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Das Lichtschwert

Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer / P12 / Gen
OC (Own Character)
31.10.2016
10.12.2016
24
61.116
4
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10.12.2016 3.207
 
Der Flug verlief erwartungsgemäß ohne Probleme. Auf dem Flug hatten sich alle ausgeruht. Es war zwar unwahrscheinlich, aber vielleicht würde es in Atlanta nochmals Ärger geben. Diejenigen, die noch zum Kämpfen in der Lage waren, wollten dafür bereit sein. Badger hatte in Atlanta ein paar Freunde angerufen, die ihm helfen sollten. Aber es geschah nichts weiter. Mit Armans Hilfe waren sie auf einem kleinen Flughafen kurz vor Atlanta gelandet. Später würde man entscheiden, was mit dem Flugzeug und Elvis übrigen Sachen geschehen sollte. Wie erwartet, hatten ihre Feinde aufgegeben. Auch sie hatten zurzeit nicht die Mittel alle Flugplätze rund um Atlanta zu überwachen. Kurz vor der Landung hatte Badger bei seinem Auftraggeber angerufen und ihm den neusten Stand mitgeteilt. Für einundzwanzig Uhr wurde auch noch ein Treffen für die Übergabe ausgemacht. An ihrem Ziel wurden sie bereits erwartet und nach Atlanta eskortiert. Ging alles aufs Spesenkonto. Dieses war nach der Aktion dann auch im Wesentlichen erschöpft. Auch Speed wurde am Flughafen schon ausgezahlt. Er hatte sich dann dort auch gleich verabschiedet, worüber niemand aus dem Team sonderlich traurig gewesen war. Anscheinend konnte er nur in Gefahrensituationen sein Mundwerk im Zaun halten. Er war zwar ein guter Fahrer und Pilot, aber trotzdem immer noch eine Nervensäge. Davon konnte sich das Team auf dem Heimflug zur Genüge überzeugen, bis Badger eingriff und dem Rigger klar machte, dass einige Leute gerne etwas schlafen würden. Viola wurde in Atlanta an einem Hotel abgesetzt. Sie hatte auch nicht viel dagegen gehabt. Sie sagte, dass sie verstehe, wenn das Team das Schwert dem Auftraggeber ohne sie geben wollte. Außerdem war sie der Meinung, dass sie eine Dusche und ein Bett ganz gut gebrauchen könnte. Zudem müsste sie sich auch noch eine Flugkarte für den nächsten Tag besorgen. Arman versprach noch, dies für sie zu erledigen, bevor sie weiter zum Auftraggeber fuhren. Badger überbrachte das Schwert alleine. Als er den Treffpunkt sicher erreicht hatte, brachte Arman die anderen jeweils nach Hause. Meratin wurde bei ein paar Freunden einquartiert, bis er nach Hause aufbrechen konnte.



Am nächsten Morgen um zehn Uhr klingelte bei Viola auf dem Zimmer das Telefon. Der Typ von der Rezeption informierte sie darüber, dass Besuch für sie da sei und ob er den Herren nach oben schicken solle. Viola bat ihn, dem Besuch auszurichten, dass sie gleich nach unten käme.
Badger wartete daher fünf Minuten in der Lobby des Mittelklassehotels, bis Viola von ihrem Zimmer kam. Sie trug blaue Jeans mit einem weißen T-Shirt. Unter dem Arm hielt sie eine ebenfalls blaue Jeansjacke. Er begrüßte sie und sie setzten sich auf zwei Sessel in der Lobby.

