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Zwergenkrieger

von DanaDikay
GeschichteHumor, Fantasy / P12 / Gen
OC (Own Character)
31.10.2016
25.04.2017
2
4.537
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31.10.2016 1.912
 
Sie erhoben sich mit gewaltigen Schwingen vom Boden. Einer war dunkelrot, ein anderer matschgrün. Der letzte grau wie Asche in einem Kamin. Der rote begann damit, Feuer zu speien. Genau auf ihn zu.
Der Zwerg fackelte nicht lange. Geschickt wich er aus, und trotz seines Waffenarsenals, das er immer bei sich trug, sah es sogar noch halbwegs elegant und absolut gekonnt aus. Spöttisch begann er zu lachen.
„Du weißt wohl nicht, wen du vor dir hast, Echsenvieh!“
Die Drachen schrieen höhnisch, während der Zwerg mit seinem Wurmspieß zielte.
„Darf ich mich vorstellen, damit ihr wisst, wer euch getötet hat? Grofrog, Sohn des Grimmrock! Anwärter der Kriegerakademie des Drachenkampfes zu Xorlosch! Und jetzt – sterbt!“
Mit einem Kampfschrei, der dem eines der Viecher alle Ehre machte, warf er den seltsam geformten Speer in Richtung des roten Drachen. Doch er hatte den grauen aus den Augen gelassen. Dieser stieß ihn unangenehm heftig in den Rücken.
„Du Biest!“
Grofrog drehte sich um. Da, der nächste hatte ihn im Rücken erwischt! Der Zwerg brüllte entsetzt auf und...

„Los, du Faulpelz, aufstehen! Oder willst du das Frühstück verpassen? Sähe dir gar nicht ähnlich, Fressbär.“
Eine tiefe, raue, resolute Frauenstimme riss Grofrog aus seinen heldenhaften Träumen, gepaart von unangenehmen Tritten in den Rücken. Knurrend richtete der Zwerg sich auf und blinzelte. Es war heller Tag. Vor ihm stand eine große, muskelbepackte und ihm wohlbekannte Frauengestalt.
„Na also“, bemerkte seine beste Freundin Yasma Toredottir zufrieden und stemmte die Hände in die Hüften, als Grofrog aufstand. Anders als erwartet war sie jedoch weder gekämmt, noch hatte sie ihr störrisches, gewelltes, mittelblondes Haar geflochten und mit einem Filzband zurückgebunden, wie es bei ihr üblich war.
„Was soll die Eile, Yasma?“, schimpfte Grofrog und strich sich durch den dunklen Bart. „Du bist doch auch noch nicht bereit!“
„Und das ärgert mich maßlos“, erklärte die Thorwalerin unzufrieden, während sie in ihrem Lederrucksack kramte. „Ich habe ebenfalls verschlafen, und wenn wir uns nicht beeilen“ (endlich schien sie gefunden zu haben, wonach sie suchte; sie holte einen Holzkamm hervor) „gibt es kein Frühstück mehr für uns.“
Grofrog knurrte. Yasma beachtete ihn nicht, sondern begann damit, das störrische Haar zu kämmen. Grofrog betrachtete sie.
Rein äußerlich hätte kaum jemand Yasma und ihn für Freunde gehalten.
Grofrog war ein Zwerg. Er war nicht wesentlich größer als Yasmas Barbarenstreitaxt, die etwa ein Schritt und eine Hand breit groß war – Grofrog maß etwa eine Handbreit mehr als diese Axt. Er reichte Yasma allerhöchstens bis zur Hüfte, dafür war er erfahren. Selbstverständlich war er um einiges älter als Yasma. Immerhin war er ein Zwerg. Doch das sah man ihm nicht an. Yasma und er schienen durchaus gleich alt, wenn man sie betrachtete. Doch Grofrog hatte bereits eine harte Ausbildung an der Kriegerakademie des Drachenkampfes zu Xorlosch absolviert, während Yasma sich als Tagelöhnerin durchgeschlagen hatte. Der Angroscho besaß einen dunklen, struppigen Bart, in den hier und da ein paar kleine Zöpfe eingeflochten waren – natürlich mal wieder Yasmas Werk. Sein Haupthaar war ebenfalls sehr lang, dunkel und struppig, und die dunklen Augen waren durchaus wachsam. Der Zwerg war kompakt gebaut, wie jeder seiner Art, und besaß extrem viele Muskeln. Andere Zwerge würden ihn durchaus als attraktiv bezeichnen, für die Menschen war er jedoch ein ungepflegter, eventuell hässlicher und gefährlicher Bursche. Das lag vielleicht auch an seinem Auftreten. Grofrog trug stets ein Kettenhemd und diverse Waffen. Ja, in jeder Stadt lief Grofrog sozusagen als Waffenarsenal herum: Neben seinem Zwergenschlägel, der ihm schon immer treue Dienste erwiesen hatte, trug er immer einen Wurmspieß bei sich, der ihn noch einmal um einen halben Schritt überragte, eine leichte Armbrust und natürlich auch einen Dolch. Einen besonderen Dolch: Einen herrlich verzierten Drachenzahn. Und er durfte das sogar, ohne in Schwierigkeiten zu geraten, denn auf seinem Unterarm war das Mal eingebrannt, das ihn als Krieger der Akademie zu Xorlosch auswies und mit dem er problemlos jedes Stadttor passieren konnte. Natürlich mit all seinen Waffen. Denn – er war ja Krieger!
