Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Das Lichtschwert

Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer / P12 / Gen
OC (Own Character)
31.10.2016
10.12.2016
24
61.116
4
Alle Kapitel
5 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
04.12.2016 2.242
 
Badger steuerte den Wagen circa 15 Minuten aufs Geratewohl durch Chicago, bis er den Autopiloten Kurs auf ihren Unterschlupf nehmen ließ. Niemand verfolgte sie. Oder besser, er konnte niemanden erkennen, der ihnen folgte. Für eine Weile sollten sie ihre Ruhe haben. Der Rigger der Gegenseite war tot und deren Magier war auch für die nächste Zeit nicht zu gebrauchen. Insgeheim fragte er sich, ob es die richtige Entscheidung gewesen war, ihn freizulassen. Er hoffte, dass er diese Entscheidung nicht bereuen würde. Nachdem der Autopilot die Steuerung übernommen hatte, schnappte er sich sein Telefon. Er musste Arman und Meratin über das Geschehene aufklären.

„Scheiße.“ War Armans erste Reaktion, nachdem Badger geendet hatte.
„Ich weiß, aber wir haben nicht viel Zeit zum Trauern. Du musst uns einen neuen Piloten und eine Startgenehmigung organisieren. Außerdem haben wir unser Fahrzeug verloren und brauchen Ersatz. Und zwar schnell!“
„Sonst nichts?“
„Ach ja, wir suchen uns für die Zeit bis zum Abflug ein neues Quartier. Nur vorsichtshalber. Bereite schon mal alles vor. Und wie gesagt: schnell.“
„Sag’ mal, ist Dir zufällig was an den Kopf...“
Badger hatte die Verbindung unterbrochen und wandte sich an Viola.
„Jetzt dürfte er sich nicht mehr über Langeweile beklagen.“
„Aber Du glaubst doch nicht wirklich, dass er das alles in der kurzen Zeit schafft, bis wir dort sind. Wo immer das dort auch liegen mag.“
„Nein, aber so kommt er wenigstens auf Touren.“
„Was wolltest Du mich eigentlich fragen, bevor wir durch die Stahltür im Keller gegangen sind?“
„Ach ja. Was hat es eigentlich mit diesen Versen auf sich, die Du beim Zaubern immer zitierst? Und was hast Du da unten alles gemacht? Du weißt schon, zaubertechnisch.“
Viola holte tief und setzte sich aufrecht auf ihrem Sitz hin.
„Also die Verse, wie Du sie nennst, sind meine Zauberformeln. Durch sie lenke ich die Magie um mich herum. Zwei von den Zaubern kanntest Du schon. Den Heilzauber hatte ich schon bei Meratin angewendet und mit dem anderen hatte ich ja den Werkzeugkasten angehoben, damit bewege ich also Gegenstände.“
„Und die beiden, die Du unmittelbar vor dem Reingehen gesprochen hast.“
„Zum einen habe ich mir die Wirkung eines Restlichtverstärkers verschafft und der zweite hatte die Geräusche absorbiert, die ich bei meinen Bewegungen mache.“
„Und diese blaue Kugel, die öfters durch die Gegend fliegt.“
„Damit kann ich einzelne Lebewesen betäuben; die wachen später alle wieder auf.“
„Verstehe.“
„Und ist deine Neugier nun befriedigt?“
„Nur zum Teil, aber der Rest kann warten.“
„Na, ich glaube ich schau mal nach Erin.“
Viola schnallte sich ab und verschwand zunächst hinten im Wagen. Nach fünf Minuten setzte sie sich wieder auf den Beifahrersitz.
„Und wie geht’s ihr?“
„Soweit ganz gut, aber der nächste Kampf findet ohne sie statt. Das wäre zuviel für sie.“
„Dazu sollte es aber auch nicht mehr kommen. Hoffe ich.“
„Ich auch, denn so langsam gehen uns die Aktivkräfte aus.“
„Wie sieht’s denn bei Dir aus?“
„Ein paar Schürfwunden, nichts tragisches, und jede Menge Kopfschmerzen. Ein oder zwei Stunden Schlaf könnten nicht schaden. Und Du?“
„Ich habe mir beim Unfall ein paar blaue Flecken geholt. Sonst ist alles in Ordnung. Glück gehabt.“