„Ist gestern noch alles gut gegangen?“
„Ja, es gab keine Probleme. Der Auftraggeber bekam beim Anblick des Schwertes ganz große Augen.“
„Das freut mich.“
„Heute Nachmittag werde ich den anderen den Rest ihres Geldes geben. Dann ist es endlich vorbei. Ach, bevor ich es vergesse, Arman lässt Dir ausrichten, Dein Flug nach Seattle geht heute um fünfzehn Uhr.“
„Das passt ja alles. Ich hatte schon befürchtet, dass ich die Feier verpassen würde.“
„Die Feier?“
„Ein Freund von mir hat sich verlobt und nun soll am Wochenende eine große Verlobungsparty sein.“
„Na denn, viel Vergnügen.“
„Vielen Dank. – Badger, eine Frage habe ich aber noch.“
„Ja?“
„Was hat ihr Auftraggeber für das Schwert bezahlt?“
„Im Endeffekt gar nichts, da es nie zur Übergabe vom eigentlichen Verkäufer kam. Aber er hat mir gestern erzählt, dass das Ding einen Wert von ungefähr vier Millionen hat.“
„Wow!“
„Ach ja, ich soll Dir noch sagen, dass er kein Interesse hat, das Schwert zu verkaufen. Tut mir leid.“
„Tja, da kann man nichts machen. Vielleicht ein anderes Mal.“ Das überraschte Badger.
„Augenblick mal, willst du mir weismachen, dass Du nach alledem, was du wegen dem Schwert durchgemacht hast, du nun so einfach auf es verzichten willst. Das nehme ich dir nicht ab.“
„Warum, ich weiß doch noch nicht einmal, wer dein Auftraggeber ist.“
„»Ich tue, was ich will, wann ich es will.« hast du mir gestern gesagt. Weißt du das noch? Nein, da steckt was anderes dahinter. Raus damit.“ Badger war nun hellwach und sein Verstand rief »Achtung«.
„Du sagtest doch, dass Deinem Boss das Schwert gefallen habe. Das stimmt doch, oder?“
„Ja, warum?“ Badger spürte, dass irgendetwas ihm gleich den Boden unter den Füssen wegziehen würde.
„Hattet ihr das Schwert auch magisch untersucht.“
„Ja.“ sagte Badger vorsichtig.
„Und es war nicht magisch?“
„Nein.“
„Hat dich das nicht etwas überrascht?“
„Eigentlich schon, aber du sagtest ja selbst, dass du dich auch irren kannst.“
„Nun, du musst es so sehen, dein Boss war mit dem Schwert zufrieden. Das ist ja schon mal das Wichtigste.“
„Eigentlich schon, aber irgendwie befürchte ich, dass gleich der ganz große Hammer kommt.“
„Tja, wie soll ich es dir sagen. Das Ding, das du deinem Auftraggeber besorgt hast, war, äh, war nicht das Lichtschwert.“
„Aber du sagtest, es sei das Lichtschwert. Du hast mich angelogen.“ sagte Badger sichtlich aufgebracht.
„Nein, das habe ich nicht.“ entgegnete Viola entschieden.
„Aber du sagtest doch eben ... Jetzt verstehe ich überhaupt nichts mehr.“
„Das Lichtschwert war in dem Kasten, wie ich gesagt habe. Es war nur nicht – das Schwert.“
Viola zog ein Stück Pergament aus ihrer Jackentasche.
„Wie meinst Du das? Was ist das für ein Blatt?“
