I don't want to see you with him

OneshotSchmerz/Trost / P12
28.10.2016
28.10.2016
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Hey, ich wage mich auch mal ins Tales of Fandom. Ich liebe die Spiele, besonders Tales of Zestiria und will schon seit langem zu diesen genialen Storys eine Fanfiktion schreiben. Dieser One Shot ist mir spontan beim Musik hören eingefallen. Während des Schreibens habe ich das Lied, das mich dazu inspiriert hat dann rauf und runter gehört. Also, wer es gern hören möchte beim lesen: I don´t want to see you with her, von Maria Mena.
Viel Spaß :)

Mir gehört nichts außer der Idee für diese FF und ich verdiene auch kein Geld damit. Sie dient einzig der Unterhaltung der Leser.

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Fröhliche Rufe und Glückwünsche von allen Seiten.
Rote Wangen und leuchtende Augen.
Ein Lächeln…
Sein Lächeln!
Worte, die an ihr vorbei schwammen. Geräusche waren in den Hintergrund gerückt.
Selbst die Szenerie an sich wirkte unnatürlich. Alles war hell und fröhlich, leuchtende Farben und Sonnenschein.
Es wirkte surreal, ja beinahe so als träume sie.
Oh ja! Sie wünschte sich das all dies ein Traum war. Nichts Sehnlicheres wünschte sie sich.
Doch auch wenn sich ihr Herz dagegen weigerte, hatte ihr Kopf bereits begriffen.
Sie mochte eine Heulsuse sein, aber ihr Verstand war klar wie ein Diamant… hatte das nicht einst ihr Bruder gesagt und es positiv gemeint?
In diesem Augenblick konnte sie dem allerdings rein gar nichts Positives abgewinnen.
Nein, in diesem Moment wäre ihr ein langsamer Geist lieber gewesen.
Nur etwas länger der Illusion erliegen, dass für sie doch noch alles gut werden würde.
Dass er zu ihr kommen würde…
„Edna?“
Er blickte sie an, mit diesen traumhaft schönen Augen, die so viel Ruhe ausstrahlten.
Sie blinzelte nur stumm.
Hatte er ihren Namen gesagt? Hatte er sie etwas gefragt?
Sie konnte sich nicht daran erinnern was in den letzten Minuten gesprochen worden war.
Konnte sich nur noch an den Moment erinnern, der ihre geheimen Hoffnungen eine Klippe hinab gestoßen hatte. Und nun lagen sie am Grund, in tausend Stücke zersprungen.
Melodramatisch, aber schmerzlich wahr.
Er schaute sie noch immer an.
Mit einem Räuspern ging sie den Blickkontakt ein und bemühte sich um eine neutrale Miene.
„Ja?“, fragte sie monoton.
„Du hast noch gar nichts gesagt. Ich hatte erwartet mindestens einen stichelnden Kommentar von dir zu hören.“ Er lachte ein wenig nervös.
Auch die anderen schauten sie nun an, doch für sie galt nur er.
Der Kloß, der sich in ihrem Hals gebildet hatte, machte es schwer zu antworten. Sie schluckte schwer, dann zuckte sie betont teilnahmslos die Schultern.
„Ich freu mich für euch“, presste sie hervor.
Neutral bleiben! Keine Emotion zeigen! Sie betete das Mantra vor sich her, während sie um ihre Fassung kämpfte.
Er wirkte ehrlich überrascht, als sich ein vorsichtiges Lächeln auf sein Gesicht stahl.
Es versetzte ihr einen Stich.
„Ähm, danke.“ Er blinzelte noch einmal verwirrt, dann wandte er sich wieder ab.
Sie wagte es ein wenig aufzuatmen, obwohl ein weiterer Stich ihr Inneres durchzuckte.
Er hatte nichts bemerkt.
Nun, wenn sie etwas konnte, dann war es ihre Emotionen zu verbergen. Immerhin darin war sie eine Meisterin.
Ein bitterer Geschmack machte sich in ihrem Mund breit und sie mühte sich ihn herunter zu schlucken, doch so recht wollte es ihr nicht gelingen.
Er hatte sich inzwischen wieder Ihm zugewandt, das Lächeln auf seinem Gesicht war zu etwas liebevollerem geworden. Etwas, dass er nur Ihm schenkte.
Sie spürte, wie ihre Augen zu brennen begannen, als sich Lippen auf Lippen legten.
„Ihr entschuldigt mich, von dem ganzen Süßholzgeraspel wird mir schlecht“, brachte sie schnippisch gepresst hervor und wandte sich ruckartig um.
Und wie schlecht ihr davon wurde!
Keine Sekunde länger würde sie den Anblick ertragen, ohne in Tränen auszubrechen.