Yasma dagegen war fast zwei Schritt groß und sah genau so aus, wie die Aventurier sich eine Thorwalerin vorstellten. Ihr bald hüftlanges, helles Haar war nicht direkt ungepflegt, aber es hätte sicher mal wieder eine Schere sehen sollen. Yasma band es sich immer zu einem Zopf und um einzelne Haare davon abzuhalten, während einem Kampf in ihr Gesicht zu fallen, trug sie zusätzlich immer ein Stirnband. Ihr Gesicht hätte in menschlichen Kreisen sicher als lieblich und schön gegolten – wäre da nicht Yasmas Angewohnheit, alles mit ihren Augenbrauen zu kommentieren. Sie zog sie spöttisch hoch, runzelte die Stirn und war Meisterin darin, nur eine Augenbraue zucken zu lassen oder sie gänzlich zu heben, um Skepsis oder ähnliches auszudrücken. Die Thorwalerin war muskelbepackt. Wenn sie einen Armmuskel zucken ließ, bekamen viele schon Muffensausen. Sie trug hautenge, dunkle Leinenhosen und Lederstiefel, im Winter sogar welche mit Fell. Dazu hatte sie immer ein helles, enges Leinenhemd an, das ihre durchaus weiblichen Rundungen betonte. Allerdings trug sie immer eine Fellweste und im Winter einen Kriegerumhang mit Grofrog unbekannten Runen darauf. Dies versteckte ihre Formen jedes Mal wieder. Als letztes war da natürlich noch der mit Nieten besetzte, breite Ledergürtel um Yasmas Hüften, den sie heiß und innig liebte, und die große, gefährliche Barbarenstreitaxt, die in jeder Taverne die Blicke auf sich zog und die Yasma schwingen konnte wie ein Kind ein Holzschwert. Allerdings kam sie bei weitem nicht gegen Grofrogs Kriegskünste an. Oft hatte sie es schon versucht, und doch war sie bisher jedes Mal daran gescheitert.
Doch so unterschiedlich diese beiden Personen, das nordische Mädchen und der mürrische Zwerg, sein mochten, sie waren Freunde geworden. Bei einem Transport hatten sie sich kennen gelernt, die Aufklärung eines Mordes hatte sie zu Freunden werden lassen, und spätestens als der Zwerg die Schmach über sich ergehen lassen musste, von Yasma getragen zu werden, um dem Wasser zu entgehen, hatte sich eine dicke Freundschaft zwischen ihnen gebildet, die nicht so leicht zu zerstören war.
Yasma hatte sich die Haare fertig gekämmt und flocht sie gerade. Grofrog sah aus dem Fenster und wurde nachdenklich.
„Wir sollten uns beeilen“, stellte Yasma fest, die beim unteren Drittel ihrer Haare angelangt war. Hier wurde es selbst für die gestandene Thorwalerin schwierig, da die Haare hier feiner wurden und nicht mehr gut zu greifen waren. Grofrog stierte wieder nach draußen und fixierte die Rauchschwaden, die nebenan aus einer Bäckerei kamen und die ihn an seinen Traum erinnerten.
„Yasma – gehörst du eigentlich zu deinem Volk dazu?“
Yasma wirbelte herum und ließ dabei den Zopf los, der sich nach und nach auflöste.
„Das weißt du doch“, erwiderte sie entsetzt. „Während mein Vater auf seinen Kaperfahrten war, haben sie alle sich um mich gekümmert. Und nachdem er verschollen war, erst recht. Ich habe mein Volk lediglich verlassen, um ruhmreich und gefeiert zurückzukehren und vielleicht meinen Vater mitzunehmen, wenn ich ihn finde. Damit meine Mutter wieder glücklich wird. Gehörst du etwa nicht dazu?“
„Doch, doch“, beschwichtigte der Zwerg. „Aber weißt du... Ich muss einen Drachen töten. Dann sehen die anderen mich endlich mal mit anderen Augen!“
„Dass du dir darüber Gedanken machst, was andere von dir denken...“, lachte Yasma. Grofrog schnalzte mit der Zunge.
„Es geht doch vielmehr darum, dass ich unbedingt an einen Drachen kommen muss! Die Viecher sind auszurotten. Spätestens seit –“
„Den zweiten Drachenkriegen, ich weiß. Aber es gibt keine Drachen mehr, Grofrog! Nur noch diese hässlichen, kleinen Lindwürmer.“
„Frederik hat mir gestern noch berichtet, dass er mal den ziemlich geschwätzigen Drachen Apeb getroffen hat!“, widersprach Grofrog. Yasma schüttelte unwirsch den Kopf.