„Das ist, nun ja, das ist das Lichtschwert. Ich habe es aus einem versteckten Hohlraum im Schwert genommen, als ich den Kasten in Chicago geöffnete hatte.“
Badger war nun vollkommen verwirrt.
„Das ist das Lichtschwert, aber das verstehe ich nicht. Das ist doch nur ein Stück Papier.“
„Es ist weit mehr als das.“
„Kann ich es mal sehen? Du bekommst es auch zurück, versprochen.“
Viola reichte Badger das Pergament. Es war zweifach gefaltet. Badger schlug es auf und betrachtet es. Die Worte darauf waren in einer Sprache, die er nicht verstand. Nur einst war klar, das Pergament und die Buchstaben machten einen sehr alten Eindruck. Es könnte aus der gleichen Zeit stammen wie das Schwert, das er gestern übergeben hatte. Nach einiger Zeit, in der er sich das Blatt konzentriert ansah, gab er es der Schamanin zurück.
„Könntest Du mir das bitte erklären, Viola.“
„Ich hatte dir von Elisabeth erzählt, die das Lichtschwert erschuf. Damals nannte man sie eine Hexe. Heute würde man Schamanin zu ihr sagen. Um ihre magischen Kräfte im Kampf gegen einen ihrer Erzfeinde konzentriert einsetzen zu können, erschuf sie das Lichtschwert. Durch das Wirken von Magie wird dabei ein Schwert auf magische Weise verstärkt. Sobald der Zauber sich in unserer Welt manifestiert, leuchtet das Schwert wie pures Licht; daher auch der Name. Damals kannten nur wenige Menschen die Kraft der Magie. Sie nahmen daher an, dass diese Macht dem Schwert innewohnen würde. Auch als die Schriftrolle, mit deren Hilfe man das Schwert erschaffen kann, gestohlen wurde, glaubten die Menschen, dass ein echtes Schwert gestohlen worden war. Aus den Geschichten der Menschen wurde eine Legende. Und als die Magie in Vergessenheit geriet, gab es keinen mehr, der die Wahrheit kannte. Außer den Nachfahren von Elisabeth und die sagten nichts. Das Lichtschwert ist eigentlich ein Zauber. Ein sehr starker, wenn ich das mal anmerken kann. Die Macht, die in diesem Stück Pergament ruht, geht weit über das bloße Erschaffen einer magischen Waffe hinaus. Wenn die falschen Leute diese Kraft richtig einsetzen, kann wer weiß was damit geschehen.“
„Aber du sagtest doch, dass andere diese Macht nicht nutzen könnten.“
„Hm, das war eine tatsächlich kleine, äh, Notlüge, falls dein Boss hinter der Macht des Schwertes hergewesen wäre. Sorry.“
„Warum hast du mir das alles nicht vorher gesagt.“
„Hättest Du mir denn geglaubt?“
„Wahrscheinlich nicht“, musste sich Badger eingestehen. „Ich hätte es wohl für eine Lüge gehalten und dir nicht geglaubt, geschweige denn vertraut.“
„Also, was hätte ich tun können? Alles andere, was ich dir erzählt habe, war die Wahrheit. Ehrlich gesagt, wart ihr meine beste Chance, an das Lichtschwert zu kommen. Es tut mir leid.“