Sie hörte die anderen lachen, als sie mit steifen Schritten davon ging.
Gut, sie hielten es für ihre üblich spröde Art.
In gewohnter Manier spannte sie ihren Schirm auf, der ihr half die Gefühle in sich zu verschließen... normalerweise.
Ihr Blick fiel auf den Normin, der daran herunter hing und zum ersten Mal verfluchte sie das kleine Ding.
Ihr Bruder hatte es ihr als Glücksbringer geschenkt… ein toller Glücksbringer war das! Er bewahrte sie vor körperlichen Verletzungen, aber was die seelischen anging, war er absolut nutzlos.
Genauso nutzlos wie dieser blöde Handschuh und die doofen, viel zu großen Stiefel, die ihr Bruder ihr geschenkt hatte.
Sie alle waren nutzlos! Leere Erinnerungen an einen Menschen, der nie wieder zu ihr zurückkehren würde.
„Verdammt sollst du sein Eizen mit deinen lächerlichen Souvenirs!“, fauchte sie leise, während ihr die Tränen in die Augen schossen.
Sie konzentrierte sich darauf ihre Schritte zu beschleunigen.
Weg! Nur weg, von dem ganzen glücklichem, verliebten Haufen. Wer brauchte schon Liebe! Alles was man damit erreichte war Schmerz und Verlust.
Sie begann zu rennen, achtete nicht darauf wohin sie lief, nur weiter, immer weiter und immer schneller.
Im Lauf begannen auch die Tränen sich aus ihren Augenwinkeln zu lösen, rannen hemmungslos über ihre Wangen, während das erste Schluchzen aus ihr heraus brach.
Plötzlich stolperte sie und verlor den Boden unter den Füßen.
Im nächsten Moment landete sie unsanft auf den Knien. Im Fall hatte sie versucht sich abzufangen und den Schirm losgelassen.
Nun kam er einige Meter von ihr entfernt zum Liegen. Weg war er, der Schutz vor der Außenwelt, die Gewissheit, dass sie ihre Gefühle dahinter verstecken konnte.
Sie schaffte es nicht sich aufzuraffen um ihn aufzuheben, ließ die Tränen einfach laufen, die Schluchzer aus ihr heraus brechen.
Es war sowieso niemand hier, den es interessieren würde.
Das letzte Mal, dass ich so geweint habe war, als Eizen gestorben ist – merkte sie auf und eine weitere Welle Schmerz und Trauer rollte über sie hinweg.
Am liebsten hätte sie geschrien, doch ihre Stimme wirkte wie erstickt von dem riesigen Knoten in ihrem Hals.
So blieb sie sitzen, den Mund zu einem stummen Schrei aufgerissen, während sie sich schluchzend krümmte.

Irgendwann versiegten schließlich die Tränen. Die Schluchzer waren verschwunden, mit ihnen der Kloß in ihrem Hals.
Zurück blieb eine Leere, die sich noch elender anfühlte, als der Schmerz zuvor.
Mit tauben Fingern wischte sie sich über die Augen, strich sich das Kleid glatt und fuhr sich durch die Haare.
Dann zog sie die Knie an, schlang die Arme darum und starrte schweigend in die Ferne.
Sie saß auf einer kleinen Anhöhe, irgendwo auf einer grünen Wiese.
Nur vereinzelt rankten sich Büsche in die Höhe, hier und da stießen sogar Bäume gen dunkler werdenden Himmel.
Es war ruhig und friedlich…
und leer…
In diesem Augenblick wären ihr ein tobender See oder ein lebendiger Wald lieber gewesen, als die tote Stille.
Sie wusste nicht wie lang sie dort saß, wusste nicht wie lang ihre Gedanken chaotisch durcheinander wirbelten, ihr Inneres fühlte sich nach wie vor leer und kalt an.
Es mochten Sekunden vergangen sein, Minuten, vielleicht sogar Stunden, doch wenn sie so Recht überlegte wohl eher Minuten, als jemand ihren Namen rief.
„Edna?“
Sie versteifte sich.
Nicht er! Jeder, nur nicht er!
Doch sie wusste, dass sie sich nicht irrte. Sie hatte seine Stimme sofort erkannt.
Und auch die leichten Schritte konnten keinem der anderen Jungen gehören.
Ihre klammen Finger verkrampften sich ineinander.
Ruhig atmen! Ein und aus! Ein und aus…
„Ist alles in Ordnung?“
Ein Schauer rann ihr über den Rücken.
Er stand nun genau hinter ihr, sie spürte den Punkt, an dem seine Füße den Boden berührten, doch sie wandte sich nicht um.
Zu gefährlich hatte ihre Lippe wieder angefangen zu beben.