„Grofrog, du weißt, dass Frederik Brot im Kopf stecken hat. Der träumt so was und denkt sofort, das sei wahr.“
„Aber er war sich sehr sicher. Er hat den Drachen getroffen.“
„Ach, der Frederik!“, entgegnete die Thorwalerin unwirsch. „Frag ihn mal, ob er glaubt, dass Dere morgen untergeht. Der sagt glatt ja.“
„Na ja, trotzdem...“
„Seid ihr langsam fertig?“, tönte da eine Stimme von der Treppe her. Yasma seufzte. Sie hatte die Stimme erkannt.
„Wenn man von der Schlange spricht.“
„Bitte?“, erschrak der Mann, der nun eintrat. „Wo ist hier denn eine Schlange?“
„Direkt vor uns“, prustete Grofrog hinaus, der sich nicht mehr halten konnte. Yasma war nun an der Reihe, mit der Zunge zu schnalzen.
„Ihr beiden habt ja gar keine Ahnung. Hranngar ist eurer Meinung wahrscheinlich ein gutes Bier aus Thorwal oder Prem, was?“
„Hört sich jedenfalls lecker an“, bestätigte Grofrog ohne nachzudenken. Natürlich wusste er von Yasma, dass Hranngar die Seeschlange war, gegen die der Gott Swafnir, der Sohn der Göttin Rondra und des Gottes Efferd, stets kämpft. Er selbst hatte miterlebt, wie Yasma bei der Sichtung einer Seeschlange vollkommen ausgerastet war und das arme Tier in mundgerechte Happen geschnitten hatte. Schade nur, dass es dieses Tier hinterher nicht zu essen gab, sondern dass Yasma es einfach verbrannt hatte. Seeschlange schmeckte bestimmt nicht schlecht.
Nun hatte Yasma sich auch ihr Stirnband umgebunden und sah die Begleiter an. Frederik war ebenso groß wie Yasma, doch er war Bauer. Das sah man ihm auch an. Weniger Muskeln als Yasma und braungebrannt im Gegensatz zu dem sommersprossigen Gesicht ihm gegenüber. Frederik konnte gerade eben so mit einem Speer umgehen, daher trug er einen solchen außerhalb der Städte stets bei sich. Seine braunen Leinenhosen und die ebenso braunen Leinenhemden waren schmucklos und er besaß nur einen einfachen Umhang und Lederstiefel, wie es halt so üblich war. Das dunkle Haar war kurz geschnitten und wurde von einer Gugel bedeckt, die grauen Augen wirkten tatsächlich ein wenig verständnislos – wie eigentlich immer. Kaum zu glauben, dass dieser Mann es geschafft hatte, den Mord seines Onkels aufzuklären und in der kleinen Stadt Vinsalt nun als eine Art Detektiv galt – natürlich hatte er dies aber nur mit der Hilfe von Yasma und Grofrog geschafft. Die Geschichte, bei der sie alle Freunde geworden waren – besonders Yasma und Grofrog.
„Ich denke, es wird Zeit für mein Frühstück“, verkündete Yasma und riss Grofrog aus seinen Gedanken. Dann lief sie mit festen Schritten zur Treppe, die in den Schankraum führte. Wie gebannt starrte Frederik Hammelbaum ihr hinterher. Grofrog musste grinsen.
„Na? Gefällt sie dir?“, wollte er wissen. Frederik wurde krebsrot.
„Na ja... Ob man das so sagen kann... Ich meine, sie ist irgendwie...“
„Anders, jap. Aber selbst in meinen Augen ist das Mädel ziemlich attraktiv. Schnapp sie dir einfach“, riet er und gab Frederik einen Klaps auf den Rücken. Dieser begann zu keuchen. Mal wieder hatte Grofrog seine Kraft unterschätzt – was ihm, wie jedes Mal, herzlich egal war.

Im Schankraum hatte Yasma sich bereits an einen Tisch gesetzt und einen Humpen Bier vor sich stehen. Grofrog begann zu grinsen. Wenn er eine Person erlebt hatte, die beinahe so ordentlich Zechen konnte wie ein Zwerg, dann war das Yasma. Frederik dagegen runzelte die Stirn.
„Bier zum Frühstück?“
„Ach was“, murmelte Yasma schulterzuckend. „Ist doch auch Getreide drin. Grofrog wird mir zustimmen, dass zu einem richtigen Frühstück Bier gehört!“
„So sieht’s aus“, lachte der Zwerg und setzte sich dazu. Frederik schüttelte sich.
„Entschuldigt, meine Freunde – aber da trinke ich doch lieber ein Glas Ziegenmilch zum Frühstück.“
Grofrog stieß Yasma an, die dabei etwas von dem Bier verschüttete. Sie hatte gerade trinken wollen. Dementsprechend verärgert sah den Zwerg an. Der kicherte.
„Da hat wohl jemanden einen besonders schwachen Magen... Heute Abend laden wir ihn zum Zechen ein!“
„Da macht der doch sowieso nicht mit.“
„Eben! Da hab ich ja gleich gewonnen.“
„Ach? Und was macht dich da so sicher, dass du gegen mich gewinnst?“
Grofrog hob seinen eigenen Humpen, den er soeben bekommen hatte, und prostete Yasma zu.
„Na – ich trinke gegen einen Menschen!“
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