Badger wusste darauf im Augenblick nichts zu antworten. Viola rechnete damit, dass er entweder explodieren oder wortlos gehen würde, aber die nächste Reaktion von Badger überraschte sie. Er fing an zu lachen.
„Du willst mir wirklich sagen, dass wir die ganze Scheiße durchgestanden haben, nur um ein Schwert zu besorgen, das es so gar nicht gibt.“
„Ich fürchte, im Grunde ja.“
„Das glaube ich ja nicht.“

Badger lehnte sich in seinem Sessel zurück. Was wäre passiert, wenn er das vorher gewusst hätte? Hätte er dem Auftraggeber gesagt, was Viola ihm erzählt hätte. Nein, denn er hätte nichts weitergegeben, was er nicht selbst geglaubt hätte. Und dann? Dann wäre es so weiter gegangen, wie es tatsächlich auch geschehen ist. Nein, vielleicht nicht ganz so. Er hätte Viola niemals mitgenommen. Was wäre im Hotel passiert, was in dem Keller? Er wusste die Antwort nicht. Aber er war überzeugt, dass es nicht besser geworden wäre.
Viola saß ihm gegenüber und schwieg. Es schien ihr leid zu tun, dass sie ihm die Wahrheit gesagt hatte.

„Warum hast du mir die Wahrheit gesagt? Du hättest doch einfach lügen können?“
„Als du mir vorhin sagtest, dass ich das Schwert nicht bekommen könnte, hätte ich lügen können. Das stimmt. Aber ich habe dir gesagt, dass ich dir alles sagen werde, was du wissen musst. Dein Auftrag war es, das Schwert aus Chicago zu holen. Nichts, was ich gesagt hätte, hätte daran was geändert, weil du mir verständlicher Weise nicht geglaubt hättest. So habe ich etwas weggelassen, aber nicht gelogen. Und die Wahrheit ist, dass ich dich einfach nicht anlügen wollte. Aber ich glaube, dass es nun besser ist, wenn ich gehe. Aber für alle Fälle ... Hier ist meine Handynummer.“ Sie kramte eine Visitenkarte heraus und schrieb ihre Nummer hinten drauf. Badger nahm die Karte und sah sich die Vorderseite an.
„Fatals Bureau of Investigation?“
„Tja, möglicherweise brauchst du irgendwann mal einen Detektiv in Seattle.“ sagte Viola mit einem gequälten Lächeln. „Vielleicht ist es am besten, wenn du die Nummer deinem Auftraggeber gibst. Wenn er will, kann er mich dann anrufen. Mach’s gut.“ fuhr sie fort.
Viola stand auf und ging ohne ein weiteres Wort zum Fahrstuhl. Auf halben Weg blieb sie stehen und wandte sich noch einmal an Badger.
„Eins solltest du noch wissen. Die ganze Jagd nach dem Schwert war nicht vergebens. Wer weiß, wofür das andere Team die Macht dieses Zaubers benutzt hätte. Ich weiß, dass dein Erfolg einige Leben gerettet hat. Wahrscheinlich hast du sogar meines damit gerettet. In den Händen meiner Feinde hätte es großen Schaden richten können. Vielleicht ist dir das Trost. Vielen Dank.“
Nachdem Viola verschwunden war, blieb Badger noch einen Augenblick in der Lobby sitzen und dachte nach.



Am Nachmittag am Flughafen von Atlanta. Viola stand alleine an einem Fenster in der Wartehalle. Ihre Reisetasche stand zu ihren Füßen. Sie nahm die anderen Leute um sich herum nicht wahr. Sie starrte emotionslos hinaus, ohne dass sich ihre Blicke auf etwas Besonderes konzentrierten. Zweimal war ihr Flug schon aufgerufen worden. Aber sie wartete auf den letzten Aufruf. Sie wollte sich nicht früher als notwendig der Enge des Flugzeuges aussetzen. Aus dem Augenwinkel bemerkte sie eine Reflektion in der Scheibe, aber sie war nicht in der Stimmung, es zu beachten. Dann geschah eine Minute lang wieder nichts.
„Also irgendetwas da draußen muss ja furchtbar interessant sein. Könntest du mir sagen, was es ist?“ sagte eine bekannte Stimme neben ihr. Viola drehte sich zu der Stimme um. Was sie sah, überraschte sie.