„Hey, wir haben uns ein wenig Sorgen gemacht, weil du einfach so verschwunden bist…“ Er brach ab, als sie sich nach wie vor nicht rührte.
Dann räusperte er sich.
„Hier.“
Sie spürte, wie er sich bewegte und plötzlich ragte etwas seitlich über ihre Schulter in ihr Sichtfeld.
Ihr Schirm! Sie hatte ihn nach dem Sturz nicht mehr aufgehoben.
„Der lag dort hinten.“
Sie zögerte einen Moment.
„Danke“, murmelte sie leise, griff nach der Schirmspitze und legte das Geschenk ihres Bruders vor sich auf den Boden.
„Warum?“, fragte sie dann, wohlmöglich noch leiser, doch er schien sie verstanden zu haben.
„Warum was?“, kam es verwirrt zurück.
„Warum bist du hier?“, konkretisierte sie nach einer Pause, obwohl sie viel zu gern nach etwas anderem gefragt hätte.
„Wir haben uns Sorgen gemacht und Lailah meinte, ich soll mal nach dir schauen.“ Er fuhr sich verunsichert durch die Haare.
Sie konnte die Geste nicht sehen, aber sie wusste, dass er sie ausführte. Das tat er immer, wenn er sich in einer Situation unwohl fühlte.
„Lailah also…“ Sie versuchte den Stich zu ignorieren, den es ihr versetzte, dass er nicht von sich aus auf die Idee gekommen war, nach ihr zu suchen.
„Ja, ich dachte auch, dass ich nicht unbedingt die beste Person wäre, um sich nach deinem Wohlbefinden zu erkunden. Schließlich kannst du mich ganz offensichtlich immer noch nicht leiden, aber Lailah war der Meinung…“
„Was?!“ Ihr spitzer Aufschrei unterbrach ihn.
Er verstummte sichtlich verwirrt.
„Ähm… sorry, habe ich irgendwas Falsches gesagt?“
Sie schüttelte angestrengt den Kopf, während sie sich auf die Unterlippe biss.
Er glaubte also wirklich, dass sie ihn nicht leiden konnte…
Wie falsch er damit lag… wie unsäglich falsch.
„Gut… also ich werde dich dann besser in Ruhe lassen und zurück zu Sorey und den anderen gehen. Du kannst ja nachkommen, wenn du möchtest“, murmelte er.
Sorey!
Es war der Name, der sie aus der Starre riss. Ruckartig sprang sie auf und hätte beinahe das Gleichgewicht verloren, weil ihre Knie unter ihr nachzugeben drohten.
„Nein!“ Die Festigkeit ihrer eigenen Stimme überraschte sie.
Mit funkelnden Augen wandte sie sich zu ihm um.
Die Verwirrung stand ihm deutlich ins Gesicht geschrieben.
„Nein?“, hakte er fragend nach.
Sie strafte die schmalen Schultern. „Nein! Ich werde nicht nachkommen.“
Woher diese plötzliche Entschlossenheit kam wusste sie nicht. Sie wusste nur, dass sie ihre Entscheidung getroffen hatte.
„Was… was meinst du damit?“
Ein trauriges Lächeln huschte über ihre Züge, als sie ihn anblickte.
Im Licht der Dämmerung leuchteten seine Augen noch schöner und stärker als sonst.
„Ich… ich brauche eine Weile für mich allein. Ich werde nicht weiter mit euch reisen“, erklärte sie leise.
Fassungslosigkeit spiegelte sich auf seinen ebenen Zügen wieder, als er ihren entschlossenen Blick erwiderte.
„Das kann nicht dein ernst sein! Warum? Was… Ich verstehe das nicht…“, er brach ab.
„Das musst du auch nicht verstehen“, erklärte sie kopfschüttelnd.
Dann lächelte sie und diesmal war es weder zynisch, noch sarkastisch oder gezwungen. Vielleicht ein wenig traurig, aber aufrichtig.
„Ich meine es ernst, ich freue mich wirklich für Sorey und dich. Aber für den Moment kann ich nicht weiter mit euch zusammen reisen. Es tut mir Leid.“
Und dann trat sie vor, streckte sich und streifte sacht mit ihren Lippen seine Wange.
Dabei entging ihm der kurze Augenblick des Schmerzes, der über ihre Züge huschte.
Als sie sich von ihm löste, war das Lächeln auf ihr Gesicht zurückgekehrt.
„Leb wohl und pass gut auf dich auf…
...Mikleo.“
Mit diesen Worten hob sie ihren Schirm auf und verbarg sich dahinter.
Und während sie mit ruhigen Schritten die Anhöhe hinab Schritt, erinnerte sie sich an das was ihr Bruder gesagt hatte:
Sie mochte eine Heulsuse sein, aber ihr Verstand war klar wie ein Diamant.
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