Sie brauchten eine knappe Stunde bis zum Unterschlupf der Gruppe. Sie schwiegen die restliche Wegstrecke, da Viola die Zeit zur Erholung nutzen konnte. Sie hatte recht, dem Team gingen in der Tat die Aktivkräfte aus. Meratin und Erin ernsthaft verwundet. Arman war nicht der geborene Kämpfer. Elvis war tot und Viola noch angeschlagen. Es sah nicht gut aus. Sie hatten zwar das Schwert, aber das bedeutete auch, dass die Jagd auf sie eröffnet war. Er würde sich erst dann wieder sicher fühlen, wenn sie das Schwert abgegeben hätten. Dazu mussten sie aber erst mal einen neuen Piloten finden und sicher zum Flughafen kommen. Nun ja, ein Problem nach dem anderen.



Der Alternativunterschlupf war ein altes Lagerhaus im alten Industrieviertel von Chicago. Das frei stehende Gebäude war ideal. Es machte auf den ersten und zweiten Blick nicht den Eindruck, dass es noch benutzt wurde. Badger, Erin und Viola hatten den geliehenen Van auf halber Strecke stehen lassen. Badger hatte noch kurz eine Modernisierung der elektrischen Geräte sowie der Fernsteuereinrichtung vorgenommen. Jetzt  war es nur noch abstrakte Kunst. Den Rest des Weges hatte sie mit verschiedenen Taxis gemeistert. Badger war sich sicher, dass ihre Verfolger diesen Unterschlupf nicht so schnell finden würden. Sie hätten daher genug Zeit, um ihre Vorbereitungen zu treffen und alles einzupacken. Es war jetzt kurz vor Mitternacht. Arman war in der Zwischenzeit fleißig gewesen. Im Inneren der Lagerhalle stand ein grüner Dodge Ram. Auch einen Piloten hatte Arman über irgendeine seiner Connections auftreiben können. Der Junge war nicht gerade das, was man die erste Wahl nannte, aber für den Flug nach Atlanta sollte es ausreichen. Er nannte sich selbst MJ Speed und er war zusammen mit dem Dodge zur Lagerhalle gekommen. Sein wirklicher Name war Tyler Wilson. Er gehörte zu den Typen, die so von sich selbst überzeugt sind, dass es für andere schon unerträglich war. Gepaart war dies in diesem Fall mit einem vorlauten Mundwerk. Schwierigkeiten waren für den Jungen kein Fremdwort, da war sich Badger sicher. Wilson war gut eine Handbreit kleiner als Badger, ihm im Körperbau aber, für einen Rigger ungewöhnlich, mehr als ebenbürtig. Für einen Menschen dieser Größe war er ein richtiges Kraftpaket. Passend zu seinem Auftreten war auch seine Kleidung darauf ausgelegt, um zum Ersten Aufmerksamkeit zu erregen und zum Zweiten um anzugeben. Unterstrichen wurde dies durch seine in neongrün gehaltenen Cyberaugen. Es verwunderte daher niemanden, dass Speed es sich natürlich nicht verkneifen konnte, ein paar lockere Sprüche in Richtung Viola loszuschicken. Dies wurde allerdings von ihr mit einem mitleidigen Blick und einer krassen Absage quittiert. Viola ließ sich von Arman zeigen, wo sie sich ausruhen konnte und verließ die Szenerie. Insgeheim war Badger der Auffassung, dass Speed bei seiner Art an so was gewohnt sein musste.



Arman hatte gewartet bis der kleine Disput zwischen der Schamanin und dem Rigger beendet war und machte sich, nachdem er Viola den Weg zu den Ruheräumen gezeigt hatte, auf den Weg zu Badger.
„Ich weiß, der Typ is’ne Nervensäge, aber wenn wir heute noch los woll’n, is’ nicht mehr drin, wenn wir nicht mehr als nötig Aufruhr veranstalten woll’n.“
„Schon gut. Manchmal muss man eben das nehmen, was da ist. Wie sieht’s mit dem Rest aus.“
„Also das neue Quartier is’ in Arbeit. Um die Startgenehmigung werd’ ich mich jetzt kümmern.“
„Gut gemacht.“
„Ach ja, leider ist der Wagen nicht geriggt.“
„Dann muss es eben ohne gehen.“
„Sag’ das mal der Nervensäge. Nimmst ’n Rat von mir an?“
„Vielleicht.“
„Iss ’ne Kleinigkeit und leg Dich kurz hin. Meratin und ich hab’n alles im Griff. Das Spitzohr ist zwar nur zu 50 Prozent bereit, aber das geht schon. Notfalls hab’n wir ja noch Speedy. Ich erledige den Rest, o.k.?“
„Hört sich gut an. Zumindest was das Essen angeht. Ansonsten reicht erst mal auch ein Stuhl zum Ausruhen. Schlafen können wir dann auf dem Flug. Mach Du mal den Rest.“