„Badger? Was machst du denn hier?“
„Nun ich konnte dich ja schlecht abreisen lassen, ohne mich zu verabschieden. Immerhin hast du Arman gerettet und auch Erin und Meratin geholfen. Ganz zuschweigen von dem, was du für mich getan hast.“
„Ich dachte nicht, dass du noch mal mit mir reden würdest, denn schließlich habe ich euch in diese gefährlichen Situationen gebracht.“
„Das stimmt nicht. Wir wären so oder so damit konfrontiert worden. Mein Boss wollte nicht das Lichtschwert, sondern das Schwert, das wir ihm gebracht haben. Er hat sich nur bei dem Namen geirrt. Das kann ja jedem Mal passieren.“
„Ist es so einfach?“
„Ich denke schon. Wenn man es richtig bedenkt, dann wären wir uns ohne diesen Irrtum nie begegnet und wer weiß, wie die Sache dann ausgegangen wäre. Darüber sollte man lieber nicht nachdenken. - Danke.“
„Gern geschehen.“ Die Überraschung in Violas Gesicht war einer Mischung aus Erleichterung und Freude gewichen.
„Wenn man es genau nimmt, hat jeder bekommen, was er gewollt hat. Ich das Schwert und du hast endlich diese alte Schriftrolle.“
„Ohh ja, das stimmt.“
„Was wirst Du nun damit machen?“
„Gut verwahren bis seine Zeit gekommen ist.“
„Das klingt so, als ob Du wüsstest, dass es dazu kommen wird. Wie willst Du das wissen?“
„Es ist vorherbestimmt.“
„Wie meinst du das?“
„Es gibt uralte Schriften, die prophezeien, dass die Feinde Serenas und Elisabeths wieder auf der Erde erscheinen werden. Das Lichtschwert wird die Macht haben, ihnen zu begegnen.“
„Nette Geschichte, woher weißt du das alles?“
„Man könnte sagen, es ist eine Familienangelegenheit.“
„Das verstehe ich jetzt nicht. Das hattest du schon damals in Great Falls gesagt. Wieso ist es eine Familienangelegenheit?“
Viola zögerte einen Augenblick. Sie dachte wohl über etwas nach.
„Ich glaube, Du hast es Dir verdient, es zu wissen. Das Schwert gehört meiner Familie. Es hat schon immer meiner Familie gehört.“
Nun war es an Badger, einen Moment sprachlos zu bleiben.
„Soll das bedeuten, dass Du mit diesen beiden Frauen aus dem Mittelalter verwandt bist oder wie soll ich das jetzt verstehen?“
„Ich bin eine ihrer Nachfahren.“ Dieser Satz, so klar und einfach er in seiner Aussage war, brachte Badger nur zu einem Teil Aufklärung. Ihm war, als würde sich ein Meer aus Fragen vor ihm auftun. In diesem Augenblick wurde Violas Flug zum letzten Mal aufgerufen.
„Ich fürchte, dass gilt mir.“
„Du musst zurück nach Seattle?“
„Es gibt noch viel zu erledigen.“
„Die Verlobung?“
„Unter anderem.“ Sie hob ihre Tasche auf und gab ihm die Hand.
„Mach’s gut, Badger. Ich wünsch dir alles Gute.“
Die Schamanin war schon einige Schritte an ihm vorbeigegangen, als Badger einfiel, dass er etwas vergessen hatte.
„Halt, warte.“
Viola blieb stehen und drehte sich wieder zu ihm um.
„Ja?“
Er ging auf Viola zu und blieb vor ihr stehen.
„Ich habe hier etwas, das ich dir schenken möchte.“
Badger holte aus seiner Jackentasche den silbernen Armreif. Er nahm vorsichtig Violas linken Arm und steckte ihr den Reif an.
„Aber das geht doch nicht. Der ist viel zu wertvoll. Den kann ich nicht annehmen.“
„Doch das kannst Du. Ich habe keine Verwendung mehr dafür. Du hast mir mehr geholfen, als du ahnst. Bitte, behalte ihn.“ Nun war Viola sprachlos. Einen Augenblick sagte keiner von ihnen etwas. Viola betrachtete den Armreif und wusste nicht, wie ihr geschah. Badger seinerseits fühlte, dass es nun Zeit war, die Vergangenheit abzuwerfen.
„Du musst nun los. Mach’s gut.“ Badger trat einen Schritt zurück. Viola trat diesen einen Schritt wieder auf Badger zu und küsste ihn auf die Wange. Dann begann sie, sich rückwärtsgehend von ihm zu entfernen.
„Danke und mach’s besser.“

Sie drehte sich rasch um und Badger meinte noch, Tränen in ihren Augen gesehen zu haben. Mit schnellen Schritten ging die Schamanin auf ihren Schalter zu. Kurz bevor sie aus seinen Augen verschwand, drehte sie sich noch einmal zu ihm um und winkte ihm zu. Dann war sie weg. Badger hatte alles erreicht. Seinen Auftrag hatte er erfolgreich ausgeführt und die Dämonen der Vergangenheit waren verschwunden. Nun glaubte er zu wissen, was Twofeathers meinte, als er sagte, dass ihm ein anderes Ziel vorherbestimmt war.



