht…

Der Polizist brachte Kim zu einem Krankenwagen, welcher vor dem Eingang ihres Gefängnisses wartete und kaum war Kim im Krankenwagen fuhr dieser los zum Krankenhaus. Im Krankenhaus wurden Kims Wunden schnell versorgt und die nach wie vor geschockte Kim in ein Zimmer gebracht. Währenddessen hatte Kim kein einziges Wort gesagt, nicht ein Ton verließ ihre Lippen. Kims Körper hatte unzählige Schnittwunden an Armen und Beinen, sowohl in Armen als auch Beinen wurden Nerven durchtrennt, welche nun dafür verantwortlich sind, dass Kim weder Arme noch Beine bewegen kann. Hinzu kam noch, dass sie stark abgemagert war und erst wieder aufgepäppelt werden muss.

„Wie schlimm ist es?“, fragte Oishi den für Kim zuständigen Arzt. „Einige Nerven wurden beschädigt, sie wird ihre Arme und Beine also eine Weile nicht bewegen können, aber das alles sollte mit der Zeit heilen, sie wird sich also mit einiges an Zeit und Übung wieder bewegen können“, antwortete der Arzt und blickte zu Kim, welche mit leeren Augen an die ihr Gegenüber liegende Wand starrte, während ihre Mutter neben ihr saß und ihre Hand hielt. „Es hängt alles nur von ihrer Willenskraft ab“, seufzte der Arzt. Oishi nickte und blickte zu Kim, welche wie in Trance die Wand anstarrte. „Hoffentlich schafft sie das, nach alldem was sie durchgemacht hat“, murmelte Oishi.

Nach dem Vorfall verließen Kim und ihre Mutter Hinamizawa, sie zogen wieder in die Stadt. Mion, Shion, Rena, Satoko, und Rika wurden beerdigt, genauso wie Keiichi, der Fall wurde als gelöst zu den Akten gelegt, der Täter war schließlich tot.

Wie jedes Jahr besuchte Oishi das Grab der Mädchen, inzwischen waren fünf Jahre vergangen, er hatte nichts mehr von Kim gehört, hoffte jedoch, dass es ihr gut geht. Kurz bevor er die Gräber erreichte erblickte er eine junge Frau, welche vor besagten Gräbern stand. Sie trug, trotz dessen, das es Sommer war einen langärmligen Pullover und eine lange Jeans, dazu noch Ballerinas, ihre langen blauen Haare reichten ihr bis zu ihrer Taille. „Kimara-san?“, fragte Oishi vorsichtig. Die Frau zuckte erschrocken zusammen und drehte sich schnell um, entspannte sich jedoch deutlich als sie Oishi sah. „Oishi-san“, sagte sie leise, „sie haben mich ganz schön erschreckt.“ „Tut mir leid, das war nicht meine Absicht gewesen. Ich hätte nicht erwartet sie hier zu sehen. Wie geht es ihnen?“, fragte Oishi und trat neben die Frau, welche einen Schritt zur Seite machte. Oishi bemerkte dies und blickte sie fragend an. „Entschuldigung, ich hab noch ein paar Probleme mit Menschennähe“, entschuldigte sie sich. Oishi winkte ab und wiederholte seine Frage. „Wie man es nimmt, ich lebe relativ ruhig. Es gibt jedoch Höhen und Tiefen, aber ich habe meine Ängste gut im Griff, inzwischen kann ich sogar wieder durch die Straßen laufen ohne Panik zu bekommen“, antwortete Kim. „Sie waren also in Behandlung?“, fragte Oishi. „Ja, besser gesagt bin ich immer noch, sofort nachdem wir umgezogen waren organisierte meine Mutter eine Psychologin, zu der ich ging gleich nachdem ich aus dem Krankenhaus entlassen wurde. Zu dem Zeitpunkt konnte ich noch nicht laufen, weshalb meine Mutter mich fahren und war an den Rollstuhl gefesselt. Nur mit viel Mühe konnte ich wieder Arme und Beine bewegen und schließlich wieder laufen“, erklärte Kim und blickte auf ihre Hand, „jedoch dauerte es lange, fast zwei Jahre und dazu noch die Behandlung meines Psyche.“ Während sie dies sagte krallte sie sich in die Ärmel ihres Pullovers. „Das schlimme sind aber die Narben, sie erinnert mich täglich an alles, deshalb wird der Prozess auch noch sehr lange dauern, aber immerhin kann ich wieder unter Menschen, wenn auch nicht für lange“, meinte Kim und versuchte zu Lächeln, auch wenn Oishi deutlich merkte, das ihr nicht nach Lächeln zu mute war. „Besuchen sie oft die Gräber?“, fragte Oishi um das Thema zu wechseln. „Nein, nur am Tag des Vorfalles. Meine Psychologin hält das zwar für keine gute Idee und meint ich solle an einem anderen Tag kommen, jedoch möchte ich genau heute hier sein und nicht an einem anderen Tag“, erklärte Kim, „einmal im Jahr komme ich hier her, erinnere mich und versuche gleichzeitig zu vergessen.“ Oishi nickte verstehend und schwieg.

Eine Weile schwiegen die beiden und starrten nur auf die Gräber, bis Kim das Schweigen brach. „Ich mache mich mal wieder auf den Weg, ich fühle mich hier immer noch nicht ganz wohl“, gestand sie. „Soll ich sie fahren?“, bot Oishi an. „Nicht nötig, ich bin mit Frau Tsuja, meiner Psychologin, hier“, meinte Kim und wandte sich zum gehen. Oishi warf noch einen letzten Blick auf die Gräber, ehe auch er sich zum gehen wandte. Als er den Friedhof verließ und in sein Auto steigen wollte, sah er noch mal Kim, welche in einem Auto an ihm vorbei fuhr, sie winkte ihm noch einmal zum Abschied. Er winkte ebenfalls, ehe er sich selbst ins Auto setzte. „Du hast es nicht geschafft sie zu brechen Maebara…Kimara-san wird das alles schaffen, sie ist eine Kämpferin“, sagte Oishi, ehe er losfuhr.
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