Badger klopfte seinem Freund noch anerkennend auf die Schulter, bevor er sich in die ehemaligen Büroräume der Lagerhalle zurückzog. Sie lagen etwas erhöht im rückwärtigen Bereich und waren über eine kleine Metalltreppe zu erreichen. Arman hatte dort ein paar Betten aufgestellt. Außerdem lagen auf einem alten Schreibtisch ein paar Kleinigkeiten zum Essen. Die nächste Frage war, was er tun sollte, wenn sie auf dem Weg zum Flughafen angegriffen würden. Sicher, er könnte einfach einen anderen Weg nach Atlanta suchen. Aber sein Team war nicht mehr im besten Zustand und deshalb musste er diese Angelegenheit schnell zu Ende bringen. Er brauchte einen Notfallplan für die Fahrt. Das Problem war nur, so langsam gingen seine Möglichkeiten zu Ende. Zudem war er hier auf fremdem Gebiet und seine Ressourcen waren auch nicht unbegrenzt. Badger nahm sich ein Stück und blickte sich im Raum um. Erin und Viola lagen bereits jeweils auf einem Feldbett und schliefen. Er aß einen Bissen und legte sich auf das letzte freie Bett. Ein bisschen Entspannen half vielleicht beim Nachdenken. Kaum hatte er die Augen geschlossen, war er auch schon eingeschlafen.



Nach sieben ereignislosen Stunden weckte Arman dann Badger.
„Hey Schlafmütze, aufstehen.“
„Was ist los? – Ach ja, aufstehen, wieviel Uhr ist es?“
„Wenn Du es genau haben willst, es ist sieben Minuten vor sieben.“
„Was und wir sind immer noch hier? Ich hatte Dir doch gesagt, dass wir umziehen sollen.“
„Reg’ Dich ab. Um halb neun geht unser Flieger und daher müssen wir auch bald los. Ich dacht’, es wär’ sinnlos, wenn wir für die kurze Zeit noch umzieh’n. Vor allem, weil Du und die anderen Schlaf gebrauchen konnten. Du hast schon die letzte Nacht nicht geschlafen und Viola wird die Ruhe auch gut getan haben.“
„O.k., ist ja noch mal gutgegangen. Aber beim nächsten Mal...“
„Is’ gut, is’ gut, Mr. hundertprozentige Sicherheit.“
Badger blickte sich mit müdem Blick um. Viola schlief noch immer, nur Erin war nicht zu sehen.
„Wo ist Erin?“
„Sie ist vor einer halben Stunde aufgewacht. Frag mich aber nicht, wieso’n Mensch mitten in der Nacht einfach wach wird. Sie sitzt vor den Monitoren, damit sie wenigstens irgendetwas machen kann. Sie meinte, sie würde durchdrehen, wenn sie nur untätig herumsitzen würde.“
„Und Meratin?“
„Na ja, er kann schon wieder seine Waffe benutzen, aber die Verletzung schränkt ihn doch stark ein.“
„Gut, dann bereite schon mal alles vor, damit wir uns so schnell wie möglich auf den Weg machen können.“

Arman nickte und ging dann aus dem Büro heraus, um die anderen lautstark anzutreiben, wie Badger unschwer mitbekam. Er selbst ging zu dem Bett hinüber, in dem Viola schlief. Die Schamanin hatte es gerade noch geschafft, ihre Panzerjacke auszuziehen. Ihre Schuhe hatte sie immer noch an. Badger sah sie einen Augenblick an und fragte sich, was an ihr so Besonderes war. Sein Gefühl hatte ihn nicht getäuscht. Ohne sie wäre es wohl nicht gegangen oder zumindest wäre es sehr viel schwerer geworden. Was war es, auf das er vertraut hatte. Er wusste es nicht, fand dann aber, dass es komisch aussehen müsste, wenn sie jetzt aufwachen würde und er sie anstarrte. Innerlich fürchtet er, dass sie einen falschen Eindruck von ihm bekommen könnte. Außerdem war es sowieso Zeit, sie zu wecken und so tippte er sie an der Schulter an. Keine Reaktion. Na dann. Durch ein Rütteln an der Schulter erreichte er dann doch sein Ziel. Viola schlug die Augen auf und wirkte genauso verschlafen, wie er es gegenüber Arman gewesen sein muss.