Am nächsten Abend saß Badger mal wieder in seiner Lieblingskneipe. Es war wie immer und doch nicht. Er genoss die Entspannung nach den Aufregungen der letzten Tage. Nun hatte er alles innerlich abgeschlossen. Er hatte Mr. Johnson nicht gesagt, was Viola ihm erzählt hatte. Es schien ihm nicht wichtig zu sein, da er den Auftrag nach dem Willen des Auftraggebers abgeschlossen hatte. Der Rest würde ihm keine schlaflosen Nächte einbringen. Jetzt war es einfach mal schön, sich um nichts Gedanken machen zu müssen. Er war wieder mit seinem Leben im Einklang. Wie hatte es ein Freund früher einmal genannt? Er hatte den Zustand der inneren Zufriedenheit erreicht.
„Hey Fremder, ist hier noch ein Platz frei.“ unterbrach ihn Erins Stimme.
„Erin? Klar setz dich.“
„Vielen Dank.“
„Müsstest du dich nicht noch ausruhen? Was ist mit Deiner Verletzung?“
„Ach, das war nicht so schlimm. Nur eine kleine Behinderung.“
„Nur eine kleine?“
„Oder auch eine etwas größere. Ich habe auch nicht vor, mich einem Ringkampf zu stellen. Den Rest muss mein Körper einfach aushalten.“
Badger wusste, dass man Erin höchstens mit Fesseln in einem Krankenbett halten konnte. Die Gründe kannte er nicht, aber das war auch nicht so wichtig. Er fragte auch gar nicht erst, woher sie wusste, dass er heute hier war. Erin beugte sich über den Tisch und nahm Badgers rechten Arm.
„Darf ich mal?“
Als sie das Hemd nach oben schob, erkannte sie erfreut, dass Badger den Armreif nicht mehr trug.
„Hey, was ist denn mit dem Ding passiert?“
„Sagen wir mal so, er passte mir nicht mehr. Ich habe ihn jemandem gegeben, dem er passte.“
Erin bemerkte, dass Badger nun seine frühere Fröhlichkeit und Leichtigkeit zurückgewonnen hatte. Sein ganzes Auftreten verriet diese Veränderung. Aus seinen Augen war endlich diese unsagbare Traurigkeit verschwunden.
„Viola?“
„Ja.“
„Und du hast sie so einfach gehen lassen, oder?“ stellte Erin fest, wobei sie den Kopf leicht schüttelte.
„Ja, was meinst du denn damit schon wieder?“ fragte Badger überrascht.
„Ich wusste es doch. Denk einfach an das, was ich dir auf dem Flug in Sioux-Nation gesagt habe. - Ach, ich glaube, die Fahrt hierher hat mich doch mehr erschöpft, als ich dachte. Bitte entschuldige mich, ich werde jetzt nach Hause fahren und mich ausruhen.“
„Hey Erin, warte! Was meinst du?“
„Tschüssss!“
Badger blieb alleine in der Bar stehen und überlegte, was Erin gemeint haben könnte. Erin verließ die Kneipe und Badger hing wieder einmal seinen Gedanken nach.


*     *     *     *     *     *     *     *     *     *     *     *     *

Damit endet Badgers Jagd nach dem Lichtschwert. Wie dem aufmerksamen Leser nicht entgangen sein wird, habe ich in den einzelnen Kapiteln auf Anmerkungen jeglicher Art verzichtet. Ich bin kein Freund davon.

Doch am Ende möchte ich doch ein paar Worte verlieren. Zunächst einmal ein Danke für die positiven Reviews und die Empfehlungen. Denjenigen, die bis zum Schluss durchgehalten haben, ein besonderer Dank. Ich hoffe, ihr habt beim Lesen genauso viel Freude gehabt wie ich beim Schreiben.

Diese Geschichte hat für mich eine besondere Bedeutung, denn nach vielen Jahren des Spielens wurde es an der Zeit, meinen Charakter in den wohlverdienten Ruhestand zu schicken. Jetzt könnt ihr euch mal überlegen, wer das wohl war. ;)

Als eine der wenigen Verbliebenen meiner Shadowrun-Runde wurde sie zu mächtig. Mit dieser Geschichte habe ich eine Kampagne begonnen, an deren Ende sich Viola aus den Schatten Seattles verabschiedete. Ich habe die Zeit, in der ich sie spielen durfte, sehr genossen und vermisse sie auch. In diesem Sinne möchte ich diese Geschichte meiner Runde und ihren Teilnehmern widmen. Vielen Dank!
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