„Ja. Badger? Was ist?“
„Zeit aufzubrechen.“
„Äh. – Wenn’s sein muss.“
„Ich glaube, dass muss es.“
Badger wandte sich ab, um seine Ausrüstung einzusammeln, die er vor dem Einschlafen um das Feldbett verteilt hatte. Dann machte er sich auf den Weg zu den anderen. Arman war zusammen mit dem Rigger gerade dabei, ihre Ausrüstung im Dodge zu verstauen. Erin saß an den Monitoren, wie Arman gesagt hatte. Neben ihr stand Meratin. Er trug den linken Arm in einer Schlinge. Als er Badger sah, ging er auf ihn zu.
„Ich habe mir mal die üblichen Frequenzen sowie die Nachrichten angesehen. Bis jetzt noch nichts Verdächtiges. Ein Bekannter von Arman hat Eure Unfallstelle vorsichtig überprüft. Es ist bis jetzt wohl noch niemandem aufgefallen, dass einem Gebäude die gesamte Vorderfront fehlt. Oder es interessiert keinen. Er hat auch den Wagen sowie Elvis Leiche gefunden. Er wird auch alles Notwendige einleiten, sobald wir weg sind.“
„Wenigstens mal eine gute Nachricht, soweit man hier überhaupt von gut sprechen kann.“
„Ja, es scheint als hätte unser kleiner Freund überall die richtigen Bekannten.“
„Stimmt, er ist dafür auch lange genug im Geschäft.“ Es schadete auch nicht, dass Arman in den Straßen von Chicago aufgewachsen war.
„Erstens, wer ist hier klein und zweitens soll das etwa heißen, dass ich alt bin?“ schrie Arman vom Dodge her. Badger hatte nicht geglaubt, dass der beschäftigte Zwerg die Unterhaltung aus gut zwanzig Metern Entfernung noch hätte hören können. So wandte er sich zu ihm um.
„Arman, das hast Du falsch verstanden. Wir haben nur Deine Erfahrung und Professionalität gelobt.“
„Dann ist ja gut.“ entgegnete Arman misstrauisch.
In diesem Moment erschien auch Viola in der Tür. Sie trat ein Schritt heraus und reckte sich erst mal. Dann ging sie zu Badger.
„Ich werde mal sehen, ob ich Arman nicht doch irgendwie noch helfen kann.“ sagte Meratin und ließ die anderen beiden alleine.
„Darf ich mal fragen, wie Dein Plan aussieht, Badger?“
„Nun wir fahren zum Flughafen, steigen in das Flugzeug, fliegen los und liefern in Atlanta das Schwert ab.“
„Du weißt, was ich meine.“
„Ich habe einen Plan, vertrau mir. Wir müssen jetzt aufbrechen, hilf doch bitte Meratin ein wenig.“ Viola wollte aufbegehren, aber Badger gab ihr keine Möglichkeit, da er sie einfach stehen ließ und zu Erin ging. Viola blieb noch einen Augenblick stehen und blickte Badger hinterher, bevor sie sich in Meratins Richtung bewegte.
„Was wollte Viola von Dir, Badger?“
„Sie wollte wissen, wie mein Plan für nachher ist, Erin.“
„Und wie lautet Dein Plan? Du hast doch einen Plan? – Badger?“
„Ja?“
„Du hast doch einen Plan, oder?“
„Ehm. Nein, aber ich arbeite an einem.“
„Das ist ja echt beruhigend. Vielleicht fange ich besser schon mal mit Beten an.“
„Frag’ doch Viola, ob sie Dir hilft. Soweit ich weiß, waren Schamanen früher die geistigen Führer der Indianer. Da wird bestimmt noch was von übrig sein.“
Mit diesen Worten begann auch Badger, beim Einräumen zu helfen.
„Sehr witzig.“ rief Erin ihm noch hinterher.
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast